Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Thema: Kernphysik und ionisierende Strahlung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2023)

Aufgabenstellung

Teilaufgabe 2: Die Zerfallseigenschaften des Tritiums und das Energiespektrum seiner β−\beta^--Strahlung

a)

Das Wasserstoffisotop 3H^3\mathrm{H} (Tritium) ist ein β−\beta^--Strahler mit der Zerfallsgleichung:

3H→3He+e−+νˉe^3\mathrm{H} \rightarrow {^3\mathrm{He}} + e^- + \bar{\nu}_e

Die Abnahme der Anzahl NN der Tritiumkerne in einer Probe als Funktion der Zeit wird durch das Zerfallsgesetz N(t)=N0⋅e−λ⋅tN(t) = N_0 \cdot e^{-\lambda \cdot t} beschrieben. Dabei bezeichnet N0N_0 die Anfangszahl der Tritiumkerne und λ\lambda die Zerfallskonstante des Tritiums.

Die Aktivität AA der Probe ergibt sich aus der Ableitung von NN nach der Zeit, also der Änderungsrate der Tritiumkerne A=−N˙A = -\dot{N}. Für die Aktivität AA gilt das Abnahmegesetz A(t)=A0⋅e−λ⋅tA(t) = A_0 \cdot e^{-\lambda \cdot t}.

• Zeigen Sie, dass die Anfangsaktivität A0A_0 der Probe durch folgende Beziehung gegeben ist: A0=λ⋅N0A_0 = \lambda \cdot N_0.

• Zeigen Sie, dass zwischen der Halbwertszeit T1/2T_{1/2} eines radioaktiven Nuklids und seiner Zerfallskonstante λ\lambda folgender Zusammenhang besteht: T1/2=ln⁡2λT_{1/2} = \frac{\ln 2}{\lambda}.

Beim radioaktiven Zerfall des Tritiums handelt es sich um einen einstufigen Zerfall, d. h., der Tochterkern ist stabil. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass die Aktivität einer Tritiumprobe ausschließlich aus dem Zerfall des Tritiums stammt. Die Aktivität einer konkreten Tritiumprobe wird zum Zeitpunkt t=0t = 0 bestimmt und dann nach t=548 dt = 548\text{ d} erneut. Es zeigt sich, dass sich die Aktivität AA der Probe um 8,1 %8{,}1\,\% gegenüber der ersten Messung reduziert hat.

• Bestimmen Sie mithilfe dieser Messung die Halbwertszeit T1/2T_{1/2} von Tritium in Jahren.

b)

Da der β−\beta^--Zerfall des Tritiums direkt in den Grundzustand des Tochternuklids 3He^3\mathrm{He} erfolgt, tritt bei diesem Prozess keine γ\gamma-Strahlung auf. Somit verteilt sich bei diesem β−\beta^--Zerfall die gesamte frei werdende Energie EgesE_{\text{ges}} auf die entstehenden Teilchen. Für die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}} des β−\beta^--Zerfalls gilt dabei der folgende Zusammenhang:

Eges=[m3H−(m3He+me+mν)]⋅c2E_{\text{ges}} = [m_{^3\mathrm{H}} - (m_{^3\mathrm{He}} + m_e + m_\nu)] \cdot c^2

Erläutern Sie die angegebene Beziehung zwischen den Massen und der beim β−\beta^--Zerfall frei werdenden Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}}.

c)

Ein gemessenes Energiespektrum der beim β−\beta^--Zerfall des Tritiums entstehenden Elektronen ist in Abbildung 3 dargestellt.

• Beschreiben Sie, wie das Energiespektrum der Elektronen in Abbildung 3 verläuft.

Die Gesamtenergie des Zerfalls beträgt immer Eges≈18,6 keVE_{\text{ges}} \approx 18{,}6\text{ keV}. Aufgrund des großen Massenunterschieds zwischen Elektron und Tochterkern kann der 3He^3\mathrm{He}-Kern aus dem β−\beta^--Zerfall aufgrund der Impulserhaltung maximal 0,04 %0{,}04\,\% der kinetischen Energie des Elektrons EeE_e erhalten.

• Begründen Sie, dass das ansonsten nicht nachweisbare Antineutrino νˉe\bar{\nu}_e erforderlich ist, um das Spektrum in Abbildung 3 zu erklären.

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Zeigen Sie, dass die Anfangsaktivität A0A_0 der Probe durch folgende Beziehung gegeben ist: A0=λ⋅N0A_0 = \lambda \cdot N_0.

Lösung: A(t)=−N˙(t)=−(−λ⋅N0⋅e−λt)=λ⋅N0⋅e−λtA(t) = -\dot{N}(t) = -(-\lambda \cdot N_0 \cdot e^{-\lambda t}) = \lambda \cdot N_0 \cdot e^{-\lambda t}, woraus für t=0t = 0 folgt: A0=A(0)=λ⋅N0A_0 = A(0) = \lambda \cdot N_0.

Zeigen Sie, dass zwischen der Halbwertszeit T1/2T_{1/2} eines radioaktiven Nuklids und seiner Zerfallskonstante λ\lambda folgender Zusammenhang besteht: T1/2=ln⁡2λT_{1/2} = \frac{\ln 2}{\lambda}.

Lösung: T1/2=ln⁡2λT_{1/2} = \frac{\ln 2}{\lambda}

Bestimmen Sie mithilfe dieser Messung die Halbwertszeit T1/2T_{1/2} von Tritium in Jahren.

Lösung: 12,312{,}3 a / 12,312{,}3 Jahre

Erläutern Sie die angegebene Beziehung zwischen den Massen und der beim β−\beta^--Zerfall frei werdenden Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}}.

Lösung: Die frei werdende Energie bei dem β−\beta^--Zerfall ergibt sich aus der Differenz der Ruhemassen der beteiligten Teilchen vor und nach dem Zerfall: Δm=m3H−(m3He+me+mν)\Delta m = m_{^3\mathrm{H}} - (m_{^3\mathrm{He}} + m_e + m_\nu). Nach der Masse-Energie-Relation gilt Eges=Δm⋅c2E_{\text{ges}} = \Delta m \cdot c^2.

Beschreiben Sie, wie das Energiespektrum der Elektronen in Abbildung 3 verläuft.

Lösung: Das Spektrum zeigt eine kontinuierliche Verteilung der Elektronenenergien zwischen 00 und Eges≈18,5 keVE_{\text{ges}} \approx 18{,}5\text{ keV}. Das Maximum liegt bei etwa 2,5 keV2{,}5\text{ keV} (akzeptiert: 2 keV−3,5 keV2\text{ keV} - 3{,}5\text{ keV}), zu höheren Energien hin fällt die Zählrate stark ab.

Begründen Sie, dass das ansonsten nicht nachweisbare Antineutrino νˉe\bar{\nu}_e erforderlich ist, um das Spektrum in Abbildung 3 zu erklären.

Lösung: Da das Elektron meist deutlich weniger Energie als EgesE_{\text{ges}} besitzt und der Heliumkern aufgrund der Impulserhaltung praktisch keine kinetische Energie aufnimmt, muss ein drittes Teilchen (das Antineutrino) die restliche Energie aufnehmen, damit der Energieerhaltungssatz erfüllt ist.

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