Abitur Hessen Altgriechisch 2021 · LK

Abiturprüfung Altgriechisch in Hessen 2021, LK: 20 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Übersetzung: Homer (epischer Hexameter). Mit automatischer Korrektur.

Themen der Prüfung: Übersetzung: Homer (epischer Hexameter) · Übersetzung: Euripides, Elektra (Tragödie) · Übersetzung: Platon, Symposion (Prosa) · Inhaltswiedergabe mit griechischen Textbelegen · Metrische Analyse des homerischen Hexameters · Homer: Ilias und Odyssee (Gesellschaft, Götter, Zorn) · Euripides, Elektra: Tragödie, Figuren und Muttermord · Platon, Symposion: Eros, Seele und Tugend · Werkübergreifend: Zorn, Rache, Götter und Gerechtigkeit

Aufgabe Vorschlag A - Teil I · Übersetzung: Euripides, Elektra (Tragödie)

Material zu Vorschlag A

Vorbemerkung

Orest (OP.) und Pylades geben sich bei Elektra (ΗΛ.) zunächst als Boten Orests aus und erkundigen sich bei ihr nach ihrer persönlichen Lage und der Situation im Palast.

Da kommt der Bauer (AYT.), Elektras Gatte, hinzu und erfährt von dieser, dass es sich bei den Fremden um Boten von Orest handelt, welche die Nachricht bringen, dass Orest noch lebt und sich nach dem Befinden seiner Schwester erkundigt. Der Bauer lädt die Fremden daraufhin in sein Haus ein:

ΑΥΤ. Χωρεῖτ’ ἐς οἴκους· ἀντὶ γὰρ χρηστῶν λόγων

2 ξενίων κυρήσεθ’, οἷ’ ἐμὸς κεύθει δόμος. [...]

καὶ μηδὲν ἀντείπητε, παρὰ φίλου φίλοι

4 μολόντες ἀνδρός· καὶ γὰρ εἰ πένης ἔφυν,

οὔτοι τό γ’ ἦθος δυσγενὲς παρέξομαι.

6 ΟΡ. πρὸς θεῶν, ὅδ’ ἁνήρ, ὃς συνεκκλέπτει γάμους

τοὺς σούς, Ὀρέστην οὐ καταισχύνειν θέλων;

8 ΗΛ. οὗτος κέκληται πόσις ἐμὸς τῆς ἀθλίας.

ΟΡ. φεῦ·

10 οὐκ ἔστ’ ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς εὐανδρίαν·

ἔχουσι γὰρ ταραγμὸν αἱ φύσεις βροτῶν.

12 ἤδη γὰρ εἶδον ἄνδρα γενναίου πατρὸς

τὸ μηδὲν ὄντα, χρηστά τ’ ἐκ κακῶν τέκνα,

14 λιμόν τ’ ἐν ἀνδρὸς πλουσίου φρονήματι,

γνώμην τε μεγάλην ἐν πένητι σώματι. [...]

16 οὗτος [...] ἀνὴρ οὔτ’ ἐν Ἀργείοις μέγας

οὔτ’ αὖ δοκήσει δωμάτων ὠγκωμένος,

18 ἐν τοῖς δὲ πολλοῖς ὤν, ἄριστος ηὑρέθη.

οὐ μὴ ἀφρονήσεθ’, οἳ κενῶν δοξασμάτων

20 πλήρεις πλανᾶσθε, τῇ δ’ ὁμιλίᾳ βροτοὺς

κρινεῖτε καὶ τοῖς ἤθεσιν τοὺς εὐγενεῖς;

22 οἱ γὰρ τοιοῦτοι καὶ πόλεις οἰκοῦσιν εὖ

καὶ δώμαθ’· αἱ δὲ σάρκες αἱ κεναὶ φρενῶν

24 ἀγάλματ’ ἀγορᾶς εἰσιν. οὐδὲ γὰρ δόρυ

μᾶλλον βραχίων σθεναρὸς ἀσθενοῦς μένει·

26 ἐν τῇ φύσει δὲ τοῦτο κἀν εὐψυχίᾳ. [...]

δεξώμεθ’ οἴκων καταλύσεις. [...]

28 [...] ἐμοὶ πένης

εἴη πρόθυμος πλουσίου μᾶλλον ξένος.

(172 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · χωρεῖτ’ = χωρεῖτε

ἀντί m. Gen. – für etw.

V. 2 · τὰ ξένια, -ίων – gastliche Bewirtung

κυρέω m. Gen. – etw. bekommen

οἷ’ – ergänze: [τοιούτων] ξενίων, οἷ[α]

κεύθω – in sich bergen, umschlossen halten

V. 3 · μηδὲν ἀντιλέγω – nichts dagegen haben

V. 3/4 · παρὰ [...] ἀνδρός – ordne: φίλοι μολόντες παρὰ φίλου ἀνδρός

παρὰ m. Gen. – von jmdm. her ( mit φίλος ἀνήρ ist Orest gemeint)

V. 4 · πένης, -ητος – arm

ἔφυν ≈ εἰμί

μολόντες – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von βλώσκω (kommen)

V. 5 · δυσγενής, -ές – unedel

παρέχομαι m. dopp. Akk. – etw. als etw. erweisen

V. 6 · πρὸς θεῶν – bei den Göttern!

ὅδ[ε] [ὁ] ἀνήρ [ἐστιν οὗτος] [...]; – dieser Mann ist derjenige [...]?

συνεκκλέπτω m. Akk. – hier: etw. vorzutäuschen helfen ( da die Ehe nicht vollzogen wurde, besteht sie eigentlich gar nicht)

V. 7 · καταισχύνω – entehren

V. 8 · κέκληται – 3. Sg. Ind. Perf. Pass. von καλέω (rufen, nennen)

ἐμὸς τῆς ἀθλίας – übersetze: von mir, der Elenden ( Ergänzung zu πόσις)

V. 9 · φεῦ – ach!

V. 10 · οὐκ [...] ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς – kein sicheres Zeichen für

ἡ εὐανδρία, -ας – die Mannhaftigkeit

V. 11 · ὁ ταραγμός, -οῦ – die Verwirrung, Unklarheit

V. 12-15 · εἶδον – im Folgenden werden 4 Objekte aufgezählt: ἄνδρα, τέκνα, λιμόν, γνώμην

V. 13 · τὸ μηδὲν εἶμι – hier: eine Null sein

τ’ ἐκ = τε ἐκ

ὁ κακός, -οῦ – hier: der Mann von niederer Herkunft

V. 14 · ὁ λιμός, -οῦ – hier: die Leere

τ’ ἐν = τε ἐν

τὸ φρόνημα, -ματος – das Denken

V. 15 · ἡ μεγάλη γνώμη – der Großmut, die Seelengröße

πένης, -ητος – siehe oben V. 4

V. 16 · οὗτος – gemeint ist der Bauer

μέγας – ergänze: ὤν

V. 17 · δοκήσει ≈ δόξῃ – durch das Ansehen

τὰ δώματα, -μάτων – hier: die Familie

ὠγκωμένος – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Pass. von ὀγκόω (aufblähen)

V. 18 · οἱ πολλοί, -ῶν – hier: die einfachen Leute

V. 19 · οὐ μή m. Ind. Fut. – ich will doch hoffen, dass nicht [...]?

ἀφρονήσεθ’ = ἀφρονήσετε

οἵ [...] – ihr, die ihr [...] – Orest wendet sich hier an „die Leute“, denen er unterstellt, dass sie oft genug falschen Meinungen Glauben schenken und insofern eines besonderen Hinweises bedürfen, wie man die tatsächliche Qualität eines Menschen beurteilen müsse

τὸ δόξασμα, -ματος – hier: das Vorurteil, die falsche Meinung

V. 20 · πλήρης, -ες m. Gen. – voll von etw.

πλανάομαι – umherirren, in die Irre gehen

ἡ ὁμιλία, -ας – das Zusammensein, der persönliche Umgang

V. 21 · κρινεῖτε – führt als Ind. Fut. den Hauptsatz fort (parallel zu ἀφρονήσετε, siehe oben V. 19): ich will doch hoffen, dass nicht [...], sondern dass [...]!

τὸ ἦθος, -ους – der Charakter, Pl.: die Charaktereigenschaften, das Verhalten

ὁ εὐγενής, -οῦς – der Edle

V. 22 · οἰκέω – hier: verwalten

V. 23 · δώμαθ’ = δώματα – siehe oben V. 17

ἡ σάρξ, σαρκός – das Fleisch, Pl.: die Kraftprotze, Fleischberge, Leute mit gewaltiger Körperkraft

κενός, -ή, -όν φρενῶν – hier: hirnlos, ohne Verstand

V. 24 · ἀγάλματ[α] – [nur] Schmuckstücke, [nur] Zierrat ( abwertend)

V. 24/25 · δόρυ [...] μένω – einem [Angriff mit einem] Speer standhalten

V. 25 · ὁ βραχίων, -ονος – der Arm

σθεναρός, -ά, -όν – stark

ἀσθενοῦς – Gen. des Vergleichs, ergänze: βραχίονος

V. 26 · ἡ φύσις, -εως – hier: die geistige Wendigkeit

τοῦτο [ἐστίν] ἐν mit Dat. – hier: der Unterschied liegt begründet in [...]

κἀν = καὶ ἐν

ἡ εὐψυχία, -ίας – die Beherztheit, das beherzte Wesen, der Mut

V. 27 · δεξώμεθ[α] – 1. Pl. Konj. Aor. Med. von δέχομαι ( hier: akzeptieren, annehmen)

οἴκων – poet. Pl.

ἡ κατάλυσις, -εως – Ort der Einkehr, Herberge

V. 28/29 · ἐμοὶ [...] ξένος – ordne: πένης καὶ πρόθυμος ξένος ἐμοὶ μᾶλλον εἴη πλουσίου [ξένου]

V. 29 · πρόθυμος, -ον – wohlmeinend, wohlwollend

Arbeitsübersetzung

(Bauer) Geht nur ins Haus! Denn für eure wohlmeinenden Worte werdet ihr eine solche gastliche Bewirtung vorfinden, wie sie mein Haus birgt. [...] Und erhebt keinen Widerspruch, die ihr als Freunde von einem befreundeten Manne kamt: Denn auch wenn ich von Natur aus arm bin, werde ich doch mein Wesen jedenfalls gewiss nie als unedel erweisen.

(Bauer ab ins Haus)

(Orestes) (zu Elektra)

Bei den Göttern, dieser Mann ist derjenige, der dir dabei hilft, deine Ehe vorzutäuschen, da er Orestes nicht entehren will?

(Elektra) Ja, dieser heißt mein Mann, der Gatte der elenden Elektra.

(Orestes) Ach!

Für eines Mannes wahren Wert gibt es kein sicheres Merkmal; denn die Charaktere der Menschen bieten Verwirrung. Schon oft nämlich sah ich einen Mann von edlem Vater abstammend, der eine Null war, und von Niederen tüchtige Kinder, sah Leere auch im Denken eines reichen Mannes und Seelengröße in einem armen Leib. [...] Dieser Mann, der weder groß ist unter den Argivern, noch auch durch das Ansehen seines Hauses stolz aufgebläht, und der (nur) einer unter vielen ist: Ihn fand man als höchst edel. Ich will doch hoffen, dass ihr, die ihr voll leerer Vorurteile in die Irre geht, nicht unvernünftig seid, sondern die Menschen nach ihrem Umgang beurteilt und die Edlen nach ihrem Verhalten. Denn Männer solcher Art verwalten sowohl Städte gut und auch Häuser; doch die Kraftprotze ohne Verstand sind Zierrat nur des Marktes. Denn einem Speer hält ein starker Arm nicht besser stand als ein schwacher: Der Unterschied liegt aber begründet in der geistigen Wendigkeit und im beherzten Wesen. [...] Lasst uns die Herberge des Hauses annehmen! [...] Ich möchte lieber einen armen, [aber] wohlmeinenden Gastgeber haben als einen reichen.

Übersetzung unveröffentlicht.

I Übersetzung

Übersetzen Sie den Text (Material) in angemessenes Deutsch.

Aufgabe Vorschlag A - Teil II Aufgabe 1 · Inhaltswiedergabe mit griechischen Textbelegen

Material zu Vorschlag A

Vorbemerkung

Orest (OP.) und Pylades geben sich bei Elektra (ΗΛ.) zunächst als Boten Orests aus und erkundigen sich bei ihr nach ihrer persönlichen Lage und der Situation im Palast.

Da kommt der Bauer (AYT.), Elektras Gatte, hinzu und erfährt von dieser, dass es sich bei den Fremden um Boten von Orest handelt, welche die Nachricht bringen, dass Orest noch lebt und sich nach dem Befinden seiner Schwester erkundigt. Der Bauer lädt die Fremden daraufhin in sein Haus ein:

ΑΥΤ. Χωρεῖτ’ ἐς οἴκους· ἀντὶ γὰρ χρηστῶν λόγων

2 ξενίων κυρήσεθ’, οἷ’ ἐμὸς κεύθει δόμος. [...]

καὶ μηδὲν ἀντείπητε, παρὰ φίλου φίλοι

4 μολόντες ἀνδρός· καὶ γὰρ εἰ πένης ἔφυν,

οὔτοι τό γ’ ἦθος δυσγενὲς παρέξομαι.

6 ΟΡ. πρὸς θεῶν, ὅδ’ ἁνήρ, ὃς συνεκκλέπτει γάμους

τοὺς σούς, Ὀρέστην οὐ καταισχύνειν θέλων;

8 ΗΛ. οὗτος κέκληται πόσις ἐμὸς τῆς ἀθλίας.

ΟΡ. φεῦ·

10 οὐκ ἔστ’ ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς εὐανδρίαν·

ἔχουσι γὰρ ταραγμὸν αἱ φύσεις βροτῶν.

12 ἤδη γὰρ εἶδον ἄνδρα γενναίου πατρὸς

τὸ μηδὲν ὄντα, χρηστά τ’ ἐκ κακῶν τέκνα,

14 λιμόν τ’ ἐν ἀνδρὸς πλουσίου φρονήματι,

γνώμην τε μεγάλην ἐν πένητι σώματι. [...]

16 οὗτος [...] ἀνὴρ οὔτ’ ἐν Ἀργείοις μέγας

οὔτ’ αὖ δοκήσει δωμάτων ὠγκωμένος,

18 ἐν τοῖς δὲ πολλοῖς ὤν, ἄριστος ηὑρέθη.

οὐ μὴ ἀφρονήσεθ’, οἳ κενῶν δοξασμάτων

20 πλήρεις πλανᾶσθε, τῇ δ’ ὁμιλίᾳ βροτοὺς

κρινεῖτε καὶ τοῖς ἤθεσιν τοὺς εὐγενεῖς;

22 οἱ γὰρ τοιοῦτοι καὶ πόλεις οἰκοῦσιν εὖ

καὶ δώμαθ’· αἱ δὲ σάρκες αἱ κεναὶ φρενῶν

24 ἀγάλματ’ ἀγορᾶς εἰσιν. οὐδὲ γὰρ δόρυ

μᾶλλον βραχίων σθεναρὸς ἀσθενοῦς μένει·

26 ἐν τῇ φύσει δὲ τοῦτο κἀν εὐψυχίᾳ. [...]

δεξώμεθ’ οἴκων καταλύσεις. [...]

28 [...] ἐμοὶ πένης

εἴη πρόθυμος πλουσίου μᾶλλον ξένος.

(172 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · χωρεῖτ’ = χωρεῖτε

ἀντί m. Gen. – für etw.

V. 2 · τὰ ξένια, -ίων – gastliche Bewirtung

κυρέω m. Gen. – etw. bekommen

οἷ’ – ergänze: [τοιούτων] ξενίων, οἷ[α]

κεύθω – in sich bergen, umschlossen halten

V. 3 · μηδὲν ἀντιλέγω – nichts dagegen haben

V. 3/4 · παρὰ [...] ἀνδρός – ordne: φίλοι μολόντες παρὰ φίλου ἀνδρός

παρὰ m. Gen. – von jmdm. her ( mit φίλος ἀνήρ ist Orest gemeint)

V. 4 · πένης, -ητος – arm

ἔφυν ≈ εἰμί

μολόντες – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von βλώσκω (kommen)

V. 5 · δυσγενής, -ές – unedel

παρέχομαι m. dopp. Akk. – etw. als etw. erweisen

V. 6 · πρὸς θεῶν – bei den Göttern!

ὅδ[ε] [ὁ] ἀνήρ [ἐστιν οὗτος] [...]; – dieser Mann ist derjenige [...]?

