Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2: Dickenmessung mit radi… · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2023

Thema: Kernphysik und ionisierende Strahlung · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2023)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Messung von Foliendicken

In der Folienproduktion gelten strenge Qualitätsanforderungen. Dazu gehört unter anderem, dass die festgelegten Materialdicken der Folien bis auf wenige Mikrometer eingehalten werden. Um dies zu überprüfen, wird die Dicke der Folie gemessen. Abbildung 1a stellt den grundsätzlichen Messaufbau dar, Abbildung 1b zeigt beispielhaft eine Dickenmessanlage.

Für die Dickenmessung kommen unterschiedliche Strahlenarten infrage. In Teilaufgabe 1 wird zunächst Röntgenstrahlung eingesetzt, anschließend in Teilaufgabe 2 α\alpha-Strahlung. Als Detektor dient in Teilaufgabe 1 ein Geiger-Müller-Zählrohr (GMZ), in Teilaufgabe 2 ein Halbleiterdetektor.

Teilaufgabe 2: Dickenmessung mit radioaktivem Präparat

Für radioaktive Zerfälle gilt das Zerfallsgesetz: N(t)=N0⋅e−λ⋅tN(t) = N_0 \cdot \mathrm{e}^{-\lambda \cdot t}. Hierbei ist N0N_0 die Anzahl der am Anfang vorhandenen Atomkerne (also für t=0t = 0), N(t)N(t) die Anzahl der noch nicht zerfallenen Kerne zur Zeit tt und λ\lambda die Zerfallskonstante. Neben der Anzahl der Kerne ist die Aktivität AA eines radioaktiven Präparates, also die Anzahl der Kernzerfälle pro Zeit von Interesse.

a)

Leiten Sie ausgehend vom Zerfallsgesetz her, dass für die Aktivität AA die Gleichung A(t)=λ⋅N(t)A(t) = \lambda \cdot N(t) gilt.

b)

Der radioaktive Zerfall des Radionuklids Americium-241 (Am-241) wird durch

95241Am→93237Np+24α{}^{241}_{95}\mathrm{Am} \rightarrow {}^{237}_{93}\mathrm{Np} + {}^4_2\alpha

beschrieben. Die Halbwertszeit von Am-241 beträgt TH=432,2 aT_H = 432{,}2\ \mathrm{a}.

• Geben Sie anhand der Nuklidkarte die nächsten drei Zerfallsschritte der Am-241-Zerfallsreihe an und nennen Sie dabei jeweils die Halbwertszeit THT_H.

• Begründen Sie, weshalb die Zerfälle der Tochterkerne von Am-241 bei einem frisch hergestellten Präparat dieses Radionuklids kaum zur ionisierenden Strahlung beitragen.

c)

Für den Zusammenhang zwischen der Zerfallskonstanten λ\lambda und der Halbwertszeit THT_H gilt: λ=ln⁡(2)TH\lambda = \frac{\ln(2)}{T_H}. Zum Zeitpunkt t=0t = 0 beträgt die Anzahl der noch nicht zerfallenen Am-241-Kerne eines Präparates N0=1,455⋅1015N_0 = 1{,}455 \cdot 10^{15}.

Bestimmen Sie die Aktivität A0A_0 des Präparates.

Für die weiteren Experimente wird ein Am-241-Strahlerstift mit einer Aktivität von A=70 kBqA = 70\ \mathrm{kBq} verwendet. Das im Strahlerstift befindliche Americium ist von einem Metallzylinder umschlossen. Damit keine Am-241-Kerne aus dem Strahlerstift gelangen können, befindet sich eine sehr dünne Abdeckschicht vor der Öffnung des Strahlerstifts. Mit einem Halbleiterdetektor lässt sich die Energie der aus dem Strahlerstift austretenden α\alpha-Strahlung messen. Um den Energieverlust von α\alpha-Strahlung beim Durchgang durch Aluminiumfolie zu messen, werden zwischen Am-241-Strahlerstift und Halbleiterdetektor Aluminiumfolien gesetzt (vgl. Abbildung 3).

Bevor Messungen mit einer Aluminiumfolie im Strahlengang durchgeführt werden, befindet sich zwischen dem Strahlerstift und dem Halbleiterdetektor nur ein schmaler Luftspalt. Abbildung 4 zeigt in einem Energiespektrum die Anzahl registrierter α\alpha-Teilchen, also die Impulse, in Abhängigkeit ihrer Energien EE in keV für eine Messzeit von Δt=10 min\Delta t = 10\ \mathrm{min}.

