Aufgabe 1 · Abitur NRW Englisch LK · Scholz/Schnabel: Handschrift: Die A 2022

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Englisch (Mediation) · Aus der Prüfung LK · Scholz/Schnabel: Handschrift: Die Anspitzung des Denkens/Kerstan: Schmerzfrei schreiben (2022)

Aufgabenstellung

1 Aufgabe

Aufgabenstellung

The teachers of your American friend encourage and promote the use of handwriting as a life-long skill. He/She has asked you about views on this topic in Germany.

Based on the two articles, write him/her an email in which you outline the information about the role handwriting plays in a child's development and on the current situation regarding the teaching of handwriting in Germany.

Material 1

Handschrift: Die Anspitzung des Denkens

Von Anna-Lena Scholz und Ulrich Schnabel

Das Schreiben mit dem Stift oder dem Füller ist nicht nur Handwerk, es ist zugleich eine Kulturtechnik. Doch diese verändert sich mit den jeweiligen gesellschaftlichen Vorstellungen. Im Zeitalter von Smartphone und WhatsApp ist deshalb ein Streit um die Handschrift entbrannt, der Pädagogen, Schüler, Eltern und Bildungspolitiker erfasst hat. Verlernen wir, mit der Hand zu schreiben? […]

In einer Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) klagte vor wenigen Monaten die überwältigende Mehrheit der befragten Lehrer über das mangelhafte Schriftbild ihrer Schüler. Mehr als ein Drittel der Grundschulkinder habe demnach Probleme, eine lesbare Handschrift zu entwickeln, in den höheren Klassenstufen könnten nur zwei von fünf Jugendlichen 30 Minuten und länger beschwerdefrei schreiben. […]

Dabei ist es für die Schüler nicht nur wichtig, ihre Gedanken schnell und lesbar zu Papier bringen zu können. Die eigene Handschrift ist auch zeitlebens ein Abbild unserer Persönlichkeit. Das Erste, was viele Kinder lernen zu schreiben, ist der eigene Name. Später verbürgt die Unterschrift unsere Authentizität, auf der Kreditkarte oder dem Liebesbrief. Die Handschrift ist wie eine Spur, die in unser Inneres führt. Dazu braucht sie allerdings den Raum, sich zu entwickeln.

In ihrem Kampf für die Handschrift bekommen die Pädagogen Unterstützung von Hirnforschern und Psychologen. Auch sie haben in den vergangenen Jahren die "Chirografie" (von lat. chiro = mit der Hand) entdeckt. Sie verweisen darauf, dass Kinder vor allem haptisch lernen und Buchstaben im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal be-greifen müssen. Verschiedene Studien zeigen, dass Kinder Buchstaben wie d und p oder b und q leichter auseinanderhalten können, wenn sie diese mit der Hand schreiben, statt sie zu tippen.

262 Wörter

Scholz, A.-L. und Schnabel, U. (2019, 26. September). Handschrift: Die Anspitzung des Denkens. Die Zeit.

Material 2

„Schmerzfrei schreiben“

Schleswig-Holsteins Grundschulen sind verpflichtet, Handschrift zu unterrichten. Warum, erklärt Bildungsministerin Karin Prien

Karin Prien im Interview mit Thomas Kerstan

DIE ZEIT: Für die Schreibschrift interessiert sich jetzt sogar die Politik. Als Bildungsministerin erhoben Sie das Erlernen der Schreibschrift an Schleswig-Holsteins Grundschulen wieder zur Pflicht. Warum?

Karin Prien: Weil wir festgestellt haben, dass immer mehr Kinder in der Grundschule, aber auch in den weiterführenden Schulen keine flüssige Handschrift beherrschen. Das führt nicht nur dazu, dass diese Kulturtechnik verloren geht, sondern es behindert die Kinder auch in ihrer Schullaufbahn.

ZEIT: Unter Experten ist allerdings umstritten, ob das Erlernen der Schreibschrift etwa die Rechtschreibung verbessert.

Prien: Wir wissen aber zum Beispiel durch die Bamberger Handschrift-Studie oder die Studie zur Handschrift in der digitalen Welt der Mercator-Stiftung, dass eine flüssige und lesbare Handschrift das Arbeitsgedächtnis entlastet und damit Raum schafft für das richtige Schreiben und für die Textqualität.

ZEIT: Spürten Sie auch Gegenwind, als Sie Ihre Pläne zur Schreibschrift-Pflicht vorstellten?

Prien: An einigen Grundschulen gab es die Befürchtung, dass schwächere Schüler mit dem Erlernen der Schreibschrift überfordert sein könnten. Insgesamt habe ich aber von der überwältigenden Mehrheit der Lehrkräfte und auch der Eltern Zustimmung erfahren.

ZEIT: Worum geht es Ihnen in erster Linie, ums bessere Lernen, um die Ästhetik, die Tradition, das Trainieren der Feinmotorik?

Prien: All das ist relevant. Vor allem aber geht es um den besseren Lernerfolg. Ich bin überzeugt davon, und viele Studien geben mir recht, dass eine flüssige und lesbare Handschrift da förderlich ist.

ZEIT: Beschwören Sie nicht die Welt von gestern? Computer, mit denen der Nachwuchs wie selbstverständlich umgeht, bedient man vorwiegend über die Tastatur. Sprachnachrichten gewinnen an Bedeutung, die Diktiersysteme werden immer perfekter. Das Beharren auf der Schreibschrift wirkt da etwas altmodisch.

Prien: Wir sollten das eine tun, ohne das andere zu lassen. Die Kinder sollten in der Grundschule, etwa von der dritten Klasse an, lernen, mit dem Computer umzugehen. Das Lernen mit digitalen Medien ist eine gute Ergänzung des Instrumentenkastens der Lehrkräfte. Ich bin mir aber sicher, dass das flüssige Schreiben mit der Hand eine zentrale Kulturtechnik bleibt. Sie wird um andere Techniken ergänzt, aber nicht ersetzt. Teilweise geht ja sogar das eine in das andere über, wenn ich etwa mit Stift und per Handschrift etwas in den Computer eingebe.

354 Wörter

Kerstan, T. (2019, 25. September). Schmerzfrei schreiben. Die Zeit.

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Englisch LK · Scholz/Schnabel: Handschrift: Die A 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Based on the two articles, write him/her an email in which you outline the information about the role handwriting plays in a child's development and on the current situation regarding the teaching of handwriting in Germany.

Lösung: An informal email covering the key content points: 1. Format and register: - Informal email structure (e.g. personal salutation, reference to the friend's request/articles, cohesive paragraphs, appropriate closing formula). 2. Impact of handwriting on children's development: - Cultural technique serving as a gateway to participating in society. - Mirror of and closely connected to one's personality. - Haptic learning enables children to distinguish difficult or frequently confused letters (e.g. d/p, b/q). - Allows children to quickly put down their thoughts on paper. - Relieves working memory, supporting correct spelling and text production/quality. - Helps with successful learning and the development of aesthetics and fine motor skills. 3. Current situation in Germany: - Heated discussion about the need for handwriting in the digital age. - Teachers complain about a growing number of pupils unable to write well, legibly, or for longer periods without pain (over a third in primary school; only 2 in 5 in higher grades). - In Schleswig-Holstein: Minister of Education made cursive handwriting instruction mandatory again in primary schools. - Controversy over the relationship between handwriting and orthography: generally positive response from parents and teachers, though some fear overexertion of weaker students. - Consensus that digital media should complement rather than replace handwriting as a vital cultural technique.

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