Aufgabe Vorschlag B1 – 1 · Abitur Hessen Mathematik LK · CAS 2021

Thema: Differentialrechnung: Tangenten, Extrem- und Wendepunkte · Aus der Prüfung LK · CAS (2021)

Aufgabenstellung

Eine weitere Modellierung der Bakterienzahl in Abhängigkeit von der Zeit tt wird beschrieben durch die Funktion hh. Dabei bedeutet:

tt: Zeit in Stunden nach Beobachtungsbeginn

h(t)h(t): Anzahl der Bakterien in 1000

Gegeben ist die Ableitungsfunktion h′h' der Funktion hh durch

h′(t)=15000⋅k⋅e25⋅k⋅t(e25⋅k⋅t+24)2,k>0.h'(t) = 15000 \cdot k \cdot \frac{\mathrm{e}^{25\cdot k\cdot t}}{\left(\mathrm{e}^{25\cdot k\cdot t} + 24\right)^2}, \quad k > 0.

Aufgabe 1

Blaualgen (oder auch Cyanobakterien) kommen in Gewässern wie z. B. in Badeseen vor. Sie vermehren sich vor allem bei hohen Wassertemperaturen in den Sommermonaten besonders schnell. Das kann für Badegäste an einem Badesee unangenehme Folgen haben: Neben dem Geruch nach Ammoniak kann es auch zu allergischen Reaktionen kommen.

Um die Situation der Badeseen besser einschätzen zu können, erhielten Forscher den Auftrag, das Vermehrungsverhalten der Blaualgen zu untersuchen. Dazu beobachteten sie einen Tag lang das Vermehrungsverhalten der Blaualgen in einer Petrischale bei einer Umgebungstemperatur von 21°C. Zu Beobachtungsbeginn befanden sich 1000 Bakterien in der Petrischale. Die Messwerte sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Zeit [in Stunden nach Beobachtungsbeginn] · 0 · 1 · 6 · 12 · 16 · 24

Anzahl der Bakterien · 1000 · 1300 · 3900 · 11400 · 17300 · 23000

1.1

Berechnen Sie jeweils die durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde in den fünf aufeinanderfolgenden Zeitintervallen und beschreiben Sie die Veränderung der durchschnittlichen Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde. [6 BE]

Bakterien pro Stunde

Bakterien pro Stunde

Bakterien pro Stunde

Bakterien pro Stunde

Bakterien pro Stunde

1.2

Die Messwerte sollen durch eine geeignete Funktion modelliert werden. Dazu stehen zwei Funktionen ff und gg mit den folgenden Funktionsgleichungen zur Verfügung:

f(t)=0,011⋅t5−0,722⋅t4+13,21⋅t3−27,62⋅t2+315,1⋅t+1000,t∈[0;24]f(t) = 0{,}011 \cdot t^5 - 0{,}722 \cdot t^4 + 13{,}21 \cdot t^3 - 27{,}62 \cdot t^2 + 315{,}1 \cdot t + 1000,\quad t \in [0; 24]

g(t)=−3,673⋅t3+135,8⋅t2−234,9⋅t+1185,t∈[0;24]g(t) = -3{,}673 \cdot t^3 + 135{,}8 \cdot t^2 - 234{,}9 \cdot t + 1185,\quad t \in [0; 24]

Hierbei gibt tt jeweils die Zeit in Stunden nach Beobachtungsbeginn an und f(t)f(t) bzw. g(t)g(t) die Anzahl der Bakterien.

Untersuchen Sie, welche der beiden Funktionen zur Modellierung der Messwerte besser geeignet ist. [4 BE]

1.3

Berechnen Sie mithilfe der Messwerte in der Tabelle die durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [6;16][6; 16] und ermitteln Sie jeweils diejenigen Stellen im Intervall [6;16][6; 16], an denen die Funktion ff bzw. die Funktion gg genau diese Änderungsrate aufweist. Deuten Sie den Sachverhalt geometrisch. [7 BE]

Bakterien pro Stunde

1.4

Erläutern Sie unter Zuhilfenahme des Materials die Zeilen (1) bis (3) im Kasten und deuten Sie die rechte Seite der Äquivalenz in Zeile (4) geometrisch. [7 BE]

qq ist eine differenzierbare Funktion und [a;b][a; b] ist eine Teilmenge des Definitionsbereichs von qq. P(a∣q(a))P(a \mid q(a)) und Q(b∣q(b))Q(b \mid q(b)) sind Punkte des Graphen von qq.

