Abitur NRW Psychologie 2023 · GK · Nachtermin
Abiturprüfung Psychologie in Nordrhein-Westfalen 2023, GK · Nachtermin: 5 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Experimente und Studien analysieren. Kostenlos.
Themen der Prüfung: Experimente und Studien analysieren · Sozialpsychologische Theorien anwenden · Persönlichkeitstheorien anwenden und vergleichen · Psychische Störungen und Psychotherapie · Persönlichkeitsdiagnostik und Personalauswahl
Aufgabe 1 - Teilaufgabe 1 · Experimente und Studien analysieren
Zur subtilen Wirkweise mancher Vorurteile
In einer Reihe von Artikeln untersuchten Gaertner und Kollegen (Gaertner, 1975; Gaertner & Bickman, 1971) die Auswirkungen des ethnischen Hintergrunds auf das Hilfeverhalten. Die experimentellen Befunde zeigten, dass der ethnische Hintergrund der Opfer einen Einfluss darauf hat, wie wahrscheinlich ein Hilfeverhalten ist. Einerseits lösten Opfer mit dem gleichen ethnischen Hintergrund wie die potenziellen Helfer bereitwilliger Hilfeverhalten aus. Beispielsweise neigten weiße Versuchsteilnehmerinnen dazu, häufiger weißen als schwarzen Opfern Hilfe anzubieten (d. h., sie zeigten einen weniger ausgeprägten Zuschauereffekt). Andererseits jedoch wurde in mehreren Studien kein unterschiedlicher Zuschauereffekt nachgewiesen, oder es zeigte sich sogar, dass sich weiße Versuchsteilnehmerinnen positiver gegenüber schwarzen als gegenüber weißen Opfern verhielten.
Dutton und Kollegen (z. B. Dutton & Lake, 1973) zeigten, dass Weiße positiver gegenüber Schwarzen gesinnt waren, um eine Selbstattribuierung der Bigotterie 1 zu vermeiden (d. h., vorurteilsbehaftet zu sein). Gaertner (1976) argumentierte, dass Menschen, die behaupten, nicht vorurteilsbehaftet zu sein, dennoch negative Gefühle gegenüber schwarzen Menschen haben können; dies führt zu einem aversiven Zustand, bei dem sie die negativen Gefühle von einem nicht vorurteilsbehafteten Selbstbild abtrennen. Die grundlegende These, die in dieser Forschungsarbeit untersucht wurde, war, dass Menschen mit diesem aversiven Typ des Vorurteils möglicherweise ein Verhalten vermeiden, das ihre Vorurteile offenkundig werden lässt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie in Situationen, in denen ihre unterlassene Hilfeleistung auf andere Faktoren als den ethnischen Hintergrund attribuiert werden könnte, schwarze Menschen diskriminieren (also nicht helfen werden).
1 Scheinheiligkeit
Methode
An der Studie nahmen 75 weiße Studentinnen der ersten Semester teil. Das Design der Studie war ein 2x2-faktorielles Design (erster Faktor war der ethnische Hintergrund des Opfers: weiß im Unterschied zu schwarz, der zweite Faktor war Diffusion der Verantwortung: allein im Unterschied zur Anwesenheit anderer). Die Versuchsteilnehmerinnen nahmen an, dass sie über eine Gegensprechanlage mit der Zielperson in einem anderen Zimmer kommunizierten. Der ethnische Hintergrund der Zielperson wurde so manipuliert, dass man der Versuchsteilnehmerin einen Studentenausweis zeigte, auf dem entweder eine weiße oder eine schwarze Frau zu sehen war. In der „Allein“-Bedingung wusste die Versuchsteilnehmerin, dass sie die einzige Person war, die mit der Zielperson interagierte. In der Bedingung „Anwesenheit anderer“ erfuhren die Versuchsteilnehmerinnen, dass zwei weitere Versuchsteilnehmerinnen (in getrennten Zimmern) ebenfalls mit der Zielperson interagierten. Während des Experiments hörten die Versuchsteilnehmerinnen Geräusche (ein umfallender Stuhl) und Schreie der Zielperson, was auf einen Notfall hindeutete. Dann wurden das Hilfeverhalten innerhalb der nächsten drei Minuten und die Zeit aufgezeichnet, welche die Versuchsteilnehmerinnen brauchten, um einzugreifen (d. h. die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde).
