Abitur NRW Soziologie 2021 · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg
Abiturprüfung Soziologie in Nordrhein-Westfalen 2021, LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg: 6 Aufgaben mit Lösungen. Mit automatischer Korrektur.
Themen der Prüfung: Rollentheorien und Rollenkonflikte · Wandel von Familie, Lebensformen und Arbeitswelt · Soziale Ungleichheit: Dimensionen, Modelle und Armut
Aufgabe HT 1 - Wandel von Familie, Lebensformen und Arbei… · Wandel von Familie, Lebensformen und Arbeitswelt
Peter Lindner
„Ein Zurück zur Gemeinschaft ist eine Illusion“
[...]
SZ: Herr Reckwitz, manche sehen in der Coronakrise einen Epochenbruch. Auch Bundespräsident Steinmeier meint, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Wird auch unsere Gesellschaft eine andere sein?
Andreas Reckwitz: Moderne Gesellschaften wandeln sich ständig, das ist gewissermaßen ihr 5 Normalzustand. Natürlich wird auch nach Corona manches anders sein. Ich bezweifle jedoch, dass die Coronakrise einen Epochenbruch markiert. Veränderungsprozesse in der Gesellschaft lassen sich kaum auf einzelne Ereignisse reduzieren. Der eigentliche Epochenbruch vollzieht sich nicht jetzt, sondern hat schon in den 1980er Jahren begonnen.
Was genau meinen Sie?
10 Seit mehreren Jahrzehnten ist in den westlichen Gesellschaften ein tiefgreifender sozialer, kultureller, technologischer und ökonomischer Wandel zu beobachten, von der industriellen Moderne zur Spätmoderne. Er umfasst die Liberalisierung der Lebensstile, die Digitalisierung, die Globalisierung und die Postindustrialisierung der Ökonomie.
Es ist interessant zu beobachten, wie dieser Strukturwandel gerade jetzt, in der Coronakrise, 15 besonders deutlich zum Vorschein tritt und wie auch die Probleme, die diese Veränderungen mit sich bringen, geradezu grell ausgeleuchtet werden.
Die wachsende soziale Ungleichheit zum Beispiel.
Genau. Sehr augenfällig wird auch die Diskrepanz zwischen den Lebenswelten nach dem Ende der ‚nivellierten Mittelstandsgesellschaft‘. Auf der einen Seite stehen die Wissensarbei- 20 ter aus der neuen Mittelklasse, die im Homeoffice arbeiten können. Und auf der anderen Seite jene Menschen, die im Bereich der sogenannten einfachen Dienstleistungen tätig sind. Dort haben Sie es oft mit schlecht bezahlten und verletzlichen Beschäftigungsverhältnissen zu tun. Die sind von der Krise ganz anders betroffen…
…wie etwa auch die prekär beschäftigten Arbeiter in der Fleischindustrie, von denen 25 derzeit viel die Rede ist 1. Aber unabhängig davon: Es gab doch auch vor den 80er Jah- ren nicht die eine gleiche Lebenswelt.
Natürlich nicht. Aber im Vergleich zu heute waren die Lebenswelten in den 50er, 60er und 70er Jahren relativ ähnlich: Es gab eine große dominante Mittelschicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Lebenswelten deutlich auseinanderentwickelt, sowohl nach oben 30 als auch nach unten. Diese Diskrepanz ist prägend für die spätmoderne Gesellschaft.
In der Krise ist auch deutlich geworden, wie dringend die Gesellschaft auf Pfleger, Rei- nigungskräfte, Kassiererinnen und andere Beschäftigte im Dienstleistungssektor ange- wiesen ist. Sie sind „systemrelevant“ und haben dafür viel Applaus erhalten. Inwieweit können solche Erfahrungen ein besseres, wertschätzenderes Miteinander in der Gesell- 35 schaft dauerhaft befördern?
Es war jedenfalls ein wichtiger Moment, als diese oft unsichtbaren Tätigkeiten plötzlich sicht- bar und als gesellschaftlich notwendig eingeordnet wurden. Da hat sich eine gesellschaftliche Bewertung massiv verändert. Die einfachen Dienstleistungen waren ja sonst ein Bereich, der häufig als Terrain der ‚Niedrigqualifizierten‘ abgetan wurde. Ob das Ansehen solcher Berufe 40 allerdings dauerhaft steigt und ob sich dies auch in einer besseren Bezahlung niederschlägt, bleibt abzuwarten.
Wir haben in der Krise in zahlreichen Lebensbereichen viel Solidarität und Gemeinsinn erlebt. Sie haben einmal gesagt: „Auch ohne Gemeinschaft kann es Gemeinsinn geben.“ Wie soll das funktionieren?
45 In der Gegenwartsgesellschaft ist oft die Klage zu hören, es gebe zu wenig Gemeinschaft. Wir bräuchten wieder mehr davon. Aus soziologischer Sicht bin ich da sehr skeptisch. Denn es ist wichtig zu sehen: Moderne Gesellschaften sind keine Gemeinschaft mehr. Vormoderne Gesellschaften waren Gemeinschaften. Die Menschen lebten etwa in Dorfgemeinschaften, die ihre ganze Welt waren.
50 Und jetzt gibt es viele Welten.
Genau. Moderne Gesellschaften sind anders organisiert. Sie leben von der Differenz, also von der Unterschiedlichkeit. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Communities. Aber das sind kleinere Zirkel von Wahlgemeinschaften. Die gesamte moderne Gesellschaft kann nicht zu einer Gemeinschaft werden. Es ist gefährlich diesen Eindruck zu erwecken.
55 Das lässt sich im Zusammenhang mit dem Populismus gerade beobachten, wie bei Viktor Orban in Ungarn 2. Er suggeriert, dass man auch in der Gegenwart so etwas wie eine homo- gene Gemeinschaft wiederaufbauen kann, welche dann die Nation trägt. Hinter dieser Gemein- schaftsvorstellung liegt ein Homogenitätsideal, eine Gleichförmigkeit, die in der Moderne nicht mehr zu haben ist. Ein Zurück zur Gemeinschaft ist eine Illusion.
60 Was bedeutet das für den Gemeinsinn?
Dass die Gesellschaft keine homogene Gemeinschaft mehr ist, bedeutet jedenfalls nicht, dass so etwas wie Gemeinsinn in der Moderne nicht möglich oder nötig wäre, im Gegenteil. Eine Gesellschaft, auch wenn sie noch so differenziert und individualisiert ist, kommt offensicht- lich nicht ohne ein Mindestmaß an sozialer Integration aus, das heißt an zivilen Normen, die 65 alle teilen. Fehlen solche gemeinsamen Regeln, zum Beispiel Normen der Gewaltlosigkeit, bricht das Soziale zusammen.
Genauso wichtig ist für die liberale Demokratie, die ja auf der Pluralität unterschiedlicher Interessen und Werte beruht, dass sie auf grundlegender Ebene ein gemeinsames Anliegen teilt. Das wäre gewissermaßen ein republikanisches Moment 3: trotz aller Interessensunter- 70 schiede das Wohl der eigenen Gesellschaft als kollektives Projekt. Das stünde dem Freund- Feind-Denken des Populismus entgegen.
