Aufgabe 2 - Teilaufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Thema: Geladene Teilchen in elektrischen und magnetischen Feldern · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2023)

Aufgabenstellung

Manche der freien Elektronen verlassen das abzubildende Objekt in Aufwärtsrichtung und werden von einem Detektor nachgewiesen. In Abbildung 3 ist ein solcher Aufbau schematisch dargestellt, der einen Wien-Filter enthält.

Vereinfachend soll nachfolgend ein Elektronenstrahl betrachtet werden, der von oben kommt und längs der Mittelachse in den Wien-Filter gelangt, ehe er das abzubildende Objekt erreicht. Zwischen den Kondensatorplatten herrscht ein homogenes Magnetfeld, dessen Richtung sowohl zum homogenen elektrischen Feld des Plattenkondensators als auch zur Bewegungsrichtung des Elektronenstrahls senkrecht steht. Der Detektor ist hinter der rechten, durchlöcherten Kondensatorplatte angeordnet.

Teilaufgabe 1: Erzeugung und Führung des Elektronenstrahls im REM

In Abbildung 2 sind der schematische Aufbau eines REM und ein Koordinatensystem dargestellt.

Zur elektronenmikroskopischen Abbildung eines Objekts beschleunigt eine Elektronenkanone die Elektronen, und der entstehende Elektronenstrahl wird durch einen Ablenkkondensator über das Objekt geführt.

a)

• Erläutern Sie, wie eine Elektronenkanone funktioniert.

Die Spannung UBU_\text{B} muss zwingend eine Gleichspannung sein, wohingegen UHU_\text{H} sowohl Gleich- als auch Wechselspannung sein darf.

• Erklären Sie diesen Unterschied.

b)

Mit einem klassischen Ansatz ergibt sich für die Geschwindigkeit vv, mit der die Elektronen die Elektronenkanone verlassen:

v=2⋅e⋅UBm0v = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot U_\text{B}}{m_0}}

Hierbei ist m0m_0 die Ruhemasse des Elektrons und ee die Elementarladung.

• Leiten Sie diese Beziehung her.

Die Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} der Elektronenkanone eines REM lässt sich zwischen 0,10 kV0{,}10\text{ kV} und 30 kV30\text{ kV} einstellen. Liefert der obige Zusammenhang für eine gewählte Spannung UBU_\text{B} eine Geschwindigkeit v≤0,10⋅cv \le 0{,}10 \cdot c, darf man das Verhalten der Elektronen ohne relativistische Korrekturen beschreiben.

• Bestimmen Sie den größten Wert UB,maxU_{\text{B},\text{max}} der Beschleunigungsspannung, für den die Elektronen noch ohne relativistische Korrekturen beschrieben werden können.

Vom Verlassen der Elektronenkanone bis zum Auftreffen auf das Objekt durchlaufen die Elektronen im homogenen Gravitationsfeld der Erde eine vertikale Strecke h=50 cmh = 50\text{ cm}. Ein Elektron gewinnt dabei die kinetische Energie ΔEkin=m0⋅g⋅h\Delta E_\text{kin} = m_0 \cdot g \cdot h; g=9,81 m/s2g = 9{,}81\text{ m/s}^2 ist der Ortsfaktor am Standort des REM.

• Zeigen Sie, dass sich dieser Energiezuwachs im Betrieb des REM vernachlässigen lässt.

c)

Am Ablenkkondensator in Abbildung 2 ist die Spannung UAU_\text{A} angelegt.

• Geben Sie an, wie die Spannung UAU_\text{A} gepolt sein muss, damit die dargestellte Bahnkurve der Elektronen entsteht.

Der Ablenkkondensator ist ein Plattenkondensator mit Plattenabstand dd, dessen elektrisches Feld näherungsweise als homogen gelten darf. Für die konstante Beschleunigung in xx-Richtung, die Elektronen im Kondensator klassisch erfahren, gilt dann:

a=e⋅UAm0⋅da = \frac{e \cdot U_\text{A}}{m_0 \cdot d}

• Leiten Sie diese Gleichung für die Beschleunigung in xx-Richtung her.

Der Auftreffpunkt des Elektronenstrahls soll auf dem Objekt aus Abbildung 2 in einer vorgegebenen Zeitspanne vom linken zum rechten Objektende wandern.

• Erklären Sie, weshalb sich das mit einer passend gewählten zeitabhängigen Ablenkspannung UA(t)U_\text{A}(t) verwirklichen lässt.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a) • Erläutern Sie, wie eine Elektronenkanone funktioniert.

