Abitur NRW Deutsch 2021 · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg)

Abiturprüfung Deutsch in Nordrhein-Westfalen 2021, GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg): 5 Aufgaben mit Lösungen. Mit automatischer Korrektur.

Themen der Prüfung: Interpretation lyrischer Texte · Interpretation dramatischer Texte · Literarische Erörterung und Pflichtlektüre · Analyse pragmatischer Texte · Sprachreflexion und Sprachtheorien

Aufgabe HT 1 - Aufgabe 1 · Analyse pragmatischer Texte

Matthias Heine

Die Alpenfestung des Dialekts in der Schweiz

Bis zum Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, gehörte die Schweiz zu Deutschland. Die Urkantone sind alle deutschsprachig, die französisch- und italienischsprachigen kamen erst später dazu. Von den 26 Kantonen sind heute 17 ganz und vier teilweise deutschsprachig. Auch in der Bundesstadt Bern ist Deutsch die einzige offizielle Amtssprache.

Noch die großen Schweizer Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts fühlten sich ganz selbstverständlich dem deutschen Kulturraum zugehörig: […]

Die Schriftsprache war das Bindeglied zwischen Deutschland und der Schweiz, so wie sie bis 1871 das Bindeglied zwischen den vielen deutschen Teilstaaten gewesen war. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: Während in Deutschland spätestens seit dem 18. Jahrhundert die Dialekte nicht nur aus der Schriftsprache, sondern auch aus der Umgangssprache der gebildeten städtischen Schichten nach und nach verdrängt wurden, verwendete das Schweizer Bürgertum die Mundart in der Alltagskommunikation weiter. Unvorstellbar war in der Schweiz eine sprachliche Situation, wie sie Thomas Mann in den „Buddenbrooks“ schildert, wo die Angehörigen der Lübecker Kaufmannsfamilie untereinander ein gepflegtes, von französischen und englischen Modeausdrücken durchsetztes Hochdeutsch reden, aber ins Niederdeutsche wechseln, wenn sie mit den Speicherarbeitern und anderen Angehörigen des gemeinen Volks „schnacken“. Der Schweizer Literaturwissenschaftler Walter Haas schreibt: „Nur in ihrer sozusagen ‚praktischen‘ Funktion als überregionales Medium des Verkehrs und der Kultur wurde die Hochsprache akzeptiert, nicht aber in ihrer nationalsymbolischen Funktion. Gerade in der Weigerung, die Hochsprache als Alltagssprache zu übernehmen, bot sich dem Schweizer die Möglichkeit nationaler Abgrenzung.“ […]

Das 19. Jahrhundert wähnte den Dialekt auf dem Rückzug und manche fürchteten, manche hofften, er werde zumindest bei den Gebildeten auch in der Schweiz verschwinden.

In den 1830er Jahren war in den meisten Kantonen die allgemeine Volksschule eingeführt worden, in der den Kindern das Lesen und Schreiben auf schriftsprachlicher Grundlage beigebracht wurde. […]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es obendrein eine starke Einwanderung aus Deutschland. Das Reich exportierte seinen Bevölkerungsüberschuss nicht nur nach Amerika, sondern auch in die Schweiz – in geringerem Maße zwar, aber ausreichend, um das kleine Land und seine Sprachlandschaft zu verändern. […]

Der Volkskundler Thomas Hengartner registriert für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein „relatives Minimum an Dialektgebrauch“: „Mundarten galten in grossen Teilen der Bevölkerung, besonders derjenigen, die mit der neuen Zeit in grossem Mass konfrontiert wurden, als überkommen, veraltet und zum Aussterben verurteilt.“ […]

Der linguistische Bruch mit dem Deutschen Reich begann mit dem Ersten Weltkrieg, in dem die Schweiz zwar bewaffnete Neutralität wahrte, die Sympathien jedoch bei vielen eher auf französischer Seite lagen als bei den wilhelminisch-auftrumpfenden Verwandten im Norden. Viele deutsche Gastarbeiter kehrten heim ins Reich – die Zuwanderung hatte sich ohnehin schon abgeschwächt, da in Deutschland seit etwa 1890 Arbeitskräftemangel herrschte. Und jetzt empfanden die Schweizer das Bedürfnis, sich selbst und der Welt zu beweisen, dass man zum großen und großkotzigen Reich im Nordosten Distanz hielt. Das eigene Schwyzertütsch 1 war dafür bestens geeignet. Es begann eine Renaissance des Dialekts, ohne dass dieser aber gleich die Allgegenwärtigkeit erreicht hätte, die er in der heutigen Schweiz hat. Hengartner spricht von einer ersten „Mundartwelle“ und fasst zusammen: „Mundart (im Kanton Bern entsteht zu diesem Zeitpunkt eine reiche Theater- und Prosa-Mundart-Literatur) etablierte sich als Faktor zur Identitätsstiftung vorab unter der Deutschschweizer Bevölkerung – zusätzlich in Abhebung zum übrigen deutschsprachigen Raum.“ […]

