Abitur Hessen Katholische Religion 2021 · LK
Abiturprüfung Katholische Religion in Hessen 2021, LK: 13 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen.
Themen der Prüfung: Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen
Material
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“ (2009)
Die Rede von Gott droht seit geraumer Zeit zu einem Text ohne Kontext zu werden. Weggefallen sind
jene Anknüpfungspunkte, die es früher ermöglicht haben, Gott zur Sprache zu bringen. Man kann über
die Entstehung der Welt, über die Bedingungen der Erkenntnis und über die Gründe der Moral
reflektieren, ohne dass sich dabei der Gedanke an Gott nahelegt. Es gibt offenkundig keinen
5 gemeinsamen Erfahrungsraum mehr, innerhalb dessen zwischen gläubigen und ungläubigen
Zeitgenossen gedolmetscht werden könnte.
Wo sich keine Übersetzungsmöglichkeit für die christliche Gottesrede mehr zeigt, muss sie zu einer
Fremdsprache werden. Wenn sie niemandem mehr etwas sagen kann, zählt sie am Ende zu den „toten“
Sprachen. Es muss darum auch nicht verwundern, dass vielen Menschen Gott abhandenkommt. Nicht
10 nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihrem Leben. Sie erleben an sich das Schwinden religiöser
Gewissheiten, den Verlust einer einstmaligen Gottesnähe. Für eine Weile praktizieren sie ihren
Glauben im Kontrast zu einer Gott-los gewordenen Welt. Wie lange aber kann man einen Glauben
aufrechterhalten, wenn sich nicht mehr begründen lässt, warum er den Vorzug verdient gegenüber der
Maxime säkularer Zeitgenossen, die leben, „als ob es Gott nicht gäbe“?
15 Der faktische Lauf der Welt bestätigt die moderne Annahme von Gottes Nicht-Notwendigkeit zur
Erklärung innerweltlicher Abläufe und Sachverhalte. Man kann mit ihm in der Welt nichts mehr
anfangen, weil man alles auch ohne ihn in Gang setzen kann. Die Welt ist erklärbar ohne Gott, und der
Mensch kann menschlich sein ohne Gott. Gott lässt sich negieren, weil man nicht sieht, was einen
Gott, der als moralische, naturwissenschaftliche, politische Arbeitshypothese abdanken musste, von
20 einem Gott unterscheidet, den es gar nicht gibt. Was, wie und wer Gott sei, wird für eine derart
Gott-los gewordene Zeit offenkundig zu einer müßigen 1 Frage.
Hier setzt nun eine „negative“ Theologie ein. Sie geht von den modernen Verneinungen der
innerweltlichen Notwendigkeit Gottes aus. Sie unternimmt den Versuch, Gott mit einer Welt
zusammen zu denken, die für sich beansprucht, „ohne Gott“ verstehbar und gestaltbar zu sein.
25 Negative Theologie sagt ein doppeltes Nein. Sie sagt zum einen Nein zu einer theologischen Tradition,
die überfrachtet ist mit dem Anspruch, über Gott so sehr Bescheid zu wissen, dass sie unablässig in
Behauptungssätzen von Gott redet. Zum anderen sagt sie Nein zu einer Position, für die ein
Gottesverhältnis nur sinnvoll ist, wenn es lebenspraktischen Zwecken dient. Dagegen setzt die
Negative Theologie die Einsicht, dass Nützlichkeit nicht der erste oder alleinige Maßstab für
30 Beziehungen sein kann. Erst jenseits von Mittel/Zweck-Kalkulationen kommt dasjenige in den Blick,
das es wert ist, um seiner selbst willen zu ihm in ein Verhältnis zu treten. Und erst in einem solchen
Verhältnis kann dem Menschen aufgehen, dass er selbst nicht aufgehen muss in einer von funktionalen
Notwendigkeiten beherrschten Welt.
Wer sich auf diesen Weg der Bestreitung und „Verneinung“ macht, muss sich in einem ersten Schritt
35 darauf gefasst machen, dass Gotteserfahrung eine „Enteignung“ voraussetzt. Sie verlangt, all das
loszuwerden, woran bisher der Glaube hing. Negative Theologie setzt also genau dort an, wo die
Erfahrung der Leere, des Fehlens und Vermissens jede Behauptung der Gegenwart Gottes dementiert 2.
Sie macht klar: Nur mit leeren Händen können Menschen nach jener Wirklichkeit greifen, von der sie
hoffen, dass sie ihrerseits von ihr ergriffen werden.
40 In vielen Zeugnissen der Mystik 3 wird davon berichtet, wie ein Mensch (von Gott) „ergriffen“ wird,
nachdem er alles aus der Hand gegeben hat. Derart von Gott erfasst zu werden führt zur Erkenntnis
dessen, was „nicht zu fassen“ ist und auch jedes sprachliche Fassungsvermögen übersteigt. Dem
Moment der Fassungslosigkeit entspricht die Unbegreiflichkeit Gottes – beides gründet in dessen
Unverfügbarkeit. Sie schließt aus, Gott für die Legitimation innerweltlicher Verhältnisse zu
45 instrumentalisieren.
Damit kommt auch das emanzipatorische 4 Motiv einer Negativen Theologie in den Blick: Wenn Gott
sich jeder Instrumentalisierung widersetzt, dann ist die Beziehung des Menschen zu einem Gott, der
nicht als Mittel zum Erreichen eines Zweckes herhalten kann, ein von Verzweckungen freier Vollzug.
Es entsteht eine Beziehung in Freiheit.
50 Eine solche Theologie hat die Bibel als Zeugnis von Gottes Offenbarung keineswegs gegen sich.
Gerade die Bibel beschreibt die Offenbarung Gottes nicht so, dass an die Stelle seiner Verborgenheit
nun „Unverborgenheit“ tritt. Sie widerspricht der Vorstellung einer unvermittelten Gegenwart ebenso
wie der Gleichsetzung seiner Verborgenheit mit seiner Abwesenheit oder Nichtexistenz.
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“, in: Publik Forum Nr. 16/2009, S. 33–34.
Hinweise und Worterklärungen
1 müßig: überflüssig
2 dementieren: widerrufen, zurückweisen
3 Mystik: Eine Form der Religiosität, bei der der Mensch durch Hingabe und Meditation sucht, eins zu werden mit Gott. Dabei spielt das Loslassen, das sich Fallenlassen eine entscheidende Rolle.
4 emanzipatorisch: befreiend; hier nicht bezogen auf die Beziehung der Geschlechter zueinander.
Hans-Joachim Höhn (geb. 1957): Professor für Systematische Theologie am Institut für katholische Theologie der Universität Köln.
Die formale Gestaltung entspricht der Textvorlage.
Aufgaben
1
Geben Sie den vorliegenden Text von Hans-Joachim Höhn wieder. (Material) (30 BE)
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen
Material
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“ (2009)
Die Rede von Gott droht seit geraumer Zeit zu einem Text ohne Kontext zu werden. Weggefallen sind
jene Anknüpfungspunkte, die es früher ermöglicht haben, Gott zur Sprache zu bringen. Man kann über
die Entstehung der Welt, über die Bedingungen der Erkenntnis und über die Gründe der Moral
reflektieren, ohne dass sich dabei der Gedanke an Gott nahelegt. Es gibt offenkundig keinen
5 gemeinsamen Erfahrungsraum mehr, innerhalb dessen zwischen gläubigen und ungläubigen
Zeitgenossen gedolmetscht werden könnte.
Wo sich keine Übersetzungsmöglichkeit für die christliche Gottesrede mehr zeigt, muss sie zu einer
Fremdsprache werden. Wenn sie niemandem mehr etwas sagen kann, zählt sie am Ende zu den „toten“
Sprachen. Es muss darum auch nicht verwundern, dass vielen Menschen Gott abhandenkommt. Nicht
10 nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihrem Leben. Sie erleben an sich das Schwinden religiöser
Gewissheiten, den Verlust einer einstmaligen Gottesnähe. Für eine Weile praktizieren sie ihren
Glauben im Kontrast zu einer Gott-los gewordenen Welt. Wie lange aber kann man einen Glauben
aufrechterhalten, wenn sich nicht mehr begründen lässt, warum er den Vorzug verdient gegenüber der
Maxime säkularer Zeitgenossen, die leben, „als ob es Gott nicht gäbe“?
15 Der faktische Lauf der Welt bestätigt die moderne Annahme von Gottes Nicht-Notwendigkeit zur
Erklärung innerweltlicher Abläufe und Sachverhalte. Man kann mit ihm in der Welt nichts mehr
anfangen, weil man alles auch ohne ihn in Gang setzen kann. Die Welt ist erklärbar ohne Gott, und der
Mensch kann menschlich sein ohne Gott. Gott lässt sich negieren, weil man nicht sieht, was einen
Gott, der als moralische, naturwissenschaftliche, politische Arbeitshypothese abdanken musste, von
20 einem Gott unterscheidet, den es gar nicht gibt. Was, wie und wer Gott sei, wird für eine derart
Gott-los gewordene Zeit offenkundig zu einer müßigen 1 Frage.