Lösung: Mit einer Heizspannung UHU_\text{H} wird die Temperatur in der Glühwendel so weit erhöht, dass Elektronen austreten (glühelektrischer Effekt). Diese freien Elektronen bilden eine Elektronenwolke um die Glühwendel herum. Mit einer zwischen Glühwendel und Lochanode angelegten Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} werden die freien Elektronen beschleunigt.

a) • Die Spannung UBU_\text{B} muss zwingend eine Gleichspannung sein, wohingegen UHU_\text{H} sowohl Gleich- als auch Wechselspannung sein darf. Erklären Sie diesen Unterschied.

Lösung: Für eine Beschleunigung der aus der Glühwendel austretenden Elektronen muss dauerhaft ein elektrisches Feld vorliegen, das von der Lochanode zur Glühwendel gerichtet ist. Für ein solches Feld ist eine Gleichspannung UBU_\text{B} notwendig. Für die Erwärmung der Glühwendel ist ein durch diese fließender Gleich- oder Wechselstrom nötig. Folglich kann die Spannung UHU_\text{H} als Gleich- oder Wechselspannung vorliegen.

b) • Leiten Sie diese Beziehung her: v=2⋅e⋅UBm0v = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot U_\text{B}}{m_0}}.

Lösung: Die potenzielle Energie Epot=e⋅UBE_\text{pot} = e \cdot U_\text{B} im elektrischen Feld wird beim Durchlaufen der Beschleunigungsspannung in kinetische Energie Ekin=12⋅m0⋅v2E_\text{kin} = \frac{1}{2} \cdot m_0 \cdot v^2 umgewandelt. Damit folgt: Epot=Ekin⇒e⋅UB=12⋅m0⋅v2⇒v=2⋅e⋅UBm0E_\text{pot} = E_\text{kin} \Rightarrow e \cdot U_\text{B} = \frac{1}{2} \cdot m_0 \cdot v^2 \Rightarrow v = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot U_\text{B}}{m_0}}

b) • Bestimmen Sie den größten Wert UB,maxU_{\text{B},\text{max}} der Beschleunigungsspannung, für den die Elektronen noch ohne relativistische Korrekturen beschrieben werden können.

Lösung: 2,6⋅103 V2{,}6\cdot 10^{3}\text{ V} / 2,6 kV2{,}6\text{ kV}

b) • Zeigen Sie, dass sich dieser Energiezuwachs im Betrieb des REM vernachlässigen lässt.

Lösung: Die Elektronen verlassen die Elektronenkanone mit einer kinetischen Energie von mindestens Ekin,min=0,10⋅103 eVE_{\text{kin},\text{min}} = 0{,}10 \cdot 10^3\text{ eV} (Betrieb des REM mit UB,min=0,10 kVU_{\text{B},\text{min}} = 0{,}10\text{ kV}). Einsetzen der Werte in den gegebenen Zusammenhang liefert ΔEkin=2,8⋅10−11 eV\Delta E_\text{kin} = 2{,}8 \cdot 10^{-11}\text{ eV} (bzw. ΔEkin≈4,47⋅10−30 J\Delta E_\text{kin} \approx 4{,}47 \cdot 10^{-30}\text{ J}). Dieser Wert ist deutlich kleiner als der oben genannte Minimalwert. Der Zuwachs der kinetischen Energie aufgrund der Bewegung im Gravitationsfeld der Erde kann demnach vernachlässigt werden.

c) • Geben Sie an, wie die Spannung UAU_\text{A} gepolt sein muss, damit die dargestellte Bahnkurve der Elektronen entsteht.

Lösung: Die Ablenkspannung UAU_\text{A} muss so gepolt sein, dass die rechte Kondensatorplatte positiv gegenüber der linken Kondensatorplatte geladen ist.

c) • Leiten Sie diese Gleichung für die Beschleunigung in xx-Richtung her: a=e⋅UAm0⋅da = \frac{e \cdot U_\text{A}}{m_0 \cdot d}.

Lösung: Im homogenen elektrischen Feld zwischen den Kondensatorplatten erfährt ein Elektron die horizontale Beschleunigung: a=Felm0=e⋅Em0=e⋅UAm0⋅da = \frac{F_\text{el}}{m_0} = \frac{e \cdot E}{m_0} = \frac{e \cdot U_\text{A}}{m_0 \cdot d}

c) • Erklären Sie, weshalb sich das mit einer passend gewählten zeitabhängigen Ablenkspannung UA(t)U_\text{A}(t) verwirklichen lässt.

Lösung: Die Lage des Auftreffpunkts ist von Betrag und Richtung der horizontalen Beschleunigung abhängig, die wiederum von Betrag und Polung der Ablenkspannung abhängig sind. Durch eine geeignete Veränderung von Betrag und Polung der Ablenkspannung innerhalb der Zeitspanne kann die Lage des Auftreffpunkts folglich beliebig zwischen dem linken und dem rechten Ende des Objekts gewählt werden.

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