Aufgabe Vorschlag C - 3.1 - Globale Disparitäten und SDGs · Abitur Hessen Erdkunde GK 2022
Thema: Globale Disparitäten, Entwicklungsstand und Nachhaltigkeitsziele · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Material 1
Klimadiagramme N’Djamena und Faya Largeau im Tschad (2021)
Material 2
Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: Das Tschadseebecken
Das Tschadseebecken [...] ist mit einer Ausdehnung von etwa 2.382.000 km² eines der größten [...] abflusslosen intramontanen [im Gebirge eingesenkt] Becken Afrikas. Nach Schätzungen für das Jahr 2013 leben ca. 47 Millionen Menschen im Tschadseebecken. Haupterwerbsquelle sind die Landwirtschaft, nomadische bzw. halbnomadische Tierhaltung und der Fischfang. [...]
Im vergangenen Jahrhundert reihte sich an eine feuchte Phase mit einem Maximum in den 50er und 60er-Jahren eine ausgeprägte Trockenperiode, die vor allem in den 1980ern zu schweren Dürren führte. [...] In der Folge schrumpfte der Tschadsee um 90% [...]. Seit sich der Niederschlag wieder in einem Aufwärtstrend befindet, sind eine Ergrünung der Sahelzone sowie eine Steigerung der Abflüsse zu beobachten.
Jedoch prognostizieren regionale Klimamodelle ab Mitte dieses Jahrhunderts für den südlichen Teil des Tschadseebeckens einen Rückgang des Niederschlags. Die erwarteten Klimaveränderungen gekoppelt mit einem starken Bevölkerungswachstum von 3% jährlich werden den Druck auf die vorhandenen Wasserressourcen stark erhöhen.
Sarah Ines Vassolo und Lilli Witt: TZ Tschadsee: Grundwassermanagement (2020), URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Wasser/Projekte/laufend/TZ/Tschad/tschad-II_fb.html (abgerufen am 30.04.2021).
Material 3
Veränderungen des Tschadsees von 1963 bis 2007
URL: http://en.people.cn/n3/2017/0821/c90000-9258249.html (abgerufen am 30.04.2021).
Hinweise
Die Ländernamen sind in französischer Sprache angegeben, hier in Klammern die Übersetzung (Chad–Tschad, Cameroon–Kamerun).
Der Stand von 2007 entspricht in etwa der heutigen Ausdehnung des Tschadsees
Material 4
Landwirtschaftskalender für die Tschadseeregion (2017)
übersetzt nach: Food and Agriculture Oranization of the United Nations: Lake Chad Basin crisis Response strategy 2017–2019, S. 4, URL: http://www.fao.org/3/bs126e/bs126e.pdf (abgerufen am 30.04.2021).
Material 5
Theresa Krinninger: Tschadsee – Wie der Klimawandel den Terror befördert (2015)
Hier [am Tschadsee] trifft eine schleichende Klimakatastrophe auf eine chronisch instabile Region: Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausbreiten [...] können. Einen Zusammenhang halten Experten für wahrscheinlich: Die knappen Ressourcen, hohe Arbeitslosigkeit und kaum Perspektiven machten gerade junge Menschen anfälliger für die Ideologien der Terroristen. [...]
Auf der Suche nach fruchtbaren Böden wandern die Menschen seit Jahrzehnten vom lebensfeindlichen Norden in den Süden. [...] Dadurch explodierte auch die Nachfrage an Wohnraum. „Immer mehr Weideland wird absorbiert [zum Wohnen genutzt] und das führt zu Landkonflikten“, sagt Afrikanist Cyffer. Die Bauern hätten gar nicht mehr genug Boden zur Verfügung. Der Streit um Weideflächen eskaliert: Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen in Auseinandersetzungen zwischen ansässigen Bauern und aus dem Norden kommenden Hirten. Die Regierung tue jedoch wenig gegen die klimabedingten Landkonflikte. [...] Der Klimawandel verschärft Konflikte um Land und Ressourcen und befördert schlimmstenfalls den Aufstieg terroristischer Gruppen. Die fehlende Sicherheit wiederum erschwert den Umweltschutz.
Theresa Krinninger: Tschadsee: Wie der Klimawandel den Terror befördert, 04.12.2015, URL: https://www.dw.com/de/tschadsee-wie-der-klimawandel-den-terror-bef%C3%B6rdert/a-18895591 (abgerufen am 30.04.2021).