Hier setzt nun eine „negative“ Theologie ein. Sie geht von den modernen Verneinungen der
innerweltlichen Notwendigkeit Gottes aus. Sie unternimmt den Versuch, Gott mit einer Welt
zusammen zu denken, die für sich beansprucht, „ohne Gott“ verstehbar und gestaltbar zu sein.
25 Negative Theologie sagt ein doppeltes Nein. Sie sagt zum einen Nein zu einer theologischen Tradition,
die überfrachtet ist mit dem Anspruch, über Gott so sehr Bescheid zu wissen, dass sie unablässig in
Behauptungssätzen von Gott redet. Zum anderen sagt sie Nein zu einer Position, für die ein
Gottesverhältnis nur sinnvoll ist, wenn es lebenspraktischen Zwecken dient. Dagegen setzt die
Negative Theologie die Einsicht, dass Nützlichkeit nicht der erste oder alleinige Maßstab für
30 Beziehungen sein kann. Erst jenseits von Mittel/Zweck-Kalkulationen kommt dasjenige in den Blick,
das es wert ist, um seiner selbst willen zu ihm in ein Verhältnis zu treten. Und erst in einem solchen
Verhältnis kann dem Menschen aufgehen, dass er selbst nicht aufgehen muss in einer von funktionalen
Notwendigkeiten beherrschten Welt.
Wer sich auf diesen Weg der Bestreitung und „Verneinung“ macht, muss sich in einem ersten Schritt
35 darauf gefasst machen, dass Gotteserfahrung eine „Enteignung“ voraussetzt. Sie verlangt, all das
loszuwerden, woran bisher der Glaube hing. Negative Theologie setzt also genau dort an, wo die
Erfahrung der Leere, des Fehlens und Vermissens jede Behauptung der Gegenwart Gottes dementiert 2.
Sie macht klar: Nur mit leeren Händen können Menschen nach jener Wirklichkeit greifen, von der sie
hoffen, dass sie ihrerseits von ihr ergriffen werden.
40 In vielen Zeugnissen der Mystik 3 wird davon berichtet, wie ein Mensch (von Gott) „ergriffen“ wird,
nachdem er alles aus der Hand gegeben hat. Derart von Gott erfasst zu werden führt zur Erkenntnis
dessen, was „nicht zu fassen“ ist und auch jedes sprachliche Fassungsvermögen übersteigt. Dem
Moment der Fassungslosigkeit entspricht die Unbegreiflichkeit Gottes – beides gründet in dessen
Unverfügbarkeit. Sie schließt aus, Gott für die Legitimation innerweltlicher Verhältnisse zu
45 instrumentalisieren.
Damit kommt auch das emanzipatorische 4 Motiv einer Negativen Theologie in den Blick: Wenn Gott
sich jeder Instrumentalisierung widersetzt, dann ist die Beziehung des Menschen zu einem Gott, der
nicht als Mittel zum Erreichen eines Zweckes herhalten kann, ein von Verzweckungen freier Vollzug.
Es entsteht eine Beziehung in Freiheit.
50 Eine solche Theologie hat die Bibel als Zeugnis von Gottes Offenbarung keineswegs gegen sich.
Gerade die Bibel beschreibt die Offenbarung Gottes nicht so, dass an die Stelle seiner Verborgenheit
nun „Unverborgenheit“ tritt. Sie widerspricht der Vorstellung einer unvermittelten Gegenwart ebenso
wie der Gleichsetzung seiner Verborgenheit mit seiner Abwesenheit oder Nichtexistenz.
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“, in: Publik Forum Nr. 16/2009, S. 33–34.
Hinweise und Worterklärungen
1 müßig: überflüssig
2 dementieren: widerrufen, zurückweisen
3 Mystik: Eine Form der Religiosität, bei der der Mensch durch Hingabe und Meditation sucht, eins zu werden mit Gott. Dabei spielt das Loslassen, das sich Fallenlassen eine entscheidende Rolle.
4 emanzipatorisch: befreiend; hier nicht bezogen auf die Beziehung der Geschlechter zueinander.
Hans-Joachim Höhn (geb. 1957): Professor für Systematische Theologie am Institut für katholische Theologie der Universität Köln.
Die formale Gestaltung entspricht der Textvorlage.
Aufgaben
2
Höhn schreibt am Schluss: „Eine solche Theologie hat die Bibel als Zeugnis von Gottes Offenbarung keineswegs gegen sich.“ (Material)
Untersuchen Sie anhand konkreter Beispiele, wie die Bibel von Gott spricht, und setzen Sie dies in Beziehung zur Auffassung Höhns. (40 BE)
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 3 · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen
Material
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“ (2009)
Die Rede von Gott droht seit geraumer Zeit zu einem Text ohne Kontext zu werden. Weggefallen sind
jene Anknüpfungspunkte, die es früher ermöglicht haben, Gott zur Sprache zu bringen. Man kann über
die Entstehung der Welt, über die Bedingungen der Erkenntnis und über die Gründe der Moral
reflektieren, ohne dass sich dabei der Gedanke an Gott nahelegt. Es gibt offenkundig keinen
5 gemeinsamen Erfahrungsraum mehr, innerhalb dessen zwischen gläubigen und ungläubigen
Zeitgenossen gedolmetscht werden könnte.
Wo sich keine Übersetzungsmöglichkeit für die christliche Gottesrede mehr zeigt, muss sie zu einer
Fremdsprache werden. Wenn sie niemandem mehr etwas sagen kann, zählt sie am Ende zu den „toten“
Sprachen. Es muss darum auch nicht verwundern, dass vielen Menschen Gott abhandenkommt. Nicht
10 nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihrem Leben. Sie erleben an sich das Schwinden religiöser
Gewissheiten, den Verlust einer einstmaligen Gottesnähe. Für eine Weile praktizieren sie ihren
Glauben im Kontrast zu einer Gott-los gewordenen Welt. Wie lange aber kann man einen Glauben
aufrechterhalten, wenn sich nicht mehr begründen lässt, warum er den Vorzug verdient gegenüber der
Maxime säkularer Zeitgenossen, die leben, „als ob es Gott nicht gäbe“?
15 Der faktische Lauf der Welt bestätigt die moderne Annahme von Gottes Nicht-Notwendigkeit zur
Erklärung innerweltlicher Abläufe und Sachverhalte. Man kann mit ihm in der Welt nichts mehr
anfangen, weil man alles auch ohne ihn in Gang setzen kann. Die Welt ist erklärbar ohne Gott, und der
Mensch kann menschlich sein ohne Gott. Gott lässt sich negieren, weil man nicht sieht, was einen
Gott, der als moralische, naturwissenschaftliche, politische Arbeitshypothese abdanken musste, von
20 einem Gott unterscheidet, den es gar nicht gibt. Was, wie und wer Gott sei, wird für eine derart
Gott-los gewordene Zeit offenkundig zu einer müßigen 1 Frage.
Hier setzt nun eine „negative“ Theologie ein. Sie geht von den modernen Verneinungen der
innerweltlichen Notwendigkeit Gottes aus. Sie unternimmt den Versuch, Gott mit einer Welt
zusammen zu denken, die für sich beansprucht, „ohne Gott“ verstehbar und gestaltbar zu sein.
25 Negative Theologie sagt ein doppeltes Nein. Sie sagt zum einen Nein zu einer theologischen Tradition,
die überfrachtet ist mit dem Anspruch, über Gott so sehr Bescheid zu wissen, dass sie unablässig in
Behauptungssätzen von Gott redet. Zum anderen sagt sie Nein zu einer Position, für die ein
Gottesverhältnis nur sinnvoll ist, wenn es lebenspraktischen Zwecken dient. Dagegen setzt die
Negative Theologie die Einsicht, dass Nützlichkeit nicht der erste oder alleinige Maßstab für
30 Beziehungen sein kann. Erst jenseits von Mittel/Zweck-Kalkulationen kommt dasjenige in den Blick,
das es wert ist, um seiner selbst willen zu ihm in ein Verhältnis zu treten. Und erst in einem solchen
Verhältnis kann dem Menschen aufgehen, dass er selbst nicht aufgehen muss in einer von funktionalen
Notwendigkeiten beherrschten Welt.
Wer sich auf diesen Weg der Bestreitung und „Verneinung“ macht, muss sich in einem ersten Schritt
35 darauf gefasst machen, dass Gotteserfahrung eine „Enteignung“ voraussetzt. Sie verlangt, all das
loszuwerden, woran bisher der Glaube hing. Negative Theologie setzt also genau dort an, wo die
Erfahrung der Leere, des Fehlens und Vermissens jede Behauptung der Gegenwart Gottes dementiert 2.
Sie macht klar: Nur mit leeren Händen können Menschen nach jener Wirklichkeit greifen, von der sie
hoffen, dass sie ihrerseits von ihr ergriffen werden.
