Aufgabe HT 1 - 3: Vergleichende Interpretation zweier Wer… · Abitur NRW Kunst LK · Haupttermin 2023
Thema: Vergleichende Interpretation zweier Werke · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
Materialgrundlage:
Bildmaterial:
Abbildung 1: Hannah Höch: Trauer, aus der Serie „Aus einem ethnographischen Museum“, 1925, 17,6 x 11,5 cm, Fotomontage mit Collage, Sammlung Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
Abbildung 2: Rebecca Horn: Paradieswitwe, 1975, Konstruktion mit beweglichen Metallverstrebungen und schwarzen Hahnenfedern, 200 x 80 cm, Sammlung Zeitgenössische Kunst / Kunstmuseum Bonn
Abbildungen 3 bis 5: Rebecca Horn: Paradieswitwe, 1975, Farbfotografien ausgewählter Szenen aus der gleichnamigen Performance
Abbildung 6: Rebecca Horn: Körperphantasien. Katalog zur Ausstellung vom 5. Juni – 22. September 2019 im Museum Tinguely, Basel. Wien: Verlag für moderne Kunst, S. 7
Textmaterial:
Zusatzinformationen zu Abbildung 1:
zum werkspezifischen Kontext: In den 1920er-Jahren interessierte sich Hannah Höch für die fremdartig erscheinende Kunst außereuropäischer Kulturen. Die Werkreihe „Aus einem ethnographischen Museum“ umfasst ca. 15 – 20 Arbeiten, in denen Höch vor allem Bildmaterialien verwendete, welche sich diesen Kulturkreisen zuordnen lassen.
Zusatzinformationen zu den Abbildungen 2 bis 6:
zum werkspezifischen Kontext: Mitte der 1970er-Jahre führte Rebecca Horn einige ihrer Aktionen und Performances in einem eigens dafür gemieteten Atelier durch. Sie fanden selten vor Zuschauerinnen und Zuschauern statt.
Die Performance „Paradieswitwe“ zeigt zunächst ein geschlossenes Federobjekt. Es steht zu Beginn der Performance lange still, bevor es sich öffnet, worauf ein nackter Frauenkörper sichtbar wird, um den sich in der Folge das Federkleid wieder schließt. Die Darstellerin im Federkleid reagiert dabei zunächst mit kaum merklichen Bewegungen, die sich von leichtem bis hin zu starkem Zittern und Abspreizen des Federkleids verändern. Der Bewegungsablauf im Federobjekt lässt sich durch die im Atelierraum platzierten Spiegel von der Seiten- und der Rückansicht beobachten (siehe Abbildungen 3 bis 5). Währenddessen werden von einer Frauenstimme aus dem Off tagebuchartige Texte vorgelesen. Diese Texte stammen aus einem Dialog zwischen Rebecca Horn und ihrem damaligen Lebensgefährten Timothy Baum, mit dem sie eine Fernbeziehung zwischen Berlin und New York führte.
Zusatzinformationen zum Titel:
„Paradieswitwen“ sind exotische Vögel mit schwarzem, glänzendem Gefieder und langen, ausgeprägten, ebenfalls schwarzen Schwanzfedern (bei Männchen einiger Arten). Mit dem Vogel wird die Freiheit des Geistes assoziiert, der im Körper gefangen ist.
Mit dem Begriff „Paradies“ wird – neben seiner religiösen Bedeutung – ein Ort beschrieben, der durch seine Gegebenheiten, seine Schönheit, seine guten Lebensbedingungen etc. die Voraussetzungen für ein schönes, glückliches, friedliches Dasein erfüllt.
Als „Witwe“ wird eine verheiratete Frau bezeichnet, deren Ehemann verstorben ist. Früher war es für Witwen üblich, nach dem Tode ihres Ehemannes in einer einjährigen Trauerzeit schwarze Kleidung zu tragen.
(Autorentexte auf der Grundlage von:
Detlef Bluemler & Lothar Romain (Hrsg.): Rebecca Horn. Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. München: WB Verlag 1988
Museum Tinguely (Hrsg.): Rebecca Horn. Körperphantasien. Katalog zur Ausstellung vom 05. Juni bis 22. September 2019 im Museum Tinguely, Basel. Wien: Verlag für moderne Kunst 2019, S. 138 f.
K20K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rebecca Horn. Bodylandscapes. Zeichnungen, Skulpturen, Installationen 1964 – 2004. Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung vom 02. Oktober 2004 bis 09. Januar 2005, Düsseldorf 2004)
3. Interpretieren Sie die beiden Werke vergleichend, indem Sie Ihre bisherigen Untersuchungsergebnisse und die Zusatzinformationen heranziehen und dabei auch die Titel der Werke berücksichtigen. Beziehen Sie in Ihre Überlegungen Ihr Wissen über die künstlerischen Verfahren und Strategien der Bildentstehung der Künstlerinnen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen individuellen und gesellschaftlichen Kontexte ein. [36 Punkte]
a)
b)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Interpretieren Sie die beiden Werke vergleichend, indem Sie Ihre bisherigen Untersuchungsergebnisse und die Zusatzinformationen heranziehen und dabei auch die Titel der Werke berücksichtigen (Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Einzelausdeutungen).
Lösung: Fundierte vergleichende Deutung beider Werke hinsichtlich Titel, Emotionalität, Körperlichkeit und spezifischer Aspekte von Höch („Trauer“) und Horn („Paradieswitwe“).
Beziehen Sie in Ihre Überlegungen Ihr Wissen über die künstlerischen Verfahren und Strategien der Bildentstehung der Künstlerinnen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen individuellen und gesellschaftlichen Kontexte ein.
Lösung: Kontextualisierung im Schaffen von Höch (Dadaismus, Dekonstruktion tradierter Frauenbilder) und Horn (Körpererweiterungen, Performancekunst der 1970er Jahre, persönliche Fernbeziehung).
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