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Sujet du Bac Allemand 2021 · Métropole remplacement
Sujet du Bac d’Allemand 2021, Métropole remplacement : 2 exercices corrigés. Thèmes : Voyages de découverte et d'exploration. Avec correction automatique.
Thèmes du sujet : Voyages de découverte et d'exploration · Construction et organisation des liens sociaux · Traduction en français (version) d'un passage du dossier · Transposition en français des idées d'un document
Sujet 1 - Partie 1 : Synthèse du dossier · Voyages de découverte et d'exploration
Thématique: « Voyages: circulation des hommes et des idées » — Axe d'étude: « Voyages de découverte et d'exploration »
Partie 1: Synthèse du dossier [16 points]
SUJET 1
Thématique: « Voyages: circulation des hommes et des idées »
Axe d'étude: « Voyages de découverte et d'exploration »
Document A
Wanderung
Wohlauf und froh gewandert
Ins unbekannte Land!
Zerrissen, ach! zerrissen
Ist manches teure Band.
5 Ihr heimatlichen Kreuze,
Wo ich oft betend lag,
Ihr Bäume, ach! ihr Hügel,
O blickt mir segnend 1 nach!
Noch schläft die weite Erde,
10 Kein Vogel weckt den Hain 2,
Doch bin ich nicht verlassen,
Doch bin ich nicht allein:
Denn, ach! auf meinem Herzen
Trag ich ihr teures Pfand 3,
15 Ich fühl's, und Erd' und Himmel
Sind innig mir verwandt 4.
Nach: Justinus Kerner, Die lyrischen Gedichte, 1854.
1 segnen: bénir
2 Hain:= kleiner Wald
3 Pfand = hier im Sinne von Gabe
4 verwandt sein: être de la même famille
Document B
Das Bild bezieht sich auf das berühmte Gemälde von Caspar David Friedrich Der Wanderer über dem Nebelmeer aus dem Jahr 1818:
Document C
Dans le texte ci-dessous l'auteur a choisi de ne pas mettre de majuscules pour conserver la linéarité du texte. Mais afin de faciliter votre lecture nous signalons les majuscules manquantes en caractères gras.
Unterwegs im Nebel
ragte die a utobahn plötzlich auf zu den w olken
oder hatten die w olken sich entschlossen,
den s chlaf von j ahrhunderten zwischen uns nachzuholen?
die s cheinwerferkegel tasteten – klägliche
5 i nsektenfühler 5 – nach der verborgenen s onne:
alles war kleiner und enger geworden.
das unwirkliche l icht der a rmaturen
erhellte uns spärlich in unseren w aben 6 aus b lech 7,
die w elt war geschrumpft 8 auf die nächste f ahrbahnmarkierung,
10 der h orizont spannte sich nur mehr zwischen
die b remsleuchten 9 des vor uns kriechenden 10 w agens:
dort seilten 11 wir die müden b licke an.
im r auschen zwischen den s enderfrequenzen keimte
der v erdacht, daß es stets dieselbe b rücke wäre,
15 die vorgab 12, das t or nach draußen zu sein,
und ab und zu tauchte auf der g egenspur 13
lautlos enigmatisch ein l kw auf,
ein w al 14, der sich kurz aus den t iefen des m eeres erhebt,
wie wir unterwegs im n ebel,
20 den man beharrlich über uns hängen ließ
wie das »bitte nicht stören«- s child überm k nauf einer t ür
in irgendeinem h otel einer s tadt ohne n amen.
Nach: Jan Wagner, Selbstporträt mit Bienenschwarm, ausgewählte Gedichte, 2001-2015, 2016.
5 Fühler = Antennen
6 in unseren Waben: L'intérieur du véhicule est comparé à un nid d'abeille avec ses alvéoles
7 Blech = Metall
8 schrumpfen = kleiner werden
9 die Bremsleuchten = das Licht an der Rückseite von dem Auto
10 kriechen = langsam fahren
11 anseilen = fixieren
12 vorgeben = so tun, als ob …
13 die Gegenspur = auf der anderen Seite der Straße
14 der Wal: la baleine
Document D
„Den ganzen Outdoor-Kram braucht man nicht“
Frank Hülsemann ist über die Anden gelaufen, auf den Spuren deutscher Einwanderer. 350 Kilometer, 23 Kilogramm auf dem Rücken und drei Wochen Zeit. Auf Outdoor-Kleidung hat er bewusst verzichtet.