40 In vielen Zeugnissen der Mystik 3 wird davon berichtet, wie ein Mensch (von Gott) „ergriffen“ wird,
nachdem er alles aus der Hand gegeben hat. Derart von Gott erfasst zu werden führt zur Erkenntnis
dessen, was „nicht zu fassen“ ist und auch jedes sprachliche Fassungsvermögen übersteigt. Dem
Moment der Fassungslosigkeit entspricht die Unbegreiflichkeit Gottes – beides gründet in dessen
Unverfügbarkeit. Sie schließt aus, Gott für die Legitimation innerweltlicher Verhältnisse zu
45 instrumentalisieren.
Damit kommt auch das emanzipatorische 4 Motiv einer Negativen Theologie in den Blick: Wenn Gott
sich jeder Instrumentalisierung widersetzt, dann ist die Beziehung des Menschen zu einem Gott, der
nicht als Mittel zum Erreichen eines Zweckes herhalten kann, ein von Verzweckungen freier Vollzug.
Es entsteht eine Beziehung in Freiheit.
50 Eine solche Theologie hat die Bibel als Zeugnis von Gottes Offenbarung keineswegs gegen sich.
Gerade die Bibel beschreibt die Offenbarung Gottes nicht so, dass an die Stelle seiner Verborgenheit
nun „Unverborgenheit“ tritt. Sie widerspricht der Vorstellung einer unvermittelten Gegenwart ebenso
wie der Gleichsetzung seiner Verborgenheit mit seiner Abwesenheit oder Nichtexistenz.
Hans-Joachim Höhn: Ferne Nähe – Plädoyer für eine „theologia negativa“, in: Publik Forum Nr. 16/2009, S. 33–34.
Hinweise und Worterklärungen
1 müßig: überflüssig
2 dementieren: widerrufen, zurückweisen
3 Mystik: Eine Form der Religiosität, bei der der Mensch durch Hingabe und Meditation sucht, eins zu werden mit Gott. Dabei spielt das Loslassen, das sich Fallenlassen eine entscheidende Rolle.
4 emanzipatorisch: befreiend; hier nicht bezogen auf die Beziehung der Geschlechter zueinander.
Hans-Joachim Höhn (geb. 1957): Professor für Systematische Theologie am Institut für katholische Theologie der Universität Köln.
Die formale Gestaltung entspricht der Textvorlage.
Aufgaben
3
Beurteilen Sie, inwiefern „negative Theologie“, wie Höhn sie vorstellt, dazu beitragen kann, in einer „Gott-los gewordenen Welt“ noch glaubwürdig und verständlich von Gott zu sprechen. (30 BE)
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen
Material
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger (2001)
Der Roman „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel erzählt die atemberaubende Geschichte des Schiffbrüchigen Piscine Patel. Noch bevor der gläubige Hindu zu seiner lebensverändernden Schiffsreise aufbricht, trifft er im indischen Munnar auf den katholischen Pater Martin, der ihm Jesus Christus näherbringt:
Katholiken gelten als streng, sie urteilen unerbittlich. Aber was ich bei Pater Martin kennen lernte, war
ganz anders. Er war die Freundlichkeit in Person. Er bot mir Tee und Kekse an, in einem Teegeschirr,
das bei jeder Berührung klapperte; er behandelte mich wie einen Erwachsenen, und er erzählte mir
eine Geschichte.
5 Und was für eine. Das Erste, was mich fesselte, war, dass sie so unglaublich war. Was? Die Menschen
sündigen, und Gottes Sohn zahlt die Zeche dafür? [...]
Was für eine verrückte Geschichte. Was für eine verquere Psychologie.
Ich bat ihn, mir noch eine andere zu erzählen, eine, die ein wenig einleuchtender war. Mit Sicherheit
gab es da doch noch mehr – jede Religion hat massenhaft Geschichten. Aber Pater Martin erklärte mir,
10 dass die Geschichten, die vorher kämen – und davon gebe es tatsächlich noch viele –, für die Christen
nur Vorgeschichte seien. Im Grunde gebe es in ihrer Religion nur diese eine, und die reiche ihnen für
alle Zeit.
An jenem Abend im Hotel war ich sehr still.
Dass ein Gott sich Anfeindungen gefallen ließ, konnte ich verstehen. Auch die Hindugötter haben mit
15 Dieben, Aufsässigen, Erpressern und Thronräubern zu tun. Was ist denn das Ramayana 1 anderes als
der Bericht über einen einzigen grässlichen Tag im Leben Ramas 2 ? Anfeindungen, gewiss. Pech,
sicher. Verrat, jederzeit. Aber Erniedrigung? Tod? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Krishna 3
zugelassen hätte, dass man ihn nackt auszog, ihn geißelte, verspottete, durch die Straßen zerrte und
zum Schluss auch noch kreuzigte – und wohlgemerkt Menschen, nichts weiter. Nie hatte ich gehört,
20 dass ein Hindugott gestorben wäre. Das offenbarte Brahman 4 starb nicht. Teufel und Ungeheuer, die
schon, genau wie wir Menschen, zu Tausenden und Millionen sogar – dazu waren sie schließlich da.
Auch die Materie war vergänglich. Aber das Göttliche sollte vom Makel des Todes frei sein. Alles
andere war unmöglich. Die Weltseele kann nicht sterben, nicht einmal ein einzelner Teil von ihr. Das
war nicht richtig von diesem christlichen Gott gewesen, dass Er Seinen Avatar 5 sterben ließ. Und der
25 Tod des Gottessohns muss ja wohl echt gewesen sein. Wenn uns Gott am Kreuz das Leiden nur
vorspielt, dann wird aus der Passion Christi eine Christusfarce. Der Sohn muss wirklich gestorben
sein. Und Pater Martin versicherte mir, so sei es gewesen. Aber wenn ein Gott einmal tot war, dann
haftet der Tod an ihm, selbst wenn er aufersteht. Der Sohn wird den Geschmack des Todes nicht mehr
los. Die ganze Dreieinigkeit – man konnte sich vorstellen, wie grässlich es roch zur Rechten Gottes.
30 Nicht nur in der Phantasie. Warum tat Gott Sich so etwas an? Warum überließ Er den Tod nicht den
Sterblichen? Warum machte Er das Schöne schmutzig, die Vollkommenheit unvollkommen?
Aus Liebe. Das war Pater Martins Antwort.
Und was sollte man von dem Sohn halten? Es gibt die Erzählung von dem kleinen Krishna, den seine
Freunde zu Unrecht anschuldigen, er habe Schmutz gegessen. Seine Pflegemutter Yashoda stellt sich
35 vor ihn hin und droht mit dem Finger. „Du sollst keinen Schmutz essen, du böser Junge!“, tadelt sie
ihn. „Aber das habe ich nicht“, antwortet der Herrscher des Himmels und der Erde, der sich zum Spaß
als armseliges Menschenkind verkleidet hat. „So, so! Dann mach den Mund auf“, kommandiert
Yashoda. Krishna tut wie ihm geheißen. Er öffnet den Mund. Yashoda bleibt die Luft weg. In
Krishnas Mundhöhle sieht sie die gesamte unendliche Weite des Universums, alle Sterne und Planeten
40 des Weltalls und den Raum zwischen ihnen, alle Länder und Meere der Erde und das Leben, das dort
herrscht; sie sieht alle Tage der Vergangenheit und alle Tage der Zukunft, alle Gedanken und alle
Gefühle, alles Mitleid und alle Hoffnung [...] „Du kannst den Mund wieder schließen, Herr“, sagt sie
ehrfürchtig. [...]
So soll ein Gott sein. Er soll Macht haben, er soll etwas vorstellen. Er soll die Bedrohten beschützen
45 können und dem Bösen die Stirn bieten.
Dieser Sohn hingegen, der Hunger und Durst leidet, der müde und traurig wird, der kleinlaut ist, sich
hänseln und herumschubsen lässt, der sich mit Anhängern umgibt, die von nichts eine Ahnung haben,
unter Gegnern, die keine Achtung vor Ihm kennen – was ist denn das für ein Gott? Das ist ein Gott,
der zu menschlich geworden ist. Sicher, es gibt Wunder, meist im medizinischen Bereich, ein paar für
50 das hungernde Volk; wenn es hochkommt, beschwichtigt Er einen Sturm oder geht ein paar Schritte
übers Wasser. Das ist Magie in jämmerlichem Maßstab, kaum besser als ein Kartentrick. Jeder
Hindugott kann das hundertmal besser. Dieser Sohn, der ein Gott ist, hat die meiste Zeit Seine
Gleichnisse erzählt. Er redet. Und er geht zu Fuß. Dieser Sohn, der ein Gott ist, ist ein Fußgängergott,
und das in einem heißen Land – Er geht wie ein gewöhnlicher Mensch, so weit die Sandalen ihn
55 tragen, und wenn er sich einmal ein Transportmittel gönnte, dann war es ein einfacher Esel. Dieser
Sohn ist ein Gott, der drei Stunden lang starb, der stöhnte, seufzte, klagte. Und das soll ein Gott sein?
Was hat er denn, woran man sich ein Beispiel nehmen kann?
