Abitur Hessen Latein 2022 · GK
Abiturprüfung Latein in Hessen 2022, GK: 20 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Übersetzung lateinischer Prosa (Cicero, Seneca). Mit automatischer Korrektur.
Themen der Prüfung: Übersetzung lateinischer Prosa (Cicero, Seneca) · Übersetzung lateinischer Dichtung (Ovid, Vergil) · Inhalt und Gedankengang mit lateinischen Textbelegen · Sprachlich-stilistische Analyse · Metrische Analyse (Hexameter, elegisches Distichon) · Dichtung: Ovids Liebeselegie und Exil, Vergils Aeneis · Individuum und Gemeinschaft: Staatsmann, Politik und Prinzipat · Stoische Philosophie (Seneca): Güterlehre, Affekte, Zeit und Tod · Epikureische Philosophie: Lust, Seelenruhe und Rückzug · Aktualisierung und Rezeption: antike Positionen heute
Aufgabe Vorschlag A - I Übersetzung · Übersetzung lateinischer Prosa (Cicero, Seneca)
Material – Vorschlag A
Vorbemerkung
Cicero gibt Männern, die Führungsämter übernehmen wollen, folgende zwei Ratschläge mit auf den Weg:
Lateinischer Text (Cicero, De officiis I, 85–86)
Qui rei publicae praefuturi sunt, duo Platonis praecepta teneant: unum, ut utilitatem civium
2 sic tueantur, ut, quaecumque agunt, ad eam referant obliti commodorum suorum;
alterum, ut totum corpus rei publicae curent, ne, dum partem aliquam tuentur, reliquas
4 deserant. Ut enim tutela, sic procuratio rei publicae ad eorum utilitatem, qui commissi sunt,
non ad eorum, quibus commissa est, gerenda est. Qui autem parti civium consulunt, partem
6 neglegunt, rem perniciosissimam in civitatem inducunt, seditionem atque discordiam. Ex quo
evenit, ut alii populares, alii studiosi optimi cuiusque videantur, pauci universorum.
8 Hinc apud Athenienses magnae discordiae, in nostra re publica non solum seditiones, sed
etiam pestifera bella civilia. Quae gravis et fortis civis et in re publica dignus principatu fugiet
10 atque oderit tradetque se totum rei publicae neque opes aut potentiam consectabitur totamque
eam sic tuebitur, ut omnibus consulat.
Übersetzungshilfen
Zeile · Hilfe
Z. 1 · qui: diejenigen, die
praeesse (+ Dat.): die Führung übernehmen ( in)
praefuturi sunt (= praeerunt)
Plato, -onis, m.: Platon ( Philosoph)
tenere, teneo: hier beachten, beherzigen
Z. 1/3 · unum [...] alterum: Ergänzen Sie jeweils praeceptum.
Z. 2 · referre ad (+ Akk.): hier ausrichten auf ( etw.), beziehen auf ( etw.)
oblitus (+ Gen.): ohne Gedanken ( an etw.)
Z. 3 · corpus, -oris, n.: hier Gemeinschaft
curare (+ Akk.): hier Sorge tragen ( für etw.), sich kümmern ( um etw.)
reliquas: Ergänzen Sie partes.
Z. 4 f. · Ut [...] gerenda est: Ordnen Sie Ut [...] tutela gerenda est, sic procuratio ([...] gerenda est).
Z. 4 · tutela, -ae, f.: Vormundschaft, Schutz, Obhut
procuratio, -onis, f.: Verwaltung
committere, committo, commisi, commissum: hier anvertrauen
Z. 5 · ad eorum: Ergänzen Sie utilitatem.
commissa est ist bezogen auf procuratio rei publicae.
gerere, gero: hier ausüben
qui: diejenigen, die
consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Z. 5 f. · consulunt, partem neglegunt = consulunt et partem [alteram] neglegunt
Z. 7 · populares, -ium, m.: Anhänger der Volkspartei
studiosi optimi cuiusque: Anhänger der Optimaten
[studiosi] universorum: Anhänger beider Parteien
Z. 8 · hinc [erant]: daher/aus diesem Grund gab es
Athenienses, -ium, m.: Einwohner von Athen, Athener
Z. 9 · quae ( Akk. Pl. n.) bezieht sich zusammenfassend auf discordiae, seditiones und bella civilia.
dignus principatu in re publica ( zu civis): ein der Staatsführung würdiger Bürger
fugere, fugio (+ Akk.): hier meiden
Z. 10 · oderit: ( von odisse) er wird hassen
se tradere, trado: hier sich widmen, sich hingeben
consectari (+ Akk.): ( etw.) erstreben, streben nach ( etw.)
Z. 10 f. · totamque eam = totamque rem publicam
Z. 11 · consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Arbeitsübersetzung
Diejenigen, die die Absicht haben, die Führung im Staat zu übernehmen, sollten zwei Ratschläge Platons beherzigen: Der eine ist, dass sie den Nutzen der Bürger so schützen, dass sie alles, was sie tun, ohne Gedanken an eigene Vorteile auf diesen Nutzen ausrichten, der andere, dass sie für die ganze Gemeinschaft des Staates Sorge tragen, damit sie nicht, während sie für einen Teil sorgen, die übrigen vernachlässigen. Wie nämlich eine Vormundschaft so muss auch die Verwaltung des Staates zum Nutzen derer ausgeübt werden, die einem anvertraut sind, und nicht zum Nutzen derer, denen die Verwaltung des Staates anvertraut ist. Diejenigen aber, die für einen Teil der Bürger sorgen und einen anderen Teil vernachlässigen, bringen etwas höchst Unheilvolles in die Bürgerschaft ein, nämlich Spaltung und Zwietracht. Daraus resultiert, dass die einen Popularen, die anderen Anhänger der Optimaten zu sein scheinen, wenige nur Anhänger beider Parteien.
Daher gab es bei den Athenern große Auseinandersetzungen, in unserem Staat nicht nur Spaltungen, sondern auch unheilvolle Bürgerkriege. Diese wird ein bedeutender und tatkräftiger und der Staatsführung würdiger Bürger vermeiden und hassen und wird sich ganz dem Staat hingeben und nicht nach Reichtum oder Macht streben und wird den Staat als Ganzen so schützen, dass er für alle sorgt.
I Übersetzung
Übersetzen Sie den Text (Material) in angemessenes Deutsch.
Aufgabe Vorschlag A - II.1 · Inhalt und Gedankengang mit lateinischen Textbelegen
Material – Vorschlag A
Vorbemerkung
Cicero gibt Männern, die Führungsämter übernehmen wollen, folgende zwei Ratschläge mit auf den Weg:
Lateinischer Text (Cicero, De officiis I, 85–86)
Qui rei publicae praefuturi sunt, duo Platonis praecepta teneant: unum, ut utilitatem civium
2 sic tueantur, ut, quaecumque agunt, ad eam referant obliti commodorum suorum;
alterum, ut totum corpus rei publicae curent, ne, dum partem aliquam tuentur, reliquas
4 deserant. Ut enim tutela, sic procuratio rei publicae ad eorum utilitatem, qui commissi sunt,
non ad eorum, quibus commissa est, gerenda est. Qui autem parti civium consulunt, partem
6 neglegunt, rem perniciosissimam in civitatem inducunt, seditionem atque discordiam. Ex quo
evenit, ut alii populares, alii studiosi optimi cuiusque videantur, pauci universorum.
8 Hinc apud Athenienses magnae discordiae, in nostra re publica non solum seditiones, sed
etiam pestifera bella civilia. Quae gravis et fortis civis et in re publica dignus principatu fugiet
10 atque oderit tradetque se totum rei publicae neque opes aut potentiam consectabitur totamque
eam sic tuebitur, ut omnibus consulat.
Übersetzungshilfen
Zeile · Hilfe
Z. 1 · qui: diejenigen, die
praeesse (+ Dat.): die Führung übernehmen ( in)
praefuturi sunt (= praeerunt)
Plato, -onis, m.: Platon ( Philosoph)
tenere, teneo: hier beachten, beherzigen
Z. 1/3 · unum [...] alterum: Ergänzen Sie jeweils praeceptum.
Z. 2 · referre ad (+ Akk.): hier ausrichten auf ( etw.), beziehen auf ( etw.)
oblitus (+ Gen.): ohne Gedanken ( an etw.)
Z. 3 · corpus, -oris, n.: hier Gemeinschaft
curare (+ Akk.): hier Sorge tragen ( für etw.), sich kümmern ( um etw.)
reliquas: Ergänzen Sie partes.
Z. 4 f. · Ut [...] gerenda est: Ordnen Sie Ut [...] tutela gerenda est, sic procuratio ([...] gerenda est).
Z. 4 · tutela, -ae, f.: Vormundschaft, Schutz, Obhut
procuratio, -onis, f.: Verwaltung
committere, committo, commisi, commissum: hier anvertrauen
Z. 5 · ad eorum: Ergänzen Sie utilitatem.
commissa est ist bezogen auf procuratio rei publicae.
gerere, gero: hier ausüben
qui: diejenigen, die
consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Z. 5 f. · consulunt, partem neglegunt = consulunt et partem [alteram] neglegunt
Z. 7 · populares, -ium, m.: Anhänger der Volkspartei
studiosi optimi cuiusque: Anhänger der Optimaten
[studiosi] universorum: Anhänger beider Parteien
Z. 8 · hinc [erant]: daher/aus diesem Grund gab es
Athenienses, -ium, m.: Einwohner von Athen, Athener
Z. 9 · quae ( Akk. Pl. n.) bezieht sich zusammenfassend auf discordiae, seditiones und bella civilia.
dignus principatu in re publica ( zu civis): ein der Staatsführung würdiger Bürger
fugere, fugio (+ Akk.): hier meiden
Z. 10 · oderit: ( von odisse) er wird hassen
se tradere, trado: hier sich widmen, sich hingeben
consectari (+ Akk.): ( etw.) erstreben, streben nach ( etw.)
Z. 10 f. · totamque eam = totamque rem publicam
Z. 11 · consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Arbeitsübersetzung
Diejenigen, die die Absicht haben, die Führung im Staat zu übernehmen, sollten zwei Ratschläge Platons beherzigen: Der eine ist, dass sie den Nutzen der Bürger so schützen, dass sie alles, was sie tun, ohne Gedanken an eigene Vorteile auf diesen Nutzen ausrichten, der andere, dass sie für die ganze Gemeinschaft des Staates Sorge tragen, damit sie nicht, während sie für einen Teil sorgen, die übrigen vernachlässigen. Wie nämlich eine Vormundschaft so muss auch die Verwaltung des Staates zum Nutzen derer ausgeübt werden, die einem anvertraut sind, und nicht zum Nutzen derer, denen die Verwaltung des Staates anvertraut ist. Diejenigen aber, die für einen Teil der Bürger sorgen und einen anderen Teil vernachlässigen, bringen etwas höchst Unheilvolles in die Bürgerschaft ein, nämlich Spaltung und Zwietracht. Daraus resultiert, dass die einen Popularen, die anderen Anhänger der Optimaten zu sein scheinen, wenige nur Anhänger beider Parteien.
Daher gab es bei den Athenern große Auseinandersetzungen, in unserem Staat nicht nur Spaltungen, sondern auch unheilvolle Bürgerkriege. Diese wird ein bedeutender und tatkräftiger und der Staatsführung würdiger Bürger vermeiden und hassen und wird sich ganz dem Staat hingeben und nicht nach Reichtum oder Macht streben und wird den Staat als Ganzen so schützen, dass er für alle sorgt.
II Interpretation
1
Fassen Sie die Kernaussagen Ciceros unter Verwendung lateinischer Textbelege zusammen. (Material)
[25 BE]
Aufgabe Vorschlag A - II.2 · Sprachlich-stilistische Analyse
Material – Vorschlag A
Vorbemerkung
Cicero gibt Männern, die Führungsämter übernehmen wollen, folgende zwei Ratschläge mit auf den Weg:
Lateinischer Text (Cicero, De officiis I, 85–86)
Qui rei publicae praefuturi sunt, duo Platonis praecepta teneant: unum, ut utilitatem civium
2 sic tueantur, ut, quaecumque agunt, ad eam referant obliti commodorum suorum;
alterum, ut totum corpus rei publicae curent, ne, dum partem aliquam tuentur, reliquas
4 deserant. Ut enim tutela, sic procuratio rei publicae ad eorum utilitatem, qui commissi sunt,
non ad eorum, quibus commissa est, gerenda est. Qui autem parti civium consulunt, partem
6 neglegunt, rem perniciosissimam in civitatem inducunt, seditionem atque discordiam. Ex quo
evenit, ut alii populares, alii studiosi optimi cuiusque videantur, pauci universorum.
8 Hinc apud Athenienses magnae discordiae, in nostra re publica non solum seditiones, sed
etiam pestifera bella civilia. Quae gravis et fortis civis et in re publica dignus principatu fugiet
10 atque oderit tradetque se totum rei publicae neque opes aut potentiam consectabitur totamque
eam sic tuebitur, ut omnibus consulat.
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Z. 1 · qui: diejenigen, die
praeesse (+ Dat.): die Führung übernehmen ( in)
praefuturi sunt (= praeerunt)
Plato, -onis, m.: Platon ( Philosoph)
tenere, teneo: hier beachten, beherzigen
Z. 1/3 · unum [...] alterum: Ergänzen Sie jeweils praeceptum.
Z. 2 · referre ad (+ Akk.): hier ausrichten auf ( etw.), beziehen auf ( etw.)
oblitus (+ Gen.): ohne Gedanken ( an etw.)
Z. 3 · corpus, -oris, n.: hier Gemeinschaft
curare (+ Akk.): hier Sorge tragen ( für etw.), sich kümmern ( um etw.)
reliquas: Ergänzen Sie partes.
Z. 4 f. · Ut [...] gerenda est: Ordnen Sie Ut [...] tutela gerenda est, sic procuratio ([...] gerenda est).
Z. 4 · tutela, -ae, f.: Vormundschaft, Schutz, Obhut
procuratio, -onis, f.: Verwaltung
committere, committo, commisi, commissum: hier anvertrauen
Z. 5 · ad eorum: Ergänzen Sie utilitatem.
commissa est ist bezogen auf procuratio rei publicae.
gerere, gero: hier ausüben
qui: diejenigen, die
consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Z. 5 f. · consulunt, partem neglegunt = consulunt et partem [alteram] neglegunt
Z. 7 · populares, -ium, m.: Anhänger der Volkspartei
studiosi optimi cuiusque: Anhänger der Optimaten
[studiosi] universorum: Anhänger beider Parteien
Z. 8 · hinc [erant]: daher/aus diesem Grund gab es
Athenienses, -ium, m.: Einwohner von Athen, Athener
Z. 9 · quae ( Akk. Pl. n.) bezieht sich zusammenfassend auf discordiae, seditiones und bella civilia.
dignus principatu in re publica ( zu civis): ein der Staatsführung würdiger Bürger
fugere, fugio (+ Akk.): hier meiden
Z. 10 · oderit: ( von odisse) er wird hassen
se tradere, trado: hier sich widmen, sich hingeben
consectari (+ Akk.): ( etw.) erstreben, streben nach ( etw.)
