Aufgabe 2 · Abitur NRW Geschichte GK · Nachtermin 2021

Thema: Nationalsozialismus: Ideologie, Herrschaft und Verbrechen · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2021)

Aufgabenstellung

Abiturprüfung 2021 – Geschichte, Grundkurs

Aufgabenstellung:

Interpretieren Sie die vorliegende Quelle, indem Sie

1.

die Quelle analysieren, (26 Punkte)

2.

sie in den Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland einordnen (14 Punkte) und auf der Grundlage des Textes das nationalsozialistische Frauenbild erläutern (14 Punkte), (28 Punkte)

3.

die Position von Goebbels bewerten. (26 Punkte)

Materialgrundlage:

Joseph Goebbels: Deutsches Frauentum. Eröffnungsrede zur Ausstellung „Die Frau“ am 18. März 1933 in Berlin. In: Ders.: Signale der Neuen Zeit – 25 ausgewählte Reden von Joseph Goebbels, München, 8. Auflage 1940 (¹1934), S. 118 – 126. (Rechtschreibung und Hervorhebungen wie im Original)

Hinweise zum Material: Der vollständige Titel der Ausstellung lautete „Die Frau in Familie, Haus und Beruf“.

Textquelle: Joseph Goebbels (18. März 1933)

Deutsche Frauen, Deutsche Männer!

1 Ich möchte einen glücklichen Zufall darin sehen, daß ich meine erste öffentliche Rede nach Übernahme des Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda grade vor deutschen Frauen halten darf. Wenn ich mich auch zu Treitschkes 1 Wort, daß Männer die Geschichte machen, bekenne, so vergesse ich dabei nicht, daß es die Frauen sind, die unsere Jungen zu

5 Männern erziehen. Es wird Ihnen bekannt sein: die nationalsozialistische Bewegung hält als einzige Partei die Frau aus der unmittelbaren Tagespolitik fern. Sie ist deshalb in vielfacher Beziehung bitter befehdet und angefeindet worden; und das sehr zu unrecht. Nicht, weil wir die Frauen nicht achteten, sondern weil wir sie zu hoch achteten, haben wir sie aus dem parlamentarisch-demokratischen Ränkespiel, das die Politik der ver-

10 gangenen vierzehn Jahre in Deutschland bestimmte, ferngehalten. Nicht, weil wir in der Frau etwas Minderwertiges, sondern weil wir in ihr und in ihrer Mission etwas Anderwertiges sehen, als die Bestimmung, die den Mann erfüllt. […]

Auch heute bedeutet die Frau im öffentlichen Leben nichts anderes als zu anderen Zeiten.

15 Niemand, der die moderne Zeit versteht, wird den aberwitzigen Gedanken fassen können, die Frau aus dem öffentlichen Leben, aus Arbeit, Beruf und Broterwerb herausdrängen zu wollen. Aber es darf dabei nicht ungesagt bleiben, daß Dinge, die dem Mann gehören, auch dem Mann bleiben müssen. Und dazu gehört die Politik und die Wehr. Das ist kein absprechendes Urteil über die

20 Frau, sondern nur ein Verweisen ihrer Fähigkeiten und Anlagen in die Gebiete der Arbeit und der Betätigung, die ihrem Wesen am nächsten entsprechen.

[…] Eine Verweiblichung des Mannes zieht immer eine Vermännlichung des Weibes nach sich. Eine Zeit, die alle großen Ideale der Tugend, des Trotzes, der Härte und Entschlossenheit vergessen läßt, darf sich dann am Ende nicht darüber wundern, daß der Mann seine

25 überragende Stellung im Leben der Politik und der öffentlichen Staatsführung nach und nach an die Frau verliert. […]

Die moderne Zeit mit all ihren großen revolutionären Umwälzungen auf dem Gebiete der Staatsschau, der Politik, der Wirtschaft und der sozialen Haltung ist auch nicht spurlos an der Frau und ihrer Stellung im öffentlichen

30 Leben vorbeigegangen. Dinge, die wir vor einigen Jahren oder Jahrzehnten noch für unmöglich hielten, gehören heute zu den Alltäglichkeiten. Vieles Gute, Edle und Begrüßenswerte hat sich in diesen Jahren durchgesetzt. Aber zugleich damit auch vieles Verächtliche und Demütigende. Die Frau ist zum großen Teil in diesen revolutionären Umwälzungen ihren eigentlichen Aufgaben entzogen worden. […]

35 Gerade während der letzten Jahre hat sich unter den deutschen Frauen eine große Wandlung vollzogen. Sie beginnen wieder einzusehen, daß sie nicht glücklicher dabei werden, daß man ihnen mehr Rechte und weniger Pflichten gab. Sie wissen bereits, daß das Vorrecht, in eine öffentliche Körperschaft gewählt zu werden, eingetauscht für das Anrecht auf Leben, Mutterschaft und tägliches Brot ein Danaergeschenk ist, das des Mitnehmens nicht wert er-

40 scheint.