(1) s(x)=q(b)−q(a)b−a⋅(x−b)+q(b)  ⟹  s(a)=q(a)s(x) = \frac{q(b) - q(a)}{b - a} \cdot (x - b) + q(b) \implies s(a) = q(a) und s(b)=q(b)s(b) = q(b)

(2) d(x)=q(x)−s(x)d(x) = q(x) - s(x)

(3) d′(x)=q′(x)−q(b)−q(a)b−ad'(x) = q'(x) - \frac{q(b) - q(a)}{b - a}

(4) d′(xz)=0  ⟺  q′(xz)=q(b)−q(a)b−ad'(x_z) = 0 \iff q'(x_z) = \frac{q(b) - q(a)}{b - a}

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B1 – 1 · Abitur Hessen Mathematik LK · CAS 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.1 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [0; 1]:

Lösung: 300

1.1 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [1; 6]:

Lösung: 520

1.1 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [6; 12]:

Lösung: 1250

1.1 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [12; 16]:

Lösung: 1475

1.1 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [16; 24]:

Lösung: 712,5 / 712.5

1.1 Beschreibung der Veränderung der durchschnittlichen Zunahme pro Stunde:

Lösung: Zunächst wird die durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahlen pro Stunde von 300 im Intervall [0;1] bis zu 1475 im Intervall [12;16] immer größer, um dann wieder geringer zu werden.

1.2 Welche Funktion ist zur Modellierung der Messwerte besser geeignet (f oder g)?

Lösung: f

1.2 Begründung anhand des Vergleichs der Messwerte mit den Funktionswerten:

Lösung: Ein Vergleich der Messwerte mit den Funktionswerten von f und g (grafisch oder mit der Tabellenfunktion) ergibt, dass die Funktionswerte von f mit Ausnahme des Funktionswerts an der Stelle t = 24, der deutlich über dem in der Tabelle angegebenen Wert liegt, nahezu identisch sind mit den Messwerten. Die Funktionswerte von g weichen erheblich von den Messwerten ab, teilweise liegen sie deutlich höher, teilweise deutlich niedriger. Nur an der Stelle t = 24 stimmen sie nahezu überein. Somit ist die Funktion f zur Modellierung der Messwerte besser geeignet. (Alternativ: f für die ersten vier Intervalle besser geeignet, g für das fünfte).

1.3 Durchschnittliche Zunahme der Bakterienzahl pro Stunde im Intervall [6; 16]:

Lösung: 1340

1.3 Stelle im Intervall [6; 16], an der f'(t) = 1340:

Lösung: 9,51 / 9.51

1.3 Erste Stelle im Intervall [6; 16], an der g'(t) = 1340:

Lösung: 9,33 / 15,32 / 9.33 / 15.32

1.3 Zweite Stelle im Intervall [6; 16], an der g'(t) = 1340:

Lösung: 15,32 / 9,33 / 15.32 / 9.33

1.3 Geometrische Deutung des Sachverhalts:

Lösung: Zu diesen Zeitpunkten ist die Steigung der Gerade zwischen den Punkten (6|3900) und (16|17300) genauso groß wie die der Tangente an die Graphen von f bzw. g in den Punkten (9,51|f(9,51)) bzw. (9,33|g(9,33)) und (15,32|g(15,32)).

1.4 Erläuterung zu Zeile (1):

Lösung: Es ist die Gleichung einer linearen Funktion s angegeben. Die Funktionswerte von s stimmen an den Stellen x = a und x = b mit den Funktionswerten von q überein.

1.4 Erläuterung zu Zeile (2):

Lösung: Die Funktion d gibt die Differenz der Funktionswerte der Funktion q und der Funktion s in Abhängigkeit von x an.

1.4 Erläuterung zu Zeile (3):

Lösung: Beide Seiten der Gleichung aus (2) wurden abgeleitet.

1.4 Geometrische Deutung der rechten Seite der Äquivalenz in Zeile (4):

Lösung: Die erste Ableitung von d wird gleich null gesetzt. Die Lösungen x_z der Gleichung d'(x_z) = 0 sind die Stellen, an denen die Tangente an den Graph der Funktion q dieselbe Steigung hat wie die Sekante durch die Punkte P und Q.

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