Der gemeinsame Kampf gegen Corona, um die Risiken für alle zu verringern, ist ja in gewisser Weise auch so ein gemeinsames Projekt. Jeder Einzelne ist gefordert – vor allem aber auch der Staat. Hat Deutschland in der Krise das Richtige getan?
75 Der Staat war und ist in der Corona-Krise, nicht nur in Deutschland, vor allem als Risiko- manager gefordert. Auch im Hinblick auf seine Rolle werden in der Krise grundlegende Probleme der vergangenen Jahre klarer als bisher sichtbar.
Welche?
Wir haben in den 80er Jahren einen Wandel vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbsstaat 80 erlebt. Der Staat ist vor allem als Dynamisierer in Erscheinung getreten, der Märkte und Wettbewerb ermöglicht. Der sich eher zurückzieht auf die Rolle des Schiedsrichters oder Coaches. Diese zurückhaltende Rolle des Staates steht schon seit etwa zehn Jahren zurecht in der Kritik. [...]
Zum Interviewer:
Peter Lindner, geb. 1975, ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung und leitet dort das Ressort Politik. Er hat Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert.
Zum Interviewten:
Andreas Reckwitz, geb. 1970, ist ein deutscher Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er ist Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
1 Hier wird darauf angespielt, dass es während der Coronapandemie im Juni 2020 in Deutschland in mehreren Schlachthöfen zu Coronaausbrüchen unter den Arbeitern kam.
2 Viktor Orban ist seit 2010 Regierungschef in Ungarn.
3 Hier bezieht sich Reckwitz auf die Staatstheorie des Republikanismus. Zu deren zentralen Merkmalen gehört die Annahme, dass der einzelne Staatsbürger vernunftbestimmt und solidaritätsorientiert handelt.
Teilaufgabe 1
1. Analysieren Sie, was der befragte Andreas Reckwitz über den gesellschaftlichen Wandel ausführt. Erläutern Sie in diesem Zusammenhang die von ihm genannte „Liberalisierung der Lebensstile“ sowie die „Postindustrialisierung der Ökonomie“.
(30 Punkte)
Aufgabe HT 1 - Soziale Ungleichheit: Dimensionen, Modelle… · Soziale Ungleichheit: Dimensionen, Modelle und Armut
Peter Lindner
„Ein Zurück zur Gemeinschaft ist eine Illusion“
[...]
SZ: Herr Reckwitz, manche sehen in der Coronakrise einen Epochenbruch. Auch Bundespräsident Steinmeier meint, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Wird auch unsere Gesellschaft eine andere sein?
Andreas Reckwitz: Moderne Gesellschaften wandeln sich ständig, das ist gewissermaßen ihr 5 Normalzustand. Natürlich wird auch nach Corona manches anders sein. Ich bezweifle jedoch, dass die Coronakrise einen Epochenbruch markiert. Veränderungsprozesse in der Gesellschaft lassen sich kaum auf einzelne Ereignisse reduzieren. Der eigentliche Epochenbruch vollzieht sich nicht jetzt, sondern hat schon in den 1980er Jahren begonnen.
Was genau meinen Sie?
10 Seit mehreren Jahrzehnten ist in den westlichen Gesellschaften ein tiefgreifender sozialer, kultureller, technologischer und ökonomischer Wandel zu beobachten, von der industriellen Moderne zur Spätmoderne. Er umfasst die Liberalisierung der Lebensstile, die Digitalisierung, die Globalisierung und die Postindustrialisierung der Ökonomie.
Es ist interessant zu beobachten, wie dieser Strukturwandel gerade jetzt, in der Coronakrise, 15 besonders deutlich zum Vorschein tritt und wie auch die Probleme, die diese Veränderungen mit sich bringen, geradezu grell ausgeleuchtet werden.
Die wachsende soziale Ungleichheit zum Beispiel.
Genau. Sehr augenfällig wird auch die Diskrepanz zwischen den Lebenswelten nach dem Ende der ‚nivellierten Mittelstandsgesellschaft‘. Auf der einen Seite stehen die Wissensarbei- 20 ter aus der neuen Mittelklasse, die im Homeoffice arbeiten können. Und auf der anderen Seite jene Menschen, die im Bereich der sogenannten einfachen Dienstleistungen tätig sind. Dort haben Sie es oft mit schlecht bezahlten und verletzlichen Beschäftigungsverhältnissen zu tun. Die sind von der Krise ganz anders betroffen…
…wie etwa auch die prekär beschäftigten Arbeiter in der Fleischindustrie, von denen 25 derzeit viel die Rede ist 1. Aber unabhängig davon: Es gab doch auch vor den 80er Jah- ren nicht die eine gleiche Lebenswelt.
Natürlich nicht. Aber im Vergleich zu heute waren die Lebenswelten in den 50er, 60er und 70er Jahren relativ ähnlich: Es gab eine große dominante Mittelschicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Lebenswelten deutlich auseinanderentwickelt, sowohl nach oben 30 als auch nach unten. Diese Diskrepanz ist prägend für die spätmoderne Gesellschaft.
In der Krise ist auch deutlich geworden, wie dringend die Gesellschaft auf Pfleger, Rei- nigungskräfte, Kassiererinnen und andere Beschäftigte im Dienstleistungssektor ange- wiesen ist. Sie sind „systemrelevant“ und haben dafür viel Applaus erhalten. Inwieweit können solche Erfahrungen ein besseres, wertschätzenderes Miteinander in der Gesell- 35 schaft dauerhaft befördern?
Es war jedenfalls ein wichtiger Moment, als diese oft unsichtbaren Tätigkeiten plötzlich sicht- bar und als gesellschaftlich notwendig eingeordnet wurden. Da hat sich eine gesellschaftliche Bewertung massiv verändert. Die einfachen Dienstleistungen waren ja sonst ein Bereich, der häufig als Terrain der ‚Niedrigqualifizierten‘ abgetan wurde. Ob das Ansehen solcher Berufe 40 allerdings dauerhaft steigt und ob sich dies auch in einer besseren Bezahlung niederschlägt, bleibt abzuwarten.
Wir haben in der Krise in zahlreichen Lebensbereichen viel Solidarität und Gemeinsinn erlebt. Sie haben einmal gesagt: „Auch ohne Gemeinschaft kann es Gemeinsinn geben.“ Wie soll das funktionieren?
45 In der Gegenwartsgesellschaft ist oft die Klage zu hören, es gebe zu wenig Gemeinschaft. Wir bräuchten wieder mehr davon. Aus soziologischer Sicht bin ich da sehr skeptisch. Denn es ist wichtig zu sehen: Moderne Gesellschaften sind keine Gemeinschaft mehr. Vormoderne Gesellschaften waren Gemeinschaften. Die Menschen lebten etwa in Dorfgemeinschaften, die ihre ganze Welt waren.
