Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Thema: Magnetfeld und elektromagnetische Induktion · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabe: Induktion und Wirbelströme

Teilaufgabe 1: Physikalische Grundlagen der elektrischen Energieversorgung

Das tägliche Leben hängt davon ab, dass jederzeit elektrische Energie zur Verfügung steht. In Kraftwerken wird Primärenergie in unterschiedlicher Form erst in Bewegungsenergie und anschließend in elektrische Energie überführt. Für den letzten Schritt wird ein Generator verwendet. Die wichtigsten Bauteile eines Generators sind in Abbildung 1 dargestellt.

a)

• Beschreiben Sie mithilfe der Skizze den grundsätzlichen Aufbau eines Generators und berücksichtigen Sie dabei die in Abbildung 1 nummerierten Bauteile.

• Erläutern Sie qualitativ, also ohne mathematische Beziehungen zu verwenden, inwiefern die elektromagnetische Induktion für die Funktionsweise grundlegend ist.

Zunächst wird nun das Induktionsgesetz in mathematischer Form betrachtet.

b)

In einem homogenen Magnetfeld der Stärke BB befindet sich eine ebene Leiterschleife. Diese Leiterschleife besitzt bezüglich des homogenen Magnetfeldes eine effektive Querschnittsfläche AeffA_{\text{eff}}, die je nach Orientierung der Leiterschleife ein positives oder negatives Vorzeichen besitzen kann. Diese effektive Querschnittsfläche AeffA_{\text{eff}} wird von dem homogenen Magnetfeld orthogonal durchsetzt (siehe Abbildung 2).

Für eine Induktionsspannung UindU_{\text{ind}} in einer Leiterschleife mit Windungszahl nn kann es zwei mögliche Ursachen geben, die durch die beiden folgenden Zusammenhänge beschrieben werden:

(1) Uind=−n⋅B⋅ΔAeffΔt(2) Uind=−n⋅Aeff⋅ΔBΔt(1)\ U_{\text{ind}} = -n \cdot B \cdot \frac{\Delta A_{\text{eff}}}{\Delta t} \qquad (2)\ U_{\text{ind}} = -n \cdot A_{\text{eff}} \cdot \frac{\Delta B}{\Delta t}

In beiden Zusammenhängen bezeichnet Δt\Delta t ein kurzes Zeitintervall.

• Erläutern Sie, was die beiden angegebenen Zusammenhänge physikalisch aussagen.

In der exakten Formulierung gehen im Grenzfall immer kürzer werdender Zeitintervalle bei beiden Zusammenhängen die zeitlichen Änderungsraten ΔAeffΔt\frac{\Delta A_{\text{eff}}}{\Delta t} bzw. ΔBΔt\frac{\Delta B}{\Delta t} in die jeweilige Ableitung nach der Zeit über: (1) Uind=−n⋅B⋅A˙eff(1)\ U_{\text{ind}} = -n \cdot B \cdot \dot{A}_{\text{eff}} bzw. (2) Uind=−n⋅Aeff⋅B˙(2)\ U_{\text{ind}} = -n \cdot A_{\text{eff}} \cdot \dot{B}.

• Begründen Sie, warum bei einem Generator wie in Abbildung 1 der Zusammenhang (2) nicht die Ursache der Induktionsspannung sein kann.

• Erklären Sie qualitativ, warum sich im Betrieb eines Generators wie in Abbildung 1 die effektive Fläche AeffA_{\text{eff}} der Leiterschleife fortwährend zeitlich ändert.

c)

Beim Betrieb eines typischen Generators wird die in Abbildung 3 dargestellte Generatorspannung erzeugt. Dabei bezeichnet U^\hat{U} die Spannungsamplitude.

Für die Zeitabhängigkeit der effektiven Querschnittsfläche AeffA_{\text{eff}} kann dabei der folgende Zusammenhang angenommen werden: Aeff(t)=AL⋅cos⁡(2πT⋅t)A_{\text{eff}}(t) = A_{\text{L}} \cdot \cos\left(\frac{2\pi}{T}\cdot t\right).

Es ist dabei vorausgesetzt, dass die Fläche der Leiterschleife ALA_{\text{L}} zum Zeitpunkt t=0t = 0 orthogonal zu den Feldlinien des homogenen Magnetfeldes steht und komplett von diesem homogenen Magnetfeld durchsetzt wird. Die Größe TT bezeichnet dabei die Umdrehungsdauer der Leiterschleife.

Zeigen Sie, dass sich für die induzierte Spannung in diesem Fall ergibt: U(t)=U^⋅sin⁡(2πT⋅t)U(t) = \hat{U} \cdot \sin\left(\frac{2\pi}{T}\cdot t\right) mit der Spannungsamplitude U^=n⋅B⋅AL⋅2πT\hat{U} = n \cdot B \cdot A_{\text{L}} \cdot \frac{2\pi}{T}.

d)

In einem konkreten Generator dieses Typs beträgt die Fläche der Leiterschleife AL=50,0 cm2A_{\text{L}} = 50{,}0\,\text{cm}^2, deren Windungszahl n=300n = 300, die Stärke des Magnetfeldes B=250 mTB = 250\,\text{mT}, und die Leiterschleife dreht sich pro Minute 30003000-mal im Magnetfeld.