συνεκκλέπτω m. Akk. – hier: etw. vorzutäuschen helfen ( da die Ehe nicht vollzogen wurde, besteht sie eigentlich gar nicht)

V. 7 · καταισχύνω – entehren

V. 8 · κέκληται – 3. Sg. Ind. Perf. Pass. von καλέω (rufen, nennen)

ἐμὸς τῆς ἀθλίας – übersetze: von mir, der Elenden ( Ergänzung zu πόσις)

V. 9 · φεῦ – ach!

V. 10 · οὐκ [...] ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς – kein sicheres Zeichen für

ἡ εὐανδρία, -ας – die Mannhaftigkeit

V. 11 · ὁ ταραγμός, -οῦ – die Verwirrung, Unklarheit

V. 12-15 · εἶδον – im Folgenden werden 4 Objekte aufgezählt: ἄνδρα, τέκνα, λιμόν, γνώμην

V. 13 · τὸ μηδὲν εἶμι – hier: eine Null sein

τ’ ἐκ = τε ἐκ

ὁ κακός, -οῦ – hier: der Mann von niederer Herkunft

V. 14 · ὁ λιμός, -οῦ – hier: die Leere

τ’ ἐν = τε ἐν

τὸ φρόνημα, -ματος – das Denken

V. 15 · ἡ μεγάλη γνώμη – der Großmut, die Seelengröße

πένης, -ητος – siehe oben V. 4

V. 16 · οὗτος – gemeint ist der Bauer

μέγας – ergänze: ὤν

V. 17 · δοκήσει ≈ δόξῃ – durch das Ansehen

τὰ δώματα, -μάτων – hier: die Familie

ὠγκωμένος – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Pass. von ὀγκόω (aufblähen)

V. 18 · οἱ πολλοί, -ῶν – hier: die einfachen Leute

V. 19 · οὐ μή m. Ind. Fut. – ich will doch hoffen, dass nicht [...]?

ἀφρονήσεθ’ = ἀφρονήσετε

οἵ [...] – ihr, die ihr [...] – Orest wendet sich hier an „die Leute“, denen er unterstellt, dass sie oft genug falschen Meinungen Glauben schenken und insofern eines besonderen Hinweises bedürfen, wie man die tatsächliche Qualität eines Menschen beurteilen müsse

τὸ δόξασμα, -ματος – hier: das Vorurteil, die falsche Meinung

V. 20 · πλήρης, -ες m. Gen. – voll von etw.

πλανάομαι – umherirren, in die Irre gehen

ἡ ὁμιλία, -ας – das Zusammensein, der persönliche Umgang

V. 21 · κρινεῖτε – führt als Ind. Fut. den Hauptsatz fort (parallel zu ἀφρονήσετε, siehe oben V. 19): ich will doch hoffen, dass nicht [...], sondern dass [...]!

τὸ ἦθος, -ους – der Charakter, Pl.: die Charaktereigenschaften, das Verhalten

ὁ εὐγενής, -οῦς – der Edle

V. 22 · οἰκέω – hier: verwalten

V. 23 · δώμαθ’ = δώματα – siehe oben V. 17

ἡ σάρξ, σαρκός – das Fleisch, Pl.: die Kraftprotze, Fleischberge, Leute mit gewaltiger Körperkraft

κενός, -ή, -όν φρενῶν – hier: hirnlos, ohne Verstand

V. 24 · ἀγάλματ[α] – [nur] Schmuckstücke, [nur] Zierrat ( abwertend)

V. 24/25 · δόρυ [...] μένω – einem [Angriff mit einem] Speer standhalten

V. 25 · ὁ βραχίων, -ονος – der Arm

σθεναρός, -ά, -όν – stark

ἀσθενοῦς – Gen. des Vergleichs, ergänze: βραχίονος

V. 26 · ἡ φύσις, -εως – hier: die geistige Wendigkeit

τοῦτο [ἐστίν] ἐν mit Dat. – hier: der Unterschied liegt begründet in [...]

κἀν = καὶ ἐν

ἡ εὐψυχία, -ίας – die Beherztheit, das beherzte Wesen, der Mut

V. 27 · δεξώμεθ[α] – 1. Pl. Konj. Aor. Med. von δέχομαι ( hier: akzeptieren, annehmen)

οἴκων – poet. Pl.

ἡ κατάλυσις, -εως – Ort der Einkehr, Herberge

V. 28/29 · ἐμοὶ [...] ξένος – ordne: πένης καὶ πρόθυμος ξένος ἐμοὶ μᾶλλον εἴη πλουσίου [ξένου]

V. 29 · πρόθυμος, -ον – wohlmeinend, wohlwollend

Arbeitsübersetzung

(Bauer) Geht nur ins Haus! Denn für eure wohlmeinenden Worte werdet ihr eine solche gastliche Bewirtung vorfinden, wie sie mein Haus birgt. [...] Und erhebt keinen Widerspruch, die ihr als Freunde von einem befreundeten Manne kamt: Denn auch wenn ich von Natur aus arm bin, werde ich doch mein Wesen jedenfalls gewiss nie als unedel erweisen.

(Bauer ab ins Haus)

(Orestes) (zu Elektra)

Bei den Göttern, dieser Mann ist derjenige, der dir dabei hilft, deine Ehe vorzutäuschen, da er Orestes nicht entehren will?

(Elektra) Ja, dieser heißt mein Mann, der Gatte der elenden Elektra.

(Orestes) Ach!

Für eines Mannes wahren Wert gibt es kein sicheres Merkmal; denn die Charaktere der Menschen bieten Verwirrung. Schon oft nämlich sah ich einen Mann von edlem Vater abstammend, der eine Null war, und von Niederen tüchtige Kinder, sah Leere auch im Denken eines reichen Mannes und Seelengröße in einem armen Leib. [...] Dieser Mann, der weder groß ist unter den Argivern, noch auch durch das Ansehen seines Hauses stolz aufgebläht, und der (nur) einer unter vielen ist: Ihn fand man als höchst edel. Ich will doch hoffen, dass ihr, die ihr voll leerer Vorurteile in die Irre geht, nicht unvernünftig seid, sondern die Menschen nach ihrem Umgang beurteilt und die Edlen nach ihrem Verhalten. Denn Männer solcher Art verwalten sowohl Städte gut und auch Häuser; doch die Kraftprotze ohne Verstand sind Zierrat nur des Marktes. Denn einem Speer hält ein starker Arm nicht besser stand als ein schwacher: Der Unterschied liegt aber begründet in der geistigen Wendigkeit und im beherzten Wesen. [...] Lasst uns die Herberge des Hauses annehmen! [...] Ich möchte lieber einen armen, [aber] wohlmeinenden Gastgeber haben als einen reichen.

Übersetzung unveröffentlicht.

II Interpretation

1 Geben Sie die wesentlichen Aussagen der vorliegenden Szene unter Verwendung von griechischen Textbelegen wieder (Material und Arbeitsübersetzung). (30 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Teil II Aufgabe 2 · Euripides, Elektra: Tragödie, Figuren und Muttermord

Material zu Vorschlag A

Vorbemerkung

Orest (OP.) und Pylades geben sich bei Elektra (ΗΛ.) zunächst als Boten Orests aus und erkundigen sich bei ihr nach ihrer persönlichen Lage und der Situation im Palast.

Da kommt der Bauer (AYT.), Elektras Gatte, hinzu und erfährt von dieser, dass es sich bei den Fremden um Boten von Orest handelt, welche die Nachricht bringen, dass Orest noch lebt und sich nach dem Befinden seiner Schwester erkundigt. Der Bauer lädt die Fremden daraufhin in sein Haus ein:

ΑΥΤ. Χωρεῖτ’ ἐς οἴκους· ἀντὶ γὰρ χρηστῶν λόγων

2 ξενίων κυρήσεθ’, οἷ’ ἐμὸς κεύθει δόμος. [...]

καὶ μηδὲν ἀντείπητε, παρὰ φίλου φίλοι

4 μολόντες ἀνδρός· καὶ γὰρ εἰ πένης ἔφυν,

οὔτοι τό γ’ ἦθος δυσγενὲς παρέξομαι.

6 ΟΡ. πρὸς θεῶν, ὅδ’ ἁνήρ, ὃς συνεκκλέπτει γάμους

τοὺς σούς, Ὀρέστην οὐ καταισχύνειν θέλων;

8 ΗΛ. οὗτος κέκληται πόσις ἐμὸς τῆς ἀθλίας.

ΟΡ. φεῦ·

10 οὐκ ἔστ’ ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς εὐανδρίαν·

ἔχουσι γὰρ ταραγμὸν αἱ φύσεις βροτῶν.

12 ἤδη γὰρ εἶδον ἄνδρα γενναίου πατρὸς

τὸ μηδὲν ὄντα, χρηστά τ’ ἐκ κακῶν τέκνα,

14 λιμόν τ’ ἐν ἀνδρὸς πλουσίου φρονήματι,

γνώμην τε μεγάλην ἐν πένητι σώματι. [...]

16 οὗτος [...] ἀνὴρ οὔτ’ ἐν Ἀργείοις μέγας

οὔτ’ αὖ δοκήσει δωμάτων ὠγκωμένος,

18 ἐν τοῖς δὲ πολλοῖς ὤν, ἄριστος ηὑρέθη.

οὐ μὴ ἀφρονήσεθ’, οἳ κενῶν δοξασμάτων

20 πλήρεις πλανᾶσθε, τῇ δ’ ὁμιλίᾳ βροτοὺς

κρινεῖτε καὶ τοῖς ἤθεσιν τοὺς εὐγενεῖς;

22 οἱ γὰρ τοιοῦτοι καὶ πόλεις οἰκοῦσιν εὖ

καὶ δώμαθ’· αἱ δὲ σάρκες αἱ κεναὶ φρενῶν

24 ἀγάλματ’ ἀγορᾶς εἰσιν. οὐδὲ γὰρ δόρυ

μᾶλλον βραχίων σθεναρὸς ἀσθενοῦς μένει·

26 ἐν τῇ φύσει δὲ τοῦτο κἀν εὐψυχίᾳ. [...]

δεξώμεθ’ οἴκων καταλύσεις. [...]

28 [...] ἐμοὶ πένης

εἴη πρόθυμος πλουσίου μᾶλλον ξένος.

(172 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · χωρεῖτ’ = χωρεῖτε

ἀντί m. Gen. – für etw.

V. 2 · τὰ ξένια, -ίων – gastliche Bewirtung

κυρέω m. Gen. – etw. bekommen

οἷ’ – ergänze: [τοιούτων] ξενίων, οἷ[α]

κεύθω – in sich bergen, umschlossen halten

V. 3 · μηδὲν ἀντιλέγω – nichts dagegen haben

V. 3/4 · παρὰ [...] ἀνδρός – ordne: φίλοι μολόντες παρὰ φίλου ἀνδρός

παρὰ m. Gen. – von jmdm. her ( mit φίλος ἀνήρ ist Orest gemeint)

V. 4 · πένης, -ητος – arm

ἔφυν ≈ εἰμί

μολόντες – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von βλώσκω (kommen)

V. 5 · δυσγενής, -ές – unedel

παρέχομαι m. dopp. Akk. – etw. als etw. erweisen

V. 6 · πρὸς θεῶν – bei den Göttern!

ὅδ[ε] [ὁ] ἀνήρ [ἐστιν οὗτος] [...]; – dieser Mann ist derjenige [...]?

συνεκκλέπτω m. Akk. – hier: etw. vorzutäuschen helfen ( da die Ehe nicht vollzogen wurde, besteht sie eigentlich gar nicht)

V. 7 · καταισχύνω – entehren

V. 8 · κέκληται – 3. Sg. Ind. Perf. Pass. von καλέω (rufen, nennen)

ἐμὸς τῆς ἀθλίας – übersetze: von mir, der Elenden ( Ergänzung zu πόσις)

V. 9 · φεῦ – ach!

V. 10 · οὐκ [...] ἀκριβὲς οὐδὲν εἰς – kein sicheres Zeichen für

ἡ εὐανδρία, -ας – die Mannhaftigkeit

V. 11 · ὁ ταραγμός, -οῦ – die Verwirrung, Unklarheit

V. 12-15 · εἶδον – im Folgenden werden 4 Objekte aufgezählt: ἄνδρα, τέκνα, λιμόν, γνώμην

V. 13 · τὸ μηδὲν εἶμι – hier: eine Null sein

τ’ ἐκ = τε ἐκ

ὁ κακός, -οῦ – hier: der Mann von niederer Herkunft

V. 14 · ὁ λιμός, -οῦ – hier: die Leere

τ’ ἐν = τε ἐν

τὸ φρόνημα, -ματος – das Denken

V. 15 · ἡ μεγάλη γνώμη – der Großmut, die Seelengröße

πένης, -ητος – siehe oben V. 4

V. 16 · οὗτος – gemeint ist der Bauer

μέγας – ergänze: ὤν

V. 17 · δοκήσει ≈ δόξῃ – durch das Ansehen

τὰ δώματα, -μάτων – hier: die Familie

ὠγκωμένος – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Pass. von ὀγκόω (aufblähen)

V. 18 · οἱ πολλοί, -ῶν – hier: die einfachen Leute

V. 19 · οὐ μή m. Ind. Fut. – ich will doch hoffen, dass nicht [...]?

ἀφρονήσεθ’ = ἀφρονήσετε

οἵ [...] – ihr, die ihr [...] – Orest wendet sich hier an „die Leute“, denen er unterstellt, dass sie oft genug falschen Meinungen Glauben schenken und insofern eines besonderen Hinweises bedürfen, wie man die tatsächliche Qualität eines Menschen beurteilen müsse

τὸ δόξασμα, -ματος – hier: das Vorurteil, die falsche Meinung

V. 20 · πλήρης, -ες m. Gen. – voll von etw.

πλανάομαι – umherirren, in die Irre gehen

ἡ ὁμιλία, -ας – das Zusammensein, der persönliche Umgang

V. 21 · κρινεῖτε – führt als Ind. Fut. den Hauptsatz fort (parallel zu ἀφρονήσετε, siehe oben V. 19): ich will doch hoffen, dass nicht [...], sondern dass [...]!

τὸ ἦθος, -ους – der Charakter, Pl.: die Charaktereigenschaften, das Verhalten

ὁ εὐγενής, -οῦς – der Edle

V. 22 · οἰκέω – hier: verwalten

V. 23 · δώμαθ’ = δώματα – siehe oben V. 17

ἡ σάρξ, σαρκός – das Fleisch, Pl.: die Kraftprotze, Fleischberge, Leute mit gewaltiger Körperkraft

κενός, -ή, -όν φρενῶν – hier: hirnlos, ohne Verstand

V. 24 · ἀγάλματ[α] – [nur] Schmuckstücke, [nur] Zierrat ( abwertend)

V. 24/25 · δόρυ [...] μένω – einem [Angriff mit einem] Speer standhalten

V. 25 · ὁ βραχίων, -ονος – der Arm

σθεναρός, -ά, -όν – stark

ἀσθενοῦς – Gen. des Vergleichs, ergänze: βραχίονος

V. 26 · ἡ φύσις, -εως – hier: die geistige Wendigkeit

τοῦτο [ἐστίν] ἐν mit Dat. – hier: der Unterschied liegt begründet in [...]

κἀν = καὶ ἐν

ἡ εὐψυχία, -ίας – die Beherztheit, das beherzte Wesen, der Mut

V. 27 · δεξώμεθ[α] – 1. Pl. Konj. Aor. Med. von δέχομαι ( hier: akzeptieren, annehmen)

οἴκων – poet. Pl.

ἡ κατάλυσις, -εως – Ort der Einkehr, Herberge

V. 28/29 · ἐμοὶ [...] ξένος – ordne: πένης καὶ πρόθυμος ξένος ἐμοὶ μᾶλλον εἴη πλουσίου [ξένου]

V. 29 · πρόθυμος, -ον – wohlmeinend, wohlwollend

Arbeitsübersetzung

(Bauer) Geht nur ins Haus! Denn für eure wohlmeinenden Worte werdet ihr eine solche gastliche Bewirtung vorfinden, wie sie mein Haus birgt. [...] Und erhebt keinen Widerspruch, die ihr als Freunde von einem befreundeten Manne kamt: Denn auch wenn ich von Natur aus arm bin, werde ich doch mein Wesen jedenfalls gewiss nie als unedel erweisen.

(Bauer ab ins Haus)

(Orestes) (zu Elektra)

Bei den Göttern, dieser Mann ist derjenige, der dir dabei hilft, deine Ehe vorzutäuschen, da er Orestes nicht entehren will?

(Elektra) Ja, dieser heißt mein Mann, der Gatte der elenden Elektra.

(Orestes) Ach!