Liebe, sagte Pater Martin. [...]
Da bleibe ich doch lieber bei meinem Krishna, danke schön. Krishna, das ist der Inbegriff eines Gottes
60 für mich. Deinen zerlumpten und geschwätzigen Sohn kannst du behalten.
So bin ich diesem aufrührerischen Rabbi aus längst vergangenen Zeiten zum ersten Mal begegnet: mit
Unverstand und Wut.
Drei Tage hintereinander kam ich zu Pater Martin zum Tee. Jedes Mal stellte ich zum Rasseln von
Tasse und Teller, zum Klimpern des Löffels meine Fragen.
65 Die Antwort war immer dieselbe.
Er machte mir zu schaffen, dieser Sohn. Von Tag zu Tag fand ich Ihn empörender, entdeckte ständig
neue Schwächen an Ihm. [...]
Er beschäftigte mich. Tut es bis heute. Drei Tage lang habe ich nur an Ihn gedacht. Und je mehr ich
über Ihn erfuhr, desto sicherer war ich, dass ich bei Ihm bleiben wollte.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger, Frankfurt am Main 5. Aufl. 2004, S. 75–79.
1 Ramayana: indische Kunstdichtung
2 Rama: Inkarnation/siebter Avatar des hinduistischen Gottes Vishnu
3 Krishna: Inkarnation/achter Avatar des hinduistischen Gottes Vishnu
4 Brahman: der ewige Urgrund von allem, was ist (Weltseele)
5 Avatar: aus dem Altindischen ( avatāra ‚Herabkunft‘), steht für die körperliche Manifestation/Inkarnation eines Gottes im Hinduismus
Hinweise
Yann Martel (geb. 1963): kanadischer Schriftsteller
Die formale Gestaltung entspricht der Textvorlage.
Aufgaben
1.1
Skizzieren Sie die Vorstellung, die Piscine, der vom Hinduismus geprägte Protagonist des Romans „Schiffbruch mit Tiger“, von einem Gott hat. (Material) [20 BE]
1.2
Stellen Sie das, was Piscine über Jesus erfährt, seinem hinduistischen Gottesbild gegenüber, und erklären Sie, warum er schließlich trotzdem bei Jesus bleiben will. [25 BE]
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge
2
Erläutern Sie anhand selbstgewählter neutestamentlicher Textstellen, inwiefern Jesu Reden und Wirken als Ausdruck der Liebe Gottes verstanden werden kann. (25 BE)
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen
Material
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger (2001)
Der Roman „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel erzählt die atemberaubende Geschichte des Schiffbrüchigen Piscine Patel. Noch bevor der gläubige Hindu zu seiner lebensverändernden Schiffsreise aufbricht, trifft er im indischen Munnar auf den katholischen Pater Martin, der ihm Jesus Christus näherbringt:
Katholiken gelten als streng, sie urteilen unerbittlich. Aber was ich bei Pater Martin kennen lernte, war
ganz anders. Er war die Freundlichkeit in Person. Er bot mir Tee und Kekse an, in einem Teegeschirr,
das bei jeder Berührung klapperte; er behandelte mich wie einen Erwachsenen, und er erzählte mir
eine Geschichte.
5 Und was für eine. Das Erste, was mich fesselte, war, dass sie so unglaublich war. Was? Die Menschen
sündigen, und Gottes Sohn zahlt die Zeche dafür? [...]
Was für eine verrückte Geschichte. Was für eine verquere Psychologie.
Ich bat ihn, mir noch eine andere zu erzählen, eine, die ein wenig einleuchtender war. Mit Sicherheit
gab es da doch noch mehr – jede Religion hat massenhaft Geschichten. Aber Pater Martin erklärte mir,
10 dass die Geschichten, die vorher kämen – und davon gebe es tatsächlich noch viele –, für die Christen
nur Vorgeschichte seien. Im Grunde gebe es in ihrer Religion nur diese eine, und die reiche ihnen für
alle Zeit.
An jenem Abend im Hotel war ich sehr still.
Dass ein Gott sich Anfeindungen gefallen ließ, konnte ich verstehen. Auch die Hindugötter haben mit
15 Dieben, Aufsässigen, Erpressern und Thronräubern zu tun. Was ist denn das Ramayana 1 anderes als
der Bericht über einen einzigen grässlichen Tag im Leben Ramas 2 ? Anfeindungen, gewiss. Pech,
sicher. Verrat, jederzeit. Aber Erniedrigung? Tod? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Krishna 3
zugelassen hätte, dass man ihn nackt auszog, ihn geißelte, verspottete, durch die Straßen zerrte und
zum Schluss auch noch kreuzigte – und wohlgemerkt Menschen, nichts weiter. Nie hatte ich gehört,
20 dass ein Hindugott gestorben wäre. Das offenbarte Brahman 4 starb nicht. Teufel und Ungeheuer, die
schon, genau wie wir Menschen, zu Tausenden und Millionen sogar – dazu waren sie schließlich da.
Auch die Materie war vergänglich. Aber das Göttliche sollte vom Makel des Todes frei sein. Alles
andere war unmöglich. Die Weltseele kann nicht sterben, nicht einmal ein einzelner Teil von ihr. Das
war nicht richtig von diesem christlichen Gott gewesen, dass Er Seinen Avatar 5 sterben ließ. Und der
25 Tod des Gottessohns muss ja wohl echt gewesen sein. Wenn uns Gott am Kreuz das Leiden nur
vorspielt, dann wird aus der Passion Christi eine Christusfarce. Der Sohn muss wirklich gestorben
sein. Und Pater Martin versicherte mir, so sei es gewesen. Aber wenn ein Gott einmal tot war, dann
haftet der Tod an ihm, selbst wenn er aufersteht. Der Sohn wird den Geschmack des Todes nicht mehr
los. Die ganze Dreieinigkeit – man konnte sich vorstellen, wie grässlich es roch zur Rechten Gottes.
30 Nicht nur in der Phantasie. Warum tat Gott Sich so etwas an? Warum überließ Er den Tod nicht den
Sterblichen? Warum machte Er das Schöne schmutzig, die Vollkommenheit unvollkommen?
Aus Liebe. Das war Pater Martins Antwort.
Und was sollte man von dem Sohn halten? Es gibt die Erzählung von dem kleinen Krishna, den seine
Freunde zu Unrecht anschuldigen, er habe Schmutz gegessen. Seine Pflegemutter Yashoda stellt sich
35 vor ihn hin und droht mit dem Finger. „Du sollst keinen Schmutz essen, du böser Junge!“, tadelt sie
ihn. „Aber das habe ich nicht“, antwortet der Herrscher des Himmels und der Erde, der sich zum Spaß
als armseliges Menschenkind verkleidet hat. „So, so! Dann mach den Mund auf“, kommandiert
Yashoda. Krishna tut wie ihm geheißen. Er öffnet den Mund. Yashoda bleibt die Luft weg. In
Krishnas Mundhöhle sieht sie die gesamte unendliche Weite des Universums, alle Sterne und Planeten
40 des Weltalls und den Raum zwischen ihnen, alle Länder und Meere der Erde und das Leben, das dort
herrscht; sie sieht alle Tage der Vergangenheit und alle Tage der Zukunft, alle Gedanken und alle
Gefühle, alles Mitleid und alle Hoffnung [...] „Du kannst den Mund wieder schließen, Herr“, sagt sie
ehrfürchtig. [...]
So soll ein Gott sein. Er soll Macht haben, er soll etwas vorstellen. Er soll die Bedrohten beschützen
45 können und dem Bösen die Stirn bieten.
Dieser Sohn hingegen, der Hunger und Durst leidet, der müde und traurig wird, der kleinlaut ist, sich
hänseln und herumschubsen lässt, der sich mit Anhängern umgibt, die von nichts eine Ahnung haben,
unter Gegnern, die keine Achtung vor Ihm kennen – was ist denn das für ein Gott? Das ist ein Gott,
der zu menschlich geworden ist. Sicher, es gibt Wunder, meist im medizinischen Bereich, ein paar für
50 das hungernde Volk; wenn es hochkommt, beschwichtigt Er einen Sturm oder geht ein paar Schritte
übers Wasser. Das ist Magie in jämmerlichem Maßstab, kaum besser als ein Kartentrick. Jeder
Hindugott kann das hundertmal besser. Dieser Sohn, der ein Gott ist, hat die meiste Zeit Seine
Gleichnisse erzählt. Er redet. Und er geht zu Fuß. Dieser Sohn, der ein Gott ist, ist ein Fußgängergott,
und das in einem heißen Land – Er geht wie ein gewöhnlicher Mensch, so weit die Sandalen ihn
55 tragen, und wenn er sich einmal ein Transportmittel gönnte, dann war es ein einfacher Esel. Dieser
Sohn ist ein Gott, der drei Stunden lang starb, der stöhnte, seufzte, klagte. Und das soll ein Gott sein?
Was hat er denn, woran man sich ein Beispiel nehmen kann?
Liebe, sagte Pater Martin. [...]
