Abitur Hessen Psychologie 2022 · GK

Abiturprüfung Psychologie in Hessen 2022, GK: 8 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Entwicklung: Begriff, Anlage und Umwelt, Erklärungsmodelle. Kostenlos.

Themen der Prüfung: Entwicklung: Begriff, Anlage und Umwelt, Erklärungsmodelle · Psychosoziale und moralische Entwicklung (Erikson, Kohlberg) · Persönlichkeitspsychologie: Begriff, Paradigmen und Rogers · Soziale Gruppe, Konformität, Autorität und Gehorsam

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Entwicklung: Begriff, Anlage und Umwelt, Erklärungsmodelle

Grundbegriffe von Entwicklung und der Einfluss sozialer Gruppen

Aufgaben – 1 Grundbegriffe von Entwicklung

Material 1

Werner Stangl: Anlage und Umwelt in der kindlichen Entwicklung – Versuch über die Veränderung der psychologischen Perspektive (2021)

Bei der Beantwortung der Frage, worauf ein bestimmtes Verhalten oder Merkmal eines Kindes zurückgeführt werden kann, wird häufig die Erklärung „Das hat es von seinen Eltern“ bemüht, wobei damit zweierlei gemeint sein kann:

Das Merkmal wurde von den Eltern „geerbt“, ist also angeboren und in jenen Genen festgelegt, die das Kind bei der Verschmelzung von Ei und Samenzelle mitbekommen hat, wobei mit dieser Vorstellung mehr oder minder auch spätere Unveränderlichkeit und Unbeeinflussbarkeit durch äußere Einflüsse betont wird, oder das Kind hat dieses Verhalten von bzw. bei seinen Eltern gelernt, wobei implizit die Annahme zu Grunde liegt, dass zwar auch die Eltern in bestimmter Weise dafür verantwortlich sind, dass jedoch durch geeignete Einflüsse (Kindergarten, Schule, andere Personen, die physische und soziale Umwelt usw.) zumindest potenziell eine Veränderung möglich wäre, nicht zuletzt durch das Verhalten der Kinder selber.

Diese zwei Positionen haben lange Zeit auch die wissenschaftliche Diskussion und Forschung beschäftigt, gelten heute aber in dieser Form als überholt, wenngleich eine Auseinandersetzung mit diesen Erklärungsmustern eine notwendige Voraussetzung dafür bietet, neue Sichtweisen auf diese auch mit anderen Begriffspaaren gekennzeichnete Dichotomie von „Anlage - Umwelt“, […] „endogen – exogen“ oder „nature – nurture“ zu gewinnen.

[…] Menschen teilen ein Leben lang einen wesentlichen Anteil der Gene mit ihren Eltern, so dass Gene die Entwicklung der Persönlichkeit in bedeutsamer Weise beeinflussen, wobei es sich dabei eher um breite Verhaltenstendenzen handelt, die weitergegeben werden. Jedoch erklären Gene nur etwa vierzig bis fünfzig Prozent des Verhaltens, denn auch die Umwelt spielt bei der Entwicklung eine wichtige Rolle. Zum einen gibt es die geteilte Umwelt, die man etwa mit den Geschwistern gemeinsam hat, mit denen man in seiner Familie aufwächst, dazu zählen aber auch die Werte und der Erziehungsstil der Eltern oder die sozioökonomischen Faktoren wie Bildung und Geld. Dann gibt es die nicht-geteilte Umwelt, also Freunde, die man alleine hat, eine Lehrerin, die bestimmte Sichtweisen eröffnet hat, vielleicht einen Unfall, den man hatte und der ängstlich gemacht hat. Es gibt darüber hinaus auch das unterschiedliche Verhalten von Eltern, wenn etwa ein Kind bevorzugt wird oder eines weniger gefördert wird. Die Forschung zeigt, dass vor allem dieser zweite Umwelteinfluss wichtig ist für die Entwicklung der Persönlichkeit, aber auch die Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens macht.