Die Tendenz, die kulturelle Eigenständigkeit der Schweiz wieder stärker hervorzuheben, setzte sich im ganzen 20. Jahrhundert fort. In der Zwischenkriegszeit, als die Schweiz von aggressiven und landgierigen Nachbarn umgeben war, wurde nicht nur mit dem Bau einer Festungskette, dem Reduit, für den Aggressionsfall gerüstet, sondern es entstand Anfang der dreißiger Jahre auch eine kulturelle Bewegung, die Geistige Landesverteidigung hieß und sich speziell gegen den deutschen Faschismus richtete, in dem man zu Recht bald die größte Gefahr erkannte. Neu geschaffene Institutionen wie die Stiftung „Pro Helvetiae“ sollten das spezifisch Schweizerische betonen. Führende Initiatoren der Geistigen Landesverteidigung waren Sozialdemokraten, und diese priesen natürlich die direkte Volksdemokratie als etwas typisch Schweizerisches. In solch einem geistigen Umfeld wurde das Dialektsprechen endgültig zum Ausweis nationaler Gesinnung. Hengartner nennt dies die zweite Mundart-Welle. […]

Einen besonderen Aufschwung erlebten die Mundarten seit den sechziger Jahren, als sie von Musikern der Alternativkultur propagiert wurden und damit endgültig den letzten Ruch des Bäuerlich-Zurückgebliebenen abschüttelten. Diese Bewegung zählt Hengartner als dritte Mundart-Welle.

Heute ist das Dialektsprechen bis in weite Bereiche der Massenmedien gängig. Die Schweizer Variante des Hochdeutschen wird von vielen Schweizern mehr oder weniger als Fremdsprache bezeichnet. 93,3 Prozent der Deutschschweizer gaben bei der Volkszählung 2000 an, im Alltag Dialekt zu sprechen. Der Experte Hans Bickel ist sicher, dass Schweizer Standarddeutsch im Alltag nur nutzen, wenn sie mit Deutschen verheiratet sind. Bei der Arbeit sprechen selbst im polyglotten 2, international geprägten Zürich drei Viertel der Menschen Dialekt, obwohl ja nicht nur Deutsche, sondern erst recht andere Ausländer und Schweizer aus den nicht deutschsprachigen Landesteilen Schwierigkeiten haben, den Dialekt zu verstehen. Lehrer an weiterführenden Schulen wechseln teilweise innerhalb ein und derselben Unterrichtsstunde zwischen den Varietäten: Für den eigentlichen Unterricht wird Schriftdeutsch benutzt, für die informelle Kommunikation nebenher, etwa wenn man einen Schüler Kreide holen schickt, der Dialekt. Und für die Universität berichtet Walter Haas: „Wie alle Lehrer spreche ich mit meinen Studenten während der ‚Veranstaltung‘ Hochdeutsch, Mundart erst nach dem Klingelzeichen.“

Von den zahlreichen deutschen Zuwanderern wird erwartet, dass sie Dialekt zumindest verstehen. Das ist auch notwendig, denn 66,4 Prozent der Schweizer gaben bei der genannten Volkszählung an, überhaupt kein Standarddeutsch zu sprechen und zumindest aktiv nur den Dialekt zu beherrschen.

Bei aller linguistischen Distanzierung von Deutschland würde jedoch bis heute kein Schweizer leugnen, dass die zahlreichen Dialekte seines Landes Varianten der deutschen Sprache sind. Darin unterscheiden sie sich von den Luxemburgern, die ihr Letzeburgisch, obwohl es eigentlich ein moselfränkischer Dialekt ist, als eigenständige Sprache betrachten.

Anmerkungen zum Autor:

Matthias Heine, geboren 1961, ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Er arbeitete als freier Journalist u. a. für die „Welt“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, seit 2010 ist er Redakteur im Feuilleton der „Welt“. Zudem ist er Autor mehrerer Bücher zum Sprachgebrauch und Sprachwandel.

1 Schwyzertütsch: Schweizerdeutsch, Sammelbezeichnung für die Schweizer Dialekte

2 polyglott: gr. vielsprachig

1. Analysieren Sie Matthias Heines Text „Die Alpenfestung des Dialekts in der Schweiz“. (38 Punkte)

Aufgabe HT 1 - Aufgabe 2 · Sprachreflexion und Sprachtheorien

Matthias Heine

Die Alpenfestung des Dialekts in der Schweiz

Bis zum Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, gehörte die Schweiz zu Deutschland. Die Urkantone sind alle deutschsprachig, die französisch- und italienischsprachigen kamen erst später dazu. Von den 26 Kantonen sind heute 17 ganz und vier teilweise deutschsprachig. Auch in der Bundesstadt Bern ist Deutsch die einzige offizielle Amtssprache.