Material 6
Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet (2020)
Boko Haram, die ihren Ursprung in Nigeria hat, ist eine der tödlichsten Terrorgruppen der Welt. Ende 2014 begannen sie, ihre Angriffsziele auf jenseits der Grenzen Nigerias in den Ländern des Tschadbeckens zu suchen. Hunderttausende Menschen aus dem Becken, die in Nigeria oder nahe der Grenze lebten, flohen vor der Gewalt. Sie fanden schließlich Zuflucht in den Dörfern und Camps in Tschad, Niger und Kamerun. Im Tschad hat der Zufluss von vertriebenen Tschadern und Flüchtlingen die Ressourcen des Sees strapaziert, die sowohl von diesen beiden Gruppen als auch von den Einheimischen genutzt werden. In Kombination mit der sich ausbreitenden Wüste ist die Zukunft des Sees nun ungewisser denn je zuvor. [...]
„Dürre, Wüstenbildung, Entwaldung und falsches Ressourcenmanagement [haben] zusätzlich zum Klimawandel zu seinem drastischen Schrumpfen um 90 Prozent in den letzten 60 Jahren beigetragen.“ [...] Die Fische werden kleiner und weniger. [...] Die zurückweichenden Wassermassen und Boko Haram durchtrennen auch eine wirtschaftliche Lebensader zwischen Tschad und Nigeria. Maiduguri in Nigeria [...] war auch einst ein lebhafter Handelsposten für Fischer, Bauern und Händler, die die Grenze von Tschad überquerten, um auf dem Markt nach Maiduguri zu kommen. Durch den niedrigen Wasserstand und die Routen, die durch die Unsicherheit rund um Boko Haram abgeschnitten wurden, können Boote Maiduguri nun nicht mehr erreichen. Dadurch seien nun „Tausende ohne ihren wichtigsten Markt für den Handel.“
Sarah Stacke: Ungewisse Zukunft – Der Tschadsee verschwindet, 05.11.2020, URL: https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/05/ungewisse-zukunft-der-tschadsee-verschwindet (abgerufen am 30.04.2021).
Material 7
Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren (2015)
Christian Putsch: 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren, URL: https://www.welt.de/politik/ausland/article131157709/2050-muss-Afrika-zwei-Milliarden-ernaehren.html (abgerufen am 10.10.2021).
Material 8
Bonifica: Das Transaqua Projekt (2018)
Auf der internationalen Tschadsee-Konferenz in Abuja, Nigeria im Februar 2018 wurde zur Revitalisierung des Tschadsees die Umsetzung des Transaqua Projekts beschlossen.
Das italienische Unternehmen Bonifica hatte das Projekt bereits in den 1980er Jahren vorgestellt und nun wurde es von den Teilnehmern der Konferenz als einzige Möglichkeit eingestuft, den Tschadsee sowie die Wirtschaft in der Region zu retten und wiederzubeleben. Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen PowerChina soll das Projekt finanziert werden. Beide Unternehmen werden von den jeweiligen Regierungen unterstützt. Der Plan des Projekts ist ein Wassertransfer vom Ubangi Fluss am nördlichen Rand des Kongobeckens über einen Kanal in das Tschadseebecken und letztlich in den Tschadsee. Dazu muss ein 2.400 Kilometer langer Kanal über eine Wasserscheide zum Chari Fluss, der den Tschadsee speist, errichtet werden. Im Verlauf dieses Kanals sollen bis zu 20 Dämme gebaut werden, die das Wasser im Kanal halten, elektrische Energie liefern und die Bewässerung neuer landwirtschaftlicher Flächen sicherstellen. Jährlich sollen dafür [...] bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Wasser von dem Kongo-Fluss in den neuen Kanal abgezweigt werden. Das seien [... ca.] 8 Prozent der Gesamtabflussmenge des Kongo [...]. Dies könnte dazu führen, dass der Tschadsee bis zum Jahr 2087 fast auf seine ursprüngliche Größe anwächst und sich um den See herum neue landwirtschaftlich nutzbare Flächen entwickeln. Des Weiteren wäre der Kanal zwischen den beiden Becken (Kongo-Becken und Tschadsee-Becken) schiffbar, sodass Waren transportiert werden könnten.