Menschen werden dann in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung den Eltern unähnlicher, etwa in Phasen der Abgrenzung oder der Rebellion wie in der Pubertät. Dann versuchen manche mehr oder weniger aktiv gegen die Ähnlichkeiten mit Mutter und Vater anzukämpfen, sich abzugrenzen von dem, was besonders nah ist. Später im Leben aber kommen mit zunehmendem Alter Phasen, in denen man Ähnlichkeiten zu den Eltern wieder zulässt, d.h., wenn der elterliche Einfluss und deren Anforderungen schwächer werden und die eigene Persönlichkeit mehr Raum bekommt. Vor allem wenn man selber Kinder bekommt, treten Ähnlichkeiten zu den Eltern wieder stärker hervor, indem man ähnliche Rollen wie diese einnimmt. Wer einmal die starke Erfahrung gemacht hat, dass er vom genetischen Vorbild erfolgreich abgewichen ist, traut sich häufig auch in anderen Bereichen zu, einen Schlussstrich zu ziehen und neue Verhaltensmuster zu entwickeln, diese dann zu erproben und dann zu verfestigen, sodass man später von einem internalisierten Verhalten sprechen kann.

Zeitzuleben Newsletter (2021), URL: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/Anlage-Umwelt.shtml/ (abgerufen am 10.02.2021).

Material 2

Werner Stangl: Theoretisches Modell der Perspektive einer aktiven Auseinandersetzung des Kindes mit Anlage- und Umweltfaktoren (2021)

Zeitzuleben Newsletter (2021), URL: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/Anlage-Umwelt.shtml/ (abgerufen am 10.02.2021).

1.1

Skizzieren Sie den Begriff „Entwicklung“. (3 BE)

Hinweis: Hier ist eine Definition gefordert.

1.2

Fassen Sie Material 1 zusammen. (10 BE)

1.3

Erklären Sie ausgehend von Material 1 die Anlage-Umwelt-Debatte sowie das Zusammenwirken beider Faktoren. (7 BE)

1.4

Begründen Sie einen der beiden Standpunkte (Anlage oder Umwelt). (14 BE)

1.5

Erläutern Sie die empirische Vorgehensweise zur Erforschung der Entwicklungsfaktoren Anlage und Umwelt. (11 BE)

1.6

Erläutern Sie anhand von Material 2 die dargestellte Entwicklungstheorie. (10 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Soziale Gruppe, Konformität, Autorität und Gehorsam

Material 3

Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit – Ein Maß für Unmoral (2019)

Manchmal tun Menschen Böses. Sie betrügen, rauben, werden gewalttätig oder fügen anderen sonstiges

Leid zu, mitunter sogar ohne ersichtlichen Grund. Die Nachrichten führen uns solches Verhalten

täglich vor Augen, und die Geschichtsbücher sind voller Beispiele für entsetzliche Taten. Insofern

stellt sich die Frage: Warum tun Menschen so etwas?

5 Eine typische Konstellation von Eigenschaften, die mit unmoralischen Taten zusammenhängen,

bezeichnen Psychologen als „Dunkle Triade der Persönlichkeit“: Dahinter verbergen sich die drei

Merkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie [...]. Auf den ersten Blick unterscheiden

sich diese voneinander: Ein ausgeprägter Narzisst ist selbstverliebt und denkt in erster Linie an sich, ein

Mensch mit machiavellistischen Zügen lügt und betrügt strategisch zum eigenen Vorteil, und

10 Psychopathen wiederum tun oft rücksichtslos einfach das, wonach ihnen gerade ist. Wie Studien

belegen, treten diese dunklen Eigenschaften – übermäßige Eigenliebe, Hang zu Betrügereien und Rück-

sichtslosigkeit – jedoch häufig gemeinsam auf. Daneben gibt es allerdings noch weitere relevante

Merkmale wie Egoismus, Gehässigkeit oder Sadismus.

Über die Jahre haben Forscher eine Reihe von „dunklen“ Persönlichkeitseigenschaften zueinander in

15 Beziehung gesetzt. Dabei zeigte sich zum einen, dass viele davon ähnlich definiert werden und ent-

sprechende Fragebögen oft vergleichbare Aussagen enthalten. Zum anderen hängen solche Persönlich-

keitseigenschaften statistisch eng zusammen: Wer eine hohe Ausprägung einer dunklen Eigenschaft

zeigt, sagen wir viel Machiavellismus, weist auch eher ein beträchtliches Maß einer anderen auf, etwa

Psychopathie.

