Abitur NRW Physik 2023 · LK · Nachtermin

Abiturprüfung Physik in Nordrhein-Westfalen 2023, LK · Nachtermin: 7 Aufgaben mit Lösungen. Mit automatischer Korrektur.

Themen der Prüfung: Geladene Teilchen in elektrischen und magnetischen Feldern · Photonen und Photoeffekt · Quantenobjekte · Kernphysik und ionisierende Strahlung

Aufgabe 1 - Teilaufgabe 1: Dickenmessung mit Rönt… · Photonen und Photoeffekt

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Messung von Foliendicken

In der Folienproduktion gelten strenge Qualitätsanforderungen. Dazu gehört unter anderem, dass die festgelegten Materialdicken der Folien bis auf wenige Mikrometer eingehalten werden. Um dies zu überprüfen, wird die Dicke der Folie gemessen. Abbildung 1a stellt den grundsätzlichen Messaufbau dar, Abbildung 1b zeigt beispielhaft eine Dickenmessanlage.

Für die Dickenmessung kommen unterschiedliche Strahlenarten infrage. In Teilaufgabe 1 wird zunächst Röntgenstrahlung eingesetzt, anschließend in Teilaufgabe 2 α\alpha-Strahlung. Als Detektor dient in Teilaufgabe 1 ein Geiger-Müller-Zählrohr (GMZ), in Teilaufgabe 2 ein Halbleiterdetektor.

Teilaufgabe 1: Dickenmessung mit Röntgenstrahlung

Als Strahlenquelle dient zunächst eine Röntgenröhre. Abbildung 2 zeigt zwei Röntgenspektren: Eines wurde ohne Zirkon-Filter (Zr-Filter), das andere mit Zr-Filter aufgenommen.

Aufgetragen ist die Wellenlänge λ\lambda in Pikometern gegen die mit einem GMZ gemessene Zählrate RR in Impulsen pro Sekunde (Imp/s).

a)

Zuerst soll das Röntgenspektrum ohne Zr-Filter qualitativ untersucht werden (vgl. durchgezogener Graph in Abbildung 2).

Beschreiben Sie das Spektrum ohne Zr-Filter anhand von Abbildung 2.

Beschreiben Sie, welche physikalischen Prozesse auf atomarer Ebene in einer Röntgenröhre Röntgenstrahlung erzeugen.

b)

Nun wird das Röntgenspektrum ohne Zr-Filter quantitativ ausgewertet.

Ermitteln Sie mithilfe von Abbildung 2 die Beschleunigungsspannung UBU_B, die an der Röntgenröhre eingestellt ist.

Bestimmen Sie mithilfe von Abbildung 2 die Wellenlängen λ1\lambda_1 und λ2\lambda_2 der beiden Peaks.

Die beiden Peaks gehören zu charakteristischen Linien des Röntgenspektrums, hier zur KαK_\alpha- und zur KβK_\beta-Linie.

Berechnen Sie die Energien der KαK_\alpha- und der KβK_\beta-Linie in keV.

Begründen Sie mithilfe einer quantitativen Energiebetrachtung, weshalb der Peak der LαL_\alpha-Linie in Abbildung 2 fehlt.

c)

Um die Röntgenstrahlung zu filtern, wird ein Zr-Filter vor den Austritt der Röntgenröhre gestellt (vgl. gestrichelter Graph in Abbildung 2).

Vergleichen Sie die zwei Spektren aus Abbildung 2.

Erläutern Sie anhand von Abbildung 2, dass der Zr-Filter näherungsweise nur eine bestimmte Wellenlänge der Röntgenstrahlung passieren lässt.

d)

Für die Dickenmessung von Aluminiumfolie wird der Zr-Filter verwendet. Aluminiumfolie dient als Absorber im Strahlengang. Gemessen wird die Zählrate RR abhängig von der Anzahl nn hintereinander angeordneter Folien. Tabelle 1 enthält die Messwerte.

