Aufgabe 3 · Abitur NRW Geographie GK · Haupttermin 2022

Thema: Wachstumsimpulse durch Großprojekte und Infrastruktur · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2022)

Aufgabenstellung

Aufgabe 3

Thema: Zukunftsfähige Regionalentwicklung durch industrielle Großprojekte? – Das Beispiel Gigafactory im Landkreis Oder-Spree/Brandenburg

M 1: Atlaskarten nach Wahl

M 2: Landkreis Oder-Spree – Raumstrukturen

Quelle (verändert): lbv.brandenburg.de/dateien/stadt_wohnen/Kreisprofil_2015_67_LOS.pdf (Zugriff 21.06.2021)

M 3: Landkreis Oder-Spree – Daten und Fakten

Beschäftigung und Mobilität (2017) Beschäftigte mit Wohnort im Landkreis Oder-Spree · davon Auspendler

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Beschäftigte mit Arbeitsort im Landkreis Oder-Spree · davon Einpendler

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Anmerkung: Die Gruppe der Arbeitssuchenden umfasst neben den Arbeitslosen auch Personen, die sich noch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis befinden aber bereits wissen, dass dieses innerhalb der nächsten drei Monate endet und sie so arbeitslos werden.

M 4: Großprojekt Gigafactory

M 5: Tesla-Entwicklungsraum – Abgrenzung und Schutzgebiete

Tesla-Entwicklungsraum: ein von der Landesplanung Berlin-Brandenburg abgegrenzter Raum. Zentrales Abgrenzungskriterium: verkehrliche Lagegunst (Kommunen mit Haltepunkten an der Regionalexpresslinie Berlin-Frankfurt (Oder); Kommunen mit max. 15 min. PKW-Fahrzeit zur Gigafactory)

M 6: Großprojekt Gigafactory – Löhne und Qualifikation (Prognose)

M 7: Arbeitskräftebedarf und Wohnraumnachfrage – Entwicklungsszenarien

M 8: Pressemeldungen

06.03.2021

7000 Mitarbeiter möchte Tesla für den Start in Brandenburg einstellen. Im Dezember vergangenen Jahres waren davon erst 2000 Positionen besetzt, [...]. Dass die Suche schwerfällt, könnte wohl auch an der Corona-Krise liegen. „Wechselwillige Manager in der Automobilbranche müssen in der Krise eine Abwägung treffen – zwischen einem sicherheits- und einem chancenorientierten Umfeld", sagte Christine Seibl, Vergütungsexpertin der Managementberatung Korn Ferry, gegenüber dem „Handelsblatt".

Doch nicht nur die Krise dürfte für die nach wie vor vielen Stellenangebote verantwortlich sein. Andere deutsche Autobauer versuchen auch mit Gegenmaßnahmen das Abwerben ihrer Mitarbeiter durch Tesla zu verhindern.

So soll eine Rückkehr von VW-Mitarbeitern nicht mehr so einfach sein, wenn sie während einer Freistellung zu Tesla wechseln. Auch sind in Wolfsburg betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 nicht vorgesehen. Wie das „Handelsblatt" berichtet, werde diese Maßnahme VW-intern „Lex Tesla" genannt. Dazu kommt ein großer Einfluss der Gewerkschaft IG Metall. Einen Tarifvertrag mit Tesla gibt es noch nicht.

Quelle: focus.de/finanzen/boerse/stellen-ein-jahr-ausgeschrieben-elon-musk-findet-keine-mitarbeiter-schuld-ist-auch-vws-lex-tesla_id_13031381.html (Zugriff 03.12.2021)

16.03.2021

Ab Sommer will Tesla 500.000 Elektroautos pro Jahr in Grünheide produzieren – doch dadurch werde es zu Einschränkungen beim Trinkwasser kommen, warnt der Chef des Wasserverbandes.

Die geplante Fabrik des US-Elektroautobauers wird nach Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 mit den nächsten Ausbaustufen rund 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Das wären rund 30 Prozent des gesamten Wasservolumens in der Region. Damit sei nicht genügend Wasser da, erklärte der zuständige Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Strausberg-Erkner, André Bähler. [...]

Laut internen Unterlagen des Landesumweltministeriums gerät Brandenburg allerdings schon heute zunehmend an „Kapazitätsgrenzen". Weiter heißt es in Sitzungsprotokollen vom 9. Juli 2020: Durch die „Ansiedlung von Industrie und Gewerbe (z. B. Tesla)" verschärfe sich die „Situation im östlichen Berliner Umland zusätzlich."

Quelle: zdf.de/nachrichten/wirtschaft/tesla-musk-autoindustrie-wasser-100.html (Zugriff 03.12.2021)

1.

Lokalisieren Sie sowohl den Landkreis Oder-Spree als auch den Standort Grünheide und kennzeichnen Sie die Raumstrukturen des Landkreises um die Mitte der 2010er Jahre. [22 Punkte]

2.

Erläutern Sie das Projekt Gigafactory und die damit voraussichtlich verbundenen räumlichen, ökonomischen und sozialstrukturellen Veränderungen in der Region. [30 Punkte]

3.