Noch die großen Schweizer Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts fühlten sich ganz selbstverständlich dem deutschen Kulturraum zugehörig: […]

Die Schriftsprache war das Bindeglied zwischen Deutschland und der Schweiz, so wie sie bis 1871 das Bindeglied zwischen den vielen deutschen Teilstaaten gewesen war. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: Während in Deutschland spätestens seit dem 18. Jahrhundert die Dialekte nicht nur aus der Schriftsprache, sondern auch aus der Umgangssprache der gebildeten städtischen Schichten nach und nach verdrängt wurden, verwendete das Schweizer Bürgertum die Mundart in der Alltagskommunikation weiter. Unvorstellbar war in der Schweiz eine sprachliche Situation, wie sie Thomas Mann in den „Buddenbrooks“ schildert, wo die Angehörigen der Lübecker Kaufmannsfamilie untereinander ein gepflegtes, von französischen und englischen Modeausdrücken durchsetztes Hochdeutsch reden, aber ins Niederdeutsche wechseln, wenn sie mit den Speicherarbeitern und anderen Angehörigen des gemeinen Volks „schnacken“. Der Schweizer Literaturwissenschaftler Walter Haas schreibt: „Nur in ihrer sozusagen ‚praktischen‘ Funktion als überregionales Medium des Verkehrs und der Kultur wurde die Hochsprache akzeptiert, nicht aber in ihrer nationalsymbolischen Funktion. Gerade in der Weigerung, die Hochsprache als Alltagssprache zu übernehmen, bot sich dem Schweizer die Möglichkeit nationaler Abgrenzung.“ […]

Das 19. Jahrhundert wähnte den Dialekt auf dem Rückzug und manche fürchteten, manche hofften, er werde zumindest bei den Gebildeten auch in der Schweiz verschwinden.

In den 1830er Jahren war in den meisten Kantonen die allgemeine Volksschule eingeführt worden, in der den Kindern das Lesen und Schreiben auf schriftsprachlicher Grundlage beigebracht wurde. […]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es obendrein eine starke Einwanderung aus Deutschland. Das Reich exportierte seinen Bevölkerungsüberschuss nicht nur nach Amerika, sondern auch in die Schweiz – in geringerem Maße zwar, aber ausreichend, um das kleine Land und seine Sprachlandschaft zu verändern. […]

Der Volkskundler Thomas Hengartner registriert für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein „relatives Minimum an Dialektgebrauch“: „Mundarten galten in grossen Teilen der Bevölkerung, besonders derjenigen, die mit der neuen Zeit in grossem Mass konfrontiert wurden, als überkommen, veraltet und zum Aussterben verurteilt.“ […]

Der linguistische Bruch mit dem Deutschen Reich begann mit dem Ersten Weltkrieg, in dem die Schweiz zwar bewaffnete Neutralität wahrte, die Sympathien jedoch bei vielen eher auf französischer Seite lagen als bei den wilhelminisch-auftrumpfenden Verwandten im Norden. Viele deutsche Gastarbeiter kehrten heim ins Reich – die Zuwanderung hatte sich ohnehin schon abgeschwächt, da in Deutschland seit etwa 1890 Arbeitskräftemangel herrschte. Und jetzt empfanden die Schweizer das Bedürfnis, sich selbst und der Welt zu beweisen, dass man zum großen und großkotzigen Reich im Nordosten Distanz hielt. Das eigene Schwyzertütsch 1 war dafür bestens geeignet. Es begann eine Renaissance des Dialekts, ohne dass dieser aber gleich die Allgegenwärtigkeit erreicht hätte, die er in der heutigen Schweiz hat. Hengartner spricht von einer ersten „Mundartwelle“ und fasst zusammen: „Mundart (im Kanton Bern entsteht zu diesem Zeitpunkt eine reiche Theater- und Prosa-Mundart-Literatur) etablierte sich als Faktor zur Identitätsstiftung vorab unter der Deutschschweizer Bevölkerung – zusätzlich in Abhebung zum übrigen deutschsprachigen Raum.“ […]

