Aufgabe 3 - Atomhülle und Spektren · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Thema: Atomhülle und Spektren · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2022)

Aufgabenstellung

Teilaufgabe 1: Physikalische Grundlagen der Röntgenspektroskopie

a)

Zur Erzeugung von Röntgenstrahlung dienen speziell dafür ausgelegte Vakuumröhren.

• Zeichnen Sie eine beschriftete Skizze, die den Aufbau einer Röntgenröhre und deren elektrische Beschaltung darstellt.

b)

In Abbildung 1 ist ein typisches Röntgenspektrum dargestellt. Es setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: dem kontinuierlichen Spektrum der Bremsstrahlung und den Linien der charakteristischen Röntgenstrahlung.

c)

Ein Röntgenspektrum lässt sich einfach mit der Drehkristallmethode aufnehmen. Abbildung 2 zeigt einen typischen Versuchsaufbau für dieses Messverfahren.

Bei der Messung des Röntgenspektrums mit dieser Methode trifft die gebündelte Strahlung unter einem Winkel ϑ\vartheta auf einen Einkristall, dessen Oberfläche parallel zu seinen Netzebenen verläuft. Unter dem Winkel 2ϑ2\vartheta zur Einfallsrichtung der Röntgenstrahlung misst ein Zählrohr die vom Einkristall gestreute Strahlung. Für die Wellenlänge λ\lambda der dort nachgewiesenen Röntgenstrahlung gilt die sogenannte Bragg-Bedingung:

n⋅λ=2⋅d⋅sin⁡ϑmit n=1,2,3,…n \cdot \lambda = 2 \cdot d \cdot \sin\vartheta \quad \text{mit } n = 1, 2, 3, \dots

Dabei bezeichnet dd den Abstand benachbarter Netzebenen des Einkristalls.

• Leiten Sie die Bragg-Bedingung mithilfe einer passenden Skizze her.

Bei der Messung eines Röntgenspektrums mit einem typischen Schulröntgengerät wird bei der Drehkristallmethode der Einkristall in gleichmäßigen Drehschritten Δϑ\Delta\vartheta, beginnend bei kleinen Winkeln bis zu ϑ=45∘\vartheta = 45^\circ, bewegt. Das Zählrohr wird dabei entsprechend um den doppelten Drehwinkel mitgeführt. Nach jedem Drehschritt wird für eine immer gleiche Zeit Δt\Delta t die Zahl der Strahlungsereignisse im Zählrohr gemessen und für den jeweiligen Winkel ϑ\vartheta registriert.

Bei einer konkreten Messung mit einem LiF-Kristall (Netzebenenabstand d=0,201 nmd = 0{,}201\text{ nm}) beträgt die Drehschrittweite Δϑ=0,2∘\Delta\vartheta = 0{,}2^\circ. Die Messung beginnt bei ϑ=3,0∘\vartheta = 3{,}0^\circ.

Die Messung erfolgt bei einer Beschleunigungsspannung an der Röntgenröhre von UB=25,0 kVU_{\text{B}} = 25{,}0\text{ kV}.

Teilaufgabe 2: Sortierung des Periodensystems durch Bestimmung der Ordnungszahlen der Elemente

a)

Abbildung 3 zeigt das Spektrum der Röntgenstrahlung des Kupfers. Die beiden Linien in dem Spektrum sind die Kα\text{K}_\alpha- und die Kβ\text{K}_\beta-Linie des Kupfers. Die genaue Wellenlänge der Kα\text{K}_\alpha-Linie in diesem Spektrum beträgt λKα=0,154 nm\lambda_{\text{K}\alpha} = 0{,}154\text{ nm}. Abbildung 4 zeigt das vereinfachte Niveauschema eines Atoms mit den Übergängen der charakteristischen Röntgenlinien.

b)

Dem britischen Physiker H. Moseley gelang es bereits 1914 empirisch, den folgenden Zusammenhang zwischen den Wellenlängen der Kα\text{K}_\alpha-Röntgenlinien der chemischen Elemente (bis zum Zirkon) und deren Ordnungszahl ZZ zu finden:

1λKα=C⋅(Z−1)\sqrt{\frac{1}{\lambda_{\text{K}\alpha}}} = \sqrt{C} \cdot (Z - 1)

Dabei bezeichnet C\sqrt{C} eine empirisch gefundene Proportionalitätskonstante mit der Maßeinheit [C]=1 1m[\sqrt{C}] = 1\,\frac{1}{\sqrt{\text{m}}}.