Z. 10 f. · totamque eam = totamque rem publicam
Z. 11 · consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Arbeitsübersetzung
Diejenigen, die die Absicht haben, die Führung im Staat zu übernehmen, sollten zwei Ratschläge Platons beherzigen: Der eine ist, dass sie den Nutzen der Bürger so schützen, dass sie alles, was sie tun, ohne Gedanken an eigene Vorteile auf diesen Nutzen ausrichten, der andere, dass sie für die ganze Gemeinschaft des Staates Sorge tragen, damit sie nicht, während sie für einen Teil sorgen, die übrigen vernachlässigen. Wie nämlich eine Vormundschaft so muss auch die Verwaltung des Staates zum Nutzen derer ausgeübt werden, die einem anvertraut sind, und nicht zum Nutzen derer, denen die Verwaltung des Staates anvertraut ist. Diejenigen aber, die für einen Teil der Bürger sorgen und einen anderen Teil vernachlässigen, bringen etwas höchst Unheilvolles in die Bürgerschaft ein, nämlich Spaltung und Zwietracht. Daraus resultiert, dass die einen Popularen, die anderen Anhänger der Optimaten zu sein scheinen, wenige nur Anhänger beider Parteien.
Daher gab es bei den Athenern große Auseinandersetzungen, in unserem Staat nicht nur Spaltungen, sondern auch unheilvolle Bürgerkriege. Diese wird ein bedeutender und tatkräftiger und der Staatsführung würdiger Bürger vermeiden und hassen und wird sich ganz dem Staat hingeben und nicht nach Reichtum oder Macht streben und wird den Staat als Ganzen so schützen, dass er für alle sorgt.
II Interpretation
2
Analysieren Sie den Textabschnitt vom Beginn bis discordiam unter sprachlich-stilistischen Aspekten. (Material)
[25 BE]
Aufgabe Vorschlag A - II.3 · Epikureische Philosophie: Lust, Seelenruhe und Rückzug
Material – Vorschlag A
Vorbemerkung
Cicero gibt Männern, die Führungsämter übernehmen wollen, folgende zwei Ratschläge mit auf den Weg:
Lateinischer Text (Cicero, De officiis I, 85–86)
Qui rei publicae praefuturi sunt, duo Platonis praecepta teneant: unum, ut utilitatem civium
2 sic tueantur, ut, quaecumque agunt, ad eam referant obliti commodorum suorum;
alterum, ut totum corpus rei publicae curent, ne, dum partem aliquam tuentur, reliquas
4 deserant. Ut enim tutela, sic procuratio rei publicae ad eorum utilitatem, qui commissi sunt,
non ad eorum, quibus commissa est, gerenda est. Qui autem parti civium consulunt, partem
6 neglegunt, rem perniciosissimam in civitatem inducunt, seditionem atque discordiam. Ex quo
evenit, ut alii populares, alii studiosi optimi cuiusque videantur, pauci universorum.
8 Hinc apud Athenienses magnae discordiae, in nostra re publica non solum seditiones, sed
etiam pestifera bella civilia. Quae gravis et fortis civis et in re publica dignus principatu fugiet
10 atque oderit tradetque se totum rei publicae neque opes aut potentiam consectabitur totamque
eam sic tuebitur, ut omnibus consulat.
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Zeile · Hilfe
Z. 1 · qui: diejenigen, die
praeesse (+ Dat.): die Führung übernehmen ( in)
praefuturi sunt (= praeerunt)
Plato, -onis, m.: Platon ( Philosoph)
tenere, teneo: hier beachten, beherzigen
Z. 1/3 · unum [...] alterum: Ergänzen Sie jeweils praeceptum.
Z. 2 · referre ad (+ Akk.): hier ausrichten auf ( etw.), beziehen auf ( etw.)
oblitus (+ Gen.): ohne Gedanken ( an etw.)
Z. 3 · corpus, -oris, n.: hier Gemeinschaft
curare (+ Akk.): hier Sorge tragen ( für etw.), sich kümmern ( um etw.)
reliquas: Ergänzen Sie partes.
Z. 4 f. · Ut [...] gerenda est: Ordnen Sie Ut [...] tutela gerenda est, sic procuratio ([...] gerenda est).
Z. 4 · tutela, -ae, f.: Vormundschaft, Schutz, Obhut
procuratio, -onis, f.: Verwaltung
committere, committo, commisi, commissum: hier anvertrauen
Z. 5 · ad eorum: Ergänzen Sie utilitatem.
commissa est ist bezogen auf procuratio rei publicae.
gerere, gero: hier ausüben
qui: diejenigen, die
consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Z. 5 f. · consulunt, partem neglegunt = consulunt et partem [alteram] neglegunt
Z. 7 · populares, -ium, m.: Anhänger der Volkspartei
studiosi optimi cuiusque: Anhänger der Optimaten
[studiosi] universorum: Anhänger beider Parteien
Z. 8 · hinc [erant]: daher/aus diesem Grund gab es
Athenienses, -ium, m.: Einwohner von Athen, Athener
Z. 9 · quae ( Akk. Pl. n.) bezieht sich zusammenfassend auf discordiae, seditiones und bella civilia.
dignus principatu in re publica ( zu civis): ein der Staatsführung würdiger Bürger
fugere, fugio (+ Akk.): hier meiden
Z. 10 · oderit: ( von odisse) er wird hassen
se tradere, trado: hier sich widmen, sich hingeben
consectari (+ Akk.): ( etw.) erstreben, streben nach ( etw.)
Z. 10 f. · totamque eam = totamque rem publicam
Z. 11 · consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Arbeitsübersetzung
Diejenigen, die die Absicht haben, die Führung im Staat zu übernehmen, sollten zwei Ratschläge Platons beherzigen: Der eine ist, dass sie den Nutzen der Bürger so schützen, dass sie alles, was sie tun, ohne Gedanken an eigene Vorteile auf diesen Nutzen ausrichten, der andere, dass sie für die ganze Gemeinschaft des Staates Sorge tragen, damit sie nicht, während sie für einen Teil sorgen, die übrigen vernachlässigen. Wie nämlich eine Vormundschaft so muss auch die Verwaltung des Staates zum Nutzen derer ausgeübt werden, die einem anvertraut sind, und nicht zum Nutzen derer, denen die Verwaltung des Staates anvertraut ist. Diejenigen aber, die für einen Teil der Bürger sorgen und einen anderen Teil vernachlässigen, bringen etwas höchst Unheilvolles in die Bürgerschaft ein, nämlich Spaltung und Zwietracht. Daraus resultiert, dass die einen Popularen, die anderen Anhänger der Optimaten zu sein scheinen, wenige nur Anhänger beider Parteien.
Daher gab es bei den Athenern große Auseinandersetzungen, in unserem Staat nicht nur Spaltungen, sondern auch unheilvolle Bürgerkriege. Diese wird ein bedeutender und tatkräftiger und der Staatsführung würdiger Bürger vermeiden und hassen und wird sich ganz dem Staat hingeben und nicht nach Reichtum oder Macht streben und wird den Staat als Ganzen so schützen, dass er für alle sorgt.
II Interpretation
3
Setzen Sie Ciceros Ratschläge in Beziehung zur Grundhaltung epikureischer Philosophie.
[25 BE]
Aufgabe Vorschlag A - II.4 · Aktualisierung und Rezeption: antike Positionen heute
Material – Vorschlag A
Vorbemerkung
Cicero gibt Männern, die Führungsämter übernehmen wollen, folgende zwei Ratschläge mit auf den Weg:
Lateinischer Text (Cicero, De officiis I, 85–86)
Qui rei publicae praefuturi sunt, duo Platonis praecepta teneant: unum, ut utilitatem civium
2 sic tueantur, ut, quaecumque agunt, ad eam referant obliti commodorum suorum;
alterum, ut totum corpus rei publicae curent, ne, dum partem aliquam tuentur, reliquas
4 deserant. Ut enim tutela, sic procuratio rei publicae ad eorum utilitatem, qui commissi sunt,
non ad eorum, quibus commissa est, gerenda est. Qui autem parti civium consulunt, partem
6 neglegunt, rem perniciosissimam in civitatem inducunt, seditionem atque discordiam. Ex quo
evenit, ut alii populares, alii studiosi optimi cuiusque videantur, pauci universorum.
8 Hinc apud Athenienses magnae discordiae, in nostra re publica non solum seditiones, sed
etiam pestifera bella civilia. Quae gravis et fortis civis et in re publica dignus principatu fugiet
10 atque oderit tradetque se totum rei publicae neque opes aut potentiam consectabitur totamque
eam sic tuebitur, ut omnibus consulat.
Übersetzungshilfen
Zeile · Hilfe
Z. 1 · qui: diejenigen, die
praeesse (+ Dat.): die Führung übernehmen ( in)
praefuturi sunt (= praeerunt)
Plato, -onis, m.: Platon ( Philosoph)
tenere, teneo: hier beachten, beherzigen
Z. 1/3 · unum [...] alterum: Ergänzen Sie jeweils praeceptum.
Z. 2 · referre ad (+ Akk.): hier ausrichten auf ( etw.), beziehen auf ( etw.)
oblitus (+ Gen.): ohne Gedanken ( an etw.)
Z. 3 · corpus, -oris, n.: hier Gemeinschaft
curare (+ Akk.): hier Sorge tragen ( für etw.), sich kümmern ( um etw.)
reliquas: Ergänzen Sie partes.
Z. 4 f. · Ut [...] gerenda est: Ordnen Sie Ut [...] tutela gerenda est, sic procuratio ([...] gerenda est).
Z. 4 · tutela, -ae, f.: Vormundschaft, Schutz, Obhut
procuratio, -onis, f.: Verwaltung
committere, committo, commisi, commissum: hier anvertrauen
Z. 5 · ad eorum: Ergänzen Sie utilitatem.
commissa est ist bezogen auf procuratio rei publicae.
gerere, gero: hier ausüben
qui: diejenigen, die
consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Z. 5 f. · consulunt, partem neglegunt = consulunt et partem [alteram] neglegunt
Z. 7 · populares, -ium, m.: Anhänger der Volkspartei
studiosi optimi cuiusque: Anhänger der Optimaten
[studiosi] universorum: Anhänger beider Parteien
Z. 8 · hinc [erant]: daher/aus diesem Grund gab es
Athenienses, -ium, m.: Einwohner von Athen, Athener
Z. 9 · quae ( Akk. Pl. n.) bezieht sich zusammenfassend auf discordiae, seditiones und bella civilia.
dignus principatu in re publica ( zu civis): ein der Staatsführung würdiger Bürger
fugere, fugio (+ Akk.): hier meiden
Z. 10 · oderit: ( von odisse) er wird hassen
se tradere, trado: hier sich widmen, sich hingeben
consectari (+ Akk.): ( etw.) erstreben, streben nach ( etw.)
Z. 10 f. · totamque eam = totamque rem publicam
Z. 11 · consulere, consulo (+ Dat.): sorgen für ( jdn.), ( jdm.) helfen
Arbeitsübersetzung
Diejenigen, die die Absicht haben, die Führung im Staat zu übernehmen, sollten zwei Ratschläge Platons beherzigen: Der eine ist, dass sie den Nutzen der Bürger so schützen, dass sie alles, was sie tun, ohne Gedanken an eigene Vorteile auf diesen Nutzen ausrichten, der andere, dass sie für die ganze Gemeinschaft des Staates Sorge tragen, damit sie nicht, während sie für einen Teil sorgen, die übrigen vernachlässigen. Wie nämlich eine Vormundschaft so muss auch die Verwaltung des Staates zum Nutzen derer ausgeübt werden, die einem anvertraut sind, und nicht zum Nutzen derer, denen die Verwaltung des Staates anvertraut ist. Diejenigen aber, die für einen Teil der Bürger sorgen und einen anderen Teil vernachlässigen, bringen etwas höchst Unheilvolles in die Bürgerschaft ein, nämlich Spaltung und Zwietracht. Daraus resultiert, dass die einen Popularen, die anderen Anhänger der Optimaten zu sein scheinen, wenige nur Anhänger beider Parteien.
Daher gab es bei den Athenern große Auseinandersetzungen, in unserem Staat nicht nur Spaltungen, sondern auch unheilvolle Bürgerkriege. Diese wird ein bedeutender und tatkräftiger und der Staatsführung würdiger Bürger vermeiden und hassen und wird sich ganz dem Staat hingeben und nicht nach Reichtum oder Macht streben und wird den Staat als Ganzen so schützen, dass er für alle sorgt.
II Interpretation
4
Erörtern Sie, inwieweit Ciceros Ratschläge berechtigte Erwartungen an Politiker formulieren oder übertriebene Ansprüche, die qualifizierte Personen von politischem Engagement abhalten.
[25 BE]
Aufgabe Vorschlag B - I Übersetzung · Übersetzung lateinischer Dichtung (Ovid, Vergil)
Material 1
Vorbemerkung
In der Erzählung des Vergil gelangt Aeneas auf seinen Irrfahrten nach dem Trojanischen Krieg an den Hof der Königin Dido in Karthago. Die beiden werden ein Liebespaar und schlafen miteinander. Damit gehen sie faktisch den Bund der Ehe ein, wodurch Aeneas zum König Karthagos aufsteigt. Doch Merkur erinnert Aeneas an den Auftrag Jupiters, in Italien eine neue Heimat für die Trojaner zu finden. Pflichtbewusst verlässt Aeneas Dido, welche sich daraufhin das Leben nimmt.
Ovid greift diese Erzählung auf, indem er einen fiktiven Brief der verzweifelten Dido verfasst, die angesichts des drohenden Verrats und des treulosen Ehebruchs folgende Worte an Aeneas richtet:
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
2 Atque idem venti vela fidemque ferent?
Certus es, Aenea, cum foedere solvere naves
4 quaeque ubi sint nescis, Itala regna sequi?
Nec nova Carthago nec te crescentia tangunt
6 moenia nec sceptro tradita summa tuo?
Facta fugis, facienda petis; quaerenda per orbem
8 altera, quaesita est altera terra tibi.
Ut terram invenias, quis eam tibi tradet habendam?
10 Quis sua non notis arva tenenda dabit?
Scilicet alter amor tibi restat et altera Dido
12 quamque iterum fallas, altera danda fides.
