Abitur NRW Geographie 2023 · GK · Nachtermin

Abiturprüfung Geographie in Nordrhein-Westfalen 2023, GK · Nachtermin: 1 Aufgabe mit Lösungen. Themen: Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls. Kostenlos.

Themen der Prüfung: Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls · Stadtentwicklung und Stadtumbau · Wirtschaftsfaktor Tourismus

Aufgabe 1 · Wirtschaftsfaktor Tourismus

Abiturprüfung 2023 · Geographie, Grundkurs (Nachtermin)

Thema: Vulnerabilität touristischer Destinationen – Das Beispiel Kuba

Materialgrundlage:

M 1: Atlaskarten nach Wahl

M 2: Kuba – Zentren des Tourismus und UNESCO-Welterbestätten

M 3: Klima Cayo Coco

M 4: Kuba – Steckbrief

M 5: Kuba – Internationaler Tourismus

M 6: Kuba – Touristenankünfte

M 7: Touristische Erschließung der Insel Cayo Coco

M 8: Zugbahn und Folgen des Hurrikans Irma 2017

M 2: Kuba – Zentren des Tourismus und UNESCO-Welterbestätten

UNESCO-Welterbestätten:

Kulturerbe: (1) Altstadt und Festungsanlagen von Havanna, (2) Historisches Zentrum der Stadt Trinidad und Zuckertal, (3) Festung Castillo de San Pedro de la Roca, (4) Archäologische Landschaft der ersten Kaffeeplantagen, (5) Kulturlandschaft Valle de Viñales, (6) Historisches Stadtzentrum von Cienfuegos, (7) Historisches Stadtzentrum von Camagüey.

Naturerbe: (8) Nationalpark Desembarco del Granma, (9) Alexander-von-Humboldt-Nationalpark.

M 3: Klima Cayo Coco

Monat · J · F · M · A · M · J · J · A · S · O · N · D

Sonnenstunden / Tag · 8 · 9 · 9 · 9 · 8 · 8 · 9 · 8 · 8 · 7 · 9 · 8

Wassertemperatur (°C) · 25 · 24 · 24 · 26 · 27 · 28 · 28 · 28 · 28 · 28 · 27 · 27

Regentage · 2 · 3 · 3 · 4 · 9 · 12 · 11 · 13 · 13 · 10 · 4 · 2

M 4: Kuba – Steckbrief

Politische und wirtschaftliche Entwicklung seit 1960:

1960

Kuba wird sozialistischer Staat: Beseitigung von privatem Grundbesitz, Verstaatlichung ausländischer Unternehmen, Handelsembargo der USA und nahezu aller westlichen Staaten.

1960 bis 1990

Mitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW): monostrukturierte, auf den Export von Zucker ausgerichtete Wirtschaft; hochgradige Abhängigkeit von der Einbindung in die RGW (85 % des Außenhandels; Bezug von Nahrungsmitteln und Energie).

1990

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks: katastrophale Wirtschaftskrise mit erheblichen Versorgungsengpässen; Einleitung ökonomischer Maßnahmen zur Überwindung der Versorgungskrise, u. a. Ausbau des internationalen Tourismus.

2010

Begrenzte Reformen: Zulassung kleiner selbstständiger Unternehmen, Vermietung von Privatzimmern.

2013

Reisefreiheit für alle Kubaner.

2014

Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit den USA.

11.03.2020

Bestätigung der ersten COVID-19-Fälle auf Kuba.

Strukturdaten:

Indikator · 2005 · 2020

Einwohner (in Mio.) · 11,3 · 11,3

BIP pro Kopf (in US-$) · 3.787 · 8.940

Erwerbstätige (in 1.000) · 4.864 · 5.100*

Lebenserwartung · 77,1 · 79,2

HDI · 0,734 (Rang 66) · 0,783 (Rang 83)

Exporte (in Mrd. US-$) · 2,3 · 1,2

Hauptexportgüter (2020) · Tabak (23,4 %), Zucker und Zuckerwaren (17,7 %)

Importe (in Mrd. US-$) · 8,1 · 5,1

Hauptimportgüter (2020) · Maschinen (24,7 %), Getreide (10,8 %), Fleisch (8,6 %)

* im Jahr 2019 arbeiteten 125.000 direkt und 556.000 indirekt Beschäftigte im Tourismusbereich.