Ergebnisse
Die Ergebnisse (Tab. 14.3) wiesen den typischen Zuschauereffekt auf; das heißt, die Versuchsteilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung halfen bereitwilliger als jene in der Bedingung „Anwesenheit anderer“, weil sich hier die Verantwortung auf drei Menschen aufteilen ließ. Die Ergebnisse zeigten keinen Haupteffekt des ethnischen Hintergrunds des Opfers. Es gab jedoch eine signifikante Interaktion zwischen ethnischem Hintergrund des Opfers und Verantwortungsdiffusion. Die Teilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung waren eher bereit, einem schwarzen als einem weißen Opfer zu helfen, und sie taten dies schneller. Im Gegensatz dazu boten die Teilnehmerinnen in der Bedingung „Anwesenheit anderer“ schwarzen Opfern im Vergleich zu weißen signifikant weniger Hilfe an, und sie brauchten mehr Zeit, um diese Hilfe anzubieten.
Diskussion
Die Studie zeigte, dass sich ein Vorurteil auf subtile Weisen äußern kann. Die Weißen boten nur dann schwarzen Opfern weniger Hilfe an als weißen Opfern, wenn die Verantwortungsdiffusion ihnen eine plausible Alternativerklärung für ihr Vorurteil gab (sie konnten also immer noch behaupten, dass der Grund, warum sie dem schwarzen Opfer nicht halfen, der war, dass es noch zwei weitere Personen gab, die auch hätten helfen können). Diese Studie war zusammen mit anderen ähnlichen Studien Ausgangspunkt zur Entwicklung des Konzepts des aversiven Rassismus. Aversive Rassisten unterstützen eine faire und gerechte Behandlung aller Gruppen, obwohl sie manchmal (bisweilen unbewusst) negative Gefühle gegenüber bestimmten Gruppen haben (z. B. gegenüber Schwarzen) und deshalb die Intergruppeninteraktion meiden. Diese Personen vermeiden auch unfaires Verhalten in Intergruppensituationen. Sie manifestieren ihr Vorurteil jedoch auf subtile und rationalisierbare Weise.
Tabelle 14.3. Auswirkungen der Verantwortungsdiffusion und des ethnischen Hintergrunds des Opfers auf die Wahrscheinlichkeit zu helfen, die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (nach Gaertner & Dovidio, 1977) · n · Anzahl derer, die halfen (in Prozent) · Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde (Sek.) · Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (Sek.)
Allein
Schwarzes Opfer · 16 · 93,8 · 36,6 · 45,0
Weißes Opfer · 16 · 81,3 · 55,0 · 62,6
Anwesenheit anderer
Schwarzes Opfer · 16 · 37,5 · 124,9 · 128,5
Weißes Opfer · 16 · 75,0 · 72,4 · 89,2
1. Analysieren Sie die dargestellte Untersuchung von Gaertner und verknüpfen Sie deren Befunde mit dem Konzept expliziter und impliziter Einstellungen. (26 Punkte)
Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2 · Sozialpsychologische Theorien anwenden
Zur subtilen Wirkweise mancher Vorurteile
In einer Reihe von Artikeln untersuchten Gaertner und Kollegen (Gaertner, 1975; Gaertner & Bickman, 1971) die Auswirkungen des ethnischen Hintergrunds auf das Hilfeverhalten. Die experimentellen Befunde zeigten, dass der ethnische Hintergrund der Opfer einen Einfluss darauf hat, wie wahrscheinlich ein Hilfeverhalten ist. Einerseits lösten Opfer mit dem gleichen ethnischen Hintergrund wie die potenziellen Helfer bereitwilliger Hilfeverhalten aus. Beispielsweise neigten weiße Versuchsteilnehmerinnen dazu, häufiger weißen als schwarzen Opfern Hilfe anzubieten (d. h., sie zeigten einen weniger ausgeprägten Zuschauereffekt). Andererseits jedoch wurde in mehreren Studien kein unterschiedlicher Zuschauereffekt nachgewiesen, oder es zeigte sich sogar, dass sich weiße Versuchsteilnehmerinnen positiver gegenüber schwarzen als gegenüber weißen Opfern verhielten.