Quando erit, ut condas instar Carthaginis urbem
14 et videas populos altus ab arce tuos?
Omnia ut eveniant nec te tua vota morentur,
16 unde tibi, quae te sic amet, uxor erit?
Uror ut inducto ceratae sulpure taedae,
18 ut pia fumosis addita tura focis.
Aeneas oculis semper vigilantis inhaeret;
20 Aenean animo noxque quiesque refert.
Übersetzungshilfen
V. 1 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Didon: Akk. zu Dido ( Dido spricht von sich selbst in der 3. Person)
V. 2 · idem = iidem
velum, -i, n.: hier Schiff
ferre, fero: hier wegtragen, davontragen
V. 3 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Aenea: Vokativ zu Aeneas
cum foedere naves solvere: zusammen mit dem Bund die Schiffe lösen
V. 4 · quaeque [...] sequi: Ordnen Sie et sequi Itala regna, quae nescis, ubi sint.
quae nescis: Übersetzen Sie von denen du nicht weißt.
sequi: hier aufsuchen
V. 5 · Dido soll Karthago gegründet haben, das noch im Bau ist.
V. 6 · sceptro tradita summa tuo: der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl
summa, -ae, f.: Oberbefehl
V. 7 · fugere: hier fluchtartig verlassen
V. 7 f. · quaerere: hier erwerben. Ergänzen Sie est zu quaerenda und verbinden Sie mit altera (terra).
V. 8 · tibi: hier von dir
V. 9 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
habendum, -am tradere (+ Akk.): (etw.) als Besitz überlassen
V. 10 · non notis = ignotis. Ergänzen Sie hominibus.
arvum, -i, n.: Ackerland, Feld
tenenda: hier zum Besitzen, als Besitz
V. 11 f. · alter [...] altera [...] altera: Übersetzen Sie jeweils mit ein(e) andere(r).
restare: bleiben, bevorstehen
V. 12 · quamque [...] fides: Ordnen Sie et altera fides danda (est), quam iterum fallas.
fides, fidei, f.: hier Versprechen, Treueschwur
V. 13 · instar (+ Gen.): nach Art von, gleichwie, so bedeutend wie
V. 15 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
morari, moror: aufhalten
V. 17 · uror: ich verzehre mich
ut: hier wie
inducto [...] sulpure: Übersetzen Sie mit Schwefel überzogen/versehen. Beziehen Sie auf taedae ceratae.
taeda cerata, taedae ceratae, f.: Fackel aus Wachs
V. 18 · ut: hier wie
tus, turis, n.: Weihrauch(korn)
V. 19 · oculis vigilantis inhaerere: der Wachliegenden vor Augen stehen
V. 20 · Aenean referre, refero: die Gedanken an Aeneas zurückbringen
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
Arbeitsübersetzung
Bist du dennoch entschlossen zu gehen und die unglückliche Dido zu verlassen?
Und werden dieselben Winde Schiff und Treue hinwegtragen?
Bist du entschlossen, Aeneas, mit unserem Bund die Schiffe zu lösen
und Italische Reiche aufzusuchen, von denen du nicht weißt, wo sie liegen?
Berühren dich weder das neue Karthago noch die wachsenden Mauern
noch der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl?
Das Fertige verlässt du, zu Fertigendes suchst du; erwerben musst du auf dem Erdkreis
ein anderes Land, das eine ist von dir schon erworben worden.
Selbst wenn du ein Land findest, wer wird es dir als Besitz überlassen?
Wer wird Unbekannten seine Felder zum Eigentum geben?
Freilich steht dir eine andere Liebe bevor und eine andere Dido,
und ein anderes Treueversprechen musst du geben, das du wiederum brichst.
Wann wird es (soweit) sein, dass du eine Stadt so bedeutend wie Karthago gründest
und hoch oben von der Burg (auf) deine Völker siehst?
Selbst wenn alles geschieht und dich deine Gelübde nicht aufhalten,
woher wird dir eine Ehefrau kommen, die dich so liebt?
Ich brenne wie mit Schwefel überzogene Fackeln aus Wachs,
wie fromme Weihrauchkörner, die man rauchenden Feuern beigegeben hat.
Aeneas steht immer vor meinen Augen, wenn ich wach bin;
die Nacht und die Ruhe bringen mir die Gedanken an Aeneas ins Herz zurück.
I Übersetzung
Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.
Aufgabe Vorschlag B - II.1 · Inhalt und Gedankengang mit lateinischen Textbelegen
Material 1
Vorbemerkung
In der Erzählung des Vergil gelangt Aeneas auf seinen Irrfahrten nach dem Trojanischen Krieg an den Hof der Königin Dido in Karthago. Die beiden werden ein Liebespaar und schlafen miteinander. Damit gehen sie faktisch den Bund der Ehe ein, wodurch Aeneas zum König Karthagos aufsteigt. Doch Merkur erinnert Aeneas an den Auftrag Jupiters, in Italien eine neue Heimat für die Trojaner zu finden. Pflichtbewusst verlässt Aeneas Dido, welche sich daraufhin das Leben nimmt.
Ovid greift diese Erzählung auf, indem er einen fiktiven Brief der verzweifelten Dido verfasst, die angesichts des drohenden Verrats und des treulosen Ehebruchs folgende Worte an Aeneas richtet:
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
2 Atque idem venti vela fidemque ferent?
Certus es, Aenea, cum foedere solvere naves
4 quaeque ubi sint nescis, Itala regna sequi?
Nec nova Carthago nec te crescentia tangunt
6 moenia nec sceptro tradita summa tuo?
Facta fugis, facienda petis; quaerenda per orbem
8 altera, quaesita est altera terra tibi.
Ut terram invenias, quis eam tibi tradet habendam?
10 Quis sua non notis arva tenenda dabit?
Scilicet alter amor tibi restat et altera Dido
12 quamque iterum fallas, altera danda fides.
Quando erit, ut condas instar Carthaginis urbem
14 et videas populos altus ab arce tuos?
Omnia ut eveniant nec te tua vota morentur,
16 unde tibi, quae te sic amet, uxor erit?
Uror ut inducto ceratae sulpure taedae,
18 ut pia fumosis addita tura focis.
Aeneas oculis semper vigilantis inhaeret;
20 Aenean animo noxque quiesque refert.
Übersetzungshilfen
V. 1 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Didon: Akk. zu Dido ( Dido spricht von sich selbst in der 3. Person)
V. 2 · idem = iidem
velum, -i, n.: hier Schiff
ferre, fero: hier wegtragen, davontragen
V. 3 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Aenea: Vokativ zu Aeneas
cum foedere naves solvere: zusammen mit dem Bund die Schiffe lösen
V. 4 · quaeque [...] sequi: Ordnen Sie et sequi Itala regna, quae nescis, ubi sint.
quae nescis: Übersetzen Sie von denen du nicht weißt.
sequi: hier aufsuchen
V. 5 · Dido soll Karthago gegründet haben, das noch im Bau ist.
V. 6 · sceptro tradita summa tuo: der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl
summa, -ae, f.: Oberbefehl
V. 7 · fugere: hier fluchtartig verlassen
V. 7 f. · quaerere: hier erwerben. Ergänzen Sie est zu quaerenda und verbinden Sie mit altera (terra).
V. 8 · tibi: hier von dir
V. 9 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
habendum, -am tradere (+ Akk.): (etw.) als Besitz überlassen
V. 10 · non notis = ignotis. Ergänzen Sie hominibus.
arvum, -i, n.: Ackerland, Feld
tenenda: hier zum Besitzen, als Besitz
V. 11 f. · alter [...] altera [...] altera: Übersetzen Sie jeweils mit ein(e) andere(r).
restare: bleiben, bevorstehen
V. 12 · quamque [...] fides: Ordnen Sie et altera fides danda (est), quam iterum fallas.
fides, fidei, f.: hier Versprechen, Treueschwur
V. 13 · instar (+ Gen.): nach Art von, gleichwie, so bedeutend wie
V. 15 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
morari, moror: aufhalten
V. 17 · uror: ich verzehre mich
ut: hier wie
inducto [...] sulpure: Übersetzen Sie mit Schwefel überzogen/versehen. Beziehen Sie auf taedae ceratae.
taeda cerata, taedae ceratae, f.: Fackel aus Wachs
V. 18 · ut: hier wie
tus, turis, n.: Weihrauch(korn)
V. 19 · oculis vigilantis inhaerere: der Wachliegenden vor Augen stehen
V. 20 · Aenean referre, refero: die Gedanken an Aeneas zurückbringen
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
Arbeitsübersetzung
Bist du dennoch entschlossen zu gehen und die unglückliche Dido zu verlassen?
Und werden dieselben Winde Schiff und Treue hinwegtragen?
Bist du entschlossen, Aeneas, mit unserem Bund die Schiffe zu lösen
und Italische Reiche aufzusuchen, von denen du nicht weißt, wo sie liegen?
Berühren dich weder das neue Karthago noch die wachsenden Mauern
noch der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl?
Das Fertige verlässt du, zu Fertigendes suchst du; erwerben musst du auf dem Erdkreis
ein anderes Land, das eine ist von dir schon erworben worden.
Selbst wenn du ein Land findest, wer wird es dir als Besitz überlassen?
Wer wird Unbekannten seine Felder zum Eigentum geben?
Freilich steht dir eine andere Liebe bevor und eine andere Dido,
und ein anderes Treueversprechen musst du geben, das du wiederum brichst.
Wann wird es (soweit) sein, dass du eine Stadt so bedeutend wie Karthago gründest
und hoch oben von der Burg (auf) deine Völker siehst?
Selbst wenn alles geschieht und dich deine Gelübde nicht aufhalten,
woher wird dir eine Ehefrau kommen, die dich so liebt?
Ich brenne wie mit Schwefel überzogene Fackeln aus Wachs,
wie fromme Weihrauchkörner, die man rauchenden Feuern beigegeben hat.
Aeneas steht immer vor meinen Augen, wenn ich wach bin;
die Nacht und die Ruhe bringen mir die Gedanken an Aeneas ins Herz zurück.
II Interpretation
1
Nennen Sie unter Verwendung lateinischer Textbelege Didos Argumente, mit denen sie im vorliegenden Ausschnitt Aeneas von seinem Vorhaben abbringen will. (Material 1) [30 BE]
Aufgabe Vorschlag B - II.2.1 · Metrische Analyse (Hexameter, elegisches Distichon)
Material 1
Vorbemerkung
In der Erzählung des Vergil gelangt Aeneas auf seinen Irrfahrten nach dem Trojanischen Krieg an den Hof der Königin Dido in Karthago. Die beiden werden ein Liebespaar und schlafen miteinander. Damit gehen sie faktisch den Bund der Ehe ein, wodurch Aeneas zum König Karthagos aufsteigt. Doch Merkur erinnert Aeneas an den Auftrag Jupiters, in Italien eine neue Heimat für die Trojaner zu finden. Pflichtbewusst verlässt Aeneas Dido, welche sich daraufhin das Leben nimmt.
Ovid greift diese Erzählung auf, indem er einen fiktiven Brief der verzweifelten Dido verfasst, die angesichts des drohenden Verrats und des treulosen Ehebruchs folgende Worte an Aeneas richtet:
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
2 Atque idem venti vela fidemque ferent?
Certus es, Aenea, cum foedere solvere naves
4 quaeque ubi sint nescis, Itala regna sequi?
Nec nova Carthago nec te crescentia tangunt
6 moenia nec sceptro tradita summa tuo?
Facta fugis, facienda petis; quaerenda per orbem
8 altera, quaesita est altera terra tibi.
Ut terram invenias, quis eam tibi tradet habendam?
10 Quis sua non notis arva tenenda dabit?
Scilicet alter amor tibi restat et altera Dido
12 quamque iterum fallas, altera danda fides.
Quando erit, ut condas instar Carthaginis urbem
14 et videas populos altus ab arce tuos?
Omnia ut eveniant nec te tua vota morentur,
16 unde tibi, quae te sic amet, uxor erit?
Uror ut inducto ceratae sulpure taedae,
18 ut pia fumosis addita tura focis.
Aeneas oculis semper vigilantis inhaeret;
20 Aenean animo noxque quiesque refert.
Übersetzungshilfen
V. 1 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Didon: Akk. zu Dido ( Dido spricht von sich selbst in der 3. Person)
V. 2 · idem = iidem
velum, -i, n.: hier Schiff
ferre, fero: hier wegtragen, davontragen
V. 3 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Aenea: Vokativ zu Aeneas
cum foedere naves solvere: zusammen mit dem Bund die Schiffe lösen
V. 4 · quaeque [...] sequi: Ordnen Sie et sequi Itala regna, quae nescis, ubi sint.
quae nescis: Übersetzen Sie von denen du nicht weißt.
sequi: hier aufsuchen
V. 5 · Dido soll Karthago gegründet haben, das noch im Bau ist.
V. 6 · sceptro tradita summa tuo: der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl
summa, -ae, f.: Oberbefehl
V. 7 · fugere: hier fluchtartig verlassen
V. 7 f. · quaerere: hier erwerben. Ergänzen Sie est zu quaerenda und verbinden Sie mit altera (terra).
V. 8 · tibi: hier von dir
V. 9 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
habendum, -am tradere (+ Akk.): (etw.) als Besitz überlassen
V. 10 · non notis = ignotis. Ergänzen Sie hominibus.
arvum, -i, n.: Ackerland, Feld
tenenda: hier zum Besitzen, als Besitz
V. 11 f. · alter [...] altera [...] altera: Übersetzen Sie jeweils mit ein(e) andere(r).
restare: bleiben, bevorstehen
V. 12 · quamque [...] fides: Ordnen Sie et altera fides danda (est), quam iterum fallas.
fides, fidei, f.: hier Versprechen, Treueschwur
V. 13 · instar (+ Gen.): nach Art von, gleichwie, so bedeutend wie
V. 15 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
morari, moror: aufhalten
V. 17 · uror: ich verzehre mich
ut: hier wie
inducto [...] sulpure: Übersetzen Sie mit Schwefel überzogen/versehen. Beziehen Sie auf taedae ceratae.
taeda cerata, taedae ceratae, f.: Fackel aus Wachs
V. 18 · ut: hier wie
tus, turis, n.: Weihrauch(korn)
V. 19 · oculis vigilantis inhaerere: der Wachliegenden vor Augen stehen
V. 20 · Aenean referre, refero: die Gedanken an Aeneas zurückbringen
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
Arbeitsübersetzung
Bist du dennoch entschlossen zu gehen und die unglückliche Dido zu verlassen?
Und werden dieselben Winde Schiff und Treue hinwegtragen?
