Aufgabe 2 bis 5 - Nervenzelle und Sinneszellen · Abitur NRW Biologie LK · Katzenminze 2025
Thema: Nervenzelle: Membranpotenziale und Erregungsleitung · Aus der Prüfung LK · Katzenminze (2025)
Aufgabenstellung
Material 1: Reaktion von Katzen auf Katzenminze
In Gegenwart von Katzenminze ( Nepeta cataria) zeigen viele Hauskatzen ( Felis sylvestris catus) ein charakteristisches Verhalten. Das Verhalten wird von dem Duftstoff Nepetalacton ausgelöst, der von der Katzenminze und anderen Pflanzen abgegeben wird. Sie reiben ihr Gesicht und ihren Kopf an den Pflanzen und rollen sich mit dem Körper über sie. Dieses Verhalten ist auch bei vielen weiteren Katzenarten zu beobachten, wie zum Beispiel beim Eurasischen Luchs ( Lynx rufus), beim Löwen ( Panthera leo) in Afrika, beim Amurleoparden ( Panthera pardus orientalis) in Asien und beim Jaguar ( Panthera onca) in Amerika.
Der Wirkmechanismus des Duftstoffs Nepetalacton wurde bei Hauskatzen genauer untersucht. Das daraus resultierende Modell ist in Abbildung 1 dargestellt. -Endorphine zählen zu den körpereigenen Stoffen, die Euphorie und andere positive Empfindungen bewirken. Sie werden im Gehirn ausgeschüttet und binden dort an -Opioidrezeptoren in postsynaptischen Membranen.
(in Anlehnung an: Uenoyama et al., 2021)
Material 2: Reaktion von Mücken auf Katzenminze
Die Wirkung von Katzenminze wurde auch bei weiteren Tierarten untersucht, unter anderem bei der Gelbfiebermücke ( Aedes aegypti), die weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Die weiblichen Mücken ernähren sich durch Blutsaugen an lebenden Tieren und Menschen. Dabei können sie verschiedene Krankheitserreger übertragen. Sie nehmen die Anwesenheit ihrer Wirte mithilfe von Duftstoffen wahr, die zum Beispiel über den Schweiß abgegeben werden.
Zur Untersuchung der Wirkung von Katzenminze auf Gelbfiebermücken wurden folgende Versuche durchgeführt: Weibliche Mücken konnten zwischen zwei Glasgefäßen mit Blut wählen. Das warme Blut war jeweils mit einer künstlichen Membran abgedeckt, über die eine 12 Stunden lang von Menschen getragene Socke gespannt wurde. Zwischen die Membran und die Socke wurde entweder Katzenminze oder kein zusätzlicher Stoff gegeben. Über 45 Minuten wurde alle fünf Minuten gezählt, wie viele Mücken auf der jeweiligen Socke gelandet waren. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt.
Material 3: Neurophysiologische Experimente mit dem TRPA1-Ionenkanal
Mücken meiden Oberflächen, deren Temperaturen über denen ihrer bevorzugten Wirte liegen. In den Membranen primärer Sinneszellen von Insekten kommt der Kationenkanal TRPA1 (Transient receptor potential ankyrin 1) vor. In Experimenten wurde nachgewiesen, dass der TRPA1-Ionenkanal bei der Gelbfiebermücke eine Rolle bei der Wahrnehmung schmerzauslösender Reize spielt. In einem Experiment wurde die intrazelluläre Calciumionen-Konzentration bei unterschiedlichen Temperaturen in gentechnisch veränderten Zellen gemessen, die in ihren Zellmembranen den TRPA1-Ionenkanal der Gelbfiebermücke enthielten (Abb. 2A). Außerdem wurde ein Rezeptorpotenzial abgeleitet (Abb. 2B).
(in Anlehnung an: Li et al., 2019)
Material 4: Ionenfluss durch den TRPA1-Ionenkanal
In einem weiteren Experiment wurden erneut Zellen verwendet, die in ihren Zellmembranen den TRPA1-Ionenkanal der Gelbfiebermücke enthielten. Diese Zellen wurden mit unterschiedlichen Konzentrationen von Katzenminze-Extrakt oder als Kontrolle mit Temperaturerhöhung behandelt und der Kationenfluss durch TRPA1-Ionenkanäle gemessen (Abb. 3). Katzenminze-Extrakt enthält den Duftstoff Nepetalacton (vgl. M 1).
2
Begründen Sie die in Material 2 beschriebene Versuchsdurchführung. Werten Sie die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse im Hinblick auf die Wirkung von Katzenminze auf Gelbfiebermücken aus (M 2).