Für eines Mannes wahren Wert gibt es kein sicheres Merkmal; denn die Charaktere der Menschen bieten Verwirrung. Schon oft nämlich sah ich einen Mann von edlem Vater abstammend, der eine Null war, und von Niederen tüchtige Kinder, sah Leere auch im Denken eines reichen Mannes und Seelengröße in einem armen Leib. [...] Dieser Mann, der weder groß ist unter den Argivern, noch auch durch das Ansehen seines Hauses stolz aufgebläht, und der (nur) einer unter vielen ist: Ihn fand man als höchst edel. Ich will doch hoffen, dass ihr, die ihr voll leerer Vorurteile in die Irre geht, nicht unvernünftig seid, sondern die Menschen nach ihrem Umgang beurteilt und die Edlen nach ihrem Verhalten. Denn Männer solcher Art verwalten sowohl Städte gut und auch Häuser; doch die Kraftprotze ohne Verstand sind Zierrat nur des Marktes. Denn einem Speer hält ein starker Arm nicht besser stand als ein schwacher: Der Unterschied liegt aber begründet in der geistigen Wendigkeit und im beherzten Wesen. [...] Lasst uns die Herberge des Hauses annehmen! [...] Ich möchte lieber einen armen, [aber] wohlmeinenden Gastgeber haben als einen reichen.

Übersetzung unveröffentlicht.

II Interpretation

2 Arbeiten Sie ausgehend von der vorliegenden Szene heraus, weshalb Euripides den Bauern als Charakter in die Dramenhandlung der Elektra eingeführt hat (Material und Arbeitsübersetzung, Lektürekenntnisse). (20 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Teil II Aufgabe 3 · Werkübergreifend: Zorn, Rache, Götter und Gerechtigkeit

II Interpretation

3

Erläutern Sie unter Verwendung selbst gewählter Beispiele, inwieweit man sowohl in Euripides' Elektra als auch in Platons Symposion den Dialog als zentrales Element der Erkenntnisvermittlung für den Leser/Zuschauer ansehen kann (Lektürekenntnisse).

(20 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Teil II Aufgabe 4 · Euripides, Elektra: Tragödie, Figuren und Muttermord

II Interpretation

4

Diskutieren Sie aufbauend auf Ihren Ergebnissen zu Aufgabe 2, ob Orest, wie er von Euripides dargestellt ist, ein Sympathieträger ist (Lektürekenntnisse).

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Teil I · Übersetzung: Homer (epischer Hexameter)

I Übersetzung

Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.

Material 1 (Vorschlag B)

Vorbemerkung

Achill hatte dem sterbenden Hektor angekündigt, seinen Leichnam niemals den Eltern zurückzugeben, und den Toten dann auch mehrfach geschändet. Am Schluss der Ilias gelangt Priamos unter göttlichem Geleit in das Zelt des Achill und bittet diesen kniefällig um die Rückgabe von Hektors Leichnam. Dabei erinnert er Achill an dessen eigenen Vater Peleus, um Mitgefühl zu erregen.

Ὣς φάτο, τῷ δ’ ἄρα πατρὸς ὑφ’ ἵμερον ὦρσε γόοιο·

2 ἁψάμενος δ’ ἄρα χειρὸς ἀπώσατο ἦκα γέροντα. […]

καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα·

4 „ἆ δείλ’, ἦ δὴ πολλὰ κάκ’ ἄνσχεο σὸν κατὰ θυμόν.

πῶς ἔτλης ἐπὶ νῆας Ἀχαιῶν ἐλθέμεν οἶος,

6 ἀνδρὸς ἐς ὀφθαλμούς, ὅς τοι πολέας τε καὶ ἐσθλοὺς

υἱέας ἐξενάριξε; σιδήρειόν νύ τοι ἦτορ.

8 ἀλλ’ ἄγε δὴ κατ’ ἄρ’ ἕζευ ἐπὶ θρόνου, ἄλγεα δ’ ἔμπης

ἐν θυμῷ κατακεῖσθαι ἐάσομεν ἀχνύμενοί περ· […]“

10 τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα γέρων Πρίαμος θεοειδής·

„μή πω μ’ ἐς θρόνον ἵζε, διοτρεφές, ὄφρα κεν Ἕκτωρ

12 κεῖται ἐνὶ κλισίῃσιν ἀκηδής, ἀλλὰ τάχιστα

λῦσον, ἵν’ ὀφθαλμοῖσιν ἴδω· σὺ δὲ δέξαι ἄποινα

14 πολλά, τά τοι φέρομεν· σὺ δὲ τῶνδ’ ἀπόναιο, καὶ ἔλθοις

σὴν ἐς πατρίδα γαῖαν, ἐπεί με πρῶτον ἔασας

16 αὐτόν τε ζώειν καὶ ὁρᾶν φάος ἠελίοιο.“

τὸν δ’ ἄρ’ ὑπόδρα ἰδὼν προσέφη πόδας ὠκὺς Ἀχιλλεύς·

18 „μηκέτι νῦν μ’ ἐρέθιζε, γέρον· νοέω δὲ καὶ αὐτὸς

Ἕκτορά τοι λῦσαι, […].

20 τῶ νῦν μή μοι μᾶλλον ἐν ἄλγεσι θυμὸν ὀρίνῃς,

μή σε, γέρον, οὐδ’ αὐτὸν ἐνὶ κλισίῃσιν ἐάσω

22 – καὶ ἱκέτην περ ἐόντα – Διὸς δ’ ἀλίτωμαι ἐφετμάς.“

ὣς ἔφατ’, ἔδεισεν δ’ ὁ γέρων καὶ ἐπείθετο μύθῳ.

(183 Wörter)

Übersetzungshilfen

Vers · Erläuterung

V. 1 · φάτο – Subjekt ist Priamos

τῷ – gemeint ist Achilleus

ὑφ’ […] ὦρσε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ὑπόρνυμι (erregen, erwecken)

ὁ ἵμερος γόοιο m. Gen. – die trauervolle Sehnsucht nach jmdm./etw.

V. 2 · ἅπτομαι m. Gen. – berühren

ἀπώσατο – 3. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀπωθέομαι (von sich wegstoßen, wegschieben)

ἦκα – sanft

V. 4 · ἆ δείλ[ε] – ach, Armer!

ἦ δή – ja, in der Tat

ἄνσχεο – 2. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀνέχομαι (aushalten, ertragen)

V. 5 · ἔτλης – du hast es über dich gebracht

ἐλθέμεν = ἐλθεῖν

V. 6 · τοι = σοι

πολέας = πολλούς

V. 7 · ἐξενάριξε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἐξεναρίζω (töten)

σιδήρειος, -α, -ον – eisern

σιδήρειον – ergänze: ἐστί

τοι – siehe oben V. 6

V. 8 · κατ’ […] ἕζευ – lass dich nieder

ἔμπης – trotzdem (weist auf das konzessive Partizip ἀχνύμενοί περ [V. 9])

V. 9 · κατακεῖσθαι ἐάσομεν – wir wollen ruhen lassen ( d.h. nicht davon sprechen)

V. 11 · ἵζω m. Akk. – jmdn. setzen

ὄφρα – solange

V. 12 · ἡ κλισίη, -ης – das Zelt (κλισίῃσιν ist hier im Singular zu übersetzen)

ἀκηδής, -ές – unversorgt

V. 13 · λῦσον – hier: gib heraus

δέξαι – 2. Sg. Imperativ Aor. Med. von δέχομαι (annehmen)

τὰ ἄποινα, -ων – das Lösegeld

V. 14 · τοι – siehe oben V. 6

ἀπόναιο – 2. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπονίναμαι ( m. Gen.: etw. genießen)

V. 15 · πρῶτον – bereits

ἐάω m. AcI – (zu)lassen, dass

V. 16 · αὐτόν – beziehe αὐτόν auf με (V. 15)

ζώειν = ζῆν

V. 17 · ὑπόδρα – von unten anblickend, finster blickend

V. 18 · ἐρεθίζω – reizen

νοέω – hier: beabsichtigen

V. 19 · τοι – siehe oben V. 6

V. 20 · τῶ – darum

μή […] ὀρίνῃς – errege nicht (Verbot)

V. 21 · μή σε […] οὐδ’ αὐτὸν […] ἐάσω – übersetze frei: damit ich nicht dich selbst töte

ἡ κλισίη, -ης – siehe oben V. 12

V. 22 · ὁ ἱκέτης, -ου – der Schutzflehende

ἀλίτωμαι – 1. Sg. Konj. Aor. Med. von ἀλιταίνω ( m. Akk.: sich gegen etw. vergehen), hier wird der mit μή (V. 21) eingeleitete Finalsatz weitergeführt

ἡ ἐφετμή, -ῆς – der Auftrag

V. 23 · ἔδεισεν – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von δείδω (sich fürchten)

Arbeitsübersetzung (Wolfgang Schadewaldt)

So sprach er und erregte ihm die Lust nach der Klage um den Vater,

und er fasste seine Hand und stieß sanft den Alten von sich. […]

Und er begann und sagte zu ihm die geflügelten Worte:

„Ah, Armer! Ja, schon viel Schlimmes hast du ausgehalten in deinem Mute!

Wie hast du es gewagt, zu den Schiffen der Achaier zu kommen, allein,

unter die Augen des Mannes, der dir viele und edle

Söhne erschlug? Von Eisen muss dir das Herz sein!

Aber komm! Setze dich auf den Stuhl, und die Schmerzen wollen wir gleichwohl

ruhen lassen im Mut, so bekümmert wir auch sind, […].“

Ihm antwortete darauf der greise Priamos, der gottgleiche:

„Setze mich noch nicht auf den Stuhl, Zeusgenährter, solange Hektor

liegt in der Hütte unversorgt, sondern gib ihn mir eiligst

los, dass ich ihn mit den Augen sehe! Und du nimm das Lösegeld,

das viele, das wir dir bringen: Mögest du sie genießen und kommen

in dein väterliches Land, da du mich zuerst verschont hast,

dass ich selber lebe und sehe das Licht der Sonne.“

Da sah ihn von unten herauf an und sagte zu ihm der fußschnelle Achill:

„Reize mich jetzt nicht mehr, Alter! Ich gedenke auch selber,

dir den Hektor loszugeben, […].

Darum errege mir jetzt nicht noch mehr den Mut in Schmerzen!

Dass ich nicht, Alter, auch dich selbst in der Hütte nicht verschone,

bist du auch ein Schutzsuchender, und frevle ich gegen des Zeus Gebote!“

So sprach er. Da fürchtete sich der Greis und gehorchte dem Wort.

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

Aufgabe Vorschlag B - Teil II Aufgabe 1 · Metrische Analyse des homerischen Hexameters

II Interpretation

1

Analysieren Sie die Verse 1–4 des Textes (Material 2) im Hinblick auf ihr Metrum (mit Verseinschnitten). [20 BE]

Material 2

Ὣς φάτο, τῷ δ᾿ ἄρα πατρὸς ὑφ᾿ ἵμερον ὦρσε γόοιο·

ἁψάμενος δ᾿ ἄρα χειρὸς ἀπώσατο ἦκα γέροντα.

καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα·

ἆ δείλ᾿, ἦ δὴ πολλὰ κάκ᾿ ἄνσχεο σὸν κατὰ θυμόν.

Aufgabe Vorschlag B - Teil II Aufgabe 2 · Inhaltswiedergabe mit griechischen Textbelegen

Material 1 (Vorschlag B)

Vorbemerkung

Achill hatte dem sterbenden Hektor angekündigt, seinen Leichnam niemals den Eltern zurückzugeben, und den Toten dann auch mehrfach geschändet. Am Schluss der Ilias gelangt Priamos unter göttlichem Geleit in das Zelt des Achill und bittet diesen kniefällig um die Rückgabe von Hektors Leichnam. Dabei erinnert er Achill an dessen eigenen Vater Peleus, um Mitgefühl zu erregen.

Ὣς φάτο, τῷ δ’ ἄρα πατρὸς ὑφ’ ἵμερον ὦρσε γόοιο·

2 ἁψάμενος δ’ ἄρα χειρὸς ἀπώσατο ἦκα γέροντα. […]

καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα·

4 „ἆ δείλ’, ἦ δὴ πολλὰ κάκ’ ἄνσχεο σὸν κατὰ θυμόν.

πῶς ἔτλης ἐπὶ νῆας Ἀχαιῶν ἐλθέμεν οἶος,

6 ἀνδρὸς ἐς ὀφθαλμούς, ὅς τοι πολέας τε καὶ ἐσθλοὺς

υἱέας ἐξενάριξε; σιδήρειόν νύ τοι ἦτορ.

8 ἀλλ’ ἄγε δὴ κατ’ ἄρ’ ἕζευ ἐπὶ θρόνου, ἄλγεα δ’ ἔμπης

ἐν θυμῷ κατακεῖσθαι ἐάσομεν ἀχνύμενοί περ· […]“

10 τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα γέρων Πρίαμος θεοειδής·

„μή πω μ’ ἐς θρόνον ἵζε, διοτρεφές, ὄφρα κεν Ἕκτωρ

12 κεῖται ἐνὶ κλισίῃσιν ἀκηδής, ἀλλὰ τάχιστα

λῦσον, ἵν’ ὀφθαλμοῖσιν ἴδω· σὺ δὲ δέξαι ἄποινα

14 πολλά, τά τοι φέρομεν· σὺ δὲ τῶνδ’ ἀπόναιο, καὶ ἔλθοις

σὴν ἐς πατρίδα γαῖαν, ἐπεί με πρῶτον ἔασας

16 αὐτόν τε ζώειν καὶ ὁρᾶν φάος ἠελίοιο.“

τὸν δ’ ἄρ’ ὑπόδρα ἰδὼν προσέφη πόδας ὠκὺς Ἀχιλλεύς·

18 „μηκέτι νῦν μ’ ἐρέθιζε, γέρον· νοέω δὲ καὶ αὐτὸς

Ἕκτορά τοι λῦσαι, […].

20 τῶ νῦν μή μοι μᾶλλον ἐν ἄλγεσι θυμὸν ὀρίνῃς,

μή σε, γέρον, οὐδ’ αὐτὸν ἐνὶ κλισίῃσιν ἐάσω

22 – καὶ ἱκέτην περ ἐόντα – Διὸς δ’ ἀλίτωμαι ἐφετμάς.“

ὣς ἔφατ’, ἔδεισεν δ’ ὁ γέρων καὶ ἐπείθετο μύθῳ.

(183 Wörter)

Übersetzungshilfen

Vers · Erläuterung

V. 1 · φάτο – Subjekt ist Priamos

τῷ – gemeint ist Achilleus

ὑφ’ […] ὦρσε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ὑπόρνυμι (erregen, erwecken)

ὁ ἵμερος γόοιο m. Gen. – die trauervolle Sehnsucht nach jmdm./etw.

V. 2 · ἅπτομαι m. Gen. – berühren

ἀπώσατο – 3. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀπωθέομαι (von sich wegstoßen, wegschieben)

ἦκα – sanft

V. 4 · ἆ δείλ[ε] – ach, Armer!

ἦ δή – ja, in der Tat

ἄνσχεο – 2. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀνέχομαι (aushalten, ertragen)

V. 5 · ἔτλης – du hast es über dich gebracht

ἐλθέμεν = ἐλθεῖν

V. 6 · τοι = σοι

πολέας = πολλούς

V. 7 · ἐξενάριξε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἐξεναρίζω (töten)

σιδήρειος, -α, -ον – eisern

σιδήρειον – ergänze: ἐστί

τοι – siehe oben V. 6

V. 8 · κατ’ […] ἕζευ – lass dich nieder

ἔμπης – trotzdem (weist auf das konzessive Partizip ἀχνύμενοί περ [V. 9])

V. 9 · κατακεῖσθαι ἐάσομεν – wir wollen ruhen lassen ( d.h. nicht davon sprechen)

V. 11 · ἵζω m. Akk. – jmdn. setzen

ὄφρα – solange

V. 12 · ἡ κλισίη, -ης – das Zelt (κλισίῃσιν ist hier im Singular zu übersetzen)

ἀκηδής, -ές – unversorgt

V. 13 · λῦσον – hier: gib heraus

δέξαι – 2. Sg. Imperativ Aor. Med. von δέχομαι (annehmen)

τὰ ἄποινα, -ων – das Lösegeld

V. 14 · τοι – siehe oben V. 6

ἀπόναιο – 2. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπονίναμαι ( m. Gen.: etw. genießen)

V. 15 · πρῶτον – bereits

ἐάω m. AcI – (zu)lassen, dass

V. 16 · αὐτόν – beziehe αὐτόν auf με (V. 15)

ζώειν = ζῆν

V. 17 · ὑπόδρα – von unten anblickend, finster blickend

V. 18 · ἐρεθίζω – reizen

νοέω – hier: beabsichtigen

V. 19 · τοι – siehe oben V. 6

V. 20 · τῶ – darum

μή […] ὀρίνῃς – errege nicht (Verbot)

V. 21 · μή σε […] οὐδ’ αὐτὸν […] ἐάσω – übersetze frei: damit ich nicht dich selbst töte

ἡ κλισίη, -ης – siehe oben V. 12

V. 22 · ὁ ἱκέτης, -ου – der Schutzflehende

ἀλίτωμαι – 1. Sg. Konj. Aor. Med. von ἀλιταίνω ( m. Akk.: sich gegen etw. vergehen), hier wird der mit μή (V. 21) eingeleitete Finalsatz weitergeführt

ἡ ἐφετμή, -ῆς – der Auftrag

V. 23 · ἔδεισεν – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von δείδω (sich fürchten)

Arbeitsübersetzung (Wolfgang Schadewaldt)

So sprach er und erregte ihm die Lust nach der Klage um den Vater,

und er fasste seine Hand und stieß sanft den Alten von sich. […]

Und er begann und sagte zu ihm die geflügelten Worte:

„Ah, Armer! Ja, schon viel Schlimmes hast du ausgehalten in deinem Mute!

