Aufgabe Vorschlag A - Naturstoffe · Abitur Hessen Chemie LK 2021

Thema: Naturstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Aminosäuren und Peptide · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Fette und Öle sind Energielieferanten für den menschlichen und tierischen Organismus und dienen als Speicherstoff für Zeiten des Nahrungsmangels.

Fette und Öle unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Zusammensetzung an Fettsäure-Resten. Charakteristisch für diese Stoffe ist, dass sie nicht in Wasser löslich sind.

Zum Verzehr bestimmte Fette und Öle müssen hinsichtlich ihrer Eigenschaften vorgeschriebene Kriterien erfüllen. Zum Beispiel macht die sogenannte „Säurezahl“ eine Aussage über die Güte eines bestimmten Fettes oder Öles.

Zur Herstellung von reinigenden Seifen werden Fette bereits seit der Antike als Ausgangsstoffe genutzt.

Zur Entfernung von Fettverunreinigungen nutzt man heute in speziellen Fällen auch Waschbenzin.

Material 1

Anteil ausgewählter Fettsäurereste in Ricinusöl und Olivenöl

Fettsäure · Bezeichnung · Summenformel · Anteil in Ricinusöl · Anteil in Olivenöl

Linolsäure · cis,cis-Octadeca-9,12-diensäure · C18H32O2\text{C}_{18}\text{H}_{32}\text{O}_2 · 3\text{ %} · 3-21\text{ %}

Ölsäure · cis-Octadec-9-ensäure · C18H34O2\text{C}_{18}\text{H}_{34}\text{O}_2 · 7\text{ %} · 55-83\text{ %}

Palmitinsäure · Hexadecansäure · C16H32O2\text{C}_{16}\text{H}_{32}\text{O}_2 · 2\text{ %} · 7-10\text{ %}

Ricinolsäure · cis-12-Hydroxyoctadec-9-ensäure · C18H34O3\text{C}_{18}\text{H}_{34}\text{O}_3 · 80-85\text{ %} · –

Material 2

Versuch mit Ölsäure und Wasserstoff

Versuchsaufbau (vereinfachte Darstellung):

Hinweis: Im Rahmen der vereinfachten Abbildung wird auf die Darstellung jeglicher Sicherheitsmaßnahmen verzichtet.

Durchführung:

Das Heizbad wird auf ca. 180 ∘C180\,^\circ\text{C} erhitzt. In das Reagenzglas mit seitlichem Ansatzrohr werden etwas Nickel-Katalysator und etwas Ölsäure gegeben. Aus einer Gasflasche wird ein kräftiger Wasserstoffstrom durch die Apparatur geleitet. An der Öffnung des seitlichen Ansatzrohres wird der überschüssige Wasserstoff angezündet, wobei sich mit Hilfe der entstehenden Flamme erkennen lässt, dass die Apparatur kontinuierlich von Wasserstoff durchströmt wird.

Nach 10 und nach 15 Minuten wird jeweils eine Probe entnommen und untersucht.

Beobachtung:

Die nach 10 Minuten entnommene Probe wird bei Raumtemperatur auch nach längerer Wartezeit nicht völlig fest. Sie liegt teilweise noch im flüssigen und teilweise noch in festem Aggregatzustand vor.

Die nach 15 Minuten entnommene Probe erstarrt bei Raumtemperatur zu einer weißen, festen Masse.

Material 3

Reaktionsmechanismus zur Bildung von trans-Octadec-9-ensäure

Material 4

Bestimmung und Berechnung der Säurezahl (SZ) eines Fettes

In Fetten und Ölen, die als Nahrungsmittel verwendet werden, liegen nicht ausschließlich Triglyceride vor, sondern als unerwünschte Bestandteile beispielsweise auch freie Fettsäuren. Die Kenntnis des Gehalts an diesen freien Fettsäuren ermöglicht Rückschlüsse auf die Vorbehandlung oder auf Zersetzungsprozesse im Fett bzw. Öl. So nimmt beispielsweise beim Altern der Fette bzw. Öle aufgrund von Hydrolyse-Prozessen der Anteil von freien Fettsäuren zu.

Speisefette und -öle sollen einen bestimmten Gehalt an freien Fettsäuren nicht überschreiten. So muss die sogenannte Säurezahl eines naturbelassenen Speisefettes oder -öles unter dem Wert 4,0 liegen.

Die Säurezahl (SZ) bezeichnet die Menge an Kaliumhydroxid in mg, die zur Neutralisation der in 1 g Fett enthaltenen freien Fettsäuren erforderlich ist. Die Säurezahl (SZ) lässt sich nach folgender Formel berechnen:

SZ=V⋅βESZ = \frac{V \cdot \beta}{E}

mit

SZSZ

Säurezahl in mgg\frac{\text{mg}}{\text{g}}

VV

Volumen der verbrauchten Kaliumhydroxid-Maßlösung in mL

β\beta

Massenkonzentration der Kaliumhydroxid-Maßlösung in mgmL\frac{\text{mg}}{\text{mL}}

Hierzu muss für die Kaliumhydroxid-Maßlösung die Stoffmengenkonzentration cc (Angabe in molL\frac{\text{mol}}{\text{L}}) in die Massenkonzentration β\beta (Angabe in gL\frac{\text{g}}{\text{L}} bzw. mgmL\frac{\text{mg}}{\text{mL}}) umgerechnet werden.