20 Angesichts dieser theoretischen und empirischen Überschneidungen stellt sich die Frage, ob alle dunklen

Persönlichkeitsmerkmale einen gemeinsamen Kern haben. Diesen zunächst hypothetischen „Kern des

Bösen“ bezeichnen wir als D-Faktor (in Anlehnung an den in der Wissenschaft verbreiteten englischen

Ausdruck „dark traits“ für dunkle Persönlichkeitseigenschaften). Die Idee des D-Faktors ist der des

allgemeinen Intelligenzfaktors ähnlich. So gehen Forscher bereits seit gut 100 Jahren davon aus, dass

25 dem Abschneiden in unterschiedlichen Fähigkeitstests – etwa bei Aufgaben zum logischen Schluss-

folgern, zum Merkvermögen oder zur räumlichen Vorstellung – ein gemeinsamer Nenner zu Grunde

liegt. Analog dazu vermuten wir für den D-Faktor: Personen mit hoher Ausprägung zeigen bei vielen

oder gar allen „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen höhere Ausprägungen und zugleich recht regel-

mäßig sozial problematisches Verhalten.

30 Ähnlich wie sich Intelligenz in verschiedenen Fähigkeiten ausdrücken kann, beschreibt auch der D-

Faktor eine Tendenz, die sich unterschiedlich manifestiert (sei es etwa als starker Narzissmus oder

Sadismus). Der D-Faktor beschreibt die Neigung einer Person, für den eigenen Vorteil negative Folgen

für andere oder für die Gemeinschaft in Kauf zu nehmen oder gar aktiv herbeizuführen. Begleitet wird

dies in der Regel von Überzeugungen, die ein solches Verhalten zu rechtfertigen helfen.

Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit, in Gehirn & Geist, (Heft 8) 2019, S. 20–23.

2 Der Einfluss sozialer Gruppen

2.1

Stellen Sie die sozialpsychologischen Erkenntnisse des Stanford-Prison-Experiments nach Zimbardo dar.

[10 BE]

2.2

Fassen Sie Material 3 zusammen.

[7 BE]

2.3

Setzen Sie den D-Faktor aus Material 3 in Beziehung zu den sozialpsychologischen Erkenntnissen aus Zimbardos Stanford-Prison-Experiment.

[12 BE]

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 3 · Persönlichkeitspsychologie: Begriff, Paradigmen und Rogers

Material 3

Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit – Ein Maß für Unmoral (2019)

Manchmal tun Menschen Böses. Sie betrügen, rauben, werden gewalttätig oder fügen anderen sonstiges

Leid zu, mitunter sogar ohne ersichtlichen Grund. Die Nachrichten führen uns solches Verhalten

täglich vor Augen, und die Geschichtsbücher sind voller Beispiele für entsetzliche Taten. Insofern

stellt sich die Frage: Warum tun Menschen so etwas?

5 Eine typische Konstellation von Eigenschaften, die mit unmoralischen Taten zusammenhängen,

bezeichnen Psychologen als „Dunkle Triade der Persönlichkeit“: Dahinter verbergen sich die drei

Merkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie [...]. Auf den ersten Blick unterscheiden

sich diese voneinander: Ein ausgeprägter Narzisst ist selbstverliebt und denkt in erster Linie an sich, ein

Mensch mit machiavellistischen Zügen lügt und betrügt strategisch zum eigenen Vorteil, und

10 Psychopathen wiederum tun oft rücksichtslos einfach das, wonach ihnen gerade ist. Wie Studien

belegen, treten diese dunklen Eigenschaften – übermäßige Eigenliebe, Hang zu Betrügereien und Rück-

sichtslosigkeit – jedoch häufig gemeinsam auf. Daneben gibt es allerdings noch weitere relevante

Merkmale wie Egoismus, Gehässigkeit oder Sadismus.

Über die Jahre haben Forscher eine Reihe von „dunklen“ Persönlichkeitseigenschaften zueinander in

15 Beziehung gesetzt. Dabei zeigte sich zum einen, dass viele davon ähnlich definiert werden und ent-

sprechende Fragebögen oft vergleichbare Aussagen enthalten. Zum anderen hängen solche Persönlich-

keitseigenschaften statistisch eng zusammen: Wer eine hohe Ausprägung einer dunklen Eigenschaft

zeigt, sagen wir viel Machiavellismus, weist auch eher ein beträchtliches Maß einer anderen auf, etwa

Psychopathie.

