Aufgabe Vorschlag B · Abitur Hessen Erdkunde GK 2022
Thema: Rohstoffe: Erschließung, Abbau und Strategien gegen Knappheit · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Material 1
Urban Mining: Deutschland recycelt sich reich
Erdölvorkommen? Erdgasbestände? Nicht der Rede wert! Seltene Erden, Mineralien? Fehlanzeige!
Deutschland verfügt über wenig Rohstoffe und ist doch reich an Materialien, die wiederverwertet und
recycelt werden können.
„Ich habe Zeiten erlebt, da wurde alles einfach platt gewalzt“, sagt der Vorarbeiter auf der Baustelle,
5 „Heutzutage wird erst ein Abrisskonzept erstellt, und dann werden die einzelnen Materialien getrennt,
gelagert, wiederverwertet.“ Ein aufwendiger Prozess, wie Jasmin Mangold vom Entsorgungsbetrieb
„Bonn Orange“ bestätigt: „Vor Baubeginn wird ein Schadstoffkataster erstellt, der Baugrund unter-
sucht und klassifiziert und daraus ein Rückbau- und Entsorgungsplan erstellt. Die Arbeiten werden be-
gleitend vom Gutachter überwacht und verdächtige, noch nicht bekannte Materialien werden unter-
10 sucht und klassifiziert.“ Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator überwacht die Prozesse. Ge-
trennt wird, was technisch möglich ist: Fenster, Türen, Dämmungen, Asbestplatten. Unbelastete Be-
tone können gebrochen und als Unterbau in Verkehrsflächen wiederverwertet werden.
Währenddessen kippt ein LKW auf der Bauhofbaustelle einen Berg ab - feinkörnige Erde mit groben
Gesteinsbrocken dazwischen. „Das war einmal Beton. Der wurde in einem Werk zermahlen, und nun
15 werden Baulöcher damit verfüllt“, erklärt ein Bauarbeiter. Aus dem Material waren die Gebäude des
Bonner Betriebshofes errichtet worden. Nach dem Abriss soll schon bald an gleicher Stelle ein neuer
Bau- und Wertstoffhof entstehen. „Mit dem körnigen RC-Beton (Abkürzung für recycelter Beton) las-
sen sich wieder ganze Gebäude errichten“, erklärt Felix Müller, beim Umweltbundesamt (UBA) zu-
ständig für Ressourcenschonung. […]
20 „Wir rechnen damit, dass die Nutzung unserer fossilen Rohstoffe aufwendiger und teurer wird, wenn
nicht sogar endlich. Sekundärrohstoffe werden also konkurrenzfähiger. In unseren Städten sind viele
Rohstoffe verbaut, deren Wiedergewinnung immer attraktiver wird“, sagt Jasmin Mangold vom Ent-
sorgungsunternehmen „Bonn Orange“. „Das rohstoffliche Recycling wird steigen, die Beseitigung und
energetische Verwertung werden zurückgehen. Der aktuelle Trend wird sich somit fortsetzen.“
25 Nur wenige Schritte von der staubigen Baustelle entfernt sortieren die Mitarbeiter der städtischen Ab-
fallbetriebe „Bonn Orange“ penibel alles, was die Bürger anliefern: Computer, Fernseher, Kühl-
schränke, Waschmaschinen, Batterien, Leuchtstoffröhren, Bauschutt, CDs, Öle und Lacke. Die Pro-
dukte und Materialien werden in riesigen Containern und Fässern gelagert. „Die Farben werden ge-
trocknet. Daraus wird Kreide gewonnen. Die ranzigen Öle werden zu Kosmetika verarbeitet“, erklärt
30 der Betriebsleiter der staunenden Reporterin. Pro Person in deutschen Haushalten fallen fast 500 Kilo-
gramm Abfall im Jahr an. […]
„Wir sind umgeben von einem vom Menschen gemachten Lager in Höhe von über 50 Milliarden Ton-
nen an Materialien“, sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes zum Wert des Ur-
ban Minings. […] Allein der Materialwert der Metalle im anthropogenen Lager Deutschlands wird auf
35 650 Milliarden Euro geschätzt.
