Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin 2022
Thema: Magnetfeld und elektromagnetische Induktion · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2022)
Aufgabenstellung
Aufgabe 1: Experimentelle und theoretische Untersuchung von induktiven Vorgängen
Mithilfe von Differenzenquotienten lässt sich das Induktionsgesetz in der Form
darstellen. Hierbei bezeichnet für die Induktionsspannung, für die Windungszahl, für die Stärke des magnetischen Feldes, für die senkrecht vom Magnetfeld durchsetzte Fläche und für die Zeit.
Teilaufgabe 1: Grundlagen zum Induktionsgesetz
a)
• Erläutern Sie jeweils, auf welche Ursache sich die Entstehung einer Induktionsspannung beim 1. bzw. 2. Term zurückführen lässt.
• Beschreiben Sie jeweils einen Versuch, der die Entstehung einer Induktionsspannung entsprechend dem 1. bzw. 2. Term zeigt.
b)
In einem Gedankenexperiment gemäß Abbildung 1 bewegt sich eine rechteckige, mit einem Voltmeter verbundene Leiterschleife der Breite mit konstanter Geschwindigkeit von links nach rechts vollständig durch ein räumlich begrenztes homogenes Magnetfeld der Stärke .
Abbildung 1 zeigt sowohl den Beginn des Gedankenexperiments zum Zeitpunkt (Position 1) sowie das Ende (Position 2) der zu betrachtenden Bewegung.
Zeichnen Sie für dieses Gedankenexperiment ein qualitatives --Diagramm.
c)
Das Auftreten einer von null verschiedenen Induktionsspannung beim Eintritt einer Leiterschleife in ein räumlich begrenztes homogenes Magnetfeld gemäß Abbildung 1 kann quantitativ mithilfe des oben angegebenen Induktionsgesetzes beschrieben werden.
• Begründen Sie, dass dafür eine Vereinfachung des angegebenen Induktionsgesetzes zu verwendet werden kann.
• Zeigen Sie, dass sich daraus herleiten lässt.
Teilaufgabe 2: Fahrbahn-Versuche zum Induktionsgesetz
Im Folgenden wird das Gedankenexperiment gemäß Abbildung 1 in einem Realexperiment untersucht (siehe Abbildung 2a und 2b).
Bei Kenntnis der Länge der Verdunklungsfahne lässt sich durch das Messen der Verdunklungszeit der Geschwindigkeitsbetrag des Gleiters mittels berechnen.
a)
Die Leiterschleife ist an ein Messwerterfassungssystem angeschlossen, sodass der zeitliche Verlauf der elektrischen Spannung aufgezeichnet werden kann. Abbildung 3 stellt das aufgenommene Spannungssignal dar, wobei die Verdunklungszeiten der beiden Lichtschranken gleich gemessen werden.
Beschreiben Sie das in Abbildung 3 dargestellte Diagramm.
b)
Die Leiterschleife bewegt sich entlang der -Achse (vgl. Abbildung 4), wobei die Ortskoordinate genau mittig zwischen den Schenkeln des Hufeisenmagneten liegt.
Das Magnetfeld des Hufeisenmagneten wird im Folgenden zwischen den Schenkeln () näherungsweise als homogen angenommen. Außerhalb der Schenkel ist das Magnetfeld inhomogen. Abbildung 5a stellt die Stärke des Magnetfeldes in Abhängigkeit vom Ort dar.
Die Abbildungen 5b und 5c zeigen die sich von links nach rechts bewegende Leiterschleife an zwei verschiedenen Positionen.
Bei der Bewegung der Leiterschleife von links nach rechts (vgl. Abbildungen 5b und 5c) wirkt jeweils im rechten und linken Leiterstück eine Lorentzkraft. Damit kann die Stärke des gemessenen Spannungssignals erklärt werden.
• Erklären Sie mithilfe eines Vergleichs der Lorentzkraft im rechten und linken Leiterstück, dass in Abbildung 5b das gemessene Spannungssignal höher ist als in Abbildung 5c.
• Begründen Sie, dass die gemessene Spannung kleiner wird, wenn sich das rechte Leiterstück durch den homogenen Feldbereich bewegt.
• Erläutern Sie, dass die Spannung mit gemessen wird, wenn sich die Mitte der Leiterschleife genau in der Mitte des homogenen Feldbereichs befindet.
• Das Spannungssignal gemäß Abbildung 3 verändert sich, wenn im Experiment eine Leiterschleife mit der halben Länge (statt ) verwendet wird. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die Breite gleich ist, die Lichtschranken weiterhin die gleichen Verdunklungszeiten wie in 2a) messen und sich die Mitte der kürzeren Leiterschleife zum selben Zeitpunkt in der Mitte des homogenen Feldbereichs befindet. Skizzieren Sie in Abbildung 3 das veränderte Spannungssignal.
c)
In Abbildung 6 sind vier --Diagramme und die dazugehörigen Verdunklungszeiten dargestellt. Dabei hat sich die Leiterschleife jeweils gleichförmig durch den Hufeisenmagneten bewegt.
beschreibt den maximalen Betrag des Spannungssignals ohne Berücksichtigung des Vorzeichens. Die maximale Stärke des magnetischen Feldes im homogenen Bereich kann für die verwendete Leiterschleife näherungsweise mittels ermittelt werden. Die Breite der Leiterschleife beträgt dabei und die Länge der Verdunklungsfahne .
• Bestimmen Sie für jedes Diagramm gemäß Abbildung 6 den Betrag der maximalen Induktionsspannung sowie den Geschwindigkeitsbetrag des Gleiters.
• Zeichnen Sie das zugehörige --Diagramm.
• Ermitteln Sie anhand einer grafischen Auswertung des --Diagramms die Stärke des magnetischen Feldes.