Erörtern Sie, inwiefern das Projekt Gigafactory einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Entwicklung der Region leistet. [28 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Geographie GK · Haupttermin 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Lokalisieren Sie sowohl den Landkreis Oder-Spree als auch den Standort Grünheide und kennzeichnen Sie die Raumstrukturen des Landkreises um die Mitte der 2010er Jahre. (22 Punkte)

Lösung: - ordnet den Landkreis Oder-Spree und den Standort Grünheide aufgabenbezogen ein (M1) – 3 P. - verdeutlicht Siedlungsverteilung und administrative Gliederung des Landkreises sowie die Zugehörigkeit der nordwestlichen Gemeinden zum Berliner Umland (M2) – 4 P. - arbeitet Charakteristika der Flächennutzung heraus, z. B. insgesamt geringe Siedlungsdichte, größere Siedlungsbereiche vor allem im Nordwesten, ausgedehnte Wald- und Wasserflächen vor allem in der Mitte und im Nordwesten (M1, M2) – 4 P. - stellt die Verkehrsinfrastruktur des Landkreises dar (M2) – 3 P. - arbeitet die räumliche Wirtschaftsstruktur heraus, z. B. deutliche Ballung der wirtschaftlichen Schwerpunkte im Nordwesten an der Grenze zur Metropole Berlin, Gewerbeflächen in den größeren Städten, insbesondere Eisenhüttenstadt im Osten (M2) – 4 P. - stellt diese Indikatoren als typisch für einen strukturschwachen Raum heraus (M2) – 4 P.

2. Erläutern Sie das Projekt Gigafactory und die damit voraussichtlich verbundenen räumlichen, ökonomischen und sozialstrukturellen Veränderungen in der Region. (30 Punkte)

Lösung: - verweist auf günstige standörtliche Voraussetzungen Grünheides, z. B. relativ geringe Entfernung zum Ballungsraum Berlin, dünn besiedelte von großen Waldflächen geprägte Region, Lage nahe der Autobahn und der Eisenbahn, große Freiflächen bzw. leicht zu rodende Flächen, sehr niedriges Preisniveau für Industrieflächen (M2, M4) – 6 P. - verdeutlicht die aktuelle sozioökonomische Struktur des Landkreises Oder-Spree, z. B. negative Pendlerbilanz, Bevölkerungsrückgang bedingt durch stark negativen natürlichen Saldo, Überalterung der Bevölkerung, sich stabilisierender Arbeitsmarkt (M3) – 5 P. - charakterisiert das Konzept der Gigafactory: Bau eines neuen Automobilwerkes für Elektrofahrzeuge innerhalb von zwei Jahren an einem Standort mit sehr geringer industriewirtschaftlicher Tradition, Marktausrichtung Europa, zwei Ausbaustufen mit enormer Zahl an potenziellen Arbeitskräften, starke Erhöhung des Verkehrsaufkommens durch Berufspendler und Warenverkehr (M4) – 5 P. - ordnet das Projekt hinsichtlich der Beschäftigungswirksamkeit im Verhältnis zum Landkreis ein: Zahl der Beschäftigten in Ausbaustufe 2 übersteigt die Zahl der aktuell insgesamt Beschäftigten im Landkreis, Aufbau einer Großindustrie in einem wenig sekundärwirtschaftlich geprägten Raum (M3, M4) – 5 P. - hebt hervor, dass durch den Bau des Werkes ein Entwicklungsraum entsteht, der ca. die Hälfte des gesamten Landkreises Oder-Spree umfasst (M5) – 3 P. - schlussfolgert, dass durch das Projekt erhebliche Potenziale für den Arbeitsmarkt und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu erwarten sind, z. B. Zuzug von Arbeitskräften, Steigerung der Wohnraumnachfrage, notwendiger Ausbau der Bildungs- und Sozialinfrastruktur, Verjüngung der Bevölkerung (M3, M7) – 6 P.

3. Erörtern Sie, inwiefern das Projekt Gigafactory einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Entwicklung der Region leistet. (28 Punkte)

Lösung: - führt Aspekte an, die für eine positive ökonomische Entwicklung sprechen, z. B. hohe und zukünftig deutlich wachsende Bedeutung für den Arbeitsmarkt der Region, steigende Steuereinnahmen der Gemeinden und des Landkreises, hohe Investitionen im Rahmen der Bauphase, Erhöhung der Nachfrage in der Region durch hohen Zulieferbedarf (M4, M5, M7) – 5 P. - stellt die Ausbaupläne als einen ökonomisch positiven Impuls für eine insgesamt strukturschwache Region heraus (M2, M7) – 3 P. - verdeutlicht, dass es mit der Ansiedlung des Automobilwerkes zu erheblichen Ausstrahleffekten in weiten Bereichen des wirtschaftlichen Lebens des Landkreises Oder-Spree kommen könnte, z. B. positive: zahlreiche neue gut bezahlte Arbeitsplätze, weiterer Rückgang der Arbeitslosenzahl; negative: Abwerbung von qualifizierten Arbeitskräften aus bestehenden Betrieben, Rückgang der Steuereinnahmen in Gemeinden mit großer Anzahl an Umsiedlern (M6, M7) – 4 P. - hält dem die aktuellen Probleme bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften als begrenzenden Faktor in der weiteren Ausbauplanung entgegen (M8) – 3 P. - problematisiert aus ökologischer Perspektive den Bau und Ausbau des Automobilwerkes, z. B. enormer Wasserbedarf in einer von Wasserknappheit geprägten Region, Lage des Werks in Trinkwasserschutzgebieten, Verlust von Naturflächen durch Straßen- und Wohnungsbau, starke Zunahme des LKW-Verkehrs, Umweltbeeinträchtigungen durch Berufspendler (M4, M5, M7, M8) – 5 P. - merkt kritisch an, dass die Gigafactory die bereits bestehenden räumlichen Ungleichheiten zugunsten der im Berliner Umland liegenden Gemeinden verstärken dürfte (M2) – 4 P. - formuliert abschließend ein begründetes Urteil – 4 P.

Darstellungsleistung (Struktur, Beleg, Fachsprache, Sprachrichtigkeit)

Lösung: - strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung – 5 P. - bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander – 4 P. - belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.) – 3 P. - formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert – 4 P. - schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthografie, Zeichensetzung) sowie stilistisch sicher – 4 P.

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