Da bleibe ich doch lieber bei meinem Krishna, danke schön. Krishna, das ist der Inbegriff eines Gottes
60 für mich. Deinen zerlumpten und geschwätzigen Sohn kannst du behalten.
So bin ich diesem aufrührerischen Rabbi aus längst vergangenen Zeiten zum ersten Mal begegnet: mit
Unverstand und Wut.
Drei Tage hintereinander kam ich zu Pater Martin zum Tee. Jedes Mal stellte ich zum Rasseln von
Tasse und Teller, zum Klimpern des Löffels meine Fragen.
65 Die Antwort war immer dieselbe.
Er machte mir zu schaffen, dieser Sohn. Von Tag zu Tag fand ich Ihn empörender, entdeckte ständig
neue Schwächen an Ihm. [...]
Er beschäftigte mich. Tut es bis heute. Drei Tage lang habe ich nur an Ihn gedacht. Und je mehr ich
über Ihn erfuhr, desto sicherer war ich, dass ich bei Ihm bleiben wollte.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger, Frankfurt am Main 5. Aufl. 2004, S. 75–79.
1 Ramayana: indische Kunstdichtung
2 Rama: Inkarnation/siebter Avatar des hinduistischen Gottes Vishnu
3 Krishna: Inkarnation/achter Avatar des hinduistischen Gottes Vishnu
4 Brahman: der ewige Urgrund von allem, was ist (Weltseele)
5 Avatar: aus dem Altindischen ( avatāra ‚Herabkunft‘), steht für die körperliche Manifestation/Inkarnation eines Gottes im Hinduismus
Hinweise
Yann Martel (geb. 1963): kanadischer Schriftsteller
Die formale Gestaltung entspricht der Textvorlage.
Diskutieren Sie, auch unter Berücksichtigung aller Ihrer bisherigen Ausführungen, inwiefern sich die christliche Vorstellung von der Allmacht Gottes mit dem Leiden und Sterben Jesu vereinbaren lässt. [30 BE]
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen
Material
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen (2012)
Einer alten Legende nach soll Kaiser Konstantin im Traum ein Kreuz gesehen und eine Stimme gehört
haben, die zu ihm sagte: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Er ließ also an die Fahnen seiner Heere
Kreuze anhängen und hat die Schlacht gewonnen. Wie würde die Kirche, wie Europa aussehen, hätte
Kaiser Konstantin seinen Traum und die wahre Sendung des Kreuzes auf eine etwas intelligentere Art
5 und Weise verstanden? Vielleicht ist die späte Modernität für uns „Kairos“¹, geeignete Zeit, eine uns
von Gott gegebene weitere Chance, jenes Paradox tiefer zu verstehen, auf dem der christliche Glaube
gründet. Der heilige Paulus brachte es mit seinen bekannten Worten zum Ausdruck: „Denn wenn ich
schwach bin, dann bin ich stark.“ Für Paulus ist das Kreuz ein Zeichen der Kenosis ², der
Selbstentäußerung – das Gegenteil von Triumphalismus, Hochmut, Macht und Gewalt.
10 Geboren wurde die Modernität als ein „ungewolltes“ Kind der Kirche. Sie ist des traditionellen
kirchlichen Christentums jüngerer Bruder, der sich auf den Weg der Freiheit und der Emanzipation
gemacht hat. Den Weg zum Mündigsein, Erwachsensein und zur Reife geht man nur selten krisenlos.
Betrachtet man den säkularen Humanismus vom Fenster des väterlichen Hauses aus als den
„getrennten Bruder“, als den ungehorsamen, verlorenen Sohn (und erscheint er immer noch nicht
15 genügend reumütig und gebessert), so sollte man sich selbst fragen, ob man sich in diesem Falle nicht
in die Rolle des „gehorsamen“ Sohnes versetzt. In dem bekannten Gleichnis Jesu symbolisiert
er die Pharisäer. Es mag die Zeit gekommen sein, [...] die Pharisäerbrille abzunehmen und zu
versuchen, beide Söhne mit den Augen des Vaters zu betrachten. [...]
[Die Konstituierung der säkularen Welt] ist eines der Geschenke der Modernität und eine der großen
20 Chancen für den Glauben – die bisher wohl noch nicht voll genutzt wurde. Das Christentum könnte
noch mehr Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass es im Unterschied zu allen anderen Religionen durch
das Läuterungsfeuer³ rationaler Kritik gegangen ist. Eine bestimmte Art atheistischer Kritik kann ein
großer Verbündeter des Glaubens sein, sie kann den Glauben von den ihn diskreditierenden infantilen
religiösen Vorstellungen säubern. Die meisten Atheisten negieren nämlich nur ihre eigene sehr
25 problematische Vorstellung von Gott, die sie sich selbst geschaffen oder übernommen haben. [...] Ein
reifer Glaube wagt trotz der eigenen Zweifel und der offenstehenden Fragen einen freien,
vertrauensvollen Sprung ins Herz des Geheimnisses. Theologischer Rationalismus kann dem
Gläubigen versichern, dass sein Mut, ins Geheimnis hineinzutreten und mit dem Geheimnis zu leben,
intellektuell nicht verantwortungslos ist [...]. Der Atheismus hat seinen guten Sinn als kritischer
30 Partner des Glaubens, wenn er ihn beunruhigt und ihm nicht erlaubt, zu einer bestimmten
Ideologieform zu erstarren. Außerhalb des Kontextes eines ehrlichen Dialogs mit dem Glauben wird
der Atheismus selbst zu einer dogmatischen und intoleranten Ideologie. [...]
Für die Laizität⁴ wie auch für die Kirche gilt die Umkehrung des Kreuzparadoxes: Wer gesiegt hat, der
verliert. Wer den öffentlichen Raum gänzlich beherrscht und den anderen aus ihm verdrängt hat, der
35 verliert auch einen Teil seiner selbst. Eine Laizität, die dem Glauben völlig den Rücken kehrt, geht
ihres Wesens verlustig und verändert sich in eine intolerante Pseudoreligion. Falls das Christentum die
säkulare Kritik ignorieren wollte, wird es zu einer triumphalistischen Ideologie, die den Sinn des
Evangeliums verrät, insbesondere die Sendung des Kreuzes.
In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die „eschatologische Differenzierung“ zwischen der
40 ecclesia triumphans (der eschatologischen Gestalt der Kirche nach dem Ende der Geschichte) und der
ecclesia militans (der „kämpfenden Kirche“, der irdischen Kirche in dieser Zeit, der Gemeinschaft von
Pilgern, die noch nicht ans Ziel gelangt sind) zu bedenken. Die kämpfende Kirche soll vor allem gegen
die Versuchung des Triumphalismus kämpfen. Falls die Kirche vergisst, dass sie noch unterwegs ist,
und sich für vollkommen ausgibt, falls die Theologie vergisst, dass wir Gottes Wahrheit – wie der
45 Apostel Paulus lehrt – hier „nur in Rätseln und wie im Spiegel“ sehen, führt die Häresie des
Triumphalismus zu einer militanten Religion. Eine große Warnung sollte für uns das Schicksal des
Begriffs „Dschihad“ in einigen Strömungen des gegenwärtigen Islamismus sein.
Damit wir nie in eine pharisäische Versuchung des Hochmuts und der Unreife „des älteren Bruders“
geraten, wird von Gott seit dem Anfang der Neuzeit der „jüngere Bruder“ neben uns gestellt, die
50 Laizität, der säkulare Humanismus.
¹ Kairos: günstiger Zeitpunkt; der für etwas entscheidende, günstige Augenblick
² Kenosis: theologische Auffassung, dass Christus bei der Menschwerdung auf die Ausübung seiner göttlichen Eigenschaften verzichtet habe (Philipper 2,6ff.)
³ Läuterung: Reinigung, Besserung; Läuterungsfeuer in Analogie zum Fegefeuer als reinigendes Durchgangsstadium
⁴ Laizität: Ideal der Neutralität, Merkmal liberaler Regierungssysteme, die eine klare Trennung von Staat und Kirche vorgeben
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen. Zur paradoxen Bezogenheit von christlichem Glauben und Atheismus, Kirche und Modernität, in: Die politische Meinung. Zeitschrift für Politik, Gesellschaft, Religion und Kultur 509 (2012), S. 39–43, URL: https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_30646_1.pdf/0a01ecc3-bf94-1603-06e8-9fb0aaa01a6e?version=1.0&t=1539657366656 (abgerufen am 17.03.2020).