Wie hast du es gewagt, zu den Schiffen der Achaier zu kommen, allein,

unter die Augen des Mannes, der dir viele und edle

Söhne erschlug? Von Eisen muss dir das Herz sein!

Aber komm! Setze dich auf den Stuhl, und die Schmerzen wollen wir gleichwohl

ruhen lassen im Mut, so bekümmert wir auch sind, […].“

Ihm antwortete darauf der greise Priamos, der gottgleiche:

„Setze mich noch nicht auf den Stuhl, Zeusgenährter, solange Hektor

liegt in der Hütte unversorgt, sondern gib ihn mir eiligst

los, dass ich ihn mit den Augen sehe! Und du nimm das Lösegeld,

das viele, das wir dir bringen: Mögest du sie genießen und kommen

in dein väterliches Land, da du mich zuerst verschont hast,

dass ich selber lebe und sehe das Licht der Sonne.“

Da sah ihn von unten herauf an und sagte zu ihm der fußschnelle Achill:

„Reize mich jetzt nicht mehr, Alter! Ich gedenke auch selber,

dir den Hektor loszugeben, […].

Darum errege mir jetzt nicht noch mehr den Mut in Schmerzen!

Dass ich nicht, Alter, auch dich selbst in der Hütte nicht verschone,

bist du auch ein Schutzsuchender, und frevle ich gegen des Zeus Gebote!“

So sprach er. Da fürchtete sich der Greis und gehorchte dem Wort.

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

II Interpretation

2 Geben Sie – gestützt auf griechische Zitate – wieder, wie Achill auf Priamos’ Bittgang reagiert (Material 1 und Arbeitsübersetzung).

(20 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Teil II Aufgabe 3 · Homer: Ilias und Odyssee (Gesellschaft, Götter, Zorn)

Material 1 (Vorschlag B)

Vorbemerkung

Achill hatte dem sterbenden Hektor angekündigt, seinen Leichnam niemals den Eltern zurückzugeben, und den Toten dann auch mehrfach geschändet. Am Schluss der Ilias gelangt Priamos unter göttlichem Geleit in das Zelt des Achill und bittet diesen kniefällig um die Rückgabe von Hektors Leichnam. Dabei erinnert er Achill an dessen eigenen Vater Peleus, um Mitgefühl zu erregen.

Ὣς φάτο, τῷ δ’ ἄρα πατρὸς ὑφ’ ἵμερον ὦρσε γόοιο·

2 ἁψάμενος δ’ ἄρα χειρὸς ἀπώσατο ἦκα γέροντα. […]

καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα·

4 „ἆ δείλ’, ἦ δὴ πολλὰ κάκ’ ἄνσχεο σὸν κατὰ θυμόν.

πῶς ἔτλης ἐπὶ νῆας Ἀχαιῶν ἐλθέμεν οἶος,

6 ἀνδρὸς ἐς ὀφθαλμούς, ὅς τοι πολέας τε καὶ ἐσθλοὺς

υἱέας ἐξενάριξε; σιδήρειόν νύ τοι ἦτορ.

8 ἀλλ’ ἄγε δὴ κατ’ ἄρ’ ἕζευ ἐπὶ θρόνου, ἄλγεα δ’ ἔμπης

ἐν θυμῷ κατακεῖσθαι ἐάσομεν ἀχνύμενοί περ· […]“

10 τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα γέρων Πρίαμος θεοειδής·

„μή πω μ’ ἐς θρόνον ἵζε, διοτρεφές, ὄφρα κεν Ἕκτωρ

12 κεῖται ἐνὶ κλισίῃσιν ἀκηδής, ἀλλὰ τάχιστα

λῦσον, ἵν’ ὀφθαλμοῖσιν ἴδω· σὺ δὲ δέξαι ἄποινα

14 πολλά, τά τοι φέρομεν· σὺ δὲ τῶνδ’ ἀπόναιο, καὶ ἔλθοις

σὴν ἐς πατρίδα γαῖαν, ἐπεί με πρῶτον ἔασας

16 αὐτόν τε ζώειν καὶ ὁρᾶν φάος ἠελίοιο.“

τὸν δ’ ἄρ’ ὑπόδρα ἰδὼν προσέφη πόδας ὠκὺς Ἀχιλλεύς·

18 „μηκέτι νῦν μ’ ἐρέθιζε, γέρον· νοέω δὲ καὶ αὐτὸς

Ἕκτορά τοι λῦσαι, […].

20 τῶ νῦν μή μοι μᾶλλον ἐν ἄλγεσι θυμὸν ὀρίνῃς,

μή σε, γέρον, οὐδ’ αὐτὸν ἐνὶ κλισίῃσιν ἐάσω

22 – καὶ ἱκέτην περ ἐόντα – Διὸς δ’ ἀλίτωμαι ἐφετμάς.“

ὣς ἔφατ’, ἔδεισεν δ’ ὁ γέρων καὶ ἐπείθετο μύθῳ.

(183 Wörter)

Übersetzungshilfen

Vers · Erläuterung

V. 1 · φάτο – Subjekt ist Priamos

τῷ – gemeint ist Achilleus

ὑφ’ […] ὦρσε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ὑπόρνυμι (erregen, erwecken)

ὁ ἵμερος γόοιο m. Gen. – die trauervolle Sehnsucht nach jmdm./etw.

V. 2 · ἅπτομαι m. Gen. – berühren

ἀπώσατο – 3. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀπωθέομαι (von sich wegstoßen, wegschieben)

ἦκα – sanft

V. 4 · ἆ δείλ[ε] – ach, Armer!

ἦ δή – ja, in der Tat

ἄνσχεο – 2. Sg. Ind. Aor. Med. von ἀνέχομαι (aushalten, ertragen)

V. 5 · ἔτλης – du hast es über dich gebracht

ἐλθέμεν = ἐλθεῖν

V. 6 · τοι = σοι

πολέας = πολλούς

V. 7 · ἐξενάριξε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἐξεναρίζω (töten)

σιδήρειος, -α, -ον – eisern

σιδήρειον – ergänze: ἐστί

τοι – siehe oben V. 6

V. 8 · κατ’ […] ἕζευ – lass dich nieder

ἔμπης – trotzdem (weist auf das konzessive Partizip ἀχνύμενοί περ [V. 9])

V. 9 · κατακεῖσθαι ἐάσομεν – wir wollen ruhen lassen ( d.h. nicht davon sprechen)

V. 11 · ἵζω m. Akk. – jmdn. setzen

ὄφρα – solange

V. 12 · ἡ κλισίη, -ης – das Zelt (κλισίῃσιν ist hier im Singular zu übersetzen)

ἀκηδής, -ές – unversorgt

V. 13 · λῦσον – hier: gib heraus

δέξαι – 2. Sg. Imperativ Aor. Med. von δέχομαι (annehmen)

τὰ ἄποινα, -ων – das Lösegeld

V. 14 · τοι – siehe oben V. 6

ἀπόναιο – 2. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπονίναμαι ( m. Gen.: etw. genießen)

V. 15 · πρῶτον – bereits

ἐάω m. AcI – (zu)lassen, dass

V. 16 · αὐτόν – beziehe αὐτόν auf με (V. 15)

ζώειν = ζῆν

V. 17 · ὑπόδρα – von unten anblickend, finster blickend

V. 18 · ἐρεθίζω – reizen

νοέω – hier: beabsichtigen

V. 19 · τοι – siehe oben V. 6

V. 20 · τῶ – darum

μή […] ὀρίνῃς – errege nicht (Verbot)

V. 21 · μή σε […] οὐδ’ αὐτὸν […] ἐάσω – übersetze frei: damit ich nicht dich selbst töte

ἡ κλισίη, -ης – siehe oben V. 12

V. 22 · ὁ ἱκέτης, -ου – der Schutzflehende

ἀλίτωμαι – 1. Sg. Konj. Aor. Med. von ἀλιταίνω ( m. Akk.: sich gegen etw. vergehen), hier wird der mit μή (V. 21) eingeleitete Finalsatz weitergeführt

ἡ ἐφετμή, -ῆς – der Auftrag

V. 23 · ἔδεισεν – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von δείδω (sich fürchten)

Arbeitsübersetzung (Wolfgang Schadewaldt)

So sprach er und erregte ihm die Lust nach der Klage um den Vater,

und er fasste seine Hand und stieß sanft den Alten von sich. […]

Und er begann und sagte zu ihm die geflügelten Worte:

„Ah, Armer! Ja, schon viel Schlimmes hast du ausgehalten in deinem Mute!

Wie hast du es gewagt, zu den Schiffen der Achaier zu kommen, allein,

unter die Augen des Mannes, der dir viele und edle

Söhne erschlug? Von Eisen muss dir das Herz sein!

Aber komm! Setze dich auf den Stuhl, und die Schmerzen wollen wir gleichwohl

ruhen lassen im Mut, so bekümmert wir auch sind, […].“

Ihm antwortete darauf der greise Priamos, der gottgleiche:

„Setze mich noch nicht auf den Stuhl, Zeusgenährter, solange Hektor

liegt in der Hütte unversorgt, sondern gib ihn mir eiligst

los, dass ich ihn mit den Augen sehe! Und du nimm das Lösegeld,

das viele, das wir dir bringen: Mögest du sie genießen und kommen

in dein väterliches Land, da du mich zuerst verschont hast,

dass ich selber lebe und sehe das Licht der Sonne.“

Da sah ihn von unten herauf an und sagte zu ihm der fußschnelle Achill:

„Reize mich jetzt nicht mehr, Alter! Ich gedenke auch selber,

dir den Hektor loszugeben, […].

Darum errege mir jetzt nicht noch mehr den Mut in Schmerzen!

Dass ich nicht, Alter, auch dich selbst in der Hütte nicht verschone,

bist du auch ein Schutzsuchender, und frevle ich gegen des Zeus Gebote!“

So sprach er. Da fürchtete sich der Greis und gehorchte dem Wort.

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

Material 3: Achills Charakter

Vorbemerkung: In einer Buchbesprechung für die Frankfurter Allgemeine Zeitung charakterisiert der Altphilologe Thomas Poiss den homerischen Achill unter anderem wie folgt:

„Achill ist […] ein überempfindlicher Gentleman.“

Thomas Poiss: Ein Gentleman verstrickt sich, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2010.

3 Untersuchen Sie ausgehend von Achills Verhalten im vorliegenden Text, inwiefern seine Charakterisierung durch den Altphilologen Thomas Poiss zutrifft (Material 1 und Arbeitsübersetzung, Material 3, Lektürekenntnisse). (30 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Teil II Aufgabe 4 · Werkübergreifend: Zorn, Rache, Götter und Gerechtigkeit

II Interpretation

4

Diskutieren Sie, inwieweit Aristoteles’ Aussagen zur Entstehung und zu den Auswirkungen von Zorn auf Achill in der Ilias und auf Elektra in Euripides’ gleichnamiger Tragödie zutreffen (Material 4). [30 BE]

Material 4: Zorn und seine Auswirkungen

Vorbemerkung: In seiner Abhandlung Nikomachische Ethik erläutert Aristoteles unter anderem verschiedene Arten und Auswirkungen von Zorn:

1 Wer da zürnt, wo der Anlass und die Personen den Zorn rechtfertigen, wer in der rechten Weise, zur

2 rechten Zeit und die rechte Zeitdauer hindurch zürnt, dessen Verhalten findet Billigung; […] das

3 bedeutet, dass man sich nicht aufregen, von der Leidenschaft sich nicht hinreißen lässt, sondern in der

4 Weise seinem Zorn Raum gibt, wie rechte Vernunft es gebietet, bei dem gegebenen Anlass und die

5 rechte Zeitdauer hindurch. […] Verbittert ist der schwer zu Versöhnende, der lange den Zorn festhält;

6 er verschließt die Erregung in seinem Innern und hört damit erst auf, wenn er Vergeltung geübt hat.

7 Denn geübte Vergeltung beschwichtigt die Erregung, indem sie das Gefühl des Schmerzes durch ein

8 Gefühl der Befriedigung ersetzt. Geschieht das nicht, so wirkt der Druck weiter. Denn da die Erregung

9 nicht offen heraustritt, so kann einem solchen auch keiner gut zureden […]. Diese Art von Menschen

10 ist sich selbst und den vertrautesten Freunden die schwerste Last.

Aristoteles, Nikomachische Ethik, 1125 b 31 – 1126 a 26, Übersetzung nach Adolf Lasson.

Aufgabe Vorschlag C - Teil I · Übersetzung: Platon, Symposion (Prosa)

Material zu Vorschlag C

Vorbemerkung

In seiner Rede berichtet Alkibiades (Ἀλ.) von seiner unerfüllten Liebe zu Sokrates. Nachdem er Sokrates für seine Tapferkeit im Krieg gepriesen hat, kommt er nun auf die Art zu sprechen, wie Sokrates auf seine Gesprächspartner wirkt:

(Ἀλ.) „Τὸ [...] μηδενὶ ἀνθρώπων ὅμοιον εἶναι, μήτε τῶν παλαιῶν μήτε τῶν νῦν

2 ὄντων, τοῦτο ἄξιον παντὸς θαύματος. [...] οὐδ᾽ ἐγγὺς ἂν εὕροι τις ζητῶν, οὔτε

τῶν νῦν οὔτε τῶν παλαιῶν, εἰ μὴ ἄρα εἴ, οἷς ἐγὼ λέγω, ἀπεικάζοι τις αὐτόν,

4 ἀνθρώπων μὲν μηδενί, τοῖς δὲ σιληνοῖς [...], αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους. [...] καὶ οἱ

λόγοι αὐτοῦ ὁμοιότατοί εἰσι τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις. εἰ γὰρ ἐθέλοι τις τῶν

6 Σωκράτους ἀκούειν λόγων, φανεῖεν ἂν πάνυ γελοῖοι τὸ πρῶτον [...]. ὄνους γὰρ

κανθηλίους λέγει καὶ χαλκέας τινὰς καὶ σκυτοτόμους καὶ βυρσοδέψας, καὶ ἀεὶ

8 διὰ τῶν αὐτῶν τὰ αὐτὰ φαίνεται λέγειν, ὥστε ἄπειρος καὶ ἀνόητος ἄνθρωπος

πᾶς ἂν τῶν λόγων καταγελάσειεν. διοιγομένους δὲ ἰδὼν ἄν τις καὶ ἐντὸς αὐτῶν

10 γιγνόμενος πρῶτον μὲν νοῦν ἔχοντας ἔνδον μόνους εὑρήσει τῶν λόγων, ἔπειτα

θειοτάτους καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας καὶ [...] τείνοντας

12 [...] ἐπὶ πᾶν, ὅσον προσήκει σκοπεῖν τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι.

ταῦτ᾽ ἐστίν, ὦ ἄνδρες, ἃ ἐγὼ Σωκράτη ἐπαινῶ· καὶ αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας

14 ὑμῖν εἶπον, ἅ με ὕβρισεν. καὶ μέντοι οὐκ ἐμὲ μόνον ταῦτα πεποίηκεν, ἀλλὰ καὶ

[...] ἄλλους πάνυ πολλούς. [...]“

16 εἰπόντος δὴ ταῦτα τοῦ Ἀλκιβιάδου γέλωτα γενέσθαι ἐπὶ τῇ παρρησίᾳ αὐτοῦ, ὅτι

ἐδόκει ἔτι ἐρωτικῶς ἔχειν τοῦ Σωκράτους.

(190 Wörter)

Übersetzungshilfen

Z. 1

τὸ [...] ὅμοιον εἶναι – der substantivierte Infinitiv ist das Subjekt zu ἄξιόν [ἐστιν]; übersetze: Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, [...]

