Abitur Hessen Erdkunde 2022 · GK

Abiturprüfung Erdkunde in Hessen 2022, GK: 6 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Globale Disparitäten, Entwicklungsstand und Nachhaltigkeitsziele. Kostenlos.

Themen der Prüfung: Globale Disparitäten, Entwicklungsstand und Nachhaltigkeitsziele · Regionale Disparitäten in Europa und Raumordnung · Rohstoffe: Erschließung, Abbau und Strategien gegen Knappheit · Wasser als knappe Ressource und Nutzungskonflikte

Aufgabe Vorschlag A · Wasser als knappe Ressource und Nutzungskonflikte

Material 1

Daten zu Bolivien

Kari Johansen et al.: The Andean glacier and water atlas: the impact of glacier retreat on water resources, UNESCO 2018, S. 27, URL: https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265810/PDF/265810eng.pdf.multi (abgerufen am 29.05.2021).

Material 2

Bolivien

Cedric Gouverneur: Gletschersterben in Bolivien, in: Le Monde diplomatique, 13.08.2020, URL: https://monde-diplomatique.de/artikel/!5688407#anker2 (abgerufen am 24.05.2021).

Material 3

Grundlegende Wasser- und Sanitärversorgung in Bolivien 2017

Anteil der Bevölkerung mit zumindest grundlegender Wasserversorgung · 92,8%

Landbevölkerung · 78,1%

Stadtbevölkerung · 99,0%

Anteil der Bevölkerung mit zumindest grundlegender Sanitärversorgung · 60,7%

Landbevölkerung · 36,1%

Stadtbevölkerung · 71,7%

URL: https://knoema.de/atlas/Bolivien/topics/Wasser (abgerufen am 29.05.2021).

Material 4

Cedric Gouverneur: Gletschersterben in Bolivien (2020)

Der Chacaltaya […] liegt in der Cordillera Real, rund 30 Kilometer nördlich von La Paz. […] Hundert Meter unterhalb des Gipfels endet die Serpentinenstraße an einem kleinen Parkplatz hoch über dem Altiplano, dem Hochplateau der Anden. […] „In den neunziger Jahren war hier ein 15 Meter dicker Gletscher“, sagt Edson Ramírez und deutet auf einen steinigen Hang, wo einige verbogene Metallstangen rosten – die Überreste eines Skilifts. Ramírez ist Hydrologe und Glaziologe am Institut für Wasserkunde und Hydraulik der Universität Mayor de San Andrès (Umsa) in La Paz. Seit fast 30 Jahren beobachtet er die tropischen Gletscher der Anden. Der Wissenschaftler seufzt: „2003 hatte ich gewarnt, dass dieser 18.000 Jahre alte Gletscher bis 2015 verschwunden sein könnte. Ich war zu optimistisch. Das letzte Eis ist zwischen 2009 und 2011 geschmolzen.“ […] „Unsere Berechnungen zeigen, dass die Gletscher in der Cordillera Real seit 1980 37 Prozent ihrer Fläche eingebüßt haben. […]

Anlässlich der UN-Klimakonferenz im Dezember 2018 in Katowice (Polen) veröffentlichte die Unesco einen Atlas zum Thema. Darin stellt sie fest, dass einige der bolivianischen Gletscher seit den 1980er Jahren „zwei Drittel ihrer Masse oder sogar mehr“ verloren haben. Der Atlas dokumentiert auch, dass die Schneefallgrenze in den tropischen Anden im Laufe des 20. Jahrhunderts um durchschnittlich 45 Meter gestiegen ist. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts könnte die Temperatur hier „um 2 bis 5 Grad ansteigen“. […]

61 Prozent der Wasserversorgung von La Paz speist sich gewöhnlich aus Schmelzwasser, in trockenen Jahren sogar bis zu 85 Prozent. Den „Water Peak“, also den maximalen Abfluss von Schmelzwasser, haben die meisten Gletscher in der Region bereits überschritten – einige von ihnen schon in den 1980er Jahren. Seitdem fließt immer weniger Wasser ins Tal. […]

[Magali] Garcia [leitende Agraringenieurin am Institut zur Erforschung und Entwicklung chemischer Verfahren der Umsa] erforscht die Folgen der Erderwärmung auf die landwirtschaftlichen Anbaumethoden: „Die Andenbauern sehen, wie sich die Gletscher zurückziehen und die Bewölkung abnimmt. Die Sonne brennt immer heißer, der Regen fällt konzentrierter, die Verdunstung beschleunigt sich; selbst wenn die Niederschlagsmenge gleichbleibt.“ […]

Die Zeit drängt. Zwischen November 2016 und März 2017 führte das Wetterphänomen El Niño, bei dem sich das Meer vor der Westküste Südamerikas außergewöhnlich erwärmt, in Bolivien zur schlimmsten Dürre seit 1980: Die Niederschläge gingen um 40 Prozent zurück, und die Temperaturen stiegen um durchschnittlich 2 bis 3 Grad. Bolivien kennt zwar regelmäßig wiederkehrende Dürreperioden. Doch 2016 waren erstmals nicht nur die Städte Cochabamba, Oruro, Potosí und Sucre vom Wassermangel betroffen, sondern auch der Großraum La Paz/El Alto mit seinen mehr als 2 Millionen Einwohnern. […] Ab Oktober wurde vielerorts das Wasser abgestellt. […] Magali Garcia erläutert: „In Cochabamba sind die Menschen an Trockenheit gewöhnt. Sie sind besser darauf eingerichtet, und sie haben Zisternen. Auch die Bauern hatten 1983, 1987 und 2006 schon schlimmere Dürren erlebt, aber die Paceños, die Einwohner von La Paz, traf es vollkommen unvorbereitet.“ […]

Um auf künftige Dürren vorbereitet zu sein, wurden zwischen 2016 und 2019 im Umland von La Paz drei neue Wasserreservoirs gebaut. In El Alto grub man neue Brunnen. Wasserleitungen wurden erneuert und Lecks abgedichtet, um die Versickerung zu minimieren. Im Bezirk 4 von El Alto konnte auf diese Weise der Wasserverlust von 39,6 auf 26,5 Prozent des Gesamtvolumens reduziert werden. […]

Edson Ramirez warnt, dass künftige Dürren noch dramatischer ausfallen könnten, wenn das Land nicht mehr auf das Schmelzwasser der Gletscher zählen kann. […] Er richtet sich darauf ein, dass die Extremwetterlagen infolge des weltweiten Temperaturanstiegs immer unberechenbarer werden. 2018 und 2019 verursachten sintflutartige Regenfälle Überschwemmungen und lösten Erdrutsche aus.

Cedric Gouverneur: Gletschersterben in Bolivien, in: Le Monde diplomatique, 13.08.2020, URL: https://monde-diplomatique.de/artikel/!5688407#anker2 (abgerufen am 24.05.2021).

Material 5

Wasserverbrauch in Bolivien 2017

eigene Darstellung nach: URL: https://knoema.de/atlas/Bolivien/topics/Wasser (abgerufen am 29.05.2021).

Material 6

Wasserkraft in Bolivien 2015/2018

Kari Johansen et al.: The Andean glacier and water atlas: the impact of glacier retreat on water resources, UNESCO 2018, S. 29; URL: https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265810/PDF/265810eng.pdf.multi (abgerufen am 29.05.2021).

Material 7

Ziel 6 der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

Was soll erreicht werden?