übersetzt nach: URL: http://savelakechad.com/analysis-of-transaqua.html (auch Quelle von Karte 2) und URL: https://www.larouchepac.com/20180302/transaqua-moves-forward-water-transfer-not-option-it-necessity
Karte 1: URL: https://www.agoravox.fr/actualites/international/article/rd-congo-le-projet-transaqua-et-la-202001 (alle abgerufen am 10.10.2021).
Material 9
Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo (2018)
Mit Wasser aus dem Kongo soll der Tschadsee gerettet werden. [...] Hinter dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt [...] stecken vor allem China und die Afrikanische Entwicklungsbank als Geldgeber. Die Europäische Union hält sich aus dem umstrittenen Projekt raus, denn die Auswirkungen auf das Ökosystem des Kongo-Beckens dürften verheerend sein. [...]
Die Verhandlungsrunden über den Transfer von Kongo-Wasser zur Rettung des Tschadsees wurden ohne Einbeziehung der beiden Länder geführt, die sich den majestätischen Fluss teilen: die DR Kongo und die Republik Kongo-Brazzaville. [...] „Ganz offensichtlich haben wir im Kongo alles zu verlieren, aber in der Sache nichts zu gewinnen. Daher ist wohl die DR Kongo offiziell nicht zu den internationalen Zusammenkünften eingeladen worden. [...] Also stellt sich die Frage an die Wissenschaft, was es bedeutet, wenn man Wasser von einem Becken in ein anderes überführt“.[...]
Professor Musibono [von der Universität Kinshasa] hat die misslichen Folgen aufgezeigt, [...] wenn das Projekt [...] umgesetzt werden soll: „Unsere Landwirtschaft ist auf Regen und Wasser angewiesen; mit Sicherheit wird sich unsere Ernährungslage [...] verschlechtern“. [...] Die Umleitung eines Teils des Ubangi-Wassers zum Tschadsee ohne Berücksichtigung von Ressourcen, wie Ersatz für die Absenkung des Wasserniveaus geschaffen werden kann, wird unvorhersehbare und katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem des Kongobeckens haben. Niemand kann verkennen, dass dieses Becken, zweitgrößtes Fluss- und Waldgebiet der Welt, unerlässlich ist für die Zukunft der Menschheit, weil es eine entscheidende Rolle für die Regelung des Klimas hat [...].
Alfread Ntumba: Transaqua – ein Unglücksprojekt für den Kongo, 2018, URL: https://www.afrika-sued.org/ausgaben/heft-2-2018/transaqua-ein-ungluecksprojekt-fuer-den-kongo/ (abgerufen am 11.10.2021).
Material 10
Die Ziele 2 „Hunger beenden“ und 6 „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (2021)
Hunger beenden – Bis 2030 …
1. den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, [...] ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben. [...]
3. die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten [...] verdoppeln [...].
Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen – Bis 2030 …
[...]
2. die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern.
3. auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
4. wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen [...].
URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-6-sauberes-wasser-und-sanitaere-einrichtungen/ und https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-2-hunger-beenden/ (abgerufen am 10.10.2021).
3.1
Skizzieren Sie die Grundintentionen der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung.
(10 BE)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
3.1 Skizzieren Sie die Grundintentionen der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung.
Lösung: Um die Grundintentionen der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu skizzieren, können die 5 P’s herangezogen werden: - Peace: Förderung von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften, Frieden als Voraussetzung einer nachhaltigen Entwicklung, nachhaltige Entwicklung als Voraussetzung für langfristigen Frieden. - Planet: Planeten vor Schädigung schützen, nachhaltiger Konsum, nachhaltige Bewirtschaftung, Maßnahmen gegen den Klimawandel, Bedürfnisse der heutigen und der kommenden Generationen decken. - Prosperity: alle Menschen genießen ein von Wohlstand geprägtes und erfülltes Leben, der wirtschaftliche, soziale und technische Fortschritt vollzieht sich in Harmonie mit der Natur. - People: Armut und Hunger ein Ende setzen, Entfaltung des Potentials von allen Menschen in einer gesunden Umwelt. - Partnership: Mobilisierung globaler Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung, Geist verstärkter globaler Solidarität, Rücksicht auf Bedürfnisse der Ärmsten und Schwächsten, Beteiligung aller Länder, aller Interessenträger und aller Menschen.
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