Z. 2

τοῦτο – dies ( das Pronomen greift den Infinitiv τὸ [...] ὅμοιον εἶναι [Z. 1] auf)

ἄξιον – ergänze: ἐστίν

τὸ θαῦμα, -ατος – die Bewunderung, die Verwunderung

οὐδ᾽ ἐγγύς [τινά] – keinen Ähnlichen

ζητῶν – Nom. Sg. mask. Part. Präs. Akt. von ζητέω (suchen)

Z. 3/4

εἰ μὴ [...] λόγους – ergänze und ordne:

εἰ μὴ ἄρα εἴ τις ἀπεικάζοι αὐτόν –

αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους [αὐτοῦ] –

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω

μηδενί [τῶν] ἀνθρώπων,

τοῖς δὲ σιληνοῖς [...].

εἰ μὴ ἄρα εἰ – es sei denn, dass

ἀπεικάζω m. Akk. u. Dat. – jmdn. mit jmdm. vergleichen

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω – mit denen, die ich erwähnt habe ( Alkibiades hatte Sokrates zuvor mit kleinen geschnitzten Silenfiguren verglichen, die man aufklappen konnte und die in ihrem Inneren das Abbild einer Gottheit enthielten)

ὁ σιληνός, -οῦ – der Silen ( Silene gehörten zum Gefolge des Dionysos. Trotz ihres wilden Aussehens mit Pferde- oder Esalsohren schrieb man ihnen Weisheit zu; in der Mythologie waren sie Erzieher und Lehrer)

Z. 5

τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις – den Silenen, die man öffnet/aufklappt ( vgl. die Erklärung zu Z. 3)

Z. 6

φάνειεν ἄν [...] – sie [die Worte] könnten/dürften/werden wohl [...] erscheinen

τὸ πρῶτον Adv. – zunächst

ὁ ὄνος κανθήλιος – der Lastesel

Z. 7

ὁ χαλκεύς, -έως – der Schmied

ὁ σκυτοτόμος, -ου – der Schuster

ὁ βυρσοδέψης, -ου – der Gerber

Z. 9

καταγελάω m. Gen. – etw. verlachen, verspotten

ἰδὼν ἄν τις [τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους – wenn einer sieht, wie die Worte des Sokrates geöffnet/verständlich werden

Z. 9–12

διοιγομένους [...] ἔσεσθαι – ordne und ergänze:

ἰδὼν ἄν τις

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους

καὶ ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος

εὑρήσει

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους]

πρῶτον μὲν μόνους τῶν λόγων νοῦν ἔχοντας ἔνδον,

ἔπειτα θειοτάτους [ὄντας]

καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας

καὶ ἐπὶ πᾶν τείνοντας,

ὅσον τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι προσήκει σκοπεῖν.

Z. 9/10

ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος – wenn er in ihr Inneres vordringt

Z. 10

εὑρήσει – 3. Sg. Ind. Fut. Akt. von εὑρίσκω ( m. AcP: finden/erkennen, dass)

μόνους [...] λόγων – als einzige von den Reden

νοῦν ἔχω – Verstand haben, einen vernünftigen Sinn haben

Z. 11

πλεῖστα ἀγάλματ[α] – unzählige Abbilder

ἐν αὑτῷ ἔχω – in sich selbst haben, in sich selbst enthalten

τείνω ἐπί m. Akk. – sich auf etw. richten

Z. 12

πᾶν, ὅσον – alles, was

προσήκει σκοπεῖν m. Dat. – es gehört sich für jmdn. zu beachten, jmd. sollte beachten

ὁ μέλλων [...] ἔσεσθαι – derjenige, der [...] sein will

Z. 13

ἐπαινέω m. dopp. Akk. – etw. an jmdm. loben

αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας – ergänze/ordne: αὖ συμμείξας [ταῦτα], ἃ μέμφομαι

συμμείξας – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von συμμείγνυμι (beimischen)

[ταῦτα], ἃ μέμφομαι – Objekt zu συμμείξας

Σωκράτη = Σωκράτην

Z. 14

ὑβρίζω m. dopp. Akk. – jmdn. mit etw. kränken, verletzen

ποιέω m. dopp. Akk. – jmdm. etw. antun

Z. 16

γέλωτα γενέσθαι – AcI der indirekten Rede, weil ja Apollodoros über die Geschehnisse des Symposions berichtet

ὁ γέλως, -ωτος – das Gelächter

ἡ παρρησία, -ας – die Offenherzigkeit

Z. 17

ἐρωτικῶς ἔχειν m. Gen. – in jmdn. verliebt sein

Arbeitsübersetzung

(Al.) „Dass er [...] keinem Menschen ähnlich ist, weder einem von den ehemals noch einem von den heute Lebenden, das ist jeder Bewunderung wert! [...] Auch wenn man sucht, dürfte man keinen Ähnlichen finden, weder unter den Heutigen noch unter den Alten, es sei denn, dass man ihn mit den von mir Erwähnten vergleichen wollte, mit keinem unter den Menschen, sondern mit den Silenen [...], ihn und seine Reden.

[...] Auch seine Reden sind den Silenen, die man öffnet, äußerst ähnlich. Denn wenn einer des Sokrates Reden anhören wollte, so dürften sie ihm anfangs ganz lächerlich vorkommen. [...] Denn er spricht von Lasteseln, von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern und scheint immerfort auf dieselbe Art dasselbe zu sagen, so dass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über seine Reden spotten dürfte. Wenn sie aber einer geöffnet sieht und in ihr Inneres vordringt, so wird er wohl zuerst herausfinden, dass sie als einzige von den Reden innerlich Verstand haben, und dann, dass sie ganz göttlich sind und unzählige Abbilder der Tugend in sich enthalten und [...] auf alles gerichtet sind, was sich für den, der gut und edel sein will, zu beachten gehört.

Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe, und wiederum auch habe ich mit eingemischt, was ich tadle, und euch gesagt, womit er mich gekränkt hat. Und dieses hat er freilich nicht mir allein angetan, sondern auch [...] ganz vielen anderen. [...]“

Nachdem Alkibiades dieses also gesagt hatte, sei ein Gelächter entstanden über seine Offenherzigkeit, weil er noch immer in Sokrates verliebt zu sein schien.

Übersetzung unveröffentlicht.

I Übersetzen

Übersetzen Sie den Text (Material) in angemessenes Deutsch.

Aufgabe Vorschlag C - Teil II Aufgabe 1 · Inhaltswiedergabe mit griechischen Textbelegen

Material zu Vorschlag C

Vorbemerkung

In seiner Rede berichtet Alkibiades (Ἀλ.) von seiner unerfüllten Liebe zu Sokrates. Nachdem er Sokrates für seine Tapferkeit im Krieg gepriesen hat, kommt er nun auf die Art zu sprechen, wie Sokrates auf seine Gesprächspartner wirkt:

(Ἀλ.) „Τὸ [...] μηδενὶ ἀνθρώπων ὅμοιον εἶναι, μήτε τῶν παλαιῶν μήτε τῶν νῦν

2 ὄντων, τοῦτο ἄξιον παντὸς θαύματος. [...] οὐδ᾽ ἐγγὺς ἂν εὕροι τις ζητῶν, οὔτε

τῶν νῦν οὔτε τῶν παλαιῶν, εἰ μὴ ἄρα εἴ, οἷς ἐγὼ λέγω, ἀπεικάζοι τις αὐτόν,

4 ἀνθρώπων μὲν μηδενί, τοῖς δὲ σιληνοῖς [...], αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους. [...] καὶ οἱ

λόγοι αὐτοῦ ὁμοιότατοί εἰσι τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις. εἰ γὰρ ἐθέλοι τις τῶν

6 Σωκράτους ἀκούειν λόγων, φανεῖεν ἂν πάνυ γελοῖοι τὸ πρῶτον [...]. ὄνους γὰρ

κανθηλίους λέγει καὶ χαλκέας τινὰς καὶ σκυτοτόμους καὶ βυρσοδέψας, καὶ ἀεὶ

8 διὰ τῶν αὐτῶν τὰ αὐτὰ φαίνεται λέγειν, ὥστε ἄπειρος καὶ ἀνόητος ἄνθρωπος

πᾶς ἂν τῶν λόγων καταγελάσειεν. διοιγομένους δὲ ἰδὼν ἄν τις καὶ ἐντὸς αὐτῶν

10 γιγνόμενος πρῶτον μὲν νοῦν ἔχοντας ἔνδον μόνους εὑρήσει τῶν λόγων, ἔπειτα

θειοτάτους καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας καὶ [...] τείνοντας

12 [...] ἐπὶ πᾶν, ὅσον προσήκει σκοπεῖν τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι.

ταῦτ᾽ ἐστίν, ὦ ἄνδρες, ἃ ἐγὼ Σωκράτη ἐπαινῶ· καὶ αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας

14 ὑμῖν εἶπον, ἅ με ὕβρισεν. καὶ μέντοι οὐκ ἐμὲ μόνον ταῦτα πεποίηκεν, ἀλλὰ καὶ

[...] ἄλλους πάνυ πολλούς. [...]“

16 εἰπόντος δὴ ταῦτα τοῦ Ἀλκιβιάδου γέλωτα γενέσθαι ἐπὶ τῇ παρρησίᾳ αὐτοῦ, ὅτι

ἐδόκει ἔτι ἐρωτικῶς ἔχειν τοῦ Σωκράτους.

(190 Wörter)

Übersetzungshilfen

Z. 1

τὸ [...] ὅμοιον εἶναι – der substantivierte Infinitiv ist das Subjekt zu ἄξιόν [ἐστιν]; übersetze: Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, [...]

Z. 2

τοῦτο – dies ( das Pronomen greift den Infinitiv τὸ [...] ὅμοιον εἶναι [Z. 1] auf)

ἄξιον – ergänze: ἐστίν

τὸ θαῦμα, -ατος – die Bewunderung, die Verwunderung

οὐδ᾽ ἐγγύς [τινά] – keinen Ähnlichen

ζητῶν – Nom. Sg. mask. Part. Präs. Akt. von ζητέω (suchen)

Z. 3/4

εἰ μὴ [...] λόγους – ergänze und ordne:

εἰ μὴ ἄρα εἴ τις ἀπεικάζοι αὐτόν –

αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους [αὐτοῦ] –

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω

μηδενί [τῶν] ἀνθρώπων,

τοῖς δὲ σιληνοῖς [...].

εἰ μὴ ἄρα εἰ – es sei denn, dass

ἀπεικάζω m. Akk. u. Dat. – jmdn. mit jmdm. vergleichen

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω – mit denen, die ich erwähnt habe ( Alkibiades hatte Sokrates zuvor mit kleinen geschnitzten Silenfiguren verglichen, die man aufklappen konnte und die in ihrem Inneren das Abbild einer Gottheit enthielten)

ὁ σιληνός, -οῦ – der Silen ( Silene gehörten zum Gefolge des Dionysos. Trotz ihres wilden Aussehens mit Pferde- oder Esalsohren schrieb man ihnen Weisheit zu; in der Mythologie waren sie Erzieher und Lehrer)

Z. 5

τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις – den Silenen, die man öffnet/aufklappt ( vgl. die Erklärung zu Z. 3)

Z. 6

φάνειεν ἄν [...] – sie [die Worte] könnten/dürften/werden wohl [...] erscheinen

τὸ πρῶτον Adv. – zunächst

ὁ ὄνος κανθήλιος – der Lastesel

Z. 7

ὁ χαλκεύς, -έως – der Schmied

ὁ σκυτοτόμος, -ου – der Schuster

ὁ βυρσοδέψης, -ου – der Gerber

Z. 9

καταγελάω m. Gen. – etw. verlachen, verspotten

ἰδὼν ἄν τις [τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους – wenn einer sieht, wie die Worte des Sokrates geöffnet/verständlich werden

Z. 9–12

διοιγομένους [...] ἔσεσθαι – ordne und ergänze:

ἰδὼν ἄν τις

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους

καὶ ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος

εὑρήσει

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους]

πρῶτον μὲν μόνους τῶν λόγων νοῦν ἔχοντας ἔνδον,

ἔπειτα θειοτάτους [ὄντας]

καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας

καὶ ἐπὶ πᾶν τείνοντας,

ὅσον τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι προσήκει σκοπεῖν.

Z. 9/10

ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος – wenn er in ihr Inneres vordringt

Z. 10

εὑρήσει – 3. Sg. Ind. Fut. Akt. von εὑρίσκω ( m. AcP: finden/erkennen, dass)

μόνους [...] λόγων – als einzige von den Reden

νοῦν ἔχω – Verstand haben, einen vernünftigen Sinn haben

Z. 11

πλεῖστα ἀγάλματ[α] – unzählige Abbilder

ἐν αὑτῷ ἔχω – in sich selbst haben, in sich selbst enthalten

τείνω ἐπί m. Akk. – sich auf etw. richten

Z. 12

πᾶν, ὅσον – alles, was

προσήκει σκοπεῖν m. Dat. – es gehört sich für jmdn. zu beachten, jmd. sollte beachten

ὁ μέλλων [...] ἔσεσθαι – derjenige, der [...] sein will

Z. 13

ἐπαινέω m. dopp. Akk. – etw. an jmdm. loben

αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας – ergänze/ordne: αὖ συμμείξας [ταῦτα], ἃ μέμφομαι

συμμείξας – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von συμμείγνυμι (beimischen)

[ταῦτα], ἃ μέμφομαι – Objekt zu συμμείξας

Σωκράτη = Σωκράτην

Z. 14

ὑβρίζω m. dopp. Akk. – jmdn. mit etw. kränken, verletzen

ποιέω m. dopp. Akk. – jmdm. etw. antun

Z. 16

γέλωτα γενέσθαι – AcI der indirekten Rede, weil ja Apollodoros über die Geschehnisse des Symposions berichtet

ὁ γέλως, -ωτος – das Gelächter

ἡ παρρησία, -ας – die Offenherzigkeit

Z. 17

ἐρωτικῶς ἔχειν m. Gen. – in jmdn. verliebt sein

Arbeitsübersetzung

(Al.) „Dass er [...] keinem Menschen ähnlich ist, weder einem von den ehemals noch einem von den heute Lebenden, das ist jeder Bewunderung wert! [...] Auch wenn man sucht, dürfte man keinen Ähnlichen finden, weder unter den Heutigen noch unter den Alten, es sei denn, dass man ihn mit den von mir Erwähnten vergleichen wollte, mit keinem unter den Menschen, sondern mit den Silenen [...], ihn und seine Reden.

[...] Auch seine Reden sind den Silenen, die man öffnet, äußerst ähnlich. Denn wenn einer des Sokrates Reden anhören wollte, so dürften sie ihm anfangs ganz lächerlich vorkommen. [...] Denn er spricht von Lasteseln, von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern und scheint immerfort auf dieselbe Art dasselbe zu sagen, so dass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über seine Reden spotten dürfte. Wenn sie aber einer geöffnet sieht und in ihr Inneres vordringt, so wird er wohl zuerst herausfinden, dass sie als einzige von den Reden innerlich Verstand haben, und dann, dass sie ganz göttlich sind und unzählige Abbilder der Tugend in sich enthalten und [...] auf alles gerichtet sind, was sich für den, der gut und edel sein will, zu beachten gehört.

Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe, und wiederum auch habe ich mit eingemischt, was ich tadle, und euch gesagt, womit er mich gekränkt hat. Und dieses hat er freilich nicht mir allein angetan, sondern auch [...] ganz vielen anderen. [...]“

Nachdem Alkibiades dieses also gesagt hatte, sei ein Gelächter entstanden über seine Offenherzigkeit, weil er noch immer in Sokrates verliebt zu sein schien.

Übersetzung unveröffentlicht.

II Interpretation

1

Geben Sie die wesentlichen Aussagen des Alkibiades über Sokrates unter Verwendung von griechischen Textbelegen wieder (Material und Arbeitsübersetzung).

