Abitur NRW Sport 2022 · LK · Haupttermin
Abiturprüfung Sport in Nordrhein-Westfalen 2022, LK · Haupttermin: 10 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Bewegungsanalyse und biomechanische Prinzipien.
Themen der Prüfung: Bewegungsanalyse und biomechanische Prinzipien · Koordination, Informationsverarbeitung und Druckbedingungen · Motorisches Lernen und Vermittlung von Bewegungen · Energiebereitstellung, Muskel und Anpassungen · Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung · Regeln und Spielvermittlung · Gesundheit im Sport
Aufgabe HT 1 - Aufgabe 1 · Bewegungsanalyse und biomechanische Prinzipien
M 1: Hindernisüberquerung
Die deutsche Rekordhalterin im 3000-m-Hindernislauf, Gesa Felicitas Krause (2019, 09:03,30 Min).
Hinweis: In der Aufgabe bleibt unberücksichtigt, dass Läuferinnen und Läufer bei der Auf-Tipp-Technik den Balken auch von oben berühren dürfen.
Quelle: https://www.leichtathletik.de/training/technik/hindernis-gesa-felicitas-krause-hoffnungen-auf-der-hindernisstrecke (Zugriff 12.08.2020)
1. Analysieren Sie den in M 1 gezeigten Bewegungsablauf unter Anwendung des Funktionsphasenmodells nach Göhner. (20 Punkte)
Aufgabe HT 1 - Aufgabe 2 · Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung
M 1: Hindernisüberquerung
Die deutsche Rekordhalterin im 3000-m-Hindernislauf, Gesa Felicitas Krause (2019, 09:03,30 Min).
Hinweis: In der Aufgabe bleibt unberücksichtigt, dass Läuferinnen und Läufer bei der Auf-Tipp-Technik den Balken auch von oben berühren dürfen.
Quelle: https://www.leichtathletik.de/training/technik/hindernis-gesa-felicitas-krause-hoffnungen-auf-der-hindernisstrecke (Zugriff 12.08.2020)
2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der ausdauerbezogenen Anforderungen im Wettkampf drei Ausdauertrainingsmethoden, die sich für Athletinnen und Athleten im 3000-Meter-Hindernislauf eignen, einschließlich ihrer Ziele und Belastungsnormative, und ordnen Sie diese Methoden dem Jahrestrainingsplan (M 2) zu. (28 Punkte)
Allgemeine Vorbereitungsperiode
Spezielle Vorbereitungsperiode
Wettkampfperiode
Übergangsperiode
Okt – Dez
Jan – Feb
Mär – Apr
Mai – Aug
Sep
Aufgabe HT 1 - Aufgabe 3 · Motorisches Lernen und Vermittlung von Bewegungen
M 1: Hindernisüberquerung
Die deutsche Rekordhalterin im 3000-m-Hindernislauf, Gesa Felicitas Krause (2019, 09:03,30 Min).
Hinweis: In der Aufgabe bleibt unberücksichtigt, dass Läuferinnen und Läufer bei der Auf-Tipp-Technik den Balken auch von oben berühren dürfen.
Quelle: https://www.leichtathletik.de/training/technik/hindernis-gesa-felicitas-krause-hoffnungen-auf-der-hindernisstrecke (Zugriff 12.08.2020)
M 3: Techniktraining und EEG
Hinweis: Das folgende Material gibt Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie wieder (die Fachbegriffe werden am Ende des Materials ausführlich erklärt); untersucht wurde, welchen Einfluss unterschiedliche Formen des Techniktrainings ( Wiederholungslernen 1, Kontext-Interferenz-Lernen 2 und Differenzielles Lernen 3) auf die Gehirnaktivität während des Trainings haben. Es ist davon auszugehen, dass sich die Befunde der Studie auf den 3000 Meter Hindernislauf übertragen lassen.
[...] An dem Experiment nahmen 22 Badmintonspielerinnen und -spieler [...] teil. Der Badmintonaufschlag wurde im Rahmen einer einzelnen Trainingseinheit mit verschiedenen Techniktrainingsansätzen trainiert. Alle Probanden mussten hierzu mit 90 Badmintonaufschlägen ein vorgegebenes Ziel anspielen, das auf der linken Aufschlagseite in einer Entfernung von 8,40 m von der Aufschlaglinie markiert war. [...] Alle Probanden hatten die Aufschläge mit [verschiedenen] Variationsstrukturen durchzuführen. Die erste Bedingung war angelehnt an das Wiederholungslernen 1, die zweite Bedingung entsprach dem Ansatz des Kontext-Interferenz-Lernens 2, wobei [abwechselnd] zwischen Vor- und Rückhandaufschlag gewechselt wurde. Die dritte [...] Bedingung war angelehnt an das Differenzielle Lernen 3.
