Aufgabe Vorschlag C - Teil I · Abitur Hessen Altgriechisch LK 2021

Thema: Übersetzung: Platon, Symposion (Prosa) · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Material zu Vorschlag C

Vorbemerkung

In seiner Rede berichtet Alkibiades (Ἀλ.) von seiner unerfüllten Liebe zu Sokrates. Nachdem er Sokrates für seine Tapferkeit im Krieg gepriesen hat, kommt er nun auf die Art zu sprechen, wie Sokrates auf seine Gesprächspartner wirkt:

(Ἀλ.) „Τὸ [...] μηδενὶ ἀνθρώπων ὅμοιον εἶναι, μήτε τῶν παλαιῶν μήτε τῶν νῦν

2 ὄντων, τοῦτο ἄξιον παντὸς θαύματος. [...] οὐδ᾽ ἐγγὺς ἂν εὕροι τις ζητῶν, οὔτε

τῶν νῦν οὔτε τῶν παλαιῶν, εἰ μὴ ἄρα εἴ, οἷς ἐγὼ λέγω, ἀπεικάζοι τις αὐτόν,

4 ἀνθρώπων μὲν μηδενί, τοῖς δὲ σιληνοῖς [...], αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους. [...] καὶ οἱ

λόγοι αὐτοῦ ὁμοιότατοί εἰσι τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις. εἰ γὰρ ἐθέλοι τις τῶν

6 Σωκράτους ἀκούειν λόγων, φανεῖεν ἂν πάνυ γελοῖοι τὸ πρῶτον [...]. ὄνους γὰρ

κανθηλίους λέγει καὶ χαλκέας τινὰς καὶ σκυτοτόμους καὶ βυρσοδέψας, καὶ ἀεὶ

8 διὰ τῶν αὐτῶν τὰ αὐτὰ φαίνεται λέγειν, ὥστε ἄπειρος καὶ ἀνόητος ἄνθρωπος

πᾶς ἂν τῶν λόγων καταγελάσειεν. διοιγομένους δὲ ἰδὼν ἄν τις καὶ ἐντὸς αὐτῶν

10 γιγνόμενος πρῶτον μὲν νοῦν ἔχοντας ἔνδον μόνους εὑρήσει τῶν λόγων, ἔπειτα

θειοτάτους καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας καὶ [...] τείνοντας

12 [...] ἐπὶ πᾶν, ὅσον προσήκει σκοπεῖν τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι.

ταῦτ᾽ ἐστίν, ὦ ἄνδρες, ἃ ἐγὼ Σωκράτη ἐπαινῶ· καὶ αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας

14 ὑμῖν εἶπον, ἅ με ὕβρισεν. καὶ μέντοι οὐκ ἐμὲ μόνον ταῦτα πεποίηκεν, ἀλλὰ καὶ

[...] ἄλλους πάνυ πολλούς. [...]“

16 εἰπόντος δὴ ταῦτα τοῦ Ἀλκιβιάδου γέλωτα γενέσθαι ἐπὶ τῇ παρρησίᾳ αὐτοῦ, ὅτι

ἐδόκει ἔτι ἐρωτικῶς ἔχειν τοῦ Σωκράτους.

(190 Wörter)

Übersetzungshilfen

Z. 1

τὸ [...] ὅμοιον εἶναι – der substantivierte Infinitiv ist das Subjekt zu ἄξιόν [ἐστιν]; übersetze: Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, [...]

Z. 2

τοῦτο – dies ( das Pronomen greift den Infinitiv τὸ [...] ὅμοιον εἶναι [Z. 1] auf)

ἄξιον – ergänze: ἐστίν

τὸ θαῦμα, -ατος – die Bewunderung, die Verwunderung

οὐδ᾽ ἐγγύς [τινά] – keinen Ähnlichen

ζητῶν – Nom. Sg. mask. Part. Präs. Akt. von ζητέω (suchen)

Z. 3/4

εἰ μὴ [...] λόγους – ergänze und ordne:

εἰ μὴ ἄρα εἴ τις ἀπεικάζοι αὐτόν –

αὐτὸν καὶ τοὺς λόγους [αὐτοῦ] –

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω

μηδενί [τῶν] ἀνθρώπων,

τοῖς δὲ σιληνοῖς [...].