Dieses anthropogene Lager wächst nach UBA-Angaben jedes Jahr um weitere zehn Tonnen pro Ein-
wohner an, weil weiterhin gebaut, produziert und entsorgt wird. […]
„Sekundärrohstoffe haben einen hohen Einspareffekt, weil sie nicht raffiniert, sondern nur einge-
schmolzen werden müssen“, so UBA-Sprecher Müller: „Um eine Tonne Elektrostahl aus Schrotten zu
40 erzeugen, werden zusätzlich nur 0,8 Tonnen an Primärrohstoffen benötigt und nur ein Drittel des Ener-
gieeinsatzes.“
Auch der Handel mit Sekundärrohstoffen ist zukunftsfähig: 30 Prozent der Kupferhalbzeug- und Kup-
fergussproduktion wird bereits aus inländischen Kupferschrotten erzeugt, so das UBA. Neodym und
Dysprosium, Seltene Erden, die in Generatoren von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen, sollen
45 recycelt werden, um die Abhängigkeit von Importen zu mindern. Für künftige Generationen sollen die
Materialien eine substanzielle Ressource darstellen. Voraussetzung sei, so das UBA, dass es gelingen
wird, die immense Stoff- und Produktvielfalt zu trennen, die Stoffe nutzbar zu machen und Produkte
gewinnbringend aufzubereiten.
Karin Jäger: Urban Mining: Deutschland recycelt sich reich, 01.03.2018, URL: https://www.dw.com/de/recycling-umwelt-urban-mining-abfall-entsorgung-schrott-rohstoffe-uba-umweltbundesamt/a-42756166 (abgerufen am 23.05.2021).
Material 2
Abfallaufkommen in Deutschland in Mio. Tonnen 2017
Bau- und Abbruchabfälle · 220,3
Produktions- und Gewerbeabfälle · 55,8
Siedlungsabfälle · 51,8
Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen · 31,0
Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen (Sekundärabfälle) · 53,4
Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau (Heft 7/8) 2020, S. 39.
Material 3
Verwertung und Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen in Deutschland 2017 in Mio. Tonnen
Beseitigung insgesamt: 25,7 · Ablagerung · 24,8
Verbrennung und Behandlung · 0,9
Verwertung insgesamt: 194,7 · Energetische Verwertung · 1,6
Stoffliche Verwertung · 192,9
Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau (Heft 7/8) 2020, S. 39.
Material 4
Bekanntes Pro-Kopf-Materiallager in Deutschland 2010 in Tonnen
Mineralische Materialien · 317,27
Metalle · 14,12
Holz · 4,26
Kunststoff · 3,06
Sonstiges · 2,29
Matthias Schmidt, Christina Walter: Vom Bauschutt zum Urban Mining, in: Geographische Rundschau, 7/8 2020, S. 41.
Material 5
Bundesministerium Wirtschaft und Energie: Bergbau und Rohstoffe (2021)
Deutschland ist eines der führenden Industrieländer und daher Großverbraucher mineralischer Rohstoffe. Ein Großteil der jährlich in Deutschland benötigten Rohstoffe, insbesondere die Steine- und Erden-Rohstoffe, werden aus heimischen Lagerstätten gewonnen. So wurden im Jahr 2017 in Deutschland 177,2 Millionen Tonnen Braunkohle, Steinkohle und Erdöl, 8,283 Milliarden m³ Erdgas, Erdölgas und Grubengas sowie etwa 609 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe zuzüglich ca. 4,3 Millionen m³ Torf produziert. Diese Produktionsmenge hatte einen Wert von insgesamt rund 12,3 Milliarden Euro.
Während die Eigenversorgung mit diesen Rohstoffen ganz oder anteilig sichergestellt ist, ist die Bedarfsdeckung bei den Metallrohstoffen, einzelnen Industriemineralen und den Energierohstoffen mit Ausnahme der Braunkohle sehr stark von Importen abhängig.
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Bergbau und Rohstoffe, 2021, URL: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Textsammlungen/Branchenfokus/Industrie/branchenfokus-bergbau-und-rohstoffe.html (abgerufen am 23.05.2021).
Material 6
Vergleich von Primärbergbau und Urban Mining
URL: https://urban-mining-kongress.de/fileadmin/pdfs/Felix_Mueller.pdf (abgerufen am 23.05.2021).
Hinweise
Auf dem 8. Urban Mining Kongress im November 2018 in Dortmund wurden in einem Vortrag Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Primärbergbau und Urban Mining mithilfe des obigen Schaubilds dargestellt.