50 Und jetzt gibt es viele Welten.
Genau. Moderne Gesellschaften sind anders organisiert. Sie leben von der Differenz, also von der Unterschiedlichkeit. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Communities. Aber das sind kleinere Zirkel von Wahlgemeinschaften. Die gesamte moderne Gesellschaft kann nicht zu einer Gemeinschaft werden. Es ist gefährlich diesen Eindruck zu erwecken.
55 Das lässt sich im Zusammenhang mit dem Populismus gerade beobachten, wie bei Viktor Orban in Ungarn 2. Er suggeriert, dass man auch in der Gegenwart so etwas wie eine homo- gene Gemeinschaft wiederaufbauen kann, welche dann die Nation trägt. Hinter dieser Gemein- schaftsvorstellung liegt ein Homogenitätsideal, eine Gleichförmigkeit, die in der Moderne nicht mehr zu haben ist. Ein Zurück zur Gemeinschaft ist eine Illusion.
60 Was bedeutet das für den Gemeinsinn?
Dass die Gesellschaft keine homogene Gemeinschaft mehr ist, bedeutet jedenfalls nicht, dass so etwas wie Gemeinsinn in der Moderne nicht möglich oder nötig wäre, im Gegenteil. Eine Gesellschaft, auch wenn sie noch so differenziert und individualisiert ist, kommt offensicht- lich nicht ohne ein Mindestmaß an sozialer Integration aus, das heißt an zivilen Normen, die 65 alle teilen. Fehlen solche gemeinsamen Regeln, zum Beispiel Normen der Gewaltlosigkeit, bricht das Soziale zusammen.
Genauso wichtig ist für die liberale Demokratie, die ja auf der Pluralität unterschiedlicher Interessen und Werte beruht, dass sie auf grundlegender Ebene ein gemeinsames Anliegen teilt. Das wäre gewissermaßen ein republikanisches Moment 3: trotz aller Interessensunter- 70 schiede das Wohl der eigenen Gesellschaft als kollektives Projekt. Das stünde dem Freund- Feind-Denken des Populismus entgegen.
Der gemeinsame Kampf gegen Corona, um die Risiken für alle zu verringern, ist ja in gewisser Weise auch so ein gemeinsames Projekt. Jeder Einzelne ist gefordert – vor allem aber auch der Staat. Hat Deutschland in der Krise das Richtige getan?
75 Der Staat war und ist in der Corona-Krise, nicht nur in Deutschland, vor allem als Risiko- manager gefordert. Auch im Hinblick auf seine Rolle werden in der Krise grundlegende Probleme der vergangenen Jahre klarer als bisher sichtbar.
Welche?
Wir haben in den 80er Jahren einen Wandel vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbsstaat 80 erlebt. Der Staat ist vor allem als Dynamisierer in Erscheinung getreten, der Märkte und Wettbewerb ermöglicht. Der sich eher zurückzieht auf die Rolle des Schiedsrichters oder Coaches. Diese zurückhaltende Rolle des Staates steht schon seit etwa zehn Jahren zurecht in der Kritik. [...]
Zum Interviewer:
Peter Lindner, geb. 1975, ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung und leitet dort das Ressort Politik. Er hat Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert.
Zum Interviewten:
Andreas Reckwitz, geb. 1970, ist ein deutscher Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er ist Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
1 Hier wird darauf angespielt, dass es während der Coronapandemie im Juni 2020 in Deutschland in mehreren Schlachthöfen zu Coronaausbrüchen unter den Arbeitern kam.
2 Viktor Orban ist seit 2010 Regierungschef in Ungarn.
3 Hier bezieht sich Reckwitz auf die Staatstheorie des Republikanismus. Zu deren zentralen Merkmalen gehört die Annahme, dass der einzelne Staatsbürger vernunftbestimmt und solidaritätsorientiert handelt.
Teilaufgaben 2 und 3
2.
Beschreiben Sie die Grundannahmen von Modellen, die vertikale soziale Ungleichheit abbilden (z. B. Schichtmodelle). Stellen Sie im Vergleich dazu die Grundannahmen von Modellen dar, die darüber hinaus auch horizontale Ungleichheit berücksichtigen (z. B. Milieumodelle). Vergleichen Sie anschließend die Gesellschaftsanalyse von Reckwitz mit diesen Modellen.
(26 Punkte)
3.
Erörtern Sie die Einschätzung von Andreas Reckwitz, die „Gesellschaft [sei] keine homogene Gemeinschaft mehr“ (Z. 61).
(24 Punkte)
Aufgabe HT 2 · Wandel von Familie, Lebensformen und Arbeitswelt
Thema: Gerechte Familienpolitik – sollten Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden?
Lösen Sie die drei folgenden Teilaufgaben anhand der Materialien M 1 bis M 3.
M 1: Edeltraud Rattenhuber: Eltern reiben sich zwischen Beruf und Familie auf
Spätestens um halb acht aus dem Haus, erst nach 17 Uhr wieder in den eigenen vier Wänden, ein voller Arbeitstag. Dazwischen Stress in der Schule. Und auch nachmittags keine echte Pause. Keine selbständigen Entdeckungen außer Haus, kein ungestörtes Treffen mit den Freunden, kein selbstbestimmtes Essen.
Und immer die gleichen Menschen. Schon viele Ein- bis Fünfjährige wachsen heutzutage quasi in der Kita auf. Das hat ja auch manch Gutes: Kinder lernen voneinander, brauchen Kontakt zu Gleichaltrigen, wollen gemeinsam toben, gemeinsam spielen, müssen lernen, sich in eine Gruppe einzufügen. Doch sie brauchen auch Freiraum. Und nicht nur Dreijährige, sondern auch Acht- und Zehnjährige sind im täglichen Leben auf positive Kontakte zu festen Bezugspersonen angewiesen. Die meisten Erzieherinnen und Erzieher wissen das und geben jeden Tag in Kita und Hort ihr Bestes, um den Kindern ein zweites Zuhause zu schaffen. Personalmangel und hohe Fluktuation beim Betreuungspersonal erschweren das jedoch.
Das Deutsche Jugendinstitut hat nun neue Zahlen zum Betreuungsbedarf in der Grundschule vorgelegt. Drei Viertel der Eltern wünschen sich demnach eine Ganztagsbetreuung. Kontinuierlich sind die Zahlen in den vergangenen Jahren gestiegen. Und es werden noch mehr werden. Allerdings bleiben Ressourcen knapp: Nur etwa 50 Prozent haben einen Platz ergattert, der ihren Bedürfnissen entspricht.
Würde man Deutschlands Familien Wunschzettel schreiben lassen ans Christkind, dann stünde allerdings ganz oben nicht das Verlangen nach einem Ganztagsplatz, sondern eher: mehr Geld am Ende des Monats, niedrigere Mieten und mehr Zeit füreinander. Doch Erwachsene wissen ja, dass es das Christkind nicht gibt. Und Wunschzettel an den Staat schreiben? Kann man machen, bringt aber nichts. Ganz im Gegenteil, Geld für Soziales, für die Besserstellung von Familien rückt diese Regierung nur dann heraus, wenn es gar nicht anders geht.
