Aufgabe 3 - Atomhülle und Spektren · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin 2022
Thema: Atomhülle und Spektren · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2022)
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung:
Aufgabe: Nachweis und Eigenschaften extrem seltener Elemente
Schon in der Antike kannte man insgesamt 10 chemische Elemente, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen 73 weitere Entdeckungen hinzu. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich die Elemente zwar zunehmend besser nach ihrer Atommasse und nach wiederkehrenden, ähnlichen chemischen Eigenschaften ordnen, doch dem damals noch lückenhaften Periodensystem fehlte eine verlässliche „Nummerierung“ der Elemente. Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts konnten Physikerinnen und Physiker mithilfe leistungsfähiger Atommodelle und neuer experimenteller Methoden die Anordnung der Elemente im Periodensystem über ihre „Ordnungszahl “ eindeutig bestimmen. Dazu trug die damals entstandene Röntgenspektroskopie maßgeblich bei.
Teilaufgabe 1: Physikalische Grundlagen der Röntgenspektroskopie
a)
Zur Erzeugung von Röntgenstrahlung dienen speziell dafür ausgelegte Vakuumröhren.
Zeichnen Sie eine beschriftete Skizze, die den Aufbau einer Röntgenröhre und ihre elektrische Beschaltung darstellt.
Erläutern Sie, wie eine Röntgenröhre funktioniert; die atomaren Vorgänge bei der Entstehung der Strahlung müssen Sie dabei nicht betrachten.
b)
In Abbildung 1 ist ein typisches Röntgenspektrum dargestellt. Es setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: dem kontinuierlichen Spektrum der Bremsstrahlung und den Linien der charakteristischen Röntgenstrahlung.
Erklären Sie, wie Bremsstrahlung und charakteristische Röntgenstrahlung entstehen, indem Sie die jeweiligen elementaren Prozesse und ein passendes Modell des atomaren Aufbaus des Anodenmaterials heranziehen.
c)
Die Drehkristallmethode ist ein einfaches Verfahren, um ein Röntgenspektrum aufzunehmen. Abbildung 2 stellt einen typischen Versuchsaufbau dafür dar.
Bei der Messung des Röntgenspektrums mit dieser Methode trifft die gebündelte Strahlung unter einem Winkel auf einen Einkristall, dessen Oberfläche parallel zu seinen Netzebenen verläuft. Unter dem Winkel zur Einfallsrichtung der Röntgenstrahlung misst ein Zählrohr die vom Einkristall gestreute Strahlung. Für die Wellenlänge der dort nachgewiesenen Röntgenstrahlung gilt die sogenannte Bragg-Bedingung:
Dabei bezeichnet den Abstand benachbarter Netzebenen des Einkristalls.
Leiten Sie die Bragg-Bedingung mithilfe einer passenden Skizze her.
Bei der Messung eines Röntgenspektrums mit einem typischen Schulröntgengerät wird bei der Drehkristallmethode der Einkristall in gleichmäßigen Drehschritten , beginnend bei kleinen Winkeln bis zu , bewegt. Das Zählrohr wird dabei entsprechend um den doppelten Drehwinkel mitgeführt. Nach jedem Drehschritt wird für eine immer gleiche Zeit die Zahl der Strahlungsereignisse im Zählrohr gemessen und für den jeweiligen Winkel registriert.
Erklären Sie, weshalb zur Aufnahme eines Röntgenspektrums die Messzeit für alle Messwerte gleich sein muss.
Bei einer konkreten Messung mit einem LiF-Kristall (Netzebenenabstand ) beträgt die Drehschrittweite . Die Messung beginnt bei .
Geben Sie die Anzahl der Messpunkte an, die bei dieser Messung aufgenommen werden.
Zeigen Sie, dass bei dieser Messung in erster Ordnung der Wellenlängenbereich zwischen und abgedeckt wird.
Die Messung erfolgt bei einer Beschleunigungsspannung an der Röntgenröhre von .
Untersuchen Sie mit Begründung, ob sich das kurzwellige Ende des Röntgenspektrums unter diesen Messbedingungen erfassen lässt.
Teilaufgabe 2: Sortierung des Periodensystems durch Bestimmung der Ordnungszahlen der Elemente
a)
Abbildung 3 zeigt das Spektrum der Röntgenstrahlung des Kupfers. Die beiden Linien in dem Spektrum sind die - und die -Linie des Kupfers. Die genaue Wellenlänge der -Linie in diesem Spektrum beträgt . Abbildung 4 zeigt das vereinfachte Niveauschema eines Atoms mit den Übergängen der charakteristischen Röntgenlinien.
Bestimmen Sie anhand von aus Abbildung 3 die Energiedifferenz zwischen der L-Schale und der M-Schale im Kupferatom in der Einheit .
b)
Der britische Physiker H. Moseley fand bereits 1914 auf empirischem Weg folgende Beziehung zwischen den Wellenlängen der -Röntgenlinien der chemischen Elemente (bis zum Zirkon) und ihrer Ordnungszahl :
Dabei bezeichnet eine empirisch gefundene Proportionalitätskonstante mit der Maßeinheit .
Tabelle 1 beinhaltet die von H. Moseley gemessenen Wellenlängen der -Röntgenlinien einiger Elemente.