[...] Vor und nach jedem Test wurde die elektrische Gehirnaktivität der Probanden mittels EEG 4 registriert. [...]
Die Ergebnisse [der Messung der Hirnströme mittels EEG] zeigen deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Frequenzbänder 4 der Gehirn-Aktivierungen nach Wiederholungs-, Kontext-Interferenz- und Differenziellem Lernen. [Es wurde] nach Kontext-Interferenz-Lernen ein Aktivierungsmuster [gefunden], das vorrangig die höherfrequenten Bereiche des EEGs (Beta- und Gamma-Aktivität) im frontalen Bereich umfasst. [...] Das Differenzielle Lernen unterschied] sich in der Aktivierung von Kontext-Interferenz-Lernen, Wiederholungslernen und der Kontrollbedingung. [...]. (Es wurden mehr Aktivitäten in allen EEG-Bereichen, besonders im Theta- und Alpha-Bereich gefunden, vgl. Tabelle 1.)
Tabelle 1: Frequenzbänder und Zunahme (+) bzw. verstärkte Zunahme (++), Abnahme (−) oder kein Unterschied (o) je nach Trainingsmethode
Frequenzband
Wiederholung
Kontext-Interferenz
Differenziell
Theta (4 – 7 Hz)
−
−
++
Alpha (8 – 13 Hz)
o
−
++
Beta (14 – 30 Hz)
o
+
+
Gamma (>30 Hz)
o
+
+
Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass den unterschiedlichen motorischen Lern-/Trainingsformen wie Wiederholungs-, Kontext-Interferenz- und Differenziellem Lernen unterschiedliche neurophysiologische Prozesse zugrunde liegen. [...] Die Zunahme der EEG-Theta- und -Alpha-Aktivierung nach Differenziellem Lernen und im Vergleich hierzu die Zunahmen an Beta- und Gamma-Aktivierung nach Kontext-Interferenz-Lernen weisen auf unterschiedliche Formen der Gedächtnisbildung bei Kontext-Interferenz- und Differenziellem Lernen hin. [...]
Aufgaben, zwischen denen entsprechend dem Kontext-Interferenz-Lernen zwischen konkreten Aufgaben hin- und hergewechselt wird (ohne Varianten dieser Aufgaben einzubeziehen), lösen einen eher aufmerksamkeitsbasierten Prozess aus, der mit einer Aktivierung der höheren EEG-Frequenzbereiche einhergeht. [...]
Werden hingegen eher ständige Variationen einer einzelnen Aufgabe ausgeführt, kommt es zu einer stärkeren Aktivierung des EEGs im niederfrequenten Bereich. Dies weist auf verstärkte Prozesse der Konsolidierung 5 motorischer Informationen beim Differenziellen Lernen hin. [...]
Differenzielles Lernen fördert daher einen für motorisches Lernen günstigeren Gehirnzustand, der die Bewegungsausführung in Wettkampfsituationen möglicherweise unempfindlicher gegenüber externen und internen Störungen macht. [...]
1 Wiederholungs-Lernen: Nach dem Soll-Ist-Wert-Vergleich wird eine Bewegung von Anfängern so lange ausgeführt und korrigiert, bis sie dem Ideal entspricht.
2 Kontext-Interferenz-Lernen: Prinzipiell ähnliche Annahme wie beim Wiederholungs-Lernen, nur dass die zu erlernende Bewegung z. B. mit einer zweiten Bewegung „gestört“ wird, was dazu führen soll, dass die eigentliche Bewegung am Ende der Lernphase stabiler und besser sitzt bzw. gelernt wurde. Der Erfolg einer solchen Vorgehensweise konnte in Studien vielfach gezeigt werden.