Anzahl nn der Aluminiumfolien

0

32

64

128

256

Zählrate RR in Imp/s

2346

1734

1172

534

148

Für die Schwächung der Röntgenstrahlung durch die Folien gilt: R(n)=R0⋅e−μnR(n) = R_0 \cdot e^{-\mu n}. Dabei bezeichnet R0R_0 die Zählrate ohne Absorber (Eingangszählrate), R(n)R(n) die Zählrate bei nn Folien und μ\mu einen Schwächungskoeffizienten.

Zeigen Sie durch Auswertung aller Messwerte, dass diese näherungsweise folgendem Gesetz folgen: R(n)=2350 1s⋅e−μnR(n) = 2350\,\frac{1}{\text{s}} \cdot e^{-\mu n} mit μ=0,011\mu = 0{,}011.

e)

n1/2n_{1/2} ist die Anzahl der Aluminiumfolien, bei der die Zählrate RR der Röntgenstrahlung auf die Hälfte der Anfangsrate R0R_0 gesunken ist.

Bestimmen Sie n1/2n_{1/2}.

Berechnen Sie die Anzahl nn der Folien, bei der etwa 19 %19\,\% der Anfangsrate R0R_0 gemessen werden.

Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2: Dickenmessung mit radi… · Kernphysik und ionisierende Strahlung

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Messung von Foliendicken

In der Folienproduktion gelten strenge Qualitätsanforderungen. Dazu gehört unter anderem, dass die festgelegten Materialdicken der Folien bis auf wenige Mikrometer eingehalten werden. Um dies zu überprüfen, wird die Dicke der Folie gemessen. Abbildung 1a stellt den grundsätzlichen Messaufbau dar, Abbildung 1b zeigt beispielhaft eine Dickenmessanlage.

Für die Dickenmessung kommen unterschiedliche Strahlenarten infrage. In Teilaufgabe 1 wird zunächst Röntgenstrahlung eingesetzt, anschließend in Teilaufgabe 2 α\alpha-Strahlung. Als Detektor dient in Teilaufgabe 1 ein Geiger-Müller-Zählrohr (GMZ), in Teilaufgabe 2 ein Halbleiterdetektor.

Teilaufgabe 2: Dickenmessung mit radioaktivem Präparat

Für radioaktive Zerfälle gilt das Zerfallsgesetz: N(t)=N0⋅e−λ⋅tN(t) = N_0 \cdot \mathrm{e}^{-\lambda \cdot t}. Hierbei ist N0N_0 die Anzahl der am Anfang vorhandenen Atomkerne (also für t=0t = 0), N(t)N(t) die Anzahl der noch nicht zerfallenen Kerne zur Zeit tt und λ\lambda die Zerfallskonstante. Neben der Anzahl der Kerne ist die Aktivität AA eines radioaktiven Präparates, also die Anzahl der Kernzerfälle pro Zeit von Interesse.

a)

Leiten Sie ausgehend vom Zerfallsgesetz her, dass für die Aktivität AA die Gleichung A(t)=λ⋅N(t)A(t) = \lambda \cdot N(t) gilt.

b)

Der radioaktive Zerfall des Radionuklids Americium-241 (Am-241) wird durch

95241Am→93237Np+24α{}^{241}_{95}\mathrm{Am} \rightarrow {}^{237}_{93}\mathrm{Np} + {}^4_2\alpha

beschrieben. Die Halbwertszeit von Am-241 beträgt TH=432,2 aT_H = 432{,}2\ \mathrm{a}.

• Geben Sie anhand der Nuklidkarte die nächsten drei Zerfallsschritte der Am-241-Zerfallsreihe an und nennen Sie dabei jeweils die Halbwertszeit THT_H.

• Begründen Sie, weshalb die Zerfälle der Tochterkerne von Am-241 bei einem frisch hergestellten Präparat dieses Radionuklids kaum zur ionisierenden Strahlung beitragen.

c)

Für den Zusammenhang zwischen der Zerfallskonstanten λ\lambda und der Halbwertszeit THT_H gilt: λ=ln⁡(2)TH\lambda = \frac{\ln(2)}{T_H}. Zum Zeitpunkt t=0t = 0 beträgt die Anzahl der noch nicht zerfallenen Am-241-Kerne eines Präparates N0=1,455⋅1015N_0 = 1{,}455 \cdot 10^{15}.