So gleicht das Leben in Familien – in den ganz normalen, nicht den privilegierten – dem in einem Hamsterrad. Der finanzielle Druck vor allem in den teuren Städten erfordert zwei Verdiener. Alleinerziehende müssen viel arbeiten, wollen sie und ihre Kinder nicht in Hartz IV enden. Vor allem die Frauen rackern sich ab, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten. Früher verzichteten sie ganz auf eine Erwerbstätigkeit. Und auch heute noch landen sie oft genug in der Teilzeit- und später in der Armutsfalle. Dass es ihnen am Ende nicht geht wie vielen heutigen Rentnerinnen, die – nach entwürdigenden Diskussionen – endlich eine Grundrente erhalten sollen, ist das erklärte Ziel der Politik.
Dann aber ist der Staat es den Familien auch schuldig, dass sie wenigstens im Hort für ihre Kinder eine gute Betreuung vorfinden. Doch wo bleiben die Konzepte? Bis 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschüler geben – im EU-Vergleich spät genug, aber man hat sich ja daran gewöhnt, da nicht vorne zu liegen. Doch statt öffentlich über Pädagogik und personelle Ausstattung zu sprechen, streiten die staatlichen Ebenen erst einmal ums Geld. Der Bund gibt zwei Milliarden Euro Anschubfinanzierung. Zu wenig, schreien die Länder, die im Bildungsbereich zwar anschaffen, aber die Kosten für den Ganztagsbedarf nur sehr zögerlich übernehmen wollen. Allen voran beschweren sich die reichen Länder, Baden-Württemberg und Bayern. Die Reaktion der bayerischen Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU), die meinte, wer bestellt, müsse auch zahlen, ist eine Frechheit.
Um das klarzustellen: „Bestellt“ hat die Betreuung nicht der Bund, sondern die Eltern. Sie erwarten zu Recht endlich Konzepte, wie es gehen kann. Zumal in Bayern, wo immer noch die rigideste Trennung zwischen den Schultypen besteht. Dort fühlen sich viele Familien in der unbarmherzigsten Mühle. Bayerns Eltern wissen: Wenn ihr Kind das „Grundschulabitur“ schaffen will, muss einer mit ihm Hausaufgaben machen. Aber im Hort werden die oft gar nicht erledigt. Es fehlt meist schlichtweg das Personal. Man lässt die Kinder lieber Fußball spielen. Sport ist ja auch sinnvoll, keine Frage. Aber dahinter steht auch: Sie im Pulk zu beaufsichtigen, ist billiger, als in Kleingruppen Bildungsarbeit zu betreiben.
Verlässliche Rahmenbedingungen, wie Nachmittagsbetreuung zeitlich, räumlich und personell ausgestaltet sein muss, das wollen Eltern und Kinder von der Politik: musische Angebote, differenzierter Sport, Kunstprojekte, Improvisationstheater, auch die Möglichkeit, ein Musikinstrument zu erlernen, Leseförderung, Schreibprojekte. In manchen Horten gibt es das, in den meisten nicht. Was Eltern noch dringender benötigen: Endlich nicht mehr jedes Jahr bangen müssen, ob das Kind überhaupt einen Platz bekommt. Von einer Familienpolitikerin als reiner Kostenfaktor hingestellt zu werden – das haben sie nicht verdient.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 20.11.2019
M 2: Realisierte Vollzeit- und Teilzeitquoten von Müttern
Anmerkung: Die realisierte Vollzeitquote von Vätern liegt durchgängig bei 94 – 96 %.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis): WISTA 03/2018, S. 62 (Mikrozensus 2016).
M 3: Gründe für realisierte Teilzeitarbeit von Müttern und Vätern mit minderjährigen Kindern
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis): WISTA 03/2018, S. 62 (Mikrozensus 2016).
1.
Analysieren Sie, was die Autorin über die derzeitige Lage von Familien aussagt. Erläutern Sie in diesem Zusammenhang die sozioökonomischen Ursachen, die dieser Lage zugrunde liegen. [26 Punkte]
2.
Werten Sie M 2 und M 3 mit Blick auf die im Text dargestellte Situation von Müttern aus. Erläutern Sie davon ausgehend das im Text angesprochene Problem, dass erwerbsfähige Frauen oft in die Armutsfalle geraten können. [27 Punkte]
3.
Gestalten Sie als Vertreterin oder Vertreter eines Elternverbandes eine Rede für eine familienpolitische Fachtagung, die sich mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf befasst. Berücksichtigen Sie darin zwei Maßnahmen der gegenwärtigen Familienpolitik und einen eigenen Vorschlag. [27 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Wandel von Familie, Lebensformen und Arbei… · Wandel von Familie, Lebensformen und Arbeitswelt
Katja Scherer
Was Frauenquoten für Männer bedeuten
[...] Wie kann es gelingen, Führungspositionen und überhaupt Jobs gerechter zu verteilen?
Diese Frage beschäftigt unsere Gesellschaft seit Jahren. Bei vielen Stellenausschreibungen
im Öffentlichen Dienst werden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt. Manche Arbeit-
geber setzen sich inzwischen freiwillig prozentuale Ziele. Und auch die Politik greift ein:
5 Seit 2016 gilt für börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Großunternehmen eine 30-prozen-
tige Geschlechterquote für Aufsichtsräte. [...]
Die Debatte über Gleichstellung verläuft dabei oft hitzig: von Quotenfrauen und Männer-
clubs ist die Rede, von Geschlechterkampf und alten weißen Männern. Umgekehrt werden
manche Fragen bisher kaum diskutiert. Zum Beispiel: Was bedeuten Frauenquoten eigentlich
10 für Männer? [...]
Fakt ist: Die Berufswelt, die Politik, die Forschung, die Chefetagen – über Generationen hin-
weg waren das Domänen von Männern. Erst seit 1977 dürfen Frauen überhaupt ohne Erlaub-
nis ihres Mannes arbeiten gehen. Seitdem dringen sie Schritt für Schritt in die Berufswelt
vor – allerdings in Trippelschritten, wie Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirt-
15 schaftsforschung betont: „Der Anteil der Frauen, die erwerbstätig sind, ist sehr stark gestiegen.
Allerdings, das muss man auch dazu sagen, praktisch der gesamte Anstieg in der Erwerbs-
beteiligung von Frauen in den letzten 15 Jahren war in Teilzeit.“
Gerade Führungspositionen sind nach wie vor in aller Regel mit Männern besetzt. Der Frauen-
anteil in den Vorständen von S-DAX 1 -Unternehmen zum Beispiel lag Anfang 2020 nach Be-
20 rechnungen der Unternehmensberatung EY bei nur knapp sechs Prozent. Im Dax 2 waren es
knapp 15 Prozent. Im vergangenen Jahr sei der Anteil von Frauen in Vorständen dabei [...]
deutlich gestiegen, sagt Katharina Wrohlich. [...]