Die Tendenz, die kulturelle Eigenständigkeit der Schweiz wieder stärker hervorzuheben, setzte sich im ganzen 20. Jahrhundert fort. In der Zwischenkriegszeit, als die Schweiz von aggressiven und landgierigen Nachbarn umgeben war, wurde nicht nur mit dem Bau einer Festungskette, dem Reduit, für den Aggressionsfall gerüstet, sondern es entstand Anfang der dreißiger Jahre auch eine kulturelle Bewegung, die Geistige Landesverteidigung hieß und sich speziell gegen den deutschen Faschismus richtete, in dem man zu Recht bald die größte Gefahr erkannte. Neu geschaffene Institutionen wie die Stiftung „Pro Helvetiae“ sollten das spezifisch Schweizerische betonen. Führende Initiatoren der Geistigen Landesverteidigung waren Sozialdemokraten, und diese priesen natürlich die direkte Volksdemokratie als etwas typisch Schweizerisches. In solch einem geistigen Umfeld wurde das Dialektsprechen endgültig zum Ausweis nationaler Gesinnung. Hengartner nennt dies die zweite Mundart-Welle. […]

Einen besonderen Aufschwung erlebten die Mundarten seit den sechziger Jahren, als sie von Musikern der Alternativkultur propagiert wurden und damit endgültig den letzten Ruch des Bäuerlich-Zurückgebliebenen abschüttelten. Diese Bewegung zählt Hengartner als dritte Mundart-Welle.

Heute ist das Dialektsprechen bis in weite Bereiche der Massenmedien gängig. Die Schweizer Variante des Hochdeutschen wird von vielen Schweizern mehr oder weniger als Fremdsprache bezeichnet. 93,3 Prozent der Deutschschweizer gaben bei der Volkszählung 2000 an, im Alltag Dialekt zu sprechen. Der Experte Hans Bickel ist sicher, dass Schweizer Standarddeutsch im Alltag nur nutzen, wenn sie mit Deutschen verheiratet sind. Bei der Arbeit sprechen selbst im polyglotten 2, international geprägten Zürich drei Viertel der Menschen Dialekt, obwohl ja nicht nur Deutsche, sondern erst recht andere Ausländer und Schweizer aus den nicht deutschsprachigen Landesteilen Schwierigkeiten haben, den Dialekt zu verstehen. Lehrer an weiterführenden Schulen wechseln teilweise innerhalb ein und derselben Unterrichtsstunde zwischen den Varietäten: Für den eigentlichen Unterricht wird Schriftdeutsch benutzt, für die informelle Kommunikation nebenher, etwa wenn man einen Schüler Kreide holen schickt, der Dialekt. Und für die Universität berichtet Walter Haas: „Wie alle Lehrer spreche ich mit meinen Studenten während der ‚Veranstaltung‘ Hochdeutsch, Mundart erst nach dem Klingelzeichen.“

Von den zahlreichen deutschen Zuwanderern wird erwartet, dass sie Dialekt zumindest verstehen. Das ist auch notwendig, denn 66,4 Prozent der Schweizer gaben bei der genannten Volkszählung an, überhaupt kein Standarddeutsch zu sprechen und zumindest aktiv nur den Dialekt zu beherrschen.

Bei aller linguistischen Distanzierung von Deutschland würde jedoch bis heute kein Schweizer leugnen, dass die zahlreichen Dialekte seines Landes Varianten der deutschen Sprache sind. Darin unterscheiden sie sich von den Luxemburgern, die ihr Letzeburgisch, obwohl es eigentlich ein moselfränkischer Dialekt ist, als eigenständige Sprache betrachten.

Anmerkungen zum Autor:

Matthias Heine, geboren 1961, ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Er arbeitete als freier Journalist u. a. für die „Welt“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, seit 2010 ist er Redakteur im Feuilleton der „Welt“. Zudem ist er Autor mehrerer Bücher zum Sprachgebrauch und Sprachwandel.

1 Schwyzertütsch: Schweizerdeutsch, Sammelbezeichnung für die Schweizer Dialekte

2 polyglott: gr. vielsprachig

2. Stellen Sie unter Rückgriff auf Ihre im Unterricht erworbenen Kenntnisse die Merkmale und Funktionen der Sprachvarietät „Dialekt“ dar. Erläutern Sie dabei vor allem, welchen Stellenwert diese Sprachvarietät für die Kommunikation besitzt. Nehmen Sie zum Schluss Stellung, inwiefern es auch in Deutschland vorstellbar oder sogar erstrebenswert wäre, Dialekte so zu verwenden, wie Heine es für die Schweiz beschreibt:

„Während in Deutschland spätestens seit dem 18. Jahrhundert die Dialekte nicht nur aus der Schriftsprache, sondern auch aus der Umgangssprache der gebildeten städtischen Schichten nach und nach verdrängt wurden, verwendete das Schweizer Bürgertum die Mundart in der Alltagskommunikation weiter.“ (Z. 10 ff.)

(34 Punkte)

Aufgabe HT 2 · Interpretation lyrischer Texte

Aufgabenstellung

1.