Bist du entschlossen, Aeneas, mit unserem Bund die Schiffe zu lösen
und Italische Reiche aufzusuchen, von denen du nicht weißt, wo sie liegen?
Berühren dich weder das neue Karthago noch die wachsenden Mauern
noch der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl?
Das Fertige verlässt du, zu Fertigendes suchst du; erwerben musst du auf dem Erdkreis
ein anderes Land, das eine ist von dir schon erworben worden.
Selbst wenn du ein Land findest, wer wird es dir als Besitz überlassen?
Wer wird Unbekannten seine Felder zum Eigentum geben?
Freilich steht dir eine andere Liebe bevor und eine andere Dido,
und ein anderes Treueversprechen musst du geben, das du wiederum brichst.
Wann wird es (soweit) sein, dass du eine Stadt so bedeutend wie Karthago gründest
und hoch oben von der Burg (auf) deine Völker siehst?
Selbst wenn alles geschieht und dich deine Gelübde nicht aufhalten,
woher wird dir eine Ehefrau kommen, die dich so liebt?
Ich brenne wie mit Schwefel überzogene Fackeln aus Wachs,
wie fromme Weihrauchkörner, die man rauchenden Feuern beigegeben hat.
Aeneas steht immer vor meinen Augen, wenn ich wach bin;
die Nacht und die Ruhe bringen mir die Gedanken an Aeneas ins Herz zurück.
II Interpretation
2.1 Analysieren Sie das Metrum der Verse 1–2. (Material 2)
[15 BE]
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
a)
b)
Geben Sie das metrische Schema (z. B. mit –, ◡ bzw. -, u und ggf. Zäsuren |) oder den skandierten Text an.
c)
Geben Sie das metrische Schema (z. B. mit –, ◡ bzw. -, u und ggf. Diärese ||) oder den skandierten Text an.
Aufgabe Vorschlag B - II.2.2 · Sprachlich-stilistische Analyse
Material 1
Vorbemerkung
In der Erzählung des Vergil gelangt Aeneas auf seinen Irrfahrten nach dem Trojanischen Krieg an den Hof der Königin Dido in Karthago. Die beiden werden ein Liebespaar und schlafen miteinander. Damit gehen sie faktisch den Bund der Ehe ein, wodurch Aeneas zum König Karthagos aufsteigt. Doch Merkur erinnert Aeneas an den Auftrag Jupiters, in Italien eine neue Heimat für die Trojaner zu finden. Pflichtbewusst verlässt Aeneas Dido, welche sich daraufhin das Leben nimmt.
Ovid greift diese Erzählung auf, indem er einen fiktiven Brief der verzweifelten Dido verfasst, die angesichts des drohenden Verrats und des treulosen Ehebruchs folgende Worte an Aeneas richtet:
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
2 Atque idem venti vela fidemque ferent?
Certus es, Aenea, cum foedere solvere naves
4 quaeque ubi sint nescis, Itala regna sequi?
Nec nova Carthago nec te crescentia tangunt
6 moenia nec sceptro tradita summa tuo?
Facta fugis, facienda petis; quaerenda per orbem
8 altera, quaesita est altera terra tibi.
Ut terram invenias, quis eam tibi tradet habendam?
10 Quis sua non notis arva tenenda dabit?
Scilicet alter amor tibi restat et altera Dido
12 quamque iterum fallas, altera danda fides.
Quando erit, ut condas instar Carthaginis urbem
14 et videas populos altus ab arce tuos?
Omnia ut eveniant nec te tua vota morentur,
16 unde tibi, quae te sic amet, uxor erit?
Uror ut inducto ceratae sulpure taedae,
18 ut pia fumosis addita tura focis.
Aeneas oculis semper vigilantis inhaeret;
20 Aenean animo noxque quiesque refert.
Übersetzungshilfen
V. 1 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Didon: Akk. zu Dido ( Dido spricht von sich selbst in der 3. Person)
V. 2 · idem = iidem
velum, -i, n.: hier Schiff
ferre, fero: hier wegtragen, davontragen
V. 3 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Aenea: Vokativ zu Aeneas
cum foedere naves solvere: zusammen mit dem Bund die Schiffe lösen
V. 4 · quaeque [...] sequi: Ordnen Sie et sequi Itala regna, quae nescis, ubi sint.
quae nescis: Übersetzen Sie von denen du nicht weißt.
sequi: hier aufsuchen
V. 5 · Dido soll Karthago gegründet haben, das noch im Bau ist.
V. 6 · sceptro tradita summa tuo: der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl
summa, -ae, f.: Oberbefehl
V. 7 · fugere: hier fluchtartig verlassen
V. 7 f. · quaerere: hier erwerben. Ergänzen Sie est zu quaerenda und verbinden Sie mit altera (terra).
V. 8 · tibi: hier von dir
V. 9 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
habendum, -am tradere (+ Akk.): (etw.) als Besitz überlassen
V. 10 · non notis = ignotis. Ergänzen Sie hominibus.
arvum, -i, n.: Ackerland, Feld
tenenda: hier zum Besitzen, als Besitz
V. 11 f. · alter [...] altera [...] altera: Übersetzen Sie jeweils mit ein(e) andere(r).
restare: bleiben, bevorstehen
V. 12 · quamque [...] fides: Ordnen Sie et altera fides danda (est), quam iterum fallas.
fides, fidei, f.: hier Versprechen, Treueschwur
V. 13 · instar (+ Gen.): nach Art von, gleichwie, so bedeutend wie
V. 15 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
morari, moror: aufhalten
V. 17 · uror: ich verzehre mich
ut: hier wie
inducto [...] sulpure: Übersetzen Sie mit Schwefel überzogen/versehen. Beziehen Sie auf taedae ceratae.
taeda cerata, taedae ceratae, f.: Fackel aus Wachs
V. 18 · ut: hier wie
tus, turis, n.: Weihrauch(korn)
V. 19 · oculis vigilantis inhaerere: der Wachliegenden vor Augen stehen
V. 20 · Aenean referre, refero: die Gedanken an Aeneas zurückbringen
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
Arbeitsübersetzung
Bist du dennoch entschlossen zu gehen und die unglückliche Dido zu verlassen?
Und werden dieselben Winde Schiff und Treue hinwegtragen?
Bist du entschlossen, Aeneas, mit unserem Bund die Schiffe zu lösen
und Italische Reiche aufzusuchen, von denen du nicht weißt, wo sie liegen?
Berühren dich weder das neue Karthago noch die wachsenden Mauern
noch der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl?
Das Fertige verlässt du, zu Fertigendes suchst du; erwerben musst du auf dem Erdkreis
ein anderes Land, das eine ist von dir schon erworben worden.
Selbst wenn du ein Land findest, wer wird es dir als Besitz überlassen?
Wer wird Unbekannten seine Felder zum Eigentum geben?
Freilich steht dir eine andere Liebe bevor und eine andere Dido,
und ein anderes Treueversprechen musst du geben, das du wiederum brichst.
Wann wird es (soweit) sein, dass du eine Stadt so bedeutend wie Karthago gründest
und hoch oben von der Burg (auf) deine Völker siehst?
Selbst wenn alles geschieht und dich deine Gelübde nicht aufhalten,
woher wird dir eine Ehefrau kommen, die dich so liebt?
Ich brenne wie mit Schwefel überzogene Fackeln aus Wachs,
wie fromme Weihrauchkörner, die man rauchenden Feuern beigegeben hat.
Aeneas steht immer vor meinen Augen, wenn ich wach bin;
die Nacht und die Ruhe bringen mir die Gedanken an Aeneas ins Herz zurück.
II Interpretation
2.2
Analysieren Sie die sprachlich-stilistische Gestaltung der Verse 1 bis 14. (Material 1) [30 BE]
Aufgabe Vorschlag B - II.3 · Stoische Philosophie (Seneca): Güterlehre, Affekte, Zeit und Tod
Material 1
Vorbemerkung
In der Erzählung des Vergil gelangt Aeneas auf seinen Irrfahrten nach dem Trojanischen Krieg an den Hof der Königin Dido in Karthago. Die beiden werden ein Liebespaar und schlafen miteinander. Damit gehen sie faktisch den Bund der Ehe ein, wodurch Aeneas zum König Karthagos aufsteigt. Doch Merkur erinnert Aeneas an den Auftrag Jupiters, in Italien eine neue Heimat für die Trojaner zu finden. Pflichtbewusst verlässt Aeneas Dido, welche sich daraufhin das Leben nimmt.
Ovid greift diese Erzählung auf, indem er einen fiktiven Brief der verzweifelten Dido verfasst, die angesichts des drohenden Verrats und des treulosen Ehebruchs folgende Worte an Aeneas richtet:
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
2 Atque idem venti vela fidemque ferent?
Certus es, Aenea, cum foedere solvere naves
4 quaeque ubi sint nescis, Itala regna sequi?
Nec nova Carthago nec te crescentia tangunt
6 moenia nec sceptro tradita summa tuo?
Facta fugis, facienda petis; quaerenda per orbem
8 altera, quaesita est altera terra tibi.
Ut terram invenias, quis eam tibi tradet habendam?
10 Quis sua non notis arva tenenda dabit?
Scilicet alter amor tibi restat et altera Dido
12 quamque iterum fallas, altera danda fides.
Quando erit, ut condas instar Carthaginis urbem
14 et videas populos altus ab arce tuos?
Omnia ut eveniant nec te tua vota morentur,
16 unde tibi, quae te sic amet, uxor erit?
Uror ut inducto ceratae sulpure taedae,
18 ut pia fumosis addita tura focis.
Aeneas oculis semper vigilantis inhaeret;
20 Aenean animo noxque quiesque refert.
Übersetzungshilfen
V. 1 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Didon: Akk. zu Dido ( Dido spricht von sich selbst in der 3. Person)
V. 2 · idem = iidem
velum, -i, n.: hier Schiff
ferre, fero: hier wegtragen, davontragen
V. 3 · certus (+ Inf.): entschlossen (etw. zu tun)
Aenea: Vokativ zu Aeneas
cum foedere naves solvere: zusammen mit dem Bund die Schiffe lösen
V. 4 · quaeque [...] sequi: Ordnen Sie et sequi Itala regna, quae nescis, ubi sint.
quae nescis: Übersetzen Sie von denen du nicht weißt.
sequi: hier aufsuchen
V. 5 · Dido soll Karthago gegründet haben, das noch im Bau ist.
V. 6 · sceptro tradita summa tuo: der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl
summa, -ae, f.: Oberbefehl
V. 7 · fugere: hier fluchtartig verlassen
V. 7 f. · quaerere: hier erwerben. Ergänzen Sie est zu quaerenda und verbinden Sie mit altera (terra).
V. 8 · tibi: hier von dir
V. 9 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
habendum, -am tradere (+ Akk.): (etw.) als Besitz überlassen
V. 10 · non notis = ignotis. Ergänzen Sie hominibus.
arvum, -i, n.: Ackerland, Feld
tenenda: hier zum Besitzen, als Besitz
V. 11 f. · alter [...] altera [...] altera: Übersetzen Sie jeweils mit ein(e) andere(r).
restare: bleiben, bevorstehen
V. 12 · quamque [...] fides: Ordnen Sie et altera fides danda (est), quam iterum fallas.
fides, fidei, f.: hier Versprechen, Treueschwur
V. 13 · instar (+ Gen.): nach Art von, gleichwie, so bedeutend wie
V. 15 · ut (+ Konj.): hier auch wenn
morari, moror: aufhalten
V. 17 · uror: ich verzehre mich
ut: hier wie
inducto [...] sulpure: Übersetzen Sie mit Schwefel überzogen/versehen. Beziehen Sie auf taedae ceratae.
taeda cerata, taedae ceratae, f.: Fackel aus Wachs
V. 18 · ut: hier wie
tus, turis, n.: Weihrauch(korn)
V. 19 · oculis vigilantis inhaerere: der Wachliegenden vor Augen stehen
V. 20 · Aenean referre, refero: die Gedanken an Aeneas zurückbringen
Material 2
Certus es ire tamen miseramque relinquere Didon?
Atque idem venti vela fidemque ferent?
Arbeitsübersetzung
Bist du dennoch entschlossen zu gehen und die unglückliche Dido zu verlassen?
Und werden dieselben Winde Schiff und Treue hinwegtragen?
Bist du entschlossen, Aeneas, mit unserem Bund die Schiffe zu lösen
und Italische Reiche aufzusuchen, von denen du nicht weißt, wo sie liegen?
Berühren dich weder das neue Karthago noch die wachsenden Mauern
noch der deiner Herrschaft übertragene Oberbefehl?
Das Fertige verlässt du, zu Fertigendes suchst du; erwerben musst du auf dem Erdkreis
ein anderes Land, das eine ist von dir schon erworben worden.
Selbst wenn du ein Land findest, wer wird es dir als Besitz überlassen?
Wer wird Unbekannten seine Felder zum Eigentum geben?
Freilich steht dir eine andere Liebe bevor und eine andere Dido,
und ein anderes Treueversprechen musst du geben, das du wiederum brichst.
Wann wird es (soweit) sein, dass du eine Stadt so bedeutend wie Karthago gründest
und hoch oben von der Burg (auf) deine Völker siehst?
Selbst wenn alles geschieht und dich deine Gelübde nicht aufhalten,
woher wird dir eine Ehefrau kommen, die dich so liebt?
Ich brenne wie mit Schwefel überzogene Fackeln aus Wachs,
wie fromme Weihrauchkörner, die man rauchenden Feuern beigegeben hat.
Aeneas steht immer vor meinen Augen, wenn ich wach bin;
die Nacht und die Ruhe bringen mir die Gedanken an Aeneas ins Herz zurück.
II Interpretation
3
Diskutieren Sie, inwieweit Didos Argumentation mit der Affektenlehre der Stoa in Einklang zu bringen ist. [25 BE]
Aufgabe Vorschlag C - I Übersetzung · Übersetzung lateinischer Prosa (Cicero, Seneca)
I Übersetzung
Übersetzen Sie den Text (Material) in angemessenes Deutsch.
Material – Vorschlag C
Vorbemerkung
Seneca schreibt aus seiner Verbannung eine Trostschrift an seine Mutter. Der folgende Textausschnitt beginnt mit der Klage eines fiktiven Gesprächspartners über den Ort von Senecas Verbannung.
Lateinischer Text (Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione 9, 1–3)
1 „At non est haec terra frugiferarum aut laetarum arborum ferax. Non magnis nec
2 navigabilibus fluminum alveis irrigatur; nihil gignit, quod aliae gentes petant; vix ad tutelam
3 incolentium fertilis. Non pretiosus hic lapis caeditur, non auri argentique venae eruuntur.“
4 Angustus animus est, quem terrena delectant; ad illa abducendus est, quae ubique aeque
5 apparent, ubique aeque splendent.
