Aufgabe NT 2 - Teilaufgabe 4 · Abitur NRW Französisch LK · Nachtermin · fortgeführt 2021

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Französisch (Médiation) · Aus der Prüfung LK · Nachtermin · fortgeführt (2021)

Aufgabenstellung

Klausurteil B: Sprachmittlung isoliert

4. Votre correspondant doit préparer un exposé pour son cours de sociologie au lycée sur le thème de l'intégration des migrants en Europe. Afin de l'aider, vous avez cherché des informations sur Internet et êtes tombé(e) sur l'article « Klingt paradox, aber dieser Experte sagt: Weil Integration GUT klappt, gibt es Konflikte ». Vous écrivez un e-mail à votre correspondant pour lui présenter les idées principales de l'auteur. (médiation) [18 Punkte]

Klausurteil B

Felix Huesmann

Interview: Klingt paradox, aber dieser Experte sagt: Weil Integration GUT klappt, gibt es Konflikte

[...] Sie 1 sind als Kind syrischer Einwanderer in Deutschland aufgewachsen. Haben

Sie [...] rassistische Diskriminierung als Kind auch erlebt?

Ja, ich habe damals beispielsweise auch keine Gymnasial-Empfehlung bekommen. Auf dem

Gymnasium war ich dennoch, weil mein Vater das so entschieden und mich dort angemel-

5 det hat. Ich habe allerdings selten ganz eindeutig beabsichtigte Diskriminierung erlebt. Viel

wesentlicher waren Situationen, die nicht so einfach zu deuten sind. Mit offener, eindeutiger

Diskriminierung ist es einfacher umzugehen, weil man immer noch die Deutungshoheit hat,

[...].

Was ich viel öfter erlebt habe war das, was Wissenschaftler Erklärungsunsicherheit nennen.

10 Man fragt sich andauernd, warum man gerade schlecht behandelt wird. Das macht einen fertig,

weil man die ganze Zeit unsicher ist, ob man diskriminiert wird, oder ob es doch an einem

selbst liegt. [...]

Was für Auswirkungen hat das auf Kinder?

Kinder werden ambitioniert, wenn sie oft Erfolge erleben. Andererseits resignieren sie durch

15 regelmäßige Misserfolge. Je öfter Kinder eine Erklärungsunsicherheit verspüren, und je häufi-

ger sie offene Diskriminierung erfahren, desto eher resignieren sie.

Und da Menschen ungerne resignieren, schließen sie sich dann etwas anderem an. Das kann

alles sein, was ihnen positiven Selbstwert gibt und was ihnen vorher fehlte. [...]

Man muss sich im Klaren darüber sein, dass Diskriminierung durch Lehrer oder auch Poli-

20 zisten viel schwerer wiegt, weil sie Repräsentanten des Staates sind und sich gerade Jugend-

liche dann schnell die Frage stellen: „Ist die Diskriminierung staatlich gewollt?“ Deshalb

muss man an staatliche Institutionen andere Maßstäbe heranziehen als im Zusammenleben

von Menschen im Alltag.

Und wie kommen wir aus dieser Situation wieder raus?

25 Was in anderen Ländern gut funktioniert, ist, über eine emotionale Ebene klarzumachen, dass

die Kinder dazugehören. Häufig funktioniert das über eine Form von Patriotismus. Wenn man

das nach Deutschland übertragen würde, müssten Lehrer den Kindern von klein auf sagen:

„Du bist Deutscher, natürlich bist Du Deutscher. Wir sind alle Deutsche!“ [...]

Im Kern geht es also darum, Kindern mit Migrationshintergrund zu vermitteln: Ihr seid

30 Teil des „Wir“?

Ja, das ist das Eine. Es gibt aber noch etwas Anderes, was Lehrer tun könnten. Man könnte

die Kinder bereits in der Grundschule regelmäßig und ohne einen besonderen Anlass erzählen

lassen, welche Diskriminierungserfahrungen sie in der vergangenen Woche gemacht haben.

Das würde einen Raum schaffen, über solche Erlebnisse zu sprechen. Auch wenn Kinder von

35 Mitschülern oder Lehrern diskriminiert werden, wüssten sie: In ein paar Tagen kann ich

darüber reden. Davon profitieren am Ende alle [...].

Eine positive Demonstration dieser Unterschiedlichkeit findet ja längst statt. Grundschulen

feiern mittlerweile permanent sowas wie interkulturelle Frühstücke. Das ist im Schulalltag

angekommen. Die negativen Seiten – wie etwa Diskriminierungserfahrungen – werden aber

40 oft vollständig ausgespart. Das Problem daran ist, dass das nicht glaubwürdig wirkt. Denn die

negativen Seiten erleben die Kinder in jedem Fall auch. Und sie brauchen das Gefühl, dass

ihre Bedürfnisse und Sorgen ernst genommen werden.

[...] In Ihrem kürzlich erschienen Buch „Das Integrationsparadox“ schreiben Sie, dass

die Integration in Deutschland gut funktioniere – und dass gerade dadurch Konflikte

45 entstehen. Wie meinen Sie das?

Integration bedeutet, wenn man den Begriff wirklich ernst nimmt, dass „neue“ Teile ein Teil

des Ganzen werden. Dadurch verändert sich aber das Ganze – unsere Gesellschaft. Und Ver-

änderung führt zu Reibung, zu Konflikten. [...] Unsere Gesellschaft hat sich viel stärker durch

gut integrierte, als durch schlecht integrierte Migranten verändert.

50 Das führt häufig zu Spannungen in dem Teil der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Und bei den Menschen mit Migrationshintergrund gibt es einen ähnlichen Effekt: Die können

sich heute nicht nur besser Gehör verschaffen, sondern sind selbstbewusster und auch sensib-

ler, wenn es um das Erkennen von Diskriminierung geht. [...]

1 Sie: Aladin El-Mafaalani, seit 2019 Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück

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Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

4. Votre correspondant doit préparer un exposé pour son cours de sociologie au lycée sur le thème de l'intégration des migrants en Europe. Afin de l'aider, vous avez cherché des informations sur Internet et êtes tombé(e) sur l'article « Klingt paradox, aber dieser Experte sagt: Weil Integration GUT klappt, gibt es Konflikte ». Vous écrivez un e-mail à votre correspondant pour lui présenter les idées principales de l'auteur. (médiation)

Lösung: Un e-mail rédigé en français adressé au correspondant, structuré de manière adaptée (formules de salutation, objet, corps du texte, conclusion amicale). Le texte doit résumer de manière synthétique et claire les idées majeures d'Aladin El-Mafaalani : - L'explication du « paradoxe de l'intégration » : une intégration réussie modifie la société dans son ensemble (« de nouveaux éléments deviennent partie intégrante du tout »), ce qui engendre des frottements, des débats et des conflits avec la population majoritaire. - L'émancipation des personnes issues de l'immigration : mieux intégrées, elles se font davantage entendre, ont plus confiance en elles et sont plus conscientes et sensibles aux discriminations. - Les pistes et méthodes proposées pour favoriser l'intégration et lutter contre les discriminations : éviter les discriminations institutionnelles (enseignants, police), renforcer le sentiment d'appartenance (« faire partie du 'nous' »), offrir à l'école un espace de parole régulier et dédramatisé pour évoquer le vécu de discriminations et valoriser la diversité.

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