Aufgabe 3: Der Franck-Hertz-Versuch mit Neon · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin 2021
Thema: Atomhülle und Spektren · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2021)
Aufgabenstellung
Aufgabe: Der Franck-Hertz-Versuch mit Neon
Mit dem Franck-Hertz-Versuch lassen sich wesentliche Aussagen über die Struktur von Atomen gewinnen.
Teilaufgabe 1: Aufbau des Franck-Hertz-Versuchs
Im Folgenden soll der Franck-Hertz-Versuch mit Neon durchgeführt werden. Abbildung 1 zeigt einen schematischen Aufbau für diesen Versuch. Darin ist die Heizspannung, die Spannung ist veränderlich. Das Gitter 1 dient in diesem Versuch dazu, die Elektronen von der Kathode „abzusaugen“.
a)
• Beschreiben Sie, wie der Franck-Hertz-Versuch in Abbildung 1 aufgebaut ist.
• Erläutern Sie anhand von Abbildung 1, welche Aufgabe die einzelnen Bauelemente haben und was die Größen , und bedeuten.
• Geben Sie an, wie die Spannungen und in Abbildung 1 bei einer üblichen Durchführung des Franck-Hertz-Versuchs gepolt sind. [10 Punkte]
Teilaufgabe 2: Auswertung des Versuchs
Bei dem hier durchgeführten Versuch sind die Beträge der Spannungen und . Es ergibt sich das in Abbildung 2 dargestellte --Diagramm, wenn man von bis verändert.
a)
• Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Abbildung 2.
• Geben Sie die Werte der Spannung an, bei denen im Diagramm in Abbildung 2 die Maxima der Stromstärke liegen. [6 Punkte]
b)
Begründen Sie, warum erst für eine Spannung oberhalb von ein Anodenstrom größer als Null messbar ist. [2 Punkte]
c)
• Erklären Sie, warum die Stromstärke im Diagramm in Abbildung 2 zum ersten Mal abnimmt.
• Erläutern Sie, aus welchem Grund danach noch zweimal abfällt.
• Erläutern Sie, warum die Minima der Stromstärke im Diagramm in Abbildung 2 nicht in jedem Fall den Wert Null erreichen. [10 Punkte]
In Abbildung 3 ist ein vereinfachtes Energieniveauschema für Neon dargestellt.
d)
Erläutern Sie, wie das Energieniveauschema von Neon in Abbildung 3 mit dem Diagramm des Franck-Hertz-Versuchs in Abbildung 2 zusammenhängt. [3 Punkte]
Teilaufgabe 3: Leuchterscheinungen beim Franck-Hertz-Versuch
Im Franck-Hertz-Versuch mit Neon beobachtet man ein rotes Leuchten. Abbildung 4 zeigt im Schwarzweißbild zwei klar getrennte rot leuchtende Bereiche, die mit Pfeilen gekennzeichnet sind.
a)
• Bestimmen Sie, welcher der drei möglichen Übergänge im vereinfachten Energieniveauschema in Abbildung 3 rotes Licht aussendet.
• Bestimmen Sie, in welchen Spektralbereich die beiden übrigen Übergänge fallen. [5 Punkte]
Abbildung 5 zeigt Aufnahmen der Franck-Hertz-Röhre bei unterschiedlichen Spannungen .
b)
Geben Sie zu den Bildern in Abbildung 5 begründet jeweils einen möglichen Spannungsbereich für aus dem Diagramm in Abbildung 2 an, bei denen die jeweiligen Bilder in Abbildung 5 jeweils gemacht werden können. [6 Punkte]
c)
Erläutern Sie, inwiefern sich die Leuchterscheinungen in der Franck-Hertz-Röhre verändern, wenn bei dem Versuch aus Abbildung 2 die Spannung auf etwa eingestellt wird. [2 Punkte]
Teilaufgabe 4: Atommodelle
Um den Franck-Hertz-Versuch zu erklären, braucht man passende Atommodelle. Abbildung 6 zeigt gängige Darstellungen der Atommodelle von Dalton, Thomson, Rutherford und Bohr.