Und das bedeutet eben auch: Langsam merken Männer die Folgen der Frauenförderung offen-
bar doch. Der Wiesbadener Personalvermittler Daniel Detambel betreut Führungskräfte, die
25 zwischen 160.000 und fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen, und erlebt das immer häufiger:
„Zunehmend muss man sagen, in den letzten Jahren kommen schon auch Männer zu uns und
sagen: Naja, ich weiß, für mich geht es in dem Unternehmen nicht weiter. Weil bei uns wird
das auch so offen kommuniziert, dass Frauen gefördert werden, dass ich mir einfach Alterna-
tiven außerhalb dieses Unternehmens suchen muss.“
30 Bisher betreffe das vor allem Führungspositionen bei großen Mittelständlern sowie das mitt-
lere Management von Dax-Konzernen. Jene Ebenen also, wo durch die Frauenförderung der
vergangenen Jahre inzwischen viele gut qualifizierte Managerinnen anzutreffen sind. Verlie-
rer wiederum seien meist Männer um die 50 Jahre, sagt Detambel: „Wenn man mit 50 noch
nicht Vorstand oder Geschäftsführer ist, umso schwieriger wird es werden, dann diese Posi-
35 tion noch zu erreichen. Und die merken einfach: Mir läuft die Zeit davon.“ [...]
Die Frage, an welcher Stelle Quoten legitim oder gar nötig sind, beschäftigt auch Matthias
Becker. Der Sozialpädagoge ist Ansprechpartner für Männer bei der Stadt Nürnberg, also
quasi ein Gleichstellungsbeauftragter mit anderem Fokus. Becker beobachtet, dass es auch
für Männer berufliche Tabuzonen gibt – etwa im Erziehungsbereich, in Grundschulen oder
40 Jugendämtern. Er stellt daher die Frage: Bräuchte es dort nicht umgekehrt Männerquoten?
„Und dann heißt es, es bewerben sich ja keine qualifizierten Männer. Hm. Woran liegt das,
dass das unattraktiv ist? Also da wäre es spannend, da auch mal da Quoten einzuführen, weil
da wenden sich Eltern hin und Kinder. Das sollte erst mal auch ausgewogen sein.“
Denn dass der Männermangel allein am Gehalt liegt, glaubt er nicht. So würden Männer als
45 Paketboten zum Beispiel auch nicht besser bezahlt. Überhaupt, sagt Becker, seien Männer
mitnichten so privilegiert wie oft behauptet wird: Sie sterben im Schnitt früher, sind öfter ein-
sam und inzwischen schlechter ausgebildet als Frauen, zählt er auf. Und: Auch Männer seien
in ihrer gesellschaftlichen Rolle gefangen. So würden sie derzeit vor allem über beruflichen
Erfolg definiert – mit weitreichenden Konsequenzen: „Solange wir als Gesellschaft noch die
50 Erwartung haben, dass Männer die Familienernährer sind, ist Karriere ganz wichtig, dann
müssen Männer diese Vollzeitstellen besetzen. Dann sind eben Führungspositionen nur in
Vollzeit denkbar.“ [...]
Zugespitzt gesagt sind Männer also derzeit in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite
schwinden durch Frauenquoten ihre klassischen Karrierechancen. Auf der anderen Seite wird
55 es ihnen schwer gemacht, eine tragende Rolle in der Erziehung einzunehmen – sich also mehr
über ihre Familie zu definieren. Daher müsse künftig stärker über neue Rollenbilder für Män-
ner diskutiert werden, sagt Becker. Und es brauche Vorbilder: „Man kann zum Beispiel in der
Elternzeit messen, wenn jemand aus der Führungsetage, sag ich mal, aus dem Vorstand, das
macht, dass dann die Quote rapide ansteigt um ein Drittel bei den Mitarbeitern, bei den männ-
60 lichen, die das dann auch in Anspruch nehmen.“
Einer, der in dieser Hinsicht Vorbild sein kann, ist Fabian Soethof. Der 38-Jährige hat nach
der Geburt seines zweiten Kindes neun Monate Elternzeit genommen und arbeitet nun in Teil-
zeit. Darüber berichtet er auf seinem Internetblog „newkidandtheblog“. „Ich will dafür kein
Schulterklopfen kriegen, ich will nur darauf aufmerksam machen, weil ich auch glaube, dass
65 wenn ich als Mann darüber rede, mir vielleicht auch Männer zuhören.“ Denn auch Soethof
erlebt: Selbstverständlich ist sein Modell bisher nicht: „Ich habe schon Sätze gehört wie:
Früher ging das doch auch anders, also warum muss das denn so lange sein. Bekannte von
mir haben wirklich diesen Satz gehört: Du hast doch eine Frau zu Hause. Oder, was willst du
denn zuhause. Du kannst da mit dem Kind doch eh nichts anfangen.“
70 Männern Erziehungskompetenz abzusprechen, ist allerdings offensichtlich genauso diskrimi-
nierend wie Frauen Führungskompetenz. Würden sich solche Vorbehalte auflösen und mehr
Männer familiäre Auszeiten nehmen, wäre damit automatisch auch der Gleichstellung gehol-
fen, glaubt Soethof: „Also wenn sich dann ein Anfang 30-jähriger Mann bewirbt, dann müsste
es genauso gedanklich rattern und heißen: Ah, der gründet bald Familie, der wird bestimmt
75 dann sich kümmern wollen. Und wenn diese Sorge erstens gar nicht mehr als Sorge begriffen
wird, sondern einfach als Selbstverständlichkeit. Und zweitens das bei Männern und Frauen
so gedacht wird: Dann wären wir schon sehr weit.“ [...]
Neue Arbeitsstrukturen könne man auch durch andere Maßnahmen fördern – und das sogar
wirkungsvoller. Zum Beispiel könnte der Staat durch finanzielle Anreize beim Elterngeld
80 dafür sorgen, dass Eltern sich Auszeiten gerechter teilen können. Momentan gilt beim Eltern-
geld: Ein Elternteil wird maximal 12 Monate lang unterstützt. Nimmt der Partner ebenfalls
eine Auszeit, zahlt der Staat zwei Monate extra. Diese „Partnermonate“ könnten schrittweise
erhöht werden, schlägt Wrohlich vor: „Diese ganzen anderen Maßnahmen würden ja auch
viel, viel mehr Leute betreffen als jetzt eine Geschlechterquote für so absolute Spitzengre-
85 mien.“
Letztendlich also entscheidet womöglich gar nicht die Frauenquote darüber, ob mehr Frauen
in Führung kommen. Anstatt Männern potentiell Wege zu versperren, könnte man ihnen durch
moderne Familienpolitik neue eröffnen. [...] Künftig sollten wir also nicht mehr nur über
Männerclubs, sondern auch über Männerbedürfnisse sprechen. [...]