Bestimmen Sie die Aktivität A0A_0 des Präparates.

Für die weiteren Experimente wird ein Am-241-Strahlerstift mit einer Aktivität von A=70 kBqA = 70\ \mathrm{kBq} verwendet. Das im Strahlerstift befindliche Americium ist von einem Metallzylinder umschlossen. Damit keine Am-241-Kerne aus dem Strahlerstift gelangen können, befindet sich eine sehr dünne Abdeckschicht vor der Öffnung des Strahlerstifts. Mit einem Halbleiterdetektor lässt sich die Energie der aus dem Strahlerstift austretenden α\alpha-Strahlung messen. Um den Energieverlust von α\alpha-Strahlung beim Durchgang durch Aluminiumfolie zu messen, werden zwischen Am-241-Strahlerstift und Halbleiterdetektor Aluminiumfolien gesetzt (vgl. Abbildung 3).

Bevor Messungen mit einer Aluminiumfolie im Strahlengang durchgeführt werden, befindet sich zwischen dem Strahlerstift und dem Halbleiterdetektor nur ein schmaler Luftspalt. Abbildung 4 zeigt in einem Energiespektrum die Anzahl registrierter α\alpha-Teilchen, also die Impulse, in Abhängigkeit ihrer Energien EE in keV für eine Messzeit von Δt=10 min\Delta t = 10\ \mathrm{min}.

Im Energiespektrum entspricht das Maximum der Messkurve dem am häufigsten gemessenen Energiewert. Dieser ist in Abbildung 4 mit einem Pfeil gekennzeichnet.

d)

Beschreiben Sie, wie der Graph in Abbildung 4 verläuft.

e)

Der Literatur kann man entnehmen, dass die meisten α\alpha-Teilchen beim Mutterzerfall von Am-241 in Np-237 mit einer kinetischen Energie von etwa Ekin=5,5 MeVE_{\mathrm{kin}} = 5{,}5\ \mathrm{MeV} emittiert werden.

Begründen Sie, weshalb der häufigste Energiewert der Messkurve in Abbildung 4 erheblich unter diesem Wert liegt.

Nacheinander werden unterschiedlich dicke Aluminiumfolien in den Strahlengang gebracht. Die Foliendicken sind d1=5 μmd_1 = 5\ \mu\mathrm{m}, d2=6 μmd_2 = 6\ \mu\mathrm{m} und d3=10 μmd_3 = 10\ \mu\mathrm{m}. Die drei Messungen sowie die Messung ohne Aluminiumfolie (d0=0 μmd_0 = 0\ \mu\mathrm{m}) sind in Abbildung 5 zusammengefasst.

f)

• Ermitteln Sie aus Abbildung 5 für jede der Messkurven den häufigsten Energiewert.

Dicke dd

0 μm0\ \mu\mathrm{m}

5 μm5\ \mu\mathrm{m}

6 μm6\ \mu\mathrm{m}

10 μm10\ \mu\mathrm{m}

Energie EE (in keV)

Zwischen den verwendeten Foliendicken dd und dem häufigsten Energiewert besteht näherungsweise ein linearer Zusammenhang.

• Zeigen Sie anhand der häufigsten Energiewerte, dass der Energieverlust ΔE\Delta E der α\alpha-Teilchen in Aluminium linear von der Foliendicke dd abhängt.

• Bestimmen Sie hieraus den Energieverlust ΔE\Delta E in keV je μm\mu\mathrm{m} Foliendicke dd.

Die unbekannte Dicke dd einer Aluminiumfolie soll anhand einer Energiemessung bestimmt werden. Dazu wird sie in den Strahlengang der α\alpha-Teilchen gebracht. Im Energiespektrum liegt der häufigste Energiewert bei E=2650 keVE = 2650\ \mathrm{keV}.

