Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 b), c), 2 und 3 Indukt… · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin 2021

Thema: Magnetfeld und elektromagnetische Induktion · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Experimentelle und theoretische Untersuchungen zu induktiven Vorgängen

Zahlreiche Hersteller elektronischer Geräte ermöglichen es, den Akku eines Geräts ohne Kabel zu laden. Untersucht werden soll nun der Ladevorgang eines Smartphones, das zum Aufladen auf eine induktive Ladestation platziert wird (siehe Abbildung 1).

Die Energie wird mithilfe einer Ladespule in der Ladestation und einer Empfängerspule im Smartphone übertragen. Zwischen den beiden Spulen besteht keine elektrisch leitende Verbindung. Um das Funktionsprinzip anzudeuten, sind die Spulenströme und das magnetische Feld eingezeichnet.

Teilaufgabe 1 b)

Für eine konkrete Ladespule wird der Zusammenhang zwischen der Stärke BB des magnetischen Feldes und einer jeweils konstanten Stromstärke II experimentell bestimmt. Für die Untersuchung wird eine Hallsonde, wie in Abbildung 3 dargestellt, genau in der Mitte der Spule so platziert, dass deren magnetisches Feld die Sonde (annähernd) homogen durchsetzt.

Bei der Durchführung des Experiments wird die Stärke BB des magnetischen Feldes für verschiedene Stromstärken II in der Ladespule gemessen. Es ergeben sich die Messwerte in der folgenden Tabelle:

II (in A)

0,00

0,05

0,15

0,25

0,35

0,45

0,55

BB (in μT\mu\text{T})

0,0

46,5

115,2

221,8

256,3

381,3

460,5

Die Messergebnisse sollen im Folgenden ausgewertet werden.

•

Zeigen Sie durch Auswertung sämtlicher Messwerte der Tabelle, dass die Feldstärke BB näherungsweise proportional mit der Stromstärke II anwächst, d. h. B=kexp⋅IB = k_{\text{exp}} \cdot I mit dem Proportionalitätsfaktor kexpk_{\text{exp}}.

•

Teilaufgabe 1 c)

Die in Aufgabenteil b) verwendete Ladespule besteht aus kreisförmigen Windungen und ist luftgefüllt. Konkret soll sie im Folgenden eine Windungszahl von n1=50n_1 = 50, einen (mittleren) Radius von R=4,00 cmR = 4{,}00\text{ cm} und eine Länge von l=5,00 mml = 5{,}00\text{ mm} aufweisen. Somit ist die Länge der Spule im Vergleich zum Radius gering. Aufgrund theoretischer Überlegungen kann die Abhängigkeit der Stärke BB des von dieser Spule erzeugten Feldes von der Stromstärke II mit folgendem Zusammenhang angegeben werden:

B=μ0⋅n1(2R)2+l2⋅IB = \mu_0 \cdot \frac{n_1}{\sqrt{(2R)^2 + l^2}} \cdot I

Hierbei ist μ0=4π⋅10−7NA2\mu_0 = 4\pi \cdot 10^{-7} \frac{\text{N}}{\text{A}^2} die sogenannte magnetische Feldkonstante. Die Gleichung für die Stärke des Feldes muss nicht hergeleitet werden.

•

•

%

•

Die Stärke des Feldes einer (idealisierten) Spule der Länge l=0l = 0 wird durch die einfachere Gleichung B=μ0⋅n12R⋅IB = \mu_0 \cdot \frac{n_1}{2R} \cdot I beschrieben.

Beurteilen Sie, inwieweit die Vereinfachung der Gleichung im hier vorliegenden Fall zu rechtfertigen ist.

Teilaufgabe 2: Untersuchung der Spannung an der Empfängerspule

Das Grundprinzip der kontaktlosen, induktiven Energieübertragung zwischen der Ladespule L1 und der Empfängerspule L2 im Smartphone ist in Abbildung 4 dargestellt.