6.1 Zugang zu Trinkwasser für alle

6.2 Zugang zu Sanitärversorgung und Hygiene für alle

6.3 Wasserqualität weltweit verbessern

6.4 Effizienz der Wassernutzung steigern

6.5 Integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen

6.6 Wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen

Wie soll das Ziel erreicht werden?

6.A Internationale Zusammenarbeit und die Unterstützung der Entwicklungsländer

6.B Mitwirkung lokaler Gemeinwesen

URL: http://www.a-iwa.at/wp-content/uploads/2019/11/Langergraber.pdf (abgerufen am 04.06.2021).

Material 8

Steffen Heinzelmann: Trinkwasserpolitik verschärft soziale Ungerechtigkeit (2021)

Lange galt Cochabamba als „Stadt des ewigen Frühlings“ inmitten der Kornkammer Boliviens. Doch inzwischen herrscht hier jedes Jahr monatelang Trockenheit. Da immer mehr Menschen in die Großstadt ziehen, ist Trinkwasser für viele knapp und teuer. […]

Es ist ein kostbares Gut, das Juan aus einem Rohr in den riesigen Tank seines Lastwagens rauschen lässt: Wasser. Sein Laster steht in einer langen Reihe mit anderen Cisternas, dicht an dicht im Norden der Stadt Cochabamba. Hier gibt es grüne Parks mit blühenden Bäumen, hier sprudelt noch Wasser aus Quellen und Leitungen, und hier kann Juan es kaufen und damit den Tank seines Lastwagens füllen. Wenn der Tank voll ist, fährt er ganz ans andere Ende der Stadt in die Zona Sur, um seine Fracht zu verkaufen. Denn im Süden Cochabambas herrscht Wassermangel, die Leitungen der städtischen Wasserversorgung SEMAPA reichen nicht bis dorthin, wo die Stadt besonders schnell wächst. Das Wasser spiegelt die sozialen Unterschiede Cochabambas, der Großstadt im Herzen Bolivien wider: Im wohlhabenden Norden sprudelt es aus dem Boden, im ärmeren Süden sitzen die Menschen meistens auf dem Trockenen. […]

[I]m kargen Süden der Stadt fehlen eine Kanalisation für Abwasser und Leitungen für Trinkwasser. Für Wasser müssen [die Bewohner] deshalb sogar viel mehr bezahlen als die Menschen […] im Zentrum und im Norden. Der Preis steht mit Farbe auf die Tanks der Wasserlaster gesprüht: 7 Bolivianos für ein Fass. Das sind mehr als 85 Eurocent für 200 Liter, zehnmal so viel, wie das städtische Leitungswasser kostet. Für die Händler mit den Tankwagen und vor allem die Verkäufer*innen im Norden ist Wasser ein sehr gutes Geschäft. „Das ist soziale Benachteiligung. Wir können es sogar Rassismus nennen, denn bei uns in der Zona Sur leben vor allem indigene Menschen“, erklärt María. […] María ist wütend über diese Benachteiligung. […]. Vor 20 Jahren habe etwa die Hälfte der Menschen in Cochabamba einen Anschluss an die Wasserversorgung gehabt; seitdem ist die Stadt kontinuierlich auf fast eine Million Einwohner*innen gewachsen, und mittlerweile sei es sogar deutlich weniger als die Hälfte, die einen Wasseranschluss hat. Als Grund dafür nennt [Oscar Olivera] vor allem die schlechte Verwaltung: Der Staat habe den Menschen die Möglichkeit genommen, ihr Wasser selbst zu verteilen.

Oscar Olivera arbeitet für die Stiftung Fundación Abril, die in den Stadtvierteln ein Netz von gemeinschaftlichen Wassertanks aufbaut und auch an Schulen große Tanks installiert, in denen Regenwasser für die Bäder und die Gärten der Schulen gesammelt wird. […] Wie Oscar Olivera setzt auch María […] wenig Hoffnung in die Regierung in La Paz oder die Stadtverwaltung Cochabamba. In ihrer Not seien die Menschen im Süden der Stadt zu wahren Expert*innen im Sparen und Wiederverwenden von Wasser geworden, erklärt sie. Wichtig sei aber, sich zu organisieren und deutlich zu machen, dass der Zugang zu Wasser für alle ein Recht sei. Und nicht der Verlust eines guten Geschäfts, mit dem sich einige wenige auf Kosten der Allgemeinheit bereichern können. […]

Irgendwann, so […] verspricht die Stadtverwaltung seit langem, soll Wasser aus dem Stausee Misicuni ganz am anderen Ende der Stadt bis in den Süden Cochabambas fließen. Durch 20 Kilometer lange, riesige Rohre. Im Stausee Misicuni, auf den grünen Hügeln im Norden gelegen, gibt es reichlich Wasser, das einfach nicht genutzt wird. Nur neun Prozent des Wassers kommt bei den Menschen an, weil die Leitungen nicht bis in die Stadt gebaut werden. Und in den alten Wasserrohren, die durch das Zentrum führen, versickert die Hälfte des Wassers, bevor es irgendeinen Wasserhahn erreicht.

Steffen Heinzelmann: Trinkwasserpolitik verschärft soziale Ungerechtigkeit, Nachrichtenpool Lateinamerika e.V., 07.01.2021, URL: https://www.npla.de/thema/urbanes-leben/blaues-gold-trinkwasserpolitik-verschaerft-soziale-ungerechtigkeit/ (abgerufen am 04.06.2021).

Wasser – Boliviens bedrohte Ressource?

Aufgaben

1

Geben Sie die Daten zu Bolivien aus Material 1 wieder und beschreiben Sie die naturräumlichen Voraussetzungen Boliviens. (Material 1–2, Atlas)

(25 BE)

2.1

Stellen Sie die Situation der Wasserversorgung in Bolivien dar. (Material 3–6)

(15 BE)

2.2

Untersuchen Sie die Wasserversorgung Boliviens hinsichtlich der Versorgung und des Verbrauchs. (Material 1–6)

(30 BE)

3

Nennen Sie die grundlegenden Ziele und handlungsleitenden Prinzipien der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung und überprüfen Sie die Umsetzung des UN-Nachhaltigkeitsziels 6 in Bolivien. (Material 1–8)

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag B · Rohstoffe: Erschließung, Abbau und Strategien gegen Knappheit

Material 1

Urban Mining: Deutschland recycelt sich reich

Erdölvorkommen? Erdgasbestände? Nicht der Rede wert! Seltene Erden, Mineralien? Fehlanzeige!

Deutschland verfügt über wenig Rohstoffe und ist doch reich an Materialien, die wiederverwertet und

recycelt werden können.

„Ich habe Zeiten erlebt, da wurde alles einfach platt gewalzt“, sagt der Vorarbeiter auf der Baustelle,

5 „Heutzutage wird erst ein Abrisskonzept erstellt, und dann werden die einzelnen Materialien getrennt,

gelagert, wiederverwertet.“ Ein aufwendiger Prozess, wie Jasmin Mangold vom Entsorgungsbetrieb

„Bonn Orange“ bestätigt: „Vor Baubeginn wird ein Schadstoffkataster erstellt, der Baugrund unter-

sucht und klassifiziert und daraus ein Rückbau- und Entsorgungsplan erstellt. Die Arbeiten werden be-

gleitend vom Gutachter überwacht und verdächtige, noch nicht bekannte Materialien werden unter-

10 sucht und klassifiziert.“ Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator überwacht die Prozesse. Ge-

trennt wird, was technisch möglich ist: Fenster, Türen, Dämmungen, Asbestplatten. Unbelastete Be-

tone können gebrochen und als Unterbau in Verkehrsflächen wiederverwertet werden.