• Ermitteln Sie hiermit die gesuchte Dicke dd der Aluminiumfolie.

g)

Ein Unternehmen, das Aluminiumfolien herstellt, möchte die Dicke dd der herzustellenden Folie möglichst konstant halten. Dazu kann einerseits während des laufenden Produktionsprozesses mit kurzen Messzeiten Δt\Delta t die Dicke dd gemessen werden, andererseits kann bei bereits produzierter Folie in einem Qualitätsprüfverfahren auch mit langen Messzeiten Δt\Delta t die Dicke dd gemessen werden. Beide Verfahren werden in der Industrie eingesetzt. Die Messung der Foliendicke dd ist dabei mit einer Messunsicherheit Δd\Delta d behaftet.

• Begründen Sie, weshalb die Messunsicherheit Δd\Delta d der Dickenmessung im laufenden Produktionsprozess größer ausfällt als im Qualitätsprüfverfahren.

• Beurteilen Sie, welches der in den Teilaufgaben 1 und 2 verwendeten Messverfahren zur Dickenmessung jeweils im Produktionsprozess und welches im Qualitätsprüfverfahren eingesetzt werden sollte.

Aufgabe 2: Historische Experimente zu Erkenntniss… · Quantenobjekte

Aufgabenstellung: Historische Experimente zu Erkenntnissen in der Quantenphysik

Davisson und Germer konnten 1927 als Erste die vom Physiker De Broglie 1923 vorhergesagte Welleneigenschaft eines Elektrons experimentell nachweisen. Erst 1961 gelang es Jönsson, die Welleneigenschaft des Elektrons am Doppelspalt nachzuweisen.

Teilaufgabe 1: De-Broglie-Hypothese

a)

Geben Sie jeweils ein Experiment samt zentraler Beobachtung an, das die Welleneigenschaft von Licht belegt, und eines, das die Teilcheneigenschaft von Licht belegt.

b)

De Broglie fasste Teilchen in Bewegung jeweils als eine Materiewelle auf und ordnete ihnen die Wellenlänge λ=hp\lambda = \frac{h}{p} zu, wobei hh das Planck'sche Wirkungsquantum und pp der Impuls der Teilchen ist.

Leiten Sie ausgehend von der für die Energie von Photonen mit der Frequenz ff geltenden Gleichung E=h⋅fE = h \cdot f die Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} für den Impuls der Photonen pp unter Verwendung der relativistischen Beziehung E=m⋅c2E = m \cdot c^2 zwischen Energie EE, Masse mm und Lichtgeschwindigkeit cc her.

c)

Gemäß der Hypothese von De Broglie lässt sich die hergeleitete Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} auf beliebige Quantenobjekte anwenden. In einem Teilchenbeschleuniger wird ein Elektron auf die Geschwindigkeit von v=0,9 cv = 0{,}9\,c beschleunigt. Die Wellenlänge des Elektrons ist dann λ=1,18 pm\lambda = 1{,}18\,\text{pm}.

Teilaufgabe 2: Das Davisson-Germer-Experiment

Davisson und Germer waren die ersten Physiker, die experimentell nachweisen konnten, dass man bewegten Elektronen eine Wellenlänge zuordnen kann. Dazu wurden Elektronen in Form eines Elektronenstrahls auf einen Nickel-Einkristall geschossen und die reflektierten Elektronen unter dem Winkel φ\varphi detektiert.

Durchlaufen die Elektronen eine Beschleunigungsspannung von UB=54,00 VU_B = 54{,}00\,\text{V}, so findet eine Reflexion der Elektronen an den Atomen an der Oberfläche des Nickel-Einkristalls statt. Der Abstand benachbarter Atome wird mit dd bezeichnet.

a)

Zeichnen Sie in Abbildung 5 den Gangunterschied Δs\Delta s der beiden Elektronenstrahlen ein, erklären Sie, warum beim Detektor Maxima und Minima registriert werden können, und leiten Sie für Maxima die Beziehung d⋅sin⁡(φ)=n⋅λd \cdot \sin(\varphi) = n \cdot \lambda her.

b)

Unter einem Winkel von φ=50,00∘\varphi = 50{,}00^\circ detektiert man das Maximum 1. Ordnung für d=215,0 pmd = 215{,}0\,\text{pm}.