Analysieren Sie Gottfried Benns Gedicht „März. Brief nach Meran“. [37 Punkte]

2.

Erschließen Sie den Inhalt des Gedichts „Frische Fahrt“ von Joseph von Eichendorff. Vergleichen Sie danach die beiden Gedichte von Eichendorff und Benn hinsichtlich der Erwartungen, die die lyrischen Sprecher jeweils an die Reise richten. [35 Punkte]

Materialgrundlage

Gottfried Benn

März. Brief nach Meran 1 (1952)

1 Blüht nicht zu früh, ach blüht erst, wenn ich komme,

dann sprüht erst euer Meer und euren Schaum,

Mandeln, Forsythien 2, unzerspaltene Sonne –

dem Tal den Schimmer und dem Ich den Traum.

5 Ich, kaum verzweigt, im Tiefen unverbunden,

Ich, ohne Wesen, doch auch ohne Schein,

meistens im Überfall von Trauerstunden,

es hat schon seinen Namen überwunden,

nur manchmal fällt er ihm noch flüchtig ein.

10 So hin und her – ach blüht erst, wenn ich komme,

ich suche so und finde keinen Rat,

daß einmal noch das Reich, das Glück, das fromme,

der abgeschlossenen Erfüllung naht.

Anmerkungen zum Autor: Gottfried Benn lebte von 1886 bis 1956. Er studierte Medizin und arbeitete als Arzt. Bereits ab 1912 betätigte er sich auch als Schriftsteller und veröffentlichte Lyrik und Prosa. In den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts erlangte er mit seinem Spätwerk noch einmal eine große Bedeutung.

1 Meran: Stadt in den Südtiroler Alpen (Italien)

2 Forsythien: nach dem englischen Botaniker Forsyth benannter Zierstrauch, auch als Goldflieder oder Goldglöckchen bekannt

Joseph von Eichendorff

Frische Fahrt (1815)

1 Laue Luft kommt blau geflossen,

Frühling, Frühling soll es sein!

Waldwärts Hörnerklang geschossen,

Mutger Augen lichter Schein;

5 Und das Wirren bunt und bunter

Wird ein magisch wilder Fluß,

In die schöne Welt hinunter

Lockt dich dieses Stromes Gruß.

Und ich mag mich nicht bewahren!

10 Weit von euch treibt mich der Wind,

Auf dem Strome will ich fahren,

Von dem Glanze selig blind!

Tausend Stimmen lockend schlagen,

Hoch Aurora 1 flammend weht,

15 Fahre zu! Ich mag nicht fragen,

Wo die Fahrt zu Ende geht!

Anmerkungen zum Autor: Joseph von Eichendorff lebte von 1788 bis 1857. Er studierte Rechtswissenschaft und Philosophie und arbeitete von 1816 bis 1844 im preußischen Staatsdienst. Neben seiner Beamtentätigkeit betätige sich Eichendorff als Dichter und verfasste Erzählungen, Romane, Dramen und Gedichte. Eichendorff ist einer der bekanntesten deutschen Romantiker.

1 Aurora: (römische Göttin der) Morgenröte

Aufgabe HT 3 · Literarische Erörterung und Pflichtlektüre

Abiturprüfung 2021 – Deutsch, Grundkurs

Aufgabenstellung:

1.

Analysieren Sie den vorliegenden Auszug aus Peter von Matts Studie „Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur“ unter dem Gesichtspunkt, auf welche Weise der Autor Kleists Erzählung „Die Marquise von O....“ in die Literaturgeschichte einordnet. Berücksichtigen Sie dabei die wesentlichen Kernaussagen, die Argumentationsweise und die sprachlich-stilistische Machart des Textes.

[40 Punkte]

2.

In seiner Studie vertritt Peter von Matt die These, in Kleists Werk erscheine die „Einrichtung der Welt“ nicht mehr als erklärbar. Stellen Sie dar, inwiefern die Marquise in der Erzählung mit unerklärlichen Geschehnissen und Gefühlen konfrontiert ist, und bringen Sie Ihre Ergebnisse mit Kleists Erzählweise in Zusammenhang. Beurteilen Sie im Anschluss, wie tragfähig die These Peter von Matts ist.

[32 Punkte]

Materialgrundlage

Peter von Matt: Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur. München: Hanser Verlag 2017, S. 160 ff.

Peter von Matt

Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur (Auszug) 1

In einer berühmten Erzählung aus dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erkennt eine junge Witwe, dass sie schwanger ist, ohne die geringste Ahnung zu haben, wie es dazu kommen konnte. Sie erlebt die Situation als so ausweglos, dass sie eine Anzeige in die Zeitung setzt, ihren Zustand öffentlich bekanntmacht und den unbekannten Vater des Kindes auffordert, sich bei ihr zu melden; sie sei, „aus Familien-Rücksichten“, bereit, ihn zu heiraten. Das ist der durchaus reißerische Ausgangspunkt von Kleists Novelle Die Marquise von O.... Die Arbeit ist im Februar 1808 in Dresden erstmals im Druck erschienen, im zweiten Heft der vom Autor mitherausgegebenen Zeitschrift Phöbus.