3 Differenzielles Lernen: „Orientiert sich nicht an einem Idealbild eines Bewegungsablaufs, sondern möchte durch stets variierende Randbedingungen zur individuellen, sportlerabhängigen Entwicklung und Optimierung eines Bewegungsablaufs beitragen [...] Während des Trainingsprozesses werden gezielt Unterschiede (‚Differenzen‘) zwischen den Ausführungsversuchen durch die ständige Veränderung der Bewegungsaufgaben und der Umgebungsbedingungen erzeugt. Idealerweise erfolgt die Veränderung bei jeder Bewegungsausführung. Das zwingt den Körper, sich variabel an neue Situationen anzupassen, mit der Folge einer verstärkten Reaktion des zentralen Nervensystems“.
Differenzen zwischen den Bewegungsausführungen können dabei erzeugt werden durch Variation von Umgebungs-, Anfangs- und Endbedingungen einer Bewegung (z. B. Aufschlag von verschiedenen Positionen auf wechselnde Zielfelder), Variation des äußeren und inneren Bewegungsrhythmus (z. B. zwei Aufschläge sofort hintereinander, Aufschläge aus einem Angehen/Anlauf), Variation von jedem Gelenk in Bezug auf die Winkelstellung, die Winkelgeschwindigkeit, die Winkelbeschleunigung und den jeweiligen Rhythmus während der Bewegung (z. B. Aufschläge mit stärker gebeugten/gestreckten Beinen). Zusatzaufgaben und das Lösen mehrerer Aufgaben gleichzeitig sind ebenso denkbar. Es erfolgt keine Korrektur und möglichst keine Wiederholung einer Bewegungsaufgabe. Studien zeigen eine mindestens gleich gute, häufig bessere Wirkung des Differenziellen Lernens im Vergleich zu anderen Lernansätzen.
4 EEG-Analyse und Frequenzbänder: Mittels EEG können aus der Messung elektrischer Ströme Aktivitäten des Gehirns erkennbar gemacht werden. Die gemessenen Signale werden in Frequenzen zerlegt [...]. Im Wesentlichen fünf Frequenzbereiche: Delta (1–3 Hz, Tiefschlaf), Theta (4–7 Hz, Unterbewusstsein, Konzentrationsprozesse, Arbeitsgedächtnis, Gedächtniskonsolidierung), Alpha (8–13 Hz, entspannte Grundhaltung, kreative kognitive Prozesse), Beta (14–30 Hz, nach außen gerichtete Aufmerksamkeit, wacher Zustand), Gamma (30–100 Hz, kognitive Höchstleistungen, starke Fokussierung, hoher Informationsfluss).
5 Vertiefte, nachhaltig wirksame Einspeicherung von Informationen im Lernprozess.
3. Arbeiten Sie aus M 3 den Untersuchungsansatz und die in der Studie festgestellte Wirksamkeit der drei Lernkonzepte heraus und entwerfen Sie danach fünf Übungen für ein Techniktraining zur Hindernisüberquerung (vgl. M 1) im 3000-Meter-Hindernislauf, das auf der Theorie des Differenziellen Lernens beruht. [32 Punkte]
a)
b)
Aufgabe HT 2 - Aufgabe 1 · Koordination, Informationsverarbeitung und Druckbedingungen
M 1: Spielszene der Junioren Tchoukball Weltmeisterschaft 2019, Spielfeld
M 2: Das Sportspiel Tchoukball
Im Tchoukball ist jegliche Behinderung des Gegners oder des Spielflusses untersagt: Zwei Teams besetzen gemeinsam das ganze Spielfeld und können vom Gegner unbehelligt auf beide Frames 1 zielen. Dieser spezielle Aspekt verleiht dem Spiel einen erzieherischen Wert, von dem nicht nur Sportlehrerinnen und Sportlehrer profitieren können.
1 Wurfrahmen, ähnlich zu aufgestellten Minitrampolinen, die den darauf geworfenen Ball sehr dynamisch wieder zurückprallen lassen
In seinem offiziellen Regelwerk lässt Tchoukball zwei siebenköpfige Mannschaften auf einem Spielfeld gegeneinander antreten, an dessen Enden je ein Frame steht, das von einem Halbkreis mit Dreimeterradius «geschützt» ist (die verbotene Zone); diesen darf man nicht mit dem Ball in der Hand betreten. Um einen Punkt zu erzielen, müssen die Spielerinnen und Spieler auf das Netz des Frames spielen, sodass der Ball dann nach dem Rückprall („Rebound“) außerhalb der verbotenen Zone den Boden des Spielfeldes berührt, ohne dass die Gegnerinnen und Gegner ihn fangen können. In diesem Fall wird die verteidigende Mannschaft zur angreifenden und spielt den Ball wieder an. Wenn die Verteidigerinnen und Verteidiger den Ball fangen, werden die Rollen getauscht und das Spiel geht ohne Unterbrechung weiter.