Der Mann hat ein Faible für Reisen, von denen man Normalsterblichen nur abraten kann. Er trägt Joggingschuhe, eine schwarze Jogginghose und ein schwarzes Sweatshirt mit dem Aufdruck „Moonsorrow“, dem Namen einer finnischen Metal-Band. Er misst 1,96 Meter und ist kahlrasiert, nur dass am Hinterkopf ein langer, dünner Zopf baumelt. Soeben ist Frank Hülsemann mit einem Freund zu Fuß über die peruanischen Anden gewandert – auf dem Weg, den vor 160 Jahren deutsche Einwanderer genommen hatten. 18 Tage lang marschierten die beiden 350 Kilometer weit – von der Küste über die 4800 Meter hohen Anden bis in den Dschungel.
Er erzählt seine Reise:
Ich habe mir sofort Literatur besorgt und alles gelesen, was es über die Einwanderer zu lesen gibt. Ein Freund von mir, Markus de Marées, mit dem ich schon den Vulkan in Chile hochgefahren bin, war auch gleich begeistert. So wie andere Menschen zu Fuß die Alpen überqueren möchten, wollten wir schon immer zu Fuß über die Anden. Jetzt hatten wir die passende Geschichte dazu.
Wir mussten uns die ganze Zeit dagegen wehren, mit dem Auto mitgenommen zu werden. Markus war in der Mitte der Wanderung jedoch so erschöpft, dass er auf einmal in einem Lkw verschwand. Er konnte einfach nicht mehr. Wir haben uns dann in eine Stadt fahren lassen und sind danach wieder zu Fuß weiter. Streng genommen haben wir also nicht geschafft, was wir uns vorgenommen hatten.
Anfangs jedenfalls lief alles bestens. Wir landeten in Lima, verbrachten eine Nacht im Hotel, und am nächsten Morgen ging's los, mit 30 Kilo Gepäck. Viel zu viel. Wir haben eine Menge verschenkt, eine Bratpfanne zum Beispiel, oder eine Kaffeekanne, sodass jeder am Ende gut 23 Kilo auf dem Rücken hatte. Wir hatten acht Kilo Lebensmittel, aber keine Möglichkeit, etwas zu horten. Außerdem hatten wir topografische Karten dabei, einen Fotoapparat und ein GPS-Handgerät, denn sonst hätten wir die Wege nicht gefunden. Schön war, dass uns schon kurz nach dem Start die Leute grüßten. Je abgeschiedener die Gegend, desto freundlicher waren sie. Auf den letzten hundert Kilometern gab's nur noch Pfade, da kommt kein Auto hin, und die Leute sind zu Fuß unterwegs oder mit dem Pferd. Sie beugen sich dann so weit runter, um dir die Hand zu schütteln, dass sie fast herunterfallen.
Nach: Frank Lorentz, welt.de, 05.10.2016
Fassen Sie das vorliegende Dossier in etwa 500 Wörtern zusammen und beachten Sie dabei folgende Punkte:
Stellen Sie die vorliegenden Texte ( documents A, C et D) und das Bild ( document B) vor und erläutern Sie den thematischen Hintergrund.
Erklären Sie, ob die Reise in beiden Gedichten ( documents A et C) als positiv oder negativ bewertet wird. Achten Sie dabei auf die Atmosphäre und die Gefühle der Autoren.
Nennen Sie mögliche Parallelen zwischen dem Bild ( document B) und Jan Wagners Gedicht ( document C). Achten Sie dabei auf den Begriff „Nebel" und auf den zeitlichen Hintergrund. Was symbolisiert der Nebel in beiden Dokumenten?
Erläutern Sie anhand des Bildes ( document B) und der beiden zeitgenössischen Texte ( documents C et D), wie die Reise heute neu interpretiert wird.
Sujet 1 - Partie 2 : Transposition en français · Transposition en français des idées d'un document
Partie 2: Transposition en français (environ 100 mots) [4 points]
SUJET 1
Thématique: « Voyages: circulation des hommes et des idées »
Axe d'étude: « Voyages de découverte et d'exploration »
Document A
Wanderung
Wohlauf und froh gewandert
Ins unbekannte Land!