Währenddessen kippt ein LKW auf der Bauhofbaustelle einen Berg ab - feinkörnige Erde mit groben

Gesteinsbrocken dazwischen. „Das war einmal Beton. Der wurde in einem Werk zermahlen, und nun

15 werden Baulöcher damit verfüllt“, erklärt ein Bauarbeiter. Aus dem Material waren die Gebäude des

Bonner Betriebshofes errichtet worden. Nach dem Abriss soll schon bald an gleicher Stelle ein neuer

Bau- und Wertstoffhof entstehen. „Mit dem körnigen RC-Beton (Abkürzung für recycelter Beton) las-

sen sich wieder ganze Gebäude errichten“, erklärt Felix Müller, beim Umweltbundesamt (UBA) zu-

ständig für Ressourcenschonung. […]

20 „Wir rechnen damit, dass die Nutzung unserer fossilen Rohstoffe aufwendiger und teurer wird, wenn

nicht sogar endlich. Sekundärrohstoffe werden also konkurrenzfähiger. In unseren Städten sind viele

Rohstoffe verbaut, deren Wiedergewinnung immer attraktiver wird“, sagt Jasmin Mangold vom Ent-

sorgungsunternehmen „Bonn Orange“. „Das rohstoffliche Recycling wird steigen, die Beseitigung und

energetische Verwertung werden zurückgehen. Der aktuelle Trend wird sich somit fortsetzen.“

25 Nur wenige Schritte von der staubigen Baustelle entfernt sortieren die Mitarbeiter der städtischen Ab-

fallbetriebe „Bonn Orange“ penibel alles, was die Bürger anliefern: Computer, Fernseher, Kühl-

schränke, Waschmaschinen, Batterien, Leuchtstoffröhren, Bauschutt, CDs, Öle und Lacke. Die Pro-

dukte und Materialien werden in riesigen Containern und Fässern gelagert. „Die Farben werden ge-

trocknet. Daraus wird Kreide gewonnen. Die ranzigen Öle werden zu Kosmetika verarbeitet“, erklärt

30 der Betriebsleiter der staunenden Reporterin. Pro Person in deutschen Haushalten fallen fast 500 Kilo-

gramm Abfall im Jahr an. […]

„Wir sind umgeben von einem vom Menschen gemachten Lager in Höhe von über 50 Milliarden Ton-

nen an Materialien“, sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes zum Wert des Ur-

ban Minings. […] Allein der Materialwert der Metalle im anthropogenen Lager Deutschlands wird auf

35 650 Milliarden Euro geschätzt.

Dieses anthropogene Lager wächst nach UBA-Angaben jedes Jahr um weitere zehn Tonnen pro Ein-

wohner an, weil weiterhin gebaut, produziert und entsorgt wird. […]

„Sekundärrohstoffe haben einen hohen Einspareffekt, weil sie nicht raffiniert, sondern nur einge-

schmolzen werden müssen“, so UBA-Sprecher Müller: „Um eine Tonne Elektrostahl aus Schrotten zu

40 erzeugen, werden zusätzlich nur 0,8 Tonnen an Primärrohstoffen benötigt und nur ein Drittel des Ener-

gieeinsatzes.“

Auch der Handel mit Sekundärrohstoffen ist zukunftsfähig: 30 Prozent der Kupferhalbzeug- und Kup-

fergussproduktion wird bereits aus inländischen Kupferschrotten erzeugt, so das UBA. Neodym und

Dysprosium, Seltene Erden, die in Generatoren von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen, sollen

45 recycelt werden, um die Abhängigkeit von Importen zu mindern. Für künftige Generationen sollen die

Materialien eine substanzielle Ressource darstellen. Voraussetzung sei, so das UBA, dass es gelingen

wird, die immense Stoff- und Produktvielfalt zu trennen, die Stoffe nutzbar zu machen und Produkte

gewinnbringend aufzubereiten.

Karin Jäger: Urban Mining: Deutschland recycelt sich reich, 01.03.2018, URL: https://www.dw.com/de/recycling-umwelt-urban-mining-abfall-entsorgung-schrott-rohstoffe-uba-umweltbundesamt/a-42756166 (abgerufen am 23.05.2021).

Material 2

Abfallaufkommen in Deutschland in Mio. Tonnen 2017

Bau- und Abbruchabfälle · 220,3

Produktions- und Gewerbeabfälle · 55,8

Siedlungsabfälle · 51,8

Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen · 31,0

Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen (Sekundärabfälle) · 53,4

Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau (Heft 7/8) 2020, S. 39.

Material 3

Verwertung und Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen in Deutschland 2017 in Mio. Tonnen

Beseitigung insgesamt: 25,7 · Ablagerung · 24,8

Verbrennung und Behandlung · 0,9

Verwertung insgesamt: 194,7 · Energetische Verwertung · 1,6

Stoffliche Verwertung · 192,9

Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau (Heft 7/8) 2020, S. 39.

Material 4

Bekanntes Pro-Kopf-Materiallager in Deutschland 2010 in Tonnen

Mineralische Materialien · 317,27

Metalle · 14,12

Holz · 4,26

Kunststoff · 3,06

Sonstiges · 2,29

Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau, 7/8 2020, S. 41.

Material 5

Bundesministerium Wirtschaft und Energie: Bergbau und Rohstoffe (2021)

Deutschland ist eines der führenden Industrieländer und daher Großverbraucher mineralischer Rohstoffe. Ein Großteil der jährlich in Deutschland benötigten Rohstoffe, insbesondere die Steine- und Erden-Rohstoffe, werden aus heimischen Lagerstätten gewonnen. So wurden im Jahr 2017 in Deutschland 177,2 Millionen Tonnen Braunkohle, Steinkohle und Erdöl, 8,283 Milliarden m³ Erdgas, Erdölgas und Grubengas sowie etwa 609 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe zuzüglich ca. 4,3 Millionen m³ Torf produziert. Diese Produktionsmenge hatte einen Wert von insgesamt rund 12,3 Milliarden Euro.

Während die Eigenversorgung mit diesen Rohstoffen ganz oder anteilig sichergestellt ist, ist die Bedarfsdeckung bei den Metallrohstoffen, einzelnen Industriemineralen und den Energierohstoffen mit Ausnahme der Braunkohle sehr stark von Importen abhängig.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Bergbau und Rohstoffe, 2021, URL: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Textsammlungen/Branchenfokus/Industrie/branchenfokus-bergbau-und-rohstoffe.html (abgerufen am 23.05.2021).

Material 6

Vergleich von Primärbergbau und Urban Mining

URL: https://urban-mining-kongress.de/fileadmin/pdfs/Felix_Mueller.pdf (abgerufen am 23.05.2021).

Hinweise

Auf dem 8. Urban Mining Kongress im November 2018 in Dortmund wurden in einem Vortrag Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Primärbergbau und Urban Mining mithilfe des obigen Schaubilds dargestellt.

Die Smileys geben die Einschätzung des Autors Felix Müller wieder, inwieweit der Primärbergbau gegenüber dem Urban Mining im Vorteil ist und umgekehrt.

Prospektion – die Suche und Erkundung von neuen, bisher unbekannten Rohstofflagerstätten

Material 7a

UN-Nachhaltigkeitsziel 12

Teilziel:

Bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringern.

URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-12-verantwortungsvoll-konsumieren-und-produzieren/ (abgerufen am 23.05.2021).