a)
Beschreiben Sie mithilfe von Abbildung 6 die Atommodelle von Dalton, Thomson, Rutherford und Bohr kurz mit eigenen Worten. [8 Punkte]
b)
Erläutern Sie zwei Punkte, die am Bohr'schen Atommodell kritisiert werden. [4 Punkte]
c)
Erläutern Sie, welche Eigenschaften ein Atommodell haben muss, damit es die Ergebnisse des Franck-Hertz-Versuchs erklären kann. [2 Punkte]
d)
Resonanzabsorption bedeutet, dass Atome Photonen aufnehmen können, deren Energie derjenigen der von den Atomen ausgesandten Photonen entspricht.
• Beschreiben Sie einen passenden Versuch, der die Resonanzabsorption veranschaulicht.
• Erläutern Sie, wie sich die Energieübertragung bei der Resonanzabsorption von der im Franck-Hertz-Versuch unterscheidet. [7 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Teilaufgabe 1 a) • Beschreiben Sie, wie der Franck-Hertz-Versuch in Abbildung 1 aufgebaut ist. • Erläutern Sie anhand von Abbildung 1, welche Aufgabe die einzelnen Bauelemente haben und was die Größen U_B, U_G und I_A bedeuten. • Geben Sie an, wie die Spannungen U_B und U_G in Abbildung 1 bei einer üblichen Durchführung des Franck-Hertz-Versuchs gepolt sind.
Lösung: Aufbau: Glaskolben mit Neongas bei niedrigem Druck, Glühkathode mit Heizspannung , Gitter 1 (Absauggitter), Gitter 2 (Beschleunigungsgitter) und Auffängerelektrode (Anode) mit Strommessgerät für . Polung: am Gitter 1 negativ, an Gitter 2 positiv; an Gitter 2 positiv, an der Anode negativ.
Teilaufgabe 2 a) • Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Abbildung 2. • Geben Sie die Werte der Spannung U_B an, bei denen im Diagramm in Abbildung 2 die Maxima der Stromstärke I_A liegen.
Lösung: Verlauf: Strom zunächst null bis ca. , steigt dann an bis zum 1. Maximum bei ca. , fällt auf ca. null bei ab, 2. Maximum bei ca. , Minimum bei , 3. Maximum bei ca. , Minimum bei , danach erneuter Anstieg. Maxima bei: , und .
Teilaufgabe 2 b) Begründen Sie, warum erst für eine Spannung U_B oberhalb von 3,5 V ein Anodenstrom I_A größer als Null messbar ist.
Lösung: Die Elektronen benötigen kinetische Energie , um die Bremsspannung von zu überwinden. Da sie an Gitter 1 bereits besitzen (), muss sein ().
Teilaufgabe 2 c) • Erklären Sie, warum die Stromstärke I_A im Diagramm in Abbildung 2 zum ersten Mal abnimmt. • Erläutern Sie, aus welchem Grund I_A danach noch zweimal abfällt. • Erläutern Sie, warum die Minima der Stromstärke I_A im Diagramm in Abbildung 2 nicht in jedem Fall den Wert Null erreichen.
Lösung: Erstmaliges Absinken: Bei erreichen die Elektronen kinetische Energie von ca. () und regen unelastisch Neonatome an. Sie verlieren ihre Energie und schaffen die Gegenspannung nicht mehr. Zwei weitere Male: Mehrfachanregung (zwei bzw. drei Stoßzonen auf dem Beschleunigungsweg). Minima nicht bei Null: Nicht alle Elektronen stoßen zum gleichen Zeitpunkt; unterschiedliche Austrittsenergien und elastische Zwischenstöße.
Teilaufgabe 2 d) Erläutern Sie, wie das Energieniveauschema von Neon in Abbildung 3 mit dem Diagramm des Franck-Hertz-Versuchs in Abbildung 2 zusammenhängt.
Lösung: Der Abstand der Maxima beträgt jeweils . Dies entspricht einer Anregungsenergie von etwa , was sehr gut mit dem Übergang vom Grundzustand auf das Niveau aus dem Schema übereinstimmt.