M 5: Kuba – Internationaler Tourismus

Anteil der Einnahmen aus dem internationalen Tourismus am BIP:

Jahr · 2005 · 2010 · 2015 · 2018 · 2019

Anteil am BIP (in %) · 6,1 · 3,7 · 3,2 · 2,8 · 2,5

M 6: Kuba – Touristenankünfte

Touristenankünfte nach Herkunftsregionen:

Land · 2010 · 2015 · 2018

Kanada · 945.000 · 1.300.000 · 1.109.000

Vereinigte Staaten · 63.000 · 163.000 · 638.000

Kubaner aus Übersee · k. A. · 390.000 · 600.000

Italien · 112.000 · 138.000 · 208.000

Deutschland · 93.000 · 176.000 · 197.000

Russland · 56.000 · 44.000 · 190.000

M 7: Touristische Erschließung der Insel Cayo Coco

Erschließung von Cayo Coco und Cayo Guillermo: bis in die 1980er Jahre Nutzung als Luftwaffenstützpunkt durch die Sowjetunion; um 1990 Einstufung als geeignet für die touristische Nutzung; Bau touristischer Einrichtungen durch die kubanische Regierung in Kooperation mit internationalen Investoren.

Folgen der Erschließung: Unterbrechung des Wasseraustausches zwischen dem offenen Meer und den durch den Bau der Dammstraße entstandenen Lagunen; Anreicherung von Salz in den nun abgeschnittenen Meeresbereichen; Verlust von Habitaten für Flora und Fauna; hohes Müll- und Abwasseraufkommen; stoffliche (z. B. Schweröl) und immaterielle Emissionen; Schäden an Korallenriffen.

Pressemeldung (4. November 2022): Kubas Ministerrat hat die vorgelagerten Inseln der zentralkubanischen Provinz Ciego de Ávila zur „Sonderentwicklungszone für den Tourismus“ erklärt. Ziel: Entwicklung des Tourismus in Verbindung mit Sonne, Strand, Meeres- und Naturaktivitäten mit Schwerpunkt auf einem nachhaltigen, harmonischen und geplanten Ansatz.

M 8: Zugbahn und Folgen des Hurrikans Irma 2017

Kuba wird durchschnittlich jedes zweite Jahr von einem Hurrikan getroffen. Die „Hurrikan-Saison“ beginnt im Juli und endet im Oktober. Versicherte Gesamtschäden durch den Hurrikan Irma in den USA und der Karibik: 32 Mrd. US-$. Statistisch gesehen sind weltweit weniger als die Hälfte der Schäden durch Naturkatastrophen versichert.

1.

Lokalisieren Sie Kuba räumlich und kennzeichnen Sie, welches touristische Potenzial der Staat besitzt.

[20 Punkte]

2.

Erläutern Sie, wie sich der Tourismus in Kuba seit den 1990er Jahren entwickelt hat, wie er aufgebaut ist und welche Bedeutung er hat.

[30 Punkte]

3.

Nehmen Sie kritisch Stellung zu den Chancen und Gefahren, die sich aus der künftigen Entwicklung des Tourismus ergeben.

[30 Punkte]

Aufgabe 2 · Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls

Thema: Zukunftsfähige Entwicklung durch Rohstoffförderung und Industrialisierung? – Das Beispiel der Region Serra dos Carajás – Brasilien

Materialgrundlage

M 1: Atlaskarten nach Wahl

M 2: Region Serra dos Carajás 1990

M 3: Region Serra dos Carajás 2020

M 4: Marabá – Klima

M 5: Bergbauregion Carajás – Chronik

M 6: Eisenerzförderung in Brasilien

M 7: Projekt „S11D“

M 8: Pressemeldungen

Materialien

M 2: Region Serra dos Carajás 1990

Anmerkung: Einwohnerzahl 1991: Marabá 102.435; Parauapebas: 39.560

M 3: Region Serra dos Carajás 2020

Anmerkung: Einwohnerzahl Marabá 2021: 229.310; Parauapebas: 218.787

M 4: Marabá – Klima

M 5: Bergbauregion Carajás – Chronik

M 6: Eisenerzförderung in Brasilien

Anteil an weltweiter Förderung 2020: 17 %

Reserven: 26.000 Mio. t

Anteil an weltweiten Reserven: 18 %

Beschäftigte im Eisenerzbergbau:

2000: 16.300

2017: 48.300

M 7: Projekt „S11D“

Projekt S11D: Eisenerztagebau mit Erzaufbereitungsanlage; größtes Eisenerzminenprojekt der Welt