1 S-DAX: deutscher Aktienindex für 70 kleinere Unternehmen, sogenannte Small Caps
2 DAX: bedeutendster deutscher Aktienindex, der die 30 größten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes umfasst
Zur Autorin: Katja Scherer arbeitet als freie Journalistin u. a. für DIE ZEIT, Handelsblatt, WDR, NDR und Deutschlandfunk.
Thema: Frauenquote und Elterngeld – wie lässt sich die Gleichstellung der Geschlechter vorantreiben?
1.
Analysieren Sie, was die Autorin zur Gleichstellung der Geschlechter ausführt. Erläutern Sie in diesem Zusammenhang, welche sozialen und ökonomischen Ursachen dem Streben nach Gleichstellung von Frauen und Männern zugrunde liegen.
[30 Punkte]
3.
Beurteilen Sie, inwiefern sich der im Text gemachte Vorschlag, die Partnermonate zur Verlängerung des Elterngeldbezuges zu erhöhen, umsetzen lässt und inwiefern er geeignet erscheint, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern.
[24 Punkte]
Aufgabe HT 3 - Rollentheorien und Rollenkonflikte · Rollentheorien und Rollenkonflikte
Katja Scherer
Was Frauenquoten für Männer bedeuten
[...] Wie kann es gelingen, Führungspositionen und überhaupt Jobs gerechter zu verteilen?
Diese Frage beschäftigt unsere Gesellschaft seit Jahren. Bei vielen Stellenausschreibungen
im Öffentlichen Dienst werden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt. Manche Arbeit-
geber setzen sich inzwischen freiwillig prozentuale Ziele. Und auch die Politik greift ein:
5 Seit 2016 gilt für börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Großunternehmen eine 30-prozen-
tige Geschlechterquote für Aufsichtsräte. [...]
Die Debatte über Gleichstellung verläuft dabei oft hitzig: von Quotenfrauen und Männer-
clubs ist die Rede, von Geschlechterkampf und alten weißen Männern. Umgekehrt werden
manche Fragen bisher kaum diskutiert. Zum Beispiel: Was bedeuten Frauenquoten eigentlich
10 für Männer? [...]
Fakt ist: Die Berufswelt, die Politik, die Forschung, die Chefetagen – über Generationen hin-
weg waren das Domänen von Männern. Erst seit 1977 dürfen Frauen überhaupt ohne Erlaub-
nis ihres Mannes arbeiten gehen. Seitdem dringen sie Schritt für Schritt in die Berufswelt
vor – allerdings in Trippelschritten, wie Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirt-
15 schaftsforschung betont: „Der Anteil der Frauen, die erwerbstätig sind, ist sehr stark gestiegen.
Allerdings, das muss man auch dazu sagen, praktisch der gesamte Anstieg in der Erwerbs-
beteiligung von Frauen in den letzten 15 Jahren war in Teilzeit.“
Gerade Führungspositionen sind nach wie vor in aller Regel mit Männern besetzt. Der Frauen-
anteil in den Vorständen von S-DAX 1 -Unternehmen zum Beispiel lag Anfang 2020 nach Be-
20 rechnungen der Unternehmensberatung EY bei nur knapp sechs Prozent. Im Dax 2 waren es
knapp 15 Prozent. Im vergangenen Jahr sei der Anteil von Frauen in Vorständen dabei [...]
deutlich gestiegen, sagt Katharina Wrohlich. [...]
Und das bedeutet eben auch: Langsam merken Männer die Folgen der Frauenförderung offen-
bar doch. Der Wiesbadener Personalvermittler Daniel Detambel betreut Führungskräfte, die
25 zwischen 160.000 und fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen, und erlebt das immer häufiger:
„Zunehmend muss man sagen, in den letzten Jahren kommen schon auch Männer zu uns und
sagen: Naja, ich weiß, für mich geht es in dem Unternehmen nicht weiter. Weil bei uns wird
das auch so offen kommuniziert, dass Frauen gefördert werden, dass ich mir einfach Alterna-
tiven außerhalb dieses Unternehmens suchen muss.“
30 Bisher betreffe das vor allem Führungspositionen bei großen Mittelständlern sowie das mitt-
lere Management von Dax-Konzernen. Jene Ebenen also, wo durch die Frauenförderung der
vergangenen Jahre inzwischen viele gut qualifizierte Managerinnen anzutreffen sind. Verlie-
rer wiederum seien meist Männer um die 50 Jahre, sagt Detambel: „Wenn man mit 50 noch
nicht Vorstand oder Geschäftsführer ist, umso schwieriger wird es werden, dann diese Posi-
35 tion noch zu erreichen. Und die merken einfach: Mir läuft die Zeit davon.“ [...]
Die Frage, an welcher Stelle Quoten legitim oder gar nötig sind, beschäftigt auch Matthias
Becker. Der Sozialpädagoge ist Ansprechpartner für Männer bei der Stadt Nürnberg, also
quasi ein Gleichstellungsbeauftragter mit anderem Fokus. Becker beobachtet, dass es auch
für Männer berufliche Tabuzonen gibt – etwa im Erziehungsbereich, in Grundschulen oder
40 Jugendämtern. Er stellt daher die Frage: Bräuchte es dort nicht umgekehrt Männerquoten?
„Und dann heißt es, es bewerben sich ja keine qualifizierten Männer. Hm. Woran liegt das,
dass das unattraktiv ist? Also da wäre es spannend, da auch mal da Quoten einzuführen, weil
da wenden sich Eltern hin und Kinder. Das sollte erst mal auch ausgewogen sein.“
Denn dass der Männermangel allein am Gehalt liegt, glaubt er nicht. So würden Männer als
45 Paketboten zum Beispiel auch nicht besser bezahlt. Überhaupt, sagt Becker, seien Männer
mitnichten so privilegiert wie oft behauptet wird: Sie sterben im Schnitt früher, sind öfter ein-
sam und inzwischen schlechter ausgebildet als Frauen, zählt er auf. Und: Auch Männer seien
in ihrer gesellschaftlichen Rolle gefangen. So würden sie derzeit vor allem über beruflichen
Erfolg definiert – mit weitreichenden Konsequenzen: „Solange wir als Gesellschaft noch die
50 Erwartung haben, dass Männer die Familienernährer sind, ist Karriere ganz wichtig, dann
müssen Männer diese Vollzeitstellen besetzen. Dann sind eben Führungspositionen nur in
Vollzeit denkbar.“ [...]