Material 7b

Rohstoffstrategie der Bundesregierung (2020)

Ziel der Bundesregierung ist es, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um Unternehmen bei einer sicheren und verantwortungsvollen Rohstoffversorgung zu unterstützen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken und durch einen effizienten Umgang mit Rohstoffen den Einsatz von Primärrohstoffen möglichst niedrig zu halten.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 25.02.2020, URL: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2020/03/kapitel-1-10-rohstoffstrategie-der-bundesregierung.html (abgerufen am 23.05.2021).

Aufgaben

1.1

Die Begriffe Reserve und Ressource werden häufig synonym verwendet, obwohl sie sich in einigen Aspekten voneinander unterscheiden. Darüber hinaus muss zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen differenziert werden.

Beschreiben Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser verschiedenen Begriffe. (15 BE)

1.2

Beschreiben Sie die aktuelle Situation des Urban Minings in Deutschland und erläutern Sie die Relevanz für die deutsche Rohstoffversorgung. (Material 1–5) (30 BE)

2

Vergleichen Sie Primärbergbau und Urban Mining anhand selbst ausgewählter Aspekte aus dem Schaubild in Material 6. (Material 1–6) (30 BE)

3

Erörtern Sie ausgehend von Ihren Ausführungen zu den Aufgaben 1.2 und 2, inwiefern die Ziele der deutschen Regierung einen Beitrag zum Erreichen des UN-Nachhaltigkeitsziels 12 leisten können. (Material 1–7, Atlas) (25 BE)

Aufgabe Vorschlag C · Wasser als knappe Ressource und Nutzungskonflikte

Klimawandel und (Nutzungs-)Konflikte in der Tschadsee-Region – ist eine nachhaltige Entwicklung möglich?

Material 1

Klimadiagramme N’Djamena und Faya Largeau im Tschad (2021)

Material 2

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: Das Tschadseebecken

Das Tschadseebecken [...] ist mit einer Ausdehnung von etwa 2.382.000 km² eines der größten [...] abflusslosen intramontanen [im Gebirge eingesenkt] Becken Afrikas. Nach Schätzungen für das Jahr 2013 leben ca. 47 Millionen Menschen im Tschadseebecken. Haupterwerbsquelle sind die Landwirtschaft, nomadische bzw. halbnomadische Tierhaltung und der Fischfang. [...]

Im vergangenen Jahrhundert reihte sich an eine feuchte Phase mit einem Maximum in den 50er und 60er-Jahren eine ausgeprägte Trockenperiode, die vor allem in den 1980ern zu schweren Dürren führte. [...] In der Folge schrumpfte der Tschadsee um 90% [...]. Seit sich der Niederschlag wieder in einem Aufwärtstrend befindet, sind eine Ergrünung der Sahelzone sowie eine Steigerung der Abflüsse zu beobachten.

Jedoch prognostizieren regionale Klimamodelle ab Mitte dieses Jahrhunderts für den südlichen Teil des Tschadseebeckens einen Rückgang des Niederschlags. Die erwarteten Klimaveränderungen gekoppelt mit einem starken Bevölkerungswachstum von 3% jährlich werden den Druck auf die vorhandenen Wasserressourcen stark erhöhen.

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: TZ Tschadsee: Grundwassermanagement (2020), URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Wasser/Projekte/laufend/TZ/Tschad/tschad-II_fb.html (abgerufen am 30.04.2021).

Material 3

Veränderungen des Tschadsees von 1963 bis 2007

URL: http://en.people.cn/n3/2017/0821/c90000-9258249.html (abgerufen am 30.04.2021).

Hinweise

Die Ländernamen sind in französischer Sprache angegeben, hier in Klammern die Übersetzung (Chad–Tschad, Cameroon–Kamerun).

Der Stand von 2007 entspricht in etwa der heutigen Ausdehnung des Tschadsees

Material 4

Landwirtschaftskalender für die Tschadseeregion (2017)

übersetzt nach: Food and Agriculture Oranization of the United Nations: Lake Chad Basin crisis Response strategy 2017–2019, S. 4, URL: http://www.fao.org/3/bs126e/bs126e.pdf (abgerufen am 30.04.2021).

Material 5

Theresa Krinninger: Tschadsee – Wie der Klimawandel den Terror befördert (2015)

Hier [am Tschadsee] trifft eine schleichende Klimakatastrophe auf eine chronisch instabile Region: Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausbreiten [...] können. Einen Zusammenhang halten Experten für wahrscheinlich: Die knappen Ressourcen, hohe Arbeitslosigkeit und kaum Perspektiven machten gerade junge Menschen anfälliger für die Ideologien der Terroristen. [...]

Auf der Suche nach fruchtbaren Böden wandern die Menschen seit Jahrzehnten vom lebensfeindlichen Norden in den Süden. [...] Dadurch explodierte auch die Nachfrage an Wohnraum. „Immer mehr Weideland wird absorbiert [zum Wohnen genutzt] und das führt zu Landkonflikten“, sagt Afrikanist Cyffer. Die Bauern hätten gar nicht mehr genug Boden zur Verfügung. Der Streit um Weideflächen eskaliert: Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen in Auseinandersetzungen zwischen ansässigen Bauern und aus dem Norden kommenden Hirten. Die Regierung tue jedoch wenig gegen die klimabedingten Landkonflikte. [...] Der Klimawandel verschärft Konflikte um Land und Ressourcen und befördert schlimmstenfalls den Aufstieg terroristischer Gruppen. Die fehlende Sicherheit wiederum erschwert den Umweltschutz.

Theresa Krinninger: Tschadsee: Wie der Klimawandel den Terror befördert, 04.12.2015, URL: https://www.dw.com/de/tschadsee-wie-der-klimawandel-den-terror-bef%C3%B6rdert/a-18895591 (abgerufen am 30.04.2021).

Material 6

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet (2020)

Boko Haram, die ihren Ursprung in Nigeria hat, ist eine der tödlichsten Terrorgruppen der Welt. Ende 2014 begannen sie, ihre Angriffsziele auf jenseits der Grenzen Nigerias in den Ländern des Tschadbeckens zu suchen. Hunderttausende Menschen aus dem Becken, die in Nigeria oder nahe der Grenze lebten, flohen vor der Gewalt. Sie fanden schließlich Zuflucht in den Dörfern und Camps in Tschad, Niger und Kamerun. Im Tschad hat der Zufluss von vertriebenen Tschadern und Flüchtlingen die Ressourcen des Sees strapaziert, die sowohl von diesen beiden Gruppen als auch von den Einheimischen genutzt werden. In Kombination mit der sich ausbreitenden Wüste ist die Zukunft des Sees nun ungewisser denn je zuvor. [...]

„Dürre, Wüstenbildung, Entwaldung und falsches Ressourcenmanagement [haben] zusätzlich zum Klimawandel zu seinem drastischen Schrumpfen um 90 Prozent in den letzten 60 Jahren beigetragen.“ [...] Die Fische werden kleiner und weniger. [...] Die zurückweichenden Wassermassen und Boko Haram durchtrennen auch eine wirtschaftliche Lebensader zwischen Tschad und Nigeria. Maiduguri in Nigeria [...] war auch einst ein lebhafter Handelsposten für Fischer, Bauern und Händler, die die Grenze von Tschad überquerten, um auf dem Markt nach Maiduguri zu kommen. Durch den niedrigen Wasserstand und die Routen, die durch die Unsicherheit rund um Boko Haram abgeschnitten wurden, können Boote Maiduguri nun nicht mehr erreichen. Dadurch seien nun „Tausende ohne ihren wichtigsten Markt für den Handel.“

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet, 05.11.2020, URL: https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/05/ungewisse-zukunft-der-tschadsee-verschwindet (abgerufen am 30.04.2021).