Bestimmen Sie die Spannungsamplitude U^\hat{U} eines so betriebenen Generators.

Teilaufgabe 2: Elektrische Wirbelströme und ihre Anwendung beim Induktionsherd

Der Induktionsherd ist eine Alltagsanwendung von Wirbelströmen und hat Vorteile gegenüber Herdtypen mit direkter thermischer Energiezufuhr. Der schematische Aufbau eines Induktionsherdes ist in Abbildung 4 dargestellt.

Der wesentliche Bestandteil eines Induktionsherdes ist die Feldspule, in der ein sehr schnell wechselndes, sogenanntes „hochfrequentes“ Magnetfeld erzeugt wird. Dieses sich schnell ändernde Magnetfeld verursacht im elektrisch leitenden Boden des Kochgeschirrs Induktionseffekte, welche dort zu einer starken Erwärmung führen.

Mit folgender Messung wurde das hochfrequente Magnetfeld untersucht. Auf einem eingeschalteten Induktionskochfeld wurde eine Leiterschleife mit drei Windungen platziert und der zeitliche Verlauf der darin induzierten Spannung mit einem Oszilloskop gemessen (Versuchsaufbau siehe Abbildung 5).

a)

Begründen Sie qualitativ, dass bei der in Abbildung 5 dargestellten Messung ausschließlich der Zusammenhang (2) Uind=−n⋅Aeff⋅B˙(2)\ U_{\text{ind}} = -n \cdot A_{\text{eff}} \cdot \dot{B} (siehe Teilaufgabe 1b) für die im Oszilloskop gemessene Spannung verantwortlich ist.

b)

Abbildung 6 zeigt die Einstellung der Zeitablenkung des Oszilloskops bei dieser Messung sowie den gemessenen zeitlichen Verlauf der induzierten Spannung in der Leiterschleife.

Im Folgenden soll von dem in Abbildung 6 eingezeichneten vereinfachend angenommenen Verlauf der Induktionsspannung ausgegangen werden.

• Bestimmen Sie aus Abbildung 6 die Periodendauer TT, mit der sich das hochfrequente Magnetfeld des Induktionskochfeldes periodisch verändert.

• Geben Sie die Frequenz ff der Induktionsspannung in der Maßeinheit kHz\text{kHz} an.

• Begründen Sie qualitativ, dass der zeitliche Verlauf des Magnetfeldes in der Feldspule dieses Induktionsherdes dem in Abbildung 7 entspricht.

kHz

c)

Durch das sich schnell ändernde Magnetfeld in der Feldspule des Induktionsherdes werden Wirbelströme im elektrisch leitenden Boden des Kochgeschirrs hervorgerufen. Abbildung 8 zeigt eine Modellvorstellung für die Entstehung der Wirbelströme. Den Boden eines Induktionskochtopfs kann man sich aus vielen konzentrischen Kreisringen aufgebaut vorstellen. Jeder dieser Ringe ist eine kurzgeschlossene Leiterschleife.

Erklären Sie qualitativ, wie es auf dem Induktionsherd zu einem Kreisstrom, dem sogenannten „Wirbelstrom“, in einem Kreisring im Topfboden kommt.

d)

Für die Heizleistung PHeizP_{\text{Heiz}} des Wirbelstroms in einem Kreisring der Breite b=1 mmb = 1\,\text{mm} in einem typischen Material für den Boden eines Induktionskochtopfs gilt:PHeiz=(0,22 mΩ)⋅(ΔBΔt)2⋅r3P_{\text{Heiz}} = \left(0{,}22\,\frac{\text{m}}{\Omega}\right) \cdot \left(\frac{\Delta B}{\Delta t}\right)^2 \cdot r^3Dabei bezeichnet rr den Radius des Kreisrings (in m\text{m}) und ΔBΔt\frac{\Delta B}{\Delta t} die Änderungsrate des Magnetfeldes auf der Induktionsherdplatte.

• Zeigen Sie anhand einer Einheitenbetrachtung, dass die rechte Seite des angegebenen Zusammenhangs tatsächlich die Maßeinheit der Leistung (1 W=1 Js1\,\text{W} = 1\,\frac{\text{J}}{\text{s}}) besitzt.

Bei dem in Teilaufgabe 2a) untersuchten Induktionsherd beträgt die Änderungsrate des Magnetfeldes ΔBΔt=320 Ts\frac{\Delta B}{\Delta t} = 320\,\frac{\text{T}}{\text{s}}.

• Bestimmen Sie anhand des obigen Zusammenhangs die Heizleistung PHeizP_{\text{Heiz}} des Wirbelstroms in einem b=1 mmb = 1\,\text{mm} breiten Kreisring mit r=10 cmr = 10\,\text{cm} in der Einheit W\text{W}.