Im Energiespektrum entspricht das Maximum der Messkurve dem am häufigsten gemessenen Energiewert. Dieser ist in Abbildung 4 mit einem Pfeil gekennzeichnet.

d)

Beschreiben Sie, wie der Graph in Abbildung 4 verläuft.

e)

Der Literatur kann man entnehmen, dass die meisten α\alpha-Teilchen beim Mutterzerfall von Am-241 in Np-237 mit einer kinetischen Energie von etwa Ekin=5,5 MeVE_{\mathrm{kin}} = 5{,}5\ \mathrm{MeV} emittiert werden.

Begründen Sie, weshalb der häufigste Energiewert der Messkurve in Abbildung 4 erheblich unter diesem Wert liegt.

Nacheinander werden unterschiedlich dicke Aluminiumfolien in den Strahlengang gebracht. Die Foliendicken sind d1=5 μmd_1 = 5\ \mu\mathrm{m}, d2=6 μmd_2 = 6\ \mu\mathrm{m} und d3=10 μmd_3 = 10\ \mu\mathrm{m}. Die drei Messungen sowie die Messung ohne Aluminiumfolie (d0=0 μmd_0 = 0\ \mu\mathrm{m}) sind in Abbildung 5 zusammengefasst.

f)

• Ermitteln Sie aus Abbildung 5 für jede der Messkurven den häufigsten Energiewert.

Dicke dd

0 μm0\ \mu\mathrm{m}

5 μm5\ \mu\mathrm{m}

6 μm6\ \mu\mathrm{m}

10 μm10\ \mu\mathrm{m}

Energie EE (in keV)

Zwischen den verwendeten Foliendicken dd und dem häufigsten Energiewert besteht näherungsweise ein linearer Zusammenhang.

• Zeigen Sie anhand der häufigsten Energiewerte, dass der Energieverlust ΔE\Delta E der α\alpha-Teilchen in Aluminium linear von der Foliendicke dd abhängt.

• Bestimmen Sie hieraus den Energieverlust ΔE\Delta E in keV je μm\mu\mathrm{m} Foliendicke dd.

Die unbekannte Dicke dd einer Aluminiumfolie soll anhand einer Energiemessung bestimmt werden. Dazu wird sie in den Strahlengang der α\alpha-Teilchen gebracht. Im Energiespektrum liegt der häufigste Energiewert bei E=2650 keVE = 2650\ \mathrm{keV}.

• Ermitteln Sie hiermit die gesuchte Dicke dd der Aluminiumfolie.

g)

Ein Unternehmen, das Aluminiumfolien herstellt, möchte die Dicke dd der herzustellenden Folie möglichst konstant halten. Dazu kann einerseits während des laufenden Produktionsprozesses mit kurzen Messzeiten Δt\Delta t die Dicke dd gemessen werden, andererseits kann bei bereits produzierter Folie in einem Qualitätsprüfverfahren auch mit langen Messzeiten Δt\Delta t die Dicke dd gemessen werden. Beide Verfahren werden in der Industrie eingesetzt. Die Messung der Foliendicke dd ist dabei mit einer Messunsicherheit Δd\Delta d behaftet.

• Begründen Sie, weshalb die Messunsicherheit Δd\Delta d der Dickenmessung im laufenden Produktionsprozess größer ausfällt als im Qualitätsprüfverfahren.

• Beurteilen Sie, welches der in den Teilaufgaben 1 und 2 verwendeten Messverfahren zur Dickenmessung jeweils im Produktionsprozess und welches im Qualitätsprüfverfahren eingesetzt werden sollte.

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2: Dickenmessung mit radi… · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a) Leiten Sie unter Verwendung des Zerfallsgesetzes die Beziehung A(t)=λ⋅N(t)A(t) = \lambda \cdot N(t) für die Aktivität AA her.

Lösung: A(t)=−N′(t)=−(−λ⋅N0⋅e−λ⋅t)=λ⋅N(t)A(t) = -N'(t) = -(-\lambda \cdot N_0 \cdot \mathrm{e}^{-\lambda \cdot t}) = \lambda \cdot N(t)

b) • Geben Sie anhand der Nuklidkarte die nächsten drei Zerfallsschritte der Am-241-Zerfallsreihe an und nennen Sie dabei jeweils die Halbwertszeit THT_H.