Die induktive Energieübertragung gelingt mithilfe eines sogenannten Oszillators, der mit einer Spannung versorgt wird und einen periodisch veränderlichen Strom der Stärke IL1I_{\text{L1}} in der Ladespule L1 hervorruft. An der Empfängerspule L2 lässt sich dann eine Spannung UL2U_{\text{L2}} messen, die mit einem Gleichrichter so aufbereitet wird, dass ein Akku geladen werden kann.

a)

• Erklären Sie ausgehend von einem möglichst allgemeinen Induktionsprinzip, warum eine Spannung UL2U_{\text{L2}} an der Empfängerspule L2 messbar ist.

• Begründen Sie, warum eine induktive Energieübertragung mit einem zeitlich konstanten magnetischen Feld in der Ladespule L1 nicht möglich ist.

• Die Spannung an der Empfängerspule L2 kann durch die Gleichung UL2=−n2⋅A⋅B˙U_{\text{L2}} = -n_2 \cdot A \cdot \dot{B} beschrieben werden. Erklären Sie die in der Gleichung vorkommenden physikalischen Größen in Bezug auf Abbildung 4.

b)

In der Ladespule L1 gemäß Abbildung 4 können verschiedene zeitliche Stromstärkeverläufe realisiert werden. In Abbildung 5 ist ein dreieckförmiger Verlauf der Stromstärke IL1I_{\text{L1}} in der Ladespule dargestellt.

Hieraus resultiere die Stärke BB des magnetischen Feldes in der Ladespule L1 entsprechend den Angaben in Aufgabenteil 1b). Die Empfängerspule L2 besitzt n2=30n_2 = 30 Windungen und eine Querschnittsfläche mit einem Inhalt von A=60,0 cm2A = 60{,}0\text{ cm}^2.

• Zeichnen Sie unter Berücksichtigung der in Abbildung 5 rechts vorgegebenen Achse den zeitlichen Verlauf der Spannung UL2U_{\text{L2}} in das Diagramm ein. (Hinweis: Die Achse rechts muss passend skaliert werden.)

c)

In Abbildung 6 ist ein sinusförmiger Verlauf der Stromstärke IL1I_{\text{L1}} in der Ladespule L1 dargestellt.

Die Periodendauer des sinusförmigen Stromstärkesignals in Abbildung 6 werde mit TT bezeichnet, die Amplitude der Stromstärke mit IL1,0I_{\text{L1},0}. Aus der Stromstärke resultiere die Stärke BB des magnetischen Feldes in der Ladespule L1 entsprechend den Angaben in Aufgabenteil 1c).

• Zeigen Sie, dass sich die Spannung an der Empfängerspule L2 durch die Gleichung UL2(t)=−μ0⋅n1⋅n2⋅A(2R)2+l2⋅2πT⋅IL1,0⋅cos⁡(2πT⋅t)U_{\text{L2}}(t) = -\mu_0 \cdot \frac{n_1 \cdot n_2 \cdot A}{\sqrt{(2R)^2 + l^2}} \cdot \frac{2\pi}{T} \cdot I_{\text{L1},0} \cdot \cos\left(\frac{2\pi}{T} \cdot t\right) beschreiben lässt.

• Bestimmen Sie anhand des Diagramms in Abbildung 6 die Werte für TT und IL1,0I_{\text{L1},0}:

d)

Mit dem Gleichrichter (siehe Abbildung 4) bleiben alle negativen Spannungen UL2U_{\text{L2}} ohne Einfluss, d. h. die am Akku anliegende Spannung UAkkuU_{\text{Akku}} beträgt dann jeweils Null, während alle positiven Spannungen nicht beeinflusst werden (siehe Abbildung 7).

Im Folgenden soll der dreieckförmige Verlauf der Stromstärke in Abbildung 5 mit dem sägezahnförmigen Verlauf in Abbildung 8 verglichen werden.

Gehen Sie davon aus, dass eine fallende Flanke in den Abbildungen 5 und 8 jeweils zu einer positiven Induktionsspannung führt und dass ein Gleichrichter wie oben beschrieben auf die induzierte Spannung UL2U_{\text{L2}} angewendet wird.

• Vergleichen Sie die beiden zeitlichen Verläufe in den Abbildungen 5 und 8 im Hinblick auf die zum Laden eines Smartphones zur Verfügung stehende Spannung UAkkuU_{\text{Akku}}.

