Aufgabe HT 2 - Aufgabe 2 · Abitur NRW Sport LK · Haupttermin 2022
Thema: Regeln und Spielvermittlung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2022)
Aufgabenstellung
M 1: Spielszene der Junioren Tchoukball Weltmeisterschaft 2019, Spielfeld
M 2: Das Sportspiel Tchoukball
Im Tchoukball ist jegliche Behinderung des Gegners oder des Spielflusses untersagt: Zwei Teams besetzen gemeinsam das ganze Spielfeld und können vom Gegner unbehelligt auf beide Frames 1 zielen. Dieser spezielle Aspekt verleiht dem Spiel einen erzieherischen Wert, von dem nicht nur Sportlehrerinnen und Sportlehrer profitieren können.
1 Wurfrahmen, ähnlich zu aufgestellten Minitrampolinen, die den darauf geworfenen Ball sehr dynamisch wieder zurückprallen lassen
In seinem offiziellen Regelwerk lässt Tchoukball zwei siebenköpfige Mannschaften auf einem Spielfeld gegeneinander antreten, an dessen Enden je ein Frame steht, das von einem Halbkreis mit Dreimeterradius «geschützt» ist (die verbotene Zone); diesen darf man nicht mit dem Ball in der Hand betreten. Um einen Punkt zu erzielen, müssen die Spielerinnen und Spieler auf das Netz des Frames spielen, sodass der Ball dann nach dem Rückprall („Rebound“) außerhalb der verbotenen Zone den Boden des Spielfeldes berührt, ohne dass die Gegnerinnen und Gegner ihn fangen können. In diesem Fall wird die verteidigende Mannschaft zur angreifenden und spielt den Ball wieder an. Wenn die Verteidigerinnen und Verteidiger den Ball fangen, werden die Rollen getauscht und das Spiel geht ohne Unterbrechung weiter.
Da beide Teams auf beide Frames spielen und der Ball daher nach Wechsel des Ballbesitzes nicht erst über das Spielfeld zur anderen Seite gepasst werden muss, erfolgt der Übergang zwischen Abwehr- und Angriffssituationen äußerst schnell.
Beim Tchoukball wird der Ball mit der Hand gepasst; er wird weder auf den Boden geprellt noch mit den Füßen berührt. Die Verteidigenden dürfen ihn weder abfangen noch die Gegnerinnen und Gegner stören. Die Angreifenden können deshalb beim Zusammenspiel und zum Entwickeln ihrer Aktion frei entscheiden und sich ungehindert bewegen. Sie bleiben bis zum Wurf auf das Frame in Ballbesitz. Es sei denn, einer von ihnen begeht einen Fehler (siehe M 3). Dann erhält die andere Mannschaft den Ball.
Kein zugeteiltes Spielfeld
Beide Teams belegen das ganze Spielfeld und können auf beide Frames zielen. Das Verschwinden der Idee eines Territoriums verändert die Beziehung zum Gegner, der nicht mehr als ‚Feind‘, sondern als zum Spielen unumgänglicher ‚Verbündeter‘ verstanden wird. Die Regeln sind darauf ausgelegt, das Spielen im Kollektiv zu fördern. Denn nur das Zusammenspiel führt zum Erfolg. Beim Angriff entsteht kein Ballmonopol, weil die Fortbewegung mit dem Ball in der Hand eingeschränkt ist (siehe Regeln A und B in M 3); nur mit Pässen kann man das Spiel auf eines der beiden Frames hin entwickeln. Bei der Verteidigung muss die ganze Mannschaft mitmachen, um das Spielfeld, das der Ballwerfende via Frame anpeilen kann, möglichst vollständig abzudecken. Der Angreifende hingegen muss eine gute Übersicht über die Position der Verteidigenden erlangen und seine Würfe sehr platziert, fein dosiert und variabel wählen, um eine Lücke zu finden, in der der Ball nach Rückprallen vom Frame auftreffen kann.
Kein Abfangen des Balls, keine Behinderung
Da gegnerische Pässe nicht abgefangen werden dürfen, kann auch die Angst vor Körperkontakt und Rempeleien einzelner Spielender ausgeschlossen werden. Diese Regel erlaubt es auch zurückhaltenden Spielerinnen und Spieler zur Entwicklung einer Aktion beizutragen. Zudem sind die Angreifenden in der Gestaltung des Spielzugs frei, da die Verteidigenden hier nicht eingreifen dürfen.