20 Angesichts dieser theoretischen und empirischen Überschneidungen stellt sich die Frage, ob alle dunklen

Persönlichkeitsmerkmale einen gemeinsamen Kern haben. Diesen zunächst hypothetischen „Kern des

Bösen“ bezeichnen wir als D-Faktor (in Anlehnung an den in der Wissenschaft verbreiteten englischen

Ausdruck „dark traits“ für dunkle Persönlichkeitseigenschaften). Die Idee des D-Faktors ist der des

allgemeinen Intelligenzfaktors ähnlich. So gehen Forscher bereits seit gut 100 Jahren davon aus, dass

25 dem Abschneiden in unterschiedlichen Fähigkeitstests – etwa bei Aufgaben zum logischen Schluss-

folgern, zum Merkvermögen oder zur räumlichen Vorstellung – ein gemeinsamer Nenner zu Grunde

liegt. Analog dazu vermuten wir für den D-Faktor: Personen mit hoher Ausprägung zeigen bei vielen

oder gar allen „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen höhere Ausprägungen und zugleich recht regel-

mäßig sozial problematisches Verhalten.

30 Ähnlich wie sich Intelligenz in verschiedenen Fähigkeiten ausdrücken kann, beschreibt auch der D-

Faktor eine Tendenz, die sich unterschiedlich manifestiert (sei es etwa als starker Narzissmus oder

Sadismus). Der D-Faktor beschreibt die Neigung einer Person, für den eigenen Vorteil negative Folgen

für andere oder für die Gemeinschaft in Kauf zu nehmen oder gar aktiv herbeizuführen. Begleitet wird

dies in der Regel von Überzeugungen, die ein solches Verhalten zu rechtfertigen helfen.

Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit, in Gehirn & Geist, (Heft 8) 2019, S. 20–23.

3 Beurteilen Sie anhand Ihrer Erkenntnisse aus den Aufgaben 1 und 2 die Existenz der „dunklen Seite der Persönlichkeit“.

[16 BE]

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · Psychosoziale und moralische Entwicklung (Erikson, Kohlberg)

1 Moralentwicklung und Gehorsam

1.1

Beschreiben Sie die moralische Entwicklung von der niedrigsten bis zur höchsten Stufe und stellen Sie den zentralen Unterschied zwischen Niveau I und II zu Niveau III in KOHLBERGS Stufenmodell der moralischen Entwicklung dar. (18 BE)

1.2

Ordnen Sie das Verhalten passiver Komplizinnen bzw. Komplizen und Heldinnen bzw. Helden (Material 1) jeweils einem Niveau der moralischen Entwicklung nach KOHLBERG zu. (12 BE)

1.3

Erläutern Sie den jeweiligen Rollenkonflikt zwischen „Moral und Autorität“ sowie zwischen „Autorität und Autorität“ (Material 2) und beschreiben Sie die jeweilige Bewältigungsstrategie von Heldinnen bzw. Helden. (18 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Soziale Gruppe, Konformität, Autorität und Gehorsam

2 Konformität, Gehorsam und Heroismus

2.1

Skizzieren Sie die jeweiligen Erkenntnisse hinsichtlich psychischer und sozialer Kräfte aus dem Gehorsamkeitsexperiment von MILGRAM sowie die Erkenntnisse aus dem Konformitätsexperiment von ZIMBARDO. [12 BE]

2.2

Vergleichen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erkenntnisse beider Experimente aus Aufgabe 2.1 hinsichtlich folgender vier Aspekte: Verhältnis zum Opfer (Schõler/Gefangene); Verantwortungsverschiebung; eigene moralische Grundsätze; die Möglichkeit, Fehler einzugestehen oder das eigene Verhalten zu ändern. [20 BE]

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · Soziale Gruppe, Konformität, Autorität und Gehorsam

3 Entwickeln Sie auf der Grundlage Ihrer Ergebnisse aus Aufgabe 1 und 2.2 mögliche Erlebens- und Verhaltensweisen von Heldinnen bzw. Helden in Folter-Gefängnissen. (20 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1 · Psychosoziale und moralische Entwicklung (Erikson, Kohlberg)

1 Psychosoziale Entwicklung nach Erikson

1.1

Beschreiben Sie das Modell und skizzieren Sie alle acht Stufen der psychosozialen Entwicklung nach ERIKSON. (20 BE)

Material 1

Daniel Dohmen und Klaus Hurrelmann: Schulschließungen – Wie die Pandemie die Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt (2021)

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres sind die Schulen wochenlang geschlossen. Das hat nicht nur Folgen für die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und ihre Bildungschancen, sondern wirkt sich auch auf ihre psychosoziale Entwicklung aus. [...]

In welchen Bereichen die psychosoziale Entwicklung eingeschränkt wird:

Die Pandemie wirkt sich negativ auf [...] vier Entwicklungsaufgaben aus:

Durch den eingeschränkten Schulbetrieb leidet das Training der intellektuellen Fähigkeiten.

