Aufgabe 2: Der Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilb… · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin 2021

Thema: Atomhülle und Spektren · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabe: Der Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilber

Mit dem Franck-Hertz-Versuch lassen sich bedeutsame Aussagen über die Struktur von Atomen gewinnen.

Teilaufgabe 1: Aufbau des Franck-Hertz-Versuchs

In Abbildung 1 ist der Versuchsaufbau des Franck-Hertz-Versuchs mit Quecksilberdampf schematisch dargestellt. UHU_\mathrm{H} steht für die Heizspannung, IAI_\mathrm{A} für den Anodenstrom. Die Spannung UBU_\mathrm{B} kann dabei variiert werden.

a)

• Erläutern Sie, welche Aufgabe die Bauelemente des Franck-Hertz-Versuchs in Abbildung 1 haben und was die Spannungen UBU_\mathrm{B} und UGU_\mathrm{G} bedeuten.

• Geben Sie an, wie die Spannungen UBU_\mathrm{B} und UGU_\mathrm{G} in Abbildung 1 bei einer typischen Durchführung des Franck-Hertz-Versuchs gepolt sind.

b)

Beschreiben Sie, wie der Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilber durchgeführt wird.

Teilaufgabe 2: Auswertung des Versuchs

In diesem Versuch ist UG=1,5 VU_\mathrm{G} = 1{,}5\ \mathrm{V} eingestellt. Abbildung 2 stellt das UBU_\mathrm{B}-IAI_\mathrm{A}-Diagramm dar, das bei einer Änderung von UBU_\mathrm{B} von 00 bis 32 V32\ \mathrm{V} entsteht.

a)

• Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Abbildung 2.

• Geben Sie die Werte der Spannung UBU_\mathrm{B} an, bei denen der Anodenstrom IAI_\mathrm{A} im Diagramm in Abbildung 2 seine Maxima erreicht.

b)

Begründen Sie, warum nur dann ein Anodenstrom IAI_\mathrm{A} größer als Null auftritt, wenn UBU_\mathrm{B} den Wert 1,5 V1{,}5\ \mathrm{V} übersteigt.

c)

• Erklären Sie, warum die Stromstärke IAI_\mathrm{A} im Diagramm in Abbildung 2 zum ersten Mal abnimmt.

• Erläutern Sie, warum IAI_\mathrm{A} im weiteren Verlauf wiederholt abnimmt.

• Bestimmen Sie anhand des Diagramms in Abbildung 2 die Anregungsenergie EHgE_\mathrm{Hg} von Quecksilber.

Es wird angenommen, dass angeregtes Quecksilber unmittelbar in den Grundzustand zurückkehrt.

• Berechnen Sie die Wellenlänge λHg\lambda_\mathrm{Hg}, die im Versuch beim Übergang des angeregten Quecksilbers in den Grundzustand auftreten müsste.

• Begründen Sie, warum das menschliche Auge die Strahlung der Wellenlänge λHg\lambda_\mathrm{Hg} in diesem Versuch nicht wahrnehmen kann.

d)

Abbildung 3 zeigt ein vereinfachtes Energieniveauschema von Quecksilber.

Neben der λHg\lambda_\mathrm{Hg}-Linie besitzt das Spektrum einer Quecksilber-Dampflampe auch Linien im sichtbaren Bereich.

Erläutern Sie anhand des Energieschemas in Abbildung 3, warum sich die Anregungsenergien der sichtbaren Spektrallinien von Quecksilber im UBU_\mathrm{B}-IAI_\mathrm{A}-Diagramm in Abbildung 2 nicht zeigen.

e)

Bestimmen Sie die Mindestgeschwindigkeit vv, die ein Elektron gemäß Abbildung 3 besitzen muss, damit es ein Quecksilberatom anregen kann.