Eine Situation, die zugleich evident und unmöglich ist, wie die Marquise sie am eigenen Leib erfährt, ist für Kleists Schreiben im höchsten Maße spezifisch. Er hat erzählerische Arrangements dieser Art fieberhaft gesucht und mit Scharfsinn selbst konstruiert. Daher konzentriert sich die breite Forschung zu dieser Erzählung denn auch überwiegend auf die existentielle Verfassung der Frau, die sich selbst zum Rätsel geworden ist, und auf den dramatischen Prozess, in dem sie gegen den drohenden Wahnsinn kämpft und sich schließlich ihrer souveränen Person versichert. [...]

Während des ganzen Verstoßungsvorgangs 2 hat die Marquise, im Vertrauen auf die Liebe zwischen ihr und den Eltern, um deren Verständnis gekämpft, bis hin zu körperlichem Greifen und Klammern. Um es von Kleists Konfliktmuster her zu formulieren: Sie hat ihnen abringen wollen, trotz der erwiesenen Schwangerschaft an ihre Unschuld zu glauben. Der Schuss 3 setzt dieser extremen Anstrengung ein Ende. Auf einen Schlag ist die Marquise allein auf der Welt.

In der Plötzlichkeit der Detonation spricht sich der Sturz des Subjekts aus jeder gesicherten Ordnung aus. Der Lichtblitz, der zum Schuss gehört, ist auch der Blitz dieser Erkenntnis. Deshalb musste der Auftritt so umständlich gebaut werden, bis hin zu den seltsamen Haltungen und Gebärden. [...]

Statt sie endgültig in Verwirrung und Wahnsinn zu stürzen, macht der Blitz der Erkenntnis nun aber die Marquise frei. Sie bettelt nicht mehr, sie handelt. Knapp und scharf weist sie den Bruder ab, der ihr im Auftrag des Vaters die zwei Kinder wegnehmen will: „Sag deinem unmenschlichen Vater, daß er kommen und mich niederschießen: nicht aber mir meine Kinder entreißen könne!“ Man beachte das Wörtchen „deinem“; damit erklärt sie, dass der Kommandant ihr Vater nicht mehr sei. Mit einem einzigen Possessivpronomen kehrt sie die Verstoßung, die der Alte vollzogen hat, um. Nun ist sie es, die den Schnitt tut, und der Verweis auf das Niederschießen bestätigt nochmals die Bedeutung des Schusses für diese Verwandlung ihrer Person. [...]

Die berühmten, hundertfach zitierten Sätze, die nun folgen, fassen nur zusammen und bringen auf den Begriff, was in der Konfrontation mit dem vaterhörigen Bruder bereits Wirklichkeit geworden ist. Und sie sind so beschaffen, diese Sätze, dass sie durch keine Vielzahl des Zitierens zu abgedroschenen Floskeln werden können:

Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor. [...] Ihr Verstand, stark genug, in ihrer sonderbaren Lage nicht zu reißen, gab sich ganz unter der großen, heiligen und unerklärlichen Einrichtung der Welt gefangen.

Die Konsequenz daraus ist der Vorsatz, sich von nun an „mit Stolz gegen die Anfälle der Welt zu rüsten“.

Die zitierten Sätze schlagen eine Brücke zwischen der Anthropologie der deutschen Klassik 4 und modernen Daseinserfahrungen. [...] Für Goethe und Schiller ist die Einrichtung der Welt im Wesentlichen erklärlich. Für Kleist ist sie das mit absoluter Entschiedenheit nicht. Für ihn ist die Welt, seit er sich von allen Wissenschaften in einem radikalen Akt abgewandt hat, so beschaffen, dass ein erwiesenes Faktum zugleich unmöglich und etwas schlechthin Unmögliches zugleich eine Tatsache sein kann. Was ich mit Augen sehe und mit Händen greife, kann falsch sein, was allen Erfahrungen, Prüfungen und Beweisen widerspricht, kann trotzdem zutreffen. [...]

