Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Psychologie GK 2022
Thema: Soziale Gruppe, Konformität, Autorität und Gehorsam · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Material 3
Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit – Ein Maß für Unmoral (2019)
Manchmal tun Menschen Böses. Sie betrügen, rauben, werden gewalttätig oder fügen anderen sonstiges
Leid zu, mitunter sogar ohne ersichtlichen Grund. Die Nachrichten führen uns solches Verhalten
täglich vor Augen, und die Geschichtsbücher sind voller Beispiele für entsetzliche Taten. Insofern
stellt sich die Frage: Warum tun Menschen so etwas?
5 Eine typische Konstellation von Eigenschaften, die mit unmoralischen Taten zusammenhängen,
bezeichnen Psychologen als „Dunkle Triade der Persönlichkeit“: Dahinter verbergen sich die drei
Merkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie [...]. Auf den ersten Blick unterscheiden
sich diese voneinander: Ein ausgeprägter Narzisst ist selbstverliebt und denkt in erster Linie an sich, ein
Mensch mit machiavellistischen Zügen lügt und betrügt strategisch zum eigenen Vorteil, und
10 Psychopathen wiederum tun oft rücksichtslos einfach das, wonach ihnen gerade ist. Wie Studien
belegen, treten diese dunklen Eigenschaften – übermäßige Eigenliebe, Hang zu Betrügereien und Rück-
sichtslosigkeit – jedoch häufig gemeinsam auf. Daneben gibt es allerdings noch weitere relevante
Merkmale wie Egoismus, Gehässigkeit oder Sadismus.
Über die Jahre haben Forscher eine Reihe von „dunklen“ Persönlichkeitseigenschaften zueinander in
15 Beziehung gesetzt. Dabei zeigte sich zum einen, dass viele davon ähnlich definiert werden und ent-
sprechende Fragebögen oft vergleichbare Aussagen enthalten. Zum anderen hängen solche Persönlich-
keitseigenschaften statistisch eng zusammen: Wer eine hohe Ausprägung einer dunklen Eigenschaft
zeigt, sagen wir viel Machiavellismus, weist auch eher ein beträchtliches Maß einer anderen auf, etwa
Psychopathie.
20 Angesichts dieser theoretischen und empirischen Überschneidungen stellt sich die Frage, ob alle dunklen
Persönlichkeitsmerkmale einen gemeinsamen Kern haben. Diesen zunächst hypothetischen „Kern des
Bösen“ bezeichnen wir als D-Faktor (in Anlehnung an den in der Wissenschaft verbreiteten englischen
Ausdruck „dark traits“ für dunkle Persönlichkeitseigenschaften). Die Idee des D-Faktors ist der des
allgemeinen Intelligenzfaktors ähnlich. So gehen Forscher bereits seit gut 100 Jahren davon aus, dass
25 dem Abschneiden in unterschiedlichen Fähigkeitstests – etwa bei Aufgaben zum logischen Schluss-
folgern, zum Merkvermögen oder zur räumlichen Vorstellung – ein gemeinsamer Nenner zu Grunde
liegt. Analog dazu vermuten wir für den D-Faktor: Personen mit hoher Ausprägung zeigen bei vielen
oder gar allen „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen höhere Ausprägungen und zugleich recht regel-
mäßig sozial problematisches Verhalten.
30 Ähnlich wie sich Intelligenz in verschiedenen Fähigkeiten ausdrücken kann, beschreibt auch der D-
Faktor eine Tendenz, die sich unterschiedlich manifestiert (sei es etwa als starker Narzissmus oder
Sadismus). Der D-Faktor beschreibt die Neigung einer Person, für den eigenen Vorteil negative Folgen
für andere oder für die Gemeinschaft in Kauf zu nehmen oder gar aktiv herbeizuführen. Begleitet wird
dies in der Regel von Überzeugungen, die ein solches Verhalten zu rechtfertigen helfen.
Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen & Ingo Zettler: Die dunkle Seite der Persönlichkeit, in Gehirn & Geist, (Heft 8) 2019, S. 20–23.
2 Der Einfluss sozialer Gruppen
2.1
Stellen Sie die sozialpsychologischen Erkenntnisse des Stanford-Prison-Experiments nach Zimbardo dar.
[10 BE]
2.2
Fassen Sie Material 3 zusammen.
[7 BE]
2.3
Setzen Sie den D-Faktor aus Material 3 in Beziehung zu den sozialpsychologischen Erkenntnissen aus Zimbardos Stanford-Prison-Experiment.
[12 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.1 Stellen Sie die sozialpsychologischen Erkenntnisse des Stanford-Prison-Experiments nach Zimbardo dar.
Lösung: Darstellung der Erkenntnisse des Stanford-Prison-Experiments (Macht der Situation, informativer und normativer sozialer Einfluss, Deindividuation, Rollenübernahme).
2.2 Fassen Sie Material 3 zusammen.
Lösung: Zusammenfassung von Material 3 (Thema, Dunkle Triade, D-Faktor als gemeinsamer Kern analog zum IQ).
2.3 Setzen Sie den D-Faktor aus Material 3 in Beziehung zu den sozialpsychologischen Erkenntnissen aus Zimbardos Stanford-Prison-Experiment.
Lösung: In-Beziehung-Setzen des D-Faktors (dispositioneller Ansatz) mit den Erkenntnissen des Stanford-Prison-Experiments (situativer Ansatz).
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