%

c)

Erläutern Sie, wie sich der Winkel φ\varphi des Maximums 1. Ordnung ändert, falls die Beschleunigungsspannung UBU_B vergrößert wird.

d)

Beim Experiment mit der Elektronenbeugungsröhre kann man auch die Welleneigenschaft von Elektronen nachweisen.

e)

Die Beugung von Elektronen in der Graphitfolie erfolgt nach dem Prinzip der Bragg-Reflexion.

Teilaufgabe 3: Der Doppelspaltversuch von Jönsson

a)

Erläutern Sie, weshalb die Doppelspalte für Elektronen frei von Materie sein müssen.

b)

Beim Jönsson-Experiment wurde eine Beschleunigungsspannung von UB=50,0 kVU_B = 50{,}0\,\text{kV} genutzt. Die Elektronen hatten dann eine Wellenlänge von λ=5,36 pm\lambda = 5{,}36\,\text{pm}. Die Entfernung zwischen Doppelspalt und Schirm betrug e=35,0 cme = 35{,}0\,\text{cm} und der Spaltabstand d=0,200 μmd = 0{,}200\,\mu\text{m}.

c)

Bei der Detektion von Elektronen, die einen Doppelspalt durchlaufen haben, können die Elektronen auf einem Schirm gemessen und gezählt werden.

d)

Beobachtet man beim Doppelspaltexperiment mit Elektronen, durch welchen Spalt sich das Elektron bewegt, so verändert sich das detektierte Bild.

Skizzieren Sie die Verteilung der Elektronen am Detektor und erklären Sie den wesentlichen Unterschied im Vergleich zu Abbildung 8 für n=140.000n = 140.000 Detektionen mithilfe der Wellenfunktion.

Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1: Kernfusion von Deuteri… · Kernphysik und ionisierende Strahlung

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Kernfusionsreaktoren

Wenn Fusionsreaktoren und ihre Technik weiter erforscht und optimiert werden, könnten sie künftig eine Alternative zu den bisher üblichen Energieträgern darstellen. Der ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich, der in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt ist, ist ein Beispiel für einen solchen Reaktor. Um zu verstehen, wie Fusionsreaktoren funktionieren, spielen elektrische und magnetische Felder eine zentrale Rolle.

Teilaufgabe 1: Kernfusion von Deuterium und Tritium

Zur Beschreibung elektrischer Phänomene führte Michael Faraday den Begriff des Feldes ein.

a)

Nennen Sie zwei physikalische Merkmale eines elektrischen Felds.

b)

Bei der Kernfusion bildet sich ein Heliumkern, indem ein Tritiumkern (3H^3\text{H}-Isotop von Wasserstoff) mit der Ladung qT=+eq_T = +e und ein Deuteriumkern (2H^2\text{H}-Isotop von Wasserstoff) mit der Ladung qD=+eq_D = +e verschmelzen.

Betrachtet man die elektrische Kraft FelF_\text{el} zwischen zwei Punktladungen der Ladung qq und QQ mit dem Abstand rr, so wird diese gemäß Fel=14πε0⋅q⋅Qr2F_\text{el} = \frac{1}{4\pi\varepsilon_0}\cdot\frac{q\cdot Q}{r^2} bestimmt. Dabei beträgt die elektrische Feldkonstante ε0=8,854⋅10−12 AsVm\varepsilon_0 = 8{,}854\cdot 10^{-12}\,\frac{\text{As}}{\text{Vm}}.

Stellen Sie die Wechselwirkung in einer Zeichnung dar, in der Sie die Kerne zusammen mit Pfeilen für die wirkenden Kräfte darstellen.

