Aufgabe · Abitur NRW Englisch LK · Hergt/Hilgenstock: Zurück zur Tisch 2022

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Englisch (Mediation) · Aus der Prüfung LK · Hergt/Hilgenstock: Zurück zur Tischkultur: Ein Besuch in der Manufaktur Fürstenberg (2022)

Aufgabenstellung

You are taking part in a German-American youth project in which the participants share information about changing traditions. You have decided to focus on the role of porcelain in Germany.

Based on the interview below, write an article for the project website in which you describe the current situation of manufacturing and using porcelain in Germany and the developments responsible for it.

Material

Zurück zur Tischkultur

Interview von Sophie Hilgenstock

Herr Holler, ist das nur so ein Gefühl, oder erlebt Porzellan tatsächlich gerade eine Renaissance?

Nein, anhand der Zahlen können wir leider nicht erkennen, dass es eine Renaissance gibt. In diesem Jahr hatten die deutschen Porzellanhersteller im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von 5,1 Prozent. Ähnlich sah es im letzten Jahr aus. Daher ist es schwierig zu behaupten, Porzellan erlebe eine Renaissance. Lediglich im Projektgeschäft, also im professionellen Bereich, ist die Nachfrage zuletzt gestiegen. In Gaststätten, Seniorenwohnanlagen und Krankenhäusern wird neuerdings wieder mehr Wert auf gutes Geschirr gelegt, dort konnten die deutschen Porzellanhersteller in den vergangenen Jahren große Erfolge feiern.

Wie sieht es in Privathaushalten aus? Spätestens zu Weihnachten ist gutes Geschirr doch der Renner.

Das ist richtig. Je näher Weihnachten rückt, umso besser läuft das Geschäft. Viele Kunden haben es dabei vor allem auf die Weihnachtskollektionen abgesehen, die viele Hersteller im Angebot haben. Gemeint ist Porzellan mit Weihnachtsdekor, also mit Tannenbäumen, Glocken und Nikoläusen. Diese Porzellanlinien funktionieren gut, speziell bei Familien mit Kindern.

Woran liegt es, dass Porzellan ansonsten aus der Mode ist?

Das hat mehrere Gründe. Der wohl wichtigste Faktor ist, dass jüngere Generationen weniger Wert auf hochwertiges Porzellan und Essen am gedeckten Tisch legen. Die sonntägliche Kaffeetafel, Familienfeiern zu Hause, Gäste zum Abendessen – die Anlässe, das gute Geschirr aus dem Schrank zu holen, sind aus der Mode gekommen. Wer greift heute noch zur Kaffeekanne aus Porzellan? Man stellt seinen Becher direkt unter den Kaffeeautomaten oder läuft mit Thermobecher aus dem Haus. Das ist ein Kulturwandel, den man nur in Teilen auffangen kann – etwa, indem die Geschirrhersteller Coffee-to-go-Becher aus Porzellan herstellen, die man immer wieder verwenden kann. Aber den Trend halten wir nicht auf.

Einst war die Porzellanmarke identitätsstiftend. Gilt Porzellan heute noch als Statussymbol?

Nicht mehr so wie früher. Es ist nicht mehr die Regel, dass jede Familie ein gutes Geschirr besitzt oder auf eine bestimmte Marke schwört. Porzellan gehört auch nicht mehr typischerweise zur Aussteuer. Es gibt zwar noch Hochzeitspaare, die zur Trauung ein bestimmtes Service bekommen, aber die sind aus unserer Sicht viel zu selten geworden – die meisten wünschen sich Geld für die Hochzeitsreise. Schaut man sich an, wofür junge Menschen heute Geld ausgeben, liegen die Prioritäten ganz klar woanders: Es ist kein Problem, sich für 800 Euro ein Handy zu kaufen, bei hochwertigem Porzellan sieht es oft anders aus.

Wie wollen Sie das ändern?