Zerrissen, ach! zerrissen
Ist manches teure Band.
5 Ihr heimatlichen Kreuze,
Wo ich oft betend lag,
Ihr Bäume, ach! ihr Hügel,
O blickt mir segnend 1 nach!
Noch schläft die weite Erde,
10 Kein Vogel weckt den Hain 2,
Doch bin ich nicht verlassen,
Doch bin ich nicht allein:
Denn, ach! auf meinem Herzen
Trag ich ihr teures Pfand 3,
15 Ich fühl's, und Erd' und Himmel
Sind innig mir verwandt 4.
Nach: Justinus Kerner, Die lyrischen Gedichte, 1854.
1 segnen: bénir
2 Hain:= kleiner Wald
3 Pfand = hier im Sinne von Gabe
4 verwandt sein: être de la même famille
Document B
Das Bild bezieht sich auf das berühmte Gemälde von Caspar David Friedrich Der Wanderer über dem Nebelmeer aus dem Jahr 1818:
Document C
Dans le texte ci-dessous l'auteur a choisi de ne pas mettre de majuscules pour conserver la linéarité du texte. Mais afin de faciliter votre lecture nous signalons les majuscules manquantes en caractères gras.
Unterwegs im Nebel
ragte die a utobahn plötzlich auf zu den w olken
oder hatten die w olken sich entschlossen,
den s chlaf von j ahrhunderten zwischen uns nachzuholen?
die s cheinwerferkegel tasteten – klägliche
5 i nsektenfühler 5 – nach der verborgenen s onne:
alles war kleiner und enger geworden.
das unwirkliche l icht der a rmaturen
erhellte uns spärlich in unseren w aben 6 aus b lech 7,
die w elt war geschrumpft 8 auf die nächste f ahrbahnmarkierung,
10 der h orizont spannte sich nur mehr zwischen
die b remsleuchten 9 des vor uns kriechenden 10 w agens:
dort seilten 11 wir die müden b licke an.
im r auschen zwischen den s enderfrequenzen keimte
der v erdacht, daß es stets dieselbe b rücke wäre,
15 die vorgab 12, das t or nach draußen zu sein,
und ab und zu tauchte auf der g egenspur 13
lautlos enigmatisch ein l kw auf,
ein w al 14, der sich kurz aus den t iefen des m eeres erhebt,
wie wir unterwegs im n ebel,
20 den man beharrlich über uns hängen ließ
wie das »bitte nicht stören«- s child überm k nauf einer t ür
in irgendeinem h otel einer s tadt ohne n amen.
Nach: Jan Wagner, Selbstporträt mit Bienenschwarm, ausgewählte Gedichte, 2001-2015, 2016.
5 Fühler = Antennen
6 in unseren Waben: L'intérieur du véhicule est comparé à un nid d'abeille avec ses alvéoles
7 Blech = Metall
8 schrumpfen = kleiner werden
9 die Bremsleuchten = das Licht an der Rückseite von dem Auto
10 kriechen = langsam fahren
11 anseilen = fixieren
12 vorgeben = so tun, als ob …
13 die Gegenspur = auf der anderen Seite der Straße
14 der Wal: la baleine
Document D
„Den ganzen Outdoor-Kram braucht man nicht“
Frank Hülsemann ist über die Anden gelaufen, auf den Spuren deutscher Einwanderer. 350 Kilometer, 23 Kilogramm auf dem Rücken und drei Wochen Zeit. Auf Outdoor-Kleidung hat er bewusst verzichtet.
Der Mann hat ein Faible für Reisen, von denen man Normalsterblichen nur abraten kann. Er trägt Joggingschuhe, eine schwarze Jogginghose und ein schwarzes Sweatshirt mit dem Aufdruck „Moonsorrow“, dem Namen einer finnischen Metal-Band. Er misst 1,96 Meter und ist kahlrasiert, nur dass am Hinterkopf ein langer, dünner Zopf baumelt. Soeben ist Frank Hülsemann mit einem Freund zu Fuß über die peruanischen Anden gewandert – auf dem Weg, den vor 160 Jahren deutsche Einwanderer genommen hatten. 18 Tage lang marschierten die beiden 350 Kilometer weit – von der Küste über die 4800 Meter hohen Anden bis in den Dschungel.