Teilaufgabe 3: Absorption von Energieportionen

Auch außerhalb des Franck-Hertz-Versuchs werden in Experimenten Energieportionen absorbiert. So kann man etwa Kochsalz, das Natrium enthält, in einer Bunsenbrennerflamme verdampfen und diese Flamme überkreuz zugleich mit Licht einer Quecksilberdampflampe und einer Natriumdampflampe bestrahlen. Abbildung 4 gibt den Aufbau schematisch wieder, Abbildung 5 zeigt eine Aufnahme des Versuchs. Dabei fällt das Licht der Natriumdampflampe nur auf Schirm 1, das der Quecksilberdampflampe nur auf Schirm 2.

a)

• Beschreiben Sie, was auf den Schirmen in Abbildung 5 zu beobachten ist.

• Erläutern Sie die beschriebenen Beobachtungen.

b)

Erläutern Sie, worin sich die Energieübertragung im Versuch in Abbildung 5 von der im Franck-Hertz-Versuch unterscheidet.

c)

1911 präsentierte E. Rutherford ein damals neuartiges Atommodell, in dem sich Elektronen auf beliebigen Kreisbahnen um einen positiv geladenen Kern bewegen.

Erläutern Sie, welche grundlegende Einsicht diesem Modell noch fehlte, um die Ergebnisse des Versuchs in Abbildung 5 sowie des Franck-Hertz-Versuchs erklären zu können.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2: Der Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilb… · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a1) Erläutern Sie, welche Aufgabe die Bauelemente des Franck-Hertz-Versuchs in Abbildung 1 haben und was die Spannungen UBU_\mathrm{B} und UGU_\mathrm{G} bedeuten.

Lösung: Glaskolben mit Quecksilberdampf bei niedrigem Druck. Heizspannung UHU_\mathrm{H} löst an der Glühkathode durch thermische Emission Elektronen aus (Raumladungswolke). Beschleunigungsspannung UBU_\mathrm{B} zwischen Kathode und Gitter beschleunigt die Elektronen. Gegenspannung UGU_\mathrm{G} zwischen Gitter und Anode erzeugt ein Gegenfeld; nur Elektronen mit hinreichender kinetischer Energie erreichen die Anode und tragen zum Anodenstrom IAI_\mathrm{A} bei.

a2) Geben Sie an, wie die Spannungen UBU_\mathrm{B} und UGU_\mathrm{G} in Abbildung 1 bei einer typischen Durchführung des Franck-Hertz-Versuchs gepolt sind.

Lösung: UBU_\mathrm{B}: Kathode negativ (Minuspol), Gitter positiv (Pluspol). UGU_\mathrm{G}: Gitter positiv (Pluspol), Anode negativ (Minuspol gegenüber Gitter / Gegenfeld).

b) Beschreiben Sie, wie der Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilber durchgeführt wird.

Lösung: Bei konstanter Gegenspannung UGU_\mathrm{G} (z. B. 1,5 V1{,}5\ \mathrm{V}) und konstanter Heizspannung UHU_\mathrm{H} wird die Beschleunigungsspannung UBU_\mathrm{B} langsam von 0 V0\ \mathrm{V} an kontinuierlich vergrößert und die Anodenstromstärke IAI_\mathrm{A} in Abhängigkeit von UBU_\mathrm{B} gemessen.

a1) Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Abbildung 2.

Lösung: Ein messbarer Strom setzt erst ab etwa 1,5 V1{,}5\ \mathrm{V} ein. Die Stromstärke steigt zunächst an, erreicht ein Maximum bei ca. 4,9 V4{,}9\ \mathrm{V} und fällt dann auf ein Minimum ab. Anschließend steigt der Strom wieder an zu einem höheren Maximum bei ca. 9,5 V9{,}5\ \mathrm{V}. Dieses periodische Ansteigen und Abfallen wiederholt sich mit stetig wachsender Amplitude der Maxima bei 14,4 V14{,}4\ \mathrm{V}, 19,4 V19{,}4\ \mathrm{V}, 24,8 V24{,}8\ \mathrm{V} und 29,3 V29{,}3\ \mathrm{V}.

a2) Geben Sie die Werte der Spannung UBU_\mathrm{B} an, bei denen der Anodenstrom IAI_\mathrm{A} im Diagramm in Abbildung 2 seine Maxima erreicht.