6 Et hoc cogitandum est ista veris bonis per falsa et prave credita obstare. Quo longiores
7 porticus expedierint, quo altius turres sustulerint, [...] hoc plus erit, quod illis caelum
8 abscondat. [...]
9 Dic illud potius: „Istud humile tugurium nempe virtutes recipit? Iam omnibus templis
10 formosius erit, cum illic iustitia conspecta fuerit, cum continentia, cum prudentia, pietas,
11 omnium officiorum recte dispensandorum ratio, humanorum divinorumque scientia. Nullus
12 angustus est locus, qui hanc tam magnarum virtutum turbam capit; nullum exilium grave est,
13 in quod licet cum hoc ire comitatu.“
Übersetzungshilfen
Z. 1 · frugifer, -era, -erum: fruchttragend
laetus, -a, -um: hier fruchtbar
ferax, feracis (+ Gen.): reich ( an etw.)
Z. 2 · navigabilis fluminis alveus: ein schiffbarer Fluss
irrigare: bewässern
tutela, -ae, f.: hier Lebensunterhalt
Z. 3 · incolens, incolentis, m.: Einwohner
fertilis: Ergänzen Sie est.
hic ( Adv.): hier
caedere, caedo: abbauen
eruere, eruo: ausgraben, ausbeuten
Z. 4 · terrena (bona) ( Pl.): materielle Güter
ad illa abducendus est, quae [...]: Konstruieren Sie (animus) abducendus est ad illa, quae [...].
Z. 4 + 5 · aeque ( Adv.): auf die gleiche Weise, gleichermaßen
Z. 6 · ista: Gemeint sind die materiellen Güter.
per falsa et prave credita: aufgrund von Irrtümern und Fehleinschätzungen
Z. 6 f. · quo [...] hoc: je [...] desto, umso
Z. 7 · expedire, expedio, expedii: zustande bringen, bauen
tollere, tollo, sustuli: hier erbauen
expedierint, sustulerint: Ergänzen Sie homines als Subjekt.
Z. 8 · abscondere, -condo: verstecken, verbergen
Z. 9 · dic: Imperativ Sg. zu dicere
tugurium, -i, n.: Hütte
nempe ( Adv.): doch wohl, doch sicherlich
iam: augenblicklich
Z. 9 f. · iam omnibus templis formosius erit: Konstruieren Sie iam [tugurium] formosius quam omnia templa erit.
Z. 10 · illic [...] conspecta fuerit: dort ist anzutreffen ( zu allen Gliedern der Aufzählung zu ergänzen)
continentia, -ae, f.: Selbstbeherrschung
Z. 11 · officia dispensare, dispenso: Pflichten erfüllen
ratio, -onis, f.: hier Einsicht
humanorum divinorumque = humanarum divinarumque rerum
Z. 13 · in quod licet cum hoc ire comitatu: Ordnen Sie in quod cum hoc comitatu ire licet.
Arbeitsübersetzung
„Aber dieses Land ist nicht reich an fruchtbaren oder üppigen Bäumen. Es wird nicht durch große und schiffbare Flussbetten bewässert; es bringt nichts hervor, was andere Völker begehren; es ist kaum fruchtbar genug zum Lebensunterhalt der Bewohner. Hier wird kein kostbarer Stein abgebaut, keine Gold- und Silberadern werden ausgegraben.“ Kleinlich ist der Geist, den materielle Güter erfreuen; er muss zu dem gelenkt werden, was sich überall auf gleiche Weise zeigt, was überall auf die gleiche Weise glänzt.
Auch muss man bedenken, dass diese (materiellen Güter) den wahren Gütern durch Irrtümer und Fehleinschätzungen im Wege stehen. Je längere Säulenhallen sie bauen, je höher sie Türme errichten, [...] desto mehr wird es geben, das ihnen den Himmel verdeckt. [...]
Sag lieber Folgendes: „Diese ärmliche Hütte nimmt doch sicherlich Tugenden auf? Augenblicklich wird sie schöner als alle Tempel sein, wenn dort Gerechtigkeit, wenn Selbstbeherrschung, Klugheit, Pflichtgefühl, Einsicht, alle Pflichten richtig zu erfüllen, die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge anzutreffen ist. Kein Ort ist eng, der eine Menge an so großen Tugenden fasst; kein Verbannungsort ist schwer zu ertragen, in den man mit dieser Begleitung gehen kann.“
Aufgabe Vorschlag C - II.1 · Inhalt und Gedankengang mit lateinischen Textbelegen
Material – Vorschlag C
Vorbemerkung
Seneca schreibt aus seiner Verbannung eine Trostschrift an seine Mutter. Der folgende Textausschnitt beginnt mit der Klage eines fiktiven Gesprächspartners über den Ort von Senecas Verbannung.
Lateinischer Text (Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione 9, 1–3)
1 „At non est haec terra frugiferarum aut laetarum arborum ferax. Non magnis nec
2 navigabilibus fluminum alveis irrigatur; nihil gignit, quod aliae gentes petant; vix ad tutelam
3 incolentium fertilis. Non pretiosus hic lapis caeditur, non auri argentique venae eruuntur.“
4 Angustus animus est, quem terrena delectant; ad illa abducendus est, quae ubique aeque
5 apparent, ubique aeque splendent.
6 Et hoc cogitandum est ista veris bonis per falsa et prave credita obstare. Quo longiores
7 porticus expedierint, quo altius turres sustulerint, [...] hoc plus erit, quod illis caelum
8 abscondat. [...]
9 Dic illud potius: „Istud humile tugurium nempe virtutes recipit? Iam omnibus templis
10 formosius erit, cum illic iustitia conspecta fuerit, cum continentia, cum prudentia, pietas,
11 omnium officiorum recte dispensandorum ratio, humanorum divinorumque scientia. Nullus
12 angustus est locus, qui hanc tam magnarum virtutum turbam capit; nullum exilium grave est,
13 in quod licet cum hoc ire comitatu.“
Übersetzungshilfen
Z. 1 · frugifer, -era, -erum: fruchttragend
laetus, -a, -um: hier fruchtbar
ferax, feracis (+ Gen.): reich ( an etw.)
Z. 2 · navigabilis fluminis alveus: ein schiffbarer Fluss
irrigare: bewässern
tutela, -ae, f.: hier Lebensunterhalt
Z. 3 · incolens, incolentis, m.: Einwohner
fertilis: Ergänzen Sie est.
hic ( Adv.): hier
caedere, caedo: abbauen
eruere, eruo: ausgraben, ausbeuten
Z. 4 · terrena (bona) ( Pl.): materielle Güter
ad illa abducendus est, quae [...]: Konstruieren Sie (animus) abducendus est ad illa, quae [...].
Z. 4 + 5 · aeque ( Adv.): auf die gleiche Weise, gleichermaßen
Z. 6 · ista: Gemeint sind die materiellen Güter.
per falsa et prave credita: aufgrund von Irrtümern und Fehleinschätzungen
Z. 6 f. · quo [...] hoc: je [...] desto, umso
Z. 7 · expedire, expedio, expedii: zustande bringen, bauen
tollere, tollo, sustuli: hier erbauen
expedierint, sustulerint: Ergänzen Sie homines als Subjekt.
Z. 8 · abscondere, -condo: verstecken, verbergen
Z. 9 · dic: Imperativ Sg. zu dicere
tugurium, -i, n.: Hütte
nempe ( Adv.): doch wohl, doch sicherlich
iam: augenblicklich
Z. 9 f. · iam omnibus templis formosius erit: Konstruieren Sie iam [tugurium] formosius quam omnia templa erit.
Z. 10 · illic [...] conspecta fuerit: dort ist anzutreffen ( zu allen Gliedern der Aufzählung zu ergänzen)
continentia, -ae, f.: Selbstbeherrschung
Z. 11 · officia dispensare, dispenso: Pflichten erfüllen
ratio, -onis, f.: hier Einsicht
humanorum divinorumque = humanarum divinarumque rerum
Z. 13 · in quod licet cum hoc ire comitatu: Ordnen Sie in quod cum hoc comitatu ire licet.
Arbeitsübersetzung
„Aber dieses Land ist nicht reich an fruchtbaren oder üppigen Bäumen. Es wird nicht durch große und schiffbare Flussbetten bewässert; es bringt nichts hervor, was andere Völker begehren; es ist kaum fruchtbar genug zum Lebensunterhalt der Bewohner. Hier wird kein kostbarer Stein abgebaut, keine Gold- und Silberadern werden ausgegraben.“ Kleinlich ist der Geist, den materielle Güter erfreuen; er muss zu dem gelenkt werden, was sich überall auf gleiche Weise zeigt, was überall auf die gleiche Weise glänzt.
Auch muss man bedenken, dass diese (materiellen Güter) den wahren Gütern durch Irrtümer und Fehleinschätzungen im Wege stehen. Je längere Säulenhallen sie bauen, je höher sie Türme errichten, [...] desto mehr wird es geben, das ihnen den Himmel verdeckt. [...]
Sag lieber Folgendes: „Diese ärmliche Hütte nimmt doch sicherlich Tugenden auf? Augenblicklich wird sie schöner als alle Tempel sein, wenn dort Gerechtigkeit, wenn Selbstbeherrschung, Klugheit, Pflichtgefühl, Einsicht, alle Pflichten richtig zu erfüllen, die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge anzutreffen ist. Kein Ort ist eng, der eine Menge an so großen Tugenden fasst; kein Verbannungsort ist schwer zu ertragen, in den man mit dieser Begleitung gehen kann.“
II Interpretation
1
Skizzieren Sie unter Verwendung lateinischer Textbelege den Gedankengang Senecas.
(20 BE)
Aufgabe Vorschlag C - II.2 · Sprachlich-stilistische Analyse
Material – Vorschlag C
Vorbemerkung
Seneca schreibt aus seiner Verbannung eine Trostschrift an seine Mutter. Der folgende Textausschnitt beginnt mit der Klage eines fiktiven Gesprächspartners über den Ort von Senecas Verbannung.
Lateinischer Text (Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione 9, 1–3)
1 „At non est haec terra frugiferarum aut laetarum arborum ferax. Non magnis nec
2 navigabilibus fluminum alveis irrigatur; nihil gignit, quod aliae gentes petant; vix ad tutelam
3 incolentium fertilis. Non pretiosus hic lapis caeditur, non auri argentique venae eruuntur.“
4 Angustus animus est, quem terrena delectant; ad illa abducendus est, quae ubique aeque
5 apparent, ubique aeque splendent.
6 Et hoc cogitandum est ista veris bonis per falsa et prave credita obstare. Quo longiores
7 porticus expedierint, quo altius turres sustulerint, [...] hoc plus erit, quod illis caelum
8 abscondat. [...]
9 Dic illud potius: „Istud humile tugurium nempe virtutes recipit? Iam omnibus templis
10 formosius erit, cum illic iustitia conspecta fuerit, cum continentia, cum prudentia, pietas,
11 omnium officiorum recte dispensandorum ratio, humanorum divinorumque scientia. Nullus
12 angustus est locus, qui hanc tam magnarum virtutum turbam capit; nullum exilium grave est,
13 in quod licet cum hoc ire comitatu.“
Übersetzungshilfen
Z. 1 · frugifer, -era, -erum: fruchttragend
laetus, -a, -um: hier fruchtbar
ferax, feracis (+ Gen.): reich ( an etw.)
Z. 2 · navigabilis fluminis alveus: ein schiffbarer Fluss
irrigare: bewässern
tutela, -ae, f.: hier Lebensunterhalt
Z. 3 · incolens, incolentis, m.: Einwohner
fertilis: Ergänzen Sie est.
hic ( Adv.): hier
caedere, caedo: abbauen
eruere, eruo: ausgraben, ausbeuten
Z. 4 · terrena (bona) ( Pl.): materielle Güter
ad illa abducendus est, quae [...]: Konstruieren Sie (animus) abducendus est ad illa, quae [...].
Z. 4 + 5 · aeque ( Adv.): auf die gleiche Weise, gleichermaßen
Z. 6 · ista: Gemeint sind die materiellen Güter.
per falsa et prave credita: aufgrund von Irrtümern und Fehleinschätzungen
Z. 6 f. · quo [...] hoc: je [...] desto, umso
Z. 7 · expedire, expedio, expedii: zustande bringen, bauen
tollere, tollo, sustuli: hier erbauen
expedierint, sustulerint: Ergänzen Sie homines als Subjekt.
Z. 8 · abscondere, -condo: verstecken, verbergen
Z. 9 · dic: Imperativ Sg. zu dicere
tugurium, -i, n.: Hütte
nempe ( Adv.): doch wohl, doch sicherlich
iam: augenblicklich
Z. 9 f. · iam omnibus templis formosius erit: Konstruieren Sie iam [tugurium] formosius quam omnia templa erit.
Z. 10 · illic [...] conspecta fuerit: dort ist anzutreffen ( zu allen Gliedern der Aufzählung zu ergänzen)
continentia, -ae, f.: Selbstbeherrschung
Z. 11 · officia dispensare, dispenso: Pflichten erfüllen
ratio, -onis, f.: hier Einsicht
humanorum divinorumque = humanarum divinarumque rerum
Z. 13 · in quod licet cum hoc ire comitatu: Ordnen Sie in quod cum hoc comitatu ire licet.
Arbeitsübersetzung
„Aber dieses Land ist nicht reich an fruchtbaren oder üppigen Bäumen. Es wird nicht durch große und schiffbare Flussbetten bewässert; es bringt nichts hervor, was andere Völker begehren; es ist kaum fruchtbar genug zum Lebensunterhalt der Bewohner. Hier wird kein kostbarer Stein abgebaut, keine Gold- und Silberadern werden ausgegraben.“ Kleinlich ist der Geist, den materielle Güter erfreuen; er muss zu dem gelenkt werden, was sich überall auf gleiche Weise zeigt, was überall auf die gleiche Weise glänzt.
Auch muss man bedenken, dass diese (materiellen Güter) den wahren Gütern durch Irrtümer und Fehleinschätzungen im Wege stehen. Je längere Säulenhallen sie bauen, je höher sie Türme errichten, [...] desto mehr wird es geben, das ihnen den Himmel verdeckt. [...]
Sag lieber Folgendes: „Diese ärmliche Hütte nimmt doch sicherlich Tugenden auf? Augenblicklich wird sie schöner als alle Tempel sein, wenn dort Gerechtigkeit, wenn Selbstbeherrschung, Klugheit, Pflichtgefühl, Einsicht, alle Pflichten richtig zu erfüllen, die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge anzutreffen ist. Kein Ort ist eng, der eine Menge an so großen Tugenden fasst; kein Verbannungsort ist schwer zu ertragen, in den man mit dieser Begleitung gehen kann.“
II Interpretation
2
Analysieren Sie die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes von Dic illud potius bis zum Ende des Textauszuges.