εἰ μὴ ἄρα εἰ – es sei denn, dass

ἀπεικάζω m. Akk. u. Dat. – jmdn. mit jmdm. vergleichen

οἷς [= τούτοις, οὓς] ἐγὼ λέγω – mit denen, die ich erwähnt habe ( Alkibiades hatte Sokrates zuvor mit kleinen geschnitzten Silenfiguren verglichen, die man aufklappen konnte und die in ihrem Inneren das Abbild einer Gottheit enthielten)

ὁ σιληνός, -οῦ – der Silen ( Silene gehörten zum Gefolge des Dionysos. Trotz ihres wilden Aussehens mit Pferde- oder Esalsohren schrieb man ihnen Weisheit zu; in der Mythologie waren sie Erzieher und Lehrer)

Z. 5

τοῖς σιληνοῖς τοῖς διοιγομένοις – den Silenen, die man öffnet/aufklappt ( vgl. die Erklärung zu Z. 3)

Z. 6

φάνειεν ἄν [...] – sie [die Worte] könnten/dürften/werden wohl [...] erscheinen

τὸ πρῶτον Adv. – zunächst

ὁ ὄνος κανθήλιος – der Lastesel

Z. 7

ὁ χαλκεύς, -έως – der Schmied

ὁ σκυτοτόμος, -ου – der Schuster

ὁ βυρσοδέψης, -ου – der Gerber

Z. 9

καταγελάω m. Gen. – etw. verlachen, verspotten

ἰδὼν ἄν τις [τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους – wenn einer sieht, wie die Worte des Sokrates geöffnet/verständlich werden

Z. 9–12

διοιγομένους [...] ἔσεσθαι – ordne und ergänze:

ἰδὼν ἄν τις

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους] διοιγομένους

καὶ ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος

εὑρήσει

[τοὺς τοῦ Σωκράτους λόγους]

πρῶτον μὲν μόνους τῶν λόγων νοῦν ἔχοντας ἔνδον,

ἔπειτα θειοτάτους [ὄντας]

καὶ πλεῖστα ἀγάλματ᾽ ἀρετῆς ἐν αὑτοῖς ἔχοντας

καὶ ἐπὶ πᾶν τείνοντας,

ὅσον τῷ μέλλοντι καλῷ κἀγαθῷ ἔσεσθαι προσήκει σκοπεῖν.

Z. 9/10

ἐντὸς αὐτῶν γιγνόμενος – wenn er in ihr Inneres vordringt

Z. 10

εὑρήσει – 3. Sg. Ind. Fut. Akt. von εὑρίσκω ( m. AcP: finden/erkennen, dass)

μόνους [...] λόγων – als einzige von den Reden

νοῦν ἔχω – Verstand haben, einen vernünftigen Sinn haben

Z. 11

πλεῖστα ἀγάλματ[α] – unzählige Abbilder

ἐν αὑτῷ ἔχω – in sich selbst haben, in sich selbst enthalten

τείνω ἐπί m. Akk. – sich auf etw. richten

Z. 12

πᾶν, ὅσον – alles, was

προσήκει σκοπεῖν m. Dat. – es gehört sich für jmdn. zu beachten, jmd. sollte beachten

ὁ μέλλων [...] ἔσεσθαι – derjenige, der [...] sein will

Z. 13

ἐπαινέω m. dopp. Akk. – etw. an jmdm. loben

αὖ, ἃ μέμφομαι, συμμείξας – ergänze/ordne: αὖ συμμείξας [ταῦτα], ἃ μέμφομαι

συμμείξας – Nom. Sg. mask. Part. Aor. Akt. von συμμείγνυμι (beimischen)

