Aufgabe 2: Historische Experimente zu Erkenntniss… · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2023

Thema: Quantenobjekte · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2023)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung: Historische Experimente zu Erkenntnissen in der Quantenphysik

Davisson und Germer konnten 1927 als Erste die vom Physiker De Broglie 1923 vorhergesagte Welleneigenschaft eines Elektrons experimentell nachweisen. Erst 1961 gelang es Jönsson, die Welleneigenschaft des Elektrons am Doppelspalt nachzuweisen.

Teilaufgabe 1: De-Broglie-Hypothese

a)

Geben Sie jeweils ein Experiment samt zentraler Beobachtung an, das die Welleneigenschaft von Licht belegt, und eines, das die Teilcheneigenschaft von Licht belegt.

b)

De Broglie fasste Teilchen in Bewegung jeweils als eine Materiewelle auf und ordnete ihnen die Wellenlänge λ=hp\lambda = \frac{h}{p} zu, wobei hh das Planck'sche Wirkungsquantum und pp der Impuls der Teilchen ist.

Leiten Sie ausgehend von der für die Energie von Photonen mit der Frequenz ff geltenden Gleichung E=h⋅fE = h \cdot f die Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} für den Impuls der Photonen pp unter Verwendung der relativistischen Beziehung E=m⋅c2E = m \cdot c^2 zwischen Energie EE, Masse mm und Lichtgeschwindigkeit cc her.

c)

Gemäß der Hypothese von De Broglie lässt sich die hergeleitete Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} auf beliebige Quantenobjekte anwenden. In einem Teilchenbeschleuniger wird ein Elektron auf die Geschwindigkeit von v=0,9 cv = 0{,}9\,c beschleunigt. Die Wellenlänge des Elektrons ist dann λ=1,18 pm\lambda = 1{,}18\,\text{pm}.

Teilaufgabe 2: Das Davisson-Germer-Experiment

Davisson und Germer waren die ersten Physiker, die experimentell nachweisen konnten, dass man bewegten Elektronen eine Wellenlänge zuordnen kann. Dazu wurden Elektronen in Form eines Elektronenstrahls auf einen Nickel-Einkristall geschossen und die reflektierten Elektronen unter dem Winkel φ\varphi detektiert.

Durchlaufen die Elektronen eine Beschleunigungsspannung von UB=54,00 VU_B = 54{,}00\,\text{V}, so findet eine Reflexion der Elektronen an den Atomen an der Oberfläche des Nickel-Einkristalls statt. Der Abstand benachbarter Atome wird mit dd bezeichnet.

a)

Zeichnen Sie in Abbildung 5 den Gangunterschied Δs\Delta s der beiden Elektronenstrahlen ein, erklären Sie, warum beim Detektor Maxima und Minima registriert werden können, und leiten Sie für Maxima die Beziehung d⋅sin⁡(φ)=n⋅λd \cdot \sin(\varphi) = n \cdot \lambda her.

b)

Unter einem Winkel von φ=50,00∘\varphi = 50{,}00^\circ detektiert man das Maximum 1. Ordnung für d=215,0 pmd = 215{,}0\,\text{pm}.

%

c)

Erläutern Sie, wie sich der Winkel φ\varphi des Maximums 1. Ordnung ändert, falls die Beschleunigungsspannung UBU_B vergrößert wird.

d)

Beim Experiment mit der Elektronenbeugungsröhre kann man auch die Welleneigenschaft von Elektronen nachweisen.

e)

Die Beugung von Elektronen in der Graphitfolie erfolgt nach dem Prinzip der Bragg-Reflexion.

Teilaufgabe 3: Der Doppelspaltversuch von Jönsson

a)

Erläutern Sie, weshalb die Doppelspalte für Elektronen frei von Materie sein müssen.

b)

Beim Jönsson-Experiment wurde eine Beschleunigungsspannung von UB=50,0 kVU_B = 50{,}0\,\text{kV} genutzt. Die Elektronen hatten dann eine Wellenlänge von λ=5,36 pm\lambda = 5{,}36\,\text{pm}. Die Entfernung zwischen Doppelspalt und Schirm betrug e=35,0 cme = 35{,}0\,\text{cm} und der Spaltabstand d=0,200 μmd = 0{,}200\,\mu\text{m}.

c)

Bei der Detektion von Elektronen, die einen Doppelspalt durchlaufen haben, können die Elektronen auf einem Schirm gemessen und gezählt werden.

d)

Beobachtet man beim Doppelspaltexperiment mit Elektronen, durch welchen Spalt sich das Elektron bewegt, so verändert sich das detektierte Bild.

Skizzieren Sie die Verteilung der Elektronen am Detektor und erklären Sie den wesentlichen Unterschied im Vergleich zu Abbildung 8 für n=140.000n = 140.000 Detektionen mithilfe der Wellenfunktion.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2: Historische Experimente zu Erkenntniss… · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. a) Geben Sie ein Experiment samt zentraler Beobachtung an, das die Welleneigenschaft von Licht belegt.