(25 BE)
Aufgabe Vorschlag C - II.3.1 · Dichtung: Ovids Liebeselegie und Exil, Vergils Aeneis
Material – Vorschlag C
Vorbemerkung
Seneca schreibt aus seiner Verbannung eine Trostschrift an seine Mutter. Der folgende Textausschnitt beginnt mit der Klage eines fiktiven Gesprächspartners über den Ort von Senecas Verbannung.
Lateinischer Text (Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione 9, 1–3)
1 „At non est haec terra frugiferarum aut laetarum arborum ferax. Non magnis nec
2 navigabilibus fluminum alveis irrigatur; nihil gignit, quod aliae gentes petant; vix ad tutelam
3 incolentium fertilis. Non pretiosus hic lapis caeditur, non auri argentique venae eruuntur.“
4 Angustus animus est, quem terrena delectant; ad illa abducendus est, quae ubique aeque
5 apparent, ubique aeque splendent.
6 Et hoc cogitandum est ista veris bonis per falsa et prave credita obstare. Quo longiores
7 porticus expedierint, quo altius turres sustulerint, [...] hoc plus erit, quod illis caelum
8 abscondat. [...]
9 Dic illud potius: „Istud humile tugurium nempe virtutes recipit? Iam omnibus templis
10 formosius erit, cum illic iustitia conspecta fuerit, cum continentia, cum prudentia, pietas,
11 omnium officiorum recte dispensandorum ratio, humanorum divinorumque scientia. Nullus
12 angustus est locus, qui hanc tam magnarum virtutum turbam capit; nullum exilium grave est,
13 in quod licet cum hoc ire comitatu.“
Übersetzungshilfen
Z. 1 · frugifer, -era, -erum: fruchttragend
laetus, -a, -um: hier fruchtbar
ferax, feracis (+ Gen.): reich ( an etw.)
Z. 2 · navigabilis fluminis alveus: ein schiffbarer Fluss
irrigare: bewässern
tutela, -ae, f.: hier Lebensunterhalt
Z. 3 · incolens, incolentis, m.: Einwohner
fertilis: Ergänzen Sie est.
hic ( Adv.): hier
caedere, caedo: abbauen
eruere, eruo: ausgraben, ausbeuten
Z. 4 · terrena (bona) ( Pl.): materielle Güter
ad illa abducendus est, quae [...]: Konstruieren Sie (animus) abducendus est ad illa, quae [...].
Z. 4 + 5 · aeque ( Adv.): auf die gleiche Weise, gleichermaßen
Z. 6 · ista: Gemeint sind die materiellen Güter.
per falsa et prave credita: aufgrund von Irrtümern und Fehleinschätzungen
Z. 6 f. · quo [...] hoc: je [...] desto, umso
Z. 7 · expedire, expedio, expedii: zustande bringen, bauen
tollere, tollo, sustuli: hier erbauen
expedierint, sustulerint: Ergänzen Sie homines als Subjekt.
Z. 8 · abscondere, -condo: verstecken, verbergen
Z. 9 · dic: Imperativ Sg. zu dicere
tugurium, -i, n.: Hütte
nempe ( Adv.): doch wohl, doch sicherlich
iam: augenblicklich
Z. 9 f. · iam omnibus templis formosius erit: Konstruieren Sie iam [tugurium] formosius quam omnia templa erit.
Z. 10 · illic [...] conspecta fuerit: dort ist anzutreffen ( zu allen Gliedern der Aufzählung zu ergänzen)
continentia, -ae, f.: Selbstbeherrschung
Z. 11 · officia dispensare, dispenso: Pflichten erfüllen
ratio, -onis, f.: hier Einsicht
humanorum divinorumque = humanarum divinarumque rerum
Z. 13 · in quod licet cum hoc ire comitatu: Ordnen Sie in quod cum hoc comitatu ire licet.
Arbeitsübersetzung
„Aber dieses Land ist nicht reich an fruchtbaren oder üppigen Bäumen. Es wird nicht durch große und schiffbare Flussbetten bewässert; es bringt nichts hervor, was andere Völker begehren; es ist kaum fruchtbar genug zum Lebensunterhalt der Bewohner. Hier wird kein kostbarer Stein abgebaut, keine Gold- und Silberadern werden ausgegraben.“ Kleinlich ist der Geist, den materielle Güter erfreuen; er muss zu dem gelenkt werden, was sich überall auf gleiche Weise zeigt, was überall auf die gleiche Weise glänzt.
Auch muss man bedenken, dass diese (materiellen Güter) den wahren Gütern durch Irrtümer und Fehleinschätzungen im Wege stehen. Je längere Säulenhallen sie bauen, je höher sie Türme errichten, [...] desto mehr wird es geben, das ihnen den Himmel verdeckt. [...]
Sag lieber Folgendes: „Diese ärmliche Hütte nimmt doch sicherlich Tugenden auf? Augenblicklich wird sie schöner als alle Tempel sein, wenn dort Gerechtigkeit, wenn Selbstbeherrschung, Klugheit, Pflichtgefühl, Einsicht, alle Pflichten richtig zu erfüllen, die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge anzutreffen ist. Kein Ort ist eng, der eine Menge an so großen Tugenden fasst; kein Verbannungsort ist schwer zu ertragen, in den man mit dieser Begleitung gehen kann.“
II Interpretation
3.1
Stellen Sie die Situation und das Verhalten Ovids während seines Exils dar.
(25 BE)
Aufgabe Vorschlag C - II.3.2 · Stoische Philosophie (Seneca): Güterlehre, Affekte, Zeit und Tod
Material – Vorschlag C
Vorbemerkung
Seneca schreibt aus seiner Verbannung eine Trostschrift an seine Mutter. Der folgende Textausschnitt beginnt mit der Klage eines fiktiven Gesprächspartners über den Ort von Senecas Verbannung.
Lateinischer Text (Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione 9, 1–3)
1 „At non est haec terra frugiferarum aut laetarum arborum ferax. Non magnis nec
2 navigabilibus fluminum alveis irrigatur; nihil gignit, quod aliae gentes petant; vix ad tutelam
3 incolentium fertilis. Non pretiosus hic lapis caeditur, non auri argentique venae eruuntur.“
4 Angustus animus est, quem terrena delectant; ad illa abducendus est, quae ubique aeque
5 apparent, ubique aeque splendent.
6 Et hoc cogitandum est ista veris bonis per falsa et prave credita obstare. Quo longiores
7 porticus expedierint, quo altius turres sustulerint, [...] hoc plus erit, quod illis caelum
8 abscondat. [...]
9 Dic illud potius: „Istud humile tugurium nempe virtutes recipit? Iam omnibus templis
10 formosius erit, cum illic iustitia conspecta fuerit, cum continentia, cum prudentia, pietas,
11 omnium officiorum recte dispensandorum ratio, humanorum divinorumque scientia. Nullus
12 angustus est locus, qui hanc tam magnarum virtutum turbam capit; nullum exilium grave est,
13 in quod licet cum hoc ire comitatu.“
Übersetzungshilfen
Z. 1 · frugifer, -era, -erum: fruchttragend
laetus, -a, -um: hier fruchtbar
ferax, feracis (+ Gen.): reich ( an etw.)
Z. 2 · navigabilis fluminis alveus: ein schiffbarer Fluss
irrigare: bewässern
tutela, -ae, f.: hier Lebensunterhalt
Z. 3 · incolens, incolentis, m.: Einwohner
fertilis: Ergänzen Sie est.
hic ( Adv.): hier
caedere, caedo: abbauen
eruere, eruo: ausgraben, ausbeuten
Z. 4 · terrena (bona) ( Pl.): materielle Güter
ad illa abducendus est, quae [...]: Konstruieren Sie (animus) abducendus est ad illa, quae [...].
Z. 4 + 5 · aeque ( Adv.): auf die gleiche Weise, gleichermaßen
Z. 6 · ista: Gemeint sind die materiellen Güter.
per falsa et prave credita: aufgrund von Irrtümern und Fehleinschätzungen
Z. 6 f. · quo [...] hoc: je [...] desto, umso
Z. 7 · expedire, expedio, expedii: zustande bringen, bauen
tollere, tollo, sustuli: hier erbauen
expedierint, sustulerint: Ergänzen Sie homines als Subjekt.
Z. 8 · abscondere, -condo: verstecken, verbergen
Z. 9 · dic: Imperativ Sg. zu dicere
tugurium, -i, n.: Hütte
nempe ( Adv.): doch wohl, doch sicherlich
iam: augenblicklich
Z. 9 f. · iam omnibus templis formosius erit: Konstruieren Sie iam [tugurium] formosius quam omnia templa erit.
Z. 10 · illic [...] conspecta fuerit: dort ist anzutreffen ( zu allen Gliedern der Aufzählung zu ergänzen)
continentia, -ae, f.: Selbstbeherrschung
Z. 11 · officia dispensare, dispenso: Pflichten erfüllen
ratio, -onis, f.: hier Einsicht
humanorum divinorumque = humanarum divinarumque rerum
Z. 13 · in quod licet cum hoc ire comitatu: Ordnen Sie in quod cum hoc comitatu ire licet.
Arbeitsübersetzung
„Aber dieses Land ist nicht reich an fruchtbaren oder üppigen Bäumen. Es wird nicht durch große und schiffbare Flussbetten bewässert; es bringt nichts hervor, was andere Völker begehren; es ist kaum fruchtbar genug zum Lebensunterhalt der Bewohner. Hier wird kein kostbarer Stein abgebaut, keine Gold- und Silberadern werden ausgegraben.“ Kleinlich ist der Geist, den materielle Güter erfreuen; er muss zu dem gelenkt werden, was sich überall auf gleiche Weise zeigt, was überall auf die gleiche Weise glänzt.
Auch muss man bedenken, dass diese (materiellen Güter) den wahren Gütern durch Irrtümer und Fehleinschätzungen im Wege stehen. Je längere Säulenhallen sie bauen, je höher sie Türme errichten, [...] desto mehr wird es geben, das ihnen den Himmel verdeckt. [...]
Sag lieber Folgendes: „Diese ärmliche Hütte nimmt doch sicherlich Tugenden auf? Augenblicklich wird sie schöner als alle Tempel sein, wenn dort Gerechtigkeit, wenn Selbstbeherrschung, Klugheit, Pflichtgefühl, Einsicht, alle Pflichten richtig zu erfüllen, die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge anzutreffen ist. Kein Ort ist eng, der eine Menge an so großen Tugenden fasst; kein Verbannungsort ist schwer zu ertragen, in den man mit dieser Begleitung gehen kann.“
II Interpretation
3.2
Beurteilen Sie die Haltung Ovids im Exil vor dem Hintergrund von stoischen Lehrmeinungen und Senecas Aussagen im Text.
(30 BE)
Aufgabe Vorschlag D - I Übersetzung · Übersetzung lateinischer Prosa (Cicero, Seneca)
Material 1
Vorbemerkung
Seneca will einen Brief an Lucilius gerade abschließen und versiegeln, öffnet ihn dann aber wieder und fügt noch einen Abschnitt hinzu:
1 Iam imprimebam epistulae signum: Resolvenda est, ut cum sollemni ad te munusculo veniat
2 et aliquam magnificam vocem ferat secum. […]
3 „Nemo“, inquit [Epicurus], „aliter quam, quomodo natus est, exit e vita.“ Falsum est: Peiores
4 morimur quam nascimur. Nostrum istud, non naturae vitium est. Illa nobiscum queri debet et
5 dicere: „Quid hoc est? Sine cupiditatibus vos genui, sine timoribus, sine superstitione, sine
6 perfidia ceterisque pestibus: Quales intravistis, exite!“
7 Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur, quam nascitur. Nunc vero trepidamus, cum
8 periculum accessit […]. Quid est turpius quam in ipso limine securitatis esse sollicitum?
9 Causa autem haec est: Quod inanes omnium bonorum sumus, vitae iactura laboramus. Non
10 enim apud nos pars eius ulla subsedit: Transmissa est et effluxit. Nemo, quam bene vivat, sed
11 quam diu, curat, cum omnibus possit contingere, ut bene vivant, ut diu, nulli. Vale.
Übersetzungshilfen
Z. 1 · signum, -i, n.: hier Siegel
resolvenda est, ut […] veniat: Ergänzen Sie epistula als Subjekt.
sollemne munusculum, sollemnis munusculi, n.: hier gewohnter kleiner Ratschlag
Z. 2 · vox, vocis, f.: hier Ausspruch
Z. 3 · quam, quomodo […]: als (so), wie […]
Z. 4 · nostrum […] est: Ordnen Sie istud est nostrum vitium, non [vitium] naturae.
Illa = natura
queri cum (+ Abl.): klagen über ( jmd.)
Z. 5 · gignere, gigno, genui: zeugen, hervorbringen
Z. 6 · quales intravistis, exite = quales [vitam] intravistis, exite [e vita]
Z. 7 · Percepit sapientiam […] nascitur: Ordnen Sie Si quis [= aliquis] tam […] quam nascitur, percepit sapientiam.
securus, -a, -um: sorgenfrei
Z. 8 · limen securitatis, liminis securitatis, n.: Schwelle zur Sorgenfreiheit
Z. 9 · inanes omnium bonorum: ohne jegliche inneren Werte
iactura, -ae, f.: Verlust
laborare (+ Abl.): leiden an/unter ( etw.)
Z. 10 · eius: Beziehen Sie auf vita.
subsidere, -sido, -sedi: zurückbleiben
transmissus, -a, -um: hier vergangen
Transmissa est et effluxit: Ergänzen Sie vita.
Z. 10f. · Nemo […] curat: Ordnen Sie Nemo curat, quam […].
Z. 11 · cum: hier konzessiv
contingere: gelingen
ut diu, nulli = sed nulli possit contingere, ut diu vivat.
