Aufgabe 3: Der Photoeffekt · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin 2021

Thema: Photonen und Photoeffekt · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabe: Der Photoeffekt

Teilaufgabe 1: Albert Einstein und der Photoeffekt

Albert Einstein ist es gelungen, den Photoeffekt mithilfe des Teilchencharakters von Licht zu erklären. Für die Energiebilanz des Photoeffekts ist nach Einstein die folgende Gleichung von Bedeutung:

h⋅f=Ekin+EAh \cdot f = E_{\text{kin}} + E_{\text{A}}

Dabei bezeichnen hh das Planck’sche Wirkungsquantum, ff die Frequenz des eingestrahlten Lichts, EkinE_{\text{kin}} die kinetische Energie eines Elektrons und EAE_{\text{A}} dessen Austrittsenergie.

a)

• Beschreiben Sie knapp die physikalische Erscheinung, die man Photoeffekt nennt.

• Erläutern Sie die gegebene Gleichung vor dem Hintergrund des Photoeffekts.

b)

Abbildung 1 zeigt eine Sonderbriefmarke, die zu Ehren Albert Einsteins von der Deutschen Bundespost herausgegeben wurde. Die Briefmarke zeigt Licht in sechs unterschiedlichen Farben, das auf eine Metallschicht trifft. Die neun dicken schwarzen Punkte stellen Elektronen dar, die gepunkteten Linien deren Bahnkurven und die Pfeile die zugehörigen Geschwindigkeitsvektoren.

• Erklären Sie unter Verwendung des Photoeffekts, warum die Pfeile, die im rechten Bereich der Abbildung 1 beginnen, wesentlich länger gezeichnet sind als die Pfeile im linken Bereich der Abbildung 1.

• Interpretieren Sie physikalisch, dass im roten Bereich keine gepunkteten Linien eingezeichnet sind.

Teilaufgabe 2: Experimentelle Untersuchung des Photoeffekts

Eine Photozelle besteht aus einem evakuierten Glaskolben, in dem sich zwei Elektroden befinden. Auf die Kathode (K) ist eine metallische Schicht aufgedampft. Vor der Kathode sitzt als Anode (A) ein kreisförmig gebogener Metallring. Die Kathode wird durch eine Blende (B) mit Licht einer Quecksilberdampflampe (QDL) beleuchtet. Mithilfe von Farbfiltern (F) erhält man monochromatisches Licht. Zwischen Kathode und Anode wird die Stärke des Photostroms IPhI_{\text{Ph}} in Abhängigkeit von einer angelegten Gegenspannung UGU_G gemessen. Abbildung 2 zeigt eine schematische Darstellung der Photozelle sowie deren Beschaltung für die Gegenfeldmethode.

a)

Mittels der beiden Messgeräte aus Abbildung 2 werden die Gegenspannung UGU_G und die Photostromstärke IPhI_{\text{Ph}} gemessen. Abbildung 3 zeigt die gemessene Photostromstärke IPhI_{\text{Ph}} in Abhängigkeit von der angelegten Gegenspannung UGU_G bei der Beleuchtung der Photozelle mit Licht der Wellenlänge λ=436 nm\lambda = 436\text{ nm}.

b)

Die Blendenöffnung wird nun bei gleicher Wellenlänge vergrößert, sodass sich ein größerer Lichtfleck auf der Kathode bildet.

Skizzieren Sie in Abbildung 3 einen möglichen Graphen, der die geänderten Versuchsbedingungen berücksichtigt.

c)

Die kinetische Energie der aus der Kathode ausgelösten Elektronen kann mithilfe der Beziehung Ekin=e⋅UG,maxE_{\text{kin}} = e \cdot U_{G,\text{max}} berechnet werden, wobei ee die Elementarladung bezeichnet.

• Erläutern Sie, warum sich mit der gegebenen Beziehung die kinetische Energie der ausgelösten Elektronen bestimmen lässt.

