Aufgabe 3: Kerntechnische Entsorgung · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2022
Thema: Kernphysik und ionisierende Strahlung · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2022)
Aufgabenstellung
Aufgabe: Kerntechnische Entsorgung
Nach dem Reaktorunglück von Fukushima im Jahr 2011 gilt in der deutschen Energiepolitik als zentrales Prinzip, die Kernenergie zugunsten des Ausbaus erneuerbarer Energien zu beenden. Im Zuge dieser „Energiewende“ beschloss man, bis 2022 schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen.
Bis dahin deckten Kernkraftwerke einen beträchtlichen Anteil der Energieversorgung ab.
Teilaufgabe 1: Grundlagen der kerntechnischen Energiegewinnung
a)
Wichtiger Energieträger der kerntechnischen Energiegewinnung ist Uran. Sein Isotop Uran-235 ist instabil.
Hinweis: Wenn die Nuklidkarte für ein Isotop mehr als einen Zerfallsweg erkennen lässt, wählen Sie jeweils den wahrscheinlichsten Weg.
Die Zerfallsreihe von Uran-235 enthält nicht nur -, sondern auch -Zerfälle.
b)
In Kernkraftwerken werden Neutronen auf schwere Atome geschossen (beispielsweise Uranatome), sodass diese instabil werden und in mehrere Teile zerbrechen. Dabei kann die Spaltung etwa eines Kerns Uran-235 sehr verschiedene „Spaltprodukte“ ergeben, z. B. die mittelschweren Kerne Caesium und Rubidium oder die ebenfalls mittelschweren Kerne Barium und Krypton.
c)
Die bei solchen Spaltprozessen freigesetzte Energie kann bestimmt werden, indem zunächst die Massendifferenz der betreffenden Isotope berechnet wird.
Berechnen Sie die bei dem folgenden Kernspaltungsprozess umgewandelte Energie in der Einheit „Elektronenvolt“, unter Vernachlässigung der kinetischen Energien der Ausgangsisotope: Hinweis: Die Kernmassen lassen sich der nachfolgenden Übersicht entnehmen:
Uran: , Barium: , Krypton: , Neutron: . Dabei ist .
Teilaufgabe 2: Strahlung des radioaktiven Abfalls
„Die Sünden liegen Jahrzehnte zurück, doch sie strahlen weit in die Zukunft. Und das im wörtlichen Sinn: Acht europäische Staaten hatten zwischen 1949 und 1982 atomaren Abfall einfach dem Meer überlassen, insgesamt versenkten sie 222.732 mit Beton oder Asphalt verstärkte Metallfässer an 14 Stellen westlich der europäischen Küste sowie in einem ‚Hurd Deep‘ genannten Gebiet im Ärmelkanal.“ (Tageszeitung „Die Welt“, 23. April 2013)
In der Nähe radioaktiven Abfalls lassen sich in der Regel hohe Strahlungsintensitäten feststellen, die erst nach Durchdringen von Wasserschichten großer „Dicke“ ungefährliche Größenordnungen annehmen.
a)
Ein Maß für radioaktive Strahlung ist die Strahlungsintensität. Die Strahlungsintensität einer Probe nach Durchdringen einer Wasserschicht der Dicke kann durch die folgende Formel beschrieben werden: ist die Intensität in unmittelbarer Umgebung der Probe und die „Halbwertsdicke“.
b)
In einem Experiment konnten die folgenden Messwerte der Strahlungsintensität nach Durchdringen einer Wasserschicht der Dicke aufgenommen werden. (Dabei bezeichnet „sk“ eine willkürlich gewählte Skaleneinheit.)
in cm · 0 · 10 · 20 · 30 · 40 · 50 · 60
in sk · 5 · 3,7 · 2,7 · 1,8 · 1,4 · 0,9 · 0,8
c)
Teilaufgabe 3: Lagerung des radioaktiven Abfalls
Radioaktiver Abfall ist ein unvermeidliches Nebenprodukt aller deutschen Kernkraftwerke, nicht nur in Form von abgebrannten Brennelementen, sondern auch in Form vielfältiger Reaktorbetriebsabfälle.
Einfache Indikatoren für die Gefährlichkeit und die Langlebigkeit eines radioaktiven Stoffes sind seine anfängliche Aktivität sowie seine Halbwertszeit. Für eine gegebene Anfangsmenge radioaktiver Atomkerne gilt: Je kleiner die Halbwertszeit ist, desto größer ist die anfängliche Aktivität.
a)
Erst wenn die Aktivität des radioaktiven Abfalls in etwa das Niveau der natürlichen Radioaktivität erreicht hat, sind hinsichtlich des Strahlenschutzes keine besonderen Maßnahmen mehr vonnöten.
