Aufgabe HT 1 - Klausurteil B: 4 · Abitur NRW Türkisch LK · Haupttermin · fortgeführt 2023

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Türkisch · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · fortgeführt (2023)

Aufgabenstellung

Klausurteil B: Sprachmittlung isoliert

Klausurteil B

Judith Kesseler

Tschüss „Fräulein“! Warum wir uns von Anreden nicht länger kleinhalten lassen

[...]

Vor 50 Jahren wurde der Begriff „Fräulein“ aus dem Behördendeutsch verbannt. Zuvor war er

die offizielle Anrede für unverheiratete Frauen, unabhängig von ihrem Alter, und wurde damit

nicht nur in offiziellen Dokumenten vermerkt, sondern auch für die persönliche und schrift-

5 liche Ansprache genutzt. Eine Frau wurde also, wann immer mit ihr oder über sie gesprochen

wurde, in eine Schublade gesteckt: verheiratet oder nicht verheiratet. Letzteres wurde von

Männern nicht selten als Aufforderung verstanden, das „Fräulein“ zu umwerben – schließlich

musste sie ja noch unter die Haube gebracht werden, um zur Frau aufzusteigen. Der Begriff

ist eine Verniedlichung des Wortes Frau und zeigt: Diese Person ist nicht für voll zu nehmen.

10 [...]

Bereits ab 1950 begannen sich Frauen gegen die Bezeichnung „Fräulein“ zu wehren. Zu dieser

Zeit wandelte sich das Frauenbild stark und der Ruf nach Gleichberechtigung wurde lauter.

Fünf Jahre später trat ein Erlass für die Bundesbehörden in Kraft, wonach jede unverheiratete

Frau, die dies wünsche, im „amtlichen Verkehr“ als „Frau“ zu bezeichnen sei. Diesen Wunsch

15 musste die Frau jedoch erkennbar und aktiv äußern. Es dauerte weitere sieben Jahre, bis sich

dieses Vorgehen umkehrte: Am 16. Januar 1972 wurde ein weiterer Erlass verkündet, laut dem

es nur noch die Bezeichnungen „Herr“ und „Frau“ geben sollte. Darin wurde festgestellt, dass

„Frau“ kein Titel und keine Bezeichnung sei, die „verliehen werden müsste oder könnte“. Die

Bezeichnung „Fräulein“ wurde ab sofort nur noch verwendet, wenn eine Frau dies explizit

20 wünschte. Mitte der 70er Jahre wurde der letzte behördliche Vordruck vernichtet, auf dem ein

„Fräulein“ vorkam.

[...]

Dass es mit dem „Fräulein“ eine Bezeichnung für unverheiratete Frauen gab, unverheiratete

Männer aber nicht „Herrlein“, sondern höchstens einmal „Junggeselle“ genannt wurden, ist

25 kein Zufall, sondern das Spiegelbild patriarchaler Machtstrukturen. Männer verdienten das

Geld, Frauen waren von ihnen abhängig und mussten heiraten, um sich abzusichern. Erst seit

1977, fünf Jahre nach der Abschaffung des „Fräulein“, dürfen Frauen überhaupt ohne das Ein-

verständnis ihres Ehemanns arbeiten.

[...]

30 In den letzten 50 Jahren hat sich in Sachen Gleichberechtigung zwar einiges getan, am Ziel

sind wir aber noch lange nicht. Erwachsene Frauen werden auch heute immer wieder als

„Mädchen“, „Mädel“, „Kleine“ oder „junge Dame“ angesprochen. Diese Bezeichnungen

geben zwar keine Auskunft darüber, ob jemand verheiratet ist oder nicht, halten die Person

aber klein. „Ich erlebe es immer wieder, dass eine Frau ‘Mädchen’ genannt wird. Das passiert

35 auf Social Media und auch im Kontext der Arbeit“, sagt Katharina Nocun, Bürgerrechtlerin

und Publizistin gegenüber dem ZDF. Anfang Januar schrieb sie in einem Tweet: „[...] Ich bin

Mitte 30 & hab diese Strategie der Infantilisierung von Frauen, um ihnen Kompetenz abzu-

sprechen, mehr als satt.“ Sie selbst blockiert seitdem Männer in den sozialen Medien, die sie

entsprechend bezeichnen.