Eine unbefangene Entwicklung von Kontakten zu Freunden und Gleichaltrigen ist nicht möglich, die Ablösung von den Eltern verzögert sich.

Das Freizeit- und Konsumverhalten ist weitgehend auf digitale Kanäle eingeschränkt. Junge Leute sind zwar digital affin, aber wenn digitale Medien fast zur einzigen Verbindung zur sozialen Welt [...] [werden], können sich Störungen aufbauen.

Die Entwicklung einer Lebensorientierung in Krisenzeiten ist erschwert, das soziale und politische Engagement nur begrenzt möglich.

geändert nach: Daniel Dohmen und Klaus Hurrelmann: Wie die Corona-Pandemie die psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt, Deutsches Schulportal, 10.02.2021.

1.2

Setzen Sie die im Text „Schulschließungen – Wie die Pandemie die Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt“ von Daniel Dohmen und Klaus Hurrelmann (Material 1) genannten Entwicklungsaufgaben mit der fünften Stufe der psychosozialen Entwicklung nach ERIKSON in Beziehung. (16 BE)

1.3

Beurteilen Sie mögliche negative Folgen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage von Material 1: „Schulschließungen – Wie die Pandemie die Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt“ von Daniel Dohmen und Klaus Hurrelmann. Nehmen Sie dabei Bezug auf Ihre Ergebnisse aus Aufgabe 1.2. (8 BE)

Material 2

Coronavirus – Allgemeine Schutzmaßnahmen

geändert nach: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Coronavirus – Allgemeine Schutzmaßnahmen, 2020, URL: https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3787 (abgerufen am 17.08.2021).

1.4

Erörtern Sie mögliche Chancen und Risiken von Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie (Material 2: „Coronavirus – Allgemeine Schutzmaßnahmen“) für die psychosoziale Entwicklung im frühen, mittleren und höheren Erwachsenenalter nach ERIKSON. (17 BE)

Hinweis: Es sind nur die folgenden Corona-Maßnahmen zu berücksichtigen: „bei Symptomen zu Hause bleiben“; „Präsenzveranstaltungen meiden“; „Menschenansammlungen vermeiden“.

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Persönlichkeitspsychologie: Begriff, Paradigmen und Rogers

2 Paradigmen in der Persönlichkeitspsychologie

Material 2

Coronavirus – Allgemeine Schutzmaßnahmen

geändert nach: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Coronavirus – Allgemeine Schutzmaßnahmen, 2020, URL: https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3787 (abgerufen am 17.08.2021).

Material 3: Prof. Dr. Franz J. Neyer: Persönlichkeit in der Krise? (2020)

Was macht eine Krise wie die aktuelle mit dem Individuum?

Neyer: Als Persönlichkeitspsychologe finde ich eher die umgekehrte Frage interessant: Was macht das Individuum mit der Krise? Und nicht was die Krise mit dem Individuum macht. Dass wir uns alle große Sorgen machen und durch die Kontakteinschränkungen extrem belastet sind, ist gar keine Frage. Nicht trivial ist jedoch die Frage, auf welch verschiedene Art und Weise wir mit diesen Belastungen umgehen. Es gibt nämlich keine optimale Strategie, die ich jedem gleichermaßen empfehlen würde. Vielmehr muss jeder für sich ganz persönlich herausfinden, wie er am besten durch diese Zeit kommt. Für die Bewältigung solcher Krisen existieren ganz individuelle Strategien, und diese müssen immer zum Einzelnen passen.

Die Krisensituation scheint bei den Menschen die Wesenszüge zu verändern. Werden Menschen plötzlich zu Hamsterkäufern, Negierern, Corona-Aktivisten oder zu defensiven Optimisten?

Neyer: Ich erwarte nicht, dass sich unsere Persönlichkeit durch diese Krise ändert. Wir müssen zwar unser Verhalten ändern und uns an die Situation anpassen, aber unsere Persönlichkeit bleibt Gott sei Dank gleich. […] Ich finde es beruhigend zu wissen, dass Menschen sich anpassen können und zugleich sich selbst treu bleiben.

Wirkt die Krise wie eine Lupe auf die menschliche Psyche?

