Aufgabe NT 1 - Teilaufgabe 4 · Abitur NRW Französisch LK · Nachtermin · fortgeführt 2021
Thema: Sprachmittlung Deutsch → Französisch (Médiation) · Aus der Prüfung LK · Nachtermin · fortgeführt (2021)
Aufgabenstellung
Klausurteil B: Sprachmittlung isoliert
Klausurteil B
David Gutensohn
Der mit den Regenwürmern spricht
Alle wollen Umweltschutz, bio und junge Landwirte. Doch wenn einer wie Johannes Erz
seinen eigenen Hof gründet, wird er kaum gefördert. Deshalb protestiert er in Berlin.
[...] Erz ist Existenzgründer. 35 Jahre alt, studiert, ein sogenannter Junglandwirt. In Rathstock,
einem 180-Einwohner-Dorf wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, hält er
5 250 Hühner, zwei Hunde und drei Pferde. Dazu kommen zehn Hektar Land, auf denen er
Kürbisse und Kartoffeln anbaut. An diesem Samstag müssen seine Hunde Aika und Feli auf
den Hof aufpassen. Erz wird mit seinem Traktor 84 Kilometer bis nach Berlin fahren. Dort
will er gegen den Schwund der Bauernhöfe demonstrieren. Und für die Agrarwende – also
für eine ökologischere Landwirtschaft. Denn das ist sein Geschäft.
10 Laut dem Deutschen Bauernverband gibt es aktuell 266.700 landwirtschaftliche Betriebe in
Deutschland – 42 Prozent weniger als im Jahr 1999. Damit hat deutlich mehr als jeder dritte
Bauernhof in Deutschland aufgegeben. Trotz der steigenden EU-Subventionen sind viele
Höfe nicht rentabel und oft fehlt ihnen der Nachwuchs. Die Folge: Es gibt immer weniger,
dafür aber immer größere Bauernhöfe. Aus Sicht von Umweltschützerinnen und Biobauern,
15 die am Samstag demonstrieren, ist das ein Problem. Denn industrielle Großbetriebe setzen
häufiger Pestizide, Herbizide und Insektizide ein, tragen damit ihren Teil zum Bienensterben
bei. Sie schädigen mit ihrer Dauerbewirtschaftung, der ständigen Wiederbepflanzung, die
Bodenfruchtbarkeit und können mit ihrer Größe oft keine artgerechte Tierhaltung garantieren.
Kaum Subventionen für nachhaltige Kleinbetriebe
20 Die Politik könnte dem entgegenwirken und speziell kleine Höfe und nachhaltigen Bio-Anbau
fördern, zumindest fordern das Landwirtschaftsverbände und die Grünen – und Erz, schließ-
lich hat er selbst so einen Hof. In diesem Jahr legt die EU auf der Agrarministerkonferenz
in Koblenz die Fördermittel für Bauernhöfe für die Jahre 2021 bis 2027 fest. Erz hofft auf
ein Jahr der kleinen ökologischen Betriebe.
25 Heute kniet Erz auf einer Wiese, neben einem Spaten, den er gerade in den Boden gerammt
hat. Er dreht den Spaten, greift mit seinen bloßen Händen in die Erde und blickt auf einen
Klumpen. „Da sind sie zu sehen, meine vielen Mitarbeiter. Und ihr seid wieder fleißig“, sagt
Erz. Er deutet mit matschigen Fingern auf drei kleine Regenwürmer, die aus dem Klumpen
herausragen. Sie streiken nicht, machen keine Pause, arbeiten Tag und Nacht. Sie lockern den
30 Boden auf natürliche Weise, sorgen dafür, dass er fruchtbar wird. „Wenn man sie lässt und
nicht mit chemischem Dünger tötet“, sagt Erz.
[...]