Die Smileys geben die Einschätzung des Autors Felix Müller wieder, inwieweit der Primärbergbau gegenüber dem Urban Mining im Vorteil ist und umgekehrt.
Prospektion – die Suche und Erkundung von neuen, bisher unbekannten Rohstofflagerstätten
Material 7a
UN-Nachhaltigkeitsziel 12
Teilziel:
Bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringern.
URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-12-verantwortungsvoll-konsumieren-und-produzieren/ (abgerufen am 23.05.2021).
Material 7b
Rohstoffstrategie der Bundesregierung (2020)
Ziel der Bundesregierung ist es, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um Unternehmen bei einer sicheren und verantwortungsvollen Rohstoffversorgung zu unterstützen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken und durch einen effizienten Umgang mit Rohstoffen den Einsatz von Primärrohstoffen möglichst niedrig zu halten.
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 25.02.2020, URL: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2020/03/kapitel-1-10-rohstoffstrategie-der-bundesregierung.html (abgerufen am 23.05.2021).
Aufgaben
1.1
Die Begriffe Reserve und Ressource werden häufig synonym verwendet, obwohl sie sich in einigen Aspekten voneinander unterscheiden. Darüber hinaus muss zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen differenziert werden.
Beschreiben Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser verschiedenen Begriffe. (15 BE)
1.2
Beschreiben Sie die aktuelle Situation des Urban Minings in Deutschland und erläutern Sie die Relevanz für die deutsche Rohstoffversorgung. (Material 1–5) (30 BE)
2
Vergleichen Sie Primärbergbau und Urban Mining anhand selbst ausgewählter Aspekte aus dem Schaubild in Material 6. (Material 1–6) (30 BE)
3
Erörtern Sie ausgehend von Ihren Ausführungen zu den Aufgaben 1.2 und 2, inwiefern die Ziele der deutschen Regierung einen Beitrag zum Erreichen des UN-Nachhaltigkeitsziels 12 leisten können. (Material 1–7, Atlas) (25 BE)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.1 Die Begriffe Reserve und Ressource werden häufig synonym verwendet, obwohl sie sich in einigen Aspekten voneinander unterscheiden. Darüber hinaus muss zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen differenziert werden. Beschreiben Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser verschiedenen Begriffe.
Lösung: Differenzierte begriffliche Unterscheidung zwischen Reserven, Ressourcen, Primärrohstoffen und Sekundärrohstoffen gemäß den Merkmalen Nachweisbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Ursprung.
1.2 Beschreiben Sie die aktuelle Situation des Urban Minings in Deutschland und erläutern Sie die Relevanz für die deutsche Rohstoffversorgung. (Material 1–5)
Lösung: Umfassende Beschreibung des aktuellen Stands von Urban Mining und Abfallverwertung in Deutschland sowie Erläuterung der Bedeutung für die Minderung von Importabhängigkeiten.
2 Vergleichen Sie Primärbergbau und Urban Mining anhand selbst ausgewählter Aspekte aus dem Schaubild in Material 6. (Material 1–6)
Lösung: Gegenüberstellung von Primärbergbau und Urban Mining anhand ausgewählter Aspekte (z. B. Lagerstättengröße, Prospektion/Exploration, Wertstoffgehalt, Transport, Aufbereitung, Umwelt- und Sozialaspekte).
3 Erörtern Sie ausgehend von Ihren Ausführungen zu den Aufgaben 1.2 und 2, inwiefern die Ziele der deutschen Regierung einen Beitrag zum Erreichen des UN-Nachhaltigkeitsziels 12 leisten können. (Material 1–7, Atlas)
Lösung: Kritische Erörterung der Übereinstimmungen und Zielkonflikte zwischen der Rohstoffstrategie der Bundesregierung und dem UN-Nachhaltigkeitsziel 12.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
Aufgabe Vorschlag D - 2 bis 4 - Kohleabbau und Energietra… · LK 2022 ›
Mehr Aufgaben zu Rohstoffe: Erschließung, Abbau und Strategien gegen Knappheit
- Aufgabe Vorschlag D - 2 bis 4 - Kohleabbau und Energietra… · LK 2022
- Aufgabe Vorschlag C - 2 · GK 2021
- Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · LK 2021
- Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · LK 2021
- Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · LK 2021
- Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 4 · LK 2021
- Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · LK 2021
- Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · LK 2021