Aufgabe 2: Eigenschaften und Anwendungen des radi… · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin 2023
Thema: Kernphysik und ionisierende Strahlung · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
Aufgabe: Eigenschaften und Anwendungen des radioaktiven Isotops 32 P
Das chemische Element Phosphor kommt in mehreren Erscheinungsformen und vielen mineralischen Verbindungen in der Natur vor. Zudem ist Phosphor neben anderen Elementen einer der Grundbausteine für den Aufbau des DNA-Moleküls, und kommt zudem in vielen weiteren biologisch relevanten Molekülen vor. Das radioaktive Phosphorisotop 32 P ist durch seine Strahlung messbar und bietet sich daher an, biologische Stoffwechselprozesse auf molekularer Ebene experimentell zu untersuchen.
Teilaufgabe 1: Eigenschaften des Isotops 32 P
Phosphor ist mit der Ordnungszahl in das Periodensystem der Elemente eingeordnet. Im Zuge der kernphysikalischen Untersuchungen aller Elemente zeigte sich, dass in der Natur lediglich ein stabiles Phosphorisotop vorkommt. Abbildung 1 zeigt den entsprechenden Ausschnitt der Nuklidkarte.
a)
Geben Sie die Zahl der Protonen und der Neutronen im Kern des natürlich vorkommenden stabilen Phosphorisotops an. [2 Punkte]
Im Weiteren geht es um die Eigenschaften des radioaktiven Phosphorisotops 32 P.
b)
Das Phosphorisotop 32 P wandelt sich durch einen -Zerfall um.
Bei den allermeisten instabilen Nukliden, die sich durch einen -Zerfall umwandeln, entsteht zusätzlich noch -Strahlung.
Wenn man für wissenschaftliche Untersuchungen das Phosphorisotop 32 P benötigt, dann muss man es dazu im Labor künstlich herstellen. Diese Herstellung erfolgt, indem die stabilen Nuklide 32 S oder 35 Cl mit Neutronen bestrahlt werden. In beiden Fällen findet jeweils eine Kernreaktion statt, bei der ein 32 P-Kern sowie ein weiteres Teilchen entsteht.
Geben Sie für jedes der beiden stabilen Nuklide an, welches Teilchen neben dem 32 P-Kern bei der jeweiligen Kernreaktion zusätzlich entsteht: [3 Punkte]
c)
Ein Nachweis auch kleiner Mengen des Phosphorisotops 32 P ist durch die Messung der beim -Zerfall dieses Kerns entstehenden ionisierenden Strahlung möglich. Eine solche Messung der ionisierenden Strahlung erfolgt im einfachsten Fall mit einem Geiger-Müller-Zählrohr (GM-Zähler). Abbildung 2 zeigt den prinzipiellen Aufbau eines GM-Zählers.
d)
Der GM-Zähler ist im Prinzip für alle Arten ionisierender Strahlung geeignet, jedoch gibt es bei der Nachweisempfindlichkeit je nach Strahlungsart große Unterschiede. Die Ionisierungsfähigkeit von -, - und -Strahlung in einem gegebenen Gasvolumen verhält sich bei gleicher Strahlungsintensität ungefähr wie .
Obwohl -Strahlung die größte Ionisierungsfähigkeit in Gas besitzt, kann mit üblichen GM-Zählern nur ein sehr geringer Anteil der von außen auf den Zähler treffenden -Strahlung tatsächlich nachgewiesen werden.
Teilaufgabe 2: Zerfallseigenschaften des 32 P
Während ein GM-Zähler nur einen kleinen Teil der einfallenden ionisierenden Strahlung nachweisen kann, sind andere Detektortypen erheblich empfindlicher und werden heute in wissenschaftlichen Laborgeräten verwendet.
a)
Von einer speziellen Labormessapparatur für -Strahler ist bekannt, dass sie einen Anteil von aller -Zerfallsereignisse in einer Probe registriert.
In diese Labormessapparatur wird nun ein Präparat mit einer unbekannten Menge 32 P eingebracht. Außer dem Phosphorisotop 32 P befindet sich kein weiteres radioaktives Nuklid in der Probe. Für eine Messzeit von jeweils wird nun kurz hintereinander von dieser Messapparatur die Anzahl der registrierten -Zerfallsereignisse dieser Probe ermittelt. Es ergeben sich die folgenden, bereits untergrundkorrigierten Messwerte:
Messung mit Probe
1
2
3
4
registrierte Ereignisse
74863
74630
75003
74761
Hinweis: Nehmen Sie an, dass die Aktivität der Probe während der vier Messungen konstant blieb.
