Aufgabe Vorschlag D - Naturstoffe: Kohlenhydrate, Fette,… · Abitur Hessen Chemie GK 2022

Thema: Naturstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Aminosäuren und Peptide · Aus der Prüfung GK (2022)

Aufgabenstellung

Organische Säuren

Neben den bekannten Alkansäuren findet man die für organische Säuren charakteristische funktionelle Gruppe unter anderem auch bei den Aminosäuren, den sogenannten Zuckersäuren sowie beispielsweise bei den Halogencarbonsäuren.

Aminosäuren sind biologisch bedeutende organische Säuren, die als Grundbausteine der Proteine gleichzeitig für die Vielfalt der Proteine verantwortlich sind. Alle Aminosäuren haben einen gemeinsamen Grundbauplan.

Ein Beispiel für eine Zuckersäure ist D-Galacturonsäure, die sich vom Monosaccharid D-Galactose ableitet. D-Galacturonsäure ist in geringen Mengen insbesondere in edelsüßem Weißwein enthalten. D-Galacturonsäure entsteht durch Gärungsvorgänge aus dem Polysaccharid Pektin.

Bromethansäure wurde früher als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet, ist aber mittlerweile verboten. Heute kommt diese Säure als Ausgangsstoff bei der Arzneimittelproduktion zum Einsatz.

Material 1

Natürlich vorkommende Aminosäuren (nur die Reste sind angegeben)

Name

Rest

Asparaginsäure

– CH₂ – COOH

Glutaminsäure

– CH₂ – CH₂ – COOH

Glycin

– H

Leucin

– CH₂ – CH(CH₃)₂

Threonin

– CH(OH) – CH₃

Valin

– CH(CH₃)₂

Material 2

Biochemische Synthese von zwei Aminosäuren

Ausgehend von Fumarsäure lassen sich in einer zweistufigen biochemischen Synthese mithilfe von Enzymen (Biokatalysatoren) zwei verschiedene Aminosäuren herstellen.

Schritt 1:

Fumarsäure reagiert in einer Additionsreaktion mit Ammoniak (NH3\text{NH}_3) zu einer Aminosäure.

Schritt 2:

Die in Schritt 1 entstandene Aminosäure reagiert zu einer zweiten Aminosäure. Bei dieser Reaktion wird ein Molekül Kohlenstoffdioxid abgespalten.

Material 3

Aufgabe 4.1 [9 BE]

a)

Beschreiben Sie den allgemeinen Aufbau einer Aminosäure.

b)

Zeichnen Sie mithilfe von Material 1 jeweils die Fischer-Projektion für Glycin und für L-Valin und benennen Sie die beiden Aminosäuren gemäß der IUPAC-Nomenklatur.

c)

Erklären Sie, dass es von Glycin keine Enantiomere gibt.

Aufgabe 4.3 [7 BE]

a)

Formulieren Sie einen Strukturformelausschnitt aus einer Aminosäurekette mit der Abfolge Glycin, Threonin, Leucin, Asparaginsäure.

b)

Benennen Sie die im Strukturformelausschnitt vorkommenden funktionellen Gruppen.

Aufgabe 4.4 [10 BE]

a)

Benennen Sie den Ausgangsstoff Fumarsäure (Material 2) gemäß der IUPAC-Nomenklatur.

b)

Formulieren Sie jeweils eine Reaktionsgleichung für die beiden Syntheseschritte (Schritt 1 und Schritt 2) aus Material 2. Verwenden Sie für die organischen Verbindungen Strukturformeln.

c)

Beschreiben Sie eine Nachweisreaktion für Kohlenstoffdioxid und geben Sie hierfür eine Reaktionsgleichung an.

Aufgabe 4.5 [9 BE]

a)

Zeichnen Sie mithilfe von Material 3 die Haworth-Projektion von α\alpha-D-Galactose und von α\alpha-D-Galacturonsäure jeweils als 6-Ring.

b)

Erklären Sie am Beispiel von α\alpha-D-Galactose den Begriff „anomeres Kohlenstoff-Atom“.

c)

Entwickeln Sie einen Ausschnitt aus dem Polysaccharid Pektin, in dem drei Moleküle α\alpha-D-Galacturonsäure miteinander α\alpha-1,4-glycosidisch verknüpft sind.

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag D - Naturstoffe: Kohlenhydrate, Fette,… · Abitur Hessen Chemie GK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Zeichnungen der Aufgaben 4.1, 4.3, 4.4 und 4.5

Lösung: 4.1 Fischer-Projektionen: 4.3 Tetrapeptid-Strukturformel: 4.4 Reaktionsgleichungen der Syntheseschritte: Schritt 1: COOH−CH=CH−COOH+NH3→COOH−CH2−CH(NH2)−COOH\mathrm{COOH-CH=CH-COOH + NH_3 \rightarrow COOH-CH_2-CH(NH_2)-COOH} Schritt 2: COOH−CH2−CH(NH2)−COOH→CH3−CH(NH2)−COOH+CO2\mathrm{COOH-CH_2-CH(NH_2)-COOH \rightarrow CH_3-CH(NH_2)-COOH + CO_2} 4.5 Haworth-Projektionen und Pektin-Ausschnitt:

4.1 Beschreiben Sie den allgemeinen Aufbau einer Aminosäure.

Lösung: Die Moleküle von Aminosäuren besitzen mindestens eine Carboxy-Gruppe und eine Amino-Gruppe, die an ein zentrales Kohlenstoff-Atom gebunden sind. Dieses Kohlenstoff-Atom trägt außerdem immer ein Wasserstoff-Atom sowie einen organischen Rest (durch den sich die Aminosäuren voneinander unterscheiden).

4.1 IUPAC-Nomenklatur für Glycin

Lösung: 2-Aminoethansäure / Aminoethansäure

4.1 IUPAC-Nomenklatur für Valin

Lösung: 2-Amino-3-methylbutansäure / 2-Amino-3-methyl-butansäure

4.1 Erklären Sie, dass es von Glycin keine Enantiomere gibt.

Lösung: Enantiomere setzen voraus, dass ein asymmetrisches C-Atom vorliegt, bei Glycin existieren aber keine vier verschiedenen Reste am zweiten Kohlenstoff-Atom.

4.3 Benennen Sie die im Strukturformelausschnitt vorkommenden funktionellen Gruppen.

Lösung: Peptid-Gruppe (Amid-Gruppe), Hydroxy-Gruppe, Carboxy-Gruppe

4.4 Benennen Sie den Ausgangsstoff Fumarsäure (Material 2) gemäß der IUPAC-Nomenklatur.

Lösung: Butendisäure / trans-Butendisäure / (E)-Butendisäure / But-2-endisäure / trans-But-2-endisäure / (E)-But-2-endisäure

4.4 Beschreiben Sie eine Nachweisreaktion für Kohlenstoffdioxid

Lösung: Leitet man Kohlenstoffdioxid in Kalkwasser (Calciumhydroxid-Lösung), bildet sich ein weißer Niederschlag aus Kalk (Calciumcarbonat).

4.4 Reaktionsgleichung für die Nachweisreaktion von Kohlenstoffdioxid

Lösung: CO2 + Ca(OH)2 -> CaCO3 + H2O / CO2 + Ca^2+ + 2 OH^- -> CaCO3 + H2O

4.5 Erklären Sie am Beispiel von α-D-Galactose den Begriff „anomeres Kohlenstoff-Atom“.

Lösung: Ein anomeres Kohlenstoff-Atom ist bei α-D-Galactose das beim Ringschluss des kettenförmigen Monosaccharid-Moleküls neu entstandene asymmetrische Kohlenstoff-Atom.

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