Mit modernem Design, guter Qualität und pfiffigen Ideen. Das Ziel muss es sein, sich von den Billigimporten aus Asien abzuheben. Außerdem müssen wir Online als Vertriebsweg ausbauen. Uns sterben zunehmend die Fachhändler weg – gab es früher in jeder Kleinstadt ein klassisches Haushaltswarengeschäft, machen heute etwa 40 Fachgeschäfte pro Jahr in den Innenstädten dicht. Aber Porzellan will man anfassen, bevor man es kauft. Der Onlinehandel ist damit eine Herausforderung.

Deutschland war einmal Porzellanland. Was ist schiefgelaufen?

Deutschland ist in Europa weiterhin der größte Standort der Porzellanherstellung, und ich bin sicher, das wird auch so bleiben. Die Herausforderungen allerdings werden nicht kleiner. Der Endverbraucher greift oft lieber zur Dumpingware aus China – also zu Porzellan, das weit unter Herstellungskosten auf den Markt geschwemmt wird. Inzwischen gibt es deshalb auf chinesische Importware Strafzölle. Aber damit sind die Probleme nicht vom Tisch: Die politischen Rahmenbedingungen für die deutschen Porzellanhersteller sind schwierig. Sie haben europaweit die höchsten Energiekosten und die höchste Abgabenlast. […]

Wie schaffen es altehrwürdige Häuser wie Meissen, KPM oder Fürstenberg, sich am Markt zu halten?

In den letzten Jahren sind mit Russland oder dem Vorderen Orient wichtige Exportmärkte weggebrochen. Je mehr Krisen und Kriege die Welt erschüttern, umso schwieriger wird es auch für die Produzenten von kunsthandwerklich hergestelltem Porzellan. Nichtsdestoweniger gibt es weiterhin ein großes Interesse an individuellen, hochwertigen Produkten – von Porzellanfiguren über handbemalte Vasen bis hin zu aufwendig gestalteten Tellern. Wer heute noch am Markt ist, hat bewiesen, dass er sich trotz schwierigster Rahmenbedingungen mit seinen Produkten durchsetzen kann – von daher sehe ich nicht schwarz.

645 Wörter

Hilgenstock, S. (2018, 10. Dezember). Zurück zur Tischkultur: Ein Besuch in der Manufaktur Fürstenberg. Leipziger Volkszeitung.

Das Recht zur Nutzung des Interviews wurde freundlicherweise von Sophie Hilgenstock vom Redaktionsnetzwerk Deutschland eingeräumt.

Aufgabenstellung: Aufgabe · Abitur NRW Englisch LK · Hergt/Hilgenstock: Zurück zur Tisch 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Write your article here:

Lösung: Individual written response (article for a project website describing the current situation of manufacturing and using porcelain in Germany and the developments responsible for it).

Based on the interview below, write an article for the project website in which you describe the current situation of manufacturing and using porcelain in Germany and the developments responsible for it.

Lösung: current situation: German tradition of manufacturing and using porcelain undergoing significant changes - Germany still Europe's leading porcelain manufacturer - but: German porcelain has become less sought-after; decline in sales over the past few years - some exceptions: - increasingly popular again in restaurants, residences for senior citizens and hospitals - in demand in private homes for Christmas (especially seasonal designs) - still popular in the form of high-quality items - new concepts needed to revive interest in porcelain developments responsible for these changes - lifestyle changes of younger generations - traditional occasions to use porcelain fallen out of fashion - formal dining and fancy china less valued; 'to-go culture' - porcelain no longer status symbol - shifting priorities in household / personal expenditures - economic / political aspects - challenges of selling porcelain: - closure of specialized homeware stores - online retail not ideal for porcelain / customers need to touch merchandise before buying - disappearance of export markets due to international crises and wars - difficult conditions for manufacturers in Germany: - high energy charges and additional costs - increased competition through import of cheap porcelain from China

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