Abitur NRW Philosophie 2021 · LK · Haupttermin

Abiturprüfung Philosophie in Nordrhein-Westfalen 2021, LK · Haupttermin: 1 Aufgabe mit Lösungen. Themen: Das Leib-Seele-Problem. Mit automatischer Korrektur.

Themen der Prüfung: Das Leib-Seele-Problem · Kants Pflichtethik im Textvergleich · Ethische Fallerörterung: Utilitarismus und Kant · Demokratie und soziale Gerechtigkeit

Aufgabe 1 · Demokratie und soziale Gerechtigkeit

Abiturprüfung 2021 – Philosophie, Leistungskurs

Aufgabenstellung 1

Aufgabenstellung:

1. Stellen Sie dar, welche Fragestellung dem Text zugrunde liegt und wie die zentrale These des Autors lautet, und erarbeiten Sie dessen Gedankengang. (26 Punkte)

2. Stellen Sie Schumpeters Position zunächst in ihren Grundzügen dar und vergleichen Sie sie anschließend mit derjenigen Fetschers. (30 Punkte)

3. Beurteilen Sie, wie überzeugend beide Positionen sind, und nehmen Sie Stellung zu der Frage, ob in einer repräsentativen Demokratie die politische Gestaltung des Gemeinwesens gänzlich den gewählten Politikern anvertraut werden sollte. (24 Punkte)

Hinweis: Für die Darstellungsleistung können höchstens 20 Punkte erreicht werden (Gesamtpunktzahl: 100 Punkte).

Materialgrundlage:

Iring Fetscher: Konkrete Demokratie – heute. In: Frank Grube, Gerhard Richter (Hrsg.): Demokratietheorien – Konzeptionen und Kontroversen. Hamburg 1975, S. 194 – 205.

(Bei der vorliegenden Fassung handelt es sich um einen gekürzten Textauszug, der einen zusammenhängenden Gedankengang ergibt. Die Schreibweise folgt der Vorlage.)

Iring Fetscher: Konkrete Demokratie […] (1975)

Die Beteiligung der Individuen als Staatsbürger an der Gestaltung des Gemeinwesens erscheint in den klassischen Formulierungen der Verfassungen des ausgehenden achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts als ein Mittel zur Sicherung ihrer Freiheitsrechte, nicht als ein Wert an sich. Die realen Personen, die in Produktion und Tausch die Voraussetzungen ihrer Existenz 5 herstellen, sind als Staatsbürger darum bemüht, die Exekutive durch Gesetze auf ein vorausberechenbares Verhalten festzulegen und auf die Respektierung individueller Freiheiten zu verpflichten. Durch die Beteiligung der – vernünftig argumentierenden – Repräsentanten des Besitz- und Bildungsbürgertums an der Gesetzgebung durchs Parlament und durch die Kontrolle der Parlamente über die Regierungstätigkeit soll nach liberalem Selbstverständnis nur 10 sichergestellt werden, daß die Gesetze des freien Marktes ungehindert zur Auswirkung kommen und „Wohlstand für alle“ gewährleisten. […]

Für die demokratische Auffassung vom Menschen ist die Teilhabe an der Gestaltung des Gemeinwesens nicht ein geeignetes Mittel zur Garantie der Marktgesellschaft vor willkürlichen und unberechenbaren Eingriffen despotischer Staatsmacht, sondern eine Form der Entfaltung 15 und Bestätigung menschlicher Möglichkeiten überhaupt. […] Das Glück der Individuen wird nicht so sehr im Genuß der vom Gesetz garantierten Freiheitsspielräume erblickt, sondern vor allem in der gemeinsam mit den Mitbürgern ausgeübten Tätigkeit. […] Der reale Mensch wird als ein gesellschaftliches Wesen verstanden, das nur in und durch Gesellschaft seine Kräfte und Möglichkeiten entfalten kann. Die gemeinschaftliche Aktion aber wird primär als 20 eine politische Tätigkeit (politisches Handeln im Gemeinwesen und fürs Gemeinwesen) angesehen. […]

Sowohl die objektiven Verhältnisse als auch die Theorien machten im Laufe der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und vor allem in diesem Jahrhundert tiefgreifende Wandlungen durch. […] Der Staat beschränkt sich nicht mehr darauf, den ungehinderten Ablauf der 25 sozialen Prozesse der „bürgerlichen Gesellschaft“ durch Schutz nach außen und durch Verhinderung von Verbrechen im Inneren zu gewährleisten, er greift effektiv gestaltend in die Gesellschaft ein, ohne freilich immer des Ausmaßes und der Tragweite seiner gestaltenden Eingriffe sich bewußt zu werden.