Da beide Teams auf beide Frames spielen und der Ball daher nach Wechsel des Ballbesitzes nicht erst über das Spielfeld zur anderen Seite gepasst werden muss, erfolgt der Übergang zwischen Abwehr- und Angriffssituationen äußerst schnell.
Beim Tchoukball wird der Ball mit der Hand gepasst; er wird weder auf den Boden geprellt noch mit den Füßen berührt. Die Verteidigenden dürfen ihn weder abfangen noch die Gegnerinnen und Gegner stören. Die Angreifenden können deshalb beim Zusammenspiel und zum Entwickeln ihrer Aktion frei entscheiden und sich ungehindert bewegen. Sie bleiben bis zum Wurf auf das Frame in Ballbesitz. Es sei denn, einer von ihnen begeht einen Fehler (siehe M 3). Dann erhält die andere Mannschaft den Ball.
Kein zugeteiltes Spielfeld
Beide Teams belegen das ganze Spielfeld und können auf beide Frames zielen. Das Verschwinden der Idee eines Territoriums verändert die Beziehung zum Gegner, der nicht mehr als ‚Feind‘, sondern als zum Spielen unumgänglicher ‚Verbündeter‘ verstanden wird. Die Regeln sind darauf ausgelegt, das Spielen im Kollektiv zu fördern. Denn nur das Zusammenspiel führt zum Erfolg. Beim Angriff entsteht kein Ballmonopol, weil die Fortbewegung mit dem Ball in der Hand eingeschränkt ist (siehe Regeln A und B in M 3); nur mit Pässen kann man das Spiel auf eines der beiden Frames hin entwickeln. Bei der Verteidigung muss die ganze Mannschaft mitmachen, um das Spielfeld, das der Ballwerfende via Frame anpeilen kann, möglichst vollständig abzudecken. Der Angreifende hingegen muss eine gute Übersicht über die Position der Verteidigenden erlangen und seine Würfe sehr platziert, fein dosiert und variabel wählen, um eine Lücke zu finden, in der der Ball nach Rückprallen vom Frame auftreffen kann.
Kein Abfangen des Balls, keine Behinderung
Da gegnerische Pässe nicht abgefangen werden dürfen, kann auch die Angst vor Körperkontakt und Rempeleien einzelner Spielender ausgeschlossen werden. Diese Regel erlaubt es auch zurückhaltenden Spielerinnen und Spieler zur Entwicklung einer Aktion beizutragen. Zudem sind die Angreifenden in der Gestaltung des Spielzugs frei, da die Verteidigenden hier nicht eingreifen dürfen.
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 1 – 2, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
M 3: Tchoukball-Regeln (gekürzt)
In der Tabelle sind die zentralen offiziellen Regeln des Tchoukballs in drei Kategorien zusammengestellt:
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 4, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
Im Jahr 1999 entwickelte Neumaier das sogenannte KAR-Modell, in dem bei der Bewältigung sportlicher Bewegungen sowohl die Informationsanforderungen als auch die jeweiligen Druckbedingungen eine Rolle spielen.
1. Stellen Sie dar, welche Funktion die Analysatoren bei der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen in sportlichen Bewegungen haben. Erläutern Sie danach an drei von Ihnen gewählten Analysatoren deren spezifisch-funktionale Bedeutung für die in M 1 beschriebene Sportspiel-Situation und beziehen Sie M 2 und M 3 mit ein. [23 Punkte]
Aufgabe HT 2 - Aufgabe 2 · Regeln und Spielvermittlung
M 1: Spielszene der Junioren Tchoukball Weltmeisterschaft 2019, Spielfeld
M 2: Das Sportspiel Tchoukball
Im Tchoukball ist jegliche Behinderung des Gegners oder des Spielflusses untersagt: Zwei Teams besetzen gemeinsam das ganze Spielfeld und können vom Gegner unbehelligt auf beide Frames 1 zielen. Dieser spezielle Aspekt verleiht dem Spiel einen erzieherischen Wert, von dem nicht nur Sportlehrerinnen und Sportlehrer profitieren können.