Messung
1
2
3
4
in s
0,22
0,27
0,38
0,50
in mV
in
d)
Der Versuchsaufbau wird gemäß Abbildung 7a durch einen weiteren Hufeisenmagneten ergänzt. Die zweite Lichtschranke ist dabei der Übersichtlichkeit halber nicht mehr dargestellt. Der Gleiter samt rechteckiger Leiterschleife bewegt sich gleichförmig von links nach rechts. Abbildung 7b zeigt das dabei aufgenommene --Diagramm.
• Erläutern Sie mithilfe von Abbildung 7b, wie der ergänzte Magnet gepolt ist und welcher der beiden Magnete eine größere Stärke des magnetischen Feldes aufweist.
• Bestimmen Sie mithilfe von Abbildung 7b den Abstand zwischen den Mitten der beiden Hufeisenmagnete.
e)
Nachfolgend wird das Experiment abermals verändert. Unter den gleichnamigen Polen der beiden Hufeisenmagneten werden jeweils quaderförmige Eisenkerne so angebracht, dass zwischen ihnen ein Spalt ist (vgl. Abbildung 8a). Abbildung 8b zeigt das aufgenommene --Diagramm, wenn sich der Gleiter abermals gleichförmig von links nach rechts bewegt.
Die Leiterschleife bewegt sich dabei durch den Spalt zwischen den beiden Eisenkernen.
• Vergleichen Sie den zeitlichen Verlauf der Spannung in Abbildung 3 und Abbildung 8b.
• Erklären Sie die mit annähernd gemessene Spannung im Zeitintervall von bis in Abbildung 8b.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Teilaufgabe 1a: Erläutern Sie jeweils, welche Ursache für das Auftreten einer Induktionsspannung mit dem 1. bzw. 2. Term beschrieben wird, und beschreiben Sie jeweils ein Demonstrationsexperiment.
Lösung: 1. Term: Zeitliche Änderung der senkrecht durchsetzten Fläche A (z. B. rotierende Leiterschleife im Magnetfeld). 2. Term: Zeitliche Änderung der magnetischen Feldstärke B (z. B. Induktionsspule in einer Feldspule mit veränderlicher Stromstärke).
Zeichnen Sie für dieses Gedankenexperiment ein qualitatives t-Uind-Diagramm.
Lösung: Qualitativer Verlauf mit drei Phasen: Nullspannung vor dem Eintritt, konstante negative (oder positive) Spannung beim Eintreten, Spannung null während sich die Schleife vollständig im Feld befindet, entgegengesetzte konstante Spannung mit gleichem Betrag beim Austritt und danach wieder null.
Teilaufgabe 1c: Begründen Sie die Vereinfachung zu Uind = -B * (ΔA/Δt) und leiten Sie Uind = -v * B * b her.
Lösung:
Teilaufgabe 2a: Beschreiben Sie das in Abbildung 3 dargestellte Diagramm.
Lösung: Die gemessene Spannung ist zunächst nahe null und negativ. Sie erreicht bei etwa ein Minimum von . Danach steigt sie an, durchläuft bei die Nullinie und erreicht bei etwa ein Maximum von , bevor sie wieder gegen null abfällt.
Teilaufgabe 2b: Erklärungen mithilfe der Lorentzkraft (Abbildung 5b vs. 5c, Bewegung durch homogenen Bereich, U = 0 mV in Schleifenmitte).
Lösung: In 5b ist das linke Leiterstück in einem schwächeren Feld als in 5c, daher ist die Differenz der Lorentzkräfte größer und das Signal höher. Im homogenen Bereich bleibt die Lorentzkraft rechts konstant maximal, links nimmt sie zu, wodurch die Differenz und somit die Spannung kleiner wird. Genau in der Mitte sind beide Leiterstücke gleichen Feldern ausgesetzt, die Lorentzkräfte heben sich in der Schleife auf, sodass gemessen wird.
Messung 1: U_max in mV
Lösung: 0,41
Messung 2: U_max in mV
Lösung: 0,36
Messung 3: U_max in mV
Lösung: 0,25
Messung 4: U_max in mV
Lösung: 0,19
Messung 1: v in cm/s
Lösung: 45
Messung 2: v in cm/s
Lösung: 37
Messung 3: v in cm/s
Lösung: 26
Messung 4: v in cm/s
Lösung: 20
Ermitteln Sie anhand einer grafischen Auswertung des v-Umax-Diagramms die Stärke Bmax des magnetischen Feldes.
Lösung: 28 mT / 0,028 T
Teilaufgabe 2d: Erläutern Sie die Polung und Stärke des ergänzten Magneten.
Lösung: Der ergänzte rechte Magnet ist umgekehrt gepolt (vorne Südpol, hinten Nordpol), da das Spannungssignal invertiert ist. Da die Spannungsspitzen beim zweiten Magneten größer sind, besitzt er eine größere magnetische Feldstärke B.
Teilaufgabe 2d: Bestimmen Sie den Abstand D zwischen den Mitten der beiden Hufeisenmagnete.
Lösung: 25 cm / 0,25 m
Teilaufgabe 2e: Vergleichen Sie den Verlauf in Abb. 3 und 8b und erklären Sie die Spannung U = 0 im Intervall 2,96 s bis 3,24 s.
Lösung: Beide Kurven beginnen und enden nahe null und haben erst ein negatives, dann ein positives Extremum. In 8b gibt es jedoch zwischen 2,96 s und 3,24 s eine Plateauphase mit U ≈ 0. Dies liegt an den Eisenkernen, die einen deutlich breiteren homogenen Bereich erzeugen, in dem sich die Leiterschleife zeitweise vollständig befindet, sodass sich der magnetische Fluss nicht ändert und keine Spannung induziert wird.
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