Mit welcher Besessenheit Kleist diesen epochalen Erkenntniskollaps zur äußersten Konsequenz treibt, zeigt das Finale der Marquise von O...., wo der schöne und edle Offizier, der die Marquise vor der Schändung durch eine wüste Soldateska rettete, sich als der Mann zu erkennen gibt, der die Ohnmächtige anschließend vergewaltigt und geschwängert hat. Die Marquise muss in diesem Moment ertragen, dass der engelgleiche Beschützer zugleich ein unbezweifelbarer Teufel war. Sie braucht die beiden Begriffe „Engel“ und „Teufel“ selbst, und Kleist legt sie ihr in den Mund, um mit dem Kontrast das Fazit aus seinem experimentellen Test auf die Verlässlichkeit des menschlichen Erkennens zu ziehen.

1 In seiner Studie geht der Literaturwissenschaftler Peter von Matt der Frage nach, welche Bedeutung die Darstellung von Küssen in der Literatur hat. Im folgenden Auszug setzt sich der Autor mit der Novelle „Die Marquise von O....“ auseinander.

2 Verstoßungsvorgangs: Peter von Matt bezieht sich hier auf die Verstoßung der Marquise aus ihrem Elternhaus.

3 Schuss: Bezugnahme auf die Situation in Kleists Novelle, in der der Obrist nach seiner Pistole greift und einen Schuss auslöst

4 Anthropologie der deutschen Klassik: Bezugnahme auf das von den Klassikern Goethe und Schiller entwickelte Menschenbild, nach dem sich der Mensch in einem von vielfältigen äußeren und inneren Einflüssen geprägten Prozess fortlaufend entwickelt und vervollkommnet

Anmerkungen zum Autor: Peter von Matt, geboren 1937, ist ein Schweizer Germanist und Schriftsteller. Er lehrte als Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich.

Aufgabe HT 4 · Interpretation dramatischer Texte

Abiturprüfung 2021 · Deutsch, Grundkurs

Aufgabenstellung HT 4

Materialgrundlage

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise. Ein Dramatisches Gedicht, in fünf Aufzügen. Studienausgabe. Hrsg. von Kai Bremer und Valerie Hantzsche. Stuttgart: Reclam 2013, S. 23 ff.

Aufgabenstellung:

1. Analysieren Sie den abgedruckten Auszug aus Lessings Drama „Nathan der Weise“ hinsichtlich des Gesprächsverlaufs, der Haltungen Al-Hafis und seines inneren Konflikts. Erschließen Sie dabei, auf welche sprachliche Weise dieser Konflikt in Al-Hafis Äußerungen gestaltet ist. [45 Punkte]

2. Stellen Sie in knapper Form dar, wie Al-Hafis innerer Konflikt im weiteren Handlungsverlauf des Dramas fortgeführt wird. Erläutern Sie, welche Bedeutung Al-Hafi im Figurengefüge des Dramas mit Blick auf den Aufklärungsgedanken zukommt. [27 Punkte]

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

1. Aufzug, 3. Auftritt (Auszug)

Nathan erfährt zu Beginn des 3. Auftritts, dass Al-Hafi Schatzmeister des Sultans geworden ist.

Dritter Auftritt.

NATHAN und der DERWISCH.

[...]

NATHAN. Was bringt dir deine Stelle?

DERWISCH. Mir?

425 Nicht viel. Doch Euch, Euch kann sie treflich wuchern 1.

Denn ist es Ebb' im Schatz, – wie öfters ist, –

So zieht Ihr Eure Schleusen auf: schießt vor,

Und nehmt an Zinsen, was Euch nur gefällt.

NATHAN. Auch Zins vom Zins der Zinsen?

DERWISCH. Freylich!

NATHAN. Bis

430 Mein Kapital zu lauter Zinsen wird.

DERWISCH.

Das lockt Euch nicht? – So schreibet unsrer Freundschaft

Nur gleich den Scheidebrief 2 ! Denn wahrlich hab'

Ich sehr auf Euch gerechnet.

NATHAN. Wahrlich? Wie

Denn so? wie so denn?

DERWISCH. Daß Ihr mir mein Amt

435 Mit Ehren würdet führen helfen; daß

Ich allzeit offne Kasse bey Euch hätte. –

Ihr schüttelt 3 ?

NATHAN. Nun, verstehn wir uns nur recht!

Hier giebts zu unterscheiden. – Du? warum

Nicht du? Al-Hafi Derwisch 4 ist zu allem,

440 Was ich vermag, mir stets willkommen. – Aber

Al-Hafi Defterdar 5 des Saladin,

Der – dem –

DERWISCH. Errieth ichs nicht? Daß Ihr doch immer

So gut als klug, so klug als weise seyd! –

Geduld! Was Ihr am Hafi unterscheidet,

445 Soll bald geschieden wieder seyn. – Seht da

Das Ehrenkleid, das Saladin mir gab.

Eh es verschossen ist, eh es zu Lumpen

Geworden, wie sie einen Derwisch kleiden,

Hängts in Jerusalem am Nagel, und

450 Ich bin am Ganges 6, wo ich leicht und barfuß

Den heißen Sand mit meinen Lehrern trete.