1 Wurfrahmen, ähnlich zu aufgestellten Minitrampolinen, die den darauf geworfenen Ball sehr dynamisch wieder zurückprallen lassen
In seinem offiziellen Regelwerk lässt Tchoukball zwei siebenköpfige Mannschaften auf einem Spielfeld gegeneinander antreten, an dessen Enden je ein Frame steht, das von einem Halbkreis mit Dreimeterradius «geschützt» ist (die verbotene Zone); diesen darf man nicht mit dem Ball in der Hand betreten. Um einen Punkt zu erzielen, müssen die Spielerinnen und Spieler auf das Netz des Frames spielen, sodass der Ball dann nach dem Rückprall („Rebound“) außerhalb der verbotenen Zone den Boden des Spielfeldes berührt, ohne dass die Gegnerinnen und Gegner ihn fangen können. In diesem Fall wird die verteidigende Mannschaft zur angreifenden und spielt den Ball wieder an. Wenn die Verteidigerinnen und Verteidiger den Ball fangen, werden die Rollen getauscht und das Spiel geht ohne Unterbrechung weiter.
Da beide Teams auf beide Frames spielen und der Ball daher nach Wechsel des Ballbesitzes nicht erst über das Spielfeld zur anderen Seite gepasst werden muss, erfolgt der Übergang zwischen Abwehr- und Angriffssituationen äußerst schnell.
Beim Tchoukball wird der Ball mit der Hand gepasst; er wird weder auf den Boden geprellt noch mit den Füßen berührt. Die Verteidigenden dürfen ihn weder abfangen noch die Gegnerinnen und Gegner stören. Die Angreifenden können deshalb beim Zusammenspiel und zum Entwickeln ihrer Aktion frei entscheiden und sich ungehindert bewegen. Sie bleiben bis zum Wurf auf das Frame in Ballbesitz. Es sei denn, einer von ihnen begeht einen Fehler (siehe M 3). Dann erhält die andere Mannschaft den Ball.
Kein zugeteiltes Spielfeld
Beide Teams belegen das ganze Spielfeld und können auf beide Frames zielen. Das Verschwinden der Idee eines Territoriums verändert die Beziehung zum Gegner, der nicht mehr als ‚Feind‘, sondern als zum Spielen unumgänglicher ‚Verbündeter‘ verstanden wird. Die Regeln sind darauf ausgelegt, das Spielen im Kollektiv zu fördern. Denn nur das Zusammenspiel führt zum Erfolg. Beim Angriff entsteht kein Ballmonopol, weil die Fortbewegung mit dem Ball in der Hand eingeschränkt ist (siehe Regeln A und B in M 3); nur mit Pässen kann man das Spiel auf eines der beiden Frames hin entwickeln. Bei der Verteidigung muss die ganze Mannschaft mitmachen, um das Spielfeld, das der Ballwerfende via Frame anpeilen kann, möglichst vollständig abzudecken. Der Angreifende hingegen muss eine gute Übersicht über die Position der Verteidigenden erlangen und seine Würfe sehr platziert, fein dosiert und variabel wählen, um eine Lücke zu finden, in der der Ball nach Rückprallen vom Frame auftreffen kann.
Kein Abfangen des Balls, keine Behinderung
Da gegnerische Pässe nicht abgefangen werden dürfen, kann auch die Angst vor Körperkontakt und Rempeleien einzelner Spielender ausgeschlossen werden. Diese Regel erlaubt es auch zurückhaltenden Spielerinnen und Spieler zur Entwicklung einer Aktion beizutragen. Zudem sind die Angreifenden in der Gestaltung des Spielzugs frei, da die Verteidigenden hier nicht eingreifen dürfen.
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 1 – 2, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
M 3: Tchoukball-Regeln (gekürzt)
In der Tabelle sind die zentralen offiziellen Regeln des Tchoukballs in drei Kategorien zusammengestellt:
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 4, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der Regelsystematik nach Digel die konstitutiven Regeln, indem Sie jeweils ein Beispiel aus dem Spiel Tchoukball heranziehen (M 2, M 3). Entwerfen Sie Regeländerungen, die sich auf drei von Ihnen gewählte Druckbedingungen des KAR-Modells beziehen und die Anforderungen an die Spielenden jeweils steigern oder senken. [33 Punkte]
Aufgabe HT 2 - Aufgabe 3 · Regeln und Spielvermittlung
M 1: Spielszene der Junioren Tchoukball Weltmeisterschaft 2019, Spielfeld
M 2: Das Sportspiel Tchoukball
Im Tchoukball ist jegliche Behinderung des Gegners oder des Spielflusses untersagt: Zwei Teams besetzen gemeinsam das ganze Spielfeld und können vom Gegner unbehelligt auf beide Frames 1 zielen. Dieser spezielle Aspekt verleiht dem Spiel einen erzieherischen Wert, von dem nicht nur Sportlehrerinnen und Sportlehrer profitieren können.