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Teil II Aufgabe 2 · Platon, Symposion: Eros, Seele und Tugend

Material zu Vorschlag C

Vorbemerkung

In seiner Rede berichtet Alkibiades (Ἀλ.) von seiner unerfüllten Liebe zu Sokrates. Nachdem er Sokrates für seine Tapferkeit im Krieg gepriesen hat, kommt er nun auf die Art zu sprechen, wie Sokrates auf seine Gesprächspartner wirkt:

(Ἀλ.) „Τὸ [...] μηδενὶ ἀνθρώπων ὅμοιον εἶναι, μήτε τῶν παλαιῶν μήτε τῶν νῦν

2 ὄντων, τοῦτο ἄξιον παντὸς θαύματος. [...] οὐδ᾽ ἐγγὺς ἂν εὕροι τις ζητῶν, οὔτε

τῶν νῦν οὔτε τῶν παλαιῶν, εἰ μὴ ἄρα εἴ, οἷς ἐγὼ λέγω, ἀπεικάζοι τις αὐτόν,

4 ἀνθρώπων μὲν μηδενί, τοῖς δὲ σιληνοῖς [...], αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους. [...] καὶ οἱ

λόγοι αὐτοῦ ὁμοιότατοί εἰσι τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις. εἰ γὰρ ἐθέλοι τις τῶν

6 Σωκράτους ἀκούειν λόγων, φανεῖεν ἂν πάνυ γελοῖοι τὸ πρῶτον [...]. ὄνους γὰρ

κανθηλίους λέγει καὶ χαλκέας τινὰς καὶ σκυτοτόμους καὶ βυρσοδέψας, καὶ ἀεὶ

8 διὰ τῶν αὐτῶν τὰ αὐτὰ φαίνεται λέγειν, ὥστε ἄπειρος καὶ ἀνόητος ἄνθρωπος

πᾶς ἂν τῶν λόγων καταγελάσειεν. διοιγομένους δὲ ἰδὼν ἄν τις καὶ ἐντὸς αὐτῶν

10 γιγνόμενος πρῶτον μὲν νοῦν ἔχοντας ἔνδον μόνους εὑρήσει τῶν λόγων, ἔπειτα

θειοτάτους καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας καὶ [...] τείνοντας

12 [...] ἐπὶ πᾶν, ὅσον προσήκει σκοπεῖν τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι.

ταῦτ᾽ ἐστίν, ὦ ἄνδρες, ἃ ἐγὼ Σωκράτη ἐπαινῶ· καὶ αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας

14 ὑμῖν εἶπον, ἅ με ὕβρισεν. καὶ μέντοι οὐκ ἐμὲ μόνον ταῦτα πεποίηκεν, ἀλλὰ καὶ

[...] ἄλλους πάνυ πολλούς. [...]“

16 εἰπόντος δὴ ταῦτα τοῦ Ἀλκιβιάδου γέλωτα γενέσθαι ἐπὶ τῇ παρρησίᾳ αὐτοῦ, ὅτι

ἐδόκει ἔτι ἐρωτικῶς ἔχειν τοῦ Σωκράτους.

(190 Wörter)

Übersetzungshilfen

Z. 1

τὸ [...] ὅμοιον εἶναι – der substantivierte Infinitiv ist das Subjekt zu ἄξιόν [ἐστιν]; übersetze: Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, [...]

Z. 2

τοῦτο – dies ( das Pronomen greift den Infinitiv τὸ [...] ὅμοιον εἶναι [Z. 1] auf)

ἄξιον – ergänze: ἐστίν

τὸ θαῦμα, -ατος – die Bewunderung, die Verwunderung

οὐδ᾽ ἐγγύς [τινά] – keinen Ähnlichen

ζητῶν – Nom. Sg. mask. Part. Präs. Akt. von ζητέω (suchen)

Z. 3/4

εἰ μὴ [...] λόγους – ergänze und ordne:

εἰ μὴ ἄρα εἴ τις ἀπεικάζοι αὐτόν –

αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους [αὐτοῦ] –

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω

μηδενί [τῶν] ἀνθρώπων,

τοῖς δὲ σιληνοῖς [...].

εἰ μὴ ἄρα εἰ – es sei denn, dass

ἀπεικάζω m. Akk. u. Dat. – jmdn. mit jmdm. vergleichen

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω – mit denen, die ich erwähnt habe ( Alkibiades hatte Sokrates zuvor mit kleinen geschnitzten Silenfiguren verglichen, die man aufklappen konnte und die in ihrem Inneren das Abbild einer Gottheit enthielten)

ὁ σιληνός, -οῦ – der Silen ( Silene gehörten zum Gefolge des Dionysos. Trotz ihres wilden Aussehens mit Pferde- oder Esalsohren schrieb man ihnen Weisheit zu; in der Mythologie waren sie Erzieher und Lehrer)

Z. 5

τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις – den Silenen, die man öffnet/aufklappt ( vgl. die Erklärung zu Z. 3)

Z. 6

φάνειεν ἄν [...] – sie [die Worte] könnten/dürften/werden wohl [...] erscheinen

τὸ πρῶτον Adv. – zunächst

ὁ ὄνος κανθήλιος – der Lastesel

Z. 7

ὁ χαλκεύς, -έως – der Schmied

ὁ σκυτοτόμος, -ου – der Schuster

ὁ βυρσοδέψης, -ου – der Gerber

Z. 9

καταγελάω m. Gen. – etw. verlachen, verspotten

ἰδὼν ἄν τις [τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους – wenn einer sieht, wie die Worte des Sokrates geöffnet/verständlich werden

Z. 9–12

διοιγομένους [...] ἔσεσθαι – ordne und ergänze:

ἰδὼν ἄν τις

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους

καὶ ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος

εὑρήσει

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους]

πρῶτον μὲν μόνους τῶν λόγων νοῦν ἔχοντας ἔνδον,

ἔπειτα θειοτάτους [ὄντας]

καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας

καὶ ἐπὶ πᾶν τείνοντας,

ὅσον τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι προσήκει σκοπεῖν.

Z. 9/10

ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος – wenn er in ihr Inneres vordringt

Z. 10

εὑρήσει – 3. Sg. Ind. Fut. Akt. von εὑρίσκω ( m. AcP: finden/erkennen, dass)

μόνους [...] λόγων – als einzige von den Reden

νοῦν ἔχω – Verstand haben, einen vernünftigen Sinn haben

Z. 11

πλεῖστα ἀγάλματ[α] – unzählige Abbilder

ἐν αὑτῷ ἔχω – in sich selbst haben, in sich selbst enthalten

τείνω ἐπί m. Akk. – sich auf etw. richten

Z. 12

πᾶν, ὅσον – alles, was

προσήκει σκοπεῖν m. Dat. – es gehört sich für jmdn. zu beachten, jmd. sollte beachten

ὁ μέλλων [...] ἔσεσθαι – derjenige, der [...] sein will

Z. 13

ἐπαινέω m. dopp. Akk. – etw. an jmdm. loben

αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας – ergänze/ordne: αὖ συμμείξας [ταῦτα], ἃ μέμφομαι

συμμείξας – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von συμμείγνυμι (beimischen)

[ταῦτα], ἃ μέμφομαι – Objekt zu συμμείξας

Σωκράτη = Σωκράτην

Z. 14

ὑβρίζω m. dopp. Akk. – jmdn. mit etw. kränken, verletzen

ποιέω m. dopp. Akk. – jmdm. etw. antun

Z. 16

γέλωτα γενέσθαι – AcI der indirekten Rede, weil ja Apollodoros über die Geschehnisse des Symposions berichtet

ὁ γέλως, -ωτος – das Gelächter

ἡ παρρησία, -ας – die Offenherzigkeit

Z. 17

ἐρωτικῶς ἔχειν m. Gen. – in jmdn. verliebt sein

Arbeitsübersetzung

(Al.) „Dass er [...] keinem Menschen ähnlich ist, weder einem von den ehemals noch einem von den heute Lebenden, das ist jeder Bewunderung wert! [...] Auch wenn man sucht, dürfte man keinen Ähnlichen finden, weder unter den Heutigen noch unter den Alten, es sei denn, dass man ihn mit den von mir Erwähnten vergleichen wollte, mit keinem unter den Menschen, sondern mit den Silenen [...], ihn und seine Reden.

[...] Auch seine Reden sind den Silenen, die man öffnet, äußerst ähnlich. Denn wenn einer des Sokrates Reden anhören wollte, so dürften sie ihm anfangs ganz lächerlich vorkommen. [...] Denn er spricht von Lasteseln, von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern und scheint immerfort auf dieselbe Art dasselbe zu sagen, so dass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über seine Reden spotten dürfte. Wenn sie aber einer geöffnet sieht und in ihr Inneres vordringt, so wird er wohl zuerst herausfinden, dass sie als einzige von den Reden innerlich Verstand haben, und dann, dass sie ganz göttlich sind und unzählige Abbilder der Tugend in sich enthalten und [...] auf alles gerichtet sind, was sich für den, der gut und edel sein will, zu beachten gehört.

Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe, und wiederum auch habe ich mit eingemischt, was ich tadle, und euch gesagt, womit er mich gekränkt hat. Und dieses hat er freilich nicht mir allein angetan, sondern auch [...] ganz vielen anderen. [...]“

Nachdem Alkibiades dieses also gesagt hatte, sei ein Gelächter entstanden über seine Offenherzigkeit, weil er noch immer in Sokrates verliebt zu sein schien.

Übersetzung unveröffentlicht.

II Interpretation

2

Erläutern Sie Alkibiades' Gefühle für Sokrates vor dem Hintergrund von Diotimas Eros-Lehre vom Aufstieg der Seele zur Erkenntnis des Schönen (Material und Arbeitsübersetzung, Lektürekenntnisse).

(20 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Teil II Aufgabe 3 · Werkübergreifend: Zorn, Rache, Götter und Gerechtigkeit

Material zu Vorschlag C

Vorbemerkung

In seiner Rede berichtet Alkibiades (Ἀλ.) von seiner unerfüllten Liebe zu Sokrates. Nachdem er Sokrates für seine Tapferkeit im Krieg gepriesen hat, kommt er nun auf die Art zu sprechen, wie Sokrates auf seine Gesprächspartner wirkt:

(Ἀλ.) „Τὸ [...] μηδενὶ ἀνθρώπων ὅμοιον εἶναι, μήτε τῶν παλαιῶν μήτε τῶν νῦν

2 ὄντων, τοῦτο ἄξιον παντὸς θαύματος. [...] οὐδ᾽ ἐγγὺς ἂν εὕροι τις ζητῶν, οὔτε

τῶν νῦν οὔτε τῶν παλαιῶν, εἰ μὴ ἄρα εἴ, οἷς ἐγὼ λέγω, ἀπεικάζοι τις αὐτόν,

4 ἀνθρώπων μὲν μηδενί, τοῖς δὲ σιληνοῖς [...], αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους. [...] καὶ οἱ

λόγοι αὐτοῦ ὁμοιότατοί εἰσι τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις. εἰ γὰρ ἐθέλοι τις τῶν

6 Σωκράτους ἀκούειν λόγων, φανεῖεν ἂν πάνυ γελοῖοι τὸ πρῶτον [...]. ὄνους γὰρ

κανθηλίους λέγει καὶ χαλκέας τινὰς καὶ σκυτοτόμους καὶ βυρσοδέψας, καὶ ἀεὶ

8 διὰ τῶν αὐτῶν τὰ αὐτὰ φαίνεται λέγειν, ὥστε ἄπειρος καὶ ἀνόητος ἄνθρωπος

πᾶς ἂν τῶν λόγων καταγελάσειεν. διοιγομένους δὲ ἰδὼν ἄν τις καὶ ἐντὸς αὐτῶν

10 γιγνόμενος πρῶτον μὲν νοῦν ἔχοντας ἔνδον μόνους εὑρήσει τῶν λόγων, ἔπειτα

θειοτάτους καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας καὶ [...] τείνοντας

12 [...] ἐπὶ πᾶν, ὅσον προσήκει σκοπεῖν τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι.

ταῦτ᾽ ἐστίν, ὦ ἄνδρες, ἃ ἐγὼ Σωκράτη ἐπαινῶ· καὶ αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας

14 ὑμῖν εἶπον, ἅ με ὕβρισεν. καὶ μέντοι οὐκ ἐμὲ μόνον ταῦτα πεποίηκεν, ἀλλὰ καὶ

[...] ἄλλους πάνυ πολλούς. [...]“

16 εἰπόντος δὴ ταῦτα τοῦ Ἀλκιβιάδου γέλωτα γενέσθαι ἐπὶ τῇ παρρησίᾳ αὐτοῦ, ὅτι

ἐδόκει ἔτι ἐρωτικῶς ἔχειν τοῦ Σωκράτους.

(190 Wörter)

Übersetzungshilfen

Z. 1

τὸ [...] ὅμοιον εἶναι – der substantivierte Infinitiv ist das Subjekt zu ἄξιόν [ἐστιν]; übersetze: Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, [...]

Z. 2

τοῦτο – dies ( das Pronomen greift den Infinitiv τὸ [...] ὅμοιον εἶναι [Z. 1] auf)

ἄξιον – ergänze: ἐστίν

τὸ θαῦμα, -ατος – die Bewunderung, die Verwunderung

οὐδ᾽ ἐγγύς [τινά] – keinen Ähnlichen

ζητῶν – Nom. Sg. mask. Part. Präs. Akt. von ζητέω (suchen)

Z. 3/4

εἰ μὴ [...] λόγους – ergänze und ordne:

εἰ μὴ ἄρα εἴ τις ἀπεικάζοι αὐτόν –

αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους [αὐτοῦ] –

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω

μηδενί [τῶν] ἀνθρώπων,

τοῖς δὲ σιληνοῖς [...].

εἰ μὴ ἄρα εἰ – es sei denn, dass

ἀπεικάζω m. Akk. u. Dat. – jmdn. mit jmdm. vergleichen

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω – mit denen, die ich erwähnt habe ( Alkibiades hatte Sokrates zuvor mit kleinen geschnitzten Silenfiguren verglichen, die man aufklappen konnte und die in ihrem Inneren das Abbild einer Gottheit enthielten)

ὁ σιληνός, -οῦ – der Silen ( Silene gehörten zum Gefolge des Dionysos. Trotz ihres wilden Aussehens mit Pferde- oder Esalsohren schrieb man ihnen Weisheit zu; in der Mythologie waren sie Erzieher und Lehrer)

Z. 5

τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις – den Silenen, die man öffnet/aufklappt ( vgl. die Erklärung zu Z. 3)

Z. 6

φάνειεν ἄν [...] – sie [die Worte] könnten/dürften/werden wohl [...] erscheinen

τὸ πρῶτον Adv. – zunächst

ὁ ὄνος κανθήλιος – der Lastesel

Z. 7

ὁ χαλκεύς, -έως – der Schmied

ὁ σκυτοτόμος, -ου – der Schuster

ὁ βυρσοδέψης, -ου – der Gerber

Z. 9

καταγελάω m. Gen. – etw. verlachen, verspotten

ἰδὼν ἄν τις [τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους – wenn einer sieht, wie die Worte des Sokrates geöffnet/verständlich werden

Z. 9–12

διοιγομένους [...] ἔσεσθαι – ordne und ergänze:

ἰδὼν ἄν τις

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους

καὶ ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος

εὑρήσει

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους]

πρῶτον μὲν μόνους τῶν λόγων νοῦν ἔχοντας ἔνδον,

ἔπειτα θειοτάτους [ὄντας]

καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας

καὶ ἐπὶ πᾶν τείνοντας,

ὅσον τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι προσήκει σκοπεῖν.

Z. 9/10

ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος – wenn er in ihr Inneres vordringt

Z. 10

εὑρήσει – 3. Sg. Ind. Fut. Akt. von εὑρίσκω ( m. AcP: finden/erkennen, dass)

μόνους [...] λόγων – als einzige von den Reden

νοῦν ἔχω – Verstand haben, einen vernünftigen Sinn haben

Z. 11

πλεῖστα ἀγάλματ[α] – unzählige Abbilder

ἐν αὑτῷ ἔχω – in sich selbst haben, in sich selbst enthalten

τείνω ἐπί m. Akk. – sich auf etw. richten

Z. 12

πᾶν, ὅσον – alles, was

προσήκει σκοπεῖν m. Dat. – es gehört sich für jmdn. zu beachten, jmd. sollte beachten

ὁ μέλλων [...] ἔσεσθαι – derjenige, der [...] sein will

Z. 13

ἐπαινέω m. dopp. Akk. – etw. an jmdm. loben

αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας – ergänze/ordne: αὖ συμμείξας [ταῦτα], ἃ μέμφομαι

συμμείξας – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von συμμείγνυμι (beimischen)

[ταῦτα], ἃ μέμφομαι – Objekt zu συμμείξας

Σωκράτη = Σωκράτην

Z. 14

ὑβρίζω m. dopp. Akk. – jmdn. mit etw. kränken, verletzen

ποιέω m. dopp. Akk. – jmdm. etw. antun

Z. 16

γέλωτα γενέσθαι – AcI der indirekten Rede, weil ja Apollodoros über die Geschehnisse des Symposions berichtet

ὁ γέλως, -ωτος – das Gelächter

ἡ παρρησία, -ας – die Offenherzigkeit

Z. 17

ἐρωτικῶς ἔχειν m. Gen. – in jmdn. verliebt sein

Arbeitsübersetzung

(Al.) „Dass er [...] keinem Menschen ähnlich ist, weder einem von den ehemals noch einem von den heute Lebenden, das ist jeder Bewunderung wert! [...] Auch wenn man sucht, dürfte man keinen Ähnlichen finden, weder unter den Heutigen noch unter den Alten, es sei denn, dass man ihn mit den von mir Erwähnten vergleichen wollte, mit keinem unter den Menschen, sondern mit den Silenen [...], ihn und seine Reden.