NATHAN. Dir ähnlich gnug!

DERWISCH. Und Schach mit ihnen spiele.

NATHAN. Dein höchstes Gut!

DERWISCH. Denkt nur, was mich verführte! –

Damit ich selbst nicht länger betteln dürfte?

455 Den reichen Mann mit Bettlern spielen könnte?

Vermögend wär' im Huy den reichsten Bettler

In einen armen Reichen zu verwandeln?

NATHAN. Das nun wohl nicht.

DERWISCH. Weit etwas abgeschmackters 7 !

Ich fühlte mich zum erstenmahl geschmeichelt;

460 Durch Saladins gutherz'gen Wahn geschmeichelt –

NATHAN. Der war?

DERWISCH. »Ein Bettler wisse nur, wie Bettlern

Zu Muthe sey; ein Bettler habe nur

Gelernt, mit guter Weise Bettlern geben.

Dein Vorfahr 8, sprach er, war mir viel zu kalt,

465 Zu rauh. Er gab so unhold 9, wenn er gab;

Erkundigte so ungestüm sich erst

Nach dem Empfänger; nie zufrieden, daß

Er nur den Mangel kenne, wollt' er auch

Des Mangels Ursach wissen, um die Gabe

470 Nach dieser Ursach filzig 10 abzuwägen,

Das wird Al-Hafi nicht! So unmild mild

Wird Saladin im Hafi nicht erscheinen!

Al-Hafi gleicht verstopften Röhren nicht,

Die ihre klar und still empfangnen Wasser

475 So unrein und so sprudelnd wieder geben.

Al-Hafi denkt; Al-Hafi fühlt wie ich!« –

So lieblich klang des Voglers Pfeife 11, bis

Der Gimpel 12 in dem Netze war. – Ich Geck 13 !

Ich eines Gecken Geck!

NATHAN. Gemach, mein Derwisch,

Gemach!

DERWISCH.

480 Ey was! – Es wär' nicht Geckerey,

Bey Hunderttausenden die Menschen drücken,

Ausmärgeln 14, plündern, martern, würgen; und

Ein Menschenfreund an Einzeln scheinen wollen?

Es wär' nicht Geckerey, des Höchsten Milde,

485 Die sonder 15 Auswahl über Bös' und Gute

Und Flur und Wüsteney, in Sonnenschein

Und Regen sich verbreitet, – nachzuäffen,

Und nicht des Höchsten immer volle Hand

Zu haben? Was? es wär' nicht Geckerey...

NATHAN. Genug! hör auf!

490 DERWISCH. Laßt m e i n e r Geckerei

Mich doch nur auch erwähnen! – Was? es wäre

Nicht Geckerey, an solchen Geckereyen

Die gute Seite dennoch auszuspüren,

Um Antheil, dieser guten Seite wegen,

495 An dieser Geckerey zu nehmen? Heh?

Das nicht?

NATHAN. Al-Hafi, mache, daß du bald

In deine Wüste wieder kömmst. Ich fürchte

Grad unter Menschen möchtest du ein Mensch

Zu seyn verlernen.

DERWISCH. Recht, das fürcht' ich auch.

Lebt wohl!

500 NATHAN. So hastig? – Warte doch, Al-Hafi.

Entläuft dir denn die Wüste? – Warte doch! –

Daß er mich hörte! – He, Al-Hafi! hier! –

Weg ist er; und ich hätt' ihn noch so gern

Nach unserm Tempelherrn gefragt. Vermuthlich,

505 Daß er ihn kennt.

1 wuchern: Zinsen bringen

2 Scheidebrief: hier: die Freundschaft aufkündigen

3 schüttelt: den Kopf schütteln

4 Derwisch: muslimischer Bettelmönch; weitere Charakterisierung durch den sprechenden Namen Al-Hafi („Barfüßler“); Derwisch ist auch der Name eines Angehörigen der muslimischen asketischen Glaubensgemeinschaft der Sufis

5 Defterdar: Schatzmeister

6 Ganges: heiliger Fluss der Inder, der als Ort der Weltentsagung und Erlösung gilt

7 abgeschmackt: hier etwa: töricht

8 Vorfahr: hier: Vorgänger im Amt

9 unhold: das Gegenteil von freigiebig

10 filzig: geizig

11 Voglers Pfeife: Lockpfeife eines Vogelfängers

12 Gimpel: Singvogelart: hier Gebrauch in übertragener Bedeutung: beschränkter, einfältiger, leichtgläubiger Mensch

13 Geck: Narr, törichter Mensch

14 Ausmärgeln: entkräften, auszehren

15 sonder: ohne

Teilaufgabe 1:

Teilaufgabe 2:

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