40 [...]

Dort, wo die Realität unbequem wird, werden Frauen besonders gern sprachlich abgewertet.

So werden zum Beispiel die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Greta Thunberg von

einigen Politiker:innen und in den sozialen Medien immer wieder als „Gören“ bezeichnet.

Laut Duden ein (vorwitziges, freches kleines) Mädchen. Die Sprachwissenschaftlerin Profes-

45 sorin Kirsten Schindler von der Universität Köln sagt im ZDF: „Mit einer verniedlichenden

Ansprache sollen Aspekte in den Blick gerückt werden, die eigentlich am Rande stehen. Der

Begriff ‘Mädchen’ rückt das Alter in den Blick und damit zum Beispiel die Geschäftsfähig-

keit.“ Die abwertende Sprache sei ein rhetorisches Mittel, um dem Gegenüber nicht auf Augen-

höhe zu begegnen, und schaffe eine Asymmetrie, so Schindler. Auf Dauer sei das schwer aus-

50 zuhalten und könnte dazu führen, dass sich einige Frauen aus der öffentlichen Debatte zurück-

ziehen.

[...]

4. İstanbul'da yaşayan kız arkadaşınız, Dünya Kadınlar Günü kapsamında geçmişte ve günümüzde farklı ülkelerdeki ayrımcılığı konu edinen bir sunum hazırlamaktadır. Araştırması sırasında Almanya'da uzun süre boyunca kadınları kalıplaşmış biçimde tanımlayan “Fräulein” sözcüğünün kullanıldığını fark etmiştir. Sizden bu kavram hakkında bilgi toplamanızı rica eder. Bu konuda bir metne ulaştınız. Metindeki önemli bilgileri arkadaşınıza bir e-posta yazarak iletiniz. (18 Punkte)

Aufgabenstellung: Aufgabe HT 1 - Klausurteil B: 4 · Abitur NRW Türkisch LK · Haupttermin · fortgeführt 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

4. İstanbul'da yaşayan kız arkadaşınız, Dünya Kadınlar Günü kapsamında geçmişte ve günümüzde farklı ülkelerdeki ayrımcılığı konu edinen bir sunum hazırlamaktadır. Araştırması sırasında Almanya'da uzun süre boyunca kadınları kalıplaşmış biçimde tanımlayan “Fräulein” sözcüğünün kullanıldığını fark etmiştir. Sizden bu kavram hakkında bilgi toplamanızı rica eder. Bu konuda bir metne ulaştınız. Metindeki önemli bilgileri arkadaşınıza bir e-posta yazarak iletiniz.

Lösung: Örnek e-posta yapısı: - Uygun hitap ve giriş (arkadaşın sorusuna atıf ve konunun tanıtımı). - Metnin temel bilgilerinin Türkçeye aktarımı: * "Fräulein" (küçük kadın/matmazel) kavramının evli olmayan kadınları evlilerden ayırmak için resmî dilde kullanıldığı ve 50 yıl önce resmî makamlarca yasaklandığı. * Bu kelimenin dilden tamamen kalkmasının yaklaşık 25 yıl sürdüğü (1950'lerde kadınların itirazı, 1955'te arzu edilirse "Frau" denilmesi, 16 Ocak 1972 genelgesiyle resmen eşitlenmesi, 70'lerin ortasında son formların imha edilmesi). * Erkekler için benzer küçültücü bir ifadenin olmamasının ataerkil güç yapısının bir yansıması olduğu; kadınların ekonomik bağımlılığı ve 1977'ye kadar eş izni olmadan çalışamaması. * Günümüzde de yetişkin kadınlara "Mädchen", "Mädel", "Kleine" ya da "Gören" gibi küçültücü/infantilize edici hitaplarla yetkinliklerini zayıflatma ve kamuoyundaki tartışmalardan geri çekilmelerini sağlama çabalarının sürdüğü. - Uygun bir kapanış ve veda.

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