Neyer: Tatsächlich kann man in einer Situation, die so ungewiss und ergebnisoffen ist wie die aktuelle, interessante Persönlichkeitsunterschiede beobachten. Auch wenn jeder jetzt mehr Klopapier kauft, mag es besonders sicherheits- und kontrollbedürftige Menschen geben, die mehr Klopapier hamstern als der Durchschnitt. Und Personen, die von Haus aus optimistischer sind und mit einer rosaroten Brille vor den Augen durchs Leben gehen, werden die Lage nicht so bedrohlich wahrnehmen wie Pessimisten, die ohnehin immer alles negativ bewerten. Auch gehen stärker handlungsorientierte Personen bedrohliche Situationen offensiver an als Personen, die zurückhaltender sind und lieber abwarten, bis sich alles entspannt. Diese Beispiele geben einen Eindruck von der Vielfalt der Persönlichkeit und zeigen, dass jeder sein persönliches Risiko in dieser Zeit trägt. Es gibt keinen goldenen Standard, mit dem Krisen individuell bewältigt werden.

Die einen halten sich penibel, die anderen ungefähr und manche gar nicht an die einschränkenden Vorgaben. Stecken hinter dem unterschiedlichen Verhalten bei gleicher Situation die Charakterzüge des Menschen? Gibt es außerdem grundlegende Mechanismen?

Neyer: Jeder geht anders mit Bedrohung und Ungewissheit um; und dabei nehmen natürlich Persönlichkeitsunterschiede einen entscheidenden Einfluss. Übertriebene Vorsicht kann Ausdruck einer grundlegenden Ängstlichkeit sein und extremer Leichtsinn Ausdruck eines naiven Glaubens an die eigene Unverwundbarkeit. Und weiterhin kann die Tendenz, sich nicht an vorgegebene Regeln zu halten, auf ein starkes Autonomiemotiv zurückgehen und das Gegenteil davon auf starke Autoritätshörigkeit. […]

Sind solche Wesenszüge bei allen Menschen angelegt?

Neyer: Menschen auf singuläre Merkmale wie Optimismus oder Pessimismus zu reduzieren, macht wenig Sinn. Die Persönlichkeit umfasst ja viele Facetten, die ganz individuell ausgeprägt sind und die Besonderheit einer jeden Person ausmachen. Wir wissen heute, dass die Variation solcher Merkmale oder Merkmalsprofile zu etwa gleichen Teilen genetisch und durch die Umwelt beeinflusst wird. Genetische und Umwelteinflüsse stehen in einer dynamischen Wechselwirkung, so dass die Persönlichkeit niemals vorherbestimmt ist. […]

Lernt der Mensch aus einer solchen Krise und verändert sich?

Neyer: Natürlich können Menschen lernen und ihr Verhalten anpassen, aber sie müssen deshalb nicht ihre Persönlichkeit ändern. Ich finde es politisch und gesellschaftlich wenig hilfreich zu fordern, dass Menschen sich in ihrer Persönlichkeit ändern sollten. Wir müssen akzeptieren, dass keiner wie der andere ist, und jedem die Chance geben, das Beste von sich zu entfalten. Das macht unsere Gesellschaft reicher und menschlicher. Es erscheint mir in einer solchen Krise auch sinnvoller, Menschen dazu zu ermuntern, ihre individuellen Potenziale und Stärken zu reflektieren und auf ihre möglichen Schwachpunkte zu achten, damit sie gut durch diese Zeit kommen. […]

Kann eine Krise für die Psyche auch positive Effekte haben?

Neyer: Natürlich kann sie positive Effekte haben. Im besten Fall können wir etwas über uns und über andere lernen. Beispielsweise können wir neue Erfahrungen in Partnerschaft, Familie und Freundeskreis machen, die uns mehr Sicherheit schenken und uns bereichern. Ich will hier aber keinen naiven Optimismus verbreiten, denn auch ich weiß, dass viele Menschen derzeit schlimme Erfahrungen in ihren engen Beziehungen machen, die sie nicht so einfach wegstecken.

2.1

Skizzieren Sie das dynamisch-interaktionistische Paradigma und das Informationsverarbeitungsparadigma der Persönlichkeitspsychologie. [10 BE]

2.2

Ordnen Sie Neyers Aussagen über den unterschiedlichen Umgang mit Corona-Maßnahmen (Material 3) in die Paradigmen aus Aufgabe 2.1 ein. [12 BE]

2.3

Stellen Sie die Grundlagen des behavioristischen Paradigmas dar. Erläutern Sie anhand der zwei bekannten Lernmechanismen den möglichen Umgang mit Corona-Maßnahmen (Material 2). [17 BE]

Hinweis: Es ist ausreichend, jeweils nur einmal auf die folgenden Corona-Maßnahmen einzugehen: „Maske tragen“, „Schutzabstand halten“.

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