Er erzählt seine Reise:
Ich habe mir sofort Literatur besorgt und alles gelesen, was es über die Einwanderer zu lesen gibt. Ein Freund von mir, Markus de Marées, mit dem ich schon den Vulkan in Chile hochgefahren bin, war auch gleich begeistert. So wie andere Menschen zu Fuß die Alpen überqueren möchten, wollten wir schon immer zu Fuß über die Anden. Jetzt hatten wir die passende Geschichte dazu.
Wir mussten uns die ganze Zeit dagegen wehren, mit dem Auto mitgenommen zu werden. Markus war in der Mitte der Wanderung jedoch so erschöpft, dass er auf einmal in einem Lkw verschwand. Er konnte einfach nicht mehr. Wir haben uns dann in eine Stadt fahren lassen und sind danach wieder zu Fuß weiter. Streng genommen haben wir also nicht geschafft, was wir uns vorgenommen hatten.
Anfangs jedenfalls lief alles bestens. Wir landeten in Lima, verbrachten eine Nacht im Hotel, und am nächsten Morgen ging's los, mit 30 Kilo Gepäck. Viel zu viel. Wir haben eine Menge verschenkt, eine Bratpfanne zum Beispiel, oder eine Kaffeekanne, sodass jeder am Ende gut 23 Kilo auf dem Rücken hatte. Wir hatten acht Kilo Lebensmittel, aber keine Möglichkeit, etwas zu horten. Außerdem hatten wir topografische Karten dabei, einen Fotoapparat und ein GPS-Handgerät, denn sonst hätten wir die Wege nicht gefunden. Schön war, dass uns schon kurz nach dem Start die Leute grüßten. Je abgeschiedener die Gegend, desto freundlicher waren sie. Auf den letzten hundert Kilometern gab's nur noch Pfade, da kommt kein Auto hin, und die Leute sind zu Fuß unterwegs oder mit dem Pferd. Sie beugen sich dann so weit runter, um dir die Hand zu schütteln, dass sie fast herunterfallen.
Nach: Frank Lorentz, welt.de, 05.10.2016
Sur quels éléments du dossier pourriez-vous vous appuyer pour expliquer l'intérêt d'une telle exposition à des Français qui ne connaissent pas le tableau de Caspar David Friedrich ?
Sujet 2 - Partie 1 : Synthèse du dossier · Construction et organisation des liens sociaux
Document A
Bundesweiter Vorlesetag
Freitag ist bundesweiter Vorlesetag. Aber ab wann soll man Kindern eigentlich vorlesen? Und welche Bücher sind die schönsten? Wir haben eine Vorlese-Expertin gefragt. Birgit Nerenberg war mehr als 25 Jahre lang Buchhändlerin. Sie geht regelmäßig zum Vorlesen in Kinderkrippen und Familienzentren der Stadt Hannover.
Frau Nerenberg, warum ist Vorlesen so wichtig?
Vorlesen ist für die Sprachentwicklung wichtig. Kinder, denen vorgelesen wird, haben viel früher einen größeren Wortschatz und ihre Vorstellungskraft, Fantasie wird entwickelt. Vorlesen ist auch immer eine Liebeserklärung der Eltern an die Kinder. Man rückt ganz eng zusammen. Vorlesen bedeutet auch Nähe.
Wann soll man denn mit dem Vorlesen beginnen?
So früh wie möglich.
Sie gehen selbst viel in Kindergärten. Lesen Sie auch in Krippen vor?
Ja, schon für Kinder ab 16 Monaten. Wenn ich dann Bilderbücher vorlese, versuche ich, die Bilder zum Leben zu erwecken. Das gefällt sogar Kindern, die noch nicht richtig sprechen können.
Viele Kinder heute lieben aber auch das Smartphone oder das iPad ihrer Eltern. Hat das Kinderbuch noch eine Chance gegen die sozialen Medien?
Ja, das ist einfach etwas anderes, ob ich in einem Bilderbuch blättere oder es auf dem iPad anschaue. Ich diabolisiere die modernen Medien nicht, aber Kinder lieben Bücher. Und wenn man ihnen dieses Angebot über das Vorlesen macht, greifen sie zu.
Sollte man besser aktuelle Bücher vorlesen, oder solche von früher, die man selbst geliebt hat?