Mit der Veränderung des Charakters und des Ausmaßes der staatlichen Tätigkeit mußte sich 30 auch die Haltung der Staatsbürger gegenüber Regierung und Verwaltung ändern. Neben die vor allem theoretisch festgehaltene und postulierte Einstellung des verantwortlichen Trägers des demokratischen Staates tritt immer mehr die des „berechtigten Empfängers“ von Leistungen und Zuwendungen aller Art. […] Mit der Verwandlung des Staates in einen Daseins-Vorsorge- und Leistungsapparat traten neben die klassischen Organe der staatsbürgerlichen Mit 35 bestimmung – die Parteien – Organe der Einflußnahme auf die staatliche Umverteilung des Sozialprodukts und auf die Vergabe von staatlichen Dienstleistungen. Diese Interessenverbände erlangten mit dem wachsenden Ausbau der Staatsintervention notwendig auch wachsenden Einfluß. […]

Bekanntlich hat sich der Charakter der politischen Parteien ebenso verändert wie der der 40 Regierungs- und Verwaltungstätigkeit. […] Integrationsparteien, die Wähler mehrerer unterschiedlicher sozialer Schichten ansprechen, beherrschen heute fast durchweg das Bild der westlichen Demokratien. Sie sind nicht mehr […] mit einem einzigen Interessenverband solidarisch, sondern bemühen sich nach Möglichkeit, allen – oder doch den meisten – gerecht zu werden. Diese Integrationsparteien sind offenbar genötigt, eine Wirtschafts-, Sozial- und 45 Finanzpolitik zu betreiben, die einer Mehrzahl von Interessenverbänden akzeptabel erscheint. Ihre Politik kann sich daher immer weniger von der konkurrierender anderer Parteien unterscheiden. Damit schwindet auch die Möglichkeit eines kritischen Programms (der Oppositionspartei). An die Stelle konkurrierender Programme tritt immer mehr die Werbung für konkurrierende Eliten. Die modernen Methoden der Markenartikelwerbung […] werden auf die 50 Parteipropaganda übertragen. Führer werden im Wahlkampf „herausgestellt“, Persönlichkeiten mit den raffinierten Methoden des sozialpsychologisch fundierten Marketing „aufgebaut“ und „verkauft“. […] Damit verwandelt sich die „Teilhabe“ der Staatsbürger am politischen Geschehen immer mehr in einen akklamatorischen Akt 1, der nicht mehr Aktivität erfordert als die Auswahl einer Zahnpastamarke oder eines Waschpulvers. […] Die Wähler erscheinen 55 eindeutig als Konsumenten, die […] eine Regierungspartei mit der Erledigung bestimmter Geschäfte beauftragen, wobei sie gewisse Kosten tragen müssen (Steuern) und entsprechende Dienste geliefert bekommen […], man darf aber doch wohl mit einigem Grund sich fragen, ob das soeben skizzierte Modell auch die Bedingungen eines demokratischen Gemeinwesens erfüllt. Man wird diese Frage vor allem dann verneinend beantworten müssen, wenn man politi 60 sche Teilhabe der Staatsbürger als ein wesentliches Kriterium einer Demokratie ansieht. […]

[Um demgegenüber demokratische Teilhabe in unserer Zeit wieder zu aktualisieren, kann man] nicht umhin, auch und gerade dort Demokratie zu postulieren 2, wo das konkrete Alltagsleben der Arbeiter und Angestellten sich abspielt: im Betrieb und im Büro 3. […] Sozial 65 wäre die dann entstehende Demokratie nicht, weil sie durch Maßnahmen der Umverteilung des Sozialprodukts extremen Konsummangel verhindert, sondern weil sie auch in der „bürgerlichen Gesellschaft“ das Prinzip der demokratischen Teilhabe realisiert und es damit überhaupt rettet. In der angezeigten Richtung liegt aber – wie mir scheint – nicht nur eine, sondern sogar die einzig mögliche Rettung der qualitativ-demokratischen Teilhabe der Staatsbürger 70 am Gemeinwesen. […]