Zugespitzt gesagt sind Männer also derzeit in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite
schwinden durch Frauenquoten ihre klassischen Karrierechancen. Auf der anderen Seite wird
55 es ihnen schwer gemacht, eine tragende Rolle in der Erziehung einzunehmen – sich also mehr
über ihre Familie zu definieren. Daher müsse künftig stärker über neue Rollenbilder für Män-
ner diskutiert werden, sagt Becker. Und es brauche Vorbilder: „Man kann zum Beispiel in der
Elternzeit messen, wenn jemand aus der Führungsetage, sag ich mal, aus dem Vorstand, das
macht, dass dann die Quote rapide ansteigt um ein Drittel bei den Mitarbeitern, bei den männ-
60 lichen, die das dann auch in Anspruch nehmen.“
Einer, der in dieser Hinsicht Vorbild sein kann, ist Fabian Soethof. Der 38-Jährige hat nach
der Geburt seines zweiten Kindes neun Monate Elternzeit genommen und arbeitet nun in Teil-
zeit. Darüber berichtet er auf seinem Internetblog „newkidandtheblog“. „Ich will dafür kein
Schulterklopfen kriegen, ich will nur darauf aufmerksam machen, weil ich auch glaube, dass
65 wenn ich als Mann darüber rede, mir vielleicht auch Männer zuhören.“ Denn auch Soethof
erlebt: Selbstverständlich ist sein Modell bisher nicht: „Ich habe schon Sätze gehört wie:
Früher ging das doch auch anders, also warum muss das denn so lange sein. Bekannte von
mir haben wirklich diesen Satz gehört: Du hast doch eine Frau zu Hause. Oder, was willst du
denn zuhause. Du kannst da mit dem Kind doch eh nichts anfangen.“
70 Männern Erziehungskompetenz abzusprechen, ist allerdings offensichtlich genauso diskrimi-
nierend wie Frauen Führungskompetenz. Würden sich solche Vorbehalte auflösen und mehr
Männer familiäre Auszeiten nehmen, wäre damit automatisch auch der Gleichstellung gehol-
fen, glaubt Soethof: „Also wenn sich dann ein Anfang 30-jähriger Mann bewirbt, dann müsste
es genauso gedanklich rattern und heißen: Ah, der gründet bald Familie, der wird bestimmt
75 dann sich kümmern wollen. Und wenn diese Sorge erstens gar nicht mehr als Sorge begriffen
wird, sondern einfach als Selbstverständlichkeit. Und zweitens das bei Männern und Frauen
so gedacht wird: Dann wären wir schon sehr weit.“ [...]
Neue Arbeitsstrukturen könne man auch durch andere Maßnahmen fördern – und das sogar
wirkungsvoller. Zum Beispiel könnte der Staat durch finanzielle Anreize beim Elterngeld
80 dafür sorgen, dass Eltern sich Auszeiten gerechter teilen können. Momentan gilt beim Eltern-
geld: Ein Elternteil wird maximal 12 Monate lang unterstützt. Nimmt der Partner ebenfalls
eine Auszeit, zahlt der Staat zwei Monate extra. Diese „Partnermonate“ könnten schrittweise
erhöht werden, schlägt Wrohlich vor: „Diese ganzen anderen Maßnahmen würden ja auch
viel, viel mehr Leute betreffen als jetzt eine Geschlechterquote für so absolute Spitzengre-
85 mien.“
Letztendlich also entscheidet womöglich gar nicht die Frauenquote darüber, ob mehr Frauen
in Führung kommen. Anstatt Männern potentiell Wege zu versperren, könnte man ihnen durch
moderne Familienpolitik neue eröffnen. [...] Künftig sollten wir also nicht mehr nur über
Männerclubs, sondern auch über Männerbedürfnisse sprechen. [...]
1 S-DAX: deutscher Aktienindex für 70 kleinere Unternehmen, sogenannte Small Caps
2 DAX: bedeutendster deutscher Aktienindex, der die 30 größten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes umfasst
Zur Autorin: Katja Scherer arbeitet als freie Journalistin u. a. für DIE ZEIT, Handelsblatt, WDR, NDR und Deutschlandfunk.
Thema: Frauenquote und Elterngeld – wie lässt sich die Gleichstellung der Geschlechter vorantreiben?
2.
Beschreiben Sie die unterschiedlichen Formen von Rollenkonflikten und greifen Sie dabei auf typische Konflikte berufstätiger Eltern zurück. Stellen Sie die interaktionistische Rollentheorie dar und charakterisieren Sie auf dieser theoretischen Grundlage das Rollenhandeln Fabian Soethofs, wie es im Text geschildert wird.
[26 Punkte]
Aufgabe HT 4 · Soziale Ungleichheit: Dimensionen, Modelle und Armut
Thema: Bildungsungleichheit in Deutschland – wie werden aus potenziellen Bildungsverlierern Bildungsgewinner?
Materialgrundlage
Mansur Seddiqzai: Und Bildung ist doch kein Mythos
In: ZEIT ONLINE vom 11.02.2020 (Auszüge; auf Zwischenüberschriften wurde verzichtet).
Aladin El-Mafaalanis neues Buch Mythos Bildung zu lesen, war zunächst einmal eine Zumutung für mich als Lehrer. Bereits der Titel macht klar: Wer glaubt, Bildung würde all unsere gesellschaftlichen Probleme lösen, irrt sich. Er schreibt: „Immer, wenn man nicht mehr weiterweiß, kommt Bildung ins Spiel. Sie ist Lückenfüller und Allheilmittel. Und das ist völlig absurd.“ Damit wirft der Bestsellerautor von Das Integrationsparadox scheinbar alles über den Haufen, was mir in meinem Beruf Hoffnung gibt, nämlich dass Bildung der Schlüssel zu einer gelingenden Zukunft für meine Schülerinnen und Schüler ist, und schließlich die Gesellschaft zum Besseren verändern wird. Ja, das hört sich naiv an, aber daran glaube ich.
Nun gibt auch El-Mafaalani zu, dass diverse Bildungsoffensiven in Deutschland viel bewirkt haben. Während im Jahr 1960 noch knapp 70 Prozent eines Jahrgangs auf die Hauptschule gingen, sind es heute nur noch etwa zehn Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil von Gymnasiasten von 16 Prozent auf über 40 Prozent gestiegen. Alle haben profitiert, alle sind im Schnitt gebildeter als früher. Nur für Gerechtigkeit sorge unser Bildungssystem deshalb nicht, im Gegenteil, sagt El-Mafaalani: Wer alle gleich fördere, fördert die reichen mehr als die armen Kinder. Ihr Vorsprung wird immer größer.
Widerlegt mein Werdegang nicht seine These? Bildung hat für mich funktioniert. Vom Migrantenkind aus dem Problemviertel bin ich immerhin zum Lehrer von Migrantenkindern im Problemviertel geworden. […]
Zumindest auf den zweiten Blick greift seine Kritik tatsächlich auch in meinem Fall. Zwar war ich in vielerlei Hinsicht benachteiligt, bin aber eben auch der Sohn eines Arztes und einer Mutter, die in Afghanistan einen abiturähnlichen Schulabschluss gemacht hat. El-Mafaalani verweist auf Studienergebnisse, die klarstellen, dass Armut und Bildungsferne Kindern mehr Nachteile bringen als ihr Migrationshintergrund. Obwohl ich also Deutsch erst als Zweitsprache gelernt habe, mein Vater Erziehung mit Gewalt gleichsetzte und er mir nie ein Buch in die Hand drückte, hatten Bildungsabschlüsse in meiner Familie einen hohen Wert. Dass wir Kinder studieren sollten, war selbstverständlich. Meine Familie verstand den Wert von Bildung – und dass ich zum Lernen Zeit, Ruhe und manchmal auch Freizeit brauchte.
