Aufgabe 2 · Abitur NRW Philosophie LK · Haupttermin 2021
Thema: Kants Pflichtethik im Textvergleich · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2021)
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung:
Erörtern Sie die im Zitat angesprochene Problemstellung, indem Sie
Seneca: Briefe an Lucilius über Ethik
„Was ist beim Menschen am besten? Die Vernunft: durch sie ist er Tieren überlegen und kommt den Göttern nahe. Also ist vollkommene Vernunft sein spezifisches Gut, die übrigen Eigenschaften hat er mit Tieren und Pflanzen gemein. Er ist stark: Löwen auch. Er ist schön: Pfauen auch. Er ist schnell: Pferde auch. Ich sage damit nicht, er ist in all diesen Eigenschaften unterlegen; ich frage nicht, welche Eigenschaft er in höchstem Maß in sich hat, sondern was nur ihm eigen ist. Er hat einen Körper: Bäume auch. Er hat inneren Antrieb und vom Willen gesteuerte Bewegung: Tiere und Würmer auch. Er hat eine Stimme: aber eine wieviel lautere haben Hunde, eine gellendere Adler, eine dumpfere Stiere, eine lieblichere und melodischere Nachtigallen? Was ist beim Menschen das spezifische Gut? Die Vernunft: wenn diese fehlerfrei und zur Vollendung gebracht ist, macht sie das Glück des Menschen vollkommen. Wenn also jede Sache, sobald sie ihr eigenes Gut bis zur Vollkommenheit entwickelt hat, lobenswert ist und zum Ziel ihrer natürlichen Bestimmung gelangt ist, für den Menschen aber das ihm eigene Gut die Vernunft ist, ist er, wenn er diese bis zur Vollkommenheit entwickelt hat, lobenswert und hat das Ziel seiner natürlichen Bestimmung erreicht. Diese vollkommene Vernunft nennt man sittliche Vollkommenheit und, was dasselbe ist, das sittlich Gute.“
a)
die einzelnen Aspekte des Zitats analysieren, (10 Punkte)
b)
die Problemstellung aus der Perspektive von Aristoteles und Kant erläutern und dazu beide Positionen in ihren Grundzügen darstellen, (42 Punkte)
c)
abwägend zu der Frage Stellung nehmen, ob bzw. inwiefern die Vernunft als Basis moralischen Handelns genügen kann. (28 Punkte)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
a) die einzelnen Aspekte des Zitats analysieren, (10 Punkte)
Lösung: Ausführliche Textanalyse der Aspekte des Seneca-Zitats gemäß den amtlichen Kriterien.
b) die Problemstellung aus der Perspektive von Aristoteles und Kant erläutern und dazu beide Positionen in ihren Grundzügen darstellen, (42 Punkte)
Lösung: Darstellung der Positionen von Aristoteles (Nikomachische Ethik) und Kant (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten) sowie Erläuterung des Problems aus beider Sicht.
c) abwägend zu der Frage Stellung nehmen, ob bzw. inwiefern die Vernunft als Basis moralischen Handelns genügen kann. (28 Punkte)
Lösung: Abwägende Argumentation pro und contra Vernunft als hinreichende Grundlage moralischen Handelns sowie eigenständige begründete Stellungnahme.
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