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 1 – 2, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
M 3: Tchoukball-Regeln (gekürzt)
In der Tabelle sind die zentralen offiziellen Regeln des Tchoukballs in drei Kategorien zusammengestellt:
Quelle: Themenheft mobilesport.ch 10/2016 | Tchoukball, S. 4, URL: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2016/10/Tchoukball_d.pdf (Zugriff: 08.12.2020) (verändert)
2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der Regelsystematik nach Digel die konstitutiven Regeln, indem Sie jeweils ein Beispiel aus dem Spiel Tchoukball heranziehen (M 2, M 3). Entwerfen Sie Regeländerungen, die sich auf drei von Ihnen gewählte Druckbedingungen des KAR-Modells beziehen und die Anforderungen an die Spielenden jeweils steigern oder senken. [33 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der Regelsystematik nach Digel die konstitutiven Regeln, indem Sie jeweils ein Beispiel aus dem Spiel Tchoukball heranziehen (M 2, M 3). Entwerfen Sie Regeländerungen, die sich auf drei von Ihnen gewählte Druckbedingungen des KAR-Modells beziehen und die Anforderungen an die Spielenden jeweils steigern oder senken.
Lösung: 1. Regelsystematik nach Digel: - Unterscheidung in konstitutive Regeln (definieren das Spiel grundlegend, stecken den Rahmen ab; Unterteilung in Personal-, Raum-, Zeit-, Inventar- und Handlungsregeln) und strategische Regeln (taktische Handlungsmaximen zur optimalen Nutzung der durch konstitutive Regeln eröffneten Spielräume). - Personalregeln (Beispiel: zwei Teams à 7 Spielerinnen/Spieler auf dem Feld). - Raumregeln (Beispiel: Spielfeldmaße 26–29 m x 15–17 m; verbotene Zone als Halbkreis mit 3 m Radius um jeden Frame). - Zeitregeln (Beispiel: Spieldauer 3 x 15 Minuten; 3-Sekunden-Regel für Ballbesitz). - Inventarregeln (Beispiel: Ballgröße 54–60 cm Umfang / 325–475 g; Frame/Rebounder an den Stirnseiten). - Handlungsregeln (Beispiel: maximal 3 Schritte, maximal 3 Pässe; Verbot von Körperkontakt, Behinderung und Abfangen gegnerischer Pässe). 2. Skizzierung der Druckbedingungen nach Neumaier (KAR-Modell): - Charakterisieren die koordinativen Anforderungen einer Bewegungsaufgabe (Präzisionsdruck, Zeitdruck, Situationsdruck, Belastungsdruck, Variabilitätsdruck). - Auswahl dreier Bedingungen, z. B.: * Präzisionsdruck: Anforderung an Verlaufs- und Endgenauigkeit. * Zeitdruck: Anforderung an verfügbare Zeit bzw. maximale Ausführungsgeschwindigkeit. * Belastungsdruck: physisch-konditionelle und psychische Beanspruchung. 3. Entwurf von Regeländerungen: - Präzisionsdruck: * Verringerung: Vergrößerung der Zielfläche (größerer Frame) oder Verkleinerung der verbotenen Zone. * Erhöhung: Verkleinerung des Frames oder Vergrößerung des Radius der verbotenen Zone. - Zeitdruck: * Verringerung: Verlängerung der erlaubten Ballhaltezeit von 3 auf 5 Sekunden oder Erhöhung der Passanzahl auf 5 Pässe. * Erhöhung: Reduzierung der erlaubten Ballhaltezeit auf 1–2 Sekunden oder Pflicht zum Abschluss nach maximal 2 Pässen. - Belastungsdruck (physisch-konditionell): * Verringerung: Verkleinerung des Spielfelds oder Erhöhung der Spielerzahl auf dem Feld (z. B. 8–9 Spieler). * Erhöhung: Vergrößerung des Spielfelds oder Verringerung der Spieleranzahl (z. B. 4–5 Spieler pro Team).
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe NT 1 - Aufgabe 3 · LK · Nachtermin 2023 · Aufgabe HT 2 - Aufgabe 3 · LK · Haupttermin 2022 ›
Mehr Aufgaben zu Regeln und Spielvermittlung
- Aufgabe HT 2 - Aufgabe 1 · LK · Haupttermin 2023
- Aufgabe NT 1 - Aufgabe 2 · LK · Nachtermin 2023
- Aufgabe NT 1 - Aufgabe 3 · LK · Nachtermin 2023
- Aufgabe HT 2 - Aufgabe 3 · LK · Haupttermin 2022
- Aufgabe NT 2 - Teilaufgabe 1 · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe NT 2 - Teilaufgabe 3 · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 1 · LK · Haupttermin 2021
- Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 2 · LK · Haupttermin 2021
- Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 3 · LK · Haupttermin 2021
- Aufgabe NT 1 - Aufgabe 2 · LK · Nachtermin 2021