Aufgabe HT 3 - Aufgabe 2 · Abitur NRW Sport LK · Haupttermin 2022
Thema: Konditionelle Fähigkeiten und Trainingsplanung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2022)
Aufgabenstellung
Abiturprüfung 2022
Sport, Leistungskurs
Aufgabenstellung:
M 1: Polarisiertes Training vs. Schwellentraining
Im Ausdauertraining gibt es verschiedene Ansätze, die sich voneinander abgrenzen lassen, zum Beispiel:
Niedrig-intensives Training wird auch als Grundlagenausdauertraining oder aerobes Training bezeichnet. Der Läufer trainiert dabei im Wohlfôhlbereich von 65 – 75 % seiner oder ca. 70 % der maximalen Herzfrequenz.
Schwellentraining bezeichnet eine Trainingsform, bei der sich die Belastung des Athleten überwiegend im Bereich der individuellen anaeroben Schwelle bewegt. Dabei soll in der Muskulatur möglichst nicht mehr Laktat gebildet werden, als diese gleichzeitig auch abbauen kann. Die Trainingsintensität liegt hierbei bei ca. 85 – 90 % der maximalen Herzfrequenz.
Hochintensives Intervalltraining dagegen bewegt sich im maximalen Anstrengungsbereich bei ca. 90 – 95 % der oder 90 – 100 % der maximalen Herzfrequenz.
Die Methode des polarisierten Trainings, häufig auch als Pol-Training bezeichnet, beschreibt die Kombination von niedrig-intensiven Ausdauereinheiten und hoch-intensiven Trainingsintervallen.
In einer Studie untersuchten T. Stöggl und B. Sperlich (2014) den Einfluss von polarisiertem Training auf die Schlüsselkomponenten der Ausdauer wie , maximale Herzfrequenz und Laktatschwelle, Zeit bis zur Ermüdung und Maximalleistung, im Vergleich zu drei anderen Trainingsformen. Dafür trainierten 48 gut trainierte Ausdauerathleten über 9 Wochen mit vier unterschiedlichen Trainingsmethoden. Zwei davon waren das polarisierte Training und das Schwellentraining.
Tabelle 1: Übersicht über die Inhalte in den beiden Trainingsmethoden während einer Trainingswoche (siehe auch M 2): Polarisiertes Training · Schwellentraining
zwei hoch intensive Einheiten à 60 Minuten
zwei niedrig intensive Einheiten à 150 – 240 Minuten, einschließlich 6 – 8 maximalen Sprinteinheiten über 5 Sekunden im Abstand von 20 Minuten
zusätzlich zwei leichte Ausdauereinheiten
· zwei Einheiten Intervalltraining à 60 Minuten mit einer hohen Anzahl von kurzen Intervallen an der Laktatschwelle
eine 90minütigen Einheit mit längeren Intervallen an der Laktatschwelle
eine Einheit à 75 Minuten im intensiven Bereich und
zwei leichte Ausdauereinheiten à 90 Minuten
Nach zwei intensiven Wochen folgte eine Regenerationswoche mit jeweils einer der Einheiten und Ruhetagen zwischen jedem Trainingstag. · Beim Schwellentraining folgte auf zwei Trainingswochen jeweils eine Regenerationswoche.
Die Studienergebnisse konnten zeigen, dass das polarisierte Training zu den größten Leistungssteigerungen bei gut trainierten Sportlern fÿhrte. Schwellentraining und niedrig-intensives Training zeigten keine signifikanten Verbesserungen in den betrachteten Variablen. Insbesondere bei der Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (), der Verzögerung der Zeit bis zur Ermüdung und der maximalen Ausdauerleistung schnitt die Trainingsgruppe, die mit der Methode des polarisierten Trainings arbeitete, am besten ab. So verbesserte sich beispielsweise die maximale Sauerstoffaufnahme () bei der Gruppe „polarisiertes Training“ im Durchschnitt um 11,7 %. Bei hoch-intensivem Training kam es zu einer durchschnittlichen Verbesserung von 4,8 %, wogegen niedrig-intensives Training und Schwellentraining zu keinen Verbesserungen fÿhrten. Keine der untersuchten Trainingsmethoden fÿhrte zu einer nennenswerten Verbesserung der maximalen Herzfrequenz.
Ein Ausdauertest, der u. a. die Zeit bis zur Erschöpfung des Athleten erhebt, zeigte folgende Ergebnisse:
Beim polarisierten Training wurde die Zeit bis zur Ermüdung um durchschnittlich 17,4 % verbessert, beim hoch-intensiven Training um durchschnittlich 8,8 %.
Die Auswirkungen auf die Laktatschwelle bei 4 mmol und die Maximalleistung ergaben signifikante Leistungssteigerungen nur beim polarisierten Training und zwar um durchschnittlich 8,1 % bzw. 5,1 % und beim hoch-intensiven Training um durchschnittlich 5,6 % und 4,4 %.
Eine weitere im „Journal of Applied Physiology“ veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Stirling aus dem Jahr 2013 untersuchte die Leistungsverbesserungen durch das polarisierte Training im Vergleich zum Laktatschwellentraining in einem Zeitraum von sechs Wochen bei trainierten Radsportlern. Zu Beginn und zum Abschluss der Studie mussten die zwölf Teilnehmer ein 40 Kilometer langes Einzelzeitfahren bestreiten. Die Laktatschwellenleistung verbesserte sich während des Trainingszeitraums durch das polarisierte Training um neun Prozent, das Laktatschwellentraining brachte eine um zwei Prozent verbesserte Leistung. Für das 40 Kilometer lange Zeitfahren benötigten die Pol-Training-Athleten durchschnittlich 2:20 Minuten weniger als zuvor.
M 2: Vergleich der Trainingsbereiche bei polarisiertem Training und Schwellentraining
2.
Vergleichen Sie die in M 1 und M 2 vorgestellten Trainingsmethoden „ Polarisiertes Training (Pol) “ und „ (Laktat-)Schwellentraining “ hinsichtlich ihrer Gestaltung und ihrer Wirksamkeit. Entwerfen Sie unter Rückgriff auf das Conconi-Testverfahren eine Hypothese, inwiefern sich ein regelmäßiges Ausdauertraining nach dem Prinzip des polarisierten Trainings auf die Testergebnisse eines Ausdauerathleten auswirkt. [30 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Vergleichen Sie die in M 1 und M 2 vorgestellten Trainingsmethoden „Polarisiertes Training (Pol)“ und „(Laktat-)Schwellentraining“ hinsichtlich ihrer Gestaltung und ihrer Wirksamkeit.
Lösung: Ausführlicher Vergleich von Polarisiertem Training und Schwellentraining hinsichtlich Trainingsgestaltung (Zonenverteilung, Belastungskomponenten) und Trainingswirksamkeit (Leistungssteigerung, VO₂max, Ermüdungszeit).
Entwerfen Sie unter Rückgriff auf das Conconi-Testverfahren eine Hypothese, inwiefern sich ein regelmäßiges Ausdauertraining nach dem Prinzip des polarisierten Trainings auf die Testergebnisse eines Ausdauerathleten auswirkt.
Lösung: Beschreibung des Conconi-Tests und Hypothese einer Rechtsverschiebung der Conconi-Kurve bzw. des Deflektionspunkts aufgrund verbesserter aerober Leistungsfähigkeit und Sauerstoffaufnahme.
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