Das ist unwichtig. Wichtig ist, dass man Bücher vorliest, an denen man selber Spaß hat. Bei Büchern von früher transportiert man eigene Erfahrungen mit. Ich würde dann aber immer die Kinder zuerst ihre Eindrücke schildern lassen und dann selbst etwas sagen.
Manche Bücher von früher sind heute in Verruf geraten und gelten als veraltet.
Diese Bücher sind eben in einer anderen Zeit geschrieben. Kinder verstehen das sofort, wenn man es ihnen erklärt. Das finde ich vollkommen unproblematisch.
Was macht ein richtig gutes Kinderbuch aus?
Die Illustrationen sollten ausdrucksstark sein. Kinder im Vorschulalter lieben Bilderbücher mit Überraschungseffekten, mit Wortwitz. Das Wichtigste ist: Es sollte dem Vorleser und dem Zuhörer Spaß machen.
Nach: Interview von Jutta Rinas, 2016.
Document B
In seinem Buch „Kinder brauchen Märchen" erklärt der österreichische Kinderpsychologe Bruno Bettelheim, warum wir unseren Kindern Märchen erzählen sollen.
Sowohl Mythen als auch Märchen beantworten die ewigen Fragen: Wie ist die Welt wirklich? Wie soll ich darin leben? Wie kann ich ich-selbst sein? Die Antworten des Mythos sind definitiv, das Märchen ist suggestiv. Seine Botschaften können Lösungen geben, aber es spricht sie nicht aus. Das Märchen überlässt es der Phantasie des Kindes, ob und wie es das, was die Geschichte vom Leben und vom Menschen erzählt, auf sich selbst beziehen will. Das Märchen entwickelt sich so, wie das Kind denkt und die Welt erlebt. Deshalb ist das Märchen für das Kind so überzeugend 15. Aus dem Märchen schöpft es viel größere Zuversicht 16 als aus einem Tröstungsversuch 17 mit Argumenten von Erwachsenen. Das Kind vertraut dem Märchen, weil seine Weltsicht mit dem des Märchens identisch ist.
In der Kindheit ist mehr als in allen anderen Altersstufen alles im Werden. Das Märchen bietet der Phantasie den Stoff, der dem Kind in symbolischer Form zeigt, worum es bei dem Kampf um die Selbstverwirklichung 18 geht und es gibt ein gutes Ende. Obwohl das Märchen phantastische Symbolbilder für die Lösung von Problemen bringt, sind die dargestellten Probleme selbst doch ganz gewöhnlich: ein Kind leidet unter der Eifersucht 19 seiner Geschwister wie Aschenputtel. Ein Kind wird von seinen Eltern als unfähig angesehen wie in so vielen Märchen. Der Märchenheld erringt den Sieg 20 über diese Probleme.
Nach: Bruno Bettelheim, Kinder brauchen Märchen, 1975.
15 überzeugend sein: être convaincant
16 die Zuversicht = die Hoffnung
17 trösten: consoler
18 die Selbstverwirklichung: l'épanouissement personnel
19 die Eifersucht: la jalousie
20 der Sieg: la victoire
Document C
Document D
Hanna sitzt im Gefängnis 21. Der Erzähler schickt ihr seit Jahren Kassetten, auf denen er literarische Texte vorliest. Zum ersten Mal schreibt Hanna zurück.
1 Ich las den Gruß und war erfüllt von Freude und Jubel. „Sie schreibt, sie schreibt!" Was
immer ich in all den Jahren über Analphabetismus hatte finden können, hatte ich
gelesen. Ich wusste von der Hilflosigkeit im Alltag, beim Finden eines Weges und einer
Adresse oder beim Wählen eines Gerichts im Restaurant, von der Ängstlichkeit, mit
5 der der Analphabet vorgegebenen Mustern 22 und bewährten Routinen folgt, von der
Energie, die das Verbergen der Lese- und Schreibunfähigkeit erfordert und vom
eigentlichen Leben abzieht. Analphabetismus ist Unmündigkeit 23. Indem Hannah den
Mut gehabt hatte, lesen und schreiben zu lernen, hatte sie den Schritt aus der
Unmündigkeit zur Mündigkeit getan, einen aufklärerischen Schritt.