Dutton und Kollegen (z. B. Dutton & Lake, 1973) zeigten, dass Weiße positiver gegenüber Schwarzen gesinnt waren, um eine Selbstattribuierung der Bigotterie 1 zu vermeiden (d. h., vorurteilsbehaftet zu sein). Gaertner (1976) argumentierte, dass Menschen, die behaupten, nicht vorurteilsbehaftet zu sein, dennoch negative Gefühle gegenüber schwarzen Menschen haben können; dies führt zu einem aversiven Zustand, bei dem sie die negativen Gefühle von einem nicht vorurteilsbehafteten Selbstbild abtrennen. Die grundlegende These, die in dieser Forschungsarbeit untersucht wurde, war, dass Menschen mit diesem aversiven Typ des Vorurteils möglicherweise ein Verhalten vermeiden, das ihre Vorurteile offenkundig werden lässt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie in Situationen, in denen ihre unterlassene Hilfeleistung auf andere Faktoren als den ethnischen Hintergrund attribuiert werden könnte, schwarze Menschen diskriminieren (also nicht helfen werden).
1 Scheinheiligkeit
Methode
An der Studie nahmen 75 weiße Studentinnen der ersten Semester teil. Das Design der Studie war ein 2x2-faktorielles Design (erster Faktor war der ethnische Hintergrund des Opfers: weiß im Unterschied zu schwarz, der zweite Faktor war Diffusion der Verantwortung: allein im Unterschied zur Anwesenheit anderer). Die Versuchsteilnehmerinnen nahmen an, dass sie über eine Gegensprechanlage mit der Zielperson in einem anderen Zimmer kommunizierten. Der ethnische Hintergrund der Zielperson wurde so manipuliert, dass man der Versuchsteilnehmerin einen Studentenausweis zeigte, auf dem entweder eine weiße oder eine schwarze Frau zu sehen war. In der „Allein“-Bedingung wusste die Versuchsteilnehmerin, dass sie die einzige Person war, die mit der Zielperson interagierte. In der Bedingung „Anwesenheit anderer“ erfuhren die Versuchsteilnehmerinnen, dass zwei weitere Versuchsteilnehmerinnen (in getrennten Zimmern) ebenfalls mit der Zielperson interagierten. Während des Experiments hörten die Versuchsteilnehmerinnen Geräusche (ein umfallender Stuhl) und Schreie der Zielperson, was auf einen Notfall hindeutete. Dann wurden das Hilfeverhalten innerhalb der nächsten drei Minuten und die Zeit aufgezeichnet, welche die Versuchsteilnehmerinnen brauchten, um einzugreifen (d. h. die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde).
Ergebnisse
Die Ergebnisse (Tab. 14.3) wiesen den typischen Zuschauereffekt auf; das heißt, die Versuchsteilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung halfen bereitwilliger als jene in der Bedingung „Anwesenheit anderer“, weil sich hier die Verantwortung auf drei Menschen aufteilen ließ. Die Ergebnisse zeigten keinen Haupteffekt des ethnischen Hintergrunds des Opfers. Es gab jedoch eine signifikante Interaktion zwischen ethnischem Hintergrund des Opfers und Verantwortungsdiffusion. Die Teilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung waren eher bereit, einem schwarzen als einem weißen Opfer zu helfen, und sie taten dies schneller. Im Gegensatz dazu boten die Teilnehmerinnen in der Bedingung „Anwesenheit anderer“ schwarzen Opfern im Vergleich zu weißen signifikant weniger Hilfe an, und sie brauchten mehr Zeit, um diese Hilfe anzubieten.