Element:
Aluminium
Kalzium
Chrom
Kobalt
Zink
Zirkon
:
13
20
24
27
30
40
in :
Tabelle 1: -Röntgenlinien einiger Elemente (H. Moseley, 1914)
Zeigen Sie mithilfe einer grafischen Auswertung, dass die Messwerte aus Tabelle 1 die oben genannte Beziehung bestätigen.
Bestimmen Sie aus dieser grafischen Auswertung einen Wert für die Proportionalitätskonstante .
Bestimmen Sie anhand dieser Auswertung und der Informationen aus Teilaufgabe 2a die Ordnungszahl von Kupfer.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Zeichnungen: Skizze Röntgenröhre, Herleitungsskizze Bragg-Bedingung und grafische Auswertung (Moseley-Diagramm)
Lösung: 1a) Skizze einer Röntgenröhre: 1c) Skizze zur Bragg-Bedingung: 2b) Grafische Auswertung (Moseley-Diagramm):
1a) Erläutern Sie, wie eine Röntgenröhre funktioniert; die atomaren Vorgänge bei der Entstehung der Strahlung müssen Sie dabei nicht betrachten.
Lösung: Beim Betrieb der Röntgenröhre werden an der Glühkathode durch den glühelektrischen Effekt Elektronen ausgelöst und dann aufgrund der anliegenden Spannung zur Anode hin beschleunigt. Beim Auftreffen dieser Elektronen auf das Anodenmaterial entsteht dann die Röntgenstrahlung, welche die Röntgenröhre verlassen kann.
1b) Erklären Sie, wie Bremsstrahlung entsteht...
Lösung: Die Bremsstrahlung entsteht, wenn ein schnelles Elektron nach dem Eintreten ins Anodenmaterial durch die Wechselwirkung mit einem Atomkern stark abgelenkt wird und dabei einen Teil seiner kinetischen Energie in Form eines Strahlungsquants abgibt.
1b) Erklären Sie, wie charakteristische Röntgenstrahlung entsteht...
Lösung: Die charakteristische Röntgenstrahlung entsteht, wenn ein schnelles Elektron nach Eintritt ins Anodenmaterial dort ein Elektron aus einer inneren Schale eines Atoms herausschlägt und dann ein anderes Elektron aus einer äußeren Schale auf diesen freien Platz übergeht. Dabei wird die für diesen Übergang charakteristische Energie abgestrahlt.
1c) Leiten Sie die Bragg-Bedingung mithilfe einer passenden Skizze her.
Lösung: Die einlaufenden Röntgenwellen werden an den Netzebenen des Einkristalls gestreut. Der Wegunterschied, den eine einlaufende Wellenfront bis zur Streuung an der nächst tieferen Netzebene des Kristalls zurücklegen muss, ist . Wie aus der Skizze ersichtlich, gilt für diesen Wegunterschied der Zusammenhang . Nach Streuung an der nächst tieferliegenden Netzebene muss die auslaufende Wellenfront unter Berücksichtigung der Reflexionsbedingung erneut den Wegunterschied zusätzlich zurücklegen, sodass der Gesamtgangunterschied zwischen den an benachbarten Netzebenen reflektierten Wellenfronten beträgt. Zu einer konstruktiven Interferenz der reflektierten Wellenfronten kann es in einer solchen Situation nur kommen, wenn der Gesamtgangunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge ist:
1c) Erklären Sie, weshalb zur Aufnahme eines Röntgenspektrums die Messzeit für alle Messwerte gleich sein muss.
Lösung: Bei der Aufnahme eines Röntgenspektrums mit der Drehkristallmethode muss die Messzeit für jede Winkeleinstellung gleich sein, damit die erfasste Zahl der Strahlungsereignisse und damit die gemessene Intensität bei allen Winkeleinstellungen miteinander vergleichbar ist.
1c) Geben Sie die Anzahl der Messpunkte an, die bei dieser Messung aufgenommen werden.
Lösung: 211 / 210
1c) Zeigen Sie, dass bei dieser Messung in erster Ordnung der Wellenlängenbereich zwischen und abgedeckt wird.
Lösung:
1c) Grenzwellenlänge
Lösung: m / pm
1c) Begründung, ob sich das kurzwellige Ende des Röntgenspektrums unter diesen Messbedingungen erfassen lässt.
Lösung: Ja, das kurzwellige Ende kann erfasst werden, da die Grenzwellenlänge innerhalb des bei der Messung erfassten Wellenlängenbereichs liegt:
2a) Abgelesene Wellenlänge aus Abbildung 3
Lösung: nm / m / pm
2a) Energiedifferenz zwischen der L-Schale und der M-Schale im Kupferatom in keV
Lösung: keV / J
2a) Rechnungsweg zur Energiedifferenz zwischen L- und M-Schale
Lösung: Aus dem Termschema folgt: und . Die gesuchte Differenz ist .
2b) Wert für die Proportionalitätskonstante
Lösung: 1/√m / m^(-1/2)
2b) Ordnungszahl von Kupfer
Lösung: 29
2b) Erläuterung der Bestimmung der Ordnungszahl von Kupfer aus der grafischen Auswertung
Lösung: Zunächst wird der Wert für Kupfer aus berechnet (). Anhand der Regressionsgeraden im Diagramm wird der zugehörige Wert auf der Rechtsachse abgelesen (). Daraus folgt .
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