Material 7

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren (2015)

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren, URL: https://www.welt.de/politik/ausland/article131157709/2050-muss-Afrika-zwei-Milliarden-ernaehren.html (abgerufen am 10.10.2021).

Material 8

Bonifica: Das Transaqua Projekt (2018)

Auf der internationalen Tschadsee-Konferenz in Abuja, Nigeria im Februar 2018 wurde zur Revitalisierung des Tschadsees die Umsetzung des Transaqua Projekts beschlossen.

Das italienische Unternehmen Bonifica hatte das Projekt bereits in den 1980er Jahren vorgestellt und nun wurde es von den Teilnehmern der Konferenz als einzige Möglichkeit eingestuft, den Tschadsee sowie die Wirtschaft in der Region zu retten und wiederzubeleben. Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen PowerChina soll das Projekt finanziert werden. Beide Unternehmen werden von den jeweiligen Regierungen unterstützt. Der Plan des Projekts ist ein Wassertransfer vom Ubangi Fluss am nördlichen Rand des Kongobeckens über einen Kanal in das Tschadseebecken und letztlich in den Tschadsee. Dazu muss ein 2.400 Kilometer langer Kanal über eine Wasserscheide zum Chari Fluss, der den Tschadsee speist, errichtet werden. Im Verlauf dieses Kanals sollen bis zu 20 Dämme gebaut werden, die das Wasser im Kanal halten, elektrische Energie liefern und die Bewässerung neuer landwirtschaftlicher Flächen sicherstellen. Jährlich sollen dafür [...] bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Wasser von dem Kongo-Fluss in den neuen Kanal abgezweigt werden. Das seien [... ca.] 8 Prozent der Gesamtabflussmenge des Kongo [...]. Dies könnte dazu führen, dass der Tschadsee bis zum Jahr 2087 fast auf seine ursprüngliche Größe anwächst und sich um den See herum neue landwirtschaftlich nutzbare Flächen entwickeln. Des Weiteren wäre der Kanal zwischen den beiden Becken (Kongo-Becken und Tschadsee-Becken) schiffbar, sodass Waren transportiert werden könnten.

übersetzt nach: URL: http://savelakechad.com/analysis-of-transaqua.html (auch Quelle von Karte 2) und URL: https://www.larouchepac.com/20180302/transaqua-moves-forward-water-transfer-not-option-it-necessity

Karte 1: URL: https://www.agoravox.fr/actualites/international/article/rd-congo-le-projet-transaqua-et-la-202001 (alle abgerufen am 10.10.2021).

Material 9

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo (2018)

Mit Wasser aus dem Kongo soll der Tschadsee gerettet werden. [...] Hinter dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt [...] stecken vor allem China und die Afrikanische Entwicklungsbank als Geldgeber. Die Europäische Union hält sich aus dem umstrittenen Projekt raus, denn die Auswirkungen auf das Ökosystem des Kongo-Beckens dürften verheerend sein. [...]

Die Verhandlungsrunden über den Transfer von Kongo-Wasser zur Rettung des Tschadsees wurden ohne Einbeziehung der beiden Länder geführt, die sich den majestätischen Fluss teilen: die DR Kongo und die Republik Kongo-Brazzaville. [...] „Ganz offensichtlich haben wir im Kongo alles zu verlieren, aber in der Sache nichts zu gewinnen. Daher ist wohl die DR Kongo offiziell nicht zu den internationalen Zusammenkünften eingeladen worden. [...] Also stellt sich die Frage an die Wissenschaft, was es bedeutet, wenn man Wasser von einem Becken in ein anderes überführt“.[...]

Professor Musibono [von der Universität Kinshasa] hat die misslichen Folgen aufgezeigt, [...] wenn das Projekt [...] umgesetzt werden soll: „Unsere Landwirtschaft ist auf Regen und Wasser angewiesen; mit Sicherheit wird sich unsere Ernährungslage [...] verschlechtern“. [...] Die Umleitung eines Teils des Ubangi-Wassers zum Tschadsee ohne Berücksichtigung von Ressourcen, wie Ersatz für die Absenkung des Wasserniveaus geschaffen werden kann, wird unvorhersehbare und katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem des Kongobeckens haben. Niemand kann verkennen, dass dieses Becken, zweitgrößtes Fluss- und Waldgebiet der Welt, unerlässlich ist für die Zukunft der Menschheit, weil es eine entscheidende Rolle für die Regelung des Klimas hat [...].

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo, 2018, URL: https://www.afrika-sued.org/ausgaben/heft-2-2018/transaqua-ein-ungluecksprojekt-fuer-den-kongo/ (abgerufen am 11.10.2021).

Material 10

Die Ziele 2 „Hunger beenden“ und 6 „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (2021)

Hunger beenden – Bis 2030 …

1. den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, [...] ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben. [...]

3. die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten [...] verdoppeln [...].

Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen – Bis 2030 …

[...]

2. die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern.

3. auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

4. wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen [...].

URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-6-sauberes-wasser-und-sanitaere-einrichtungen/ und https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-2-hunger-beenden/ (abgerufen am 10.10.2021).

1

Beschreiben Sie die physisch-geographischen Gegebenheiten der Region um den Tschadsee und stellen Sie die Potentiale dieser Region für Landwirtschaft und Fischerei dar. (Material 1–3, Atlas) [30 BE]

2.1

Ordnen Sie „Wasser“ in die Systematik von Rohstoffen und Ressourcen unter Berücksichtigung der in der Region um den Tschadsee herrschenden Bedingungen ein. (Material 2) [10 BE]

2.2

Erläutern Sie, welchen Einfluss die natürlichen und anthropogenen Rahmenbedingungen auf das Leben und Wirtschaften der Menschen in der Region um den Tschadsee haben. (Material 4–6) [20 BE]

Aufgabe Vorschlag C - 3.1 - Globale Disparitäten und SDGs · Globale Disparitäten, Entwicklungsstand und Nachhaltigkeitsziele

Material 1

Klimadiagramme N’Djamena und Faya Largeau im Tschad (2021)

Material 2

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: Das Tschadseebecken

Das Tschadseebecken [...] ist mit einer Ausdehnung von etwa 2.382.000 km² eines der größten [...] abflusslosen intramontanen [im Gebirge eingesenkt] Becken Afrikas. Nach Schätzungen für das Jahr 2013 leben ca. 47 Millionen Menschen im Tschadseebecken. Haupterwerbsquelle sind die Landwirtschaft, nomadische bzw. halbnomadische Tierhaltung und der Fischfang. [...]

Im vergangenen Jahrhundert reihte sich an eine feuchte Phase mit einem Maximum in den 50er und 60er-Jahren eine ausgeprägte Trockenperiode, die vor allem in den 1980ern zu schweren Dürren führte. [...] In der Folge schrumpfte der Tschadsee um 90% [...]. Seit sich der Niederschlag wieder in einem Aufwärtstrend befindet, sind eine Ergrünung der Sahelzone sowie eine Steigerung der Abflüsse zu beobachten.

Jedoch prognostizieren regionale Klimamodelle ab Mitte dieses Jahrhunderts für den südlichen Teil des Tschadseebeckens einen Rückgang des Niederschlags. Die erwarteten Klimaveränderungen gekoppelt mit einem starken Bevölkerungswachstum von 3% jährlich werden den Druck auf die vorhandenen Wasserressourcen stark erhöhen.