• Entscheiden Sie anhand einer quantitativen Betrachtung, welcher der beiden zeitlichen Verläufe besser zum Laden eines Smartphones geeignet ist.

Teilaufgabe 3: Einfluss der Position des Smartphones auf der Ladestation

Bei der alltäglichen Verwendung induktiver Ladestationen kann es geschehen, dass das Smartphone nicht immer genau mittig auf die Ladestation gelegt wird. Viele Nutzerinnen und Nutzer verwenden außerdem zum Schutz ihres Smartphones eine mehr oder weniger dicke Schutzhülle. Beides trägt zu einer nicht mehr optimalen Positionierung des Smartphones auf der Ladestation bei.

a)

Erläutern Sie anhand des (allgemeinen) Induktionsprinzips, welche Auswirkungen dieser Umstand auf den Ladevorgang des Smartphones haben kann.

b)

Intelligente Ladestationen erkennen eine nicht optimale Positionierung des Smartphones auf der Ladestation und können darauf reagieren. Betrachten Sie im Folgenden das Beispiel des sägezahnförmigen Verlaufs der Stromstärke in der Ladespule in Abbildung 8 und gehen Sie davon aus, dass sich die Empfängerspule in einem Bereich mit nur 75 % der maximal möglichen Stärke des magnetischen Feldes befindet.

Unter der Annahme, dass die maximale Stromstärke bauartbedingt nicht erhöht werden kann, besteht auch anderweitig noch die Möglichkeit, den Ladevorgang zu optimieren.

• Nennen Sie eine weitere Größe, die zur Optimierung des Ladevorgangs durch die zeitliche, elektronische Steuerung der Ladestation beeinflusst werden kann:

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 b), c), 2 und 3 Indukt… · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Zeigen Sie durch Auswertung sämtlicher Messwerte der Tabelle, dass die Feldstärke B näherungsweise proportional mit der Stromstärke I anwächst, d. h. B = k_exp · I mit dem Proportionalitätsfaktor k_exp.

Lösung: Auftragung von B über I im Diagramm ergibt eine Gerade durch den Ursprung (bzw. Quotienten B/I sind annähernd konstant bei ca. 827 μT/A).

Ermitteln Sie unter Verwendung sämtlicher Messwerte der Tabelle einen Wert für den Proportionalitätsfaktor k_exp.

Lösung: 8,27⋅10−48{,}27\cdot 10^{-4} T/A / 827827 μT/A

Berechnen Sie den Proportionalitätsfaktor k_theo für den theoretisch geltenden Zusammenhang.

Lösung: 7,84⋅10−47{,}84\cdot 10^{-4} T/A / 784784 μT/A

Bestimmen Sie die prozentuale Abweichung des Wertes k_exp aus Aufgabenteil 1b) von dem Wert für k_theo.

Lösung: 5,55{,}5 %

Beurteilen Sie, inwieweit die Vereinfachung der Gleichung im hier vorliegenden Fall zu rechtfertigen ist.

Lösung: Die Vereinfachung ist gerechtfertigt, da die Spulenlänge l im Vergleich zum Durchmesser 2R sehr klein ist und k_theo für l = 0 mit 7,85·10^(-4) T/A kaum vom exakteren Wert abweicht.

Erklären Sie ausgehend von einem möglichst allgemeinen Induktionsprinzip die Spannung U_L2, warum bei konstantem Feld keine Energieübertragung möglich ist, und erklären Sie die Größen in U_L2 = -n_2 · A · B_dot.

Lösung: Ein zeitlich veränderlicher Strom erzeugt ein sich änderndes Magnetfeld. Nach dem Induktionsgesetz wird bei Änderung des magnetischen Flusses Φ eine Spannung induziert. Bei konstantem B ist B_dot = 0, sodass keine Spannung induziert wird. n_2 ist die Windungszahl, A die Querschnittsfläche der Empfängerspule, B_dot die zeitliche Änderungsrate der magnetischen Flussdichte.