Lösung: 4,9 V4{,}9\ \mathrm{V}, 9,5 V9{,}5\ \mathrm{V}, 14,4 V14{,}4\ \mathrm{V}, 19,4 V19{,}4\ \mathrm{V}, 24,8 V24{,}8\ \mathrm{V}, 29,3 V29{,}3\ \mathrm{V} (Abweichungen bis ±0,2 V\pm 0{,}2\ \mathrm{V} zulässig)

b) Begründen Sie, warum nur dann ein Anodenstrom IAI_\mathrm{A} größer als Null auftritt, wenn UBU_\mathrm{B} den Wert 1,5 V1{,}5\ \mathrm{V} übersteigt.

Lösung: Zwischen Gitter und Anode liegt eine Gegenspannung von UG=1,5 VU_\mathrm{G} = 1{,}5\ \mathrm{V}. Die Elektronen müssen eine kinetische Energie von mindestens 1,5 eV1{,}5\ \mathrm{eV} besitzen, um das abbremsende Gegenfeld zu überwinden und die Anode zu erreichen. Bei vernachlässigbarer Austrittsarbeit und thermischer Startenergie erreichen sie diese kinetische Energie erst bei UB>1,5 VU_\mathrm{B} > 1{,}5\ \mathrm{V}.

c1) Erklären Sie, warum die Stromstärke IAI_\mathrm{A} im Diagramm in Abbildung 2 zum ersten Mal abnimmt.

Lösung: Erreichen die Elektronen vor dem Gitter eine kinetische Energie von ca. 4,9 eV4{,}9\ \mathrm{eV}, können sie Quecksilberatome durch unelastische Stöße anregen. Dabei geben sie nahezu ihre gesamte kinetische Energie an die Hüllenelektronen der Hg-Atome ab. Mit der verbleibenden sehr geringen kinetischen Energie können sie das Gegenfeld UGU_\mathrm{G} nicht mehr überwinden und gelangen nicht zur Anode. Dadurch sinkt der Anodenstrom drastisch ab.

c2) Erläutern Sie, warum IAI_\mathrm{A} im weiteren Verlauf wiederholt abnimmt.

Lösung: Bei höheren Beschleunigungsspannungen erreichen die Elektronen die nötige kinetische Energie von 4,9 eV4{,}9\ \mathrm{eV} bereits in größerer Entfernung vor dem Gitter, führen dort einen ersten unelastischen Stoß aus, werden auf dem restlichen Weg zum Gitter erneut beschleunigt und können bei Vielfachen von 4,9 V4{,}9\ \mathrm{V} einen zweiten, dritten, vierten usw. unelastischen Stoß ausführen (mehrere Stoßzonen).

c3) Bestimmen Sie anhand des Diagramms in Abbildung 2 die Anregungsenergie EHgE_\mathrm{Hg} von Quecksilber.

Lösung: 4,9 eV4{,}9\ \mathrm{eV}

c4) Berechnen Sie die Wellenlänge λHg\lambda_\mathrm{Hg}, die im Versuch beim Übergang des angeregten Quecksilbers in den Grundzustand auftreten müsste.

Lösung: 254 nm254\ \mathrm{nm} / 2,54⋅10−7 m2{,}54\cdot 10^{-7}\ \mathrm{m}

c5) Begründen Sie, warum das menschliche Auge die Strahlung der Wellenlänge λHg\lambda_\mathrm{Hg} in diesem Versuch nicht wahrnehmen kann.