Lösung: Doppelspaltexperiment: Interferenzmuster aus Maxima und Minima.

1. a) Geben Sie ein Experiment samt zentraler Beobachtung an, das die Teilcheneigenschaft von Licht belegt.

Lösung: Fotoeffekt (Lichtelektrischer Effekt): Elektronen werden erst ab einer Grenzfrequenz ausgelöst, unabhängig von der Lichtintensität.

1. b) Leiten Sie ausgehend von E=h⋅fE = h \cdot f die Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} unter Verwendung von E=m⋅c2E = m \cdot c^2 her.

Lösung: h⋅f=m⋅c2⇒h=m⋅c⋅cf=p⋅λ⇒p=hλh \cdot f = m \cdot c^2 \quad \Rightarrow \quad h = m \cdot c \cdot \frac{c}{f} = p \cdot \lambda \quad \Rightarrow \quad p = \frac{h}{\lambda}

1. c) Bestimmen Sie den Impuls pp des Elektrons im Teilchenbeschleuniger mithilfe der Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda}.

Lösung: 5,62⋅10−22 kg⋅m/s5{,}62 \cdot 10^{-22}\,\text{kg·m/s} / 5,62⋅10−22 N⋅s5{,}62 \cdot 10^{-22}\,\text{N·s}

1. c) Bestimmen Sie mit einem klassischen Ansatz den Impuls pklp_{\text{kl}} des Elektrons.

Lösung: 2,46⋅10−22 kg⋅m/s2{,}46 \cdot 10^{-22}\,\text{kg·m/s} / 2,46⋅10−22 N⋅s2{,}46 \cdot 10^{-22}\,\text{N·s}

1. c) Erklären Sie die Abweichung zwischen den von Ihnen berechneten Impulsen pp und pklp_{\text{kl}}.

Lösung: Bei v=0,9 cv = 0{,}9\,c treten relativistische Effekte auf; die relativistische Masse bzw. der relativistische Impuls ist deutlich größer als der klassische Impuls.

2. a) Erklären Sie, warum beim Detektor Maxima und Minima registriert werden können, und leiten Sie für Maxima d⋅sin⁡(φ)=n⋅λd \cdot \sin(\varphi) = n \cdot \lambda her.

Lösung: Interferenz der an den Atomen gebeugten Elektronenwellen: Konstruktive Interferenz (Maxima) bei Δs=n⋅λ\Delta s = n \cdot \lambda; destruktive Interferenz (Minima) bei Δs=(2n−1)λ2\Delta s = (2n-1)\frac{\lambda}{2}. Aus dem rechtwinkligen Dreieck folgt sin⁡(φ)=Δsd\sin(\varphi) = \frac{\Delta s}{d}, also d⋅sin⁡(φ)=n⋅λd \cdot \sin(\varphi) = n \cdot \lambda.

2. b) Bestimmen Sie aus den gemessenen Werten die Wellenlänge λexp\lambda_{\text{exp}}.

Lösung: 164,7 pm164{,}7\,\text{pm} / 1,647⋅10−10 m1{,}647 \cdot 10^{-10}\,\text{m}

2. b) Zeigen Sie, dass der Impuls pp mithilfe eines klassischen Ansatzes mit p=2⋅e⋅UB⋅mep = \sqrt{2 \cdot e \cdot U_B \cdot m_e} bestimmt werden kann.

Lösung: e⋅UB=12mev2⇒v=2eUBme⇒p=mev=2eUBmee \cdot U_B = \frac{1}{2} m_e v^2 \quad \Rightarrow \quad v = \sqrt{\frac{2 e U_B}{m_e}} \quad \Rightarrow \quad p = m_e v = \sqrt{2 e U_B m_e}

2. b) Bestimmen Sie die relative Abweichung der Wellenlänge λexp\lambda_{\text{exp}} von der De-Broglie-Wellenlänge λth=hp\lambda_{\text{th}} = \frac{h}{p}.

Lösung: 1,31{,}3 % / 1,321{,}32 %

2. c) Erläutern Sie, wie sich der Winkel φ\varphi des Maximums 1. Ordnung ändert, falls die Beschleunigungsspannung UBU_B vergrößert wird.

Lösung: Wird UBU_B erhöht, steigt der Impuls pp, die Wellenlänge λ=hp\lambda = \frac{h}{p} sinkt. Daher wird sin⁡(φ)\sin(\varphi) kleiner und der Winkel φ\varphi verringert sich.

2. d) Beschreiben Sie den Aufbau der Elektronenbeugungsröhre anhand von Abbildung 6.

Lösung: Evakuierte Glasröhre mit Glühkathode zur Erzeugung freier Elektronen, Anode mit Beschleunigungsspannung UBU_B zur Strahlformung, Graphitfolie als Beugungsobjekt und Leuchtschirm.

2. d) Beschreiben Sie ein Experiment, mit dem man zeigen kann, dass es sich um negativ geladene Teilchen handelt.

Lösung: Ablenkung des Strahls mit einem Magneten (oder elektrischen Feld) über die Lorentzkraft.