• Leiten Sie den Zusammenhang UG,max=he⋅f−EAeU_{G,\text{max}} = \frac{h}{e} \cdot f - \frac{E_{\text{A}}}{e} zwischen der Grenzspannung UG,maxU_{G,\text{max}} und der Frequenz ff des eingestrahlten Lichts her.

d)

Die folgende Tabelle zeigt die Messwerte einer Messreihe, bei der die Grenzspannung UG,maxU_{G,\text{max}} in Abhängigkeit von der Frequenz ff des verwendeten Lichts gemessen wurde.

ff in 1014 Hz10^{14}\text{ Hz}

5,19

5,49

6,88

7,40

UG,maxU_{G,\text{max}} in V

0,13

0,27

0,81

1,02

Bestimmen Sie durch eine grafische Auswertung unter Einbeziehung sämtlicher Messwerte:

Teilaufgabe 3: Lenard-Versuch

Zur Bestimmung der spezifischen Ladung em\frac{e}{m} der beim Photoeffekt ausgelösten Elektronen entwarf der Physiker Philipp Lenard 1899 eine Vakuumröhre, deren Prinzip in Abbildung 4 dargestellt ist.

Die Kathode im Inneren der Röhre wird mit monochromatischem UV-Licht bestrahlt. Zwischen der Kathode (K) und der Anode (A) wird eine Spannung UBU_{\text{B}} angelegt, sodass die aus der Kathode ausgelösten Elektronen zur Anode beschleunigt werden. Die durch ein in der Anode befindliches Loch hindurchtretenden Elektronen treffen auf einen Auffänger (P1P_1) und werden durch ein Messgerät (E1E_1) registriert.

Durch ein geeignetes homogenes Magnetfeld der Stärke BB hinter der Anode (A) können die Elektronen zu einem zweiten Auffänger (P2P_2) abgelenkt und dort ebenfalls durch ein Messgerät (E2E_2) gemessen werden.

a)

b)

Zwischen der kinetischen Energie Ekin,AE_{\text{kin,A}} beim Eintritt in das zeitlich konstante Magnetfeld der Stärke BB und dem Radius rr der Kreisbahn gilt der Zusammenhang

Ekin,A=12⋅e2m⋅r2⋅B2.E_{\text{kin,A}} = \frac{1}{2} \cdot \frac{e^2}{m} \cdot r^2 \cdot B^2.

Beurteilen Sie, ob die Wellenlänge λ\lambda des eingestrahlten UV-Lichts bei kleinen Beschleunigungsspannungen UBU_{\text{B}} einen Einfluss auf den Radius rr der Kreisbahn hat.

c)

Zwischen Kathode und Anode liegt die Beschleunigungsspannung UB=600 VU_{\text{B}} = 600\text{ V} an. Damit die Elektronen den Auffänger P2P_2 auf einer Kreisbahn mit dem erforderlichen Radius r=8,70 cmr = 8{,}70\text{ cm} erreichen, muss die Stärke des Magnetfeldes B=960 μTB = 960\text{ }\mu\text{T} betragen. Gehen Sie zunächst vereinfachend davon aus, dass die Elektronen beim Verlassen der Kathode die kinetische Energie Ekin,K=0E_{\text{kin,K}} = 0 besitzen.

Das verwendete monochromatische UV-Licht hat die Wellenlänge λ=260 nm\lambda = 260\text{ nm}. Das verwendete Kathodenmaterial Aluminium hat die Austrittsenergie EA=4,20 eVE_{\text{A}} = 4{,}20\text{ eV}.

Untersuchen Sie, ob sich die Vereinfachung Ekin,K=0E_{\text{kin,K}} = 0 innerhalb der oben genannten Genauigkeit auf den Messwert der spezifischen Ladung em\frac{e}{m} auswirkt.

Aufgabenstellung: Aufgabe 3: Der Photoeffekt · Abitur NRW Physik GK · Haupttermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1a) Beschreiben Sie knapp die physikalische Erscheinung, die man Photoeffekt nennt, und erläutern Sie die gegebene Gleichung vor dem Hintergrund des Photoeffekts.