1 Wurfrahmen, ähnlich zu aufgestellten Minitrampolinen, die den darauf geworfenen Ball sehr dynamisch wieder zurückprallen lassen
In seinem offiziellen Regelwerk lässt Tchoukball zwei siebenköpfige Mannschaften auf einem Spielfeld gegeneinander antreten, an dessen Enden je ein Frame steht, das von einem Halbkreis mit Dreimeterradius «geschützt» ist (die verbotene Zone); diesen darf man nicht mit dem Ball in der Hand betreten. Um einen Punkt zu erzielen, müssen die Spielerinnen und Spieler auf das Netz des Frames spielen, sodass der Ball dann nach dem Rückprall („Rebound“) außerhalb der verbotenen Zone den Boden des Spielfeldes berührt, ohne dass die Gegnerinnen und Gegner ihn fangen können. In diesem Fall wird die verteidigende Mannschaft zur angreifenden und spielt den Ball wieder an. Wenn die Verteidigerinnen und Verteidiger den Ball fangen, werden die Rollen getauscht und das Spiel geht ohne Unterbrechung weiter.
Da beide Teams auf beide Frames spielen und der Ball daher nach Wechsel des Ballbesitzes nicht erst über das Spielfeld zur anderen Seite gepasst werden muss, erfolgt der Übergang zwischen Abwehr- und Angriffssituationen äußerst schnell.
Beim Tchoukball wird der Ball mit der Hand gepasst; er wird weder auf den Boden geprellt noch mit den Füßen berührt. Die Verteidigenden dürfen ihn weder abfangen noch die Gegnerinnen und Gegner stören. Die Angreifenden können deshalb beim Zusammenspiel und zum Entwickeln ihrer Aktion frei entscheiden und sich ungehindert bewegen. Sie bleiben bis zum Wurf auf das Frame in Ballbesitz. Es sei denn, einer von ihnen begeht einen Fehler (siehe M 3). Dann erhält die andere Mannschaft den Ball.
Kein zugeteiltes Spielfeld
Beide Teams belegen das ganze Spielfeld und können auf beide Frames zielen. Das Verschwinden der Idee eines Territoriums verändert die Beziehung zum Gegner, der nicht mehr als ‚Feind‘, sondern als zum Spielen unumgänglicher ‚Verbündeter‘ verstanden wird. Die Regeln sind darauf ausgelegt, das Spielen im Kollektiv zu fördern. Denn nur das Zusammenspiel führt zum Erfolg. Beim Angriff entsteht kein Ballmonopol, weil die Fortbewegung mit dem Ball in der Hand eingeschränkt ist (siehe Regeln A und B in M 3); nur mit Pässen kann man das Spiel auf eines der beiden Frames hin entwickeln. Bei der Verteidigung muss die ganze Mannschaft mitmachen, um das Spielfeld, das der Ballwerfende via Frame anpeilen kann, möglichst vollständig abzudecken. Der Angreifende hingegen muss eine gute Übersicht über die Position der Verteidigenden erlangen und seine Würfe sehr platziert, fein dosiert und variabel wählen, um eine Lücke zu finden, in der der Ball nach Rückprallen vom Frame auftreffen kann.
Kein Abfangen des Balls, keine Behinderung
Da gegnerische Pässe nicht abgefangen werden dürfen, kann auch die Angst vor Körperkontakt und Rempeleien einzelner Spielender ausgeschlossen werden. Diese Regel erlaubt es auch zurückhaltenden Spielerinnen und Spieler zur Entwicklung einer Aktion beizutragen. Zudem sind die Angreifenden in der Gestaltung des Spielzugs frei, da die Verteidigenden hier nicht eingreifen dürfen.
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 1 – 2, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
M 3: Tchoukball-Regeln (gekürzt)
In der Tabelle sind die zentralen offiziellen Regeln des Tchoukballs in drei Kategorien zusammengestellt:
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 4, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
In Ihrem Leistungskurs werden bei einem Tchoukballspiel ständig Punkte erzielt, weil die Verteidigung keinen wirksamen Widerstand leistet.