Nach: Bernhard Schlink, Der Vorleser, 1995
21 das Gefängnis: la prison
22 vorgegebene Muster: schémas tout préparés
23 die Unmündigkeit ≠ mündig sein = für sich selbst sprechen und Entscheidungen treffen dürfen
SUJET 2
Thématique: « Formes et fondements des liens sociaux dans l'espace germanophone »
Axe d'étude: « Socialisation et sociabilité: espaces et enjeux »
Partie 1: Synthèse du dossier (16 points)
Fassen Sie das vorliegende Dossier zusammen (ca. 500 Wörter), indem Sie auf folgende Punkte eingehen:
Stellen Sie die drei Texte ( documents A, B, et D) und das Bild ( document C) vor und erläutern Sie den thematischen Hintergrund.
Erläutern Sie, inwiefern das Interview ( document A) und der Text von Bettelheim ( document B) die Rolle des Lesens und des Vorlesens in der Entwicklung des Menschen thematisieren.
„Analphabetismus ist Unmündigkeit“. Kommentieren Sie dieses Zitat aus dem Text von B. Schlink ( document D). Inwiefern trifft dieses Zitat auch auf die Texte A und B ( documents A et B)?
Lesen verbindet. Erläutern Sie, inwiefern diese Aussage auf das ganze Dossier ( documents A, B, C et D) zutrifft. Stützen sie sich dabei auf alle Texte ( documents A, B et D) und auf das Gemälde ( document C). Achten Sie dabei insbesondere auf die Symbolik des Fensters.
Sujet 2 - Partie 2 : Traduction en français · Traduction en français (version) d'un passage du dossier
Document A
Bundesweiter Vorlesetag
Freitag ist bundesweiter Vorlesetag. Aber ab wann soll man Kindern eigentlich vorlesen? Und welche Bücher sind die schönsten? Wir haben eine Vorlese-Expertin gefragt. Birgit Nerenberg war mehr als 25 Jahre lang Buchhändlerin. Sie geht regelmäßig zum Vorlesen in Kinderkrippen und Familienzentren der Stadt Hannover.
Frau Nerenberg, warum ist Vorlesen so wichtig?
Vorlesen ist für die Sprachentwicklung wichtig. Kinder, denen vorgelesen wird, haben viel früher einen größeren Wortschatz und ihre Vorstellungskraft, Fantasie wird entwickelt. Vorlesen ist auch immer eine Liebeserklärung der Eltern an die Kinder. Man rückt ganz eng zusammen. Vorlesen bedeutet auch Nähe.
Wann soll man denn mit dem Vorlesen beginnen?
So früh wie möglich.
Sie gehen selbst viel in Kindergärten. Lesen Sie auch in Krippen vor?
Ja, schon für Kinder ab 16 Monaten. Wenn ich dann Bilderbücher vorlese, versuche ich, die Bilder zum Leben zu erwecken. Das gefällt sogar Kindern, die noch nicht richtig sprechen können.
Viele Kinder heute lieben aber auch das Smartphone oder das iPad ihrer Eltern. Hat das Kinderbuch noch eine Chance gegen die sozialen Medien?
Ja, das ist einfach etwas anderes, ob ich in einem Bilderbuch blättere oder es auf dem iPad anschaue. Ich diabolisiere die modernen Medien nicht, aber Kinder lieben Bücher. Und wenn man ihnen dieses Angebot über das Vorlesen macht, greifen sie zu.
Sollte man besser aktuelle Bücher vorlesen, oder solche von früher, die man selbst geliebt hat?
Das ist unwichtig. Wichtig ist, dass man Bücher vorliest, an denen man selber Spaß hat. Bei Büchern von früher transportiert man eigene Erfahrungen mit. Ich würde dann aber immer die Kinder zuerst ihre Eindrücke schildern lassen und dann selbst etwas sagen.
Manche Bücher von früher sind heute in Verruf geraten und gelten als veraltet.
Diese Bücher sind eben in einer anderen Zeit geschrieben. Kinder verstehen das sofort, wenn man es ihnen erklärt. Das finde ich vollkommen unproblematisch.
Was macht ein richtig gutes Kinderbuch aus?