Als Kleinbauer profitiert Erz kaum von den Agrarsubventionen der EU. Je größer ein Betrieb,
je mehr Hektar Anbaufläche, desto höher die Förderung. Oder, in den Worten von Erz: „Wer
35 viel hat, dem wird viel gegeben.“ Aktuell gehen 80 Prozent der Subventionen an 20 Prozent
der Betriebe. Und: Die Gelder sind weitgehend unabhängig davon, wie Betriebe das Land
bewirtschaften. Egal ob sie nachhaltig anbauen oder für kurzfristige Gewinne der Umwelt
schaden. Erz, der mit gerade einmal 3,5 Hektar seinen Betrieb gründete, erhielt im Jahr 2018
knapp 2.500 Euro Agrarsubventionen. Ein Großbetrieb im Nachbarort wird jährlich mit mehr
40 als einer Million gefördert, eben weil dieser ein Vielfaches der Fläche bewirtschaftet. Ohne
bio, dafür mit Pestiziden und Massenställen.
Was junge Landwirte fordern
Gemeinsam werden Umweltverbände, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)
und die Grünen an diesem Samstag deshalb demonstrieren. Sie werden ein deutsches Veto
45 zum Freihandelsabkommen Mercosur mit Südamerika fordern – denn sie fürchten durch den
Wegfall der Zölle Billigimporte, zum Beispiel von Rindfleisch und Zucker. Und sie werden
sich für eine Umverteilung der Gelder im anstehenden Förderhaushalt der EU einsetzen. Auch
die SPD fordert eine stärkere Kopplung der Gelder an Auflagen zum Umwelt- und Tierschutz.
Erz hofft, dass Betriebe wie seiner davon profitieren würden. Und er hofft, dass die Beschlüsse
50 dazu führen, dass künftig mehr junge Landwirte zu Gründern werden können. [...]
4. Clothilde, votre correspondante, porte un grand intérêt à l’agriculture et a appris que des manifestations contre la politique agricole avaient lieu en Allemagne. Elle souhaite en savoir plus. Vous avez repéré un article en ligne et vous lui expliquez dans un e-mail pourquoi les agriculteurs descendent dans la rue. Rédigez cet e-mail. (médiation) [18 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
4. Clothilde, votre correspondante, porte un grand intérêt à l’agriculture et a appris que des manifestations contre la politique agricole avaient lieu en Allemagne. Elle souhaite en savoir plus. Vous avez repéré un article en ligne et vous lui expliquez dans un e-mail pourquoi les agriculteurs descendent dans la rue. Rédigez cet e-mail. (médiation)
Lösung: Exemple de courriel : Chère Clothilde, J'ai bien reçu ton message où tu me demandais des explications sur les manifestations d'agriculteurs en Allemagne. En faisant des recherches, je suis tombé(e) sur un article très éclairant à ce sujet. En fait, la situation de l'agriculture en Allemagne est devenue très difficile. Au cours des vingt dernières années, le nombre de fermes a diminué de plus de 40 %. Beaucoup de petites et moyennes exploitations doivent mettre la clé sous la porte par manque de rentabilité ou faute de repreneurs. Ainsi, le paysage agricole se concentre autour de très grandes exploitations de plus en plus industrialisées. C'est précisément l'une des raisons principales de la colère des agriculteurs : les subventions de l'Union européenne favorisent presque exclusivement la taille des exploitations plutôt que des critères de qualité écologique ou de bien-être animal. 80 % des aides financières vont à 20 % des exploitations les plus grandes. Les petites fermes biologiques, comme celle de Johannes Erz présentée dans l'article, ne reçoivent presque rien, alors que les méga-fermes conventionnelles reçoivent des millions tout en utilisant des pesticides néfastes pour les abeilles et en pratiquant l'agriculture intensive qui épuise les sols. Par ces manifestations, les agriculteurs réclament donc une véritable transition écologique ("Agrarwende") et une répartition équitable des subventions européennes (liées aux efforts environnementaux et durables). Ils demandent également au gouvernement allemand d'opposer son veto à l'accord de libre-échange Mercosur avec l'Amérique du Sud, car ils redoutent l'arrivée massive d'importations à bas prix de viande bovine et de sucre qui accentueraient la concurrence déloyale. J'espère que ces explications t'aideront à mieux comprendre le mouvement ! À très bientôt, [Ton prénom]
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