Diskussion
Die Studie zeigte, dass sich ein Vorurteil auf subtile Weisen äußern kann. Die Weißen boten nur dann schwarzen Opfern weniger Hilfe an als weißen Opfern, wenn die Verantwortungsdiffusion ihnen eine plausible Alternativerklärung für ihr Vorurteil gab (sie konnten also immer noch behaupten, dass der Grund, warum sie dem schwarzen Opfer nicht halfen, der war, dass es noch zwei weitere Personen gab, die auch hätten helfen können). Diese Studie war zusammen mit anderen ähnlichen Studien Ausgangspunkt zur Entwicklung des Konzepts des aversiven Rassismus. Aversive Rassisten unterstützen eine faire und gerechte Behandlung aller Gruppen, obwohl sie manchmal (bisweilen unbewusst) negative Gefühle gegenüber bestimmten Gruppen haben (z. B. gegenüber Schwarzen) und deshalb die Intergruppeninteraktion meiden. Diese Personen vermeiden auch unfaires Verhalten in Intergruppensituationen. Sie manifestieren ihr Vorurteil jedoch auf subtile und rationalisierbare Weise.
Tabelle 14.3. Auswirkungen der Verantwortungsdiffusion und des ethnischen Hintergrunds des Opfers auf die Wahrscheinlichkeit zu helfen, die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (nach Gaertner & Dovidio, 1977) · n · Anzahl derer, die halfen (in Prozent) · Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde (Sek.) · Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (Sek.)
Allein
Schwarzes Opfer · 16 · 93,8 · 36,6 · 45,0
Weißes Opfer · 16 · 81,3 · 55,0 · 62,6
Anwesenheit anderer
Schwarzes Opfer · 16 · 37,5 · 124,9 · 128,5
Weißes Opfer · 16 · 75,0 · 72,4 · 89,2
2. Erklären Sie die Befunde der Studie zum einen anhand des Prozessmodells hilfreichen Verhaltens und zum anderen anhand der Theorie der kognitiven Dissonanz. (20 Punkte)
Aufgabe 1 - Teilaufgabe 3 · Persönlichkeitstheorien anwenden und vergleichen
Zur subtilen Wirkweise mancher Vorurteile
In einer Reihe von Artikeln untersuchten Gaertner und Kollegen (Gaertner, 1975; Gaertner & Bickman, 1971) die Auswirkungen des ethnischen Hintergrunds auf das Hilfeverhalten. Die experimentellen Befunde zeigten, dass der ethnische Hintergrund der Opfer einen Einfluss darauf hat, wie wahrscheinlich ein Hilfeverhalten ist. Einerseits lösten Opfer mit dem gleichen ethnischen Hintergrund wie die potenziellen Helfer bereitwilliger Hilfeverhalten aus. Beispielsweise neigten weiße Versuchsteilnehmerinnen dazu, häufiger weißen als schwarzen Opfern Hilfe anzubieten (d. h., sie zeigten einen weniger ausgeprägten Zuschauereffekt). Andererseits jedoch wurde in mehreren Studien kein unterschiedlicher Zuschauereffekt nachgewiesen, oder es zeigte sich sogar, dass sich weiße Versuchsteilnehmerinnen positiver gegenüber schwarzen als gegenüber weißen Opfern verhielten.