EE

Fetteinwaage in g

1.1 [8 BE]

Waschbenzin ist ein Gemisch aus verschiedenen Alkanen mit mittlerer Kettenlänge und wird u. a. zur Reinigung von Textilien benutzt, die durch Fette verschmutzt sind.

Zeichnen Sie jeweils die Strukturformel mit allen bindenden und nicht bindenden Elektronenpaaren für Ricinolsäure sowie für ein Triglycerid, an dessen Aufbau Ölsäure, Palmitinsäure und Linolsäure beteiligt sind (Material 1).

Vergleichen Sie die Wirksamkeit von Waschbenzin beim Entfernen von Flecken aus Olivenöl bzw. von Flecken aus Ricinusöl von einer Oberfläche (Material 1).

Hinweis: Die Beschaffenheit der zu reinigenden Oberfläche soll nicht berücksichtigt werden.

1.2 [12 BE]

Material 2 beschreibt einen Versuch, der mit Ölsäure (Material 1) durchgeführt wird.

Erklären Sie die Beobachtung zu dem dargestellten Versuch anhand des Ablaufs der Reaktion.

Formulieren Sie zur ablaufenden Reaktion die Reaktionsgleichung unter Verwendung von Strukturformeln und zeigen Sie unter Angabe der wesentlichen Oxidationszahlen und der Elektronenübergänge, dass es sich hierbei um eine Redox-Reaktion handelt.

Berechnen Sie das Volumen an Wasserstoff, das zur vollständigen Reaktion von 15 g15\text{ g} Ölsäure benötigt wird. Für die molare Masse von Ölsäure gilt: M=282,45 g/molM = 282{,}45\text{ g/mol}.

Hinweis: Für das molare Volumen eines Gases bei Raumtemperatur gilt: Vm=24 L/molV_m = 24\text{ L/mol}.

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Naturstoffe · Abitur Hessen Chemie LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.1 Zeichnen Sie jeweils die Strukturformel mit allen bindenden und nicht bindenden Elektronenpaaren für Ricinolsäure sowie für ein Triglycerid, an dessen Aufbau Ölsäure, Palmitinsäure und Linolsäure beteiligt sind (Material 1).

Lösung: Ricinolsäure: Triglycerid:

1.1 Vergleichen Sie die Wirksamkeit von Waschbenzin beim Entfernen von Flecken aus Olivenöl bzw. von Flecken aus Ricinusöl von einer Oberfläche (Material 1).

Lösung: Waschbenzin ist ein Alkangemisch und damit ein unpolares Lösungsmittel. Die Alkan-Moleküle bilden Van-der-Waals-Kräfte als zwischenmolekulare Kräfte aus. Olivenöl und Ricinusöl unterscheiden sich hinsichtlich ihrer gebundenen Fettsäure-Reste. Olivenöl enthält nur unpolare Fettsäure-Reste, Ricinusöl hingegen hauptsächlich Ricinolsäure-Reste, die aufgrund ihrer Hydroxy-Gruppe im Vergleich zu den Fettsäure-Resten des Olivenöls auch polare Anteile aufweisen. Daher bilden die Moleküle des Waschbenzins mit den Molekülen des Olivenöls leichter Van-der-Waals-Kräfte aus, als dies mit den Molekülen des Ricinusöls möglich ist. Aus diesem Grund kann Waschbenzin leichter Olivenölflecken von einer Oberfläche entfernen. *Hinweis: Eine Lösung ist als gleichwertig zu akzeptieren, wenn sie keine unterschiedliche Wirksamkeit postuliert und dabei auf einen nur geringen Einfluss der Hydroxy-Gruppe im großen, unpolaren Molekülrest verweist.*

1.2 Erklären Sie die Beobachtung zu dem dargestellten Versuch anhand des Ablaufs der Reaktion.

Lösung: Bei dem Versuch bildet sich im Laufe der Zeit unter Verbrauch von Wasserstoff aus der flüssigen Ölsäure die feste Octadecansäure. Nach 15 Minuten ist die Reaktion abgeschlossen. An der Oberfläche des Nickelkatalysators wird Wasserstoff an die C-C-Doppelbindung in den Ölsäure-Molekülen addiert.

1.2 Formulieren Sie zur ablaufenden Reaktion die Reaktionsgleichung unter Verwendung von Strukturformeln und zeigen Sie unter Angabe der wesentlichen Oxidationszahlen und der Elektronenübergänge, dass es sich hierbei um eine Redox-Reaktion handelt.

Lösung: *Hinweis: Die Verwendung der Summenformel H2\mathrm{H_2} für das Wasserstoff-Molekül ist als gleichwertig zu akzeptieren.* Oxidation: Wasserstoff-Atome von 00 im elementaren Wasserstoff nach +I+\mathrm{I} in der Octadecansäure. Reduktion: Kohlenstoff-Atome der C-C-Doppelbindung der Ölsäure jeweils von −I-\mathrm{I} nach −II-\mathrm{II} in der Octadecansäure. Oxidation und Reduktion jeweils als Elektronenübergang darstellen; Übertragung von insgesamt 2 Elektronen.

1.2 Berechnen Sie das Volumen an Wasserstoff, das zur vollständigen Reaktion von 15 g Ölsäure benötigt wird. Für die molare Masse von Ölsäure gilt: M = 282,45 g/mol.

Lösung: 1,27 L / 1,274 L / 1,2744 L1{,}27\text{ L} \text{ / } 1{,}274\text{ L} \text{ / } 1{,}2744\text{ L}

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