[...] Auch seine Reden sind den Silenen, die man öffnet, äußerst ähnlich. Denn wenn einer des Sokrates Reden anhören wollte, so dürften sie ihm anfangs ganz lächerlich vorkommen. [...] Denn er spricht von Lasteseln, von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern und scheint immerfort auf dieselbe Art dasselbe zu sagen, so dass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über seine Reden spotten dürfte. Wenn sie aber einer geöffnet sieht und in ihr Inneres vordringt, so wird er wohl zuerst herausfinden, dass sie als einzige von den Reden innerlich Verstand haben, und dann, dass sie ganz göttlich sind und unzählige Abbilder der Tugend in sich enthalten und [...] auf alles gerichtet sind, was sich für den, der gut und edel sein will, zu beachten gehört.

Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe, und wiederum auch habe ich mit eingemischt, was ich tadle, und euch gesagt, womit er mich gekränkt hat. Und dieses hat er freilich nicht mir allein angetan, sondern auch [...] ganz vielen anderen. [...]“

Nachdem Alkibiades dieses also gesagt hatte, sei ein Gelächter entstanden über seine Offenherzigkeit, weil er noch immer in Sokrates verliebt zu sein schien.

Übersetzung unveröffentlicht.

II Interpretation

3

Arbeiten Sie heraus, inwieweit durch Alkibiades' Wertschätzung des Sokrates in Platons Symposion und durch Orests Hochachtung vor dem Bauern in Euripides' Elektra der Gegensatz von Schein und Sein thematisiert wird (Material 1 und Arbeitsübersetzung, Lektürekenntnisse).

(20 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Teil II Aufgabe 4 · Platon, Symposion: Eros, Seele und Tugend

II Interpretation

4

Diskutieren Sie, ob Diotimas Eros-Lehre einen hilfreichen Leitfaden zu einer glücklichen Liebesbeziehung bietet.

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Teil I · Übersetzung: Homer (epischer Hexameter)

Material 1

Vorbemerkung

In dem folgenden Text aus der Odyssee beantwortet Zeus die Frage nach dem Ursprung menschlichen Leidens unter Bezug auf das Denken und Handeln Aigisths:

[...] Οἱ δὲ δὴ ἄλλοι

2 Ζηνὸς ἐνὶ μεγάροισιν Ὀλυμπίου ἁθρόοι ἦσαν.

τοῖσι δὲ μύθων ἦρχε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε·

4 μνήσατο γὰρ κατὰ θυμὸν ἀμύμονος Αἰγίσθοιο,

τόν ῥ’ Ἀγαμεμνονίδης τηλεκλυτὸς ἔκταν’ Ὀρέστης·

6 τοῦ ὅ γ’ ἐπιμνησθεὶς ἔπε’ ἀθανάτοισι μετηύδα·

„ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.

8 ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ’ ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ

σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε’ ἔχουσιν,

10 ὡς καὶ νῦν Αἴγισθος ὑπὲρ μόρον Ἀτρεΐδαο

γῆμ’ ἄλοχον μνηστήν, τὸν δ’ ἔκτανε νοστήσαντα,

12 εἰδὼς αἰπὺν ὄλεθρον, ἐπεὶ πρό οἱ εἴπομεν ἡμεῖς,

Ἑρμείαν πέμψαντες, ἐύσκοπον Ἀργεϊφόντην,

14 μήτ’ αὐτὸν κτείνειν μήτε μνάασθαι ἄκοιτιν·

ἐκ γὰρ Ὀρέσταο τίσις ἔσσεται Ἀτρεΐδαο,

16 ὁππότ’ ἂν ἡβήσῃ τε καὶ ἧς ἱμείρεται αἴης.

ὣς ἔφαθ’ Ἑρμείας, ἀλλ’ οὐ φρένας Αἰγίσθοιο

18 πεῖθ’ ἀγαθὰ φρονέων· νῦν δ’ ἁθρόα πάντ’ ἀπέτεισε.“

τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·

20 „ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,

καὶ λίην κεῖνός γε ἐοικότι κεῖται ὀλέθρῳ,

22 ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος, ὅτις τοιαῦτά γε ῥέζοι.

ἀλλά μοι ἀμφ’ Ὀδυσῆϊ δαΐφρονι δαίεται ἦτορ,

24 δύσμορῳ, ὃς δὴ δηθὰ φίλων ἄπο πήματα πάσχει

νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, ὅθι τ’ ὀμφαλός ἐστι θαλάσσης [...].“

(174 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · οἱ [...] ἄλλοι – ergänze: θεοί

V. 2 · Ζηνὸς [...] Ὀλυμπίου – des Olympischen Zeus

ἁθρόος, -η, -ον – versammelt, zusammen, auf einmal

V. 3 · μύθων ἄρχω – die Reden/das Gespräch beginnen

V. 4 · μνάομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

ἀμύμων, -ον – untadelig (ungewöhnliches Beiwort für Aigisth, der sonst bei Homer nur tadelnde Beiwörter wie ἄναλκις [feige] und δολόμητις [hinterlistig] erhält)

V. 5 · ῥ[α] – hier: nämlich

ὁ Ἀγαμεμνονίδης, -ου – der Agamemnon-Sohn

τηλεκλυτός, -όν – weithin berühmt

ἔκταν[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von κτείνω (töten)

V. 6 · ἐπιμιμνήσκομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

μεταυδάω m. Akk. u. Dat. – etw. im Beisein von jmdm. sagen

V. 7 · ὢ πόποι, οἷον δή νυ [...] – ach, wie doch jetzt [...]

αἰτιόωνται – 3. Pl. Ind. Präs. Med. von αἰτιάομαι (beschuldigen)

V. 8 · ἐξ [...] ἔμμεναι – lies:

  [οἱ] γάρ [βρότοι] φασὶ

  [τὰ] κακ[ὰ] ἐξ ἡμέων [= ἐκ τῶν θεῶν] ἔμμεναι [= εἶναι]

V. 9 · σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν – durch ihre eigenen Freveltaten

ὑπὲρ μόρον – über das zugeteilte [Maß] hinaus

V. 10 · ὡς – (genauso) wie

[τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu ἄλοχον μνηστήν (V. 11)

V. 11 · γῆμ[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von γαμέω (heiraten)

ἄλοχον μνηστήν – die rechtmäßig angetraute Ehefrau (Akk.)

ἔκταν[ε] – siehe oben V. 5

νοστέω – heimkehren

V. 12 · εἰδὼς – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Akt. von οἶδα (wissen), Sinnrichtung: konzessiv

πρό Adv. – davor, vorher, vorab

οἱ = αὐτῷ

V. 13 · ὁ Ἑρμείας, -ου – [der Gott] Hermes

ἐύσκοπος, -ον – scharf spähend, gut zielend, gut treffend

ὁ Ἀργεϊφόντης, -ου – der Argostöter (Beiwort des Hermes)

V. 14 · μνάομαι m. Akk. – etw. erstreben, jmdn. umwerben

ἡ ἄκοιτις, -ιος = ἡ ἄλοχος, -ου (V. 11)

V. 15 · [τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu τίσις (V. 15)

ἔσσεται – Fut. von ἐστίν (V. 15/16 sind als direkte Rede des Hermes zu verstehen)

V. 16 · ἡβάω – heranwachsen (Orest war als Kind aus seiner Heimat verbannt worden)

ἧ αἶα – sein Land (Orest war der rechtmäßige Erbe seines Vaters Agamemnon)

ἱμείρεται = ἱμείρηται – 3. Sg. Konj. Präs. Med. von ἱμείρομαι (m. Gen.: sich nach etw. sehnen)

V. 18 · ἀγαθὰ φρονέων – Sinnrichtung: konzessiv

ἁθρόος, -η, -ον – siehe oben V. 2

ἀπέτεισε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἀποτίνω (abbüßen), ergänze als Subjekt: Aigisth

V. 20 · ὁ Κρονίδης, -ου – der Kronos-Sohn [Zeus]

ὁ ὕπατος, -ου – der Höchste

ὁ κρείων, -οντος – der Herrschende

V. 21 · καὶ λίην Adv. – und zwar sehr

ἐοικότι – Dat. Sg. mask. von ἐοικώς, -υῖα, -κός (verdient, angemessen)

κεῖμαι – erlegen sein, [verachtet] daliegen

V. 22 · ὡς – siehe oben V. 10

ἀπόλοιτο – 3. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπόλλυμαι (zugrunde gehen), übers. als Wunsch

ῥέζοι – 3. Sg. Opt. Präs. Akt. von ῥέζω (machen, tun), übers. mit Indikativ

V. 23 · ἀμφί m. Dat. – um jmdn. herum, auf jmdn. bezogen

δαΐφρων, -ον – klug denkend

δαίεται ἦτορ – das Herz wird zerrissen

V. 24 · δύσμορος, -ον – unglückselig

δηθά Adv. – lange

φίλων ἄπο = ἀπὸ φίλων – fern von Freunden

V. 25 · ἀμφίρυτος, -η, -ον – rings umströmt/umflossen

ὅθι τ[ε] – wo auch

ὁ ὀμφαλος, -ου – der Nabel, der Mittelpunkt

Arbeitsübersetzung

Die anderen aber waren in den Hallen des Olympiers Zeus versammelt.

Und unter ihnen begann die Reden der Vater der Menschen und der Götter, denn er gedachte in seinem Sinn des untadligen Aigisthos, den der Agamemnon-Sohn, der weitberühmte Orest, erschlagen hatte. Dessen gedachte er und sprach unter den Unsterblichen die Worte:

„Nein! Wie die Sterblichen doch die Götter beschuldigen! Von uns her, sagen sie, sei das Schlimme! Und schaffen doch auch selbst durch eigene Freveltaten, über ihr Teil hinaus, sich Schmerzen! So hat auch jetzt Aigisthos, über sein Teil hinaus, des Atreus-Sohnes eheliche Gattin zur Frau genommen und ihn erschlagen, als er heimkam. Und wusste doch um das jähe Verderben! Denn offen hatten wir ihm kundgetan, indem wir ihm Hermes, den gutspähenden Argostöter, schickten: dass er ihn nicht erschlagen und nicht seine Gattin freien sollte. Denn von Orestes werde Vergeltung kommen für den Atriden, wenn er [= Orestes] herangewachsen sei und nach seinem Land verlangen werde. So sagte Hermes, doch er konnte den Sinn des Aigisthos nicht bereden, so Gutes er im Sinne trug. Nun hat er [= Aigisthos] alles auf einmal gebüßt.“

Da antwortete ihm die Göttin, die helläugige Athene:

„Unser Vater, Kronide, Höchster derer, die da herrschen! Ja, jener ist freilich dem verdienten Verderben erlegen. So möge auch jeder andere zugrunde gehen, wer so etwas tut! Mir aber ist um den Odysseus, den klug gesonnenen, das Herz zerrissen, den Unglückseligen, der schon lange, entfernt von den Seinen, Leiden leidet auf der umströmten Insel, wo der Nabel des Meeres ist. [...]“

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

I Übersetzung

Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.

Aufgabe Vorschlag D - Teil II Aufgabe 1 · Metrische Analyse des homerischen Hexameters

II Interpretation

1 Analysieren Sie die Verse 6–9 des Textes (Material 2) im Hinblick auf ihr Metrum (mit Verseinschnitten).

[20 BE]

Material 2

6 τοῦ ὅ γ’ ἐπιμνησθεὶς ἔπε’ ἀθανάτοισι μετηύδα·

7 „ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.

8 ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ’ ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ

9 σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε’ ἔχουσιν […].“

Vers 6:

τοῦ ὅ γ’ ἐπιμνησθεὶς ἔπε’ ἀθανάτοισι μετηύδα·

Vers 7:

„ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.

Vers 8:

ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ’ ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ

Vers 9:

σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε’ ἔχουσιν […].“

Aufgabe Vorschlag D - Teil II Aufgabe 2 · Inhaltswiedergabe mit griechischen Textbelegen

Material 1

Vorbemerkung

In dem folgenden Text aus der Odyssee beantwortet Zeus die Frage nach dem Ursprung menschlichen Leidens unter Bezug auf das Denken und Handeln Aigisths:

[...] Οἱ δὲ δὴ ἄλλοι

2 Ζηνὸς ἐνὶ μεγάροισιν Ὀλυμπίου ἁθρόοι ἦσαν.

τοῖσι δὲ μύθων ἦρχε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε·

4 μνήσατο γὰρ κατὰ θυμὸν ἀμύμονος Αἰγίσθοιο,

τόν ῥ’ Ἀγαμεμνονίδης τηλεκλυτὸς ἔκταν’ Ὀρέστης·

6 τοῦ ὅ γ’ ἐπιμνησθεὶς ἔπε’ ἀθανάτοισι μετηύδα·

„ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.

8 ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ’ ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ

σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε’ ἔχουσιν,

10 ὡς καὶ νῦν Αἴγισθος ὑπὲρ μόρον Ἀτρεΐδαο

γῆμ’ ἄλοχον μνηστήν, τὸν δ’ ἔκτανε νοστήσαντα,

12 εἰδὼς αἰπὺν ὄλεθρον, ἐπεὶ πρό οἱ εἴπομεν ἡμεῖς,

Ἑρμείαν πέμψαντες, ἐύσκοπον Ἀργεϊφόντην,

14 μήτ’ αὐτὸν κτείνειν μήτε μνάασθαι ἄκοιτιν·

ἐκ γὰρ Ὀρέσταο τίσις ἔσσεται Ἀτρεΐδαο,

16 ὁππότ’ ἂν ἡβήσῃ τε καὶ ἧς ἱμείρεται αἴης.

ὣς ἔφαθ’ Ἑρμείας, ἀλλ’ οὐ φρένας Αἰγίσθοιο

18 πεῖθ’ ἀγαθὰ φρονέων· νῦν δ’ ἁθρόα πάντ’ ἀπέτεισε.“

τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·

20 „ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,

καὶ λίην κεῖνός γε ἐοικότι κεῖται ὀλέθρῳ,

22 ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος, ὅτις τοιαῦτά γε ῥέζοι.

ἀλλά μοι ἀμφ’ Ὀδυσῆϊ δαΐφρονι δαίεται ἦτορ,

24 δύσμορῳ, ὃς δὴ δηθὰ φίλων ἄπο πήματα πάσχει

νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, ὅθι τ’ ὀμφαλός ἐστι θαλάσσης [...].“

(174 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · οἱ [...] ἄλλοι – ergänze: θεοί

V. 2 · Ζηνὸς [...] Ὀλυμπίου – des Olympischen Zeus

ἁθρόος, -η, -ον – versammelt, zusammen, auf einmal

V. 3 · μύθων ἄρχω – die Reden/das Gespräch beginnen

V. 4 · μνάομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

ἀμύμων, -ον – untadelig (ungewöhnliches Beiwort für Aigisth, der sonst bei Homer nur tadelnde Beiwörter wie ἄναλκις [feige] und δολόμητις [hinterlistig] erhält)

V. 5 · ῥ[α] – hier: nämlich

ὁ Ἀγαμεμνονίδης, -ου – der Agamemnon-Sohn

τηλεκλυτός, -όν – weithin berühmt

ἔκταν[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von κτείνω (töten)

V. 6 · ἐπιμιμνήσκομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

μεταυδάω m. Akk. u. Dat. – etw. im Beisein von jmdm. sagen

V. 7 · ὢ πόποι, οἷον δή νυ [...] – ach, wie doch jetzt [...]

αἰτιόωνται – 3. Pl. Ind. Präs. Med. von αἰτιάομαι (beschuldigen)

V. 8 · ἐξ [...] ἔμμεναι – lies:

  [οἱ] γάρ [βρότοι] φασὶ

  [τὰ] κακ[ὰ] ἐξ ἡμέων [= ἐκ τῶν θεῶν] ἔμμεναι [= εἶναι]

V. 9 · σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν – durch ihre eigenen Freveltaten

ὑπὲρ μόρον – über das zugeteilte [Maß] hinaus

V. 10 · ὡς – (genauso) wie

[τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu ἄλοχον μνηστήν (V. 11)

V. 11 · γῆμ[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von γαμέω (heiraten)

ἄλοχον μνηστήν – die rechtmäßig angetraute Ehefrau (Akk.)