Dutton und Kollegen (z. B. Dutton & Lake, 1973) zeigten, dass Weiße positiver gegenüber Schwarzen gesinnt waren, um eine Selbstattribuierung der Bigotterie 1 zu vermeiden (d. h., vorurteilsbehaftet zu sein). Gaertner (1976) argumentierte, dass Menschen, die behaupten, nicht vorurteilsbehaftet zu sein, dennoch negative Gefühle gegenüber schwarzen Menschen haben können; dies führt zu einem aversiven Zustand, bei dem sie die negativen Gefühle von einem nicht vorurteilsbehafteten Selbstbild abtrennen. Die grundlegende These, die in dieser Forschungsarbeit untersucht wurde, war, dass Menschen mit diesem aversiven Typ des Vorurteils möglicherweise ein Verhalten vermeiden, das ihre Vorurteile offenkundig werden lässt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie in Situationen, in denen ihre unterlassene Hilfeleistung auf andere Faktoren als den ethnischen Hintergrund attribuiert werden könnte, schwarze Menschen diskriminieren (also nicht helfen werden).
1 Scheinheiligkeit
Methode
An der Studie nahmen 75 weiße Studentinnen der ersten Semester teil. Das Design der Studie war ein 2x2-faktorielles Design (erster Faktor war der ethnische Hintergrund des Opfers: weiß im Unterschied zu schwarz, der zweite Faktor war Diffusion der Verantwortung: allein im Unterschied zur Anwesenheit anderer). Die Versuchsteilnehmerinnen nahmen an, dass sie über eine Gegensprechanlage mit der Zielperson in einem anderen Zimmer kommunizierten. Der ethnische Hintergrund der Zielperson wurde so manipuliert, dass man der Versuchsteilnehmerin einen Studentenausweis zeigte, auf dem entweder eine weiße oder eine schwarze Frau zu sehen war. In der „Allein“-Bedingung wusste die Versuchsteilnehmerin, dass sie die einzige Person war, die mit der Zielperson interagierte. In der Bedingung „Anwesenheit anderer“ erfuhren die Versuchsteilnehmerinnen, dass zwei weitere Versuchsteilnehmerinnen (in getrennten Zimmern) ebenfalls mit der Zielperson interagierten. Während des Experiments hörten die Versuchsteilnehmerinnen Geräusche (ein umfallender Stuhl) und Schreie der Zielperson, was auf einen Notfall hindeutete. Dann wurden das Hilfeverhalten innerhalb der nächsten drei Minuten und die Zeit aufgezeichnet, welche die Versuchsteilnehmerinnen brauchten, um einzugreifen (d. h. die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde).
Ergebnisse
Die Ergebnisse (Tab. 14.3) wiesen den typischen Zuschauereffekt auf; das heißt, die Versuchsteilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung halfen bereitwilliger als jene in der Bedingung „Anwesenheit anderer“, weil sich hier die Verantwortung auf drei Menschen aufteilen ließ. Die Ergebnisse zeigten keinen Haupteffekt des ethnischen Hintergrunds des Opfers. Es gab jedoch eine signifikante Interaktion zwischen ethnischem Hintergrund des Opfers und Verantwortungsdiffusion. Die Teilnehmerinnen in der „Allein“-Bedingung waren eher bereit, einem schwarzen als einem weißen Opfer zu helfen, und sie taten dies schneller. Im Gegensatz dazu boten die Teilnehmerinnen in der Bedingung „Anwesenheit anderer“ schwarzen Opfern im Vergleich zu weißen signifikant weniger Hilfe an, und sie brauchten mehr Zeit, um diese Hilfe anzubieten.
Diskussion
Die Studie zeigte, dass sich ein Vorurteil auf subtile Weisen äußern kann. Die Weißen boten nur dann schwarzen Opfern weniger Hilfe an als weißen Opfern, wenn die Verantwortungsdiffusion ihnen eine plausible Alternativerklärung für ihr Vorurteil gab (sie konnten also immer noch behaupten, dass der Grund, warum sie dem schwarzen Opfer nicht halfen, der war, dass es noch zwei weitere Personen gab, die auch hätten helfen können). Diese Studie war zusammen mit anderen ähnlichen Studien Ausgangspunkt zur Entwicklung des Konzepts des aversiven Rassismus. Aversive Rassisten unterstützen eine faire und gerechte Behandlung aller Gruppen, obwohl sie manchmal (bisweilen unbewusst) negative Gefühle gegenüber bestimmten Gruppen haben (z. B. gegenüber Schwarzen) und deshalb die Intergruppeninteraktion meiden. Diese Personen vermeiden auch unfaires Verhalten in Intergruppensituationen. Sie manifestieren ihr Vorurteil jedoch auf subtile und rationalisierbare Weise.