Es ist bekannt, dass in reinem 32 P in insgesamt Zerfälle stattfinden, diese Menge 32 P demnach die Aktivität besitzt.
wobei ist.
b)
In den folgenden Wochen wurde regelmäßig die Aktivität der Probe aus Teilaufgabe 2a) mit der beschriebenen Labormessapparatur bestimmt. Abbildung 3 zeigt den zeitlichen Verlauf der Messwerte.
Bestimmen Sie aus den Messwerten in Abbildung 3 die Halbwertszeit des Phosphorisotops 32 P in Tagen und Stunden: [3 Punkte]
h
c)
Eine genaue Auswertung ergibt, dass die Halbwertszeit des Phosphorisotops 32 P beträgt.
Die Nachweisgrenze der Laborapparatur aus Teilaufgabe 2a) für -Strahlung ist dann erreicht, wenn die Aktivität einer Messprobe in die Größenordnung kommt.
Teilaufgabe 3: Einsatz des 32 P als Marker in der Nutzpflanzenforschung
Das Element Phosphor ist in Form von Phosphat ein wesentlicher Bestandteil von Düngemitteln. Bei der Bewertung neugezüchteter Nutzpflanzen ist deren Aufnahme der Nährstoffe aus Düngemitteln ein wichtiges Kriterium. Das radioaktive Phosphorisotop 32 P eignet sich dabei gut für die Untersuchung dieser Eigenschaft der Pflanzen. Dazu wird einem Kunstdünger im Produktionsprozess ein kleiner Anteil des radioaktiven Phosphorisotops 32 P hinzugefügt. Dieser radioaktiv markierte Kunstdünger hat ansonsten identische Eigenschaften wie das übliche Produkt.
Die Eigenschaft „Nährstoffaufnahme“ zweier neugezüchteter Gerstensorten (Sorte A und Sorte B) wird mit dem folgenden Vorgehen vergleichend untersucht:
Eine identische Anzahl von Pflanzen beider Gerstensorten werden in einem Gewächshaus unter kontrollierten Bedingungen angebaut. Die Nährstoffaufnahme aus dem Boden hängt bei Pflanzen von den Einflussfaktoren Bodenbeschaffenheit, Wasserzufuhr, Temperatur und den Lichtverhältnissen ab.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt der Wachstumsphase wird dem Boden beider Gerstenarten einmalig die gleiche Menge des mit 32 P radioaktiv markierten Düngers zugeführt. Vor der Zuführung des Düngers und dann nach Düngung werden Proben aus einem definierten Wurzelbereich beider Gerstensorten entnommen und deren -Aktivität mit dem Labormessgerät aus Teilaufgabe 2 bestimmt.
a)
b)
c)
d)
Eine der beiden Gerstensorten ist dann zu bevorzugen, wenn sie aus dem Dünger unter gleichen Bedingungen mindestens mehr Phosphor aufnimmt als die andere Sorte.
Untersuchen Sie mithilfe der Messdaten, ob eine der beiden Gerstensorten zu bevorzugen ist.
Hinweis: Beziehen Sie die unterschiedliche Masse der Proben in Ihre Untersuchung mit ein. [6 Punkte]
%

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
a) Anzahl Protonen des stabilen Phosphorisotops
Lösung: 15
a) Anzahl Neutronen des stabilen Phosphorisotops
Lösung: 16
b) Komplette Zerfallsgleichung für 32P
Lösung:
b) Wesentlicher Unterschied zwischen den Eigenschaften der beta-Strahlung und der gamma-Strahlung
Lösung: Bei der -Strahlung handelt es sich um elektromagnetische Strahlung (Photonen), während es sich bei der -Strahlung um eine Teilchenstrahlung aus Elektronen handelt.
b) Weiteres Teilchen bei Bestrahlung von 32S mit Neutronen
Lösung: Proton /
b) Weiteres Teilchen bei Bestrahlung von 35Cl mit Neutronen
Lösung: Heliumkern / Alphateilchen /
c) Prinzipielle Funktionsweise eines GM-Zählers
Lösung: Ionisierende Strahlung dringt durch das Eintrittsfenster und ionisiert Gasatome. Durch die Hochspannung zwischen Zähldraht (+) und Gehäuse (-) werden Elektronen zum Draht beschleunigt, erzeugen Stoßionisationen (Elektronenlawine) und einen Strompuls über dem Widerstand , der vom Zähler registriert wird.