Eine Probe des Isotops Uran-235 besitzt die Aktivität . (Die Halbwertszeit von Uran-235 beträgt .)
b)
Dort, wo radioaktive Abfälle gelagert werden, sind strenge Verhaltensregeln zu beachten. Diese Regeln werden häufig in Form von „Geboten“ zusammengefasst. Drei dieser Gebote lauten:
(1) Aktivität begrenzen
(2) Abstand halten
(3) Aufnahme (etwa mit der Nahrung) vermeiden
Das Fachgebiet der „Atomsemiotik“ beschäftigt sich mit der Frage, welche Zeichen bzw. Symbole geeignet sind, um im Rahmen der Nutzung der Kernenergie ohne Verwendung der Schriftsprache zu kommunizieren.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.a) Geben Sie mithilfe der vorliegenden Nuklidkarte die Gleichung für den α-Zerfall von Uran-235 an.
Lösung:
1.a) Geben Sie die nächsten vier Schritte der Zerfallsreihe von Uran-235 an.
Lösung:
1.a) Beschreiben Sie, welche Umwandlung im Kern bei einem β⁻-Zerfall abläuft.
Lösung: Bei einem -Zerfall wird ein Neutron innerhalb des Kerns in ein Proton umgewandelt und gleichzeitig ein Elektron emittiert.
1.b) Stellen Sie die folgende Reaktionsgleichung in vollständiger Form dar: ²³⁵₉₂U + ?n -> ¹⁴⁰_?Cs + ?₃₇Rb + 2 ?n
Lösung:
1.b) Geben Sie qualitativ an, welche Einschränkung hinsichtlich der Geschwindigkeit der Neutronen gelten muss.
Lösung: Es müssen langsame (thermische) Neutronen verwendet werden.
1.c) Berechnen Sie die bei dem folgenden Kernspaltungsprozess umgewandelte Energie in der Einheit „Elektronenvolt“.
Lösung: /
1.c) Begründen Sie anhand der Zahl der Neutronen, warum dieser Prozess geeignet ist, eine Kettenreaktion aufrechtzuerhalten.
Lösung: Dieser Spaltungsprozess erfordert ein Neutron, setzt jedoch zwei Neutronen frei, wodurch exponentiell weitere Spaltungen ausgelöst werden können.
2.a) Erklären Sie die physikalische Bedeutung der Halbwertsdicke d₁/₂.
Lösung: Die Halbwertsdicke gibt an, welche Strecke die Strahlung im Medium zurücklegen muss, bis die Intensität um den Faktor 0,5 (auf die Hälfte) gesunken ist.
2.a) Zeigen Sie, dass der Absorptionskoeffizient μ berechnet werden kann durch μ = ln(2) / d₁/₂.
Lösung:
2.b) Zeigen Sie unter Berücksichtigung aller Messwerte, dass das Wasser eine Halbwertsdicke von ca. 0,217 m besitzt.
Lösung: Aus der exponentiellen Ausgleichskurve bzw. Wertepaaren halbiert sich die Intensität etwa alle 22 bis 23 cm, was dem Literaturwert entspricht.
2.b) Erläutern Sie mögliche Fehlerquellen, die eine Abweichung zum Literaturwert bedingen können.
Lösung: Ungenauigkeiten bei der Bestimmung der Schichtdicke oder Intensität, Verunreinigungen des Wassers oder Zeichenungenauigkeiten beim Graphen.
2.b) Berechnen Sie den Absorptionskoeffizienten μ des Wassers mittels des Literaturwerts d₁/₂ = 0,217 m.
Lösung: /
2.b) Bestimmen Sie die Strahlungsintensität nach Durchdringen einer Wasserschicht der Dicke d = 123 m.
Lösung:
2.c) Berechnen Sie, wie dick die durchdrungene Wasserschicht sein muss, damit die Intensität nur noch 0,1 % beträgt.
Lösung: /
3.a) Begründen Sie die Aussage anhand der Zusammenhänge zwischen Halbwertszeit, Zerfallskonstante und Aktivität.
Lösung: Wegen bedeutet eine kleinere Halbwertszeit eine größere Zerfallskonstante. Da ist, führt eine größere Zerfallskonstante bei gleicher Anfangsmenge zu einer größeren anfänglichen Aktivität.
3.a) Berechnen Sie, wie lange diese Uran-235-Probe abklingen muss, damit die Aktivität auf 100 Bq abgefallen ist.
Lösung: /
3.b) Geben Sie zwei weitere Gebote sinngemäß an.
Lösung: Aufenthaltsdauer begrenzen; Abschirmung nutzen.
3.b) Erläutern Sie, wieso das Ausmaß der Strahlungsexposition von Wohnort, Mobilität und medizinischen Verfahren abhängt.
Lösung: Wohnort: unterschiedliche geogene Radioaktivität (z. B. Radon). Mobilität: stärkere kosmische Strahlung in größeren Höhen (Flugreisen). Medizin: Röntgen-, CT- und Strahlentherapien.
3.b) Beurteilen Sie die Entscheidung der IAEO, direkt auf gefährlichen Quellen das rechte Warnsymbol zu nutzen.
Lösung: Das linke Symbol setzt physikalisches Vorwissen voraus. Das rechte Symbol vermittelt die Gefahr durch selbsterklärende Piktogramme (Totenkopf als Todesgefahr, fliehender Mensch als Aufforderung zum Verlassen) auch ohne Vorwissen oder Sprachkenntnisse intuitiv.
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