[10 BE]
3
Erklären Sie den Kurvenverlauf des in Abbildung 2B dargestellten Rezeptorpotenzials (M 3).
[6 BE]
4
Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen der Reizstärke und der Schmerzintensität bei Gelbfiebermücken (M 3).
[6 BE]
5
Fassen Sie die in Abbildung 3 gezeigten Ergebnisse zusammen und erläutern Sie diese im Hinblick auf die Reaktion der Gelbfiebermücken auf Katzenminze (M 2 und M 4).
[8 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2 Begründen Sie die in Material 2 beschriebene Versuchsdurchführung. Werten Sie die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse im Hinblick auf die Wirkung von Katzenminze auf Gelbfiebermücken aus (M 2).
Lösung: Begründen: Die beiden im Versuch verwendeten Gefäße enthielten Blut, weil sich die weiblichen Gelbfiebermücken von tierischem oder menschlichem Blut ernähren. Da die Mücken lebende Wirte anfliegen, wurde das Blut auf 37 °C erwärmt. Die Mücken finden ihre Wirte mithilfe von Duftstoffen. Um sie anzulocken, wurde daher die Membran im Versuch mit einer getragenen Socke überdeckt. Der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen ist das Vorhandensein bzw. Fehlen von Katzenminze unter der Socke. Der Ansatz ohne Katzenminze diente dabei als Kontrolle. Die Anzahl der Landungen der Mücken auf den beiden Ansätzen ermöglicht Rückschlüsse auf die Wirkung der Katzenminze. Auswerten: Im Versuch befanden sich die weiblichen Gelbfiebermücken überwiegend auf den Socken, die nicht mit Katzenminze behandelt wurden. Die Mücken nahmen offenbar in der Katzenminze enthaltene Stoffe wahr. Diese Stoffe hatten eine abstoßende Wirkung auf die Mücken, sodass sie bevorzugt und mit der Zeit zunehmend auf der Kontroll-Socke landeten.
3 Erklären Sie den Kurvenverlauf des in Abbildung 2B dargestellten Rezeptorpotenzials (M 3).
Lösung: Durch den Temperaturreiz öffnen sich die TRPA1-Ionenkanäle in den Membranen der primären Sinneszellen. Calciumionen strömen in die Zelle, es kommt zu einer lokalen Depolarisation an der Zellmembran. Bei Abkühlung schließen die TRPA1-Ionenkanäle wieder. Die Calciumionen werden aus der Zelle heraustransportiert. Dadurch erreicht das Membranpotenzial allmählich den Wert des Ruhepotenzials.
4 Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen der Reizstärke und der Schmerzintensität bei Gelbfiebermücken (M 3).
Lösung: Schmerzauslösende Reize erzeugen in primären Sinneszellen, die den TRPA1-Kanal besitzen, ein Rezeptorpotenzial. Je stärker ein schmerzauslösender Reiz ist, desto höher ist die Amplitude und desto länger ist die Dauer der Depolarisation. Bei stärkerer und längerer Depolarisation wird am Axonhügel das Schwellenwertpotenzial länger erreicht, sodass eine höhere Frequenz von Aktionspotenzialen ausgelöst wird. Starke schmerzauslösende Reize lösen daher eine hohe Aktionspotenzialfrequenz und in Folge eine stärkere Schmerzwahrnehmung aus.
5 Fassen Sie die in Abbildung 3 gezeigten Ergebnisse zusammen und erläutern Sie diese im Hinblick auf die Reaktion der Gelbfiebermücken auf Katzenminze (M 2 und M 4).
Lösung: Zusammenfassen: Eine geringe Konzentration von Katzenminzen-Extrakt (0,1 %) führt zu einem sehr geringen Ionenfluss. Bei höherer Konzentration (0,5 %) ist ein stärkerer Ionenfluss messbar, der allerdings schwächer ist als bei einer Temperatureinwirkung von 40 °C. Erläutern: Katzenminzen-Extrakt ist demnach ebenfalls in der Lage den TRPA1-Ionenkanal zu öffnen. Dies geschieht unabhängig von einer Temperatureinwirkung. Der Extrakt löst daher vermutlich ebenfalls eine Schmerzwahrnehmung aus. Die Aktivierung der TRPA1-Ionenkanäle durch Katzenminze-Extrakt führt daher genauso wie Hitzeeinwirkung zu einer Vermeidungsreaktion bei Gelbfiebermücken.
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