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a) • Beschreiben Sie mithilfe der Skizze den grundsätzlichen Aufbau eines Generators und berücksichtigen Sie dabei die in Abbildung 1 nummerierten Bauteile. • Erläutern Sie qualitativ, also ohne mathematische Beziehungen zu verwenden, inwiefern die elektromagnetische Induktion für die Funktionsweise grundlegend ist.

Lösung: 1: Kontakte / Schleifringe zur Abnahme der Spannung 2: Magnetpole (Permanentmagnet) 3: Leiterschleife (Spule) 4: Drehachse / Antriebswelle

b) • Erläutern Sie, was die beiden angegebenen Zusammenhänge physikalisch aussagen. • Begründen Sie, warum bei einem Generator wie in Abbildung 1 der Zusammenhang (2) nicht die Ursache der Induktionsspannung sein kann. • Erklären Sie qualitativ, warum sich im Betrieb eines Generators wie in Abbildung 1 die effektive Fläche A_eff der Leiterschleife fortwährend zeitlich ändert.

Lösung: Zusammenhang (1): Flächenänderung bei konstantem B-Feld induziert Spannung proportional zu B und zur Änderungsrate der effektiven Fläche. Zusammenhang (2): Zeitliche B-Feldänderung bei fester Fläche induziert Spannung proportional zu A_eff und zur Änderungsrate von B. Bei Abb. 1 ist B zeitlich konstant (Permanentmagnet), daher ΔB/Δt = 0. Die Drehung verändert permanent die Projektion der Leiterschleife senkrecht zu den Feldlinien.

c) Zeigen Sie, dass sich für die induzierte Spannung in diesem Fall ergibt: U(t) = U_dach * sin((2*pi/T)*t) mit der Spannungsamplitude U_dach = n * B * A_L * (2*pi/T).

Lösung: Ableitung: A˙eff=−AL⋅2πT⋅sin⁡(2πTt)\dot{A}_{\text{eff}} = -A_{\text{L}} \cdot \frac{2\pi}{T} \cdot \sin\left(\frac{2\pi}{T}t\right). Einsetzen in Uind=−n⋅B⋅A˙effU_{\text{ind}} = -n \cdot B \cdot \dot{A}_{\text{eff}} liefert U(t)=n⋅B⋅AL⋅2πT⋅sin⁡(2πTt)U(t) = n \cdot B \cdot A_{\text{L}} \cdot \frac{2\pi}{T} \cdot \sin\left(\frac{2\pi}{T}t\right).

d) Bestimmen Sie die Spannungsamplitude U_dach eines so betriebenen Generators.

Lösung: 118 V / 0,118 kV

Teilaufgabe 2 a) Begründen Sie qualitativ, dass bei der in Abbildung 5 dargestellten Messung ausschließlich der Zusammenhang (2) für die im Oszilloskop gemessene Spannung verantwortlich ist.

Lösung: Die Leiterschleife ruht auf dem Kochfeld, daher ändert sich ihre effektive Fläche nicht (A_eff = const., delta A_eff / delta t = 0). Die Spannung rührt ausschließlich von der zeitlichen Änderung des Magnetfeldes her.

b1) Bestimmen Sie aus Abbildung 6 die Periodendauer T, mit der sich das hochfrequente Magnetfeld des Induktionskochfeldes periodisch verändert.

Lösung: 30 µs / 3,0·10⁻⁵ s

b2) Geben Sie die Frequenz f der Induktionsspannung in der Maßeinheit kHz an.

Lösung: 33 / 33,3

b3) Begründen Sie qualitativ, dass der zeitliche Verlauf des Magnetfeldes in der Feldspule dieses Induktionsherdes dem in Abbildung 7 entspricht.

Lösung: Die abschnittsweise konstante Induktionsspannung bedeutet nach dem Induktionsgesetz U_ind = -n * A_eff * B_punkt eine konstante Steigung des Magnetfeldes B(t). Dies entspricht einem dreiecksförmigen Verlauf.

c) Erklären Sie qualitativ, wie es auf dem Induktionsherd zu einem Kreisstrom, dem sogenannten „Wirbelstrom“, in einem Kreisring im Topfboden kommt.

Lösung: Jeder Kreisring im leitenden Topfboden wirkt wie eine kurzgeschlossene Leiterschleife (n = 1). Das sich ändernde Magnetfeld induziert eine Spannung, die wegen des geschlossenen Stromkreises unmittelbar einen Kreisstrom (Wirbelstrom) treibt.

d1) Zeigen Sie anhand einer Einheitenbetrachtung, dass die rechte Seite des angegebenen Zusammenhangs tatsächlich die Maßeinheit der Leistung (1 W = 1 J/s) besitzt.

Lösung: [m/Ω] · [T/s]² · [m³] = (m·A/V) · (J/(A·s·m²))² · m³ = (m⁴·A·J²) / (V·A²·s²·m⁴) = J² / (V·A·s²) = (W·s)² / (W·s²) = W

d2) Bestimmen Sie anhand des obigen Zusammenhangs die Heizleistung P_Heiz des Wirbelstroms in einem b = 1 mm breiten Kreisring mit r = 10 cm in der Einheit W.

Lösung: 22,5 W

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