El-Mafaalani nennt drei Ressourcen, die es den Kindern erleichtern, in der Schule erfolgreich zu sein: das ökonomische, soziale und kulturelle Kapital. Ich wuchs in einem Viertel mit Gewalt- und Drogenkriminalität auf und lebte nach der Trennung meiner Eltern mit meiner voll berufstätigen Mutter und meinen zwei Schwestern in einer zu engen Wohnung. An ökonomischem und sozialem Kapital […] mangelte es also auch bei mir, aber immerhin über das sogenannte kulturelle Kapital verfügte ich.
An dieser Stelle wäre man im Buch beim zentralen Begriff angelangt: dem Habitus. Er ergibt sich daraus, wie arm oder reich, gebildet oder ungebildet die Eltern sind und wie ermutigt oder entmutigt ein Kind in seiner Umgebung wird. El-Mafaalani benutzt den Habitus-Begriff von Pierre Bourdieu und dampft ihn herunter auf eine „dauerhaft verinnerlichte Grundhaltung, die die Art und Weise prägt, wie Menschen ihre Umwelt, die Welt und sich selbst wahrnehmen, wie sie fühlen, denken und handeln“. Und dieser Habitus ist schwer wieder loszuwerden, weil er Sicherheit gibt. El-Mafaalani schreibt, es handele sich […] nicht um „eingleisige Schienen“, sondern vielmehr um „Leitplanken“, die zwar Raum für Kreativität offenhielten, deren Grenzen aber nicht so einfach verschiebbar wären.
Viele meiner Schülerinnen und Schüler sind in jeder Hinsicht benachteiligt. Wo ich gebildete Eltern und Großväter hatte, sind sie oft die ersten aus ihrer Familie, die das Abitur absolvieren, die ersten, die sich durch ein Studium beißen und die ersten, die sich in Konkurrenz mit anderen Akademikern um Arbeitsplätze rangeln müssen. Ihre Eltern, selbst wenn sie die Bildungsaspiration ihrer Kinder gutheißen, können sie selten bei den Hausaufgaben oder finanziell unterstützen. In ihrer Schulzeit teilen sich viele der Schüler das Zimmer mit jüngeren Geschwistern, können sich also zum Lernen nicht zurückziehen.
Sobald sie die Oberstufe besuchen, fühlen sich viele von ihnen verpflichtet, die Familienkasse aufzubessern. Wer aber jeden Tag in einem Fast-Food-Restaurant Tische abwischt, hat nur wenig Zeit zum Lernen und kommt am nächsten Tag müde in die Schule. El-Mafaalani nennt diese Kinder treffend „Insolvenzverwalter des Alltags“. Wie sollen sie langfristig planen, wenn sie sich aktuell dafür verantwortlich fühlen, dass die Eltern am Ende des Monats nicht zu tief in den Dispo rutschen? […]
[A]rme Schülerinnen und Schüler [treffen] laut El-Mafaalani oft auch auf Lehrer, die selbst in gebildeten Verhältnissen aufgewachsen sind und den Habitus dieser Kinder missverstehen. Oft wissen sie auch gar nichts von der Belastung der Kinder außerhalb der Schule. Aber selbst wenn: Sie müssen – so fordert es die angebliche Leistungsgerechtigkeit – sie genauso streng bewerten, wie Kinder aus finanziell besser gestellten Haushalten. Dabei ist laut El-Mafaalani zu vermuten, dass ein benachteiligtes Kind, das mittelmäßige Leistungen bringt, weitaus begabter und engagierter ist als ein privilegiertes Kind mit ähnlichen Ergebnissen.
Diese Ungleichheit beschreibt El-Mafaalani als das Grundproblem: Ungleiches wird im Bildungssystem gleichbehandelt. Privilegierte Kinder starten von Haus aus mit einem großen Vorteil. Die Zeugnisse verweisen die Schüler dann auf ihren anscheinend legitimen Platz in [der Gesellschaft]. Bildungsinstitutionen legitimieren damit also die ungleiche Struktur unserer Gesellschaft.
Wer hilft nun meinen Schülerinnen und Schülern, diese Hürden zu überwinden? El-Mafaalani findet die Lösungen doch im Bildungssystem. Ist also Bildung im weiteren Sinne doch kein Mythos? Mein hoffendes Lehrerherz beruhigt sich wieder.
El-Mafaalani will das Bildungssystem nicht revolutionieren, sondern fordert einfache, pragmatische Maßnahmen. Er setzt auf Lösungen, die viele Bildungsforscher schon lange fordern: Ganztagsschulen und multiprofessionelle Teams in den Schulen. Dazu sollen nicht nur Psychologinnen und Sozialarbeiter gehören, sondern etwa auch Mentoren oder lokale Sport- und Kulturvereine. Wir Lehrer würden nicht nur von administrativen Aufgaben entlastet, damit wir uns auf unser Kerngeschäft, das Unterrichten, konzentrieren können. Sondern bekämen Unterstützung etwa von Künstlern oder Wissenschaftlerinnen, die den Kindern helfen, ihren Habitus zu erweitern. Die ihnen Lust und Mut machen auf neue Handlungsmuster und neue Perspektiven. […]
1.
Analysieren Sie, was Mansur Seddiqzai über Bildungsungleichheiten in Deutschland aussagt. Erläutern Sie dabei unter Rückgriff auf seine eigenen Erfahrungen die genannten Kapitalarten und deren Zusammenspiel. [36 Punkte]
2.
Stellen Sie die Dimensionen sozialer Ungleichheit dar. Erklären Sie auf dieser Grundlage die Aussage, „dass Armut und Bildungsferne Kindern mehr Nachteile bringen als ihr Migrationshintergrund“. (Z. 22 f.) [20 Punkte]
3.
Beurteilen Sie, wie wirksam die beiden Maßnahmen sind, die El-Mafaalani zum Abbau von Benachteiligungen im Bildungssystem fordert. [24 Punkte]
Du kannst auch nach Themen lernen
Übe ein Thema mit gemischten Aufgaben aus den Prüfungen aller Jahre.
- Rollentheorien und Rollenkonflikte · 8 Aufgaben · 85 % Wahrscheinlichkeit
- Wandel von Familie, Lebensformen und Arbeitswelt · 18 Aufgaben · 75 % Wahrscheinlichkeit
- Sozialstaat und soziale Sicherung · 8 Aufgaben · 70 % Wahrscheinlichkeit
- Soziale Ungleichheit: Dimensionen, Modelle und Armut · 7 Aufgaben · 65 % Wahrscheinlichkeit
- Sozialisation, Identität, Gruppen und abweichendes Verhalten · 5 Aufgaben · 65 % Wahrscheinlichkeit
- Wertewandel und Individualisierung · 5 Aufgaben · 65 % Wahrscheinlichkeit
Andere Prüfungen 2021
GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021) · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2021) · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2021)