Hinweis
Tomáš Halík (geb. 1948): Professor für Soziologie und Pfarrer der Akademischen Gemeinde in Prag
1 Fassen Sie den vorliegenden Text von Tomáš Halík zusammen. (Material)
(25 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge
Material
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen (2012)
Einer alten Legende nach soll Kaiser Konstantin im Traum ein Kreuz gesehen und eine Stimme gehört
haben, die zu ihm sagte: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Er ließ also an die Fahnen seiner Heere
Kreuze anhängen und hat die Schlacht gewonnen. Wie würde die Kirche, wie Europa aussehen, hätte
Kaiser Konstantin seinen Traum und die wahre Sendung des Kreuzes auf eine etwas intelligentere Art
5 und Weise verstanden? Vielleicht ist die späte Modernität für uns „Kairos“¹, geeignete Zeit, eine uns
von Gott gegebene weitere Chance, jenes Paradox tiefer zu verstehen, auf dem der christliche Glaube
gründet. Der heilige Paulus brachte es mit seinen bekannten Worten zum Ausdruck: „Denn wenn ich
schwach bin, dann bin ich stark.“ Für Paulus ist das Kreuz ein Zeichen der Kenosis ², der
Selbstentäußerung – das Gegenteil von Triumphalismus, Hochmut, Macht und Gewalt.
10 Geboren wurde die Modernität als ein „ungewolltes“ Kind der Kirche. Sie ist des traditionellen
kirchlichen Christentums jüngerer Bruder, der sich auf den Weg der Freiheit und der Emanzipation
gemacht hat. Den Weg zum Mündigsein, Erwachsensein und zur Reife geht man nur selten krisenlos.
Betrachtet man den säkularen Humanismus vom Fenster des väterlichen Hauses aus als den
„getrennten Bruder“, als den ungehorsamen, verlorenen Sohn (und erscheint er immer noch nicht
15 genügend reumütig und gebessert), so sollte man sich selbst fragen, ob man sich in diesem Falle nicht
in die Rolle des „gehorsamen“ Sohnes versetzt. In dem bekannten Gleichnis Jesu symbolisiert
er die Pharisäer. Es mag die Zeit gekommen sein, [...] die Pharisäerbrille abzunehmen und zu
versuchen, beide Söhne mit den Augen des Vaters zu betrachten. [...]
[Die Konstituierung der säkularen Welt] ist eines der Geschenke der Modernität und eine der großen
20 Chancen für den Glauben – die bisher wohl noch nicht voll genutzt wurde. Das Christentum könnte
noch mehr Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass es im Unterschied zu allen anderen Religionen durch
das Läuterungsfeuer³ rationaler Kritik gegangen ist. Eine bestimmte Art atheistischer Kritik kann ein
großer Verbündeter des Glaubens sein, sie kann den Glauben von den ihn diskreditierenden infantilen
religiösen Vorstellungen säubern. Die meisten Atheisten negieren nämlich nur ihre eigene sehr
25 problematische Vorstellung von Gott, die sie sich selbst geschaffen oder übernommen haben. [...] Ein
reifer Glaube wagt trotz der eigenen Zweifel und der offenstehenden Fragen einen freien,
vertrauensvollen Sprung ins Herz des Geheimnisses. Theologischer Rationalismus kann dem
Gläubigen versichern, dass sein Mut, ins Geheimnis hineinzutreten und mit dem Geheimnis zu leben,
intellektuell nicht verantwortungslos ist [...]. Der Atheismus hat seinen guten Sinn als kritischer
30 Partner des Glaubens, wenn er ihn beunruhigt und ihm nicht erlaubt, zu einer bestimmten
Ideologieform zu erstarren. Außerhalb des Kontextes eines ehrlichen Dialogs mit dem Glauben wird
der Atheismus selbst zu einer dogmatischen und intoleranten Ideologie. [...]
Für die Laizität⁴ wie auch für die Kirche gilt die Umkehrung des Kreuzparadoxes: Wer gesiegt hat, der
verliert. Wer den öffentlichen Raum gänzlich beherrscht und den anderen aus ihm verdrängt hat, der
35 verliert auch einen Teil seiner selbst. Eine Laizität, die dem Glauben völlig den Rücken kehrt, geht
ihres Wesens verlustig und verändert sich in eine intolerante Pseudoreligion. Falls das Christentum die
säkulare Kritik ignorieren wollte, wird es zu einer triumphalistischen Ideologie, die den Sinn des
Evangeliums verrät, insbesondere die Sendung des Kreuzes.
In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die „eschatologische Differenzierung“ zwischen der
40 ecclesia triumphans (der eschatologischen Gestalt der Kirche nach dem Ende der Geschichte) und der
ecclesia militans (der „kämpfenden Kirche“, der irdischen Kirche in dieser Zeit, der Gemeinschaft von
Pilgern, die noch nicht ans Ziel gelangt sind) zu bedenken. Die kämpfende Kirche soll vor allem gegen
die Versuchung des Triumphalismus kämpfen. Falls die Kirche vergisst, dass sie noch unterwegs ist,
und sich für vollkommen ausgibt, falls die Theologie vergisst, dass wir Gottes Wahrheit – wie der
45 Apostel Paulus lehrt – hier „nur in Rätseln und wie im Spiegel“ sehen, führt die Häresie des
Triumphalismus zu einer militanten Religion. Eine große Warnung sollte für uns das Schicksal des
Begriffs „Dschihad“ in einigen Strömungen des gegenwärtigen Islamismus sein.
Damit wir nie in eine pharisäische Versuchung des Hochmuts und der Unreife „des älteren Bruders“
geraten, wird von Gott seit dem Anfang der Neuzeit der „jüngere Bruder“ neben uns gestellt, die
50 Laizität, der säkulare Humanismus.
¹ Kairos: günstiger Zeitpunkt; der für etwas entscheidende, günstige Augenblick
² Kenosis: theologische Auffassung, dass Christus bei der Menschwerdung auf die Ausübung seiner göttlichen Eigenschaften verzichtet habe (Philipper 2,6ff.)
³ Läuterung: Reinigung, Besserung; Läuterungsfeuer in Analogie zum Fegefeuer als reinigendes Durchgangsstadium
⁴ Laizität: Ideal der Neutralität, Merkmal liberaler Regierungssysteme, die eine klare Trennung von Staat und Kirche vorgeben
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen. Zur paradoxen Bezogenheit von christlichem Glauben und Atheismus, Kirche und Modernität, in: Die politische Meinung. Zeitschrift für Politik, Gesellschaft, Religion und Kultur 509 (2012), S. 39–43, URL: https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_30646_1.pdf/0a01ecc3-bf94-1603-06e8-9fb0aaa01a6e?version=1.0&t=1539657366656 (abgerufen am 17.03.2020).
Hinweis
Tomáš Halík (geb. 1948): Professor für Soziologie und Pfarrer der Akademischen Gemeinde in Prag
2 Erläutern Sie das von Halík benannte „Paradox […], auf dem der christliche Glaube gründet“ (Material), indem Sie die Stärke des Kreuzes, die in seiner Schwäche liegt, anhand ausgewählter neutestamentlicher Beispiele verdeutlichen.
(20 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus
Material
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen (2012)
Einer alten Legende nach soll Kaiser Konstantin im Traum ein Kreuz gesehen und eine Stimme gehört
haben, die zu ihm sagte: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Er ließ also an die Fahnen seiner Heere
Kreuze anhängen und hat die Schlacht gewonnen. Wie würde die Kirche, wie Europa aussehen, hätte
Kaiser Konstantin seinen Traum und die wahre Sendung des Kreuzes auf eine etwas intelligentere Art
5 und Weise verstanden? Vielleicht ist die späte Modernität für uns „Kairos“¹, geeignete Zeit, eine uns
von Gott gegebene weitere Chance, jenes Paradox tiefer zu verstehen, auf dem der christliche Glaube
gründet. Der heilige Paulus brachte es mit seinen bekannten Worten zum Ausdruck: „Denn wenn ich
schwach bin, dann bin ich stark.“ Für Paulus ist das Kreuz ein Zeichen der Kenosis ², der
Selbstentäußerung – das Gegenteil von Triumphalismus, Hochmut, Macht und Gewalt.
10 Geboren wurde die Modernität als ein „ungewolltes“ Kind der Kirche. Sie ist des traditionellen
kirchlichen Christentums jüngerer Bruder, der sich auf den Weg der Freiheit und der Emanzipation
gemacht hat. Den Weg zum Mündigsein, Erwachsensein und zur Reife geht man nur selten krisenlos.
Betrachtet man den säkularen Humanismus vom Fenster des väterlichen Hauses aus als den
„getrennten Bruder“, als den ungehorsamen, verlorenen Sohn (und erscheint er immer noch nicht
15 genügend reumütig und gebessert), so sollte man sich selbst fragen, ob man sich in diesem Falle nicht
in die Rolle des „gehorsamen“ Sohnes versetzt. In dem bekannten Gleichnis Jesu symbolisiert
er die Pharisäer. Es mag die Zeit gekommen sein, [...] die Pharisäerbrille abzunehmen und zu
versuchen, beide Söhne mit den Augen des Vaters zu betrachten. [...]