2. d) Erklären Sie anhand von Abbildung 7, warum man mit der Elektronenbeugungsröhre die Welleneigenschaft von Elektronen nachweisen kann.

Lösung: Das Auftreten kreisförmiger Interferenzringe (Maxima und Minima) lässt sich nur durch Interferenz von Wellen erklären.

2. e) Geben Sie die Bragg'sche Reflexionsbedingung und die Bedeutung der Größen an.

Lösung: n⋅λ=2⋅d⋅sin⁡(α)n \cdot \lambda = 2 \cdot d \cdot \sin(\alpha), wobei λ\lambda die Wellenlänge, dd der Netzebenenabstand, α\alpha der Glanzwinkel und nn die Beugungsordnung ist.

2. e) Erläutern Sie die Bragg-Reflexion der Elektronen in der Graphitfolie.

Lösung: Graphitfolie ist polykristallin (viele Einkristalle in allen Raumrichtungen). Konstruktive Interferenz entsteht nur an parallelen Netzebenen, deren Orientierung die Bragg-Bedingung erfüllt, wodurch kreisförmige Beugungsringe entstehen.

3. a) Erläutern Sie, weshalb die Doppelspalte für Elektronen frei von Materie sein müssen.

Lösung: Elektronen würden mit der Materie wechselwirken (z. B. durch Stöße abgebremst oder unkontrolliert gestreut werden), was das Messergebnis verfälscht.

3. b) Zeigen Sie, dass das Interferenzbild beim Jönsson-Experiment vergrößert werden musste (Berechnung von aa).

Lösung: 9,38 μm9{,}38\,\mu\text{m} / 9,38⋅10−6 m9{,}38 \cdot 10^{-6}\,\text{m}

3. b) Vergleich des Abstands aa mit dem menschlichen Auflösungsvermögen aA=0,100 mma_A = 0{,}100\,\text{mm}.

Lösung: Der Abstand a≈9,38 μma \approx 9{,}38\,\mu\text{m} ist deutlich kleiner als aA=0,100 mm=100 μma_A = 0{,}100\,\text{mm} = 100\,\mu\text{m}; das Bild ist mit bloßem Auge nicht auflösbar und musste vergrößert werden.

3. b) Beurteilen Sie, ob das Experiment mit sichtbarem Licht durchführbar ist.

Lösung: Nicht realistisch durchführbar: Der Spaltabstand dL=2,0 cmd_L = 2{,}0\,\text{cm} ist viel zu groß gegenüber λL=536 nm\lambda_L = 536\,\text{nm}, und eine Schirmentfernung von 35 km35\,\text{km} führt zu extremer Strahlaufweitung und Streuung an Luftmolekülen.

3. c) Beschreiben Sie, wie sich das Detektorbild mit zunehmender Anzahl der detektierten Elektronen verändert.

Lösung: Bei kleinen Teilchenzahlen (n=200n=200) erscheinen die Einschläge scheinbar regellos/zufällig punktförmig verteilt. Mit wachsender Zahl (n=6.000n=6.000 bis n=140.000n=140.000) formiert sich ein klares Interferenzmuster mit Streifen (Maxima und Minima).

3. c) Erläutern Sie, warum die Bilder weder durch ein reines Teilchenmodell noch durch ein reines Wellenmodell erklärt werden können.

Lösung: Teilchenaspekt: Nachweis erfolgt als diskrete, lokalisierte Einschlagpunkte. Wellenaspekt: Die statistische räumliche Verteilung der Auftreffpunkte folgt einem Interferenzmuster, das Interferenz von Teilchenbahnen klassisch nicht erzeugen kann.

3. d) Erklären Sie den wesentlichen Unterschied der erstellten Skizze im Vergleich zu Abbildung 8 für n=140.000n = 140.000 Detektionen mithilfe der Wellenfunktion.

Lösung: Wird der Weg gemessen (Welcher-Weg-Information), bricht die Überlagerung (Kohärenz) der Wellenfunktionen zusammen. Man erhält die Summe der Einzelspaltverteilungen ohne Interferenzminima/-maxima.

Zeichnungen und Skizzen: Teilaufgabe 2 a), Teilaufgabe 3 b) und Teilaufgabe 3 d)

Lösung: 2. a) Gangunterschied Δs\Delta s: In das rechtwinklige Dreieck zwischen den beiden reflektierten Strahlen wird die Gegenkathete Δs\Delta s zum Winkel φ\varphi rechtwinklig auf den oberen Strahl eingezeichnet. 3. b) Skizze zur Herleitung: Skizze mit Doppelspalt (Abstand dd), Schirmabstand ee, Gangunterschied Δs=d⋅sin⁡(α)\Delta s = d \cdot \sin(\alpha) und Schirmabstand des 1. Maximums a=e⋅tan⁡(α)a = e \cdot \tan(\alpha). 3. d) Skizze der Verteilung bei Welcher-Weg-Beobachtung: Skizze zweier breiter Einzelspaltverteilungen (gestrichelt) und deren glatter Summenkurve (durchgezogen) ohne Interferenzstreifen.

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