3. Entwerfen Sie unter Rückgriff auf das Taktik-Spiel-Modell ein methodisches Vorgehen, mit dem sich die Spielqualität für alle Beteiligten auf ein höheres Niveau heben lässt. [24 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Aufgabe 1 - Belastungsnormative · Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung
Abiturprüfung 2022
Sport, Leistungskurs
Aufgabenstellung:
Aufgabenstellung 1 (Teil 1): Stellen Sie dar, mit welchen Belastungsnormativen sich ein Ausdauertraining steuern lässt. [10 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Aufgabe 1 - Biologische Anpassungserschein… · Energiebereitstellung, Muskel und Anpassungen
Abiturprüfung 2022
Sport, Leistungskurs
Aufgabenstellung:
Aufgabenstellung 1 (Teil 2): Beschreiben Sie im Anschluss daran jeweils fünf biologische Anpassungen des Organismus, die sich infolge eines langfristigen Ausdauertrainings einstellen, und beziehen Sie dabei das Herz-Kreislauf-System sowie die Sauerstoffversorgung der Muskulatur ein. [12 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Aufgabe 2 · Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung
Abiturprüfung 2022
Sport, Leistungskurs
Aufgabenstellung:
M 1: Polarisiertes Training vs. Schwellentraining
Im Ausdauertraining gibt es verschiedene Ansätze, die sich voneinander abgrenzen lassen, zum Beispiel:
Niedrig-intensives Training wird auch als Grundlagenausdauertraining oder aerobes Training bezeichnet. Der Läufer trainiert dabei im Wohlfôhlbereich von 65 – 75 % seiner oder ca. 70 % der maximalen Herzfrequenz.
Schwellentraining bezeichnet eine Trainingsform, bei der sich die Belastung des Athleten überwiegend im Bereich der individuellen anaeroben Schwelle bewegt. Dabei soll in der Muskulatur möglichst nicht mehr Laktat gebildet werden, als diese gleichzeitig auch abbauen kann. Die Trainingsintensität liegt hierbei bei ca. 85 – 90 % der maximalen Herzfrequenz.
Hochintensives Intervalltraining dagegen bewegt sich im maximalen Anstrengungsbereich bei ca. 90 – 95 % der oder 90 – 100 % der maximalen Herzfrequenz.
Die Methode des polarisierten Trainings, häufig auch als Pol-Training bezeichnet, beschreibt die Kombination von niedrig-intensiven Ausdauereinheiten und hoch-intensiven Trainingsintervallen.
In einer Studie untersuchten T. Stöggl und B. Sperlich (2014) den Einfluss von polarisiertem Training auf die Schlüsselkomponenten der Ausdauer wie , maximale Herzfrequenz und Laktatschwelle, Zeit bis zur Ermüdung und Maximalleistung, im Vergleich zu drei anderen Trainingsformen. Dafür trainierten 48 gut trainierte Ausdauerathleten über 9 Wochen mit vier unterschiedlichen Trainingsmethoden. Zwei davon waren das polarisierte Training und das Schwellentraining.
Tabelle 1: Übersicht über die Inhalte in den beiden Trainingsmethoden während einer Trainingswoche (siehe auch M 2): Polarisiertes Training · Schwellentraining
zwei hoch intensive Einheiten à 60 Minuten
zwei niedrig intensive Einheiten à 150 – 240 Minuten, einschließlich 6 – 8 maximalen Sprinteinheiten über 5 Sekunden im Abstand von 20 Minuten
zusätzlich zwei leichte Ausdauereinheiten
· zwei Einheiten Intervalltraining à 60 Minuten mit einer hohen Anzahl von kurzen Intervallen an der Laktatschwelle
eine 90minütigen Einheit mit längeren Intervallen an der Laktatschwelle
eine Einheit à 75 Minuten im intensiven Bereich und
zwei leichte Ausdauereinheiten à 90 Minuten
Nach zwei intensiven Wochen folgte eine Regenerationswoche mit jeweils einer der Einheiten und Ruhetagen zwischen jedem Trainingstag. · Beim Schwellentraining folgte auf zwei Trainingswochen jeweils eine Regenerationswoche.