[Die Konstituierung der säkularen Welt] ist eines der Geschenke der Modernität und eine der großen
20 Chancen für den Glauben – die bisher wohl noch nicht voll genutzt wurde. Das Christentum könnte
noch mehr Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass es im Unterschied zu allen anderen Religionen durch
das Läuterungsfeuer³ rationaler Kritik gegangen ist. Eine bestimmte Art atheistischer Kritik kann ein
großer Verbündeter des Glaubens sein, sie kann den Glauben von den ihn diskreditierenden infantilen
religiösen Vorstellungen säubern. Die meisten Atheisten negieren nämlich nur ihre eigene sehr
25 problematische Vorstellung von Gott, die sie sich selbst geschaffen oder übernommen haben. [...] Ein
reifer Glaube wagt trotz der eigenen Zweifel und der offenstehenden Fragen einen freien,
vertrauensvollen Sprung ins Herz des Geheimnisses. Theologischer Rationalismus kann dem
Gläubigen versichern, dass sein Mut, ins Geheimnis hineinzutreten und mit dem Geheimnis zu leben,
intellektuell nicht verantwortungslos ist [...]. Der Atheismus hat seinen guten Sinn als kritischer
30 Partner des Glaubens, wenn er ihn beunruhigt und ihm nicht erlaubt, zu einer bestimmten
Ideologieform zu erstarren. Außerhalb des Kontextes eines ehrlichen Dialogs mit dem Glauben wird
der Atheismus selbst zu einer dogmatischen und intoleranten Ideologie. [...]
Für die Laizität⁴ wie auch für die Kirche gilt die Umkehrung des Kreuzparadoxes: Wer gesiegt hat, der
verliert. Wer den öffentlichen Raum gänzlich beherrscht und den anderen aus ihm verdrängt hat, der
35 verliert auch einen Teil seiner selbst. Eine Laizität, die dem Glauben völlig den Rücken kehrt, geht
ihres Wesens verlustig und verändert sich in eine intolerante Pseudoreligion. Falls das Christentum die
säkulare Kritik ignorieren wollte, wird es zu einer triumphalistischen Ideologie, die den Sinn des
Evangeliums verrät, insbesondere die Sendung des Kreuzes.
In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die „eschatologische Differenzierung“ zwischen der
40 ecclesia triumphans (der eschatologischen Gestalt der Kirche nach dem Ende der Geschichte) und der
ecclesia militans (der „kämpfenden Kirche“, der irdischen Kirche in dieser Zeit, der Gemeinschaft von
Pilgern, die noch nicht ans Ziel gelangt sind) zu bedenken. Die kämpfende Kirche soll vor allem gegen
die Versuchung des Triumphalismus kämpfen. Falls die Kirche vergisst, dass sie noch unterwegs ist,
und sich für vollkommen ausgibt, falls die Theologie vergisst, dass wir Gottes Wahrheit – wie der
45 Apostel Paulus lehrt – hier „nur in Rätseln und wie im Spiegel“ sehen, führt die Häresie des
Triumphalismus zu einer militanten Religion. Eine große Warnung sollte für uns das Schicksal des
Begriffs „Dschihad“ in einigen Strömungen des gegenwärtigen Islamismus sein.
Damit wir nie in eine pharisäische Versuchung des Hochmuts und der Unreife „des älteren Bruders“
geraten, wird von Gott seit dem Anfang der Neuzeit der „jüngere Bruder“ neben uns gestellt, die
50 Laizität, der säkulare Humanismus.
¹ Kairos: günstiger Zeitpunkt; der für etwas entscheidende, günstige Augenblick
² Kenosis: theologische Auffassung, dass Christus bei der Menschwerdung auf die Ausübung seiner göttlichen Eigenschaften verzichtet habe (Philipper 2,6ff.)
³ Läuterung: Reinigung, Besserung; Läuterungsfeuer in Analogie zum Fegefeuer als reinigendes Durchgangsstadium
⁴ Laizität: Ideal der Neutralität, Merkmal liberaler Regierungssysteme, die eine klare Trennung von Staat und Kirche vorgeben
Tomáš Halík: Die Pharisäerbrille abnehmen. Zur paradoxen Bezogenheit von christlichem Glauben und Atheismus, Kirche und Modernität, in: Die politische Meinung. Zeitschrift für Politik, Gesellschaft, Religion und Kultur 509 (2012), S. 39–43, URL: https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_30646_1.pdf/0a01ecc3-bf94-1603-06e8-9fb0aaa01a6e?version=1.0&t=1539657366656 (abgerufen am 17.03.2020).
Hinweis
Tomáš Halík (geb. 1948): Professor für Soziologie und Pfarrer der Akademischen Gemeinde in Prag
3 Untersuchen Sie anhand einer Ihnen bekannten religionskritischen Position, inwieweit diese „den Glauben von den ihn diskreditierenden infantilen religiösen Vorstellungen säubern“ und „kritischer Partner des Glaubens“ (Material) sein kann.
(25 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 4 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge
Diskutieren Sie, inwiefern das Christentum unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen noch über das notwendige Profil verfügt, die Botschaft Jesu glaubwürdig zu verkünden. [30 BE]
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen
Material 1
Hans Küng: Christ sein (1990)
Christliche Botschaft will verständlich machen, was Jesus Christus für den Menschen heute bedeutet, ist. Wird aber dieser Christus für den Menschen heute wirklich verständlich, wenn man einfach dogmatisch von einer etablierten Trinitätslehre ausgeht? Wenn man schlicht die Gottheit Jesu, eine Präexistenz des Sohnes voraussetzt, um dann nur noch zu fragen, wie dieser Gottessohn eine Menschennatur mit sich verbinden, annehmen konnte, wobei Kreuz und Auferstehung vielfach nur noch als eine aus der „Menschwerdung“ sich ergebende Konsequenz erscheinen? Wenn man den Titel Gottessohn einseitig favorisiert, Jesu Menschlichkeit möglichst verdrängt und ihm das menschliche Personsein abspricht? Wenn man Jesus mehr als Gottheit anbetet, statt ihm irdisch-menschlich nachzufolgen? Wäre es den neutestamentlichen Zeugnissen und dem mehr geschichtlichen Denken des heutigen Menschen nicht vielleicht angemessener, wie die ersten Jünger vom wirklichen Menschen Jesus, seiner geschichtlichen Botschaft und Erscheinung, seinem Leben und Geschick, seiner geschichtlichen Wirklichkeit und geschichtlichen Wirkung auszugehen, um nach dieses Menschen Jesus Verhältnis zu Gott, seiner Einheit mit dem Vater zu fragen? Also kurz: weniger auf klassische Manier eine Christologie spekulativ oder dogmatisch „von oben“, sondern ohne die Legitimität der alten Christologie zu bestreiten, eine dem heutigen Menschen mehr entsprechende geschichtliche Christologie „von unten“: vom konkreten geschichtlichen Jesus her?
Hans Küng: Christ sein, München 8. Aufl. 1990, S. 152.
Material 2
Lothar Zenetti: Die entscheidende Frage (1987)
Als Jesus einmal in der Einsamkeit gebetet hatte und die Jünger sich wieder um ihn scharten, fragt er sie: „Für wen halten mich die Leute?“ Sie gaben ihm zur Antwort: „Für Johannes den Täufer“, „für Elija“, „ja, sie sagen: einer der alten Propheten ist wiedergekommen!“ – „Jedenfalls halten sie dich für einen ganz bedeutenden Menschen. Sie sagen: Jesus, das ist ein wirklich guter Mensch, ein Vorbild für alle. So ein Lehrer der Humanität wie Sokrates zum Beispiel oder Goethe oder Gandhi, sagen sie. Manche bezeichnen dich auch als einen großen Sozialreformer … Einen Revolutionär der Liebe, so hat dich einer genannt!“ –
„Und ihr?“ fragte er weiter, „was sagt ihr von mir?“
Da gab Simon Petrus zur Antwort, und man merkte gleich, er hatte inzwischen […] studiert: „Du bist, wie die Kirche […] auf den früheren Konzilen von Ephesos und Chalkedon formulierte, die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, der Sohn des Vaters, der Logos mithin, sein göttliches Wort, das von der Ewigkeit her im Besitz des vom Vater mitgeteilten einen göttlichen Wesens ist, das […] eine menschliche Natur als vollendete eigene Wirklichkeit angenommen hat, so daß du in der Einheit derselben göttlichen Person eine göttliche und eine menschliche Natur unvermischt und ungetrennt besitzt und als derselbe, also wahrhaft Gott und Mensch, zu glauben und zu bekennen bist.“ –
Er war ein bißchen außer Atem, der Simon Petrus, als er das gesagt hatte, aber es war ein großartiges Bekenntnis. Es schien ihm freilich, als ob Jesus ein wenig lächelte. Auf jeden Fall verbot er den Jüngern streng, dies irgend jemandem zu sagen.
Lothar Zenetti: Die wundersame Zeitvermehrung, München 3. Aufl. 1987, S. 102f.
