Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1.3: Finanzierung (Kredit,… · Abitur Hessen Wirtschaftslehre LK 2021
Thema: Außenfinanzierung und Sonderformen der Finanzierung · Aus der Prüfung LK (2021)
Aufgabenstellung
Livskilde GmbH
Die Livskilde GmbH aus Hessen schöpft aus über 20 Quellen ihr Mineralwasser und erzielt im Jahr 2020 mit einem Absatz von 243 Mio. Litern einen Umsatz in Höhe von 152 Mio. €. Im Betrieb in Nidderau wird Mineralwasser, im Betrieb in Usingen werden nicht alkoholische Getränke abgefüllt. Der Absatzmarkt befindet sich fast zu 95% auf dem hessischen Markt. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 600 Mitarbeiter bei einer 40-Stundenwoche. Die Livskilde GmbH erwirtschaftete im Jahr 2019 einen Gewinn von 10 Mio. €. Die Geschäftsleitung ist interessiert an weiteren relevanten Daten für wichtige operative und strategische Entscheidungen.
Material 1: Datenmaterial zur Produktionsprogrammanalyse
Absatzzahlen
Jahr/Absatz in Mio. Liter · Mineralwasser · Säfte · Limonade · Schorlen
2004 · 152 · 11,1 · 30 · 17
2008 · 156 · 15 · 35,4 · 20
2012 · 160 · 18,1 · 33 · 23
2016 · 162 · 21,4 · 30,6 · 28
2020 · 159 · 26 · 26 · 32
Verkaufspreise
Jahr/Preis pro Liter · Mineralwasser · Säfte · Limonaden · Schorlen
2004 · 0,42 € · 0,80 € · 0,52 € · 0,67 €
2008 · 0,45 € · 0,85 € · 0,55 € · 0,72 €
2012 · 0,49 € · 0,90 € · 0,56 € · 0,75 €
2016 · 0,52 € · 0,96 € · 0,59 € · 0,83 €
2020 · 0,52 € · 1,00 € · 0,62 € · 0,85 €
Produkte · Umsatz des größten Wettbewerbers in 2020 · Marktwachstum im Jahr 2021
Mineralwasser · 75,0 Mio. € · + 1,0 %
Säfte · 22,5 Mio. € · + 5,0 %
Limonaden · 47,0 Mio. € · + 0,2 %
Schorlen · 23,0 Mio. € · + 2,8 %
Material 2: Daten aus der Controlling-Abteilung Nidderau
Eine Kundenbefragung ergab, dass neben Mineralwasser auch dringend Kokoswasser in Hessen angeboten werden soll. Das Kokoswasser müsste zunächst von einem österreichischen Anbieter bezogen werden. Die Controlling-Abteilung hat alle wesentlichen Daten bereits ermittelt:
Plan-Zahlen für das Jahr 2021 · Mineralwasser (Eigenproduktion) · Kokoswasser
geplante Absatzmenge in Kästen · 14 000 000 · 500 000
Kapazitätsgrenze Produktionsmenge in Kästen · 15 000 000 · –
Verkaufspreis in € je Kasten · 5,99 · 14,99
variable Kosten in € je Kasten · 4,06 · –
Einstandspreis in € je Kasten · – · 10,49
Fixkosten des Betriebs in € · 25 Mio.
1.3 Die Geschäftsleitung hat sich am Standort Nidderau für die Investition in eine neue PET-Mehrweganlage mit einer Stundenleistung von 15000 Litern entschieden. Der voraussichtliche Finanzmittelbedarf beträgt hierfür 6,5 Mio. Euro. Für die Investition in Flaschen und Kästen werden weitere 3 Mio. Euro notwendig. Weitere 3 Mio. Euro fließen in den Bau einer neuen 6000 qm großen Lager- und Verladehalle mit entsprechender Freifläche. Der für Finanzen zuständige Geschäftsführer möchte, aufgrund des günstigen Zinsniveaus, die Hälfte des Finanzbedarfs mit einem Ratendarlehen finanzieren.
Material 3: Kreditangebot der Bank für ein Ratendarlehen
– Auszahlung: 100%
– Zinssatz: 3,01% p.a.