Das Festhalten an der liberalen Ideologie, welche glaubte, Freiheit allein durch Nichtintervention des Staates und freie Konkurrenz gewährleisten zu können, ist angesichts der Existenz marktbeherrschender Kräfte, der totalen Politisierung 4 der Gesellschaft und der faktisch allgegenwärtigen Intervention der Verwaltung ein sicheres Mittel, um Freiheit zu zerstören. 75 Dagegen erscheint heute zugleich die erneut aktivierte und effektiv gemachte Teilhabe der Bürger an öffentlicher Kontrolle offen vergesellschafteter Macht der einzige Weg, der auch zu einer dauernden Sicherung der alten liberalen Freiheitsrechte führen könnte, denn diese sind heute nicht allein von einem gewaltig ausgedehnten Staatsapparat, sondern ebenso von bürokratisierten Verbänden und marktbeherrschenden Unternehmenskonzentrationen bedroht.

1 Akklamation: Abstimmung durch Zuruf oder Beifallklatschen

2 postulieren: fordern/einfordern

3 Fetscher denkt hier z. B. an Formen der betrieblichen Mitbestimmung, die ähnlich wie die Schülervertretung (SV) an der Schule organisiert sind.

4 Politisierung, hier: die zunehmende „Verwandlung des Staates in einen Daseins-Vorsorge- und Leistungsapparat“ (Z. 33 f.)

Zum Autor: Iring Fetscher (1922 – 2014) war ein deutscher Politikwissenschaftler und Professor für Politische Wissenschaften an der Universität Frankfurt.

1.

2.

3.

Aufgabe 2 · Kants Pflichtethik im Textvergleich

Aufgabenstellung:

Erörtern Sie die im Zitat angesprochene Problemstellung, indem Sie

Seneca: Briefe an Lucilius über Ethik

„Was ist beim Menschen am besten? Die Vernunft: durch sie ist er Tieren überlegen und kommt den Göttern nahe. Also ist vollkommene Vernunft sein spezifisches Gut, die übrigen Eigenschaften hat er mit Tieren und Pflanzen gemein. Er ist stark: Löwen auch. Er ist schön: Pfauen auch. Er ist schnell: Pferde auch. Ich sage damit nicht, er ist in all diesen Eigenschaften unterlegen; ich frage nicht, welche Eigenschaft er in höchstem Maß in sich hat, sondern was nur ihm eigen ist. Er hat einen Körper: Bäume auch. Er hat inneren Antrieb und vom Willen gesteuerte Bewegung: Tiere und Würmer auch. Er hat eine Stimme: aber eine wieviel lautere haben Hunde, eine gellendere Adler, eine dumpfere Stiere, eine lieblichere und melodischere Nachtigallen? Was ist beim Menschen das spezifische Gut? Die Vernunft: wenn diese fehlerfrei und zur Vollendung gebracht ist, macht sie das Glück des Menschen vollkommen. Wenn also jede Sache, sobald sie ihr eigenes Gut bis zur Vollkommenheit entwickelt hat, lobenswert ist und zum Ziel ihrer natürlichen Bestimmung gelangt ist, für den Menschen aber das ihm eigene Gut die Vernunft ist, ist er, wenn er diese bis zur Vollkommenheit entwickelt hat, lobenswert und hat das Ziel seiner natürlichen Bestimmung erreicht. Diese vollkommene Vernunft nennt man sittliche Vollkommenheit und, was dasselbe ist, das sittlich Gute.“

a)

die einzelnen Aspekte des Zitats analysieren, (10 Punkte)

b)

die Problemstellung aus der Perspektive von Aristoteles und Kant erläutern und dazu beide Positionen in ihren Grundzügen darstellen, (42 Punkte)

c)

abwägend zu der Frage Stellung nehmen, ob bzw. inwiefern die Vernunft als Basis moralischen Handelns genügen kann. (28 Punkte)

Aufgabe 3 · Das Leib-Seele-Problem

Abiturprüfung 2021 – Philosophie, Leistungskurs

Aufgabe 3

Materialgrundlage

Paul Thiry d'Holbach: System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt. Übers. v. Fritz-Georg Voigt. Suhrkamp 1978, S. 83 – 85. S. 138.

(Bei der vorliegenden Fassung handelt es sich um einen gekürzten Textausschnitt, der einen zusammenhängenden Gedankengang ergibt. Die Schreibweise folgt der Vorlage.)