Berechnen Sie mithilfe der in Aufgabenteil a) angegebenen Gleichung die Spannung U_L2 an der Empfängerspule L2 für eine steigende Flanke in Abbildung 5.

Lösung: −4,47-4{,}47 V / 4,474{,}47 V

Zeichnen Sie unter Berücksichtigung der in Abbildung 5 rechts vorgegebenen Achse den zeitlichen Verlauf der Spannung U_L2 in das Diagramm ein.

Lösung: Rechtecksignal mit UL2=−4,47 VU_{\text{L2}} = -4{,}47\text{ V} während der steigenden Flanken (00 bis 20 μs20\ \mu\text{s}, 4040 bis 60 μs60\ \mu\text{s}, 8080 bis 100 μs100\ \mu\text{s}) und UL2=+4,47 VU_{\text{L2}} = +4{,}47\text{ V} während der fallenden Flanken (2020 bis 40 μs40\ \mu\text{s}, 6060 bis 80 μs80\ \mu\text{s}). Skalierung der rechten Achse entsprechend beschriftet.

Zeigen Sie, dass sich die Spannung an der Empfängerspule L2 durch die Gleichung U_L2(t) = -μ_0 · (n_1 · n_2 · A / sqrt((2R)^2 + l^2)) · (2π / T) · I_L1,0 · cos(2π/T · t) beschreiben lässt.

Lösung: Aus U_L2 = -n_2 · A · B_dot mit B = k_theo · I_L1(t) und I_L1(t) = I_L1,0 · sin(ωt) folgt I_L1_dot(t) = I_L1,0 · ω · cos(ωt) mit ω = 2π/T. Einsetzen liefert die Behauptung.

Bestimmen Sie anhand des Diagramms in Abbildung 6 die Werte für T.

Lösung: 50,050{,}0 μs / 5,0⋅10−55{,}0\cdot 10^{-5} s

Bestimmen Sie anhand des Diagramms in Abbildung 6 die Werte für I_L1,0.

Lösung: 300300 mA / 0,30{,}3 A

Berechnen Sie die Amplitude U_L2,0 der Spannung an der Empfängerspule L2.

Lösung: 5,325{,}32 V / 53205320 mV

Vergleichen Sie die beiden zeitlichen Verläufe in den Abbildungen 5 und 8 im Hinblick auf U_Akku und entscheiden Sie anhand einer quantitativen Betrachtung, welcher Verlauf besser geeignet ist.

Lösung: Beide Verläufe liefern bei fallender Flanke dieselbe Ladespannung (ca. 4,47 V). Beim Dreiecksignal beträgt der Ladeanteil 20 μs / 40 μs = 50 %, beim Sägezahnsignal 40 μs / 50 μs = 80 %. Das Sägezahnsignal ist daher besser geeignet.

Erläutern Sie anhand des (allgemeinen) Induktionsprinzips, welche Auswirkungen dieser Umstand (nicht optimale Positionierung / Schutzhülle) auf den Ladevorgang des Smartphones haben kann.

Lösung: Durch die Dezentrierung oder den größeren Abstand durch eine Hülle sinkt die magnetische Flussdichte B am Ort der Empfängerspule. Dadurch verringert sich die zeitliche Änderung des magnetischen Flusses, was zu einer kleineren induzierten Spannung und damit zu einer längeren Ladedauer oder unvollständiger Ladung führt.

Ermitteln Sie mithilfe von Abbildung 8 den Wert, auf den die maximale Stromstärke I_L1,max in der Ladespule erhöht werden muss, um den Effekt der nicht optimalen Positionierung auszugleichen.

Lösung: 800800 mA / 0,80{,}8 A

Nennen Sie eine weitere Größe, die zur Optimierung des Ladevorgangs durch die zeitliche, elektronische Steuerung der Ladestation beeinflusst werden kann.

Lösung: Periodendauer / Frequenz / Dauer der fallenden Flanke

Ermitteln Sie mithilfe von Abbildung 8 einen Wert für diese Größe, um den Effekt der nicht optimalen Positionierung auszugleichen.

Lösung: 37,537{,}5 μs / 26,726{,}7 kHz / 3030 μs

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