ἔκταν[ε] – siehe oben V. 5

νοστέω – heimkehren

V. 12 · εἰδὼς – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Akt. von οἶδα (wissen), Sinnrichtung: konzessiv

πρό Adv. – davor, vorher, vorab

οἱ = αὐτῷ

V. 13 · ὁ Ἑρμείας, -ου – [der Gott] Hermes

ἐύσκοπος, -ον – scharf spähend, gut zielend, gut treffend

ὁ Ἀργεϊφόντης, -ου – der Argostöter (Beiwort des Hermes)

V. 14 · μνάομαι m. Akk. – etw. erstreben, jmdn. umwerben

ἡ ἄκοιτις, -ιος = ἡ ἄλοχος, -ου (V. 11)

V. 15 · [τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu τίσις (V. 15)

ἔσσεται – Fut. von ἐστίν (V. 15/16 sind als direkte Rede des Hermes zu verstehen)

V. 16 · ἡβάω – heranwachsen (Orest war als Kind aus seiner Heimat verbannt worden)

ἧ αἶα – sein Land (Orest war der rechtmäßige Erbe seines Vaters Agamemnon)

ἱμείρεται = ἱμείρηται – 3. Sg. Konj. Präs. Med. von ἱμείρομαι (m. Gen.: sich nach etw. sehnen)

V. 18 · ἀγαθὰ φρονέων – Sinnrichtung: konzessiv

ἁθρόος, -η, -ον – siehe oben V. 2

ἀπέτεισε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἀποτίνω (abbüßen), ergänze als Subjekt: Aigisth

V. 20 · ὁ Κρονίδης, -ου – der Kronos-Sohn [Zeus]

ὁ ὕπατος, -ου – der Höchste

ὁ κρείων, -οντος – der Herrschende

V. 21 · καὶ λίην Adv. – und zwar sehr

ἐοικότι – Dat. Sg. mask. von ἐοικώς, -υῖα, -κός (verdient, angemessen)

κεῖμαι – erlegen sein, [verachtet] daliegen

V. 22 · ὡς – siehe oben V. 10

ἀπόλοιτο – 3. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπόλλυμαι (zugrunde gehen), übers. als Wunsch

ῥέζοι – 3. Sg. Opt. Präs. Akt. von ῥέζω (machen, tun), übers. mit Indikativ

V. 23 · ἀμφί m. Dat. – um jmdn. herum, auf jmdn. bezogen

δαΐφρων, -ον – klug denkend

δαίεται ἦτορ – das Herz wird zerrissen

V. 24 · δύσμορος, -ον – unglückselig

δηθά Adv. – lange

φίλων ἄπο = ἀπὸ φίλων – fern von Freunden

V. 25 · ἀμφίρυτος, -η, -ον – rings umströmt/umflossen

ὅθι τ[ε] – wo auch

ὁ ὀμφαλος, -ου – der Nabel, der Mittelpunkt

Arbeitsübersetzung

Die anderen aber waren in den Hallen des Olympiers Zeus versammelt.

Und unter ihnen begann die Reden der Vater der Menschen und der Götter, denn er gedachte in seinem Sinn des untadligen Aigisthos, den der Agamemnon-Sohn, der weitberühmte Orest, erschlagen hatte. Dessen gedachte er und sprach unter den Unsterblichen die Worte:

„Nein! Wie die Sterblichen doch die Götter beschuldigen! Von uns her, sagen sie, sei das Schlimme! Und schaffen doch auch selbst durch eigene Freveltaten, über ihr Teil hinaus, sich Schmerzen! So hat auch jetzt Aigisthos, über sein Teil hinaus, des Atreus-Sohnes eheliche Gattin zur Frau genommen und ihn erschlagen, als er heimkam. Und wusste doch um das jähe Verderben! Denn offen hatten wir ihm kundgetan, indem wir ihm Hermes, den gutspähenden Argostöter, schickten: dass er ihn nicht erschlagen und nicht seine Gattin freien sollte. Denn von Orestes werde Vergeltung kommen für den Atriden, wenn er [= Orestes] herangewachsen sei und nach seinem Land verlangen werde. So sagte Hermes, doch er konnte den Sinn des Aigisthos nicht bereden, so Gutes er im Sinne trug. Nun hat er [= Aigisthos] alles auf einmal gebüßt.“

Da antwortete ihm die Göttin, die helläugige Athene:

„Unser Vater, Kronide, Höchster derer, die da herrschen! Ja, jener ist freilich dem verdienten Verderben erlegen. So möge auch jeder andere zugrunde gehen, wer so etwas tut! Mir aber ist um den Odysseus, den klug gesonnenen, das Herz zerrissen, den Unglückseligen, der schon lange, entfernt von den Seinen, Leiden leidet auf der umströmten Insel, wo der Nabel des Meeres ist. [...]“

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

II Interpretation

2 Geben Sie – unter Anführung griechischer Textbelege (Material 1 und Arbeitsübersetzung) – wieder, wie Zeus am Beispiel Aigisths den Ursprung menschlichen Leidens erklärt. (20 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Teil II Aufgabe 3 · Euripides, Elektra: Tragödie, Figuren und Muttermord

II Interpretation

3 Erläutern Sie – unter Rückgriff auf die mythische Vorgeschichte (Material 3) – das Denken und Handeln Aigisths, wie es in der Elektra-Tragödie des Euripides fassbar wird (Lektürekenntnisse).

[30 BE]

Material 3: Die Familiengeschichte Aigisths

Erläuterung:

Mit allen Mitteln kämpfen Atreus und Thyest um den Thron von Mykene. Zuerst gewinnt Atreus die Oberhand. Doch Thyest gibt nicht auf und verführt die Ehefrau des Atreus, um sich doch noch den Zugang zur Macht zu verschaffen. Daraufhin ermordet Atreus alle Söhne des Thyest und kocht aus ihrem Fleisch ein Festmahl für Thyest. Durch diesen barbarischen Akt glaubt er den Stamm des Thyest für immer vernichtet zu haben. Thyest aber zeugt mit seiner Tochter einen weiteren Sohn, der ihn und seine toten Söhne rächen soll. Aus Scham setzt die Tochter den Kleinen aus; er wird gefunden und unter dem Namen Aigisth ausgerechnet von dem ahnungslosen Atreus als Pflegesohn angenommen. Einige Jahre später beauftragt Atreus eben diesen Aigisth mit der Ermordung des Thyest. Dabei erkennen Thyest und Aigisth sich als Vater und Sohn und ermorden nun ihrerseits Atreus. Gemeinsam herrschen sie über Mykene, bis sie von den Söhnen des Atreus vertrieben werden und mit Agamemnon wieder ein Atride die Macht übernimmt. – Dann aber bricht der Trojanische Krieg aus …

Aufgabe Vorschlag D - Teil II Aufgabe 4 · Homer: Ilias und Odyssee (Gesellschaft, Götter, Zorn)

Material 1

Vorbemerkung

In dem folgenden Text aus der Odyssee beantwortet Zeus die Frage nach dem Ursprung menschlichen Leidens unter Bezug auf das Denken und Handeln Aigisths:

[...] Οἱ δὲ δὴ ἄλλοι

2 Ζηνὸς ἐνὶ μεγάροισιν Ὀλυμπίου ἁθρόοι ἦσαν.

τοῖσι δὲ μύθων ἦρχε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε·

4 μνήσατο γὰρ κατὰ θυμὸν ἀμύμονος Αἰγίσθοιο,

τόν ῥ’ Ἀγαμεμνονίδης τηλεκλυτὸς ἔκταν’ Ὀρέστης·

6 τοῦ ὅ γ’ ἐπιμνησθεὶς ἔπε’ ἀθανάτοισι μετηύδα·

„ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.

8 ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ’ ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ

σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε’ ἔχουσιν,

10 ὡς καὶ νῦν Αἴγισθος ὑπὲρ μόρον Ἀτρεΐδαο

γῆμ’ ἄλοχον μνηστήν, τὸν δ’ ἔκτανε νοστήσαντα,

12 εἰδὼς αἰπὺν ὄλεθρον, ἐπεὶ πρό οἱ εἴπομεν ἡμεῖς,

Ἑρμείαν πέμψαντες, ἐύσκοπον Ἀργεϊφόντην,

14 μήτ’ αὐτὸν κτείνειν μήτε μνάασθαι ἄκοιτιν·

ἐκ γὰρ Ὀρέσταο τίσις ἔσσεται Ἀτρεΐδαο,

16 ὁππότ’ ἂν ἡβήσῃ τε καὶ ἧς ἱμείρεται αἴης.

ὣς ἔφαθ’ Ἑρμείας, ἀλλ’ οὐ φρένας Αἰγίσθοιο

18 πεῖθ’ ἀγαθὰ φρονέων· νῦν δ’ ἁθρόα πάντ’ ἀπέτεισε.“

τὸν δ’ ἠμείβετ’ ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·

20 „ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,

καὶ λίην κεῖνός γε ἐοικότι κεῖται ὀλέθρῳ,

22 ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος, ὅτις τοιαῦτά γε ῥέζοι.

ἀλλά μοι ἀμφ’ Ὀδυσῆϊ δαΐφρονι δαίεται ἦτορ,

24 δύσμορῳ, ὃς δὴ δηθὰ φίλων ἄπο πήματα πάσχει

νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, ὅθι τ’ ὀμφαλός ἐστι θαλάσσης [...].“

(174 Wörter)

Übersetzungshilfen

V. 1 · οἱ [...] ἄλλοι – ergänze: θεοί

V. 2 · Ζηνὸς [...] Ὀλυμπίου – des Olympischen Zeus

ἁθρόος, -η, -ον – versammelt, zusammen, auf einmal

V. 3 · μύθων ἄρχω – die Reden/das Gespräch beginnen

V. 4 · μνάομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

ἀμύμων, -ον – untadelig (ungewöhnliches Beiwort für Aigisth, der sonst bei Homer nur tadelnde Beiwörter wie ἄναλκις [feige] und δολόμητις [hinterlistig] erhält)

V. 5 · ῥ[α] – hier: nämlich

ὁ Ἀγαμεμνονίδης, -ου – der Agamemnon-Sohn

τηλεκλυτός, -όν – weithin berühmt

ἔκταν[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von κτείνω (töten)

V. 6 · ἐπιμιμνήσκομαι m. Gen. – jmds. gedenken, sich an jmdn. erinnern

μεταυδάω m. Akk. u. Dat. – etw. im Beisein von jmdm. sagen

V. 7 · ὢ πόποι, οἷον δή νυ [...] – ach, wie doch jetzt [...]

αἰτιόωνται – 3. Pl. Ind. Präs. Med. von αἰτιάομαι (beschuldigen)

V. 8 · ἐξ [...] ἔμμεναι – lies:

  [οἱ] γάρ [βρότοι] φασὶ

  [τὰ] κακ[ὰ] ἐξ ἡμέων [= ἐκ τῶν θεῶν] ἔμμεναι [= εἶναι]

V. 9 · σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν – durch ihre eigenen Freveltaten

ὑπὲρ μόρον – über das zugeteilte [Maß] hinaus

V. 10 · ὡς – (genauso) wie

[τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu ἄλοχον μνηστήν (V. 11)

V. 11 · γῆμ[ε] – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von γαμέω (heiraten)

ἄλοχον μνηστήν – die rechtmäßig angetraute Ehefrau (Akk.)

ἔκταν[ε] – siehe oben V. 5

νοστέω – heimkehren

V. 12 · εἰδὼς – Nom. Sg. mask. Part. Perf. Akt. von οἶδα (wissen), Sinnrichtung: konzessiv

πρό Adv. – davor, vorher, vorab

οἱ = αὐτῷ

V. 13 · ὁ Ἑρμείας, -ου – [der Gott] Hermes

ἐύσκοπος, -ον – scharf spähend, gut zielend, gut treffend

ὁ Ἀργεϊφόντης, -ου – der Argostöter (Beiwort des Hermes)

V. 14 · μνάομαι m. Akk. – etw. erstreben, jmdn. umwerben

ἡ ἄκοιτις, -ιος = ἡ ἄλοχος, -ου (V. 11)

V. 15 · [τοῦ] Ἀτρεΐδαο – Gen. von ὁ Ἀτρεΐδης (der Atreus-Sohn [Agamemnon]), hier Attribut zu τίσις (V. 15)

ἔσσεται – Fut. von ἐστίν (V. 15/16 sind als direkte Rede des Hermes zu verstehen)

V. 16 · ἡβάω – heranwachsen (Orest war als Kind aus seiner Heimat verbannt worden)

ἧ αἶα – sein Land (Orest war der rechtmäßige Erbe seines Vaters Agamemnon)

ἱμείρεται = ἱμείρηται – 3. Sg. Konj. Präs. Med. von ἱμείρομαι (m. Gen.: sich nach etw. sehnen)

V. 18 · ἀγαθὰ φρονέων – Sinnrichtung: konzessiv

ἁθρόος, -η, -ον – siehe oben V. 2

ἀπέτεισε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἀποτίνω (abbüßen), ergänze als Subjekt: Aigisth

V. 20 · ὁ Κρονίδης, -ου – der Kronos-Sohn [Zeus]

ὁ ὕπατος, -ου – der Höchste

ὁ κρείων, -οντος – der Herrschende

V. 21 · καὶ λίην Adv. – und zwar sehr

ἐοικότι – Dat. Sg. mask. von ἐοικώς, -υῖα, -κός (verdient, angemessen)

κεῖμαι – erlegen sein, [verachtet] daliegen

V. 22 · ὡς – siehe oben V. 10

ἀπόλοιτο – 3. Sg. Opt. Aor. Med. von ἀπόλλυμαι (zugrunde gehen), übers. als Wunsch

ῥέζοι – 3. Sg. Opt. Präs. Akt. von ῥέζω (machen, tun), übers. mit Indikativ

V. 23 · ἀμφί m. Dat. – um jmdn. herum, auf jmdn. bezogen

δαΐφρων, -ον – klug denkend

δαίεται ἦτορ – das Herz wird zerrissen

V. 24 · δύσμορος, -ον – unglückselig

δηθά Adv. – lange

φίλων ἄπο = ἀπὸ φίλων – fern von Freunden

V. 25 · ἀμφίρυτος, -η, -ον – rings umströmt/umflossen

ὅθι τ[ε] – wo auch

ὁ ὀμφαλος, -ου – der Nabel, der Mittelpunkt

Arbeitsübersetzung

Die anderen aber waren in den Hallen des Olympiers Zeus versammelt.

Und unter ihnen begann die Reden der Vater der Menschen und der Götter, denn er gedachte in seinem Sinn des untadligen Aigisthos, den der Agamemnon-Sohn, der weitberühmte Orest, erschlagen hatte. Dessen gedachte er und sprach unter den Unsterblichen die Worte:

„Nein! Wie die Sterblichen doch die Götter beschuldigen! Von uns her, sagen sie, sei das Schlimme! Und schaffen doch auch selbst durch eigene Freveltaten, über ihr Teil hinaus, sich Schmerzen! So hat auch jetzt Aigisthos, über sein Teil hinaus, des Atreus-Sohnes eheliche Gattin zur Frau genommen und ihn erschlagen, als er heimkam. Und wusste doch um das jähe Verderben! Denn offen hatten wir ihm kundgetan, indem wir ihm Hermes, den gutspähenden Argostöter, schickten: dass er ihn nicht erschlagen und nicht seine Gattin freien sollte. Denn von Orestes werde Vergeltung kommen für den Atriden, wenn er [= Orestes] herangewachsen sei und nach seinem Land verlangen werde. So sagte Hermes, doch er konnte den Sinn des Aigisthos nicht bereden, so Gutes er im Sinne trug. Nun hat er [= Aigisthos] alles auf einmal gebüßt.“

Da antwortete ihm die Göttin, die helläugige Athene:

„Unser Vater, Kronide, Höchster derer, die da herrschen! Ja, jener ist freilich dem verdienten Verderben erlegen. So möge auch jeder andere zugrunde gehen, wer so etwas tut! Mir aber ist um den Odysseus, den klug gesonnenen, das Herz zerrissen, den Unglückseligen, der schon lange, entfernt von den Seinen, Leiden leidet auf der umströmten Insel, wo der Nabel des Meeres ist. [...]“

Übersetzung nach Wolfgang Schadewaldt.

II Interpretation

4 Überprüfen Sie – unter Bezugnahme auf selbst gewählte Beispiele aus der Ilias (Lektürekenntnisse) –, ob Zeus den Ursprung menschlichen Leidens angemessen erklärt (Material 1 und Arbeitsübersetzung). (30 BE)

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