Paul Thiry d'Holbach: Von der Seele [...] (1770)

Nachdem man dem Menschen willkürlich zwei verschiedene Substanzen angedichtet hatte, behauptete man, wie wir gesehen haben, daß diejenige, die unsichtbar in ihm selbst wirken sollte, wesentlich von derjenigen verschieden sei, die außen wirkte; die erste bezeichnete man, wie wir gesagt haben, mit dem Wort Geist oder Seele. Aber wenn wir fragen: was ist Geist ? dann antworten uns die modernen Philosophen, das Ergebnis aller ihrer metaphysischen Untersuchungen beschränke sich auf die Erkenntnis, daß das, was den Menschen wirken lasse, eine Substanz unbekannter Natur sei, in einem solchen Sinne einfach, unteilbar, ohne Ausdehnung, unsichtbar und sinnlich unerfaßbar, daß ihre Teile nicht einmal durch die Abstraktion oder in Gedanken getrennt werden können. Aber wie soll man sich eine solche Substanz vorstellen, die nur eine Negation alles dessen ist, was wir kennen? Wie soll man sich eine Idee machen von einer Substanz, die ohne Ausdehnung ist und dennoch auf unsere Sinne wirkt, das heißt, auf materielle Organe, die Ausdehnung haben? Wie kann ein Ding ohne Ausdehnung beweglich sein und Materie in Bewegung setzen? Wie kann eine Substanz ohne Teile fortwährend zu verschiedenen Teilen des Raumes in Beziehung stehen?

In der Tat ist die Bewegung, wie jeder zugeben muß, die fortlaufende Veränderung der Beziehungen eines Körpers zu verschiedenen Punkten eines Ortes oder des Raumes oder zu anderen Körpern. Wenn das, was man Geist nennt, imstande ist, Bewegungen zu empfangen oder mitzuteilen; wenn es wirkt; wenn es die Organe des Körpers spielen läßt: dann muß dieses Ding, um diese Wirkungen hervorzurufen, fortlaufend seine Beziehungen, sein Streben, seine wechselseitigen Verhältnisse und die Stellung seiner Teile zu verschiedenen Punkten des Raumes oder zu verschiedenen Organen des Körpers, den es in Bewegung setzt, ändern: aber um seine Beziehungen zu dem Raum oder zu den Organen, die er bewegt, zu verändern, muß dieser Geist Ausdehnung, Festigkeit und folglich unterschiedliche Teile haben: hat eine Substanz diese Eigenschaften, dann ist sie das, was wir Materie nennen [...]

Was man als Seele bezeichnet, bewegt sich mit uns; die Bewegung aber ist eine Eigentümlichkeit der Materie. [...] Diese Seele erweist sich auch bei den unüberwindlichen Hindernissen, die ihr seitens der Körper entgegengestellt werden, als materiell. Sie setzt meinen Arm in Bewegung, wenn sich dem nichts widersetzt; sie wird den Arm dann nicht in Bewegung setzen, wenn man ihn mit einem zu großen Gewicht belastet. Hier haben wir also eine materielle Masse, die den Anstoß aufhebt, der durch eine spirituelle Ursache gegeben wurde; diese müßte, da sie keine Verwandtschaft mit der Materie hat, mit derselben Leichtigkeit ebenso die ganze Welt wie ein Atom in Bewegung setzen und ein Atom ebenso wie die ganze Welt. Daraus kann man schließen, daß ein solches Ding ein Hirngespinst ist, eine Gedankenbildung. Dennoch hat man gerade ein solches einfaches Ding oder einen solchen Geist zur bewegenden Kraft der gesamten Natur gemacht. Sobald ich Bewegung wahrnehme oder erfahre, muß ich in der Substanz, die ich in Bewegung sehe oder von der ich Bewegung erhalte, Ausdehnung, Festigkeit, Dichte und Undurchdringlichkeit annehmen; wenn ich also irgendeiner Ursache Wirksamkeit zuschreibe, bin ich gezwungen, sie für materiell zu halten. Es ist möglich, daß ich ihre besondere Natur und Wirkungsart nicht kenne, aber ich kann mich nicht täuschen über die allgemeinen und aller Materie gemeinsamen Eigentümlichkeiten [...]. So ist eine spirituelle Substanz, die sich bewegt und wirkt, ein Widerspruch in sich selbst, woraus ich schließe, daß sie gänzlich unmöglich ist. [...]