Arbeitsübersetzung (zu Material 1)
Schon wollte ich dem Brief das Siegel aufdrücken: Er muss wieder geöffnet werden, damit er mit dem gewohnten kleinen Ratschlag zu dir kommt und irgendeinen eindrucksvollen Ausspruch mit sich bringt. […]
„Niemand“, sagt [Epikur], „geht anders als so, wie er geboren wurde, aus dem Leben.“ Falsch ist das: Als schlechtere Menschen sterben wir, als wir geboren werden. Dies ist unser Fehler, nicht der der Natur. Sie muss über uns klagen und sagen: „Was ist das? Ohne Begierden habe ich euch gezeugt, ohne Ängste, ohne Aberglauben, ohne Heimtücke und die übrigen unheilvollen Eigenschaften: Wie ihr ins Leben getreten seid, (so) geht hinaus!“
Die Weisheit hat einer erfasst, wenn er so sorgenfrei stirbt, wie er geboren wird. Jetzt aber zittern wir, sobald die Gefahr nahegekommen ist […]. Was ist schimpflicher, als unmittelbar auf der Schwelle zur Freiheit von Sorgen beunruhigt zu sein? Dies aber ist die Ursache: Weil wir ohne jegliche inneren Werte sind, leiden wir unter dem Verlust des Lebens. Es ist nämlich bei uns kein Teil davon zurückgeblieben: Es ist vergangen und verronnen. Niemand sorgt sich darum, wie er gut lebt, sondern (nur) wie lange er lebt, obwohl es allen gelingen kann, gut zu leben, keinem aber, lange zu leben. Leb wohl.
Material 2
Vorbemerkung
Am Ende seiner Schrift De re publica, die Cicero als fiktive Unterhaltung des jüngeren Scipio Africanus, des Bezwingers von Karthago (146 v. Chr.), mit befreundeten Staatsmännern gestaltet, lässt er Scipio von einem lange zurückliegenden Traum berichten, in dem ihm sein Adoptivgroßvater Scipio Africanus Maior erschienen sei, die Zukunft vorausgesagt und ihm dabei himmlischen Lohn in Aussicht gestellt habe:
1 „Sed quo sis, Africane, alacrior ad tutandam rem publicam, sic habeto: Omnibus, qui patriam
2 conservaverint, adiuverint, auxerint, certum esse in caelo definitum locum, ubi beati aevo sempiterno
3 fruantur; nihil est enim illi principi deo, qui omnem mundum regit, quod quidem in terris fiat,
4 acceptius quam concilia coetusque hominum iure sociati, quae,civitates‘ appellantur; harum rectores
5 et conservatores hinc profecti huc revertuntur.“
1 „Damit du aber, Africanus, umso eifriger (darin) bist, den Staat zu schützen, sollst du Folgendes
2 wissen: Allen, die ihr Vaterland erhalten, gefördert und erweitert haben, ist im Himmel ein fester Platz
3 bestimmt, wo sie ein ewiges Leben in Seligkeit genießen sollen. Denn von allem, was auf Erden
4 geschieht, ist jenem höchsten Gotte, der das Weltall lenkt, nichts wohlgefälliger als der
5 Zusammenschluss und die Vereinigung von Menschen in einer Rechtsform, die man als,Staat‘
6 bezeichnet; ihre Lenker und Erhalter sind von hier oben ausgegangen und kehren hierhin zurück.“
(Unveröffentlichte Übersetzung nach K. Atzert, Steffen-Verlag 1950)
Cicero, De re publica 6, 13.
I Übersetzung
Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.
Aufgabe Vorschlag D - II.1 · Inhalt und Gedankengang mit lateinischen Textbelegen
Material 1
Vorbemerkung
Seneca will einen Brief an Lucilius gerade abschließen und versiegeln, öffnet ihn dann aber wieder und fügt noch einen Abschnitt hinzu:
1 Iam imprimebam epistulae signum: Resolvenda est, ut cum sollemni ad te munusculo veniat
2 et aliquam magnificam vocem ferat secum. […]
3 „Nemo“, inquit [Epicurus], „aliter quam, quomodo natus est, exit e vita.“ Falsum est: Peiores
4 morimur quam nascimur. Nostrum istud, non naturae vitium est. Illa nobiscum queri debet et
5 dicere: „Quid hoc est? Sine cupiditatibus vos genui, sine timoribus, sine superstitione, sine
6 perfidia ceterisque pestibus: Quales intravistis, exite!“
7 Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur, quam nascitur. Nunc vero trepidamus, cum
8 periculum accessit […]. Quid est turpius quam in ipso limine securitatis esse sollicitum?
9 Causa autem haec est: Quod inanes omnium bonorum sumus, vitae iactura laboramus. Non
10 enim apud nos pars eius ulla subsedit: Transmissa est et effluxit. Nemo, quam bene vivat, sed
11 quam diu, curat, cum omnibus possit contingere, ut bene vivant, ut diu, nulli. Vale.
Übersetzungshilfen
Z. 1 · signum, -i, n.: hier Siegel
resolvenda est, ut […] veniat: Ergänzen Sie epistula als Subjekt.
sollemne munusculum, sollemnis munusculi, n.: hier gewohnter kleiner Ratschlag
Z. 2 · vox, vocis, f.: hier Ausspruch
Z. 3 · quam, quomodo […]: als (so), wie […]
Z. 4 · nostrum […] est: Ordnen Sie istud est nostrum vitium, non [vitium] naturae.
Illa = natura
queri cum (+ Abl.): klagen über ( jmd.)
Z. 5 · gignere, gigno, genui: zeugen, hervorbringen
Z. 6 · quales intravistis, exite = quales [vitam] intravistis, exite [e vita]
Z. 7 · Percepit sapientiam […] nascitur: Ordnen Sie Si quis [= aliquis] tam […] quam nascitur, percepit sapientiam.
securus, -a, -um: sorgenfrei
Z. 8 · limen securitatis, liminis securitatis, n.: Schwelle zur Sorgenfreiheit
Z. 9 · inanes omnium bonorum: ohne jegliche inneren Werte
iactura, -ae, f.: Verlust
laborare (+ Abl.): leiden an/unter ( etw.)
Z. 10 · eius: Beziehen Sie auf vita.
subsidere, -sido, -sedi: zurückbleiben
transmissus, -a, -um: hier vergangen
Transmissa est et effluxit: Ergänzen Sie vita.
Z. 10f. · Nemo […] curat: Ordnen Sie Nemo curat, quam […].
Z. 11 · cum: hier konzessiv
contingere: gelingen
ut diu, nulli = sed nulli possit contingere, ut diu vivat.
Arbeitsübersetzung (zu Material 1)
Schon wollte ich dem Brief das Siegel aufdrücken: Er muss wieder geöffnet werden, damit er mit dem gewohnten kleinen Ratschlag zu dir kommt und irgendeinen eindrucksvollen Ausspruch mit sich bringt. […]
„Niemand“, sagt [Epikur], „geht anders als so, wie er geboren wurde, aus dem Leben.“ Falsch ist das: Als schlechtere Menschen sterben wir, als wir geboren werden. Dies ist unser Fehler, nicht der der Natur. Sie muss über uns klagen und sagen: „Was ist das? Ohne Begierden habe ich euch gezeugt, ohne Ängste, ohne Aberglauben, ohne Heimtücke und die übrigen unheilvollen Eigenschaften: Wie ihr ins Leben getreten seid, (so) geht hinaus!“
Die Weisheit hat einer erfasst, wenn er so sorgenfrei stirbt, wie er geboren wird. Jetzt aber zittern wir, sobald die Gefahr nahegekommen ist […]. Was ist schimpflicher, als unmittelbar auf der Schwelle zur Freiheit von Sorgen beunruhigt zu sein? Dies aber ist die Ursache: Weil wir ohne jegliche inneren Werte sind, leiden wir unter dem Verlust des Lebens. Es ist nämlich bei uns kein Teil davon zurückgeblieben: Es ist vergangen und verronnen. Niemand sorgt sich darum, wie er gut lebt, sondern (nur) wie lange er lebt, obwohl es allen gelingen kann, gut zu leben, keinem aber, lange zu leben. Leb wohl.
Material 2
Vorbemerkung
Am Ende seiner Schrift De re publica, die Cicero als fiktive Unterhaltung des jüngeren Scipio Africanus, des Bezwingers von Karthago (146 v. Chr.), mit befreundeten Staatsmännern gestaltet, lässt er Scipio von einem lange zurückliegenden Traum berichten, in dem ihm sein Adoptivgroßvater Scipio Africanus Maior erschienen sei, die Zukunft vorausgesagt und ihm dabei himmlischen Lohn in Aussicht gestellt habe:
1 „Sed quo sis, Africane, alacrior ad tutandam rem publicam, sic habeto: Omnibus, qui patriam
2 conservaverint, adiuverint, auxerint, certum esse in caelo definitum locum, ubi beati aevo sempiterno
3 fruantur; nihil est enim illi principi deo, qui omnem mundum regit, quod quidem in terris fiat,
4 acceptius quam concilia coetusque hominum iure sociati, quae,civitates‘ appellantur; harum rectores
5 et conservatores hinc profecti huc revertuntur.“
1 „Damit du aber, Africanus, umso eifriger (darin) bist, den Staat zu schützen, sollst du Folgendes
2 wissen: Allen, die ihr Vaterland erhalten, gefördert und erweitert haben, ist im Himmel ein fester Platz
3 bestimmt, wo sie ein ewiges Leben in Seligkeit genießen sollen. Denn von allem, was auf Erden
4 geschieht, ist jenem höchsten Gotte, der das Weltall lenkt, nichts wohlgefälliger als der
5 Zusammenschluss und die Vereinigung von Menschen in einer Rechtsform, die man als,Staat‘
6 bezeichnet; ihre Lenker und Erhalter sind von hier oben ausgegangen und kehren hierhin zurück.“
(Unveröffentlichte Übersetzung nach K. Atzert, Steffen-Verlag 1950)
Cicero, De re publica 6, 13.
II Interpretation
1
Geben Sie unter Verwendung lateinischer Textbelege wieder, wie Seneca die Situation des Menschen am Anfang und Ende seines Lebens darstellt und welche Schlussfolgerungen er daraus ableitet. (Material 1) (25 BE)
Aufgabe Vorschlag D - II.2 · Sprachlich-stilistische Analyse
Material 1
Vorbemerkung
Seneca will einen Brief an Lucilius gerade abschließen und versiegeln, öffnet ihn dann aber wieder und fügt noch einen Abschnitt hinzu:
1 Iam imprimebam epistulae signum: Resolvenda est, ut cum sollemni ad te munusculo veniat
2 et aliquam magnificam vocem ferat secum. […]
3 „Nemo“, inquit [Epicurus], „aliter quam, quomodo natus est, exit e vita.“ Falsum est: Peiores
4 morimur quam nascimur. Nostrum istud, non naturae vitium est. Illa nobiscum queri debet et
5 dicere: „Quid hoc est? Sine cupiditatibus vos genui, sine timoribus, sine superstitione, sine
6 perfidia ceterisque pestibus: Quales intravistis, exite!“
7 Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur, quam nascitur. Nunc vero trepidamus, cum
8 periculum accessit […]. Quid est turpius quam in ipso limine securitatis esse sollicitum?
9 Causa autem haec est: Quod inanes omnium bonorum sumus, vitae iactura laboramus. Non
10 enim apud nos pars eius ulla subsedit: Transmissa est et effluxit. Nemo, quam bene vivat, sed
11 quam diu, curat, cum omnibus possit contingere, ut bene vivant, ut diu, nulli. Vale.
Übersetzungshilfen
Z. 1 · signum, -i, n.: hier Siegel
resolvenda est, ut […] veniat: Ergänzen Sie epistula als Subjekt.
sollemne munusculum, sollemnis munusculi, n.: hier gewohnter kleiner Ratschlag
Z. 2 · vox, vocis, f.: hier Ausspruch
Z. 3 · quam, quomodo […]: als (so), wie […]
Z. 4 · nostrum […] est: Ordnen Sie istud est nostrum vitium, non [vitium] naturae.
Illa = natura
queri cum (+ Abl.): klagen über ( jmd.)
Z. 5 · gignere, gigno, genui: zeugen, hervorbringen
Z. 6 · quales intravistis, exite = quales [vitam] intravistis, exite [e vita]
Z. 7 · Percepit sapientiam […] nascitur: Ordnen Sie Si quis [= aliquis] tam […] quam nascitur, percepit sapientiam.
securus, -a, -um: sorgenfrei
Z. 8 · limen securitatis, liminis securitatis, n.: Schwelle zur Sorgenfreiheit
Z. 9 · inanes omnium bonorum: ohne jegliche inneren Werte
iactura, -ae, f.: Verlust
laborare (+ Abl.): leiden an/unter ( etw.)
Z. 10 · eius: Beziehen Sie auf vita.
subsidere, -sido, -sedi: zurückbleiben
transmissus, -a, -um: hier vergangen
Transmissa est et effluxit: Ergänzen Sie vita.
Z. 10f. · Nemo […] curat: Ordnen Sie Nemo curat, quam […].
Z. 11 · cum: hier konzessiv
contingere: gelingen
ut diu, nulli = sed nulli possit contingere, ut diu vivat.
Arbeitsübersetzung (zu Material 1)
Schon wollte ich dem Brief das Siegel aufdrücken: Er muss wieder geöffnet werden, damit er mit dem gewohnten kleinen Ratschlag zu dir kommt und irgendeinen eindrucksvollen Ausspruch mit sich bringt. […]
„Niemand“, sagt [Epikur], „geht anders als so, wie er geboren wurde, aus dem Leben.“ Falsch ist das: Als schlechtere Menschen sterben wir, als wir geboren werden. Dies ist unser Fehler, nicht der der Natur. Sie muss über uns klagen und sagen: „Was ist das? Ohne Begierden habe ich euch gezeugt, ohne Ängste, ohne Aberglauben, ohne Heimtücke und die übrigen unheilvollen Eigenschaften: Wie ihr ins Leben getreten seid, (so) geht hinaus!“
Die Weisheit hat einer erfasst, wenn er so sorgenfrei stirbt, wie er geboren wird. Jetzt aber zittern wir, sobald die Gefahr nahegekommen ist […]. Was ist schimpflicher, als unmittelbar auf der Schwelle zur Freiheit von Sorgen beunruhigt zu sein? Dies aber ist die Ursache: Weil wir ohne jegliche inneren Werte sind, leiden wir unter dem Verlust des Lebens. Es ist nämlich bei uns kein Teil davon zurückgeblieben: Es ist vergangen und verronnen. Niemand sorgt sich darum, wie er gut lebt, sondern (nur) wie lange er lebt, obwohl es allen gelingen kann, gut zu leben, keinem aber, lange zu leben. Leb wohl.
