Aufgabe 1 - Nervenzelle: Membranpotenziale und Erregungsl… · Abitur NRW Biologie GK · Hornisse-GN 2025
Thema: Nervenzelle: Membranpotenziale und Erregungsleitung · Aus der Prüfung GK · Hornisse-GN (2025)
Aufgabenstellung
Der schmerzhafte Stich einer Hornisse
Hornissenstiche sind sehr schmerzhaft. Die Schmerzwahrnehmung basiert auf einem komplexen neuronalen Vorgang.
Material 2: Untersuchung des Einflusses von Histamin auf Nozizeptoren
In der Membran der freien Nervenendigungen eines Nozizeptors gibt es verschiedene Rezeptoren z. B. für Acetylcholin, Glutamat, aber auch für Histamin. Das Gift der Hornisse enthält neben Adrenalin, Acetylcholin und Serotonin unter anderem auch Histamin. Abbildung 2 zeigt schematisch einen möglichen Wirkmechanismus von Histamin.
Um den Einfluss des Histamins auf die Schmerzhaftigkeit von Reizen zu untersuchen, wurde mit Nozizeptoren ohne bzw. mit Einwirkung von Histamin experimentiert. Dabei wurden unterschiedlich starke Reize gesetzt und die ableitenden Aktionspotenziale am Axon des Nozizeptors gemessen (Abb. 3).
2
Beschreiben Sie den in Abbildung 2 dargestellten Wirkmechanismus von Histamin bei der Signaltransduktion (M 2).
Beurteilen Sie, ob dieser Wirkmechanismus mit den experimentellen Befunden aus Abbildung 3 in Einklang steht (M 2). [9 BE]
Material 3: Lidocain
Einige Insektenstichsalben enthalten Lokalanästhetika. Anästhetika sind Medikamente, die eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern oder auszuschalten. Sie wirken auf die Nozizeptoren in der Haut. In vielen Insektenstichsalben ist unter anderem der Wirkstoff Lidocain enthalten (Abb. 4).
3
Erklären Sie die schmerzhemmende Wirkung von Lidocain (M 3). [4 BE]
Material 4: Bienen- und Hornissengifte im Vergleich
In der Bevölkerung ist die Angst vor Hornissenstichen häufig größer als die Angst vor Bienenstichen, da Hornissenstiche als schmerzhafter und gefährlicher gelten. In Tabelle 1 sind Faktoren aufgeführt, die bei Bienen- bzw. Hornissenstichen Einfluss auf die Schmerzhaftigkeit bzw. die Einstufung von deren Gefährlichkeit haben.
· Honigbiene · Hornisse
Auszug aus den Inhaltsstoffen der Gifte · Histamin
Serotonin
Adrenalin
· Histamin
Serotonin
Adrenalin
Acetylcholin
LD50-Werte der Gifte bei Mäusen* · 2,8 mg Gift/kg · 10 mg Gift/kg
Übertragene Giftmenge/Stich · 0,1 mg · 0,01 mg
*Der LD50-Wert beschreibt, bei welcher Giftmenge pro kg Körpergewicht die Hälfte der Versuchstiere getötet wird.
Information zu den Inhaltsstoffen:
Histamin: Gewebshormon und Neurotransmitter, führt zur Erweiterung der Blutgefäße
Serotonin: Gewebshormon und Neurotransmitter, fördert die Blutgerinnung, erzeugt eine gelassene Stimmung
Adrenalin: Hormon, erhöht die Herzfrequenz und den Blutdruck
Acetylcholin: Neurotransmitter, öffnet ligandengesteuerte Ionenkanäle zum Beispiel für Natrium-Ionen
4
Beurteilen Sie einen Bienen- und Hornissenstich hinsichtlich der Kriterien Gefährlichkeit und Schmerzhaftigkeit anhand der Materialien 2 und 4 (M 2, M 4). [9 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2 Beschreiben Sie den in Abbildung 2 dargestellten Wirkmechanismus von Histamin bei der Signaltransduktion (M 2). Beurteilen Sie, ob dieser Wirkmechanismus mit den experimentellen Befunden aus Abbildung 3 in Einklang steht (M 2).
Lösung: Beschreiben: - Die Bindung von Histamin am Histamin-Rezeptor ermöglicht der Adenylatcyclase ATP in cAMP umzuwandeln. - cAMP öffnet Natrium-Ionen-Kanäle. Beurteilen: - Die dargestellte Wirkung von Histamin steht im Einklang mit den experimentellen Befunden. - Mit Histamin kann die Erregungsausbildung schon bei geringerer Reizintensität ablaufen. Histamin sensibilisiert die Nozizeptoren, so dass auch schon leichte, sonst nicht schmerzhafte Reize die Schmerzwahrnehmung auslösen. - Der ligandengesteuerte Natrium-Ionen-Kanal öffnet, obwohl die Reizintensität die benötigte Depolarisation nicht auslöst. - Ohne Histamin muss allein die durch die Reizung hervorgerufene Depolarisation stark genug sein, um Natrium-Ionen-Kanäle zu öffnen.
3 Erklären Sie die schmerzhemmende Wirkung von Lidocain (M 3).
Lösung: Lidocain kann ins Innere des Axons diffundieren und blockiert spannungsabhängige Natrium-Ionen-Kanäle durch Bindung an diese. Eine Depolarisation wird erschwert bzw. gehemmt, da keine Natrium-Ionen einströmen können. Aktionspotenziale werden nicht ausgelöst. Die Erregungsleitung wird unterbrochen. Eine Schmerzwahrnehmung findet nicht statt, obwohl der Schmerzreiz anhält.
4 Beurteilen Sie einen Bienen- und Hornissenstich hinsichtlich der Kriterien Gefährlichkeit und Schmerzhaftigkeit anhand der Materialien 2 und 4 (M 2, M 4).
Lösung: Schmerzhaftigkeit: - Hornissenstiche sind schmerzhafter, da Hornissengift zusätzlich neben den anderen Inhaltsstoffen, die in beiden Giften vorkommen, Acetylcholin enthält. - Die freien Nervenendigungen der Nozizeptoren besitzen Acetylcholin-Rezeptoren. Vermitteln diese eine Öffnung von Natrium-Ionenkanälen, wird die Signaltransduktion verstärkt und der Schmerz stärker wahrgenommen. Gefährlichkeit: - Hornissengift hat bei Mäusen einen viel höheren LD50-Wert als Bienengift. - Es muss für einen tödlichen Verlauf nach dem Stich also viel mehr Gift injiziert werden. - Hornissen übertragen jedoch pro Stich viel weniger Gift als Bienen. - Basierend auf den Daten ist Bienengift gefährlicher als Hornissengift.
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