Die Illustrationen sollten ausdrucksstark sein. Kinder im Vorschulalter lieben Bilderbücher mit Überraschungseffekten, mit Wortwitz. Das Wichtigste ist: Es sollte dem Vorleser und dem Zuhörer Spaß machen.
Nach: Interview von Jutta Rinas, 2016.
Document B
In seinem Buch „Kinder brauchen Märchen" erklärt der österreichische Kinderpsychologe Bruno Bettelheim, warum wir unseren Kindern Märchen erzählen sollen.
Sowohl Mythen als auch Märchen beantworten die ewigen Fragen: Wie ist die Welt wirklich? Wie soll ich darin leben? Wie kann ich ich-selbst sein? Die Antworten des Mythos sind definitiv, das Märchen ist suggestiv. Seine Botschaften können Lösungen geben, aber es spricht sie nicht aus. Das Märchen überlässt es der Phantasie des Kindes, ob und wie es das, was die Geschichte vom Leben und vom Menschen erzählt, auf sich selbst beziehen will. Das Märchen entwickelt sich so, wie das Kind denkt und die Welt erlebt. Deshalb ist das Märchen für das Kind so überzeugend 15. Aus dem Märchen schöpft es viel größere Zuversicht 16 als aus einem Tröstungsversuch 17 mit Argumenten von Erwachsenen. Das Kind vertraut dem Märchen, weil seine Weltsicht mit dem des Märchens identisch ist.
In der Kindheit ist mehr als in allen anderen Altersstufen alles im Werden. Das Märchen bietet der Phantasie den Stoff, der dem Kind in symbolischer Form zeigt, worum es bei dem Kampf um die Selbstverwirklichung 18 geht und es gibt ein gutes Ende. Obwohl das Märchen phantastische Symbolbilder für die Lösung von Problemen bringt, sind die dargestellten Probleme selbst doch ganz gewöhnlich: ein Kind leidet unter der Eifersucht 19 seiner Geschwister wie Aschenputtel. Ein Kind wird von seinen Eltern als unfähig angesehen wie in so vielen Märchen. Der Märchenheld erringt den Sieg 20 über diese Probleme.
Nach: Bruno Bettelheim, Kinder brauchen Märchen, 1975.
15 überzeugend sein: être convaincant
16 die Zuversicht = die Hoffnung
17 trösten: consoler
18 die Selbstverwirklichung: l'épanouissement personnel
19 die Eifersucht: la jalousie
20 der Sieg: la victoire
Document C
Document D
Hanna sitzt im Gefängnis 21. Der Erzähler schickt ihr seit Jahren Kassetten, auf denen er literarische Texte vorliest. Zum ersten Mal schreibt Hanna zurück.
1 Ich las den Gruß und war erfüllt von Freude und Jubel. „Sie schreibt, sie schreibt!" Was
immer ich in all den Jahren über Analphabetismus hatte finden können, hatte ich
gelesen. Ich wusste von der Hilflosigkeit im Alltag, beim Finden eines Weges und einer
Adresse oder beim Wählen eines Gerichts im Restaurant, von der Ängstlichkeit, mit
5 der der Analphabet vorgegebenen Mustern 22 und bewährten Routinen folgt, von der
Energie, die das Verbergen der Lese- und Schreibunfähigkeit erfordert und vom
eigentlichen Leben abzieht. Analphabetismus ist Unmündigkeit 23. Indem Hannah den
Mut gehabt hatte, lesen und schreiben zu lernen, hatte sie den Schritt aus der
Unmündigkeit zur Mündigkeit getan, einen aufklärerischen Schritt.
Nach: Bernhard Schlink, Der Vorleser, 1995
21 das Gefängnis: la prison
22 vorgegebene Muster: schémas tout préparés
23 die Unmündigkeit ≠ mündig sein = für sich selbst sprechen und Entscheidungen treffen dürfen
Partie 2: Traduction en français (4 points)
(extrait du document D)
Das Märchen überlässt es der Phantasie des Kindes, ob und wie es das, was die Geschichte vom Leben und vom Menschen erzählt, auf sich selbst beziehen will. Das Märchen entwickelt sich so, wie das Kind denkt und die Welt erlebt. Deshalb ist das Märchen für das Kind so überzeugend. Aus dem Märchen schöpft es viel größere Zuversicht als aus einem Tröstungsversuch mit Argumenten von Erwachsenen.
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