Lage: 50 km westlich von Canaã dos Carajás

Zeitraum: 2016 Beginn der Erzförderung; Fördermenge 100 Mio. Tonnen; Aufbereitungs- und Weiterverarbeitungsanlagen z. T. noch im Bau; 2020 Genehmigung der Erweiterung und Fördermengensteigerung auf 120 Mio. Tonnen ab 2024

Investor: Vale Mining (Betreiber der Carajás Minen, nach eigenen Angaben das Bergbauunternehmen mit den geringsten Produktionskosten weltweit)

Investitionsvolumen: Gesamtinvestition: 14,3 Mrd. US-; größte Privatinvestition Brasiliens des Jahrzehnts, davon 6,4 Mrd. US-InvestitionindieMineunddieAufbereitungsanlagen;7,9Mrd.US−Investition in die Mine und die Aufbereitungsanlagen; 7,9 Mrd. US- in eine 101 km lange neue Eisenbahnstrecke und den Ausbau der Ferrovia Carajás sowie des Erzhafens in São Luís.

M 8: Pressemeldungen

Brasilien - Rekordverluste im Regenwald

Berlin (02.09.2022)

WWF zum Tag des Amazonas: „Mit den Bäumen des Amazonas schwindet auch die Lebensgrundlage der Indigenen“

Die Waldvernichtung im Amazonas steigt auf den höchsten Wert seit fünf Jahren: Zwischen Januar und August 2022 wurden laut des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) im brasilianischen Amazonas-Regenwald 5.463 Quadratkilometer Wald zerstört – eine Fläche sechs Mal so groß wie Berlin. Darauf weist die Naturschutzorganisation WWF Deutschland [...] hin.

Indigene Völker im noch zum Großteil bewaldeten Bundesstaat Amazonas sind durch die Waldzerstörung besonders gefährdet.

Brasilien: Bergbaugigant bringt bedrohtestes Volk der Welt in Gefahr

(26.07.2012)

Das Vorhaben des Bergbaukonzerns Vale, eine Bahnstrecke zu erweitern, die schon einmal Teile von Brasiliens Amazonasgebiet für Eindringlinge erschlossen hatte, bringt nun das bedrohteste Volk der Welt in unmittelbare Gefahr.

Dem brasilianischen Unternehmen Vale gehört die weltweit größte Eisenerzmine Carajás. Bis zu zwei Kilometer lange Züge transportieren den wertvollen Rohstoff von der Mine im Amazonasgebiet bis an die Atlantikküste.

Vale plant nun die Bahnstrecke zu erweitern, damit einige der längsten Züge der Welt simultan in beide Richtungen fahren können. [...]

1.

Lokalisieren Sie die Region Serra dos Carajás und kennzeichnen Sie sowohl ihre naturräumliche Ausstattung als auch die Art der Raumnutzung am Anfang der 1990er Jahre. [25 Punkte]

2.

Erläutern Sie, wie sich die Region seit dieser Zeit entwickelt hat und welche Bedeutung diese Entwicklung für Brasilien besitzt. [29 Punkte]

3.

Nehmen Sie zu dieser Entwicklung kritisch Stellung. [26 Punkte]

Aufgabe 3 · Stadtentwicklung und Stadtumbau

Aufgabenstellung:

Thema: Aktuelle Stadtentwicklungsprozesse in Metropolen – Das Beispiel der Docklands in Melbourne

Materialgrundlage:

• M 1: Atlaskarten nach Wahl

• M 2: Entwicklung der Stadt Melbourne und des Hafens

• M 3: Plan zur Entwicklung der Docklands

• M 4: Melbourne – Innere Stadt

• M 5: Melbourne Docklands – Luftbilder 1983/2021

• M 6: Melbourne Docklands – Flächennutzung

• M 7: City of Melbourne – Arbeitsplätze 2020

• M 8: Entwicklungsprognosen

M 2: Entwicklung der Stadt Melbourne und des Hafens

Einwohnerzahlen Melbournes und Australiens

2003

2013

2021

Großraum Melbourne (Mio.)

3,59

4,35

4,59

Australien (Mio.)