Lösung: 93237Np→α, TH=2,14⋅106 a91233Pa→β−, TH=27,0 d92233U→α, TH=1,59⋅105 a90229Th{}^{237}_{93}\mathrm{Np} \xrightarrow{\alpha,\ T_H = 2{,}14\cdot 10^6\ \mathrm{a}} {}^{233}_{91}\mathrm{Pa} \xrightarrow{\beta^-,\ T_H = 27{,}0\ \mathrm{d}} {}^{233}_{92}\mathrm{U} \xrightarrow{\alpha,\ T_H = 1{,}59\cdot 10^5\ \mathrm{a}} {}^{229}_{90}\mathrm{Th}

b) • Begründen Sie, weshalb die Zerfälle der Tochterkerne von Am-241 bei einem frisch hergestellten Präparat dieses Radionuklids kaum zur ionisierenden Strahlung beitragen.

Lösung: Die Halbwertszeit des direkten Tochterkerns Np-237 (2,14⋅106 a2{,}14 \cdot 10^6\ \mathrm{a}) ist sehr viel länger als die des Mutterkerns Am-241 (432,2 a432{,}2\ \mathrm{a}), sodass in einem neu hergestellten Präparat kaum Tochterkerne zerfallen.

c) Bestimmen Sie die Aktivität A0A_0 des Präparates.

Lösung: 73,9973{,}99 kBq / 7399073990 Bq / 7399073990 s⁻¹

d) Beschreiben Sie, wie der Graph in Abbildung 4 verläuft.

Lösung: Bis ca. 3500 keV ist die Zählrate nahezu null, steigt dann steil bis zu einem Maximum bei 4500 keV mit ca. 10000 Impulsen an und fällt danach wieder steil auf null bei ca. 5100 keV ab.

e) Begründen Sie, weshalb der häufigste Energiewert der Messkurve in Abbildung 4 erheblich unter diesem Wert liegt.

Lösung: Die α\alpha-Teilchen verlieren kinetische Energie beim Durchdringen der dünnen Schutzschicht/Abdeckschicht des Strahlerstifts und beim Durchqueren des Luftspalts.

f) • Häufigster Energiewert für d0=0 μmd_0 = 0\ \mu\mathrm{m}

Lösung: 4500

f) • Häufigster Energiewert für d1=5 μmd_1 = 5\ \mu\mathrm{m}

Lösung: 3400

f) • Häufigster Energiewert für d2=6 μmd_2 = 6\ \mu\mathrm{m}

Lösung: 3100

f) • Häufigster Energiewert für d3=10 μmd_3 = 10\ \mu\mathrm{m}

Lösung: 2100

f) • Zeigen Sie anhand der häufigsten Energiewerte, dass der Energieverlust ΔE\Delta E der α\alpha-Teilchen in Aluminium linear von der Foliendicke dd abhängt.

Lösung: Die Energieabnahme pro Dickenzunahme ist annähernd konstant: (4500−3400)/5=220 keV/μm(4500 - 3400)/5 = 220\ \mathrm{keV/\mu m}, (3400−3100)/1=300 keV/μm(3400 - 3100)/1 = 300\ \mathrm{keV/\mu m}, (4500−2100)/10=240 keV/μm(4500 - 2100)/10 = 240\ \mathrm{keV/\mu m}; im Diagramm liegen die Messpunkte auf einer Ausgleichsgeraden mit R2≈0,998R^2 \approx 0{,}998.

f) • Bestimmen Sie hieraus den Energieverlust ΔE\Delta E in keV je μm\mu\mathrm{m} Foliendicke dd.

Lösung: 240240 keV/µm

f) • Ermitteln Sie hiermit die gesuchte Dicke dd der Aluminiumfolie.

Lösung: 7,837{,}83 µm

g) • Begründen Sie, weshalb die Messunsicherheit Δd\Delta d der Dickenmessung im laufenden Produktionsprozess größer ausfällt als im Qualitätsprüfverfahren.

Lösung: Bei kurzen Messzeiten werden weniger Impulse registriert, wodurch die statistische Schwankung (Poisson-Verteilung N/N\sqrt{N}/N) relativ größer ist als bei langen Messzeiten.

g) • Beurteilen Sie, welches der in den Teilaufgaben 1 und 2 verwendeten Messverfahren zur Dickenmessung jeweils im Produktionsprozess und welches im Qualitätsprüfverfahren eingesetzt werden sollte.

Lösung: Während der Produktion eignet sich Röntgenstrahlung (schnell messbare Intensitätsänderung/Zählrate), im Qualitätsprüfverfahren die α\alpha-Spektrometrie (hohe Präzision über den Peak bei langer Messzeit).

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