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: TZ Tschadsee: Grundwassermanagement (2020), URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Wasser/Projekte/laufend/TZ/Tschad/tschad-II_fb.html (abgerufen am 30.04.2021).

Material 3

Veränderungen des Tschadsees von 1963 bis 2007

URL: http://en.people.cn/n3/2017/0821/c90000-9258249.html (abgerufen am 30.04.2021).

Hinweise

Die Ländernamen sind in französischer Sprache angegeben, hier in Klammern die Übersetzung (Chad–Tschad, Cameroon–Kamerun).

Der Stand von 2007 entspricht in etwa der heutigen Ausdehnung des Tschadsees

Material 4

Landwirtschaftskalender für die Tschadseeregion (2017)

übersetzt nach: Food and Agriculture Oranization of the United Nations: Lake Chad Basin crisis Response strategy 2017–2019, S. 4, URL: http://www.fao.org/3/bs126e/bs126e.pdf (abgerufen am 30.04.2021).

Material 5

Theresa Krinninger: Tschadsee – Wie der Klimawandel den Terror befördert (2015)

Hier [am Tschadsee] trifft eine schleichende Klimakatastrophe auf eine chronisch instabile Region: Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausbreiten [...] können. Einen Zusammenhang halten Experten für wahrscheinlich: Die knappen Ressourcen, hohe Arbeitslosigkeit und kaum Perspektiven machten gerade junge Menschen anfälliger für die Ideologien der Terroristen. [...]

Auf der Suche nach fruchtbaren Böden wandern die Menschen seit Jahrzehnten vom lebensfeindlichen Norden in den Süden. [...] Dadurch explodierte auch die Nachfrage an Wohnraum. „Immer mehr Weideland wird absorbiert [zum Wohnen genutzt] und das führt zu Landkonflikten“, sagt Afrikanist Cyffer. Die Bauern hätten gar nicht mehr genug Boden zur Verfügung. Der Streit um Weideflächen eskaliert: Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen in Auseinandersetzungen zwischen ansässigen Bauern und aus dem Norden kommenden Hirten. Die Regierung tue jedoch wenig gegen die klimabedingten Landkonflikte. [...] Der Klimawandel verschärft Konflikte um Land und Ressourcen und befördert schlimmstenfalls den Aufstieg terroristischer Gruppen. Die fehlende Sicherheit wiederum erschwert den Umweltschutz.

Theresa Krinninger: Tschadsee: Wie der Klimawandel den Terror befördert, 04.12.2015, URL: https://www.dw.com/de/tschadsee-wie-der-klimawandel-den-terror-bef%C3%B6rdert/a-18895591 (abgerufen am 30.04.2021).

Material 6

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet (2020)

Boko Haram, die ihren Ursprung in Nigeria hat, ist eine der tödlichsten Terrorgruppen der Welt. Ende 2014 begannen sie, ihre Angriffsziele auf jenseits der Grenzen Nigerias in den Ländern des Tschadbeckens zu suchen. Hunderttausende Menschen aus dem Becken, die in Nigeria oder nahe der Grenze lebten, flohen vor der Gewalt. Sie fanden schließlich Zuflucht in den Dörfern und Camps in Tschad, Niger und Kamerun. Im Tschad hat der Zufluss von vertriebenen Tschadern und Flüchtlingen die Ressourcen des Sees strapaziert, die sowohl von diesen beiden Gruppen als auch von den Einheimischen genutzt werden. In Kombination mit der sich ausbreitenden Wüste ist die Zukunft des Sees nun ungewisser denn je zuvor. [...]

„Dürre, Wüstenbildung, Entwaldung und falsches Ressourcenmanagement [haben] zusätzlich zum Klimawandel zu seinem drastischen Schrumpfen um 90 Prozent in den letzten 60 Jahren beigetragen.“ [...] Die Fische werden kleiner und weniger. [...] Die zurückweichenden Wassermassen und Boko Haram durchtrennen auch eine wirtschaftliche Lebensader zwischen Tschad und Nigeria. Maiduguri in Nigeria [...] war auch einst ein lebhafter Handelsposten für Fischer, Bauern und Händler, die die Grenze von Tschad überquerten, um auf dem Markt nach Maiduguri zu kommen. Durch den niedrigen Wasserstand und die Routen, die durch die Unsicherheit rund um Boko Haram abgeschnitten wurden, können Boote Maiduguri nun nicht mehr erreichen. Dadurch seien nun „Tausende ohne ihren wichtigsten Markt für den Handel.“

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet, 05.11.2020, URL: https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/05/ungewisse-zukunft-der-tschadsee-verschwindet (abgerufen am 30.04.2021).

Material 7

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren (2015)

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren, URL: https://www.welt.de/politik/ausland/article131157709/2050-muss-Afrika-zwei-Milliarden-ernaehren.html (abgerufen am 10.10.2021).

Material 8

Bonifica: Das Transaqua Projekt (2018)

Auf der internationalen Tschadsee-Konferenz in Abuja, Nigeria im Februar 2018 wurde zur Revitalisierung des Tschadsees die Umsetzung des Transaqua Projekts beschlossen.

Das italienische Unternehmen Bonifica hatte das Projekt bereits in den 1980er Jahren vorgestellt und nun wurde es von den Teilnehmern der Konferenz als einzige Möglichkeit eingestuft, den Tschadsee sowie die Wirtschaft in der Region zu retten und wiederzubeleben. Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen PowerChina soll das Projekt finanziert werden. Beide Unternehmen werden von den jeweiligen Regierungen unterstützt. Der Plan des Projekts ist ein Wassertransfer vom Ubangi Fluss am nördlichen Rand des Kongobeckens über einen Kanal in das Tschadseebecken und letztlich in den Tschadsee. Dazu muss ein 2.400 Kilometer langer Kanal über eine Wasserscheide zum Chari Fluss, der den Tschadsee speist, errichtet werden. Im Verlauf dieses Kanals sollen bis zu 20 Dämme gebaut werden, die das Wasser im Kanal halten, elektrische Energie liefern und die Bewässerung neuer landwirtschaftlicher Flächen sicherstellen. Jährlich sollen dafür [...] bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Wasser von dem Kongo-Fluss in den neuen Kanal abgezweigt werden. Das seien [... ca.] 8 Prozent der Gesamtabflussmenge des Kongo [...]. Dies könnte dazu führen, dass der Tschadsee bis zum Jahr 2087 fast auf seine ursprüngliche Größe anwächst und sich um den See herum neue landwirtschaftlich nutzbare Flächen entwickeln. Des Weiteren wäre der Kanal zwischen den beiden Becken (Kongo-Becken und Tschadsee-Becken) schiffbar, sodass Waren transportiert werden könnten.

übersetzt nach: URL: http://savelakechad.com/analysis-of-transaqua.html (auch Quelle von Karte 2) und URL: https://www.larouchepac.com/20180302/transaqua-moves-forward-water-transfer-not-option-it-necessity

Karte 1: URL: https://www.agoravox.fr/actualites/international/article/rd-congo-le-projet-transaqua-et-la-202001 (alle abgerufen am 10.10.2021).

Material 9

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo (2018)

Mit Wasser aus dem Kongo soll der Tschadsee gerettet werden. [...] Hinter dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt [...] stecken vor allem China und die Afrikanische Entwicklungsbank als Geldgeber. Die Europäische Union hält sich aus dem umstrittenen Projekt raus, denn die Auswirkungen auf das Ökosystem des Kongo-Beckens dürften verheerend sein. [...]