Wird der Abstand der beiden Kerne auf die Größenordnung eines Kerndurchmessers von aF=10−15 ma_\text{F} = 10^{-15}\text{ m} verkleinert, kann es zur Fusion der Kerne kommen.

c)

Für die Kernfusion wird das Deuterium-Tritium-Gasgemisch auf mehr als 100 Millionen Grad Celsius aufgeheizt. Bei dieser Temperatur werden die Elektronen von den Tritium- und Deuteriumatomen abgelöst, sodass Kerne und Elektronen getrennt vorliegen. Die Tritiumkerne (mT=3,02 um_\text{T} = 3{,}02\text{ u}) besitzen dann eine kinetische Energie von beispielsweise Ekin=13 keVE_\text{kin} = 13\text{ keV}. Dabei bezeichnet u=1,66⋅10−27 kg\text{u} = 1{,}66\cdot 10^{-27}\text{ kg} die atomare Masseneinheit.

d)

Im ITER sollen durch die Fusion pro Sekunde E1=500 MJE_1 = 500\text{ MJ} an Energie frei werden. Pro Fusion von einem Deuteriumkern (mD=2,01 um_\text{D} = 2{,}01\text{ u}) und einem Tritiumkern (mT=3,02 um_\text{T} = 3{,}02\text{ u}) wird eine Energie von EF=17,6 MeVE_\text{F} = 17{,}6\text{ MeV} frei. Der gesamte Fusionsprozess soll für t=400 st = 400\text{ s} aufrecht gehalten werden.

Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2: Herausfiltern von Heli… · Geladene Teilchen in elektrischen und magnetischen Feldern

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Kernfusionsreaktoren

Wenn Fusionsreaktoren und ihre Technik weiter erforscht und optimiert werden, könnten sie künftig eine Alternative zu den bisher üblichen Energieträgern darstellen. Der ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich, der in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt ist, ist ein Beispiel für einen solchen Reaktor. Um zu verstehen, wie Fusionsreaktoren funktionieren, spielen elektrische und magnetische Felder eine zentrale Rolle.

Teilaufgabe 2: Herausfiltern von Heliumkernen

Damit die Fusion funktioniert, dürfen die entstehenden Heliumkerne als Fusionsprodukte das Deuterium-Tritium-Gasgemisch nicht verunreinigen. Sie müssen deshalb entfernt werden. Im Folgenden werden mehrere Filtermöglichkeiten betrachtet.

a)

Ein Wienfilter lässt ausschließlich geladene Teilchen einer bestimmten Geschwindigkeit vv durch. Hierfür überlagern sich ein Magnetfeld der Stärke BB und ein elektrisches Feld der Stärke EE (siehe Abbildung 3).

• Beschreiben Sie mithilfe von Abbildung 3, wie ein Wienfilter aufgebaut ist.

• Leiten Sie her, dass ausschließlich geladene Teilchen mit der Geschwindigkeit v=EBv = \frac{E}{B} den Wienfilter ohne Ablenkung durchqueren.

• Entscheiden Sie, auf welcher der gekrümmten Bahnen in Abbildung 3 sich ein Heliumkern für v>EBv > \frac{E}{B} bewegt.

Die Heliumkerne sind 15-mal so schnell wie die Deuterium- und Tritiumkerne zuvor.

• Erläutern Sie, auf welche Weise sich mit einem Wienfilter Heliumkerne aus dem Deuterium-Tritium-Gasgemisch entfernen lassen.

b)

Im ITER liegt ein Magnetfeld der Stärke B=5,3 TB = 5{,}3\ \text{T} vor. Aus baulichen Gründen wäre für einen Kondensator nur ein Plattenabstand von d=4,0 md = 4{,}0\ \text{m} möglich.

• Berechnen Sie die Spannung UU, die der Kondensator aufweisen müsste, damit Tritiumkerne der Geschwindigkeit v=9,0⋅105 msv = 9{,}0 \cdot 10^5\ \frac{\text{m}}{\text{s}} den Wienfilter durchlaufen können.

Nehmen Sie an, dass in Luft je Millimeter Plattenabstand ein Kilovolt für einen Funkenüberschlag nötig ist. In einem Deuterium-Tritium-Gasgemisch ist dieser Wert etwas geringer.