d) Begründung für die geringere Eignung des GM-Zählers für gamma-Strahlung
Lösung: Die Ionisierungsfähigkeit von -Strahlung in Gas ist etwa um den Faktor 100 geringer als die von -Strahlung (). Daher finden deutlich weniger Ionisierungen im Gas statt, sodass viele -Quanten das Zählrohr ohne Nachweis durchqueren.
d) Begründung der schlechten Nachweisbarkeit von alpha-Strahlung mit einer Eigenschaft
Lösung: -Strahlung besitzt eine sehr geringe Durchdringungsfähigkeit bzw. Reichweite in Materie und wird bereits im Eintrittsfenster des Zählrohrs vollständig absorbiert.
Teilaufgabe 2 a) Wesentliche Ursache für das Voneinander-Unterscheiden der vier Einzelmessungen
Lösung: Der radioaktive Zerfall ist ein stochastischer (zufälliger) Prozess, sodass die tatsächliche Zerfallsanzahl in festen Zeitintervallen statistisch um den Erwartungswert schwankt.
Teilaufgabe 2 a) Zeigen, dass in der Probe n = 6,93 · 10^5 Zerfälle pro Sekunde stattfinden
Lösung: Mittelwert: in . Pro Sekunde: . Da : .
Teilaufgabe 2 a) Gesamtmenge des Phosphorisotops 32P in der Probe in Pikogramm
Lösung: pg / g
Teilaufgabe 2 b) Beschreibung der Bestimmung der Halbwertszeit aus dem Diagramm
Lösung: Man liest im Diagramm das Zeitintervall ab, in dem sich die Aktivität halbiert, z. B. von bei auf bei . Die Differenz entspricht .
Teilaufgabe 2 b) Halbwertszeit in Tagen
Lösung: 14
Teilaufgabe 2 b) Halbwertszeit in Stunden (Reststunden)
Lösung: 6
Teilaufgabe 2 b) Halbwertszeit alternativ in Gesamtstunden (h)
Lösung: 342
Teilaufgabe 2 c) Zeit bis zum Erreichen der Nachweisgrenze in Wochen
Lösung: 26 Wochen
Teilaufgabe 3 a) Erläuterung der Notwendigkeit identischer Wachstumsbedingungen
Lösung: Damit Unterschiede in der Phosphoraufnahme eindeutig auf die genetischen Eigenschaften der jeweiligen Gerstensorte zurückgeführt werden können und nicht durch unterschiedliche Umweltfaktoren verfälscht werden.
Teilaufgabe 3 b) Begründung für die Messung vor der Düngung
Lösung: Um die natürliche Nullaktivität (Hintergrundaktivität bzw. Eigenaktivität der Pflanze) vor der Düngung als Referenzwert zu kennen und vom Messwert nach der Düngung abziehen zu können.
Teilaufgabe 3 c) Begründung, warum der Zerfall keinen Einfluss auf die Fragestellung hat
Lösung: Der radioaktive Zerfall von <sup>32</sup>P verläuft nach dem gleichen Zerfallsgesetz für beide Gerstensorten mit exakt derselben Halbwertszeit. Da beide Proben nach exakt derselben Zeit () entnommen und gemessen werden, ist der relative Zerfallsverlust bei beiden identisch.
Teilaufgabe 3 d) Aktivitätszuwachs von Sorte A pro 1,00 g Wurzelmasse
Lösung: 62,8 Bq / 62,8 Bq/g
Teilaufgabe 3 d) Aktivitätszuwachs von Sorte B pro 1,00 g Wurzelmasse
Lösung: 51,7 Bq / 51,7 Bq/g
Teilaufgabe 3 d) Zu bevorzugende Gerstensorte
Lösung: Sorte A
Teilaufgabe 3 d) Prozentuale Mehr-Aufnahme
Lösung: 21 %
Teilaufgabe 3 d) Begründung und Berechnungsschritte
Lösung: Sorte A: Zuwachs . Sorte B: Zuwachs . Verhältnis: ( Mehr-Aufnahme ). Sorte A ist daher zu bevorzugen.
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