Die Verhandlungsrunden über den Transfer von Kongo-Wasser zur Rettung des Tschadsees wurden ohne Einbeziehung der beiden Länder geführt, die sich den majestätischen Fluss teilen: die DR Kongo und die Republik Kongo-Brazzaville. [...] „Ganz offensichtlich haben wir im Kongo alles zu verlieren, aber in der Sache nichts zu gewinnen. Daher ist wohl die DR Kongo offiziell nicht zu den internationalen Zusammenkünften eingeladen worden. [...] Also stellt sich die Frage an die Wissenschaft, was es bedeutet, wenn man Wasser von einem Becken in ein anderes überführt“.[...]

Professor Musibono [von der Universität Kinshasa] hat die misslichen Folgen aufgezeigt, [...] wenn das Projekt [...] umgesetzt werden soll: „Unsere Landwirtschaft ist auf Regen und Wasser angewiesen; mit Sicherheit wird sich unsere Ernährungslage [...] verschlechtern“. [...] Die Umleitung eines Teils des Ubangi-Wassers zum Tschadsee ohne Berücksichtigung von Ressourcen, wie Ersatz für die Absenkung des Wasserniveaus geschaffen werden kann, wird unvorhersehbare und katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem des Kongobeckens haben. Niemand kann verkennen, dass dieses Becken, zweitgrößtes Fluss- und Waldgebiet der Welt, unerlässlich ist für die Zukunft der Menschheit, weil es eine entscheidende Rolle für die Regelung des Klimas hat [...].

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo, 2018, URL: https://www.afrika-sued.org/ausgaben/heft-2-2018/transaqua-ein-ungluecksprojekt-fuer-den-kongo/ (abgerufen am 11.10.2021).

Material 10

Die Ziele 2 „Hunger beenden“ und 6 „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (2021)

Hunger beenden – Bis 2030 …

1. den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, [...] ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben. [...]

3. die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten [...] verdoppeln [...].

Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen – Bis 2030 …

[...]

2. die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern.

3. auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

4. wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen [...].

URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-6-sauberes-wasser-und-sanitaere-einrichtungen/ und https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-2-hunger-beenden/ (abgerufen am 10.10.2021).

3.1

Skizzieren Sie die Grundintentionen der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung.

(10 BE)

Aufgabe Vorschlag C - 3.2 - Wasser und Transaqua-Projekt · Wasser als knappe Ressource und Nutzungskonflikte

Material 1

Klimadiagramme N’Djamena und Faya Largeau im Tschad (2021)

Material 2

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: Das Tschadseebecken

Das Tschadseebecken [...] ist mit einer Ausdehnung von etwa 2.382.000 km² eines der größten [...] abflusslosen intramontanen [im Gebirge eingesenkt] Becken Afrikas. Nach Schätzungen für das Jahr 2013 leben ca. 47 Millionen Menschen im Tschadseebecken. Haupterwerbsquelle sind die Landwirtschaft, nomadische bzw. halbnomadische Tierhaltung und der Fischfang. [...]

Im vergangenen Jahrhundert reihte sich an eine feuchte Phase mit einem Maximum in den 50er und 60er-Jahren eine ausgeprägte Trockenperiode, die vor allem in den 1980ern zu schweren Dürren führte. [...] In der Folge schrumpfte der Tschadsee um 90% [...]. Seit sich der Niederschlag wieder in einem Aufwärtstrend befindet, sind eine Ergrünung der Sahelzone sowie eine Steigerung der Abflüsse zu beobachten.

Jedoch prognostizieren regionale Klimamodelle ab Mitte dieses Jahrhunderts für den südlichen Teil des Tschadseebeckens einen Rückgang des Niederschlags. Die erwarteten Klimaveränderungen gekoppelt mit einem starken Bevölkerungswachstum von 3% jährlich werden den Druck auf die vorhandenen Wasserressourcen stark erhöhen.

Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: TZ Tschadsee: Grundwassermanagement (2020), URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Wasser/Projekte/laufend/TZ/Tschad/tschad-II_fb.html (abgerufen am 30.04.2021).

Material 3

Veränderungen des Tschadsees von 1963 bis 2007

URL: http://en.people.cn/n3/2017/0821/c90000-9258249.html (abgerufen am 30.04.2021).

Hinweise

Die Ländernamen sind in französischer Sprache angegeben, hier in Klammern die Übersetzung (Chad–Tschad, Cameroon–Kamerun).

Der Stand von 2007 entspricht in etwa der heutigen Ausdehnung des Tschadsees

Material 4

Landwirtschaftskalender für die Tschadseeregion (2017)

übersetzt nach: Food and Agriculture Oranization of the United Nations: Lake Chad Basin crisis Response strategy 2017–2019, S. 4, URL: http://www.fao.org/3/bs126e/bs126e.pdf (abgerufen am 30.04.2021).

Material 5

Theresa Krinninger: Tschadsee – Wie der Klimawandel den Terror befördert (2015)

Hier [am Tschadsee] trifft eine schleichende Klimakatastrophe auf eine chronisch instabile Region: Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausbreiten [...] können. Einen Zusammenhang halten Experten für wahrscheinlich: Die knappen Ressourcen, hohe Arbeitslosigkeit und kaum Perspektiven machten gerade junge Menschen anfälliger für die Ideologien der Terroristen. [...]

Auf der Suche nach fruchtbaren Böden wandern die Menschen seit Jahrzehnten vom lebensfeindlichen Norden in den Süden. [...] Dadurch explodierte auch die Nachfrage an Wohnraum. „Immer mehr Weideland wird absorbiert [zum Wohnen genutzt] und das führt zu Landkonflikten“, sagt Afrikanist Cyffer. Die Bauern hätten gar nicht mehr genug Boden zur Verfügung. Der Streit um Weideflächen eskaliert: Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen in Auseinandersetzungen zwischen ansässigen Bauern und aus dem Norden kommenden Hirten. Die Regierung tue jedoch wenig gegen die klimabedingten Landkonflikte. [...] Der Klimawandel verschärft Konflikte um Land und Ressourcen und befördert schlimmstenfalls den Aufstieg terroristischer Gruppen. Die fehlende Sicherheit wiederum erschwert den Umweltschutz.

Theresa Krinninger: Tschadsee: Wie der Klimawandel den Terror befördert, 04.12.2015, URL: https://www.dw.com/de/tschadsee-wie-der-klimawandel-den-terror-bef%C3%B6rdert/a-18895591 (abgerufen am 30.04.2021).

Material 6

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet (2020)

Boko Haram, die ihren Ursprung in Nigeria hat, ist eine der tödlichsten Terrorgruppen der Welt. Ende 2014 begannen sie, ihre Angriffsziele auf jenseits der Grenzen Nigerias in den Ländern des Tschadbeckens zu suchen. Hunderttausende Menschen aus dem Becken, die in Nigeria oder nahe der Grenze lebten, flohen vor der Gewalt. Sie fanden schließlich Zuflucht in den Dörfern und Camps in Tschad, Niger und Kamerun. Im Tschad hat der Zufluss von vertriebenen Tschadern und Flüchtlingen die Ressourcen des Sees strapaziert, die sowohl von diesen beiden Gruppen als auch von den Einheimischen genutzt werden. In Kombination mit der sich ausbreitenden Wüste ist die Zukunft des Sees nun ungewisser denn je zuvor. [...]