Lösung: Als Photoeffekt wird das Phänomen bezeichnet, dass Licht hinreichend großer Frequenz Elektronen aus Materialien herauslösen kann. Nach Einstein absorbiert ein einzelnes Elektron die Energie eines Photons h⋅fh \cdot f vollständig. Ein Teil wird als Austrittsenergie EAE_{\text{A}} aufgewendet, der Rest verbleibt als kinetische Energie EkinE_{\text{kin}} des Elektrons.

1b) Erklären Sie unter Verwendung des Photoeffekts, warum die Pfeile, die im rechten Bereich der Abbildung 1 beginnen, wesentlich länger gezeichnet sind als die Pfeile im linken Bereich der Abbildung 1, und interpretieren Sie physikalisch, dass im roten Bereich keine gepunkteten Linien eingezeichnet sind.

Lösung: Mit zunehmender Frequenz von rot nach violett steigt die Photonenenergie h⋅fh \cdot f, wodurch die kinetische Energie und damit die Geschwindigkeit der Elektronen zunimmt (längere Pfeile). Für rotes Licht ist h⋅f<EAh \cdot f < E_{\text{A}}, sodass keine Elektronen ausgelöst werden.

2a1) Geben Sie an, welches der beiden Messgeräte in Abbildung 2 zur Messung der Photostromstärke I_Ph geeignet ist.

Lösung: Messgerät 1

2a2+a3) Beschreiben Sie den Verlauf des Graphen in Abbildung 3 und erklären Sie ihn mit den Vorgängen im Inneren der Photozelle.

Lösung: Der Photostrom IPhI_{\text{Ph}} sinkt mit steigender Gegenspannung UGU_G kontinuierlich ab und erreicht bei der Grenzspannung UG,max≈0,82 VU_{G,\text{max}} \approx 0{,}82\text{ V} den Wert null. Die Gegenspannung bremst die ausgelösten Elektronen ab. Nur Elektronen mit Ekin≥e⋅UGE_{\text{kin}} \ge e \cdot U_G erreichen die Anode. Bei UG,maxU_{G,\text{max}} erreicht selbst das schnellste Elektron die Anode nicht mehr.

2c) Erläutern Sie, warum sich mit E_kin = e · U_G,max die kinetische Energie bestimmen lässt, und leiten Sie den Zusammenhang U_G,max = (h/e)·f - E_A/e her.

Lösung: Ekin=Epot=e⋅UG,maxE_{\text{kin}} = E_{\text{pot}} = e \cdot U_{G,\text{max}}, da das Gegenfeld genau die maximale kinetische Energie der Elektronen kompensiert. Einsetzen in Einsteins Energiebilanz h⋅f=Ekin+EA=e⋅UG,max+EAh \cdot f = E_{\text{kin}} + E_{\text{A}} = e \cdot U_{G,\text{max}} + E_{\text{A}} und Umstellen nach UG,maxU_{G,\text{max}} liefert UG,max=he⋅f−EAeU_{G,\text{max}} = \frac{h}{e} \cdot f - \frac{E_{\text{A}}}{e}.

2d) Bestimmen Sie durch eine grafische Auswertung unter Einbeziehung sämtlicher Messwerte das Planck’sche Wirkungsquantum h.

Lösung: 6,38⋅10−34 J⋅s6{,}38\cdot 10^{-34}\text{ J·s} / 3,98⋅10−15 eV⋅s3{,}98\cdot 10^{-15}\text{ eV·s}

2d) Bestimmen Sie durch eine grafische Auswertung unter Einbeziehung sämtlicher Messwerte die Austrittsenergie EA des verwendeten Kathodenmaterials.

Lösung: 1,93 eV1{,}93\text{ eV} / 3,09⋅10−19 J3{,}09\cdot 10^{-19}\text{ J}

2d) Bestimmen Sie durch eine grafische Auswertung unter Einbeziehung sämtlicher Messwerte die Grenzfrequenz fG des verwendeten Kathodenmaterials.