• Beurteilen Sie die erforderliche Spannung UU des Kondensators hinsichtlich der Umsetzbarkeit.

c)

Teilchen lassen sich auch filtern, indem man allein ein homogenes Magnetfeld verwendet. Steht dieses senkrecht zur Bewegungsrichtung eines geladenen Teilchens, bewegt es sich auf einer Kreisbahn mit dem Radius rr gemäß r=m⋅vq⋅Br = \frac{m \cdot v}{q \cdot B}. Dabei bezeichnet BB die Magnetfeldstärke, mm die Teilchenmasse, qq die Ladung und vv die Geschwindigkeit des Teilchens.

• Leiten Sie die Gleichung r=m⋅vq⋅Br = \frac{m \cdot v}{q \cdot B} begründet her.

Die nach der Fusion entstehenden Heliumkerne mit der Ladung qHe=+2eq_{\text{He}} = +2e und der Masse mHe=4,00 um_{\text{He}} = 4{,}00\ \text{u} müssen aus dem Deuterium-Tritium-Gasgemisch entfernt werden, weil dieses sonst instabil wird. Zudem sind die Heliumkerne 15-mal so schnell wie zuvor die Deuterium- und Tritiumkerne.

• Begründen Sie unter Verwendung der spezifischen Ladung qm\frac{q}{m} und der Geschwindigkeit vv, weshalb sich dieses Verfahren zum Filtern eignet.

Aufgabe 3 - Teilaufgabe 3: Magnetfelder im Fusion… · Geladene Teilchen in elektrischen und magnetischen Feldern

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Kernfusionsreaktoren

Wenn Fusionsreaktoren und ihre Technik weiter erforscht und optimiert werden, könnten sie künftig eine Alternative zu den bisher üblichen Energieträgern darstellen. Der ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich, der in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt ist, ist ein Beispiel für einen solchen Reaktor. Um zu verstehen, wie Fusionsreaktoren funktionieren, spielen elektrische und magnetische Felder eine zentrale Rolle.

Teilaufgabe 3: Magnetfelder im Fusionsreaktor

a)

Beschreiben Sie ein Experiment, mit dem sich nachweisen lässt, dass elektrische Ströme Magnetfelder erzeugen.

b)

Der Tokamak ist eine Bauart von Fusionsreaktoren, die derzeit entwickelt wird; auch der ITER gehört dazu. Das heiße Deuterium-Tritium-Gasgemisch wird dabei von Magnetfeldern durchdrungen, was Abbildung 4 schematisch zeigt.

Durch das Magnetfeld bewegen sich die Deuterium- und Tritiumkerne des Gasgemischs auf Schraubenbahnen um die Magnetfeldlinien, in Abbildung 5 für ein Teilchen gezeigt. Man nimmt an, dass das Magnetfeld in einem kleinen Bereich näherungsweise homogen ist. Eine Schraubenbahn entsteht, wenn sich eine Kreisbewegung mit einer dazu senkrechten gleichförmigen Bewegung überlagert.

Die Schraubenbahn in Abbildung 5 ist eine Kurve im dreidimensionalen Raum. Die Geschwindigkeit vv eines Deuterium- oder Tritiumkerns kann in eine Komponente parallel zum Magnetfeld v∥v_\parallel und eine Komponente senkrecht dazu v⊥v_\perp zerlegt werden.

Erläutern Sie anhand der Zerlegung der Geschwindigkeit vv eines Deuterium- oder Tritiumkerns in Komponenten, weshalb ein Teilchen die in Abbildung 5 dargestellte Schraubenbahn durchläuft.

Der Radius rSr_\mathrm{S} dieser Schraubenbahn der Teilchen im Fusionsreaktor ergibt sich aus rS=m⋅v⊥q⋅Br_\mathrm{S} = \frac{m \cdot v_\perp}{q \cdot B} (ohne Nachweis). Hierbei bezeichnet BB die Magnetfeldstärke, mm die Teilchenmasse und qq die Ladung.