[F]olglich hat meine Seele eine völlig mit meinem Körper übereinstimmende, der Materie eigentümliche Eigenschaft, weil sie sich zusammen mit ihm fortbewegt. [...]

Wir glauben, daß die Seele sich von selbst bewegt, weil wir die Triebfedern nicht sehen, die sie in Bewegung setzen, oder weil wir diese Triebkräfte für unfähig halten, die von uns bewunderten Wirkungen hervorzurufen. [...] Die Quelle unserer Irrtümer liegt darin, daß wir unseren Körper als rohen und trägen Stoff betrachten, während doch dieser Körper eine empfindungsfähige Maschine ist, die sich notwendig des Eindruckes in dem Augenblick, da sie ihn erhält, bewußt ist und die durch die Erinnerung der nach und nach erhaltenen Eindrücke das Bewußtsein des Ich hat. Die Erinnerung, die einen früher empfangenen Eindruck wieder lebendig macht oder ihn festhält oder einen empfangenen Eindruck fortdauern läßt, während man ihm einen anderen, dann einen dritten usw. hinzufügt, wird im Ganzen als Mechanismus der Vernunftbetätigung bezeichnet.

Zum Autor: Paul Thiry d'Holbach (1723 – 1789) war ein französischer Philosoph der Aufklärung.

1.

Stellen Sie das zugrunde liegende Problem und die Hauptthese des Autors dar und erarbeiten Sie, wie er argumentativ vorgeht. [26 Punkte]

2.

Vergleichen Sie die Position d'Holbachs mit derjenigen von Thomas Nagel. Stellen Sie hierfür zunächst Nagels Position in ihren Grundzügen dar. [30 Punkte]

3.

Beurteilen Sie, wie überzeugend beide Positionen sind, und nehmen Sie Stellung zu der Frage, ob bzw. inwiefern der Mensch Erfahrungen oder Erkenntnisse über die Seele bzw. das Bewusstsein erlangen kann. [24 Punkte]

Aufgabe 4 · Ethische Fallerörterung: Utilitarismus und Kant

Abiturprüfung 2021 – Philosophie, Leistungskurs

Aufgabenstellung:

Erörtern Sie das philosophische Problem, das sich im Fallbeispiel für den Freund stellt, indem Sie

1.

das ethische Problem benennen und seine zentralen Aspekte analysieren. (16 Punkte)

2.

das ethische Problem der Entscheidung, die im Fallbeispiel für den Freund des Kranken ansteht, mithilfe der Kantischen Ethik und der Ethik Schopenhauers erläutern und beurteilen und dabei die Grundsätze beider ethischer Positionen darstellen. (48 Punkte)

3.

abwägend zu der Frage Stellung nehmen, ob es moralisch vertretbar ist, existentielle Notlagen aus wirtschaftlichem Interesse auszunutzen. Reflektieren Sie dabei die Maßstäbe, die Sie Ihrer Position zugrunde legen. (16 Punkte)

Materialgrundlage: Ein guter Deal

Nach Michael J. Sandel: Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes. Berlin 2014, S. 169 f.

Jemand hat eine Lebensversicherung über 100.000 Dollar zu Gunsten seiner Frau abgeschlossen, die im Falle seines Todes damit die Ausbildung ihrer Kinder sicherstellen soll. Eines Tages erfährt er von seinem Arzt, dass er nur noch ein Jahr zu leben hat. Er möchte jetzt seine verbleibende Lebenszeit so gut wie möglich genießen und sich einige lang gehegte eigene Wünsche erfüllen. Er bittet daher einen Freund ihm anzubieten, ihm die Versicherung für 50.000 Dollar abzukaufen und außerdem die Bezahlung der Raten zu übernehmen, wenn er an der Stelle seiner Frau ihn als Begünstigten einsetzt. Wenn er dann stürbe, erhielte der Freund die gesamten 100.000 Dollar.

1.

2.

3.

Du kannst auch nach Themen lernen

Übe ein Thema mit gemischten Aufgaben aus den Prüfungen aller Jahre.

Alle 8 Themen ansehen

Andere Prüfungen 2021

GK · Haupttermin (2021) · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021) · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2021) · GK · Nachtermin (2021)