Tabelle 14.3. Auswirkungen der Verantwortungsdiffusion und des ethnischen Hintergrunds des Opfers auf die Wahrscheinlichkeit zu helfen, die Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde, und die Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (nach Gaertner & Dovidio, 1977) · n · Anzahl derer, die halfen (in Prozent) · Zeit, die zum Aufstehen benötigt wurde (Sek.) · Zeit, die zum Türöffnen benötigt wurde (Sek.)
Allein
Schwarzes Opfer · 16 · 93,8 · 36,6 · 45,0
Weißes Opfer · 16 · 81,3 · 55,0 · 62,6
Anwesenheit anderer
Schwarzes Opfer · 16 · 37,5 · 124,9 · 128,5
Weißes Opfer · 16 · 75,0 · 72,4 · 89,2
3. Erklären Sie die Befunde der Studie tiefenpsychologisch und beziehen Sie dabei das passende Persönlichkeitsmodell ein, erörtern Sie, ob diese tiefenpsychologische Deutung gegenüber den kognitivistischen Erklärungen aus Aufgabe 2 zu bevorzugen ist. Entwickeln Sie Handlungsoptionen, mit denen man, auch auf Basis des Experiments, aversivem Rassismus in der Schule entgegenwirken könnte. (34 Punkte)
Aufgabe 2 · Psychische Störungen und Psychotherapie
Aufgabe 2
Aufgabenstellung:
1. Arbeiten Sie aus dem Text die Grundannahmen, Methoden und Ziele sowie die Rollen von Therapeut und Patient heraus und erläutern Sie, dass sich Teile der Interpersonellen Psychotherapie dem kognitivistischen Paradigma zuordnen lassen.
2. Arbeiten Sie heraus, worin sich die Interpersonelle Psychotherapie von einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren unterscheidet, und vergleichen Sie sie unter Einbeziehung des zugehörigen Persönlichkeitsmodells mit der Gesprächspsychotherapie nach Rogers in Bezug auf Grundannahmen, Methoden und die Rolle des Therapeuten.
3. Prüfen Sie, ob die Interpersonelle Psychotherapie bei einer sozialen Angststörung eingesetzt werden kann, und nehmen Sie abschließend begründet selbst Stellung zu ihr.
Materialgrundlage:
Brakemeier, Eva-Lotta; Leu, Marisa: Beziehungen im Fokus. In: Gehirn&Geist 3/2021, S. 68 – 73
Aufgabe 3 · Persönlichkeitsdiagnostik und Personalauswahl
Aufgabe 3
Lösen Sie die nachstehenden Teilaufgaben anhand des Materials:
1.
Arbeiten Sie aus dem Text das psychologische Konstrukt Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Koordination sowie die Merkmale und Ziele des Konzentrations-Leistungs-Tests (KLT-R) von Lukesch & Mayrhofer heraus und weisen Sie nach, dass dieser Test wirklich ein Leistungstest ist und sich dem kognitivistischen Paradigma zuordnen lässt.
2.
Erklären Sie das Leistungsverhalten der Testteilnehmer mithilfe des kognitivistischen Persönlichkeitsmodells und beziehen Sie dabei die in Aufgabe 1 herausgearbeiteten Konstrukte ein. Erläutern Sie am Beispiel des KLT, worin sich dieser in Merkmalen und Zielen grundlegend von einem projektiven Testverfahren unterscheidet.
3.
Beurteilen Sie den KLT-R anhand der Testgütekriterien und nehmen Sie begründet persönlich Stellung zu seinem Einsatz in der Personalauswahl.
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