– Laufzeit: 5 Jahre
– jährliche Tilgung zum Jahresende
1.3.1
Berechnen Sie mit Hilfe von Material 3 die Schuld am Anfang des Jahres, die Tilgung und Zinszahlungen und die Schuld am Ende des Jahres während der gesamten Laufzeit des Darlehens sowie die gesamte Liquiditätsbelastung, wenn der Kredit nach fünf Jahren vollständig getilgt sein soll. [6 BE]
Jahre
Schuld am Anfang des Jahres (€)
Tilgung (€)
Zinsen (€)
Schuld am Ende des Jahres (€)
Summe
–
–
–
1.3.2
Stellen Sie zwei Faktoren dar, die auf das Kreditrating der Livskilde GmbH einwirken. [4 BE]
1.3.3
Die Livskilde GmbH plant im Jahr 2022 einen Umsatz von 140 Mio. € zu erwirtschaften. Das Zahlungsziel beträgt 30 Tage. Eine im Markt bekannte Factoring Gesellschaft legt der Geschäftsführung folgendes Factoring-Angebot vor:
– Dienstleistungsgebühr: 1,3% des Umsatzes
– Delkrederegebühr: 0,7% des Umsatzes
– Zinsen: 5,7% pro Jahr
Bestimmen Sie die jährlichen Kosten des Factorings und erläutern Sie zwei weitere Aspekte, die zur Entscheidungsfindung (für oder gegen das Angebot) herangezogen werden sollten. [7 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.3.1 Jahr 1: Schuld am Anfang des Jahres
Lösung: 6.250.000 €
1.3.1 Jahr 1: Tilgung
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 1: Zinsen
Lösung: 188.125 €
1.3.1 Jahr 1: Schuld am Ende des Jahres
Lösung: 5.000.000 €
1.3.1 Jahr 2: Schuld am Anfang des Jahres
Lösung: 5.000.000 €
1.3.1 Jahr 2: Tilgung
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 2: Zinsen
Lösung: 150.500 €
1.3.1 Jahr 2: Schuld am Ende des Jahres
Lösung: 3.750.000 €
1.3.1 Jahr 3: Schuld am Anfang des Jahres
Lösung: 3.750.000 €
1.3.1 Jahr 3: Tilgung
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 3: Zinsen
Lösung: 112.875 €
1.3.1 Jahr 3: Schuld am Ende des Jahres
Lösung: 2.500.000 €
1.3.1 Jahr 4: Schuld am Anfang des Jahres
Lösung: 2.500.000 €
1.3.1 Jahr 4: Tilgung
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 4: Zinsen
Lösung: 75.250 €
1.3.1 Jahr 4: Schuld am Ende des Jahres
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 5: Schuld am Anfang des Jahres
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 5: Tilgung
Lösung: 1.250.000 €
1.3.1 Jahr 5: Zinsen
Lösung: 37.625 €
1.3.1 Jahr 5: Schuld am Ende des Jahres
Lösung: 0 €
1.3.1 Summe der Zinsen
Lösung: 564.375 €
1.3.1 Gesamte Liquiditätsbelastung
Lösung: 6.814.375 € / 6,814375 Mio. €
1.3.2 Stellen Sie zwei Faktoren dar, die auf das Kreditrating der Livskilde GmbH einwirken.
Lösung: Faktoren sind z.B. die Rentabilität und die Gewinnrücklagen der Livskilde GmbH. Ein weiterer Faktor ist die Zahlungszuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Rechnungsbegleichung. Beide Faktoren beeinflussen die Kreditwürdigkeit (Bonität).
1.3.3 Dienstleistungsgebühr des Factorings
Lösung: 1.820.000 € / 1,82 Mio. €
1.3.3 Delkrederegebühr des Factorings
Lösung: 980.000 € / 0,98 Mio. €
1.3.3 Kapitalkosten (Zinsen) des Factorings
Lösung: 665.000 € / 0,665 Mio. €
1.3.3 Jährliche Kosten des Factorings (Summe)
Lösung: 3.465.000 € / 3,465 Mio. €
1.3.3 Erläutern Sie zwei weitere Aspekte, die zur Entscheidungsfindung herangezogen werden sollten.
Lösung: Ein Aspekt könnte der Liquiditätsvorteil sein, der dadurch entsteht, dass die Livskilde GmbH rasch einen Großteil der Forderungen von der Factoringgesellschaft erhält und damit selbst die erhaltenen Lieferungen schnellstmöglich, bzw. mit Nutzung von Skonto bezahlen könnte. Auf der anderen Seite ist die Frage zu beantworten, was mit denjenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschehen soll, die gegenwärtig das Forderungsmanagement übernehmen.
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