Material 2
Vorbemerkung
Am Ende seiner Schrift De re publica, die Cicero als fiktive Unterhaltung des jüngeren Scipio Africanus, des Bezwingers von Karthago (146 v. Chr.), mit befreundeten Staatsmännern gestaltet, lässt er Scipio von einem lange zurückliegenden Traum berichten, in dem ihm sein Adoptivgroßvater Scipio Africanus Maior erschienen sei, die Zukunft vorausgesagt und ihm dabei himmlischen Lohn in Aussicht gestellt habe:
1 „Sed quo sis, Africane, alacrior ad tutandam rem publicam, sic habeto: Omnibus, qui patriam
2 conservaverint, adiuverint, auxerint, certum esse in caelo definitum locum, ubi beati aevo sempiterno
3 fruantur; nihil est enim illi principi deo, qui omnem mundum regit, quod quidem in terris fiat,
4 acceptius quam concilia coetusque hominum iure sociati, quae,civitates‘ appellantur; harum rectores
5 et conservatores hinc profecti huc revertuntur.“
1 „Damit du aber, Africanus, umso eifriger (darin) bist, den Staat zu schützen, sollst du Folgendes
2 wissen: Allen, die ihr Vaterland erhalten, gefördert und erweitert haben, ist im Himmel ein fester Platz
3 bestimmt, wo sie ein ewiges Leben in Seligkeit genießen sollen. Denn von allem, was auf Erden
4 geschieht, ist jenem höchsten Gotte, der das Weltall lenkt, nichts wohlgefälliger als der
5 Zusammenschluss und die Vereinigung von Menschen in einer Rechtsform, die man als,Staat‘
6 bezeichnet; ihre Lenker und Erhalter sind von hier oben ausgegangen und kehren hierhin zurück.“
(Unveröffentlichte Übersetzung nach K. Atzert, Steffen-Verlag 1950)
Cicero, De re publica 6, 13.
II Interpretation
2
Analysieren Sie den Textabschnitt von Nostrum istud, non naturae vitium est bis zum Textende unter sprachlich-stilistischen Aspekten. (Material 1) (25 BE)
Aufgabe Vorschlag D - II.3 · Individuum und Gemeinschaft: Staatsmann, Politik und Prinzipat
Material 1
Vorbemerkung
Seneca will einen Brief an Lucilius gerade abschließen und versiegeln, öffnet ihn dann aber wieder und fügt noch einen Abschnitt hinzu:
1 Iam imprimebam epistulae signum: Resolvenda est, ut cum sollemni ad te munusculo veniat
2 et aliquam magnificam vocem ferat secum. […]
3 „Nemo“, inquit [Epicurus], „aliter quam, quomodo natus est, exit e vita.“ Falsum est: Peiores
4 morimur quam nascimur. Nostrum istud, non naturae vitium est. Illa nobiscum queri debet et
5 dicere: „Quid hoc est? Sine cupiditatibus vos genui, sine timoribus, sine superstitione, sine
6 perfidia ceterisque pestibus: Quales intravistis, exite!“
7 Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur, quam nascitur. Nunc vero trepidamus, cum
8 periculum accessit […]. Quid est turpius quam in ipso limine securitatis esse sollicitum?
9 Causa autem haec est: Quod inanes omnium bonorum sumus, vitae iactura laboramus. Non
10 enim apud nos pars eius ulla subsedit: Transmissa est et effluxit. Nemo, quam bene vivat, sed
11 quam diu, curat, cum omnibus possit contingere, ut bene vivant, ut diu, nulli. Vale.
Übersetzungshilfen
Z. 1 · signum, -i, n.: hier Siegel
resolvenda est, ut […] veniat: Ergänzen Sie epistula als Subjekt.
sollemne munusculum, sollemnis munusculi, n.: hier gewohnter kleiner Ratschlag
Z. 2 · vox, vocis, f.: hier Ausspruch
Z. 3 · quam, quomodo […]: als (so), wie […]
Z. 4 · nostrum […] est: Ordnen Sie istud est nostrum vitium, non [vitium] naturae.
Illa = natura
queri cum (+ Abl.): klagen über ( jmd.)
Z. 5 · gignere, gigno, genui: zeugen, hervorbringen
Z. 6 · quales intravistis, exite = quales [vitam] intravistis, exite [e vita]
Z. 7 · Percepit sapientiam […] nascitur: Ordnen Sie Si quis [= aliquis] tam […] quam nascitur, percepit sapientiam.
securus, -a, -um: sorgenfrei
Z. 8 · limen securitatis, liminis securitatis, n.: Schwelle zur Sorgenfreiheit
Z. 9 · inanes omnium bonorum: ohne jegliche inneren Werte
iactura, -ae, f.: Verlust
laborare (+ Abl.): leiden an/unter ( etw.)
Z. 10 · eius: Beziehen Sie auf vita.
subsidere, -sido, -sedi: zurückbleiben
transmissus, -a, -um: hier vergangen
Transmissa est et effluxit: Ergänzen Sie vita.
Z. 10f. · Nemo […] curat: Ordnen Sie Nemo curat, quam […].
Z. 11 · cum: hier konzessiv
contingere: gelingen
ut diu, nulli = sed nulli possit contingere, ut diu vivat.
Arbeitsübersetzung (zu Material 1)
Schon wollte ich dem Brief das Siegel aufdrücken: Er muss wieder geöffnet werden, damit er mit dem gewohnten kleinen Ratschlag zu dir kommt und irgendeinen eindrucksvollen Ausspruch mit sich bringt. […]
„Niemand“, sagt [Epikur], „geht anders als so, wie er geboren wurde, aus dem Leben.“ Falsch ist das: Als schlechtere Menschen sterben wir, als wir geboren werden. Dies ist unser Fehler, nicht der der Natur. Sie muss über uns klagen und sagen: „Was ist das? Ohne Begierden habe ich euch gezeugt, ohne Ängste, ohne Aberglauben, ohne Heimtücke und die übrigen unheilvollen Eigenschaften: Wie ihr ins Leben getreten seid, (so) geht hinaus!“
Die Weisheit hat einer erfasst, wenn er so sorgenfrei stirbt, wie er geboren wird. Jetzt aber zittern wir, sobald die Gefahr nahegekommen ist […]. Was ist schimpflicher, als unmittelbar auf der Schwelle zur Freiheit von Sorgen beunruhigt zu sein? Dies aber ist die Ursache: Weil wir ohne jegliche inneren Werte sind, leiden wir unter dem Verlust des Lebens. Es ist nämlich bei uns kein Teil davon zurückgeblieben: Es ist vergangen und verronnen. Niemand sorgt sich darum, wie er gut lebt, sondern (nur) wie lange er lebt, obwohl es allen gelingen kann, gut zu leben, keinem aber, lange zu leben. Leb wohl.
Material 2
Vorbemerkung
Am Ende seiner Schrift De re publica, die Cicero als fiktive Unterhaltung des jüngeren Scipio Africanus, des Bezwingers von Karthago (146 v. Chr.), mit befreundeten Staatsmännern gestaltet, lässt er Scipio von einem lange zurückliegenden Traum berichten, in dem ihm sein Adoptivgroßvater Scipio Africanus Maior erschienen sei, die Zukunft vorausgesagt und ihm dabei himmlischen Lohn in Aussicht gestellt habe:
1 „Sed quo sis, Africane, alacrior ad tutandam rem publicam, sic habeto: Omnibus, qui patriam
2 conservaverint, adiuverint, auxerint, certum esse in caelo definitum locum, ubi beati aevo sempiterno
3 fruantur; nihil est enim illi principi deo, qui omnem mundum regit, quod quidem in terris fiat,
4 acceptius quam concilia coetusque hominum iure sociati, quae,civitates‘ appellantur; harum rectores
5 et conservatores hinc profecti huc revertuntur.“
1 „Damit du aber, Africanus, umso eifriger (darin) bist, den Staat zu schützen, sollst du Folgendes
2 wissen: Allen, die ihr Vaterland erhalten, gefördert und erweitert haben, ist im Himmel ein fester Platz
3 bestimmt, wo sie ein ewiges Leben in Seligkeit genießen sollen. Denn von allem, was auf Erden
4 geschieht, ist jenem höchsten Gotte, der das Weltall lenkt, nichts wohlgefälliger als der
5 Zusammenschluss und die Vereinigung von Menschen in einer Rechtsform, die man als,Staat‘
6 bezeichnet; ihre Lenker und Erhalter sind von hier oben ausgegangen und kehren hierhin zurück.“
(Unveröffentlichte Übersetzung nach K. Atzert, Steffen-Verlag 1950)
Cicero, De re publica 6, 13.
3
Stellen Sie unter Bezugnahme auf Material 2 dar, welche Ziele Cicero mit einem politisch aktiven Leben verbindet. (20 BE)
Aufgabe Vorschlag D - II.4 · Epikureische Philosophie: Lust, Seelenruhe und Rückzug
Material 1
Vorbemerkung
Seneca will einen Brief an Lucilius gerade abschließen und versiegeln, öffnet ihn dann aber wieder und fügt noch einen Abschnitt hinzu:
1 Iam imprimebam epistulae signum: Resolvenda est, ut cum sollemni ad te munusculo veniat
2 et aliquam magnificam vocem ferat secum. […]
3 „Nemo“, inquit [Epicurus], „aliter quam, quomodo natus est, exit e vita.“ Falsum est: Peiores
4 morimur quam nascimur. Nostrum istud, non naturae vitium est. Illa nobiscum queri debet et
5 dicere: „Quid hoc est? Sine cupiditatibus vos genui, sine timoribus, sine superstitione, sine
6 perfidia ceterisque pestibus: Quales intravistis, exite!“
7 Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur, quam nascitur. Nunc vero trepidamus, cum
8 periculum accessit […]. Quid est turpius quam in ipso limine securitatis esse sollicitum?
9 Causa autem haec est: Quod inanes omnium bonorum sumus, vitae iactura laboramus. Non
10 enim apud nos pars eius ulla subsedit: Transmissa est et effluxit. Nemo, quam bene vivat, sed
11 quam diu, curat, cum omnibus possit contingere, ut bene vivant, ut diu, nulli. Vale.
Übersetzungshilfen
Z. 1 · signum, -i, n.: hier Siegel
resolvenda est, ut […] veniat: Ergänzen Sie epistula als Subjekt.
sollemne munusculum, sollemnis munusculi, n.: hier gewohnter kleiner Ratschlag
Z. 2 · vox, vocis, f.: hier Ausspruch
Z. 3 · quam, quomodo […]: als (so), wie […]
Z. 4 · nostrum […] est: Ordnen Sie istud est nostrum vitium, non [vitium] naturae.
Illa = natura
queri cum (+ Abl.): klagen über ( jmd.)
Z. 5 · gignere, gigno, genui: zeugen, hervorbringen
Z. 6 · quales intravistis, exite = quales [vitam] intravistis, exite [e vita]
Z. 7 · Percepit sapientiam […] nascitur: Ordnen Sie Si quis [= aliquis] tam […] quam nascitur, percepit sapientiam.
securus, -a, -um: sorgenfrei
Z. 8 · limen securitatis, liminis securitatis, n.: Schwelle zur Sorgenfreiheit
Z. 9 · inanes omnium bonorum: ohne jegliche inneren Werte
iactura, -ae, f.: Verlust
laborare (+ Abl.): leiden an/unter ( etw.)
Z. 10 · eius: Beziehen Sie auf vita.
subsidere, -sido, -sedi: zurückbleiben
transmissus, -a, -um: hier vergangen
Transmissa est et effluxit: Ergänzen Sie vita.
Z. 10f. · Nemo […] curat: Ordnen Sie Nemo curat, quam […].
Z. 11 · cum: hier konzessiv
contingere: gelingen
ut diu, nulli = sed nulli possit contingere, ut diu vivat.
Arbeitsübersetzung (zu Material 1)
Schon wollte ich dem Brief das Siegel aufdrücken: Er muss wieder geöffnet werden, damit er mit dem gewohnten kleinen Ratschlag zu dir kommt und irgendeinen eindrucksvollen Ausspruch mit sich bringt. […]
„Niemand“, sagt [Epikur], „geht anders als so, wie er geboren wurde, aus dem Leben.“ Falsch ist das: Als schlechtere Menschen sterben wir, als wir geboren werden. Dies ist unser Fehler, nicht der der Natur. Sie muss über uns klagen und sagen: „Was ist das? Ohne Begierden habe ich euch gezeugt, ohne Ängste, ohne Aberglauben, ohne Heimtücke und die übrigen unheilvollen Eigenschaften: Wie ihr ins Leben getreten seid, (so) geht hinaus!“
Die Weisheit hat einer erfasst, wenn er so sorgenfrei stirbt, wie er geboren wird. Jetzt aber zittern wir, sobald die Gefahr nahegekommen ist […]. Was ist schimpflicher, als unmittelbar auf der Schwelle zur Freiheit von Sorgen beunruhigt zu sein? Dies aber ist die Ursache: Weil wir ohne jegliche inneren Werte sind, leiden wir unter dem Verlust des Lebens. Es ist nämlich bei uns kein Teil davon zurückgeblieben: Es ist vergangen und verronnen. Niemand sorgt sich darum, wie er gut lebt, sondern (nur) wie lange er lebt, obwohl es allen gelingen kann, gut zu leben, keinem aber, lange zu leben. Leb wohl.
Material 2
Vorbemerkung
Am Ende seiner Schrift De re publica, die Cicero als fiktive Unterhaltung des jüngeren Scipio Africanus, des Bezwingers von Karthago (146 v. Chr.), mit befreundeten Staatsmännern gestaltet, lässt er Scipio von einem lange zurückliegenden Traum berichten, in dem ihm sein Adoptivgroßvater Scipio Africanus Maior erschienen sei, die Zukunft vorausgesagt und ihm dabei himmlischen Lohn in Aussicht gestellt habe:
1 „Sed quo sis, Africane, alacrior ad tutandam rem publicam, sic habeto: Omnibus, qui patriam
2 conservaverint, adiuverint, auxerint, certum esse in caelo definitum locum, ubi beati aevo sempiterno
3 fruantur; nihil est enim illi principi deo, qui omnem mundum regit, quod quidem in terris fiat,
4 acceptius quam concilia coetusque hominum iure sociati, quae,civitates‘ appellantur; harum rectores
5 et conservatores hinc profecti huc revertuntur.“
1 „Damit du aber, Africanus, umso eifriger (darin) bist, den Staat zu schützen, sollst du Folgendes
2 wissen: Allen, die ihr Vaterland erhalten, gefördert und erweitert haben, ist im Himmel ein fester Platz
3 bestimmt, wo sie ein ewiges Leben in Seligkeit genießen sollen. Denn von allem, was auf Erden
4 geschieht, ist jenem höchsten Gotte, der das Weltall lenkt, nichts wohlgefälliger als der
5 Zusammenschluss und die Vereinigung von Menschen in einer Rechtsform, die man als,Staat‘
6 bezeichnet; ihre Lenker und Erhalter sind von hier oben ausgegangen und kehren hierhin zurück.“
(Unveröffentlichte Übersetzung nach K. Atzert, Steffen-Verlag 1950)
Cicero, De re publica 6, 13.
4
Bewerten Sie Senecas und Ciceros Ratschläge (Material 1 und 2) aus epikureischer Sicht. (30 BE)
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