Tabelle 1 beinhaltet die von H. Moseley gemessenen Wellenlängen der Kα\text{K}_\alpha-Röntgenlinien einiger Elemente.

Element:

Aluminium

Kalzium

Chrom

Kobalt

Zink

Zirkon

ZZ:

13

20

24

27

30

40

λKα\lambda_{\text{K}\alpha} in m:

8,36⋅10−108{,}36 \cdot 10^{-10}

3,37⋅10−103{,}37 \cdot 10^{-10}

2,30⋅10−102{,}30 \cdot 10^{-10}

1,80⋅10−101{,}80 \cdot 10^{-10}

1,45⋅10−101{,}45 \cdot 10^{-10}

0,794⋅10−100{,}794 \cdot 10^{-10}

• Zeigen Sie mithilfe einer grafischen Auswertung, dass die Messwerte aus Tabelle 1 den oben genannten Zusammenhang bestätigen.

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 - Atomhülle und Spektren · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

• Erläutern Sie, wie eine Röntgenröhre arbeitet, wobei die atomaren Vorgänge bei der Entstehung der Röntgenstrahlung nicht betrachtet werden sollen.

Lösung: Beim Betrieb der Röntgenröhre werden an der Glühkathode durch den glühelektrischen Effekt Elektronen ausgelöst und dann aufgrund der anliegenden Spannung UBU_{\text{B}} zur Anode hin beschleunigt. Beim Auftreffen dieser Elektronen auf das Anodenmaterial entsteht dann die Röntgenstrahlung, welche die Röntgenröhre verlassen kann.

Erklären Sie, wie Bremsstrahlung und charakteristische Röntgenstrahlung entstehen, indem Sie die jeweiligen elementaren Prozesse und ein passendes Modell des atomaren Aufbaus des Anodenmaterials heranziehen.

Lösung: Die Bremsstrahlung entsteht, wenn ein schnelles Elektron nach dem Eintreten ins Anodenmaterial durch die Wechselwirkung mit einem Atomkern stark abgelenkt wird und dabei einen Teil seiner kinetischen Energie in Form eines Strahlungsquants abgibt. Die charakteristische Röntgenstrahlung entsteht, wenn ein schnelles Elektron nach Eintritt ins Anodenmaterial dort ein Elektron aus einer inneren Schale eines Atoms herausschlägt und dann ein anderes Elektron aus einer äußeren Schale auf diesen freien Platz übergeht. Dabei wird die für diesen Übergang charakteristische Energie abgestrahlt.

• Leiten Sie die Bragg-Bedingung mithilfe einer passenden Skizze her.

Lösung: Die einlaufenden Röntgenwellen werden an den Netzebenen des Einkristalls gestreut. Der Wegunterschied, den eine einlaufende Wellenfront bis zur Streuung an der nächst tieferen Netzebene des Kristalls zurücklegen muss, ist Δs=d⋅sin⁡ϑ\Delta s = d \cdot \sin\vartheta. Nach Streuung an der nächst tieferliegenden Netzebene muss die auslaufende Wellenfront unter Berücksichtigung der Reflexionsbedingung erneut den Wegunterschied Δs\Delta s zusätzlich zurücklegen, sodass der Gesamtgangunterschied 2⋅Δs=2⋅d⋅sin⁡ϑ2\cdot\Delta s = 2\cdot d\cdot\sin\vartheta beträgt. Zu konstruktiver Interferenz kommt es, wenn der Gangunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge ist: n⋅λ=2⋅d⋅sin⁡ϑn\cdot\lambda = 2\cdot d\cdot\sin\vartheta mit n=1,2,3,…n = 1, 2, 3, \dots

• Erklären Sie, weshalb bei der Aufnahme eines Röntgenspektrums für alle Messwerte dieselbe Messzeit Δt\Delta t verwendet werden muss.

Lösung: Damit die erfasste Zahl der Strahlungsereignisse und damit die gemessene Intensität bei allen Winkeleinstellungen miteinander vergleichbar ist.

• Geben Sie die Anzahl der Messpunkte an, die bei dieser Messung aufgenommen werden.