Eine der charakteristischen Eigenschaften der Gegenwart ist der immer rascher ansteigende Geburtenrückgang in unseren Großstädten. […] Die Regierung ist fest entschlossen, diesem Verfall der Familie und der blutmäßigen Verarmung des Volkes Einhalt zu gebieten. Hier muß ein grundlegender Wandel geschaffen werden. Die liberale Einstellung zu Familie und

45 Kind ist mitschuldig daran, daß Deutschland während weniger Jahre so tief sinken konnte […].

Wir tragen in uns die blinde Überzeugung, daß Deutschland auch vor der Welt noch eine große Mission zu erfüllen hat. Wir sind des Glaubens, daß wir nicht am Ende unserer Geschichte stehen, daß vielmehr ein neuer, großer und ehren-

50 voller Abschnitt unserer Geschichte wieder beginnt. Dieser Glaube gibt uns die Kraft, zu arbeiten und nicht zu verzweifeln. Er hat uns vierzehn Jahre lang die unerhörtesten Opfer bringen lassen. Er gab all den Millionen deutscher Frauen die Kraft, auf Deutschland und seine Zukunft zu hoffen, ihre Söhne mitwirken zu lassen am Wiedererwachen der Nation. Dieser Glaube stand bei jenen tapferen

55 Frauen, die im Kriege ihre Männer und Ernährer verloren, bei jenen, die im Kampfe um die Wiedererneuerung unseres Volkes ihre Söhne als Unterpfand der deutschen Zukunft für die Nation hingaben. Dieser Glaube ließ sie aufrecht bleiben in der Not und in der Verzweiflung der vergangenen vierzehn Jahre. Und dieser Glaube erfüllt sie heute mit neuer Hoffnung, da über Deutschland wieder die

60 Sonne aufgeht.

Nichts macht härter und entschlossener, als der Kampf. Nichts gibt mehr Mut, als der Trotz. In den Jahren, da Deutschland dem Verfall geweiht schien, ist längst unter der Tünche des modernen Zivilisationsrummels ein neues Frauengeschlecht aufgestanden. Hart, entschlossen, mutig und opferbereit, so haben deutsche Frauen und Mütter die vergangenen vier Jahre des

65 großen Krieges und die darauffolgenden vierzehn Jahre des deutschen Zusammenbruchs als aufrechte Gefährtinnen des Mannes auf sich genommen, haben alle Bitterkeiten ertragen, hielten aus in Not und Gefahr und verzagten auch nicht, wenn sie von Unglück, Kummer und Bedrängnis geschlagen wurden. Solange ein Land ein so stolzes und hochgemutes Frauengeschlecht hat, solange kann es nicht untergehen. Denn in diesen Frauen

70 liegt das Unterpfand seiner Rasse, seines Blutes und seiner Zukunft. […]

1 Treitschke, Heinrich von (1834 – 1896): einflussreicher deutscher Historiker

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Geschichte GK · Nachtermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. die Quelle analysieren, (26 Punkte)

Lösung: Individuelle Ausarbeitung gemäß den zentralen Anforderungen der Quellenanalyse.

2. sie in den Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland einordnen (14 Punkte) und auf der Grundlage des Textes das nationalsozialistische Frauenbild erläutern (14 Punkte), (28 Punkte)

Lösung: Individuelle Ausarbeitung zur historischen Kontextualisierung und zum nationalsozialistischen Frauenbild.

3. die Position von Goebbels bewerten. (26 Punkte)

Lösung: Individuelle differenzierte historische und normative Urteilsbildung.

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe 2 · LK · Nachtermin 2022 · Aufgabe 2 · GK · Nachtermin · bilingual Englisch 2021 ›

Mehr Aufgaben zu Nationalsozialismus: Ideologie, Herrschaft und Verbrechen