Aufgabe 2 · Abitur NRW Geographie GK · Nachtermin 2023

Thema: Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2023)

Aufgabenstellung

Thema: Zukunftsfähige Entwicklung durch Rohstoffförderung und Industrialisierung? – Das Beispiel der Region Serra dos Carajás – Brasilien

Materialgrundlage

M 1: Atlaskarten nach Wahl

M 2: Region Serra dos Carajás 1990

M 3: Region Serra dos Carajás 2020

M 4: Marabá – Klima

M 5: Bergbauregion Carajás – Chronik

M 6: Eisenerzförderung in Brasilien

M 7: Projekt „S11D“

M 8: Pressemeldungen

Materialien

M 2: Region Serra dos Carajás 1990

Anmerkung: Einwohnerzahl 1991: Marabá 102.435; Parauapebas: 39.560

M 3: Region Serra dos Carajás 2020

Anmerkung: Einwohnerzahl Marabá 2021: 229.310; Parauapebas: 218.787

M 4: Marabá – Klima

M 5: Bergbauregion Carajás – Chronik

M 6: Eisenerzförderung in Brasilien

Anteil an weltweiter Förderung 2020: 17 %

Reserven: 26.000 Mio. t

Anteil an weltweiten Reserven: 18 %

Beschäftigte im Eisenerzbergbau:

2000: 16.300

2017: 48.300

M 7: Projekt „S11D“

Projekt S11D: Eisenerztagebau mit Erzaufbereitungsanlage; größtes Eisenerzminenprojekt der Welt

Lage: 50 km westlich von Canaã dos Carajás

Zeitraum: 2016 Beginn der Erzförderung; Fördermenge 100 Mio. Tonnen; Aufbereitungs- und Weiterverarbeitungsanlagen z. T. noch im Bau; 2020 Genehmigung der Erweiterung und Fördermengensteigerung auf 120 Mio. Tonnen ab 2024

Investor: Vale Mining (Betreiber der Carajás Minen, nach eigenen Angaben das Bergbauunternehmen mit den geringsten Produktionskosten weltweit)

Investitionsvolumen: Gesamtinvestition: 14,3 Mrd. US-; größte Privatinvestition Brasiliens des Jahrzehnts, davon 6,4 Mrd. US-InvestitionindieMineunddieAufbereitungsanlagen;7,9Mrd.US−Investition in die Mine und die Aufbereitungsanlagen; 7,9 Mrd. US- in eine 101 km lange neue Eisenbahnstrecke und den Ausbau der Ferrovia Carajás sowie des Erzhafens in São Luís.

M 8: Pressemeldungen

Brasilien - Rekordverluste im Regenwald

Berlin (02.09.2022)

WWF zum Tag des Amazonas: „Mit den Bäumen des Amazonas schwindet auch die Lebensgrundlage der Indigenen“

Die Waldvernichtung im Amazonas steigt auf den höchsten Wert seit fünf Jahren: Zwischen Januar und August 2022 wurden laut des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) im brasilianischen Amazonas-Regenwald 5.463 Quadratkilometer Wald zerstört – eine Fläche sechs Mal so groß wie Berlin. Darauf weist die Naturschutzorganisation WWF Deutschland [...] hin.

Indigene Völker im noch zum Großteil bewaldeten Bundesstaat Amazonas sind durch die Waldzerstörung besonders gefährdet.

Brasilien: Bergbaugigant bringt bedrohtestes Volk der Welt in Gefahr

(26.07.2012)

Das Vorhaben des Bergbaukonzerns Vale, eine Bahnstrecke zu erweitern, die schon einmal Teile von Brasiliens Amazonasgebiet für Eindringlinge erschlossen hatte, bringt nun das bedrohteste Volk der Welt in unmittelbare Gefahr.

Dem brasilianischen Unternehmen Vale gehört die weltweit größte Eisenerzmine Carajás. Bis zu zwei Kilometer lange Züge transportieren den wertvollen Rohstoff von der Mine im Amazonasgebiet bis an die Atlantikküste.

Vale plant nun die Bahnstrecke zu erweitern, damit einige der längsten Züge der Welt simultan in beide Richtungen fahren können. [...]

1.

Lokalisieren Sie die Region Serra dos Carajás und kennzeichnen Sie sowohl ihre naturräumliche Ausstattung als auch die Art der Raumnutzung am Anfang der 1990er Jahre. [25 Punkte]

2.

Erläutern Sie, wie sich die Region seit dieser Zeit entwickelt hat und welche Bedeutung diese Entwicklung für Brasilien besitzt. [29 Punkte]

3.

Nehmen Sie zu dieser Entwicklung kritisch Stellung. [26 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Geographie GK · Nachtermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Lokalisieren Sie die Region Serra dos Carajás und kennzeichnen Sie sowohl ihre naturräumliche Ausstattung als auch die Art der Raumnutzung am Anfang der 1990er Jahre.

Lösung: Umfassende Lokalisierung (Bundesstaat Pará, Nordbrasilien, Übergangsbereich Amazonastiefland / Brasilianisches Bergland), Kennzeichnung der naturräumlichen Gegebenheiten (tropisches Tageszeitenklima mit hoher Jahresniederschlagssumme > 2000 mm, ganzjährig warmen Temperaturen, tropischer Regenwald, reiche Erzlagerstätten) und der Raumnutzung Anfang der 1990er Jahre (Tagebaubetrieb im Konzessionsgebiet 'Ferro Carajás', Holz- und Eisenverhüttung, beginnender Siedlungsbau wie Parauapebas, Verkehrserschließung über Erzahn nach São Luís und Tucuruí-Wasserkraftwerk, inselhafte landwirtschaftliche Erschließung an Straßen).

2. Erläutern Sie, wie sich die Region seit dieser Zeit entwickelt hat und welche Bedeutung diese Entwicklung für Brasilien besitzt.

Lösung: Darstellung der massiven Zunahme von Weideland und Ackerbau auf Kosten des tropischen Regenwaldes (Entwaldung); rasanter Bevölkerungsanstieg in Städten wie Marabá und Parauapebas; Ausweitung des Bergbaus über die ursprünglichen Konzessionsgrenzen hinaus (z. B. Großprojekt S11D, Kupfer-, Gold-, Nickelabbau); Ausbau von Straßen- und Schieneninfrastruktur; überragende nationale ökonomische Bedeutung als Devisenbringer durch weltweiten Eisenerzexport (v. a. nach China) und Arbeitsplatzmotor in peripherem Raum.

3. Nehmen Sie zu dieser Entwicklung kritisch Stellung.

Lösung: Differenzierte Erörterung unter Abwägung der Dimensionen der Nachhaltigkeit: - Positiv / Ökonomisch: Wirtschaftswachstum, Integration in weltweite Rohstoffmärkte, Devisen, Arbeitsplätze, Abbau regionaler Disparitäten. - Negativ / Ökonomisch: Einseitige Rohstoffabhängigkeit (Klumpenrisiko, Monostruktur), Anfälligkeit gegenüber Weltmarktpreisen und Konjunktur (v. a. China), Endlichkeit der Ressourcen und steigende Förderkosten durch schlechteres Erz-Abraum-Verhältnis. - Ökologisch: Irreversible Vernichtung des artenreichen tropischen Regenwaldes, Beeinträchtigung des Wasser- und Lokalklimahaushalts, Fragmentierung von Ökosystemen. - Sozial: Gefährdung und Verdrängung indigener Völker, Verlust traditioneller Lebensweisen, Landkonflikte, geringe politische Mitbestimmung. Abschließendes begründetes Gesamturteil zur Zukunftsfähigkeit.

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