Teilaufgabe 3 a) • Bestimmen Sie, welcher der drei möglichen Übergänge im vereinfachten Energieniveauschema in Abbildung 3 rotes Licht aussendet. • Bestimmen Sie, in welchen Spektralbereich die beiden übrigen Übergänge fallen.
Lösung: Übergang mit . Wellenlänge: Dies entspricht rotem Licht. Die anderen beiden Übergänge ( mit und mit ) gehören in den UV-Bereich.
Teilaufgabe 3 b) Geben Sie zu den Bildern in Abbildung 5 begründet jeweils einen möglichen Spannungsbereich für U_B aus dem Diagramm in Abbildung 2 an, bei denen die jeweiligen Bilder in Abbildung 5 jeweils gemacht werden können.
Lösung: Bild 1 (zwei Leuchtschichten): Bild 2 (drei Leuchtschichten): Bild 3 (eine Leuchtschicht):
Teilaufgabe 3 c) Erläutern Sie, inwiefern sich die Leuchterscheinungen in der Franck-Hertz-Röhre verändern, wenn bei dem Versuch aus Abbildung 2 die Spannung U_B auf etwa 72 V eingestellt wird.
Lösung: Ab etwa () entsteht eine vierte Leuchtschicht direkt vor dem Gitter 2, da die Elektronen genügend Energie für vier aufeinanderfolgende Stoßanregungen erhalten.
Teilaufgabe 4 a) Beschreiben Sie mithilfe von Abbildung 6 die Atommodelle von Dalton, Thomson, Rutherford und Bohr kurz mit eigenen Worten.
Lösung: • Dalton: Unteilbare, massive, kugelförmige Teilchen. • Thomson: Gleichmäßig positiv geladene Kugel mit eingebetteten negativen Elektronen (Rosinenkuchenmodell). • Rutherford: Winziger, massereicher positiver Atomkern, umgeben von einer fast leeren Atomhülle mit Elektronen. • Bohr: Kern-Hülle-Modell, bei dem sich Elektronen nur auf bestimmten diskreten, strahlungsfreien Kreisbahnen bewegen.
Teilaufgabe 4 b) Erläutern Sie zwei Punkte, die am Bohr'schen Atommodell kritisiert werden.
Lösung: 1. Widerspruch zur Heisenbergschen Unbestimmtheitsrelation (exakter Bahnbegriff mit gleichzeitig bekanntem Ort und Impuls). 2. Elektronen müssen wellenmechanisch beschrieben werden (Aufenthaltswahrscheinlichkeiten/Orbitale statt planarer Bahnen; Bohr modelliert das Atom im Wesentlichen zweidimensional als Scheibe).
Teilaufgabe 4 c) Erläutern Sie, welche Eigenschaften ein Atommodell haben muss, damit es die Ergebnisse des Franck-Hertz-Versuchs erklären kann.
Lösung: Das Atommodell muss diskrete (quantisierte) Energieniveaus der Elektronenhülle besitzen, sodass Energieaufnahme (durch Stöße) und Energieabgabe (durch Strahlung) quantenhaft erfolgen.
Teilaufgabe 4 d) • Beschreiben Sie einen passenden Versuch, der die Resonanzabsorption veranschaulicht. • Erläutern Sie, wie sich die Energieübertragung bei der Resonanzabsorption von der im Franck-Hertz-Versuch unterscheidet.
Lösung: Versuch: Kochsalz in einer Bunsenbrennerflamme verdampfen und mit dem Licht einer Natriumdampflampe beleuchten; auf dem Schirm entsteht ein dunkler Schatten der Flamme (bei Beleuchtung mit Quecksilberdampflampe nicht). Unterschied: Bei der Resonanzabsorption muss die Photonenenergie exakt mit der Anregungsenergie übereinstimmen (Alles-oder-Nichts-Prinzip, vollständige Absorption). Beim Franck-Hertz-Versuch (Elektronenstoß) kann ein Elektron jede kinetische Energie haben, die mindestens so groß wie die Anregungsenergie ist; es überträgt nur den benötigten Teilbetrag und behält die Restenergie.
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