Lösung: Licht der Wellenlänge 254 nm254\ \mathrm{nm} liegt im ultravioletten Spektralbereich (UV-C). Das menschliche Auge kann nur elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich von etwa 380 nm380\ \mathrm{nm} bis 780 nm780\ \mathrm{nm} wahrnehmen.

d) Erläutern Sie anhand des Energieschemas in Abbildung 3, warum sich die Anregungsenergien der sichtbaren Spektrallinien von Quecksilber im UBU_\mathrm{B}-IAI_\mathrm{A}-Diagramm in Abbildung 2 nicht zeigen.

Lösung: Sichtbare Spektrallinien entstehen bei Übergängen zwischen höheren Energieniveaus (z. B. von Niveaus bei ≥6,70 eV\ge 6{,}70\ \mathrm{eV} auf 4,89 eV4{,}89\ \mathrm{eV}). Da die Quecksilberatome im Grundzustand (0 eV0\ \mathrm{eV}) vorliegen, geben die beschleunigten Elektronen mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits bei Erreichen der kleinsten Anregungsenergie von 4,89 eV4{,}89\ \mathrm{eV} ihre Energie ab. Eine direkte Anregung höherer Zustände ist daher im Franck-Hertz-Versuch extrem unwahrscheinlich und im Stromverlauf nicht signifikant nachweisbar.

e) Bestimmen Sie die Mindestgeschwindigkeit vv, die ein Elektron gemäß Abbildung 3 besitzen muss, damit es ein Quecksilberatom anregen kann.

Lösung: 1,3⋅106 m/s1{,}3\cdot 10^6\ \mathrm{m/s} / 1300 km/s1300\ \mathrm{km/s}

a1) Beschreiben Sie, was auf den Schirmen in Abbildung 5 zu beobachten ist.

Lösung: Auf Schirm 1 ist der Schatten der Bunsenbrennerflamme deutlich zu erkennen. Schirm 2 ist hingegen voll ausgeleuchtet, dort ist kein Schattenwurf der Flamme sichtbar.

a2) Erläutern Sie die beschriebenen Beobachtungen.

Lösung: Die Natriumdampflampe emittiert Photonen mit genau der Energie der optischen Übergänge von Natrium (Resonanzlinie). Die in der Flamme verdampften Natriumatome absorbieren diese Photonen (Resonanzabsorption) und werden angeregt. Bei der spontanen Reemission werden die Photonen isotrop in alle Raumrichtungen abgestrahlt, sodass auf Schirm 1 ein Schattenbild entsteht. Die Quecksilberdampflampe emittiert hingegen keine Photonen mit den passenden Resonanzenergien der Natriumatome, sodass keine Absorption stattfindet und Schirm 2 homogen beleuchtet bleibt.

b) Erläutern Sie, worin sich die Energieübertragung im Versuch in Abbildung 5 von der im Franck-Hertz-Versuch unterscheidet.

Lösung: Bei der optischen Absorption (Abbildung 5) erfolgt die Energieübertragung durch Photonen nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Ein Photon wird vollständig vernichtet, seine Energie muss exakt der Energiedifferenz zweier Niveaus entsprechen (EPh=ΔEE_\mathrm{Ph} = \Delta E). Beim Franck-Hertz-Versuch erfolgt die Energieübertragung durch unelastische Stöße von Elektronen: Das Elektron behält seine Identität und überträgt nur die diskrete Portion ΔE\Delta E, während die überschüssige kinetische Energie (Ekin−ΔEE_\mathrm{kin} - \Delta E) beim Elektron verbleibt.

c) Erläutern Sie, welche grundlegende Einsicht diesem Modell noch fehlte, um die Ergebnisse des Versuchs in Abbildung 5 sowie des Franck-Hertz-Versuchs erklären zu können.

Lösung: Im Rutherford'schen Atommodell können sich Elektronen auf beliebigen Bahnen mit kontinuierlichen Energiewerten bewegen. Es fehlte die Erkenntnis der Quantelung der Energie in der Atomhülle (diskrete Energieniveaus), wie sie erst durch das Bohrsche Atommodell bzw. die Quantenmechanik beschrieben wurde.

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