„Dürre, Wüstenbildung, Entwaldung und falsches Ressourcenmanagement [haben] zusätzlich zum Klimawandel zu seinem drastischen Schrumpfen um 90 Prozent in den letzten 60 Jahren beigetragen.“ [...] Die Fische werden kleiner und weniger. [...] Die zurückweichenden Wassermassen und Boko Haram durchtrennen auch eine wirtschaftliche Lebensader zwischen Tschad und Nigeria. Maiduguri in Nigeria [...] war auch einst ein lebhafter Handelsposten für Fischer, Bauern und Händler, die die Grenze von Tschad überquerten, um auf dem Markt nach Maiduguri zu kommen. Durch den niedrigen Wasserstand und die Routen, die durch die Unsicherheit rund um Boko Haram abgeschnitten wurden, können Boote Maiduguri nun nicht mehr erreichen. Dadurch seien nun „Tausende ohne ihren wichtigsten Markt für den Handel.“

Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet, 05.11.2020, URL: https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/05/ungewisse-zukunft-der-tschadsee-verschwindet (abgerufen am 30.04.2021).

Material 7

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren (2015)

Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren, URL: https://www.welt.de/politik/ausland/article131157709/2050-muss-Afrika-zwei-Milliarden-ernaehren.html (abgerufen am 10.10.2021).

Material 8

Bonifica: Das Transaqua Projekt (2018)

Auf der internationalen Tschadsee-Konferenz in Abuja, Nigeria im Februar 2018 wurde zur Revitalisierung des Tschadsees die Umsetzung des Transaqua Projekts beschlossen.

Das italienische Unternehmen Bonifica hatte das Projekt bereits in den 1980er Jahren vorgestellt und nun wurde es von den Teilnehmern der Konferenz als einzige Möglichkeit eingestuft, den Tschadsee sowie die Wirtschaft in der Region zu retten und wiederzubeleben. Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen PowerChina soll das Projekt finanziert werden. Beide Unternehmen werden von den jeweiligen Regierungen unterstützt. Der Plan des Projekts ist ein Wassertransfer vom Ubangi Fluss am nördlichen Rand des Kongobeckens über einen Kanal in das Tschadseebecken und letztlich in den Tschadsee. Dazu muss ein 2.400 Kilometer langer Kanal über eine Wasserscheide zum Chari Fluss, der den Tschadsee speist, errichtet werden. Im Verlauf dieses Kanals sollen bis zu 20 Dämme gebaut werden, die das Wasser im Kanal halten, elektrische Energie liefern und die Bewässerung neuer landwirtschaftlicher Flächen sicherstellen. Jährlich sollen dafür [...] bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Wasser von dem Kongo-Fluss in den neuen Kanal abgezweigt werden. Das seien [... ca.] 8 Prozent der Gesamtabflussmenge des Kongo [...]. Dies könnte dazu führen, dass der Tschadsee bis zum Jahr 2087 fast auf seine ursprüngliche Größe anwächst und sich um den See herum neue landwirtschaftlich nutzbare Flächen entwickeln. Des Weiteren wäre der Kanal zwischen den beiden Becken (Kongo-Becken und Tschadsee-Becken) schiffbar, sodass Waren transportiert werden könnten.

übersetzt nach: URL: http://savelakechad.com/analysis-of-transaqua.html (auch Quelle von Karte 2) und URL: https://www.larouchepac.com/20180302/transaqua-moves-forward-water-transfer-not-option-it-necessity

Karte 1: URL: https://www.agoravox.fr/actualites/international/article/rd-congo-le-projet-transaqua-et-la-202001 (alle abgerufen am 10.10.2021).

Material 9

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo (2018)

Mit Wasser aus dem Kongo soll der Tschadsee gerettet werden. [...] Hinter dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt [...] stecken vor allem China und die Afrikanische Entwicklungsbank als Geldgeber. Die Europäische Union hält sich aus dem umstrittenen Projekt raus, denn die Auswirkungen auf das Ökosystem des Kongo-Beckens dürften verheerend sein. [...]

Die Verhandlungsrunden über den Transfer von Kongo-Wasser zur Rettung des Tschadsees wurden ohne Einbeziehung der beiden Länder geführt, die sich den majestätischen Fluss teilen: die DR Kongo und die Republik Kongo-Brazzaville. [...] „Ganz offensichtlich haben wir im Kongo alles zu verlieren, aber in der Sache nichts zu gewinnen. Daher ist wohl die DR Kongo offiziell nicht zu den internationalen Zusammenkünften eingeladen worden. [...] Also stellt sich die Frage an die Wissenschaft, was es bedeutet, wenn man Wasser von einem Becken in ein anderes überführt“.[...]

Professor Musibono [von der Universität Kinshasa] hat die misslichen Folgen aufgezeigt, [...] wenn das Projekt [...] umgesetzt werden soll: „Unsere Landwirtschaft ist auf Regen und Wasser angewiesen; mit Sicherheit wird sich unsere Ernährungslage [...] verschlechtern“. [...] Die Umleitung eines Teils des Ubangi-Wassers zum Tschadsee ohne Berücksichtigung von Ressourcen, wie Ersatz für die Absenkung des Wasserniveaus geschaffen werden kann, wird unvorhersehbare und katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem des Kongobeckens haben. Niemand kann verkennen, dass dieses Becken, zweitgrößtes Fluss- und Waldgebiet der Welt, unerlässlich ist für die Zukunft der Menschheit, weil es eine entscheidende Rolle für die Regelung des Klimas hat [...].

Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo, 2018, URL: https://www.afrika-sued.org/ausgaben/heft-2-2018/transaqua-ein-ungluecksprojekt-fuer-den-kongo/ (abgerufen am 11.10.2021).

Material 10

Die Ziele 2 „Hunger beenden“ und 6 „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (2021)

Hunger beenden – Bis 2030 …

1. den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, [...] ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben. [...]

3. die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten [...] verdoppeln [...].

Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen – Bis 2030 …

[...]

2. die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern.

3. auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

4. wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen [...].

URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-6-sauberes-wasser-und-sanitaere-einrichtungen/ und https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-2-hunger-beenden/ (abgerufen am 10.10.2021).

3.2 Erörtern Sie unter Berücksichtigung der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung 2 und 6, inwiefern das Transaqua-Projekt für die betroffenen Regionen eine geeignete Strategie für eine nachhaltige Entwicklung sein kann. (Material 1–10)

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag D · Regionale Disparitäten in Europa und Raumordnung

Thema und Aufgabenstellung – Vorschlag D

Bioökonomische Innovationen – Finnlands Chance für eine nachhaltige Entwicklung?

1

Benennen Sie wesentliche Ziele und Schwerpunkte der Raumordnung für eine nachhaltige Entwicklung in der Europäischen Union.

(10 BE)

2.1

Beschreiben Sie die naturräumlichen Voraussetzungen sowie die Wirtschaftsstruktur von Finnland. (Material 1–2, Atlas)

(25 BE)

2.2

Analysieren Sie die Bedeutung der aktuellen Veränderungen der holzverarbeitenden und Papierindustrie für die Wirtschaft Finnlands und arbeiten Sie wesentliche Merkmale der Bioökonomie heraus. (Material 1, 3–6)

(35 BE)

3

Beurteilen Sie, inwieweit Innovationen aus der Bioökonomie einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung Finnlands leisten können. Gehen Sie hierbei insbesondere auf die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung 7, 12 und 13 sowie die Schwerpunkte der Raumordnung ein. (Material 1–8)

(30 BE)

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