[ταῦτα], ἃ μέμφομαι – Objekt zu συμμείξας

Σωκράτη = Σωκράτην

Z. 14

ὑβρίζω m. dopp. Akk. – jmdn. mit etw. kränken, verletzen

ποιέω m. dopp. Akk. – jmdm. etw. antun

Z. 16

γέλωτα γενέσθαι – AcI der indirekten Rede, weil ja Apollodoros über die Geschehnisse des Symposions berichtet

ὁ γέλως, -ωτος – das Gelächter

ἡ παρρησία, -ας – die Offenherzigkeit

Z. 17

ἐρωτικῶς ἔχειν m. Gen. – in jmdn. verliebt sein

Arbeitsübersetzung

(Al.) „Dass er [...] keinem Menschen ähnlich ist, weder einem von den ehemals noch einem von den heute Lebenden, das ist jeder Bewunderung wert! [...] Auch wenn man sucht, dürfte man keinen Ähnlichen finden, weder unter den Heutigen noch unter den Alten, es sei denn, dass man ihn mit den von mir Erwähnten vergleichen wollte, mit keinem unter den Menschen, sondern mit den Silenen [...], ihn und seine Reden.

[...] Auch seine Reden sind den Silenen, die man öffnet, äußerst ähnlich. Denn wenn einer des Sokrates Reden anhören wollte, so dürften sie ihm anfangs ganz lächerlich vorkommen. [...] Denn er spricht von Lasteseln, von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern und scheint immerfort auf dieselbe Art dasselbe zu sagen, so dass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über seine Reden spotten dürfte. Wenn sie aber einer geöffnet sieht und in ihr Inneres vordringt, so wird er wohl zuerst herausfinden, dass sie als einzige von den Reden innerlich Verstand haben, und dann, dass sie ganz göttlich sind und unzählige Abbilder der Tugend in sich enthalten und [...] auf alles gerichtet sind, was sich für den, der gut und edel sein will, zu beachten gehört.

Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe, und wiederum auch habe ich mit eingemischt, was ich tadle, und euch gesagt, womit er mich gekränkt hat. Und dieses hat er freilich nicht mir allein angetan, sondern auch [...] ganz vielen anderen. [...]“

Nachdem Alkibiades dieses also gesagt hatte, sei ein Gelächter entstanden über seine Offenherzigkeit, weil er noch immer in Sokrates verliebt zu sein schien.

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Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag C - Teil I · Abitur Hessen Altgriechisch LK 2021

Lösung

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Lösung: (Alkibiades:) „Dass Sokrates keinem von den Menschen ähnlich ist, weder denen von früher noch denen von heute, das ist aller Bewunderung wert. Keinen Ähnlichen könnte man finden, wenn man sucht, weder unter denen von heute noch denen von früher, es sei denn, man vergleicht ihn – ihn selbst und seine Reden – mit denen, die ich nenne, mit keinem Menschen, sondern mit den Silenen. Und auch seine Reden sind den Silenen, die man aufklappt, überaus ähnlich. Denn wenn jemand bereit wäre, die Reden des Sokrates anzuhören, dürften sie zunächst ganz lächerlich erscheinen. Denn von Lasteseln spricht er und von irgendwelchen Schmieden, Schustern und Gerbern, und immer scheint er mit denselben Worten dasselbe zu sagen, sodass jeder unerfahrene und unverständige Mensch über die Reden lachen könnte. Wenn man aber sieht, wie sie geöffnet werden, und in ihr Inneres vordringt, wird man erstens finden, dass sie als einzige von den Reden inneren Verstand haben, zweitens, dass sie überaus göttlich sind und die meisten Abbilder der Tugend in sich tragen und auf alles abzielen, was zu beachten sich für den gehört, der edel und gut sein will. Dies ist es, ihr Männer, was ich an Sokrates lobe; und was ich andererseits an ihm tadle, habe ich euch beigemischt erzählt, wie er mich gekränkt hat. Und wahrlich, dies hat er nicht nur mir angetan, sondern auch sehr vielen anderen.“ Nachdem Alkibiades dies gesagt hatte, entstand Gelächter über seine Offenherzigkeit, weil er offenbar noch in Sokrates verliebt war.

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