Lösung: 211 / 210

• Zeigen Sie, dass diese Messung in erster Ordnung n=1n = 1 den Wellenlängenbereich von λmin=2,10⋅10−11 m\lambda_{\text{min}} = 2{,}10\cdot 10^{-11}\text{ m} bis λmax=2,84⋅10−10 m\lambda_{\text{max}} = 2{,}84\cdot 10^{-10}\text{ m} überdeckt.

Lösung: Mit n=1n=1 und d=0,201 nm=2,01⋅10−10 md = 0{,}201\text{ nm} = 2{,}01\cdot 10^{-10}\text{ m} gilt: λmin=2⋅(2,01⋅10−10 m)⋅sin⁡(3∘)=2,10⋅10−11 m\lambda_{\text{min}} = 2\cdot(2{,}01\cdot 10^{-10}\text{ m})\cdot\sin(3^\circ) = 2{,}10\cdot 10^{-11}\text{ m} λmax=2⋅(2,01⋅10−10 m)⋅sin⁡(45∘)=2,84⋅10−10 m\lambda_{\text{max}} = 2\cdot(2{,}01\cdot 10^{-10}\text{ m})\cdot\sin(45^\circ) = 2{,}84\cdot 10^{-10}\text{ m}

• Grenzwellenlänge λGr\lambda_{\text{Gr}} bei UB=25,0 kVU_{\text{B}} = 25{,}0\text{ kV}:

Lösung: 4,97⋅10−114{,}97\cdot 10^{-11} m / 49,749{,}7 pm / 0,04970{,}0497 nm

Untersuchen Sie und begründen Sie, ob der kurzwellige Rand des Röntgenspektrums gemessen werden kann.

Lösung: Ja, das kurzwellige Ende kann erfasst werden, da λmin≤4,97⋅10−11 m≤λmax\lambda_{\text{min}} \le 4{,}97\cdot 10^{-11}\text{ m} \le \lambda_{\text{max}} gilt (die Grenzwellenlänge liegt innerhalb des erfassbaren Wellenlängenbereichs).

2a) Abgelesene Wellenlänge λKβ\lambda_{\text{K}\beta} aus Abbildung 3

Lösung: 0,1400{,}140 nm / 1,40⋅10−101{,}40\cdot 10^{-10} m / 140140 pm

2a) Energiedifferenz ΔEML\Delta E_{\text{ML}} zwischen der L-Schale und der M-Schale im Kupferatom in der Einheit keV

Lösung: 0,810{,}81 keV / 810810 eV / 1,29⋅10−161{,}29\cdot 10^{-16} J

• Zeigen Sie mithilfe einer grafischen Auswertung, dass die Messwerte aus Tabelle 1 den oben genannten Zusammenhang bestätigen.

Lösung: Das Auftragen der gemessenen Werte von 1λKα\sqrt{\frac{1}{\lambda_{\text{K}\alpha}}} gegen (Z−1)(Z-1) ergibt eine Ursprungsgerade und bestätigt damit den proportionalen Zusammenhang dieser beiden Größen.

• Bestimmen Sie anhand dieser grafischen Auswertung einen Wert für die Proportionalitätskonstante C\sqrt{C}.

Lösung: 28602860 1/√m / 2860 1m2860\,\frac{1}{\sqrt{\text{m}}}

• Bestimmen Sie anhand dieser Auswertung und der Informationen aus Teilaufgabe 2a die Ordnungszahl ZZ von Kupfer.

Lösung: 29

Zeichnungen aus Teilaufgaben 1a, 1c und 2b

Lösung: 1a) Skizze einer Röntgenröhre: Evakuierter Glaskolben mit Glühkathode, Heizspannung UHU_{\text{H}}, Anode und Beschleunigungsspannung UBU_{\text{B}}. 1c) Skizze zur Herleitung der Bragg-Bedingung: Zwei Netzebenen im Abstand dd, ein- und auslaufende Wellenfronten unter dem Glanzwinkel ϑ\vartheta, eingezeichnete Wegunterschiede Δs=dsin⁡ϑ\Delta s = d\sin\vartheta. 2b) Grafische Auswertung (Moseley-Diagramm): Auftragung von 1λKα\frac{1}{\sqrt{\lambda_{\text{K}\alpha}}} gegen Z−1Z-1 als Gerade durch den Ursprung mit Steigungsdreieck.

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