Aufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · 3D-Metalldruck 2025

Thema: Geladene Teilchen in elektrischen und magnetischen Feldern · Aus der Prüfung LK · 3D-Metalldruck (2025)

Aufgabenstellung

Material 1: Aufbau des Geräts zum Elektronenstrahlschmelzen

Beim Herstellungsprozess eines Bauteils wird das Metallpulver in der Arbeitsebene dadurch geschmolzen, dass durch einen Elektronenstrahl Energie übertragen wird. Nach dem Schmelzvorgang kühlt das Pulver ab und bildet feste Metallstrukturen.

Der Weg des Elektronenstrahlbündels ist in Abbildung 1 schematisch dargestellt. Im Abschnitt I des Elektronenstrahlsystems wird die Geschwindigkeit der Elektronen erhöht. Die elektrostatische Linse im Abschnitt II dient dazu, den Elektronenstrahl in einem Punkt der Arbeitsebene zu konzentrieren. Durch den Ablenkmagneten im Abschnitt III kann der Auftreffort der Elektronenstrahlen in der Arbeitsebene verschoben werden.

Abb. 1: Weg des Elektronenstrahls

Im Elektronenstrahlsystem treten Elektronen am Ende des Beschleunigungsabschnittes als Elektronenstrahlbündel aus der kreisförmigen Öffnung aus, siehe Abbildung 2. Der sogenannte Wehneltzylinder ist eine zylinderförmige Röhre, welche die Elektronenquelle umschließt. In Abbildung 2 ist der Wehneltzylinder räumlich dargestellt.

Abb. 2: Schematische Darstellung des Beschleunigungsabschnitts des Elektronenstrahlsystems

Material 2: Elektrostatische Linse

Im linken Teil der Abbildung 3 ist der Aufbau und die Funktion der elektrostatischen Linse dargestellt. Sie besteht aus zwei Metallröhren als Elektroden mit gemeinsamer Symmetrieachse S, die durch einen Spalt getrennt sind und sich auf unterschiedlichem elektrischem Potenzial befinden. Die elektrostatische Linse dient zur Bündelung der Elektronenstrahlen.

Der rechte Teil der Abbildung 3 zeigt eine Detailvergrößerung des Spaltbereichs. Die elektrischen Feldlinien sind im Inneren des Zylinders schematisch dargestellt. Der Spaltbereich wird durch eine gestrichelte Linie in eine obere und untere Hälfte unterteilt. Der Verlauf des Elektronenstrahls vom Bereich P1P_1 zum Bereich P2P_2 ist idealisiert abgebildet.

Material 3: Ablenkung des Elektronenstrahls

Zur Ablenkung des Elektronenstrahls wird ein homogenes magnetisches Feld mit der Breite b=9,0 cmb = 9{,}0\text{ cm} verwendet, dessen Feldlinien senkrecht aus der Zeichenebene heraus gerichtet sind, siehe Abbildung 4.

Die Elektronen treten mit einer Geschwindigkeit von 2,4⋅107 ms2{,}4 \cdot 10^7\ \frac{\text{m}}{\text{s}} in das Magnetfeld ein und werden um einen Winkel von α=11∘\alpha = 11^\circ aus ihrer ursprünglichen Bewegungsrichtung abgelenkt.

Die Abbildung ist nicht maßstäblich.

Abb. 4: Ablenkung des Elektronenstrahls

Material 4: Technische Daten einer Elektronenschmelzanlage

Tab. 1: Technische Daten der Elektronenschmelzanlage ARCAM Q20plus

2 Zur Bündelung der Elektronenstrahlen wird eine elektrostatische Linse verwendet, siehe Material 2.

a

Erklären Sie anhand der Abbildung 3 in Material 2, dass die Wirkung der elektrischen Kraft in P1P_1 den Elektronenstrahl zur Symmetrieachse S hin und in P2P_2 weg von ihr lenkt.

[4 BE]

b

Bei der elektrostatischen Linse überwiegt die Ablenkung der Elektronenstrahlen zur Symmetrieachse S hin.

Stellen Sie die wirkenden elektrischen Kräfte F1F_1 und F2F_2, welche auf Elektronen in P1P_1 und in P2P_2 wirken, in Abbildung 3 als Kraftpfeile dar.

Begründen Sie die Ablenkung des Elektronenstrahls qualitativ anhand der elektrischen Kräfte F1F_1 und F2F_2 und der Aufenthaltszeit der Elektronen in den Bereichen um P1P_1 und um P2P_2.

[6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · 3D-Metalldruck 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a Erklären Sie anhand der Abbildung 3 in Material 2, dass die Wirkung der elektrischen Kraft in P1 den Elektronenstrahl zur Symmetrieachse S hin und in P2 weg von ihr lenkt.

Lösung: Die elektrische Kraft im elektrischen Feld ist tangential zu den Feldlinien gerichtet. Die Kraft, die auf die Elektronen wirkt, weist in die entgegengesetzte Richtung wie die Feldlinien, bei P1P_1 also nach links unten und damit zur Elektronenstrahlmitte hin, bei P2P_2 nach rechts unten und damit von der Elektronenstrahlmitte weg.

b Begründen Sie die Ablenkung des Elektronenstrahls qualitativ anhand der elektrischen Kräfte F1 und F2 und der Aufenthaltszeit der Elektronen in den Bereichen um P1 und um P2.

Lösung: Um P1P_1 ist die Feldliniendichte größer als um P2P_2, weshalb auch die Feldstärke und damit die Kraft F1F_1 größer ist als die Kraft F2F_2. In der elektrostatischen Linse werden die Elektronen zur positiv geladenen Röhre hin beschleunigt. Deshalb sind sie im Bereich um P2P_2 schneller als im Bereich um P1P_1, weshalb die elektrische Kraft in P2P_2 eine geringere Zeit wirkt als die elektrische Kraft in P1P_1.

b Stellen Sie die wirkenden elektrischen Kräfte F1 und F2, welche auf Elektronen in P1 und in P2 wirken, in Abbildung 3 als Kraftpfeile dar.

Lösung: Kraftpfeile in P1P_1 und P2P_2: - In P1P_1: Pfeil F⃗1\vec{F}_1 tangential zur Feldlinie entgegengesetzt zu den Pfeilspitzen der Feldlinie (nach links unten gerichtet, zur Achse hin), länger gezeichnet als in P2P_2. - In P2P_2: Pfeil F⃗2\vec{F}_2 tangential zur Feldlinie entgegengesetzt zur Feldlinienrichtung (nach rechts unten gerichtet, von der Achse weg), kürzer gezeichnet als F⃗1\vec{F}_1.

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