19,9

22,3

25,6

Quellen: http://www.portofmelbourne.com.au; Victorian Places; Development Victoria; ResearchGate; australien-info.com (Stand 2022)

M 3: Plan zur Entwicklung der Docklands

Anfang 1990er-Jahre

Ergebnisse einer Untersuchung der Stadt Melbourne zu Stand und Zukunft des Immobilienmarktes:

steigende Immobilienpreise durch eine anhaltend hohe Nachfrage für

– Industrie- und in etwas geringerem Maße Büroflächen

– Wohnimmobilien (Miete/Kauf)

abnehmender Umsatz im Einzelhandel

steigender Bedarf an Hotelzimmern, v. a. wegen der wachsenden Rolle Melbournes als Eventstadt (Australian Open, Popkonzerte, etc.)

hohe Nachfrage nach Bootsliegeplätzen im Zentrum von Melbourne

1991 – 1994

Abgrenzung von sieben Teilgebieten innerhalb der Docklands zur Umgestaltung der Melbourner Hafen- und Uferzonen; Gründung der Melbourne Dockland Authority als zentraler Planungsinstanz, die einen Teil der Gewinne an den australischen Staat abführt:

Projektfläche: rd. 200 ha (einschließlich Straßen, öffentlicher Plätze, Parks etc.), 7 km frei zugängliche Uferzone

Investitionsvolumen: über 5 Mrd. A$ (ca. 3 Mrd. Euro)

Planungsziele nach Abschluss des Projekts, Mitte der 2020er-Jahre:

Wohnbevölkerung:

Arbeitsplätze:

Besucher/Jahr:

16.000

40.000

etwa 20 Mio.

Verteilung der Baumaßnahmen in den Docklands nach Nutzungsarten:

Wohnflächen · 50 %

Büroflächen · 27 %

Hotels · 4 %

Stadion · 5 %

Einzelhandel · 14 %

ab 1997

Beginn der Baumaßnahmen, zunächst im Bereich des Stadions

Quellen: Florenz Rogge (2003); Dirk Schubert (2007)

M 4: Melbourne – Innere Stadt

M 5: Melbourne Docklands – Luftbilder 1983/2021

M 6: Melbourne Docklands – Flächennutzung

①

1.800 Apartments in bis zu 22-stöckigen Hochhäusern; 30.000 m² Einzelhandelsflächen, 100.000 m² Büroflächen (v. a. für Hightech-Unternehmen); 250 Hotelbetten und mehrere Restaurants entlang der Kai-Promenade; Kunstgalerie, Skulpturenboulevard, Marina mit 300 Bootsliegeplätzen

②

Freizeitthemenpark, Multiplexkino, Entertainment Center und Riesenrad, Eissporthalle; 3.200 Dauer- und Teilzeitarbeitsplätze

③

Hochhausbebauung (u. a. Australiens größtes Bürohochhaus: 6.500 Beschäftigte), hochwertige Wohnappartements, Hotels und Restaurants; Einzelhandel, öffentlicher Park, Marina; Central Pier (denkmalgeschützt) für Veranstaltungen

④

2.000 Wohneinheiten für rd. 5.000 Bewohner entlang einer 30 m breiten, öffentlich zugänglichen Uferpromenade, 3.000 m² Einzelhandelsfläche, Restaurants, öffentliche Parkanlagen

⑤

Mischnutzung: Wohnen, Gewerbe, Kultur; insgesamt mehrere tausend Arbeitsplätze

⑥

Etihad-Stadium (seit 2000): 52.000 Plätze, Sport- und Konzertveranstaltungen; Fußgängerbrücke zur Innenstadt; siebenstöckiger Bürokomplex mit u. a. Sendezentrum und Zentrale eines Fernsehsenders

⑦

Technologiepark (ab 2001) mit Telekommunikationseinrichtungen für innovative Unternehmen, Forschungsinstitute und Lehranstalten zur Entwicklung neuer Hightech-Produkte

Quellen: Dirk Schubert (2007); thedistrictdocklands.com.au; development.vic.gov.au; batmanshill.com.au

M 7: City of Melbourne – Arbeitsplätze 2020

M 8: Entwicklungsprognosen

1.

Kennzeichnen Sie, wo die Melbourne Docklands liegen, und wie sie sich bis Mitte der 1990er-Jahre entwickelt haben und welche Bedeutung sie bis dahin hatten. [28 Punkte]

2.

Erläutern Sie, wie sich dieses Gebiet seitdem weiterentwickelt hat. [30 Punkte]

3.

Nehmen Sie kritisch Stellung zu den Chancen und den Risiken, die diese Entwicklung mit sich bringt. [22 Punkte]

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