Lösung: 4,86⋅1014 Hz4{,}86\cdot 10^{14}\text{ Hz}

3a1) Geben Sie die Richtung eines passenden Magnetfeldes an, durch das die Elektronen hinter der Anode zum Auffänger P2 abgelenkt werden.

Lösung: aus der Zeichenebene heraus

3a2) Begründen Sie, warum sich die Elektronen bei eingeschaltetem Magnetfeld auf einer Kreisbahn von der Anode zum Auffänger P2 bewegen.

Lösung: Die Lorentzkraft steht in jedem Punkt senkrecht auf dem Geschwindigkeitsvektor. Da sie keine Arbeit verrichtet, bleibt der Betrag der Geschwindigkeit konstant. Damit ist auch der Betrag der Lorentzkraft konstant und sie wirkt als reine Zentripetalkraft, was zu einer gleichförmigen Kreisbewegung führt.

3b) Beurteilen Sie, ob die Wellenlänge λ des eingestrahlten UV-Lichts bei kleinen Beschleunigungsspannungen UB einen Einfluss auf den Radius r der Kreisbahn hat.

Lösung: Ja. Bei kleinen Beschleunigungsspannungen ist die kinetische Energie beim Verlassen der Kathode Ekin,K=h⋅cλ−EAE_{\text{kin,K}} = h \cdot \frac{c}{\lambda} - E_{\text{A}} nicht vernachlässigbar gegenüber e⋅UBe \cdot U_{\text{B}}. Da Ekin,A=Ekin,K+e⋅UBE_{\text{kin,A}} = E_{\text{kin,K}} + e \cdot U_{\text{B}} von λ\lambda abhängt, beeinflusst λ\lambda auch den Radius rr.

3c1) Bestimmen Sie mithilfe der Messdaten und unter Verwendung des Zusammenhangs aus Aufgabenteil b) die spezifische Ladung e/m des Elektrons in der Einheit 10¹¹ C/kg mit einer Genauigkeit von zwei Nachkommastellen.

Lösung: 1,72⋅1011 C/kg1{,}72\cdot 10^{11}\text{ C/kg} / 1,72 1011 C/kg1{,}72\text{ }10^{11}\text{ C/kg}

3c2) Untersuchen Sie, ob sich die Vereinfachung E_kin,K = 0 innerhalb der oben genannten Genauigkeit auf den Messwert der spezifischen Ladung e/m auswirkt.

Lösung: Die Photonenenergie beträgt EPhoton=h⋅cλ≈4,77 eVE_{\text{Photon}} = h \cdot \frac{c}{\lambda} \approx 4{,}77\text{ eV}. Damit ist Ekin,K=4,77 eV−4,20 eV=0,57 eVE_{\text{kin,K}} = 4{,}77\text{ eV} - 4{,}20\text{ eV} = 0{,}57\text{ eV}. Gegenüber dem Energiegewinn e⋅UB=600 eVe \cdot U_{\text{B}} = 600\text{ eV} beträgt dies nur etwa 11000\frac{1}{1000} bzw. rund 0,1%0{,}1\%. Bei einer Genauigkeit von zwei Nachkommastellen hat die Vereinfachung keinen Einfluss.

2b) Skizzieren Sie in Abbildung 3 einen möglichen Graphen, der die geänderten Versuchsbedingungen berücksichtigt.

Lösung: Skizze eines Graphen mit gleicher Grenzspannung UG,max≈0,82 VU_{G,\text{max}} \approx 0{,}82\text{ V}, jedoch höherer Photostromstärke IPhI_{\text{Ph}} für UG<UG,maxU_G < U_{G,\text{max}} (z. B. Startwert bei UG=0 VU_G = 0\text{ V} deutlich über 18 pA18\text{ pA}, etwa bei 29 pA29\text{ pA}).

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