Die Studienergebnisse konnten zeigen, dass das polarisierte Training zu den größten Leistungssteigerungen bei gut trainierten Sportlern fÿhrte. Schwellentraining und niedrig-intensives Training zeigten keine signifikanten Verbesserungen in den betrachteten Variablen. Insbesondere bei der Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (), der Verzögerung der Zeit bis zur Ermüdung und der maximalen Ausdauerleistung schnitt die Trainingsgruppe, die mit der Methode des polarisierten Trainings arbeitete, am besten ab. So verbesserte sich beispielsweise die maximale Sauerstoffaufnahme () bei der Gruppe „polarisiertes Training“ im Durchschnitt um 11,7 %. Bei hoch-intensivem Training kam es zu einer durchschnittlichen Verbesserung von 4,8 %, wogegen niedrig-intensives Training und Schwellentraining zu keinen Verbesserungen fÿhrten. Keine der untersuchten Trainingsmethoden fÿhrte zu einer nennenswerten Verbesserung der maximalen Herzfrequenz.
Ein Ausdauertest, der u. a. die Zeit bis zur Erschöpfung des Athleten erhebt, zeigte folgende Ergebnisse:
Beim polarisierten Training wurde die Zeit bis zur Ermüdung um durchschnittlich 17,4 % verbessert, beim hoch-intensiven Training um durchschnittlich 8,8 %.
Die Auswirkungen auf die Laktatschwelle bei 4 mmol und die Maximalleistung ergaben signifikante Leistungssteigerungen nur beim polarisierten Training und zwar um durchschnittlich 8,1 % bzw. 5,1 % und beim hoch-intensiven Training um durchschnittlich 5,6 % und 4,4 %.
Eine weitere im „Journal of Applied Physiology“ veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Stirling aus dem Jahr 2013 untersuchte die Leistungsverbesserungen durch das polarisierte Training im Vergleich zum Laktatschwellentraining in einem Zeitraum von sechs Wochen bei trainierten Radsportlern. Zu Beginn und zum Abschluss der Studie mussten die zwölf Teilnehmer ein 40 Kilometer langes Einzelzeitfahren bestreiten. Die Laktatschwellenleistung verbesserte sich während des Trainingszeitraums durch das polarisierte Training um neun Prozent, das Laktatschwellentraining brachte eine um zwei Prozent verbesserte Leistung. Für das 40 Kilometer lange Zeitfahren benötigten die Pol-Training-Athleten durchschnittlich 2:20 Minuten weniger als zuvor.
M 2: Vergleich der Trainingsbereiche bei polarisiertem Training und Schwellentraining
2.
Vergleichen Sie die in M 1 und M 2 vorgestellten Trainingsmethoden „ Polarisiertes Training (Pol) “ und „ (Laktat-)Schwellentraining “ hinsichtlich ihrer Gestaltung und ihrer Wirksamkeit. Entwerfen Sie unter Rückgriff auf das Conconi-Testverfahren eine Hypothese, inwiefern sich ein regelmäßiges Ausdauertraining nach dem Prinzip des polarisierten Trainings auf die Testergebnisse eines Ausdauerathleten auswirkt. [30 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Aufgabe 3 · Gesundheit im Sport
Abiturprüfung 2022
Sport, Leistungskurs
Aufgabenstellung:
3. Ordnen Sie den Kreislaufzusammenbruch des deutschen Ruderers Filip Adamski bei einem Maximaltest während der WM-Vorbereitung 2009 (M 3) mithilfe des Salutogenese-Modells ein. Nehmen Sie außerdem vor dem Hintergrund des Spannungsfelds zwischen Gesundheits- und Leistungssport Stellung zu Adamskis Äußerung „Der Körper sagt ‚Stopp‘, aber ich schalte auf Sturkopf. Ich mache weiter, es geht.“ [28 Punkte]
a)
b)
Du kannst auch nach Themen lernen
Übe ein Thema mit gemischten Aufgaben aus den Prüfungen aller Jahre.
- Regeln und Spielvermittlung · 11 Aufgaben · 85 % Wahrscheinlichkeit
- Koordination, Informationsverarbeitung und Druckbedingungen · 7 Aufgaben · 85 % Wahrscheinlichkeit
- Energiebereitstellung, Muskel und Anpassungen · 6 Aufgaben · 80 % Wahrscheinlichkeit
- Gesundheit im Sport · 4 Aufgaben · 75 % Wahrscheinlichkeit
- Bewegungsanalyse und biomechanische Prinzipien · 4 Aufgaben · 65 % Wahrscheinlichkeit
- Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung · 8 Aufgaben · 60 % Wahrscheinlichkeit