Berechnen Sie den Radius rSr_\mathrm{S} der Schraubenbahn eines Tritiumkerns (mT=3,02 um_\mathrm{T} = 3{,}02\text{ u}) bei einer Magnetfeldstärke von B=5,30 TB = 5{,}30\text{ T} und einer Geschwindigkeit von v⊥=8,00⋅105 msv_\perp = 8{,}00 \cdot 10^5\,\frac{\text{m}}{\text{s}}.

Der Tokamak ITER besitzt einen Radius von rT=6,20 mr_\mathrm{T} = 6{,}20\text{ m} (siehe gestrichelte Linie in Abbildung 4).

Erklären Sie durch einen Vergleich des Schraubenbahnradius rSr_\mathrm{S} mit dem Tokamak-Radius rTr_\mathrm{T}, dass das Magnetfeld in Abbildung 4 das Deuterium-Tritium-Gasgemisch führt.

[2 + 8 Punkte]

Aufgabe 3 - Teilaufgabe 4: Quantenphysikalische B… · Quantenobjekte

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Kernfusionsreaktoren

Wenn Fusionsreaktoren und ihre Technik weiter erforscht und optimiert werden, könnten sie künftig eine Alternative zu den bisher üblichen Energieträgern darstellen. Der ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich, der in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt ist, ist ein Beispiel für einen solchen Reaktor. Um zu verstehen, wie Fusionsreaktoren funktionieren, spielen elektrische und magnetische Felder eine zentrale Rolle.

Teilaufgabe 4: Quantenphysikalische Betrachtung der Kernfusion

Dass eine Fusion letztendlich stattfinden kann, lässt sich nur mithilfe der Quantenphysik erklären.

Die potentielle Energie von zwei Teilchen der Ladung qq und QQ lässt sich mittels Epot=qQ4πε0⋅1aKE_{\text{pot}} = \frac{qQ}{4\pi\varepsilon_0} \cdot \frac{1}{a_{\text{K}}} in Abhängigkeit vom Abstand aKa_{\text{K}} berechnen (siehe Abbildung 6), wobei ε0\varepsilon_0 wieder die elektrische Feldkonstante ist.

Damit es zur Fusion kommt, müssen die Kerne bis auf einen Abstand von aK=3,8⋅10−15 ma_{\text{K}} = 3{,}8 \cdot 10^{-15}\text{ m} aneinander herankommen.

a)

• Beschreiben Sie anhand von Abbildung 6 den Verlauf der potentiellen Energie EpotE_{\text{pot}} eines Tritium- und eines Deuteriumkerns in Abhängigkeit vom Abstand aKa_{\text{K}}.

• Berechnen Sie in eV den Maximalwert der potentiellen Energie Epot,maxE_{\text{pot,max}} zwischen einem Tritium- und einem Deuteriumkern.

b)

Einige wenige Teilchen können deutlich höhere kinetische Energien als Ekin=13 keVE_{\text{kin}} = 13\text{ keV} erreichen, welche immer noch unterhalb des Maximums der potentiellen Energie liegen. Dies ist in Abbildung 6 durch die gestrichelte Linie mit der Bezeichnung Ekin*E_{\text{kin*}} beispielhaft dargestellt. Man kann den Aufenthaltsort von Teilchen in der Quantenphysik mittels des Betragsquadrats der Wellenfunktion, wie in Abbildung 7 und 8 dargestellt, bestimmen.

Im Bereich zwischen den gestrichelten Linien liegt die kinetische Energie der Teilchen unter ihrer gegenseitigen potentiellen Energie.

• Erklären Sie allgemein, was das Betragsquadrat ∣ψ∣2|\psi|^2 der Wellenfunktion für die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Quantenobjekts bedeutet.

• Erklären Sie anhand von Abbildung 7, weshalb bei einer kinetischen Energie von Ekin=13 keVE_{\text{kin}} = 13\text{ keV} keine Kernfusion möglich ist.

• Erläutern Sie unter Bezugnahme auf Abbildung 8, dass bei ausreichend großer kinetischer Energie Ekin*E_{\text{kin*}} eine Kernfusion erfolgen kann.

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