Hinweise
Hans Küng (1928–2021): Theologe, katholischer Priester und Autor, bis 1996 Professor an der Universität Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie
Lothar Zenetti (1926–2019): katholischer Theologe, Priester und Schriftsteller, Träger des Preises „Humor in der Kirche“
1 Beschreiben Sie die Wege der Christologie, die Küng aufzeigt. (Material 1) (20 BE)
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 2 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge
Material 1
Hans Küng: Christ sein (1990)
Christliche Botschaft will verständlich machen, was Jesus Christus für den Menschen heute bedeutet, ist. Wird aber dieser Christus für den Menschen heute wirklich verständlich, wenn man einfach dogmatisch von einer etablierten Trinitätslehre ausgeht? Wenn man schlicht die Gottheit Jesu, eine Präexistenz des Sohnes voraussetzt, um dann nur noch zu fragen, wie dieser Gottessohn eine Menschennatur mit sich verbinden, annehmen konnte, wobei Kreuz und Auferstehung vielfach nur noch als eine aus der „Menschwerdung“ sich ergebende Konsequenz erscheinen? Wenn man den Titel Gottessohn einseitig favorisiert, Jesu Menschlichkeit möglichst verdrängt und ihm das menschliche Personsein abspricht? Wenn man Jesus mehr als Gottheit anbetet, statt ihm irdisch-menschlich nachzufolgen? Wäre es den neutestamentlichen Zeugnissen und dem mehr geschichtlichen Denken des heutigen Menschen nicht vielleicht angemessener, wie die ersten Jünger vom wirklichen Menschen Jesus, seiner geschichtlichen Botschaft und Erscheinung, seinem Leben und Geschick, seiner geschichtlichen Wirklichkeit und geschichtlichen Wirkung auszugehen, um nach dieses Menschen Jesus Verhältnis zu Gott, seiner Einheit mit dem Vater zu fragen? Also kurz: weniger auf klassische Manier eine Christologie spekulativ oder dogmatisch „von oben“, sondern ohne die Legitimität der alten Christologie zu bestreiten, eine dem heutigen Menschen mehr entsprechende geschichtliche Christologie „von unten“: vom konkreten geschichtlichen Jesus her?
Hans Küng: Christ sein, München 8. Aufl. 1990, S. 152.
Material 2
Lothar Zenetti: Die entscheidende Frage (1987)
Als Jesus einmal in der Einsamkeit gebetet hatte und die Jünger sich wieder um ihn scharten, fragt er sie: „Für wen halten mich die Leute?“ Sie gaben ihm zur Antwort: „Für Johannes den Täufer“, „für Elija“, „ja, sie sagen: einer der alten Propheten ist wiedergekommen!“ – „Jedenfalls halten sie dich für einen ganz bedeutenden Menschen. Sie sagen: Jesus, das ist ein wirklich guter Mensch, ein Vorbild für alle. So ein Lehrer der Humanität wie Sokrates zum Beispiel oder Goethe oder Gandhi, sagen sie. Manche bezeichnen dich auch als einen großen Sozialreformer … Einen Revolutionär der Liebe, so hat dich einer genannt!“ –
„Und ihr?“ fragte er weiter, „was sagt ihr von mir?“
Da gab Simon Petrus zur Antwort, und man merkte gleich, er hatte inzwischen […] studiert: „Du bist, wie die Kirche […] auf den früheren Konzilen von Ephesos und Chalkedon formulierte, die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, der Sohn des Vaters, der Logos mithin, sein göttliches Wort, das von der Ewigkeit her im Besitz des vom Vater mitgeteilten einen göttlichen Wesens ist, das […] eine menschliche Natur als vollendete eigene Wirklichkeit angenommen hat, so daß du in der Einheit derselben göttlichen Person eine göttliche und eine menschliche Natur unvermischt und ungetrennt besitzt und als derselbe, also wahrhaft Gott und Mensch, zu glauben und zu bekennen bist.“ –
Er war ein bißchen außer Atem, der Simon Petrus, als er das gesagt hatte, aber es war ein großartiges Bekenntnis. Es schien ihm freilich, als ob Jesus ein wenig lächelte. Auf jeden Fall verbot er den Jüngern streng, dies irgend jemandem zu sagen.
Lothar Zenetti: Die wundersame Zeitvermehrung, München 3. Aufl. 1987, S. 102f.
Hinweise
Hans Küng (1928–2021): Theologe, katholischer Priester und Autor, bis 1996 Professor an der Universität Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie
Lothar Zenetti (1926–2019): katholischer Theologe, Priester und Schriftsteller, Träger des Preises „Humor in der Kirche“
2.1
Stellen Sie Funktion und Bedeutung von Hoheitstiteln für Jesus dar. (15 BE)
2.2
Untersuchen Sie, auch unter Berücksichtigung Ihrer Ausführungen in 2.1, inwieweit die von Küng dargelegten Wege der Christologie (Material 1) durch neutestamentliche Aussagen über Jesus Christus belegt werden können. (35 BE)
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 3 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge
Material 1
Hans Küng: Christ sein (1990)
Christliche Botschaft will verständlich machen, was Jesus Christus für den Menschen heute bedeutet, ist. Wird aber dieser Christus für den Menschen heute wirklich verständlich, wenn man einfach dogmatisch von einer etablierten Trinitätslehre ausgeht? Wenn man schlicht die Gottheit Jesu, eine Präexistenz des Sohnes voraussetzt, um dann nur noch zu fragen, wie dieser Gottessohn eine Menschennatur mit sich verbinden, annehmen konnte, wobei Kreuz und Auferstehung vielfach nur noch als eine aus der „Menschwerdung“ sich ergebende Konsequenz erscheinen? Wenn man den Titel Gottessohn einseitig favorisiert, Jesu Menschlichkeit möglichst verdrängt und ihm das menschliche Personsein abspricht? Wenn man Jesus mehr als Gottheit anbetet, statt ihm irdisch-menschlich nachzufolgen? Wäre es den neutestamentlichen Zeugnissen und dem mehr geschichtlichen Denken des heutigen Menschen nicht vielleicht angemessener, wie die ersten Jünger vom wirklichen Menschen Jesus, seiner geschichtlichen Botschaft und Erscheinung, seinem Leben und Geschick, seiner geschichtlichen Wirklichkeit und geschichtlichen Wirkung auszugehen, um nach dieses Menschen Jesus Verhältnis zu Gott, seiner Einheit mit dem Vater zu fragen? Also kurz: weniger auf klassische Manier eine Christologie spekulativ oder dogmatisch „von oben“, sondern ohne die Legitimität der alten Christologie zu bestreiten, eine dem heutigen Menschen mehr entsprechende geschichtliche Christologie „von unten“: vom konkreten geschichtlichen Jesus her?
Hans Küng: Christ sein, München 8. Aufl. 1990, S. 152.
Material 2
Lothar Zenetti: Die entscheidende Frage (1987)
Als Jesus einmal in der Einsamkeit gebetet hatte und die Jünger sich wieder um ihn scharten, fragt er sie: „Für wen halten mich die Leute?“ Sie gaben ihm zur Antwort: „Für Johannes den Täufer“, „für Elija“, „ja, sie sagen: einer der alten Propheten ist wiedergekommen!“ – „Jedenfalls halten sie dich für einen ganz bedeutenden Menschen. Sie sagen: Jesus, das ist ein wirklich guter Mensch, ein Vorbild für alle. So ein Lehrer der Humanität wie Sokrates zum Beispiel oder Goethe oder Gandhi, sagen sie. Manche bezeichnen dich auch als einen großen Sozialreformer … Einen Revolutionär der Liebe, so hat dich einer genannt!“ –
„Und ihr?“ fragte er weiter, „was sagt ihr von mir?“
Da gab Simon Petrus zur Antwort, und man merkte gleich, er hatte inzwischen […] studiert: „Du bist, wie die Kirche […] auf den früheren Konzilen von Ephesos und Chalkedon formulierte, die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, der Sohn des Vaters, der Logos mithin, sein göttliches Wort, das von der Ewigkeit her im Besitz des vom Vater mitgeteilten einen göttlichen Wesens ist, das […] eine menschliche Natur als vollendete eigene Wirklichkeit angenommen hat, so daß du in der Einheit derselben göttlichen Person eine göttliche und eine menschliche Natur unvermischt und ungetrennt besitzt und als derselbe, also wahrhaft Gott und Mensch, zu glauben und zu bekennen bist.“ –
Er war ein bißchen außer Atem, der Simon Petrus, als er das gesagt hatte, aber es war ein großartiges Bekenntnis. Es schien ihm freilich, als ob Jesus ein wenig lächelte. Auf jeden Fall verbot er den Jüngern streng, dies irgend jemandem zu sagen.
Lothar Zenetti: Die wundersame Zeitvermehrung, München 3. Aufl. 1987, S. 102f.
Hinweise
Hans Küng (1928–2021): Theologe, katholischer Priester und Autor, bis 1996 Professor an der Universität Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie
Lothar Zenetti (1926–2019): katholischer Theologe, Priester und Schriftsteller, Träger des Preises „Humor in der Kirche“
3
Entwickeln Sie vor dem Hintergrund Ihrer bisherigen Ausführungen und der von Zenetti in ironischer Weise angesprochenen Problematik (Material 2) Überlegungen, wie heutigen Menschen ein Zugang zu Jesus und Gott eröffnet werden könnte. (30 BE)
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